Content

Andreas Crone, Krisenursachenanalyse und Instrumente in:

Andreas Crone, Henning Werner (Ed.)

Modernes Sanierungsmanagement, page 72 - 84

Sanierungskonzepte, Finanzierungsinstrumente, Insolvenzverfahren, Haftungsrisiken, Arbeitsrecht und

4. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4741-5, ISBN online: 978-3-8006-4742-2, https://doi.org/10.15358/9783800647422_72

Series: Management Competence

Bibliographic information
Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 47 Krisenursachenanalyse und Instrumente von Andreas Crone 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente Im Rahmen der Restrukturierungsberatung von Krisenunternehmen ist es notwendig einen schnellen Überblick über die Lage des Unternehmens zu gewinnen. Dies hat auch Bedeutung im Hinblick auf die Frage, ob bereits Insolvenzantragsgründe und entsprechend Haftungsrisiken für das Manage ment vorliegen. Insoweit ist es wichtig, in möglichst kurzer Zeit aussagefähige Informationen zur Einschätzung der Situation des Unternehmens zu erhalten, um das weitere Vorgehen bestimmen zu können. Die klassische Jahresabschlus sanalyse bietet sich hierbei grundsätzlich als Hilfsmittel zur Erstanalyse an. Dabei werden auf Grundlage der im internen und externen Rechnungswesen des Unternehmens vorhandenen Zahlen und Daten, zu meist jedoch aus den vorliegenden Jahresabschlüssen, verschiedene Kennzahlen ermittelt und aus gewertet. Im Folgenden wird dargestellt, ob die Kennzahlenanalyse generell zur gewünschten Informationsgewinnung geeignet ist. Im Ergebnis wird ein Kennzahlenkatalog als Arbeitsgrundlage für eine kompakte Erstanalyse von Krisenunternehmen vorgestellt. Der Kennzahlenkatalog legt gleichzeitig den Umfang der vom Rechnungswesen und/oder dem Controlling des Unter nehmens benötigten Unterlagen fest. Hierzu ist eine entsprechende Muster Checkliste im Abschnitt 3.3 beigefügt. 3.1 Kennzahlenbasierte Jahresabschlussanalyse zur Krisendiagnose Unter Jahresabschlussanalyse oder auch allgemein Bilanzanalyse „versteht man die methodische Untersuchung von Jahresabschluss und Lagebericht mit dem Ziel, entscheidungsrelevante Informationen über die gegenwärtige wirtschaft liche Lage und die künftige wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens zu gewinnen.“1 Es stellt sich die Frage, inwieweit die Kennzahlenanalyse zur Krisendiagnose geeignet ist, um konkrete Aussagen zur wirtschaftlichen Lage von Unterneh men treffen zu können. Es kann generell festgestellt werden, dass eine Kennzahlenbildung nützlich und notwendig ist.2 Die Bildung von Verhältniszahlen vereinfacht die Vergleichbar keit gemessen an absoluten Zahlen. Umfangreiche und unübersichtliche Daten mengen werden auf überschaubare Größenordnungen reduziert. Zu prüfende Tatbestände werden über Kennzahlen miteinander verknüpft und kausale Beziehungen abgebildet. Nach Hauschildt existiert ein „harter Kern“ von un Kennzahlen analyse 3.1 Kennzahlenbasierte Jahresabschlussanalyse zur Krisendiagnose 3 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente (Andreas Crone) Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 48 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente48 gefähr 20 Kennzahlen mit weitgehend identischem Aufbau und einheitlicher Bezeichnung, die die wichtigsten Positionen miteinander in Beziehung setzen.3 Mit Kennzahlen wird ein Zeit oder Betriebsvergleich ermöglicht. Durch den Vergleich mit den besten Unternehmen innerhalb einer Branche können Bench marks zur Orientierung generiert werden.4 Für Krisenunternehmen können diese Werte wichtige Anhaltspunkte, vor allem in Bezug auf die meist zu opti mierende Kostenseite, sein. Zur Verbesserung der Aussagefähigkeit der