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1.1 Einleitung in:

Peter Kajüter

Risikomanagement im Konzern, page 27 - 34

Eine empirische Analyse börsennotierter Aktienkonzerne

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3440-8, ISBN online: 978-3-8006-4868-9, https://doi.org/10.15358/9783800648689_27

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1 Grundlegung 1.1 Einleitung 1.1.1 Problemstellung und Zielsetzung Unternehmerisches Handeln ist immer mit Risiken verbunden. Das Eingehen von Risiken gehört daher seit jeher zu den konstitutiven Merkmalen unternehmerischer Tätigkeit. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass sich die betriebswirtschaftliche Forschung schon früh mit dem Phänomen des Risikos und seiner Bewältigung beschäftigt hat.1 In den letzten Jahrzehnten haben jedoch Veränderungen im Umfeld und in den Geschäftsmodellen der Unternehmen vielfach neuartige Risiken induziert oder die Auswirkungen altbekannter Risiken erhöht.2 Als Folge der Internationalisierung ihrer Geschäftstätigkeit sind Unternehmen beispielsweise in verstärktem Maße politischen Risiken anderer Wirtschaftsräume ausgesetzt. Aufgrund restriktiverer gesetzlicher Normen im Bereich der Produkt- und Umwelthaftung haben darüber hinaus rechtliche Risiken für viele Unternehmen an Bedeutung gewonnen.3 Zudem hat die mit dem technologischen Fortschritt einhergehende Automatisierung zu einer stärkeren Abhängigkeit von komplexen und oft miteinander verketteten technischen Anlagen geführt. Dabei hat sich zwar die Störanfälligkeit tendenziell verringert, die Schadenshöhe indes deutlich erhöht.4 In ähnlicher Weise haben die Einführung neuer Managementkonzepte, wie z.B. Lean Production, Outsourcing, Single Sourcing und Just-in-Time-Beschaffung, das Betriebsunterbrechungsrisiko verstärkt, da zum einen aus Kostengründen weitgehend auf Sicherheitspuffer in Form von Lagerhaltung verzichtet wird und zum anderen eine höhere Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten besteht.5 Nicht zuletzt hat die globale Finanzund Wirtschaftskrise der Jahre 2007 bis 2009 oder jüngst das Erdbeben in Fukus- 1 Vgl. z.B. Leitner (1915); Knight (1921); Oberparleiter (1925); Hellauer (1928); Mildebrath (1928); Stadler (1932); Sandig (1939); Lisowsky (1947) und (1948). 2 Vgl. Hölscher et al. (1996), S. 1612; Hölscher (2000a), S. 423; Kremers (2002a), S. 28ff.; Erben/ Romeike (2003), S. 43. Empirische Befunde signalisierten eine solche Entwicklung bereits im Vergleich der 1960er und 1970er Jahre; vgl. Bruse (1984), S. 980ff. Weiterhin deuten der zunehmende Einsatz von Derivaten sowie steigende Insolvenzzahlen auf eine veränderte Risikolage der Unternehmen hin; vgl. dazu Bartram (1999), S. 71; Hofmann (2002), S. 57f.; Statistisches Bundesamt (2005). 3 Vgl. Hommelhoff (1990), S. 761ff.; Nicklisch (1992), S. 291ff.; Rogler (2002), S. 357ff. Zur Bedeutung von Umweltrisiken vgl. Janzen (1996); Matten (1998). 4 Vgl. Haller/Petin (1994), S. 157f. 5 Vgl. Kromschröder (1987), S. 359ff.; Haindl (1996), S. 121ff.; Pfohl (2002), S. 3ff. 2 1  Grundlegung hima die Bedeutung von Risiken im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit eindrucksvoll aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund hat ein systematisches Risikomanagement zur Erreichung der Unternehmensziele, wie z.B. der langfristigen Existenzsicherung, eine zentrale Bedeutung erlangt. Spektakuläre Schieflagen und Insolvenzen namhafter Unternehmen lösten indes in den 1990er Jahren international eine intensive Debatte über den Umgang mit Risiken im Rahmen der Unternehmensführung und -überwachung aus. Aufgrund offensichtlich bestehender Defizite sahen sich Gesetzgeber und Regulierungsorgane in vielen Ländern veranlasst, die Anforderungen an das Risikomanagement zu präzisieren bzw. zu erhöhen. In Deutschland wurden Vorstände von Aktiengesellschaften mit dem