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Begriff, Bedeutung und Ziele der internationalen Unternehmenstätigkeit in:

Reinhard Meckl

Internationales Management, page 23 - 29

3. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4784-2, ISBN online: 978-3-8006-4785-9, https://doi.org/10.15358/9783800647859_23

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

Bibliographic information
Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 1 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM) 1.1 Begriff, Bedeutung und Ziele der internationalen Unternehmenstätigkeit Einer der grundlegenden Trends in der Ökonomie als Ganzes und der Betriebswirtschaft im Speziellen ist die zunehmende Verflechtung über Ländergrenzen hinweg. Die erhebliche Verstärkung der Beziehung zwischen den Volkswirtschaften zeigt sich am Volumen der ausgetauschten Waren zwischen den Ländern. Abbildung 1-1 macht die beeindruckende Entwicklung des Weltaußenhandels am Beispiel des Exports deutlich (zu Details zum Außenhandel vgl. Abschnitt 2.2). Die verstärkte Verbindung der Volkswirtschaften durch Außenhandel findet ihre Entsprechung in den zeitgleich zunehmenden Investitionen der Unternehmen im Ausland (vgl. Abbildung 1-2). Diese ausländischen Direktinvestitionen (vgl. im Detail dazu Abschnitt 2.4) zeigen eine stetige Aufwärtsentwicklung mit einem Ausreißer in 1999–2001, der im Wesentlichen mit den damals sehr hohen Börsenkursen und den damit einhergehenden hohen Preisen für Unternehmenskäufe im Ausland (vgl. näher dazu Abschnitt 2.4.1.3), zusammenhängt. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat in 2008 und 2009 auch bei den ausländischen Direktinvestitionen zu einem deutlichen Rückgang geführt. Allerdings bleibt trotz der Rückgänge der langfristige Aufwärtstrend intakt. Es steht sogar zu erwarten, dass die Direktinvestitionen z. B. in Regionen, die ein vergleichsweise hohes Wachstum ausweisen (vgl. dazu genauer Abschnitt 5.2 zu Emerging Markets), weiter erhöht werden. Dieser bisher ungebrochene Trend ist umso bemerkenswerter, als die Investition von Eigenkapital im Ausland, z. B. zum Aufbau einer Produktionsstätte, ein Signal für eine langfristige Bindung bzw. für ein nachhal- 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM) 1.1 Begriff, Bedeutung und Ziele der internationalen Unternehmenstätigkeit 0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 16000 18000 20000 19 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 92 94 96 98 20 00 02 04 06 08 10 12 U S$ in M rd . Jahr Abb. 1‑1: Entwicklung des Exportvolumens weltweit (Quelle: Daten aus http://stats.unctad.org, UNCTAD Handbook of Statistics 2013) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 2 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM)2 tiges Engagement im ausländischen Markt ist. Internationale Unternehmenstätigkeit ist damit keine Modewelle, sondern ein neues, zusätzliches Paradigma in der Ökonomie (für einen kritischen Blick auf die Tätigkeit internationaler Großunternehmen vgl. Ghauri/Buckley 2002). Die Gründe für diese inzwischen schon lang anhaltende Entwicklung sind vielfältiger Natur: •• Öffnung von bisher abgeschotteten Märkten: Regierungen weltweit fördern nun schon seit einigen Jahren die außenwirtschaftliche Verflechtung ihrer Länder. Die Deregulierung und Liberalisierung wichtiger Infrastrukturmärkte, wie z. B. Telekommunikation oder Energieversorgung, sind nicht nur in der Europäischen Union ein wichtiger Punkt bei der Schaffung eines einheitlichen Binnenmarkts. Der nun mögliche Zugang zu den früher geschlossenen Märkten des kommunistischen Ostblocks hat ein weiteres Internationalisierungspotenzial erschlossen. Generell ist zu beobachten, dass administrative Erleichterungen, insbesondere für ausländische Direktinvestitionen, in vielen Ländern vorgenommen werden, wie Abbildung 1-3 zeigt. •• Nutzung ausländischer Marktpotenziale: Seit einigen Jahren zeigen viele Länder außerhalb der klassischen Industrieländer in Europa und Nordamerika hohe Wachstumsraten. China, Indien oder auch Brasilien sind wichtige Beispiele hierfür. Unternehmen aus den klassischen Industrieländern versuchen, die sich