einzelnen Werte sollte der betrach tete Zeitraum mindestens drei Jahre, besser noch allerdings fünf Jahre, betra gen.5 Im Vergleich zu externen Bilanzadressaten ist der Sanierungsberater in der Regel nicht auf die Daten aus dem Jahresabschluss beschränkt, was einen wesentlichen Kritikpunkt an der klassischen Kennzahlenanalyse darstellt.6 Neben den aufgezeigten Vorteilen bestehen aber bei der Kennzahlenbildung auch Nachteile. Gesetzliche Bilanzierungs und Bewertungswahlrechte kön nen insgesamt zu einer verzerrten Darstellung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens im Jahresabschluss und somit auch in der Kennzahlenanalyse führen. Entsprechend selektiv und vorsichtig ist daher bei der Auswahl der Kennzahlen sowie der Aufbereitung der Datenbasis vorzugehen. Durch die Bildung von Kennzahlen kommt es zudem zu einer Komprimie rung von Informationen, d. h. es wird ein vereinfachtes Bild der Wirklichkeit wiedergegeben. Vereinfachungen bedeuten aber gleichzeitig einen Verlust an Informationen.7 Ein weiterer Effekt, der die erforderliche Aussagekraft der Kennzahlenanalyse beeinträchtigen kann, sind ungeplante Anpassungsentscheidungen durch die Unternehmensleitung zur Abwendung der Krise.8 Diese Anpassungen können zudem genutzt werden, die Krise, also die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Unternehmens, zu verschleiern, z. B. durch die Neubewertung von Aktiva, die Reduzierung von Rückstellungen oder die Generierung liquider Mittel durch den Verkauf von Betriebsvermögen. Entsprechend sensibel ist die Datenbasis in Hinblick auf solche Vorgänge aufzubereiten, was die Ermittlung aussagekräfti ger Kennzahlen nochmals erschwert. Hinsichtlich der Aktualität der Informationen und Daten ist festzuhalten, dass die Jahresabschlussdaten ex post Daten darstellen, da sich der Jahresabschluss auf das abgelaufene Geschäftsjahr und damit i. d. R. auf den 31. Dezember (Kalenderjahr) bezieht. Zur Beurteilung der jeweils aktuellen Unternehmens situation ist deshalb auf zeitnahe und aktuelle Informationen, z. B. aus Monats abschlüssen, vor allem zur Beurteilung der Liquiditätslage, abzustellen. Hierbei ist jedoch zu prüfen, wie aktuell und vollständig (Buchungsstand) die Daten des Monatsabschlusses sind und welche Abgrenzungsbuchungen und kalku latorischen Buchungen unterjährig bereits vorgenommen wurden. In der gängigen Literatur zur Bilanzanalyse finden sich ca. 150 Kennzahlen, die häufig nach Art und Umfang unterschiedlich definiert sind.9 Von einheitlichen Standards, die wissenschaftlich fundiert und empirisch bestätigt sind, ist man weit entfernt. Zeit oder Betriebs vergleich Nachteile Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 49 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose 49 Der nachfolgende Kennzahlenkatalog versteht sich als Anregung, der von Praktikern um aus ihrer Sicht besonders präferierte Kennzahlen für die jeweili gen Unternehmensverhältnisse ergänzt werden kann. Praktische Arbeitshilfen „leben“ generell von der ständigen Weiterentwicklung. Vor dem Hintergrund der Relevanz für Sanierungskonzepte werden nachstehend die Kennzahlen dargestellt, die eine Aussage zur Sanierungsfähigkeit stärken können.10 Zur Ermittlung einzelner Kennzahlen wird auf die Beispielrechnungen auf der beigefügten CD verwiesen. 