In-Kraft- Treten des KonTraG im Mai 1998 ausdrücklich verpflichtet, ein Risikofrüherkennungssystem einzurichten und dessen Funktionsfähigkeit durch ein internes Überwachungssystem zu kontrollieren (§ 91 Abs. 2 AktG). Das Risikofrüherkennungssystem soll dabei gewährleisten, dass der Vorstand so frühzeitig über bestandsgefährdende Risiken informiert wird, dass er diesen noch durch entsprechende Maßnahmen begegnen kann. Bei börsennotierten Aktiengesellschaften ist die Existenz, Eignung und Funktionsfähigkeit des Risikofrüherkennungs- und Überwachungssystems vom Abschlussprüfer zu prüfen (§ 317 Abs. 4 HGB).1 Die gesetzlich kodifizierte Pflicht zur Einrichtung eines Risikofrüherkennungsund Überwachungssystems, das im Folgenden kurz als Risikomanagementsystem bezeichnet wird2, wird seit dem Jahr 2002 ebenso im Deutschen Corporate Governance Kodex hervorgehoben.3 Danach hat der Vorstand „für ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling im Unternehmen“ zu sorgen und „den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend über alle für das Unternehmen relevanten Fragen … der Risikolage und des Risikomanagements“4 zu informieren. Der nach internationalem Vorbild entwickelte Kodex für gute Unternehmensführung und -überwachung schärft damit das Bewusstsein für die Bedeutung des Risikomanagements als Teil der Corporate Governance. Ein systematisches Risikomanagement ist auch für Investoren, Kreditgeber und Finanzanalysten bei der Bonitätsbeurteilung von Unternehmen von Bedeutung.5 Es reduziert aus Sicht dieser Kapitalmarktakteure die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten, da Risiken im Unternehmen frühzeitig erkannt, bewertet und gesteuert werden. Eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit verbessert das Rating 1 Vgl. Giese (1998), S. 415ff.; Eggemann/Konradt (2000), S. 503ff.; Dobler (2001), S. 2086ff.; Schindler/Rabenhorst (2001), S. 160ff. Die Prüfungspflicht galt zunächst nur für amtlich notierte Aktiengesellschaften und wurde im Rahmen des TransPuG ab dem Jahr 2002 auf alle börsennotierten Gesellschaften ausgeweitet. 2 Das Risikofrüherkennungs- und das Überwachungssystem bilden zwei wesentliche Elemente eines umfassenden Risikomanagementsystems, das auch die Risikobewältigung einschließt. Zur Abgrenzung vgl. Abschnitt 1.2.3.1.2. 3 Vgl. dazu auch Müller/Schiegl (2003), S. 102f.; Theisen (2003). 4 DCGK, Rn. 4.1.4 und 3.4. 5 Vgl. Solomon et al. (2000), S. 460ff. 1.1  Einleitung 3 und führt in der Folge zu geringeren Fremdkapitalkosten.1 Auf diese Weise resultiert aus einem systematischen Risikomanagement über die Bonitätsbeurteilung ein ökonomischer Nutzen für das betreffende Unternehmen. Dieser Anreiz wird durch die Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II), die eine in Abhängigkeit des Ratings differenzierte Eigenkapitalunterlegung von Krediten verlangen, verstärkt.2 Über den Einfluss auf die Kapitalkosten erlangt Risikomanagement im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung eine zentrale Bedeutung.3 Eine Reduzierung der Kapitalkosten erhöht ceteris paribus unmittelbar den Unternehmenswert. Umgekehrt kann die Übernahme hoher Risiken dazu führen, dass Investoren ex-ante höhere Risikoprämien fordern. Kommt es zum Risikoeintritt, sinkt zudem der Cashflow bzw. Periodenerfolg. Beides beeinträchtigt den Unternehmenswert negativ. Insofern bildet die strukturierte Analyse, Steuerung, Kontrolle und Kommunikation von Risiken einen wichtigen Werttreiber für Unternehmen. Die zunehmende Orientierung der Unternehmensführung am Shareholder Value, vor allem aber die gesetzlichen Anforderungen nach § 91 Abs. 2 AktG haben in den letzten Jahren in Wissenschaft und Praxis zu einer vermehrten Beschäftigung mit Fragen des Risikomanagements geführt. Dabei stand zum einen die Auslegung der Gesetzesnorm im Mittelpunkt, um die daraus resultierenden Anforderungen für die