dadurch ergebenden Marktpotenziale durch Außenhandel und Direktinvestitionen zu erschließen. Abb. 1‑2: Entwicklung der weltweiten Direktinvestitionen (Quelle: UNCTAD, World Investment Report 2013, 3) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 3 1.1 Begriff, Bedeutung und Ziele der internationalen Unternehmenstätigkeit 3 •• Technische Standardisierung und Konvergenz von Kundenpräferenzen: Vor allem im Investitionsgüterbereich ist eine zunehmende Standardisierung der Technologien bzw. eine verstärkte Öffnung von Schnittstellen zwischen Technologien, die in den einzelnen Ländern verwendet werden, zu beobachten. Dies erleichtert die Internationalisierung der Absatztätigkeit erheblich, da keine oder nur geringe zusätzliche Aufwendungen für Anpassentwicklung getätigt werden müssen. Diese Angleichung ist auch im Konsumgüterbereich, zumindest in Teilbereichen, zu beobachten. •• Verbesserte Logistik: Steigende Kapazitäten, z. B. in der Containerschifffahrt, die einen guten Teil der internationalen Güterbewegungen übernimmt, gekoppelt mit leistungsfähigen Logistiksystemen, die eine schnelle und sichere Beförderung der Waren erlauben, haben den früher als Engpass angesehenen Faktor des Transports der Güter auch ins weit entfernte Ausland beseitigt. Hinzu kommen die traditionellen Gründe für internationale Unternehmenstätigkeit, wie z. B. die Risikodiversifikation oder die Nutzung komparativer Kostenvorteile, die in Abschnitt 2.4.2.3 und Abschnitt 2.2.2.1 im Detail bei den theoretischen Erklärungsansätzen besprochen, sowie die unternehmensindividuellen, strategischen Ziele, die weiter unten in diesem Abschnitt thematisiert werden. Durch diese Gründe und die oben gezeigte empirische Entwicklung kommt dem Phänomen des „Internationalen Unternehmens“ inzwischen eine erhebliche Bedeutung sowohl in der Praxis, als auch in der Forschung der Wirtschaftswissenschaften und insbesondere in der Betriebswirtschaftslehre zu. Auf die auf den ersten Blick banale Frage, wie ein internationales Unternehmen genau zu charakterisieren ist, gibt es aber keine präzise, generell akzeptierte Definition bzw. Beschreibung. Die nahe liegende Festlegung, dass Unternehmen, die Tätigkeiten außerhalb der Grenzen ihres Heimatlandes durchführen, als international zu bezeichnen sind, ist so allgemein, dass inhaltlich damit kaum Managementmaßnahmen abgeleitet werden können. Zur stärkeren Differenzierung können grundsätzlich qualitative und quantitative Definitionsansätze unterschieden werden. Einen qualitativen Ansatz bietet Perlitz (vgl. 2013, 10; allgemein für einen Überblick vgl. z. B. Welge/Holtbrügge 2010, 40–41): „Eine Unternehmung (gilt) dann als international, wenn die Auslandsaktivitäten zur Erreichung und Sicherstellung der Unternehmensziele von wesentlicher Bedeutung sind.“ Problematisch ist hier die Bestimmung Jahr 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 Anzahl der Länder, die Änderungen eingeführt haben 43 56 49 63 66 76 60 65 70 71 72 82 103 92 91 58 55 Anzahl der Änderungen in den Regelungen 77 100 110 112 114 150 145 139 150 207 246 242 270 203 177 98 110 Eher begünstigend 77 99 108 106 98 134 136 130 147 193 234 218 234 162 142 74 85 weniger begünstigend 0 1 2 6 16 16 9 9 3 14 12 24 36 41 35 24 25 Abb. 1‑3: Änderungen in den nationalen Regelungen für ausländische Direktinvestitionen (Quelle: UNCATD, World Investment Report 2009, 31) Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 4 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM)4 der „wesentlichen Bedeutung“, da nicht eindeutig zu klären ist, wo die Schwelle des „wesentlich“ liegt. Für Pausenberger ist ein Unternehmen dann international, wenn „es sich dauerhaft in einem Auslandsmarkt integriert, was in erster Linie durch Investitionen und Produktion im Ausland erreicht wird“ (1992, 200). Allerdings wäre bei dieser Begriffsauffassung die Außenhandelstätigkeit nicht enthalten, da hier im Wesentlichen nur die Direktinvestitionen im Ausland ein Unternehmen als „international“ qualifizieren würden. Quantitative Ansätze versuchen, eine Kennzahl zu finden, die deutlich macht, ob ein Unternehmen als „international“ bezeichnet werden kann oder