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose 3.2.1 Kennzahlen zur Rentabilitätsanalyse a) Eigenkapitalrendite = × JÜ EKR 100 EK • Die Eigenkapitalrendite (EKR) beschreibt die Rentabilität des eingesetzten Eigenkapitals bezogen auf das Jahresergebnis eines Unternehmens. • Fallende Renditen können auf sich abzeichnende Probleme im Unternehmen hindeuten. Zur Problemidentifikation ist allerdings eine genauere Analyse durch weitere Kennzahlen erforderlich. • Zur Sicherung des Fortbestands des Unternehmens ist eine angemessene Ver zinsung des eingesetzten Eigenkapitals unabdingbar, z. B. zur Finanzierung von Investitionen und zum Einwerben weiterer Kapitalgeber. b) Gesamtkapitalrendite = × JÜ + FK-Zinsen GKR 100 GK • Die Gesamtkapitalrendite (GKR) beschreibt die Rentabilität des Unterneh mens unabhängig von seiner Finanzierungsstruktur und ermöglicht somit einen finanzierungsneutralen Unternehmensvergleich. • Die Renditen sind stark branchenspezifisch. Der Unternehmensvergleich ist wichtig zur Analyse der Positionierung des Unternehmens innerhalb der Branche. c) Return on Capital Employed = − − EBIT ROCE GK kurzfr. Verbindlichkeiten liquide Mittel Kapitel 3: Kennzahlen mit Beispielen 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose Eigenkapital rendite Gesamtkapital rendite Return on Capital Employed Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 50 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente50 • Der Return on Capital Employed (ROCE) gilt als moderne Variante der Gesamtkapitalrentabilität und misst die Effektivität und Profitabilität des eingesetzten Kapitals. • Im Unterschied zur Gesamtkapitalrentabilität wird als Bezugsgröße im Nen ner nur das langfristig gebundene Kapital gewählt, welches sich durch Sub traktion der kurzfristigen Verbindlichkeiten (Restlaufzeit <= 1 Jahr) sowie der liquiden Mittel vom Gesamtkapital ergibt. d) Umsatzrendite = × JÜ UR 100 UE • Die Umsatzrendite (UR) spiegelt das prozentuale, im Verhältnis zum Umsatz erzielte Jahresergebnis wieder. e) Materialquote = × Materialaufwand MQ 100 Gesamtleistung • Die Materialquote (MQ) gibt an, wie hoch der Anteil des Materialaufwands an der Gesamtleistung ist. Sie wird häufig für Zeitverlaufs und Benchmar kanalysen herangezogen. • Die Gesamtleistung umfasst neben den Umsatzerlösen, positive oder ne gative Bestandsveränderungen, aktivierte Eigenleistungen sowie sonstige betriebliche Erträge. • Zentrale Analysehebel für diese Kennzahl sind Preis und Menge. f) Personalquote = × Personalaufwand PQ 100 Gesamtleistung • Die Personalquote (PQ) gibt den prozentualen Anteil des Personalaufwands an der Gesamtleistung an. Sie wird häufig für Zeitverlaufs und Benchmar kanalysen herangezogen. • Im direkten Bereich ist der Personalaufwand i. d. R. als eher variabel, im indirekten Bereich als eher fix anzusehen. • Zentrale Analysehebel für diese Kennzahl sind Preis und Menge. g) Sonstige betriebliche Aufwandsquote = × SbA SbAQ 100 Gesamtleistung • Die Sonstige betriebliche Aufwandsquote (SbAQ) gibt an, wie viel Prozent der Gesamtleistung für SbA aufgewendet werden. Sie wird häufig als Basis für Zeitverlaufs und Benchmarkanalysen verwendet. Umsatzrendite Materialquote Personalquote SbA Quote Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 51 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose 51 • Der sonstige betriebliche Aufwand umfasst in der Regel Kosten mit variab lem und Kosten mit fixem Charakter. h) Abschreibungsquote = × Abschreibungen AFAQ 100 Gesamtleistung • Die Abschreibungsquote (AFAQ) gibt den prozentualen Anteil der Abschrei bungen an der Gesamtleistung an. Sie wird häufig für Zeitverlaufs und Benchmarkanalysen herangezogen. 3.2.2 Kennzahlen zur Net Working Capital Analyse a) Net Working Capital = + −NWC Vorräte Forderungen LuL Verbindlichkeiten LuL • Das Net Working Capital (NWC) gibt den Nettofinanzbedarf zur Finanzie rung kurzfristiger Aktiva an. • Ein positives Working Capital stellt die Kapitalbindung im Umlaufvermögen dar, die durch das Unternehmen vorfinanziert werden muss. • Ein negatives Net Working Capital hingegen bedeutet, dass Umsätze durch Lieferantenkredite vorfinanziert werden, was positiv für den Liquiditätsbe darf des betrachteten Unternehmens ist. • Bei Krisenunternehmen sind die einzelnen Positionen des Umlaufvermö gens, wie z. B. