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3.2 Befunde zu den Zielen des Risikomanagements in:

Peter Kajüter

Risikomanagement im Konzern, page 264 - 268

Eine empirische Analyse börsennotierter Aktienkonzerne

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3440-8, ISBN online: 978-3-8006-4868-9, https://doi.org/10.15358/9783800648689_264

Bibliographic information
240 3  Empirische Analyse des Risikomanagements im Konzern in dem Sektor Steine/Erden/Glas am höchsten (6,3) beurteilt. Zwischen der Wettbewerbsintensität und der Komplexität im Konkurrenzbereich besteht eine signifikant positive Korrelation (r=0,36**). 3.2 Befunde zu den Zielen des Risikomanagements 3.2.1 Bedeutung der Risikomanagement‐Ziele Die Ziele des Risikomanagements bilden eine zweite Kategorie des Bezugsrahmens. Dabei liegt die Vermutung zu Grunde, dass die mit dem Risikomanagement verfolgten Ziele die Gestaltung des Risikomanagementsystems beeinflussen. Aus diesem Grunde wurde um eine Beurteilung der Bedeutung der in Abschnitt 2.2.2 diskutierten Ziele des Risikomanagements gebeten (vgl. Frage A.2.1). Die Bedeutung wurde auf einer siebenstufigen Ratingskala erhoben, deren Extrempunkte mit „keine Bedeutung“ (= 1) und „extrem hohe Bedeutung“ (= 7) verbal verankert waren. Abb. 3.2–1 stellt die durchschnittliche Bedeutung der Ziele dar. Sehr hohe bis extrem hohe Bedeutung wird der Sicherung der Existenz (Erkennung bestandsgefährdender Entwicklungen) beigemessen. Dies ist insofern verständlich, als es sich hierbei um das unternehmerische Oberziel handelt. Zudem zielt die Intention des Gesetzgebers aus § 91 Abs. 2 AktG auf die frühzeitige Identifikation existenzgefährdender Entwicklungen ab. Weiterhin kommt der Risikotransparenz und damit einem Element zur Verbesserung der Entschei- Abb. 3.2–1: Bedeutung der Ziele des Risikomanagements 5,1 5,0 5,3 3,9 5,6 4,3 6,2 4,8 6,4 1 2 3 4 5 6 7 Sicherung der Existenz Sicherung des Konzernerfolgs Risikotransparenz Chancentransparenz Stärkung des Risikobewusstseins Senkung der Kapitalkosten Prüfbarkeit des Risikomanagementsystems Akzeptanz des Risikomanagementsystems extrem hohe Bedeutung keine Bedeutung Wirtschaftlichkeit des Risikomanagementsystems Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen 0,97 0,89 1,64 1,55 σ 1,10 1,69 1,49 1,42 1,34 3.2  Befunde zu den Zielen des Risikomanagements 241 dungsgrundlagen sehr hohe Bedeutung zu. Die dritthöchste Bedeutung hat nach Einschätzung der antwortenden Konzerne die Stärkung  des  Risikobe‐ wusstseins (Sensibilisierung der Führungskräfte und Mitarbeiter für Risiken). Diese drei Ziele weisen nicht nur die höchste Bedeutung auf, sondern sind zugleich durch die geringste Streuung gekennzeichnet (Standardabweichung zwischen s=0,89 und s=1,10). Eine deutlich geringere Bedeutung wird den übrigen Primärzielen zugesprochen. Die Sicherung des Konzernerfolgs (Förderung der Erreichung der Gewinnziele) rangiert in der Bedeutungsrangfolge auf dem vierten, die Chancentranspa‐ renz auf dem fünften Platz. Die geringste Relevanz aller Ziele hat die Senkung der  Kapitalkosten (Verbesserung der Kreditwürdigkeit). Bemerkenswert ist, dass die Bedeutung dieser drei Ziele die höchste Streuung innerhalb der Stichprobe aufweist (Standardabweichung zwischen s=1,55 und s=1,69). Offensichtlich besteht eine stärkere Einigkeit über die in ihrer Bedeutung hoch eingeschätzten Ziele als über die Ziele, deren Relevanz im Durchschnitt weniger bedeutsam angesehen wird. In einer Gesamtbetrachtung fällt weiter auf, dass solchen Zielen eine hohe Bedeutung beigemessen wird, die einen engen Bezug zu den regulatorischen Anforderungen haben. Dem nachgeordnet sind Ziele, in denen sich primär die Erlangung ökonomischer Vorteile widerspiegelt, wie z.B. die Sicherung des Konzernerfolgs oder die Senkung der Kapitalkosten. Besonders deutlich wird dies auch an dem Ziel der Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen, das recht einseitig durch eine Erhöhung der Transparenz über wesentliche Risiken geprägt ist. Dies lässt insgesamt darauf schließen, dass die Ausgestaltung von Risikomanagementsystemen zumeist in