nicht. Ein Unternehmen ist erst dann international, wenn „der Exportumsatz zusammen mit dem Umsatz ausländischer Tochtergesellschaften und Beteiligungen größer als der Inlandsumsatz geworden ist“ (Meissner, 1995, 169). Nur wenn die erstellte und abgesetzte Leistung eines Unternehmens mindestens zur Hälfte im Ausland umgesetzt wird, würde ein Unternehmen als international gelten. Diese Schwellensetzung ist zwar intuitiv plausibel, würde aber einen großen Teil international tätiger Unternehmen von der Betrachtung ausschließen. Eine andere, häufig verwendete Kennzahl betrifft den Anteil der ausländischen Mitarbeiter. So könnte ein Unternehmen dann als „international“ bezeichnet werden, wenn eine bestimmte prozentuale Grenze beim Anteil von Mitarbeitern aus einem anderen Land als dem Heimatland des Unternehmens überschritten wird. Die zur vorherigen Definition analoge Schwelle wäre 50 %. Allerdings könnte diese, um den oben genannten Nachteil zu verringern, auch z. B. auf 20 % gesetzt werden. Eine Definition, die auf die Kapitalinvestitionen abstellt und damit den qualitativen Ansatz von Pausenberger konkretisiert, nimmt auf den Anteil des im Ausland investierten Kapitals am Gesamtkapital Bezug. Ein Unternehmen wäre dann international, wenn ein Teil des Vermögens des Unternehmens, z. B. 25 %, im Ausland investiert ist. Die quantitativen Beschreibungen von dem, was unter internationalem Unternehmen zu verstehen ist, sind damit auch nicht frei von einer gewissen Willkür der Festlegung der Schwellen der Kennzahlen. Die qualitativen Ansätze bleiben letztendlich ungenau. Bisher fehlt damit eine generell gültige Definition von „Internationales Unternehmen“. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob eine digitale Festlegung, wonach ein Unternehmen international ist oder nicht, sinnvoll ist. Angesichts der erheblichen Unterschiede in den Inhalten und den Intensitäten des Auslandsengagements der Unternehmen und deren Auswirkungen für das Management ist eine graduelle Unterscheidung des internationalen Engagements eines Unternehmens eher zielführend. Es würde damit nicht festgelegt, ob ein Unternehmen international ist oder nicht, sondern lediglich der Grad der Internationalisierung würde beschrieben. Abbildung 1-4 bietet eine mögliche konzeptionelle Grundlage für dieses Vorgehen. Die Anzahl der bearbeiteten Länder ist unbestreitbar ein Indikator für den Grad der Internationalisierung. Dieser wird ergänzt durch die Art der im Ausland allokierten Funktionen. Hier wird sichergestellt, dass die Unternehmen, die mit komplexen Funktionen, wie z. B. der Produktion, im Ausland vertreten sind, auch einen höheren Internationalisierungsgrad zugesprochen bekommen. Wird eine Auslandsgesellschaft unterhalten, die auch die Unterstützungsfunktionen, wie Finanzierung oder Unternehmensplanung, selbstständig erledigt, so deutet dies auf einen hohen Grad der Relevanz des Auslandsgeschäfts hin. Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 5 1.1 Begriff, Bedeutung und Ziele der internationalen Unternehmenstätigkeit 5 Die so definierte Internationalisierung von Unternehmen ist natürlich kein Selbstzweck. Grundsätzlich wird im Folgenden, wie in der Managementlehre üblich, ein gewinnorientiertes Unternehmen unterstellt. Diese Gewinnorientierung kann in der praktischen Umsetzung unterschiedlich ausgestaltet sein (vgl. allgemein zur Zielsetzung von Unternehmen z. B. Macharzina/Wolf 2012, 211–230). Die Maximierung des Unternehmenswerts (vgl. dazu auch Abschnitt 4.7.2) oder das Erreichen eines positiven Jahresüberschusses wären Beispiele für solche Zielkennzahlen. Regelmäßig steht hinter diesen Spitzenkennzahlen ein ganzer Vektor von Subzielen, deren Erreichung das Spitzenziel sichern soll. Auch die internationalen Aktivitäten dienen letztlich dazu, das übergeordnete Gewinnziel des Unternehmens zu erreichen. Auch wenn jedes Unternehmen seine Ziele in Zusammenhang einzelfallspezifisch definieren muss, so lassen sich aber doch Zielkategorien der Internationalisierung identifizieren (vgl. ähnlich insbesondere Dunning 1993, 56–65 und 82–83; Peng 2014, 225–227; Müller 2010, 226–227 eine andere Einteilung liefern