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen oder Vorräte grundsätzlich kritisch in Bezug auf ihre Werthaltigkeit zu überprüfen. Soll ten in diesen Positionen Wertberichtigungen notwendig werden, führt dies i. d. R. dazu, dass sich der Liquiditätsbedarf weiter erhöht. b) Net Working Capital Effizienzkennzahl − = Net Working Capital NWC Effizienz Gesamtleistung • Durch die NWC Effizienzkennzahl lassen sich Aussagen über die Bewirt schaftung des Net Working Capital treffen. • Erhöht/vermindert sich die Kennzahl, lässt dies auf eine entsprechende Liquiditätsbindung/ freisetzung im Umlaufvermögen schließen. c) Lieferantenziel in Tagen Formel 1 Formel 2 = × Verbindlichkeiten aus LuL LZT 365 Materialaufwand = × + Verbindlichkeiten aus LuL LZT 365 Materialaufwand SbA Abschreibungs quote Net Working Capital NWC Effizienz kennzahl Lieferantenziel Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 52 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente52 Das Lieferantenziel (LZT) gibt die Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten in Tagen an. • Verlängert sich dieser Zeitraum, bedeutet dies in der Regel eine Zunahme der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Außerdem werden Zahlungsanreize wie Skonti nicht ausgenutzt. • Eine drastische Zunahme dieser Kennzahl, abhängig von der Lieferanten und Finanzierungsstruktur, kann ein Indiz für eine drohende oder einge tretene Zahlungsunfähigkeit sein. d) Kundenziel in Tagen = × Forderungen aus LuL KZT 365 UE • Das Kundenziel (KZT) gibt die durchschnittliche Dauer in Tagen an, die Kunden zum Ausgleich ihrer Rechnungen in Anspruch nehmen. • Je länger das Kundenziel, desto länger erfolgt eine Kreditgewährung an die Kunden, die vom Unternehmen zu finanzieren ist. • Das Alter des Forderungsbestands liefert einen möglichen Anhaltspunkt über die Werthaltigkeit der Forderungen. e) Lagerdauer in Tagen = × Vorräte LDT 365 Materialaufwand • Die Lagerdauer (LDT) in Tagen zeigt, wie lange sich die Vorräte bis zur Um satzrealisation im Unternehmen befinden. • Die Vorräte setzen sich aus den Positionen Roh , Hilfs und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen, fertige Erzeugnisse und Waren sowie geleistete Anzahlungen zusammen. • Ja nach Länge der Lagerdauer ergeben sich eventuell Anhaltspunkte zur Werthaltigkeit der einzelnen Positionen und zur Optimierung der Kapital bindung (Einkaufs und Bestandsmanagement). f) Kapitalbindungsdauer – LZT + KZT + LDT = Kapitalbindungsdaur • Die Kapitalbindungsdauer gibt an, wie lange das für eine Investition be nötigte Kapital gebunden ist, bis mithilfe dieser Investition erwirtschaftete Gewinne als Einzahlungsströme in das Unternehmen zurückfließen. • Die Dauer der Kapitalbindung ist ein kritischer Faktor bei der Finanzierung von Investitionsvorhaben, da sie die Liquidität maßgeblich beeinflusst. Kundenziel Lagerdauer Kapitalbindungs dauer Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 53 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose 53 g) Vermögensumschlag = UE VU GK • Der Vermögensumschlag (VU) zeigt, wie oft das eingesetzte Gesamtkapital zu Umsätzen geführt hat. • Die Kennzahl gibt einen Hinweis auf die Höhe des gebundenen Kapitals im Unternehmen. Bei einer überdurchschnittlich hohen Kapitalbindung besteht möglicherweise Optimierungspotenzial, z. B. durch Working Capital Management. 