Unternehmenspraxis zu klären.4 Zum anderen bildete die Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen einen weiteren Schwerpunkt der Diskussion, da das Gesetz hierzu naturgemäß keine Vorgaben macht.5 Ein genauerer Blick auf die von den gesetzlichen Änderungen betroffenen Unternehmen zeigt, dass diese zumeist Teil eines Konzernverbundes sind. Empirischen Studien zufolge sind rund 90% der Aktiengesellschaften und ca. 50% der GmbHs in Deutschland konzernverbunden.6 Der Konzern als Zusammenschluss rechtlich selbstständiger Unternehmen ist somit die typische Organisationsform mittelständischer und großer Firmen; „er beherrscht die Unternehmenspraxis, die längst zur Konzernpraxis mutiert ist“7. Auf eine Konzernobergesellschaft wirken dabei nicht nur Risiken aus ihrer eigenen Geschäftstätigkeit, sondern auch solche aus dem Konzernverbund ein. Die Beispiele Metallgesellschaft und Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) belegen, dass Risiken aus einer Tochtergesell- 1 Vgl. zu empirischen Befunden Heinke (1998); Heinke/Steiner (2000), S. 144ff. 2 Vgl. Oepping (2001), S. 585ff.; Neubeck (2003), S. 124ff.; Reichling (2003), S. 111; Romeike (2003a), S. 74ff.; Schöne (2003), S. 105; Wildemann (2003); Keitsch (2004), S. 220ff. 3 Vgl. Gleißner/Meier (2000); Pfennig (2000); Schmidbauer (2000), S. 153ff.; Gleißner (2002); Schierenbeck/Lister (2002a) und (2002b); Schlüchtermann/Wolf (2004); sowie bereits Seifert (1980), S. 151. 4 Vgl. z.B. Hüffer (1998); Schäfer (2001); Weiss/Heiden (2003). 5 Vgl. z.B. Lück (1998a); Weber et al. (1999a); Lachnit/Müller (2001). 6 Obgleich empirische Untersuchungen zu unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich des exakten Anteils konzernierter Unternehmen kommen, ist unbestritten, dass die Bedeutung der Konzerne über die Jahre deutlich gestiegen ist. Vgl. Ordelheide (1986); Görling (1993). 7 Theisen (2001), S. 29. 4 1  Grundlegung schaft durchaus den Bestand des Mutterunternehmens gefährden können.1 Aus diesem Grunde stellt auch die Gesetzesbegründung zu § 91 Abs. 2 AktG klar, dass die Risikofrüherkennung und interne Überwachung im Rahmen der gesellschaftsrechtlichen Möglichkeiten konzernweit erfolgen müssen.2 Gleiches gilt für die Regeln im Deutschen Corporate Governance Kodex.3 Entgegen dieser Forderung sind konzernspezifische Probleme des Risikomanagements bislang nur vereinzelt diskutiert worden.4 Dies könnte darin begründet liegen, dass das Risikomanagement im Konzern gegenüber dem im Einzelunternehmen keine Besonderheiten aufweist. Ein solcher Einwand ist jedoch bei näherer Betrachtung nicht tragfähig, denn im Konzern stellt sich eine Reihe spezifischer Fragen bei der Umsetzung des Risikomanagements. Dazu gehören z.B. die Abgrenzung des Kreises der in das konzernweite Risikomanagementsystem einzubeziehenden Unternehmen, die Ausrichtung des Risikomanagementsystems an den rechtlichen oder wirtschaftlichen Strukturen des Konzerns und die Zentralisierung bzw. Dezentralisierung des Risikomanagements im Konzern. Dabei ist davon auszugehen, dass die Größe des Konzerns, die Art der Konzernorganisation (Stammhaus vs. Holding) und andere Kontextfaktoren die jeweilige Ausgestaltung des Risikomanagementsystems bedingen. Für die betriebswirtschaftliche Forschung stellt sich daher die Aufgabe, theoretisch fundierte Gestaltungsempfehlungen für Risikomanagementsysteme in Konzernen zu erarbeiten und der Praxis zur Verfügung zu stellen. Solche Gestaltungsempfehlungen können zum einen logisch-deduktiv aus den Zwecken des Risikomanagements und vorhandenen theoretischen Erkenntnissen abgeleitet und in einer Risikomanagement-Konzeption zusammengefasst werden. Diese Vorgehensweise bietet die Möglichkeit, die wesentlichen Gestaltungsparameter in ein Gesamtkonzept zu integrieren, das der Praxis als Orientierungshilfe für das Risikomanagement im Konzern dienen kann. Allerdings besteht