erster Linie von den gesetzlichen Anforderungen getrieben wird. Gestützt wird diese Interpretation auch durch das in Abschnitt 3.1.1 aufgezeigte Muster der Einführung von Risikomanagementsystemen. Ein Blick auf die drei Sekundärziele Prüfbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Akzep‐ tanz des Risikomanagementsystems liefert weitere Hinweise für diese Schlussfolgerung. Allen drei Zielen wird durchschnittlich eine hohe Bedeutung beigemessen. Unter den drei Zielen kommt der Prüfbarkeit durch den Wirtschaftsprüfer – und damit ebenfalls einer regulatorischen Anforderung (§ 317 Abs. 4 HGB) – jedoch die höchste Relevanz zu. Dieses Ziel wird von 55% der Konzerne als sehr oder extrem bedeutsam beurteilt. Demgegenüber beträgt der Anteil der Konzerne, die den Zielen eine sehr hohe oder extrem hohe Bedeutung zuordnen, bei der Wirtschaftlichkeit und der Akzeptanz des Risikomanagementsystems nur 40% bzw. 42%. In der offenen Antwortkategorie „sonstige Ziele“ wurden schließlich z.B. die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen, die Integration von Planung und Risikomanagement sowie die Sicherung der Liquidität als weitere Ziele erwähnt und in ihrer Bedeutung als hoch eingeschätzt. 3.2.2 Kontextuelle Analyse der Risikomanagement‐Ziele Die vorstehenden Ausführungen geben einen Einblick in die Bedeutung, die den verschiedenen Zielen bei der Ausgestaltung der Risikomanagementsysteme unabhängig vom Kontext zukommt. Der im Bezugsrahmen dieser Arbeit formu- 242 3  Empirische Analyse des Risikomanagements im Konzern lierten ersten Basishypothese zufolge beeinflusst jedoch der jeweilige Kontext auch die Bedeutung, die den verschiedenen Zielen beigemessen wird. Aus diesem Grunde wurden in Abschnitt 2.2.2 drei Hypothesen abgeleitet, die es nunmehr anhand der empirischen Daten zu prüfen gilt. Die erste Hypothese drückt folgenden Zusammenhang aus: H1: Je größer der Konzern, desto höher ist die Bedeutung des Ziels Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen (Risikotransparenz). Um den prognostizierten Zusammenhang zu prüfen, wurde sowohl eine Varianzanalyse nach Größenklassen als auch eine Korrelationsanalyse zwischen der Anzahl der Mitarbeiter und der Bedeutung des Ziels Risikotransparenz durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen die Beziehung auf hoch signifikantem Niveau (vgl. Tab. 3.2–1). Der Korrelationskoeffizient r=0,23** signalisiert einen positiven Zusammenhang zwischen der Konzerngröße und der Bedeutung, die dem Ziel, Transparenz über wesentliche Risiken zu erlangen, zugesprochen wird. Die zweite Hypothese bezieht sich auf die Bedeutung des Ziels, die Kapitalkosten zu reduzieren: H2: Je geringer Risikotragfähigkeit bzw. die Eigenkapitalquote (je höher der Verschuldungsgrad), desto bedeutsamer ist das Ziel, die Kapitalkosten durch eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit zu senken. Die in Tab. 3.2–2 dargestellten Befunde bestätigen den vermuteten Zusammenhang für die Gesamtheit aller Konzerne. Gemäß den Ergebnissen des Mittelwertvergleichs messen die Konzerne mit unterdurchschnittlicher Eigenkapitalquote dem Ziel Senkung der Kapitalkosten eine signifikant höhere Bedeutung bei als jene mit einer über dem Durchschnitt liegenden Eigenkapitalquote. Die Korrelationsanalyse zeigt dazu konform eine hoch signifikante Korrelation von r=-0,21**. Da die Analyse der Befunde zum Kontextfaktor Risikotragfähigkeit erhebliche Unterschiede in den Eigenkapitalquoten in Abhängigkeit vom Rechnungslegungssystem offenbarte (vgl. Abschnitt 3.1.1), wurde die Hypothese H2 ebenfalls für die drei Untergruppen getestet (vgl. Tab. 3.2–2). Dabei manifestieren sich für die drei Untergruppen unterschiedliche Ergebnisse. Für die nach HGB bilanzie- Abh.  