3.2.3 Kennzahlen zur Liquiditätsanalyse a) Liquidität 1. Grades = × Liquide Mittel L1G 100 Kurzfr. FK • Die Liquidität 1. Grades (L1G) beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens seine kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen mit flüssigen Mitteln zu erfül len (Barliquidität). • Die liquiden Mittel umfassen den Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks. • Das kurzfristige Fremdkapital setzt sich u. a. aus den nicht langfristigen Rückstellungen, wie z. B. Steuerrückstellungen, den kurzfristigen sonstigen Verbindlichkeiten (Restlaufzeit <= 1 Jahr) und den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zusammen. b) Quick Ratio/Liquidität 2. Grades + = × Liquide Mittel kurzfr. Forderungen QR 100 Kurzfr. FK • Im Vergleich zur Liquidität 1. Grades werden beim Quick Ratio (QR) zusätz lich die kurzfristigen Forderungen berücksichtigt, da sich diese auf kurze Sicht liquiditätserhöhend auswirken. • Die Kennzahl sollte >= 50 % erreichen. • Kurzfristige Forderungen sind im Wesentlichen Forderungen aus Lieferun gen und Leistungen. c) Current Ratio/Liquidität 3. Grades + = × liquide Mittel UV CR 100 Kurzfr. FK • Beim Current Ratio (CR) wird das gesamte Umlaufvermögen des Unterneh mens als „verfügbare Mittel“ betrachtet. • Die Kennzahl sollte >= 100 % erreichen. Vermögensum schlag Liquidität 1.  Grades Liquidität 2.  Grades Liquidität 3.  Grades Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 54 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente54 d) Cashflow I JÜ + Abschreibungen – Zuschreibungen Cash Flow I • Der Cashflow I (CF I) beschreibt das Innenfinanzierungspotenzial eines Un ternehmens. Die Berechnung erfolgt i. d. R. indirekt (retrograd), ausgehend vom Jahresüberschuss, der um zahlungsunwirksame Effekte korrigiert wird. e) Cashflow II CF I + Erhöhung der langfr. Rückstellungen – Auflösung der langfr. Rückstellungen CF II • Im Vergleich zum Cashflow I wird beim Cashflow II (CF II) zusätzlich die zahlungsunwirksame Veränderung der langfristigen Rückstellungen be rücksichtigt. • Zu den langfristigen Rückstellungen zählt im Wesentlichen die Rückstellung für Pensionen. f) Cashflow III CF II + außerordentliche Aufwendungen – außerordentliche Erträge CF III • Ausgehend vom Cashflow II wird der Cashflow III (CF III) um außerordent liche, zahlungswirksame Effekte bereinigt, um die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens aufzuzeigen. 3.2.4 Kennzahlen zur Finanzanalyse/Bilanzanalyse a) Eigenkapitalquote = × EK EKQ 100 GK • Die Eigenkapitalquote (EKQ) zeigt den prozentualen Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital. Die Kennzahl ist grundsätzlich für die Beurteilung der Bonität eines Unternehmens von hoher Bedeutung. • Die Höhe des Eigenkapitals hat zudem Signalfunktion vor dem Hintergrund einer potenziellen Überschuldung des Unternehmens und einer damit zu veranlassenden Überschuldungsprüfung. Cashflow I Cashflow II Cashflow III Eigenkapital quote Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 55 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose 55 b) Fremdkapitalquote = × FK FKQ 100 GK • Die Fremdkapitalquote (FKQ) zeigt den prozentualen Anteil des Fremdka pitals am Gesamtkapital. • Die Höhe des Fremdkapitals ist abhängig von branchenüblichen Gegeben heiten und kann zudem durch Überlegungen zur Optimierung der Steuer belastung sowie der Eigenkapitalrendite beeinflusst sein (Leverage Effekt). • Unabhängig hiervon erhöht sich mit zunehmendem Fremdkapital grund sätzlich die Gefahr einer Überschuldung. Die Fremdkapitalquote kann somit, abhängig von Herkunft und Fristigkeit des Fremdkapitals, ein Krisensignal darstellen. • Ferner ist nicht nur die absolute Höhe der Verbindlichkeiten, sondern auch deren Zusammensetzung (Fristigkeit) von Bedeutung. Ein