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5.1 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse in:

Peter Kajüter

Risikomanagement im Konzern, page 411 - 417

Eine empirische Analyse börsennotierter Aktienkonzerne

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3440-8, ISBN online: 978-3-8006-4868-9, https://doi.org/10.15358/9783800648689_411

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5 Zusammenfassung und Ausblick 5.1 Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse Angesichts spektakulärer Schieflagen und Insolvenzen namhafter Unternehmen und Konzerne hat der deutsche Gesetzgeber im Jahre 1998 mit dem § 91 Abs. 2 AktG die Anforderungen an den Umgang mit unternehmerischen Risiken präzisiert. Vorstände von Aktiengesellschaften und unter bestimmten Bedingungen auch die Leitungsorgane von Unternehmen mit anderen Rechtsformen sind seitdem explizit verpflichtet, ein Risikofrüherkennungssystem einzurichten und dessen Funktionsfähigkeit durch ein internes Überwachungssystem zu kontrollieren. Daneben kann sich aus den allgemeinen Sorgfaltspflichten eines Vorstands nach § 93 Abs. 1 AktG die Pflicht zu risikosteuernden Maßnahmen ergeben. Für den Vorstand eines Mutterunternehmens sind diese Verpflichtungen, die sich unter dem Begriff des Risikomanagements subsumieren lassen, konzernweit zu verstehen. Dies gilt ebenso für die Regeln des DCGK, der die Bedeutung des Risikomanagements im Rahmen der Unternehmensführung und -überwachung nochmals hervorhebt. Obgleich mittelständische und große Unternehmen zumeist Teil eines Konzerns sind (entweder als Mutterunternehmen oder als abhängiges Unternehmen), hat sich die betriebswirtschaftliche Forschung mit der Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen in Konzernen bislang nur am Rande beschäftigt. Vor diesem Hintergrund bestand das zentrale Forschungsziel der vorliegenden Arbeit darin, theoretisch fundierte und empirisch gestützte Gestaltungsempfehlungen für Risikomanagementsysteme in Konzernen zu erarbeiten. Dieses übergeordnete Ziel wurde in drei Teilziele konkretisiert: Das erste Teilziel umfasste die Entwicklung eines Beschreibungssystems, das die wesentlichen Merkmale (Gestaltungsparameter) des Risikomanagements in Konzernen integriert und als Grundlage für die Erhebung realer Risikomanagementsysteme dienen kann. Gegenstand des zweiten Teilziels bildete die empirische Analyse der einzelnen Gestaltungsparameter des Risikomanagements im Konzern. Hierbei wurde nicht nur eine deskriptive Bestandsaufnahme angestrebt, sondern auch eine explikative Analyse von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Merkmalen. Das dritte Teilziel war darauf gerichtet, eine Realtypologie für Risikomanagementsysteme in Konzernen zu entwickeln und die extrahierten Risikomanagementsystemtypen im Hinblick auf ihren Kontext und ihre Effizienz zu analysieren. Um diese Forschungsziele zu erreichen, war es zunächst erforderlich, begriffliche, ökonomische und rechtliche Grundlagen des Risikomanagements darzulegen und die wissenschaftstheoretische Grundposition zu bestimmen. Mit Letzterem wurde zum einen ein methodisches Fundament und zum anderen eine 388 5  Zusammenfassung und Ausblick Beurteilungsgrundlage für die Analyse des Forschungsstandes geschaffen. Aufgrund des zu konstatierenden Defizits an einer realwissenschaftlichen Theorie des Risikomanagements im Konzern stützte sich die Arbeit auch auf metatheoretische Ansätze, wie z.B. die System- und die Kontingenztheorie, sowie auf verwandte Theoriegebiete, wie z.B. das Controlling, und setzte zur Erreichung der Forschungsziele die Prüf- und die Konstruktionsstrategie kombiniert ein. Insofern umfasst die Untersuchung sowohl explikative als auch explorative Analysen. Um der Gefahr einer willkürlichen Prüfung von Einzelhypothesen zu begegnen, wurde der Arbeit ein konzeptioneller Bezugsrahmen zu Grunde gelegt. Dieser diente dazu, den Forschungsprozess zu ordnen und zu steuern. Insgesamt bestand der Bezugsrahmen aus vier Kategorien: dem Kontext, den Zielen, dem System und der Effizienz des Risikomanagements. Die zwischen diesen Kategorien vermuteten Beziehungen wurden in Form von drei Basishypothesen zum Ausdruck gebracht. So wurde zum Ersten prognostiziert, dass die Bedeutung der Ziele, die Ausgestaltung des Systems und das Ausmaß der Effizienz des Risikomanagements vom Kontext abhängen. Zum Zweiten lag die Vermutung nahe, dass die Ziele die Ausgestaltung des