Variable Unabh. Variable Varianzanalyse Korrelationsanalyse Bedeutung des Ziels Risikotransparenz Konzerngröße (Mitarbeiter) n MW F-Wert Signifikanz des F-Wertes Korrelationskoeffizient Signifikanz über 2000 (GRK) 501–2000 (GMK) bis 500 (KMK) 106 80 104 6,46 6,14 6,01 7,506 0,001 0,233 0,000 Tab. 3.2–1: Zusammenhang zwischen Konzerngröße und Bedeutung des Ziels Risikotransparenz 3.2  Befunde zu den Zielen des Risikomanagements 243 renden Konzerne kann der Zusammenhang nicht bestätigt werden, während er für die nach internationalen Standards Rechnung legenden Konzerne, vor allem für jene, die ihren Konzernabschluss nach US-GAAP erstellen, besonders ausgeprägt ist. Eine Erklärung für diesen Befund könnte darin liegen, dass es sich bei den US-GAAP- bzw. IFRS-Anwendern um stark kapitalmarktorientierte Konzerne handelt, die der Möglichkeit, durch ein besseres Rating die Fremdkapitalkosten zu senken, besondere Bedeutung beimessen. Angesichts dieser differenzierten Ergebnisse kann die Hypothese H2 nur als eingeschränkt bestätigt gelten. Schließlich wurde folgender Zusammenhang zwischen der Umweltdynamik und der Bedeutung der Risikomanagement-Ziele prognostiziert: H3: Je höher die Umweltdynamik, desto bedeutsamer werden die Ziele des Risikomanagements beurteilt. Die Ergebnisse der t-Tests und Korrelationsanalysen zeigen, dass dieser Zusammenhang für fast alle Primärziele des Risikomanagements bestätigt wird (vgl. Tab. 3.2–3). Eine Ausnahme bilden die Ziele Sicherung des Konzernerfolgs und Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen (Chancentransparenz). Offensichtlich sprechen die Konzerne diesen beiden Zielen bei zunehmender Umweltdynamik keine höhere Bedeutung für die Gestaltung der Risikomanagementsysteme zu. Unabhängige  Variable Trenn‐ krite‐ rium  (MW) t‐Test Korrelations‐analyse n MW t-Wert Signifikanz des t-Wertes Abhängige Variable Korrelationskoeffizient Signifikanz Risikotragfähigkeit (Eigenkapitalquote) 40,7 < 40,7 120 156 3,60 4,12 –2,515 0,012 Bedeutung Ziel Senkung der Kapitalkosten –0,211 0,000 Risikotragfähigkeit (EKQ: HGB) 34,6 < 34,6 46 53 1,80 1,66 –0,733 0,466 Bedeutung Ziel Senkung der Kapitalkosten –0,150 0,137 Risikotragfähigkeit (EKQ: US-GAAP) 51,5 < 51,5 30 30 3,07 4,67 –3,679 0,001 Bedeutung Ziel Senkung der Kapitalkosten –0,336 0,009 Risikotragfähigkeit (EKQ: IFRS) 40,4 < 40,4 48 69 3,56 4,10 –1,759 0,082 Bedeutung Ziel Senkung der Kapitalkosten –0,221 0,017 Tab. 3.2–2: Bedeutung des Ziels Kapitalkostensenkung  in Abhängigkeit von der Risikotragfähigkeit 244 3  Empirische Analyse des Risikomanagements im Konzern Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass sich kontextuelle Unterschiede in der Bedeutung der Risikomanagement-Ziele nachweisen lassen. Damit kann die Basishypothese BH1 diesbezüglich als bestätigt angesehen werden. 3.3 Befunde zu den Gestaltungsparametern  des Risikomanagements Die dritte Kategorie des Bezugsrahmens erfasst das Risikomanagementsystem, welches durch konstitutive und prozessuale Gestaltungsparameter beschrieben wurde. Dieser im Rahmen der Konzeptionalisierung in Abschnitt 2.3 gewählten Differenzierung wird auch im Weiteren bei der Darstellung und Interpretation der empirischen Befunde gefolgt. Dabei werden auch Zusammenhänge zwischen dem Kontext bzw. den Zielen und der Gestaltung der Risikomanagementsysteme analysiert. Zu diesem Zweck wurden aus den Basishypothesen BH1 und BH2 Einzelhypothesen abgeleitet, die nachfolgend anhand der empirischen Daten zu prüfen sind. Analog zu Abschnitt 2.3 werden die konstitutiven Gestaltungsparameter zur Bildung des Risikomanagementsystems zuerst betrachtet, bevor anschließend die prozessualen Aspekte der Risikofrüherkennung, Risikobewältigung und der internen Überwachung in den Mittelpunkt rücken. Unabhän‐ gige Variable Trenn‐ krite‐ rium  (MW) t‐Test Korrelations‐analyse n MW t-Wert Signifikanz des t-Wertes Abhängige Variable Korrelationskoeffizient Signifikanz Umweltdynamik 4,7 < 4,7 136 154 6,57 6,30 2,358 0,019 Sicherung der Existenz 0,170 0,004 4,7 < 4,7 136 154 5,02 4,60 2,349 0,020 Sicherung des Konzernerfolgs 0,097 0,098 4,7 < 4,7 136 154 6,38 6,06 3,027 0,003 Risiko-transparenz 0,201 0,001 4,7 < 4,7 136 154 4,49 4,11 1,960 0,051 Chancen-transparenz 0,093 0,113 4,7 < 4,7 136 154 5,82 5,42 3,215 0,001 Stärkung des Risikobewusstseins 0,221 0,000 4,7 < 4,7 136 154 4,21 3,66 2,764 0,006 Senkung der Kapitalkosten 0,176 0,003 Tab. 3.2–3: Zusammenhang zwischen Umweltdynamik  und Bedeutung von Risikomanagement‐Zielen