hoher Anteil an kurzfristigem Fremdkapital indiziert Risiken in Bezug auf die Zahlungsfä higkeit eines Unternehmens. c) Verschuldungsgrad = × FK VG 100 EK • Der Verschuldungsgrad (VG) (statisch) stellt eine wichtige Kennzahl im Rating Prozess dar, da sich mit zunehmendem Verschuldungsgrad i. d. R. die Kreditkonditionen verschlechtern. • Zur Steigerung der Eigenkapitalrentabilität kann ein hoher Verschuldungs grad jedoch vorteilhaft sein (Leverage Effekt). d) Anlagendeckung I/Deckungsgrad A = × EK ADI 100 AV • Die Anlagendeckung I (AD I) beschreibt die Deckung des Anlagevermögens durch Eigenkapital. • Das Eigenkapital steht dem Unternehmen i. d. R. zeitlich unbefristet zur Verfügung und somit kommt es bezüglich eines Teils des Anlagevermögens zu keinerlei Engpässen in der Finanzierung. • Orientierungsgröße für die Anlagendeckung I >= 50 %. e) Anlagendeckung II/Deckungsgrad B + = × EK langfr. FK ADII 100 AV Fremdkapital quote Leverage Effekt Verschuldungs grad Anlagen deckung I Anlagen deckung II Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 56 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente56 • Die Anlagendeckung II (AD II) setzt das langfristige Vermögen zum lang fristigen Kapital ins Verhältnis. Als Orientierungsgröße gilt: Anlagende ckung II >= 100 %. • Die Kennzahl wird auch als „Goldene Bilanzregel“ oder „Grundsatz der Fristenkongruenz“ bezeichnet. • Bei inkongruenter Finanzierung können Probleme und Risiken der kurzfris tigen Kapitalbeschaffung auftreten. 3.2.5 Relevante Kennzahlen für Kriseninvestoren a) EBITDA und EBIT Umsatzerlöse +/– Bestandsveränderungen + Andere aktivierte Eigenleistungen + Sonstige betriebliche Erträge = Gesamtleistung – Materialaufwand – Personalaufwand – Sonstige betriebliche Aufwendungen = EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) – Abschreibungen = EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) – Zinsergebnis = EBT (Earnings Before Taxes) • Die Kennzahl „Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation And Amor tization“ berechnet sich aus Umsatzerlösen, zu /abzüglich Bestandsverän derungen sowie den sonstigen betrieblichen Erträgen, abzüglich Material , Personal und sonstigem betrieblichen Aufwand. • Das EBITDA zeigt die operative Ertragskraft (Rentabilität) eines Unterneh mens. • Die Kennzahl „Earnings Before Interest and Taxes“ berechnet sich aus Um satzerlösen, zu /abzüglich Bestandsveränderungen sowie den sonstigen be trieblichen Erträgen, abzüglich Material , Personal und sonstigem betrieb lichen Aufwand sowie abzüglich der Abschreibungen. • Das EBIT (Gewinn/Verlust vor Zinsen und Steuern) zeigt das operative Er gebnis eines Unternehmens. • Die Kennzahlen ermöglichen durch ihre Ausgestaltung einen finanzierungs , steuerbelastungs und branchenunabhängigen Unternehmensvergleich. b) Net Total Leverage − = Finanzverbindlichkeiten liquide Mittel NTL EBITDA EBITDA und EBIT Net Total Leverage Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 57 3.2 Kennzahlen zur Krisendiagnose 57 • Die Kennzahl „Net Total Leverage“ (NTL) gibt an, wie viele Jahre ein Unter nehmen benötigt, um seine Finanzverbindlichkeiten aus dem EBITDA, d. h. der operativen Innenfinanzierungskraft zurückzuführen. Die Kennzahl trifft somit eine Aussage zur Schuldentilgungsfähigkeit. • Die Kennzahl ist von Branche zu Branche verschieden, sollte aber aus Sicht von Kriseninvestoren i. d. R. nicht größer als 5 sein. c) Interest Coverage = EBITDA IC FK-Zinsen • Die Interest Coverage (IC) gibt in Multiplikatorform an, inwieweit ein Un ternehmen seine Fremdkapitalkosten (ohne Tilgung) aus der operativen Innenfinanzierungskraft bedienen kann (Zinsdeckung). d) Umsatzwachstum = − × 1 0 t t UE