Risikomanagementsystems determinieren, welche zum Dritten den Effizienzgrad desselben beeinflusst. Die zur Prüfung dieser Basishypothesen bzw. der aus ihnen abgeleiteten Einzelhypothesen notwendigen empirischen Daten wurden durch eine Feldstudie bei deutschen börsennotierten Aktienkonzernen erhoben. Durch die schriftliche und die ergänzende mündliche Befragung konnte für den Hauptteil der Studie eine repräsentative Stichprobe von 290 Konzernen gewonnen werden, was einer Rücklaufquote von 52,5% entspricht. Die ergänzende Teilstudie zur internen Prüfung des Risikomanagementsystems durch die Konzernrevision bezog sich wegen der kleineren Grundgesamtheit zwangsläufig auf eine kleinere empirische Basis; bei einer Rücklaufquote von 74,6% konnten hier 53 Antworten erzielt werden. Insgesamt liegt damit die bislang größte und zugleich inhaltlich umfangreichste empirische Datenbasis zum Risikomanagement in deutschen Konzernen vor. Durch die systematische Konkretisierung des Bezugsrahmens in Kapitel 2 konnten gemäß dem ersten Teilziel der Arbeit die wesentlichen Merkmale des Risikomanagements im Konzern erarbeitet und in ein Beschreibungssystem integriert werden. Dieses gibt einen strukturierten Überblick über die zahlreichen konstitutiven und prozessualen Gestaltungsparameter und kann Entscheidungsträgern in der Praxis als Orientierungshilfe bei der Implementierung von konzernweiten Risikomanagementsystemen dienen. Weiter wurden im zweiten Kapitel der Kontext, die Ziele und die Effizienz des Risikomanagements operationalisiert sowie auf der Grundlage der Basishypothesen des Bezugsrahmens konkrete Einzelhypothesen über Zusammenhänge zwischen verschiedenen Merkmalen des Risikomanagements formuliert. Auf diesen Vorarbeiten aufbauend stand im dritten Kapitel die empirische Analyse des Risikomanagements im Mittelpunkt. Diese dem zweiten Teilziel der Arbeit folgende Analyse beschränkte sich nicht nur auf eine deskriptive Bestandsaufnahme, sondern führte über die Prüfung der Einzelhypothesen auch zu explikativen Aussagen. Dabei wurden die Basishypothesen der Arbeit insgesamt bestä- 5.1  Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 389 tigt. Als ausgewählte zentrale Ergebnisse dieses Teils der Untersuchung lassen sich vor allem folgende Erkenntnisse festhalten: • Kontext: Die überwiegende Mehrheit der börsennotierten Konzerne reagierte auf die gesetzlichen Anforderungen des § 91 Abs. 2 AktG mit mehr als einjähriger Verzögerung. Zeitgleich mit der Ausdehnung der Pflicht zur Prüfung des Risikomanagementsystems nach § 317 Abs. 4 HGB auf alle börsennotierten Aktiengesellschaften im Jahre 2002 stieg die Zahl der Einführungsinitiativen wieder an. Dies deutet darauf hin, dass sich einige Konzerne erst durch die Prüfungspflicht veranlasst sahen, ein Risikomanagementsystem einzurichten. • Ziele: Die Sicherung der Existenz, die Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen durch Schaffung von Risikotransparenz und die Stärkung des Risikobewusstseins werden als die bedeutsamsten Ziele für die Ausgestaltung der Risikomanagementsysteme beurteilt. Dabei zeigt sich, dass dem Ziel der Risikotransparenz mit zunehmender Konzerngröße eine höhere Bedeutung beigemessen wird. • System: – Bildung des Risikomanagementsystems: Die Ausprägung der organisatorischen Merkmale des Risikomanagements wird maßgeblich von der Konzerngröße und der Konzernorganisation beeinflusst. Je größer der Konzern, desto mehr werden Entscheidungskompetenzen und Aufgaben des Risikomanagements dezentralisiert und desto intensiver ist die Koordination. Holdingkonzerne delegieren Entscheidungskompetenzen und Aufgaben des Risikomanagements in stärkerem Maße an Tochtergesellschaften als Stammhauskonzerne. Insgesamt dominiert ein funktionales Risikomanagement. Lediglich 14% der Konzerne haben zur Koordination des Risikomanagements eine eigenständige organisatorische Einheit eingerichtet. Die Befunde manifestieren weiter, dass die Konzerngröße die Intensität der methodischen Unterstützung, die Einrichtung von Wesentlichkeitsgrenzen und die Vollständigkeit der Risikomanagementdokumentation determiniert. Neuere Risikomanagementinstrumente sind bislang in der Konzernpraxis wenig verbreitet. Das Ausmaß der Integration des Risikomanagementsystems in das Controllingsystem des Konzerns hängt dagegen vor allem von der Bedeutung der Ziele Sicherung des Konzernerfolgs, Stärkung des Risikobewusstseins und Akzeptanz des Risikomanagements ab. Ähnlich werden