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References

Zusammenfassung

"Wer sich für Risikomanagement im Konzern interessiert, kommt an [diesem Buch] nicht vorbei. Kajüter hat eine Lücke besetzt in einem wichtigen und sehr praxisrelevanten Fragenbereich". Die Wirtschaftsprüfung 23/2012

Die empirische Studie zum Risikomanagement.

Dieses neue Werk stellt die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu Risikomanagementsystemen börsennotierter Aktienkonzerne vor und entwickelt anhand der empirischen Daten eine Typologie von Risikomanagementsystemen in Konzernen. Darauf aufbauend werden aus der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten fünf Typen konzernweiter Risikomanagementsysteme herausgearbeitet.

Der Nutzen

Die konkrete Analyse offenbart Unterschiede in der Wirksamkeit der Risikomanagementsystemtypen und zeigt dadurch differenzierte Gestaltungsempfehlungen für die Implementierung von Risikomanagementsystemen in Konzernen auf.

Pressestimmen

"Die vorliegende Ausarbeitung ist eine überaus empfehlenswerte, mitunter spannende Lektüre, die sich an ein breites Fachpublikum richtet. So hat es der Autor verstanden, Praktiker mit Entscheidungshilfen und unternehmensspezifischen Empfehlungen zu versorgen, ohne den wissenschaftlichen Tiefgang vermissen zu lassen. Eine herausragende Arbeit, der man möglichst viele Leser wünscht." Der Betriebswirt 1/2013