UW 1 100 UE • Das Umsatzwachstum (UW) gibt die prozentuale Entwicklung des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr an. • Stagnierende oder fallende Umsätze können dabei, abhängig von der allge meinen Branchen und Marktentwicklung, ein Anhaltspunkt für eine Krise sein. e) Auftragslage = − × 1 ot Auftragsbestand AL 1 100 Auftragsbestand • Die Auftragslage (AL) beschreibt die prozentuale Veränderung des Auftrags bestands im Vergleich zum Vorjahr. • Die Kennzahl ist ein wichtiger Indikator für zukünftige Umsätze und den Erfolg oder Misserfolg des aktuellen Produkt und Leistungsspektrums des Unternehmens. f) Umsatz pro Mitarbeiter = × UE UMA 365 Durschnittl. Anzahl MA • Die Kennzahl zeigt den durchschnittlich erzielten Umsatz pro Mitarbeiter (UMA). • Eine Analyse der Kennzahl im Branchen und Zeitvergleich gibt einen An haltspunkt über die Entwicklung der Produktivität des Unternehmens und der Mitarbeiter. • Ferner kann die Kennzahl Hinweise auf Unterauslastungen geben. Interest Coverage Umsatzwachstum Auftragslage Umsatz pro Mitarbeiter Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 58 3 Krisenursachenanalyse und Instrumente58 g) Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) = − 1 N o o A(t) Wachstumsrate (t , t) 1 A(t ) Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate („Compound Annual Growth Rate“, CAGR) drückt das durchschnittliche jährliche Wachstum aus, wobei N = t – t0 die Anzahl der Zeiteinheiten zwischen t0 und t ist und A(t) der be trachtete Endwert zum Zeitpunkt t und A(t0) der betrachtete Startwert zum Zeitpunkt t0 ist. 3.3 Checkliste: Unterlagen für die Kennzahlenanalyse Notwendige Unterlagen zur Erstanalyse (beispielhaft): • Jahresabschlüsse der letzten 5 Jahre – Bilanz – GuV – Anhang • Lagebericht • Planung (integriert) – Plan Bilanz – Plan GuV – Finanzplanung • Debitorenliste aktuell mit Vergleichswerten und Altersstruktur • Kreditorenliste aktuell mit Vergleichswerten und Alterstruktur • Auftragsbestand – letzte 5 Jahre – aktuell • Durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter – letzte 5 Jahre – aktuell • Betriebswirtschaftliche Auswertungen, bspw. – Monatsreporting – Produktionszahlen – u. a. Anmerkungen 1 Baetge, J./Kirsch, H. J./Thiele (2004): Bilanzanalyse, Düsseldorf, S. 1. 2 Hauschildt in Hauschildt, J./Krehl, H./Leker, J. (1996): Erfolgs , Finanz und Bilanz analyse, 3. Auflage, Köln, S. 3. 3 Hauschildt in Hauschildt, J./Krehl, H./Leker, J. (1996): Erfolgs , Finanz und Bilanz analyse, 3. Auflage, Köln, S. 3. Wachstumsrate 3.3 Checkliste: Unterlagen für die Kennzahlenanalyse Vahlen Competence Reihe – Crone/Werner – Modernes Sanierungsmanagement (4. Auflage) – Herstellung: Frau Brun Ausgabedatum: 03.04.2014 Änderungsdatum: 03.04.2014 Status: Imprimatur Seite 59 3.3 Checkliste: Unterlagen für die Kennzahlenanalyse 59 4 Littkemann/Krehl in Hauschildt, J./Leker, J. (2000): Krisendiagnose durch Bilanzana lyse, 2. Auflage, Köln, S. 23. 5 Klein in Blöse, J./Kihm, A. (2006): Unternehmenskrisen, Ursachen, Sanierungskonzep te, Krisenvorsorge, Steuern, Berlin, S. 73. 6 Baetge, J./Kirsch, H. J./Thiele (2004): Bilanzanalyse, Düsseldorf, S. 54 f. 7 Littkemann/Krehl in Hauschildt, J./Leker, J. (2000): Krisendiagnose durch Bilanzana lyse, 2. Auflage, Köln, S. 21. 8 Drukarczyk/Schöntag in Gottwald, P. (2010): Insolvenzrechtshandbuch, 4. Auflage, München, S. 30. 9 Littkemann/Krehl in Hauschildt, J./Leker, J. (2000): Krisendiagnose durch Bilanzana lyse, 2. Auflage, Köln, S. 25. 10 Littkemann/Krehl in Hauschildt, J./Leker, J. (2000): Krisendiagnose durch Bilanzana lyse, 2. Auflage, Köln, S. 23.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Krisen vorbeugen, erkennen und bewältigen.