Risikomanagementsysteme umso eher auf die Erfassung von Chancen ausgerichtet, je mehr Bedeutung den Zielen Sicherung des Konzernerfolgs, Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen durch Chancentransparenz und Senkung der Kapitalkosten zugesprochen wird. – Risikofrüherkennung: Zur Risikoidentifikation führen 75% der Konzerne regelmäßig (zumeist jährlich oder quartalsweise) eine Risikoinventur durch. Je größer der Konzern, desto eher erfolgt die Risikoinventur bottom-up durch die Tochtergesellschaften. Bei der permanenten Risikoidentifikation durch Frühaufklärung offenbaren die empirischen Befunde nach wie vor eine Implementierungslücke. Konzeptionelle Probleme er- 390 5  Zusammenfassung und Ausblick schweren auch die Risikoaggregation im Konzern; 29% der Konzerne verzichten völlig auf sie. Mit zunehmender Konzerngröße ist die Risikoaggregation stärker ausgeprägt. Die interne Risikokommunikation zwischen der Konzernmutter und den Tochterunternehmen ist vor allem durch einen bottom-up orientierten Informationsfluss gekennzeichnet. Der Anteil schriftlich kommunizierter Risiken und damit der Formalisierungsgrad der Risikoberichterstattung nimmt mit steigender Konzerngröße zu. Oftmals erhalten die Tochtergesellschaften keine Rückmeldung zu den berichteten Risiken. – Risikobewältigung: Die Optimierung des Geschäftsportfolios unter Risikoaspekten, die Auslagerung von Risiken in rechtlich selbstständige Einheiten unter Ausnutzung der Haftungsseparation und die Versicherung von Risiken in Captives sind konzernspezifische Maßnahmen des Risikomanagements. Letztere lässt sich allerdings nur in wenigen Großkonzernen beobachten. Die Umsetzung von risikosteuernden Maßnahmen wird mit wachsender Konzerngröße intensiver kontrolliert. – Interne Überwachung: Die Ausgestaltung der prozessintegrierten und prozessunabhängigen internen Überwachung des Risikomanagements hängt wesentlich von der Größe des Konzerns ab. Eine interne Prüfung des Risikomanagementsystems durch die Konzernrevision findet in 30% der Konzerne statt; hierbei handelt es sich überwiegend um Großkonzerne; weitere 10% planen eine solche für die Zukunft. Die Prüfung wird i.d.R. zentral von der Konzernobergesellschaft gesteuert, wobei konzernrechtlichen Restriktionen in der Praxis keine Bedeutung zugesprochen wird. Kleine mittelständische Konzerne messen im Gegensatz zu Großkonzernen der Wahrnehmung von Aufsichtratsmandaten in Tochtergesellschaften durch Mitglieder des Konzernvorstands für die Überwachung des Risikomanagements eine höhere Bedeutung zu. • Effizienz: Die Risikomanagement-Effizienz wird von einem Drittel der Konzerne in einer Selbsteinschätzung der Risikomanagement-Koordinatoren schlechter als befriedigend beurteilt. Die Effizienz des Risikomanagements nimmt dabei mit zunehmendem Alter des Risikomanagementsystems und somit wachsender Erfahrung zu. Sie wird zudem durch die Koordinationsintensität, die Integration des Risikomanagements in das Controllingsystem, die methodische Unterstützung sowie die konzernweite Wahrnehmung der Aufgaben des Risikomanagements positiv beeinflusst. Während die empirische Analyse im dritten Kapitel eine Fülle an neuen Einzelerkenntnissen zum Risikomanagement im Konzern hervorgebracht hat, waren die Forschungsbemühungen im vierten Kapitel darauf gerichtet, typische Muster in der Ausgestaltung konzernweiter Risikomanagementsysteme zu explorieren. Gemäß dem dritten Teilziel der Arbeit wurde eine Realtypologie für Risi‐ komanagementsysteme in Konzernen entwickelt, die aus fünf verschiedenen Risikomanagementsystemtypen besteht. Die kontextuelle Analyse und effizienzanalytische Bewertung offenbarte signifikante Unterschiede zwischen den fünf Realtypen. In Großkonzernen sind vor allem der separate Formal-Typ und der dezentrale Maximal-Typ zu beobachten. Letzterer weist dabei die höchste Effi- 5.1  Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 391 zienz unter allen Typen auf und ist daher auch dem separaten Formal-Typ überlegen. In mittelständischen Konzernen finden sich primär zentralisierte Risikomanagementsystemtypen. Dies sind der zentralisierte Minimal-Typ und der zentralisierte Koordinations-Typ. Der Erstere ist zwar am weitesten verbreitet (33% der Konzerne haben ihn implementiert), hat aber den geringsten Effizienzgrad. Insofern verspricht der zentralisierte Koordinations-Typ in mittelständischen Konzernen einen höheren Erfolg. Der fünfte Realtyp, der dezentrale Durchschnitts-Typ, ließ sich