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1.2 Aufgaben und Ziele in:

Peter Krampf

Beschaffungsmanagement, page 14 - 15

Eine praxisorientierte Einführung in Materialwirtschaft und Einkauf

2. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4848-1, ISBN online: 978-3-8006-4849-8, https://doi.org/10.15358/9783800648498_14

Series: Management Competence

Bibliographic information
Vahlen Competence Krampf – Beschaffungsmanagement (2. Auflage) Herstellung: Frau Brun Änderungdatum: 04.06.2014 Ausgabedatum: 04.06.2014 Status: Druckdaten Seite 5 1.2 Aufgaben und Ziele 5 bzw. Unternehmen, in denen die Beschaffung in der Vergangenheit nur einen geringen oder überhaupt keinen Fokus hatte, sogar deutlich zu übertreffen. Warum aber bis heute der Einkauf immer noch in vielen Bereichen ein „stiefmütterliches Dasein“ fristet, ist schwer nachvollziehbar. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Einspareffekte personalneutral sind, d. h. zur Realisierung kein Personalabbau im eigenen Unternehmen notwendig ist. Darüber hinaus können die freiwerdenden finanziellen Mittel für die Finanzierung von Wachstumsthemen des eigenen Unternehmens genutzt werden. 1.2 Aufgaben und Ziele „Glücklicherweise waren und sind Einkäufer zu einem großen Teil ,Macher‘“ Bergauer, Wierlemann, in: Bergauer, Wierlemann, 2008, S. 19 Aufgabe der Beschaffung ist es, innerhalb des Unternehmens die Verfügbarkeit der benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsprinzips sicherzustellen. Dies bedeutet die Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle von Verbrauchsfaktoren und Betriebsmitteln. Die Beschaffung versorgt die anderen Unternehmensbereiche damit mit denjenigen Gütern, die diese zur Erfüllung ihrer Funktion benötigen. In der Praxis werden die zu versorgenden Organisationseinheiten auch als Bedarfsträger oder interne Kunden bezeichnet. Der Einkauf hat damit die Verantwortung für alle Inputfaktoren, die in die Fertigung gelangen, d. h. Verbrauchsfaktoren und Betriebsmittel. Diese werden häufig auch als direktes und indirektes Material bezeichnet. Manche Autoren integrieren dabei die Humanfaktoren. Da dies jedoch in der unternehmerischen Praxis nur in sehr seltenen Fällen vorkommt und in der Regel das Personalwesen einen eigenen Unternehmensbereich darstellt, soll dieser Ansatz im Folgenden nicht weiter verfolgt werden. Der Einkauf bearbeitet die Inputfaktoren der Fertigung (Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle) unter dem Wirtschaftlichkeitsprinzip, d. h. sein Ziel ist es, eine gegebene Menge zu minimalen Kosten zu beschaffen bzw. für definierte Kosten die beschaffte Menge zu maximieren. In der Literatur werden die anfallenden Ziele im Einkauf in drei Gruppen unterteilt: Die Sach- und Formalziele sowie die Nebenbedingungen. Das Sachziel bedeutet, dass man vom Einkauf erwartet, den Bedarf in der richtigen Menge, zum richtigen Zeitpunkt, im geforderten Qualitätsniveau und zu den günstigsten Kosten zur Verfügung zu stellen. Der Sicherheit der Versorgung wird dabei immer größere Bedeutung zugemessen, da Fragen der Produkthaftung, wie z. B. Rückrufaktionen im 1.2 Aufgaben und Ziele Aufgaben Ziele Sachzielquad rant: Menge, Zeit, Qualität, Kosten Vahlen Competence Krampf – Beschaffungsmanagement (2. Auflage) Herstellung: Frau Brun Änderungdatum: 04.06.2014 Ausgabedatum: 04.06.2014 Status: Druckdaten Seite 6 1 Grundlagen der Beschaffung6 Automobil- oder Konsumgüterbereich, auf Grund von auftretenden Mängeln erhebliche Mehrkosten und Imageschäden hervorrufen können. Fehlende Bauteile oder fehlerhafte