Besonders praxisnah

vermittelt dieses Buch das notwendige betriebswirtschaftliche und rechtliche Instrumentarium, um Krisen vorzubeugen, zu erkennen und zu bewältigen. Ergänzend beschäftigt es sich auch mit der Sichtweise von Banken und Investoren auf Krisenunternehmen und beleuchtet deren Handlungsoptionen und -motive. Zusätzlich finden Sie auf der CD zum Buch verschiedene Musterverträge, Fallbeispiele und Checklisten.

Einige Themen im Überblick

- Kennzahlenbasierte Analyse zur Krisendiagnose

- Rechtliche Rahmenbedingungen und Prüfung der Insolvenztatbestände

- Erstellung von Sanierungskonzepten nach IDW S6 und Bescheinigungen nach IDW ES9

- Projektmanagement in der Krise

- Strategisches Restrukturierungskonzept

- Leistungs- und finanzwirtschaftliche sowie arbeitsrechtliche Sanierungsmaßnahmen

- Steuerrechtliche Aspekte im Rahmen der Restrukturierung

- Gesellschaftsrechtliche und öffentlich-rechtliche Aspekte in der Krise

- Haftungs- und Strafbarkeitsrisiken in der Krise

- Verhandeln in Krisen- und Sanierungssituationen

Die Herausgeber:

Dipl.-Kfm. WP/StB Andreas Crone ist Partner einer Unternehmensberatung und Prof. Dr. Henning Werner ist Professor für Sanierungsmanagement an der SRH Hochschule Heidelberg.