schließlich nicht eindeutig einer Größenklasse zuordnen. Er vereint verschiedene Merkmale der anderen Typen und weist eine durchschnittliche Effizienz auf. Aus den vorstehend zusammengefassten Untersuchungsergebnissen resultiert eine Reihe von Implikationen für die Praxis. Konzernen, die vor der Aufgabe stehen, ein Risikomanagementsystem einzurichten, bietet die Realtypologie einen Überblick über charakteristische, kontextuell unterschiedliche Ausgestaltungsmöglichkeiten. Angesichts der unterschiedlichen Effizienzgrade, empfiehlt sich für Großkonzerne eine Orientierung am dezentralen Maximal-Typ. Mittelständischen Konzernen könnte hingegen der zentralisierte Koordinations-Typ als Vorbild für die Ausgestaltung ihres Risikomanagementsystems dienen. Sofern bereits ein Risikomanagementsystem existiert, das aber nicht einem dieser beiden überdurchschnittlich effizienten Typen entspricht, kann die Realtypologie den Entscheidungsträgern in der Konzernpraxis Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung ihrer Risikomanagementsysteme aufzeigen. Zudem lässt sich auf der Grundlage der vorliegenden Befunde die Empfehlung zu einer umfassenden methodischen Unterstützung sowie einer möglichst weitgehenden Integration des Risikomanagementsystems in das Controllingsystem des Konzerns ableiten. Letztere trägt dazu bei, dass das Risikomanagementsystem nicht nur formalen regulatorischen Anforderungen genügt, sondern auch der Konzernsteuerung dient. Implikationen ergeben sich aus den Befunden dieser Studie auch für interne Revisoren und Wirtschaftsprüfer. Im Rahmen ihrer Prüfungsaufgabe kann ihnen die Realtypologie einen Einblick in typische Erscheinungsformen von Risikomanagementsystemen geben. Dabei könnten der dezentrale Maximal-Typ und der zentralisierte Koordinations-Typ aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Effizienz möglicherweise als Soll-Objekte für die Prüfung dienen. Im Rahmen ihrer Beratungsaufgabe können interne Revisoren und Wirtschaftsprüfer, sofern erforderlich, auf die Weiterentwicklung der Risikomanagementsysteme in Richtung der effizienten Realtypen hinwirken. Schließlich stellt sich für den deutschen Gesetzgeber die Frage, inwieweit eine Beschränkung der Prüfungspflicht nach § 317 Abs. 4 HGB auf börsennotierte Aktiengesellschaften sinnvoll ist. Die vorliegenden Befunde dokumentieren eindrucksvoll, dass die Praxis der Einrichtung von Risikomanagementsystemen mit teilweise erheblicher Verzögerung nachgekommen ist und dass dabei die Erweiterung der Prüfungspflicht von amtlich notierten Gesellschaften auf alle börsennotierten Unternehmen zu einer verstärkten Umsetzung der Anforderungen aus § 91 Abs. 2 AktG beigetragen hat. Aus diesem Grunde erscheint es geboten, 392 5  Zusammenfassung und Ausblick eine weitere Ausweitung der Prüfungspflicht auf alle kapitalmarktorientierten Unternehmen zu erwägen.1 Versucht man den mit der vorliegenden Untersuchung erzielten Erkenntnisfort‐ schritt zu beurteilen, so lassen sich drei zentrale Punkte herausstellen: • Ein erster wesentlicher Beitrag besteht in der theoretisch-konzeptionellen Weiterentwicklung des Risikomanagements im Konzern. So wurden zum einen erstmals konzernspezifische Aspekte des Risikomanagements, wie z.B. die Abgrenzung des Risikokonsolidierungskreises oder die Berücksichtigung von Beteiligungsquoten bei der Risikoaggregation, eingehend diskutiert. Zum anderen wurden die zahlreichen Gestaltungsparameter in ein umfassendes Beschreibungssystem integriert. Dieses hat sich als strukturiertes Erhebungsraster in dieser Arbeit bewährt und bietet einen kompakten Überblick über wesentliche Parameter bei der Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen. • Darüber hinaus leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Beseitigung des bei der Analyse des Forschungsstandes aufgezeigten empirischen Defizits im Bereich des Risikomanagements im Konzern. Sie beruht auf einer breiten empirischen Datenbasis, die ein repräsentatives Bild von der Ausgestaltung der Risikomanagementsysteme in börsennotierten Aktienkonzernen gibt. Die Teilstudie zur internen Prüfung des Risikomanagementsystems bietet erstmals einen Einblick in dieses Aufgabengebiet der internen Revision. Insgesamt liefert die Arbeit nicht nur eine Vielzahl von Erkenntnissen zu Detailaspekten bei der Umsetzung von Risikomanagementsystemen, sondern zeigt in einer Gesamtschau auch typische Ausgestaltungsmuster auf. • Mit der entwickelten Realtypologie