hierbei die Gefahr, dass die konzeptionellen Aussagen wenig konkret bleiben, um das Anwendungsfeld a priori nicht zu stark einzugrenzen.5 Durch einen hohen Abstraktionsgrad würde aber der Realitätsbezug beeinträchtigt. Der zweite Weg, Gestaltungsempfehlungen empirisch-induktiv abzuleiten, steht dem entgegen. Die reine Beschreibung realer Erscheinungsformen von konzernspezifischen Risikomanagementsystemen erlaubt jedoch keine generellen, allgemeingültigen Aussagen. Aus diesem Grunde erscheint es sinnvoll, mit der Entwicklung einer Typologie einen Mittelweg zu wählen, der sowohl eine abstrakte, realitätsferne Konzeption als auch eine isolierte Betrachtung von Einzelfällen vermeidet. Ohne einer detaillierten Analyse des Forschungsstandes vorweg greifen zu wollen, kann bereits an dieser Stelle festgestellt werden, dass bislang kaum gesicherte 1 Zu einer Darstellung der Unternehmenskrisen dieser Konzerne vgl. Schneider (2000), S. 6f.; Schäfer (2001), S. 22ff.; Hofmann (2002), S. 68f. 2 Vgl. BT-Drucks. 13/9712, S. 15 3 Vgl. Ringleb (2003), S. 142. 4 Vgl. z.B. Hommelhoff/Mattheus (2000a); Wolf (2002a); Kajüter (2003a) und (2011); Löbbe (2003). 5 Vgl. dazu im Kontext des Controlling Amshoff (1993), S. 3. 1.1  Einleitung 5 empirische Erkenntnisse zum Risikomanagement im Konzern vorliegen. Dies gilt zum einen für die Vielzahl der einzelnen Gestaltungsparameter, die in ihrer Gesamtheit das Risikomanagementsystem bilden. Zum anderen steht aber ebenso die Entwicklung einer Realtypologie für Risikomanagementsysteme noch aus. Angesichts dieses Forschungsdefizits verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, theoretisch fundierte und empirisch gestützte Gestaltungsempfehlungen für Risikomanagementsysteme in Konzernen zu erarbeiten. Diese Zielsetzung lässt sich in drei Teilziele konkretisieren: 1. Das erste Teilziel besteht darin, auf der Grundlage theoretisch-konzeptioneller Überlegungen ein Beschreibungssystem zu entwickeln, das zum einen die Gestaltungsparameter des Risikomanagements im Konzern aufzeigt und zum anderen als Grundlage für die Erhebung realer Risikomanagementsysteme dienen kann. 2. Das zweite  Teilziel umfasst die empirische Analyse der einzelnen Gestaltungsparameter für das Risikomanagement im Konzern. 3. Das dritte Teilziel beinhaltet die Entwicklung einer Realtypologie konzernspezifischer Risikomanagementsysteme sowie deren kontextuelle Analyse und effizienzanalytische Bewertung. Mit dieser Zielsetzung widmet sich die Arbeit einem sowohl aus theoretischer als auch aus praktischer Sicht bedeutsamen Problem, das in der betriebswirtschaftlichen Forschung bislang weder im Bereich der Konzernunternehmenslehre noch im Bereich des Risikomanagements aufgegriffen wurde. Theoretisch relevant erscheint die vorliegende Untersuchung deshalb, weil sie einen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt auf zwei Gebieten anstrebt, deren theoretische Fundierung trotz vermehrter Forschungsanstrengungen in jüngerer Zeit immer noch als eher gering anzusehen ist.1 Die praktische Bedeutung liegt demgegenüber in der Entwicklung von Gestaltungsempfehlungen, die bei der Konzeption, Implementierung und Prüfung von Risikomanagementsystemen in Konzernen von Nutzen sein können. Bevor weitere Grundlagen für die Untersuchung gelegt werden, wird nachfolgend zunächst der Aufbau und Gang der Arbeit kurz skizziert. 1.1.2 Aufbau und Gang der Untersuchung Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. Das erste Kapitel dient der Grundlegung. Dazu wird im Folgenden zunächst der Untersuchungsgegenstand näher konkretisiert, indem begriffliche, ökonomische und rechtliche Grundlagen des Risikomanagements in Konzernen betrachtet werden (Abschnitt 1.2). Hierbei erscheint eine ausführlichere Darstellung notwendig, weil bislang keine sprachliche Klarheit und Eindeutigkeit in der Literatur zum Risikomanagement existiert. Zudem weist die behandelte Thematik eine Reihe rechtlicher Facetten auf, die für die weiteren Ausführungen grundlegend sind. 1 Vgl. zum Stand der Forschung im Bereich der Konzernlehre Mellewigt/Matiaske (2001) und Theisen (2001). 