Macharzina/Wolf 2012, 908–909): •• „Market seekers“: Insbesondere wenn der Heimatmarkt durch nur geringe Wachstumsraten gekennzeichnet ist oder auch ein niedriges Preisniveau durch starken Wettbewerb, suchen diese Unternehmen nach neuen Absatzpotenzialen mit günstigeren Bedingungen in ausländischen Märkten. Weitere Gründe für diese absatzmarktorientierten „Internationalisierer“ liegen in der absoluten Marktgröße und der prognostizierten Wachstumsrate von Auslandsmärkten, die eine deutliche Erhöhung des Absatzvolumens erwarten lassen. Auch kann es sein, dass Kunden des Unternehmens ins Ausland gehen und sich der Markt des Unternehmens dadurch regional verlagert bzw. erweitert. •• „Resource seekers“: Eine Art von Ressourcen, die hier eine Rolle spielen sind Vorprodukte bzw. Rohstoffe, die für die eigene Leistungserstellung benötigt werden. Solche physischen Land 1 Land 2 Land n Leistungswirtschaftliche Inhalte Unterstützende Wertschöpfungsstufen Produktion Marketing/ Vertrieb Beschaffung Anzahl der bearbeiteten Länder … Abb. 1‑4: Bestimmung des Internationalisierungsgrads von Unternehmen Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 6 1 Grundlagen des Internationalen Managements (IM)6 Ressourcen umfassen typischerweise Öl oder auch Industriemetalle. Die andere Art von Ressourcen sind Humanressourcen, also der Zugang zu billigen und/oder qualifizierten Arbeitskräften, die in einem Land in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. •• „Technology and innovation seekers“: Die Internationalisierung in Richtung Länder, die über ein hohes technologisches Potenzial und über eine ausgeprägte Innovationsfähigkeit verfügen, hat häufig das Ziel, über Lernprozesse von diesem Potenzial zu profitieren und die erworbenen Kenntnisse für das Gesamtunternehmen zu nutzen (vgl. dazu auch Abschnitt 5.1.2 zum Diamant-Modell von Porter). Dieses Ziel kann z. B. erreicht werden durch die Gründung von F&E-Einheiten in den Zielländern oder auch durch die Akquisition eines ausländischen Unternehmens, das über die gewünschten Fähigkeiten verfügt. •• „Efficiency seekers“: In dieser Zielkategorie versuchen die Unternehmen die Effizienz ihrer ökonomischen Aktivitäten durch Internationalisierung zu erhöhen. Zum einen können über Volumeneffekte in den einzelnen betriebswirtschaftlichen Funktionsfeldern Profitabilitäts- bzw. Renditekennzahlen verbessert werden (vgl. im Einzelnen dazu Kapitel 4; generell zur Einschätzung von Wachstumsforcierung vs. Profitabilitätssteigerung Gehrmann/Meckl 2013). Zum Zweiten kann durch Internationalisierung der Zugang zu billigeren Produktionsfaktoren erreicht werden, was wiederum zu einer verbesserten Effizienz führt. Ein weiteres effizienzorientiertes Argument ergibt sich durch die Risikodiversifikation, die durch Internationalisierung und dadurch Verringerung der Abhängigkeit von nur einem nationalen Markt erreicht wird (vgl. im Detail dazu Abschnitt 2.4.2.3). Für ein Unternehmen kann eine einzelne Kategorie dieser Ziele der Internationalisierung relevant sein. Häufig trifft man jedoch, und das macht aus ökonomischer Sicht Sinn, auf eine multiple Zielsetzung, was die Auslandsaktivitäten betrifft. Diese multiplen Ziele müssen in den strategischen Planungsprozess (vgl. im Detail dazu Abschnitt 3.3, insbesondere Abbildung 3-14), vor allem in der zweiten Phase berücksichtigt werden, um eine adäquate Internationalisierungsstrategie entwickeln zu können. Um diese Ziele zu erreichen, müssen Unternehmen die Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich bei einer Internationalisierung ergeben, überwinden. Zu nennen sind hier tarifäre Hindernisse wie Zölle oder auch nicht-tarifäre Regelungen in Auslandsmärkten, also z. B. Zulassungsregeln für Produkte, die ausländische Unternehmen diskriminieren. Generell erhöhen Unterschiede im Auslandsmarkt z. B. auf der Produktseite oder im Vertriebssystem und auch sozio-kulturelle Differenzen die Komplexität und damit das Risiko für das im Ausland eingesetzte Kapital. Höhere Markterschließungsund Transportkosten belasten die internationale Expansion zusätzlich. Die oben definierten internationalen Unternehmen mit ihren Zielvorstellungen