für Risikomanagementsysteme in Konzernen bietet die Arbeit in praxeologischer Sicht eine Orientierungshilfe für die situationsgerechte Ausgestaltung effizienter Risikomanagementsysteme. Aus den Profilen der Realtypen lassen sich Handlungsbedarf und Gestaltungsmöglichkeiten ableiten. In theoretischer Hinsicht stellt die Realtypologie einen Baustein zur weiteren realwissenschaftlichen Theoriebildung dar. Trotz dieser Erkenntnisbeiträge ist die vorliegende Arbeit, wie jede wissenschaftliche Untersuchung, mit einer Reihe von Restriktionen behaftet. Die wesentlichen Beschränkungen sollen im Folgenden kurz diskutiert werden, bevor im nächsten Abschnitt sich daraus ergebende Ansatzpunkte für zukünftige Forschungsprogramme aufgezeigt werden. Eine wesentliche Restriktion dieser Arbeit ist darin zu sehen, dass es sich bei den empirischen Befunden um Perzeptionsdaten handelt, die von dem subjektiven Erfahrungshintergrund und den persönlichen Ansichten der Respondenten geprägt sind. Wie für die Befunde zur Effizienz des Risikomanagements nachgewiesen wurde, unterscheiden sich die Einschätzungen der Risikomanagement- Koordinatoren und der Revisoren in diesem Teilbereich zwar nicht grundlegend voneinander. Gleichwohl kann ein gewisser Bias nicht völlig ausgeschlossen 1 Für eine Ausdehnung der Prüfungspflicht, allerdings auf alle großen Kapitalgesellschaften, spricht sich ebenfalls Theisen aus (vgl. Theisen (2002), S. 43). 5.2  Ausblick auf zukünftige Forschungsprogramme 393 werden. Hinzuweisen ist auch darauf, dass kleinere Konzerne unterdurchschnittlich häufig an der Studie mitgewirkt haben und daher trotz statistischer Repräsentativität in der Stichprobe weniger vertreten sind. Da Risikomanagementsysteme in kleinen Konzernen den Befunden dieser Studie zufolge i.d.R. einen geringeren Entwicklungsstand aufweisen, könnten die Untersuchungsergebnisse möglicherweise ein zu gutes Bild widerspiegeln. Restriktionen für die Aussagefähigkeit der Untersuchungsergebnisse sind bei der Teilstudie zur internen Prüfung des Risikomanagementsystems ferner auf die im Vergleich zur Hauptstudie kleine empirische Basis zurückzuführen. Diese liegt jedoch nicht in einer mangelnden Rücklaufquote begründet, sondern vielmehr in der ebenfalls kleinen Grundgesamtheit. Dennoch vermögen die Befunde dieser Teilstudie das deskriptive Wissen zu einem wichtigen Aufgabenfeld der internen Revision zu erweitern. Nicht berücksichtigt wurden bei der empirischen Analyse des Risikomanagements im Konzern beteiligungsspezifische Faktoren. So wurde beispielsweise nicht untersucht, wie groß die Tochtergesellschaften der Aktienkonzerne sind oder ob zwischen den Tochtergesellschaften Größenunterschiede bestehen. Diese könnten möglicherweise dazu führen, dass z.B. das Ausmaß der Entscheidungs- und Aufgabendezentralisation beim Risikomanagement innerhalb des Konzerns in Abhängigkeit von der Bedeutung der Tochtergesellschaft sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Einen Hinweis hierauf lieferte ein Respondent, der erwähnte, dass in dem betreffenden Konzern einer börsennotierten Tochtergesellschaft größere Freiräume bei der Ausgestaltung des Risikomanagementsystems gewährt werden als den übrigen Tochterunternehmen. Schließlich ist anzumerken, dass die Arbeit aufgrund der verfolgten Forschungsziele den Anspruch hatte, den Untersuchungsgegenstand sowohl in theoretischer als auch in empirischer Hinsicht in seiner Ganzheit zu erfassen. Deshalb war die Analyse nicht auf einzelne Gestaltungsparameter, wie z.B. bestimmte Risikomanagement-Instrumente, fokussiert, sondern war um eine umfassende Perspektive bemüht. Dies bedingt aber zwangsläufig, dass nicht alle Problemfelder im Detail diskutiert werden konnten. 5.2 Ausblick auf zukünftige Forschungsprogramme Vor dem Hintergrund der in den vorstehenden Ausführungen dargelegten Begrenzungen dieser Arbeit erscheinen weitere Forschungsbemühungen auf dem Gebiet des Risikomanagements im Allgemeinen sowie des Risikomanagements im Konzern im Besonderen erforderlich. Ansatzpunkte für künftige Forschungsarbeiten lassen sich zwei Problemkomplexen zuordnen: (1) Konzeptionelle Weiterentwicklung des Risikomanagements Bei der systematischen Bestandsaufnahme der zahlreichen Gestaltungsparameter des Risikomanagements im Konzern wurden methodisch-konzeptionelle Defizite z.B. bei der Aggregation von Risiken im Konzern offenbar. Aufgrund des Untersuchungsschwerpunkts dieser Arbeit konnten diese Probleme nur aufge-