6 1  Grundlegung Um die vorliegende Arbeit in die betriebswirtschaftliche Forschung einzuordnen und eine Beurteilungsgrundlage für den aktuellen Forschungsstand im Risikomanagement zu schaffen, schließen sich Überlegungen zu wissenschaftstheoretischen Grundlagen an (Abschnitt 1.3). Danach wird der Stand der Forschung mit dem Ziel analysiert, vorhandene Erkenntnisse und offene Fragen zu identifizieren (Abschnitt 1.4). Es wird dabei eine umfassende Perspektive zugrunde gelegt, die verschiedene, für die Problemstellung relevante Forschungsansätze im Risikomanagement ebenso einbezieht wie Erkenntnisbeiträge der Konzernunternehmenslehre und ökonomischer Metatheorien. Auf dieser Bestandsaufnahme aufbauend wird eine Forschungskonzeption für die Arbeit entwickelt (Abschnitt 1.5). Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Konstruktion eines konzeptionellen Bezugsrahmens, der den weiteren Forschungsprozess ordnet und steuert. Darüber hinaus werden die Durchführung und Auswertung der empirischen Erhebung erläutert. Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels stehen die Konzeptionalisierung und die Operationalisierung der vier Kategorien des Bezugsrahmens (Kontext, Ziele, System und Effizienz des Risikomanagements). Gemäß dem ersten Teilziel der Arbeit wird ein konzeptionelles Beschreibungssystem geschaffen, das die verschiedenen Gestaltungsparameter des Risikomanagements im Konzern integriert. Hierbei wird zwischen konstitutiven und prozessualen Gestaltungsparametern unterschieden. Während Erstere die Bildung des Risikomanagementsystems betreffen, fokussieren Letztere den Ablauf der Risikofrüherkennung, Risikobewältigung und internen Überwachung. Da sich die empirische Analyse nicht auf die Deskription einzelner Gestaltungsparameter beschränken soll, werden im zweiten Kapitel weiterhin aus den Basishypothesen des Bezugsrahmens Einzelhypothesen über Zusammenhänge zwischen verschiedenen Merkmalen abgeleitet. Das dritte Kapitel stellt die empirischen Befunde ausführlich dar. Dem zweiten Teilziel der Arbeit folgend liegt der Fokus hierbei auf einzelnen Gestaltungsparametern. Auf diese Weise wird ein detaillierter Einblick in die Praxis des Risikomanagements in Konzernen gegeben. Der explorativ-deskriptive Charakter dieses Kapitels wird ergänzt durch eine explikative Komponente. Anhand der erhobenen empirischen Daten werden die im zweiten Kapitel aufgestellten Einzelhypothesen geprüft. Insgesamt ist das dritte Kapitel analog zum zweiten aufgebaut und ebenfalls in Abschnitte zu Kontext, Zielen, System und Effizienz des Risikomanagements im Konzern untergliedert. Das vierte Kapitel widmet sich der Entwicklung einer Realtypologie für Risikomanagementsysteme in Konzernen und greift damit das dritte Teilziel der Arbeit auf. Im Gegensatz zu den vorangehenden Ausführungen wird in diesem Kapitel nicht die Analyse von Detailaspekten, sondern ein „Blick auf das Ganze“ angestrebt. Aufbauend auf theoretischen Vorüberlegungen zur typologischen Methode werden die Realtypen vorgestellt und im Hinblick auf ihren Kontext und ihre Effizienz untersucht. Das abschließende fünfte Kapitel fasst die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammen, diskutiert den Erkenntnisfortschritt und die Restriktionen der Studie und gibt einen Ausblick auf künftigen Forschungsbedarf. 