Fertigprodukte beeinträchtigen darüber hinaus den Verkaufserfolg eines Unternehmens, was insbesondere dann von großer Bedeutung ist, wenn eine schnelle Markteinführung für den Erfolg eines Produktes und die Amortisation von Forschungs- und Entwicklungs-Kosten notwendig ist, wie man dies z. B. in der Pharma- oder IT-Branche vorfindet. Die Qualität von Produkten wird im Wesentlichen durch die Exaktheit der Spezifikation, die Präzision von Zeichnungen, die Auswahl qualifizierter Lieferanten sowie die Durchführung von Eingangsprüfungen beeinflusst. Das Formalziel teilt die Kosten in die direkten, d. h. Anschaffungskosten und die indirekten, d. h. die Bestellabwicklungs-, Lagerhaltungs- und Fehlmengenkosten auf, die durch den Einkauf reduziert werden müssen. Daneben gibt es für den Einkauf unternehmensspezifische Nebenbedingungen, wie z. B. dass die Beschaffung schnell abgewickelt, durch Gegengeschäfte der Absatz erhöht und eigene Konzernbetriebe bei der Vergabe berücksichtigt werden. 1.3 Beschaffungsprozess – Von der Bedarfsmeldung zum Bestellabruf „Nur wenn man weiß, was der Kunde will, kann man gezielt und erfolgreich einkaufen und produzieren.“ Hildebrandt, in: Fröhlich, Lingohr, 2010, S. 59 Eine wesentliche Herausforderung ist es, die Beschaffungsaktivitäten im Unternehmen ausschließlich über den Einkauf zu organisieren. In vielen Unternehmen findet man noch eine hohe Anzahl an Fachbereichen, die ohne Einbindung des Einkaufs Aufträge an Lieferanten vergeben können. Dies wird als „Maverick Buying“ bezeichnet. Beschaffungstätigkeiten werden dabei ohne Befugnis oder entgegen den formalen Regeln von anderen Bereichen übernommen. Z. B. beauftragt der Rechtsbereich externe Anwaltskanzleien für Gutachten, Merger & Akquisition oder der Finanzbereich involviert direkt Banken für Transaktionen, die Marketingabteilung kauft Kreativleistungen bei Agenturen und der Finanzund Steuerbereich arbeitet mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zusammen. Auch die Nichtnutzung von abgeschlossenen Rahmenvertragen zählt dazu. Dies kann vielfältige Ursachen haben. Beispielsweise könne die Rahmenverträge nicht bekannt sein, die Überzeugung vorliegen, dass die Konditionen nicht optimal sind, ein anderer Lieferanten präferiert sein oder ganz einfach Kompetenz- und Machtspiele vorliegen. So hat sich bei genauer Analyse der HypoVereinsbank AG herausgestellt, dass der Einkauf nur 25 % des Gesamtvolumens kennt und damit 75 % Formalziel 1.3 Beschaffungsprozess Maverick Buying

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Zusammenfassung

Beschaffungsmanagement: Den Einkauf erfolgreich managen.

Dieses Buch beschreibt die Herausforderungen der Einkaufsabteilungen in den Unternehmen. Sie betreffen insbesondere die zukünftige Ausrichtung und Aufstellung der Beschaffung sowie den konsequenten Einsatz von Werkzeugen, um den Unternehmenswert nachhaltig steigern zu können. Dabei geht der Autor unter anderem folgenden Fragen nach:

Wie weit sollen die Aufgaben des Einkaufs innerhalb der Wertschöpfungskette gehen?

In welchen Ländern soll zukünftig verstärkt eingekauft werden und wie findet man für welche Warengruppe dort geeignete Lieferanten?

Wie kann die Auswahl und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten gestaltet werden?

Wie sollte sich der Einkauf zukünftig aufstellen? Ist eher eine zentrale oder dezentrale Einkaufsorganisation erfolgreich?

Für diese und zahlreiche andere Fragestellungen werden in diesem Buch Antworten gegeben, die theoretisch fundiert und mit Beispielen aus der Unternehmenspraxis untermauert sind.