sind Untersuchungsgegenstand des „Internationalen Managements“. Die zentrale Aufgabe des Internationalen Managements besteht somit darin, für die originären Fragestellungen, die sich aus den internationalen Aktivitäten dieser Unternehmen ergeben, Lösungen, Instrumente und Methoden für ein unternehmenszielförderndes Management zu entwickeln (vgl. ähnlich Macharzina/Wolf 2012, 956; Perlitz 2013, 12–14). Vahlens Lernbücher – Meckl – Internationales Management (3. Auflage) Herstellung: Frau Wesp Änderungsdatum: 31.01.2014 Status: Imprimatur Seite: 7 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte 7 Die sich durch die internationalen Einflussvariablen ergebenden Fragestellungen zeichnen sich im Allgemeinen durch eine höhere Komplexität und zusätzliche Einflussgrö- ßen im Vergleich zum nationalen Betrachtungsfeld aus. Gerade im internationalen Geschäft ist die Beachtung von funktionalen und logischen Interdependenzen zwischen den einzelnen Entscheidungsfeldern eines Unternehmens wichtig. Dies wird durch den Querschnittscharakter des Internationalen Managements deutlich. Bei einer Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten sind in den meisten Fällen mehrere, ab einer bestimmten Schwelle wohl der größte Teil der betrieblichen Funktionen, Entscheidungen und Abläufe betroffen und müssen auf die neue Situation ausgerichtet werden. Internationales Management ist aus diesem Blickwinkel ein wesentlicher Teil eines General-Management-Ansatzes (vgl. im Detail dazu z. B. Kutschker 2009; Schneider 2009). 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte des Internationalen Managements Vom Forschungsgegenstand her lässt sich der Themenbereich der Erforschung internationaler Unternehmenstätigkeit wie in Abbildung 1-5 dargestellt einteilen. Der interkulturelle Vergleich von Instrumenten und Methoden des Managements stellt auch vom Forschungsansatz her ein separates Feld im Rahmen der Erforschung der internationalen Unternehmenstätigkeit dar. Ziel ist es hier, Managementmethoden in verschiedenen soziokulturellen Bedingungen zu beschreiben und deren Effizienzwirkung zu untersuchen, um im zweiten Schritt Empfehlungen bei der Übertragung von Managementstilen auf einen anderen Kulturkreis abzuleiten (vgl. im Detail dazu Abschnitt 5.3). Im Rahmen des Überbegriffs der Internationalen Managementforschung kann zum einen die internationale Unternehmensführung, auch zu bezeichnen als Internationales Management im engeren Sinn, verstanden werden. Betrachtet werden hier die 1.2 Entwicklungslinien und Forschungsschwerpunkte Management multinationaler Unternehmungen Erforschung internationaler Unternehmungstätigkeit Kulturvergleichende Managementforschung Internationale Managementforschung Internationale Unternehmungsführung Internationale Betriebswirtschaft Auslandsmanagement Abwicklung operativer Geschäftsaktivitäten im Ausland Abb. 1‑5: Forschungsschwerpunkte des Internationalen Managements (Quelle: in Anlehnung an Welge/Holtbrügge 2010, 35)

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References

Zusammenfassung

Prof. Dr. Reinhard Meckl lehrt Internationales Management an der Universität Bayreuth.

Dieses einführende Lehrbuch vermittelt Ihnen anschaulich die theoretischen Grundlagen und die anwendungsbezogenen Methoden des Internationalen Managements, sodass

Sie aufbauend darauf über grundlegende Kenntnisse zur erfolgreichen Bearbeitung aus­ländischer Märkte verfügen.

Ausgehend von den Bearbeitungsformen für internationale Märkte stellt das Buch die wichtigsten Erklärungsansätze, Führungsmodelle und Managementmethoden sowie die wesentlichen Funktionsfelder eines internationalen Unternehmens dar. Analysen und ­Empfehlungen zum interkulturellen Management komplettieren das internationale Themenfeld. Fragen zur Wiederholung in jedem Kapitel sorgen für einen nachhaltigen Lernerfolg.

Aus dem Inhalt:

– Grundlagen des Internationalen Managements

– Internationale Marktbearbeitungsformen und Theorien des Internationalen

Managements

– Führung von internationalen Unternehmen

– Funktionenbezogenes Internationales Management

– Regionale und kulturelle Dimension im Internationalen Management