1.1  Einleitung 7 Die folgende Abb. 1.1–1 visualisiert den skizzierten Gang der Arbeit. Abb. 1.1–1: Aufbau der Arbeit Realtypologie für Risikomanagementsysteme in Konzernen Einleitung Begriffliche, ökonomische und rechtliche Grundlagen des Risikomanagements im Konzern Wissenschaftstheoretische Einordnung der Arbeit Analyse des Forschungsstandes zum Risikomanagement Entwicklung einer Forschungskonzeption Theoretische Grundlagen der Typologie Risikomanagementsysteme in Konzernen: Realtypen, Kontext, Effizienz Beitrag zum Erkenntnisfortschritt und Restriktionen Ausblick auf zukünftige Forschungsprogramme Zusammenfassung und Ausblick Grundlegung  Gestaltung des Risikomanagements im Konzern Kontext des Risikomanagements Ziele des Risikomanagements Effizienz des Risikomanagements Risikofrüherkennung Risikobewältigung Interne Überwachung Bildung des Risikomanagementsystems Empirische Analyse des Risikomanagements im Konzern Befunde zum Kontext des Risikomanagements Befunde zu den Zielen des Risikomanagements Befunde zur Effizienz des Risikomanagements Befunde zur Risikofrüherkennung Befunde zur Risikobewältigung Befunde zur internen Überwachung Befunde zur Bildung des Risikomanagementsystems Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 8 1  Grundlegung 1.2 Grundlagen des Risikomanagements im Konzern 1.2.1 Begriffliche Grundlagen In der vorliegenden Arbeit werden drei zentrale Begriffe verwendet – Konzern, Risiko und Risikomanagement. Da diese Begriffe nicht einheitlich definiert sind, werden sie nachfolgend zunächst inhaltlich abgegrenzt, wobei auch die unterschiedlichen Arten von Konzernen und Risiken betrachtet werden. Daran anschließend rücken die ökonomischen und rechtlichen Grundlagen des Risikomanagements in den Mittelpunkt. 1.2.1.1 Begriff und Arten des Konzerns Konzerne sind gleichermaßen Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung in den Rechtswissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre. Da das Recht den Rahmen für wirtschaftliches Handeln setzt, werden im Folgenden der Begriff und die Gestaltungsalternativen des Konzerns sowohl aus juristischer als auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht dargelegt. 1.2.1.1.1 Rechtlicher Konzernbegriff Konzerne stellen rechtlich eine besondere Form der Unternehmensverbindung dar. Sie werden sowohl im Aktiengesetz als auch im Handelsgesetzbuch definiert. Von besonderer Bedeutung ist die Legaldefinition des Aktiengesetzes, da hieran zahlreiche andere gesetzliche Regelungen anknüpfen, die primär dem Schutz der Minderheitsgesellschafter und Gläubiger dienen. Nach § 18 AktG liegt ein Konzern dann vor, wenn rechtlich selbstständige Unternehmen unter einheitlicher Leitung zusammengeschlossen sind. Für die Existenz eines Konzerns müssen demnach mindestens zwei rechtlich selbstständige Unternehmen unter einheitlicher Leitung stehen. Diese Unternehmen sind dann Konzernunternehmen. Während die rechtliche Selbstständigkeit durch die Rechtsform der Unternehmen eindeutig bestimmt ist, handelt es sich bei der „einheitlichen Leitung“ um einen unbestimmten und daher auslegungsbedürftigen Rechtsbegriff. Nach h.M. liegt dieses konstitutive Merkmal des Konzerns bereits dann vor, wenn die Geschäftspolitik oder grundlegende Fragen der Geschäftsführung koordiniert werden.1 I.d.R. konkretisiert sich die einheitliche Leitung in der Übernahme originärer Führungsaufgaben, wie z.B. die Festlegung der Unternehmensziele, die Bestimmung der Finanz- und Investitionspolitik oder die personelle Besetzung von Führungspositionen. Anhand welcher Mittel die einheitliche Leitung ausge- übt wird, ist für das Vorliegen eines Konzerns unerheblich. Entscheidend ist jedoch, dass die einheitliche Leitung tatsächlich ausgeübt wird.2 Dies wird wider- 1 Vgl. Schruff (1993), Sp. 2274; Theisen (2000), S. 34ff.; Lutter (2004), S. 23f.; Scheffler (2005), S. 5ff.; Emmerich/Habersack (2008), S. 57ff. Im Gegensatz zu diesem weiten Konzernverständnis wird auch eine engere Auffassung vertreten, wonach die einheitliche Leitung erst dann vorliegt, wenn für die wesentlichen Bereiche eine einheitliche Planung aufgestellt und in den Konzernunternehmen durchgesetzt wird. 2 Vgl. Schruff (1993), Sp. 2275.