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References

Zusammenfassung

"Wer sich für Risikomanagement im Konzern interessiert, kommt an [diesem Buch] nicht vorbei. Kajüter hat eine Lücke besetzt in einem wichtigen und sehr praxisrelevanten Fragenbereich". Die Wirtschaftsprüfung 23/2012

Die empirische Studie zum Risikomanagement.

Dieses neue Werk stellt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu Risikomanagementsystemen börsennotierter Aktienkonzerne vor und entwickelt anhand der empirischen Daten eine Typologie von Risikomanagementsystemen in Konzernen. Darauf aufbauend werden aus der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten fünf Typen konzernweiter Risikomanagementsysteme herausgearbeitet.

Der Nutzen

Die konkrete Analyse offenbart Unterschiede in der Wirksamkeit der Risikomanagementsystemtypen und zeigt dadurch differenzierte Gestaltungsempfehlungen für die Implementierung von Risikomanagementsystemen in Konzernen auf.

Pressestimmen

"Die vorliegende Ausarbeitung ist eine überaus empfehlenswerte, mitunter spannende Lektüre, die sich an ein breites Fachpublikum richtet. So hat es der Autor verstanden, Praktiker mit Entscheidungshilfen und unternehmensspezifischen Empfehlungen zu versorgen, ohne den wissenschaftlichen Tiefgang vermissen zu lassen. Eine herausragende Arbeit, der man möglichst viele Leser wünscht." Der Betriebswirt 1/2013