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References

Zusammenfassung

"Wer sich für Risikomanagement im Konzern interessiert, kommt an [diesem Buch] nicht vorbei. Kajüter hat eine Lücke besetzt in einem wichtigen und sehr praxisrelevanten Fragenbereich". Die Wirtschaftsprüfung 23/2012

Die empirische Studie zum Risikomanagement.

Dieses neue Werk stellt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu Risikomanagementsystemen börsennotierter Aktienkonzerne vor und entwickelt anhand der empirischen Daten eine Typologie von Risikomanagementsystemen in Konzernen. Darauf aufbauend werden aus der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten fünf Typen konzernweiter Risikomanagementsysteme herausgearbeitet.

Der Nutzen

Die konkrete Analyse offenbart Unterschiede in der Wirksamkeit der Risikomanagementsystemtypen und zeigt dadurch differenzierte Gestaltungsempfehlungen für die Implementierung von Risikomanagementsystemen in Konzernen auf.

Pressestimmen

"Die vorliegende Ausarbeitung ist eine überaus empfehlenswerte, mitunter spannende Lektüre, die sich an ein breites Fachpublikum richtet. So hat es der Autor verstanden, Praktiker mit Entscheidungshilfen und unternehmensspezifischen Empfehlungen zu versorgen, ohne den wissenschaftlichen Tiefgang vermissen zu lassen. Eine herausragende Arbeit, der man möglichst viele Leser wünscht." Der Betriebswirt 1/2013