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6.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign in:

Alexander Baumeister, Claudia Floren, Ulrike Sträßer

Controlling mit SAP Business ByDesign, page 146 - 157

Erfolgsmanagement im Mittelstand

1. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4739-2, ISBN online: 978-3-8006-4740-8, https://doi.org/10.15358/9783800647408_146

Series: Controlling Competence

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1316.1 Management Summary: Kostenträgerrechnung Die Vorgehensweise der Kostenträgerstückrechnung ist in Plan- und Istrechnungen identisch (vgl. auch fortfolgend Brühl [Controlling] 253). Zur Ermittlung von Planselbstkosten werden für jeden Kostenträger die Informationen aus der Einzel- und der Gemeinkostenplanung in einer Plankalkulation zusammengeführt. Die Kostenträgerplaneinzelkosten gehen unmittelbar, Kostenträgerplangemeinkosten über Plankalkulationssätze in die Plankalkulation ein. Letztere erhält man, indem man die Kostenstellenplankosten durch die geplanten Bezugsgrößenmengen teilt. Aussagekräftige Abweichungsanalysen (→ Kapitel 5.1.2) auf Kostenträgerebene erfordern den Einsatz einer flexiblen Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis. An die Kostenträgerstückrechnung knüpft die Kostenträgerzeitrechnung an. Sie ermittelt die während einer Abrechnungsperiode angefallenen Kosten je Kostenträgereinheit oder -gruppe (vgl. Eisele/Knobloch [Technik] 889). Durch den Einbezug der in der Abrechnungsperiode erzielten Erlöse wird die Kostenträgerzeitrechnung in einem weiteren Schritt zur Erfolgsrechnung ausgebaut (→ Kapitel 4.1). 6.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign 6.2.1 Systematik der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign Während die klassische Kostenrechnung die Begriffe Kalkulation und Kostenträgerstückrechnung synonym gebraucht, unterscheidet SAP Business ByDesign explizit zwischen Materialvorkalkulation und Kostenträgerrechnung. Beide Begriffe gehören auch in SAP Business ByDesign inhaltlich eng zusammen, unterscheiden sich jedoch im Zeitpunkt ihres Einsatzes (vgl. analog zu SAP ERP Friedl/Hilz/Pedell [SAP] 80 f.): Materialvorkalkulationen dienen der auftragsneutralen Bestimmung der geplanten Selbstkosten bestimmter Kostenträger wie Produktionslosen oder Projekten: − Kunden- und Serviceaufträge: Kunden- und Serviceaufträge bilden die von den Kunden angeforderten Leistungen systemseitig ab und stellen dazu kostenrechnerisch relevante Informationen bereit. Kundenaufträge dienen der Abwicklung von Lagerverkaufsprozessen, Serviceaufträge bilden in SAP Business ByDesign Dienstleistungsverkäufe ab. Vorgehen bei Plankalkulationen Aufgaben der Kostenträgerzeitrechnung Einsatzzeitpunkt als Unterscheidungskriterium Kostenträgerarten 132 6. Gestaltungsmöglichkeiten der Kostenträgerrechnung − Produktionslose: Produktionslose enthalten die für die Fertigung freigegebenen Teile eines Produktionsauftrags. Sie bilden gleichzeitig die Grundlage für Abweichungsanalysen auf Kostenträgerebene (→ Kapitel 7.2.1). − Einzel- und Gemeinkostenprojekte: Gemeinkostenprojekte fungieren als temporäre („unechte“) Kostensammler für innerbetriebliche Projekte. Sie dienen ebenso wie Kostenstellen der Verwaltung und der Zuordnung von Gemeinkosten, in SAP Business ByDesign erlauben sie jedoch detailliertere Gemeinkostenanalysen als sie auf Kostenstellenebene möglich wären. Sobald Gemeinkostenprojekte ihren zusätzlichen Informationszweck erfüllt haben, werden die gebuchten Kosten auf die leistungsempfangende Kostenstelle abgerechnet; Gemeinkostenprojekte werden daher immer vollständig entlastet. Ein typischer Anlass für die Einrichtung eines Gemeinkostenprojektes ist z. B. die Kostenüberwachung eines Messeauftritts oder eines Fuhrparks auf Fahrzeugebene. Im Gegensatz zu Gemeinkostenprojekten sind Einzelkostenprojekte dauerhafte („echte“) Kostensammler. Die dort erfassten Kosten verbleiben dauerhaft auf dem Projekt, können jedoch Marktsegmenten zugeordnet werden und sind daher in der Ergebnisrechnung verfügbar. Als Kostenträger bezeichnet SAP Business ByDesign realisierte Produktions- oder Absatzleistungen, so dass die Kostenträgerrechnung als Ist-, die Materialvorkalkulation als Planrechnung fungiert. Im Aufbau entsprechen sich beide Berechnungsarten, daher werden zunächst die in SAP Business ByDesign erforderlichen Schritte zur Durchführung einer Vorkalkulation erläutert. Entgegen der üblichen Beschränkung des Begriffs der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung auf die Sekundärkostenrechnung verwendet SAP Business ByDesign ihn auch für die Einzelkostenzurechnung für beanspruchte Einsatzgüter, Ressourcen oder Services. Berechnungsgrundlage der Einzelkosten können damit die geplanten zeit-, mengen- oder wertmäßigen Inanspruchnahmen sein. Auf der Ebene der Gemeinkosten werden die Kosten über zuvor definierte Gemeinkostenzuschläge anhand von Zuschlagsregeln zugerechnet. Materialvorkalkulationen zur Materialkostenplanung in SAP Business By- Design basieren auf dem Prinzip der Zuschlagskalkulation; durch den Einsatz von Equipment-Ressourcen folgt sie im Fertigungsbereich dem Prinzip der Maschinensatzkalkulation. Abb. 61 zeigt das verwendete Kalkulationsschema. Unterscheidung der Kostenträger Begriffsabweichung Prinzip der Zuschlagskalkulation 1336.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign Kosten Mengengerüst Wertgerüst Materialeinzelkosten Stückliste Materialpreis der Einsatzgüter Materialgemeinkosten Zuschlagsregel auf Materialeinzelkosten Fertigungseinzelkosten Arbeitsplan Ressourcen- bzw. Servicekosten Fertigungsgemeinkosten Zuschlagsregel auf Fertigungseinzelkosten Herstellkosten Summe aus Material- und Fertigungskosten Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten Zuschlagsregel auf Herstellkosten Selbstkosten Summe Abb. 61: Mengen- und Wertgerüst einer Materialvorkalkulation Bevor eine Materialvorkalkulation im System angelegt werden kann, bedarf es einiger vorbereitender Tätigkeiten. Sie umfassen das Anlegen der zu kalkulierenden Produkte im Materialstamm, die Abbildung des Mengengerüsts durch das Anlegen von Stücklisten und Arbeitsplänen, ihre Zusammenführung in einem Produktionsmodell sowie das Definieren von Regeln für die Gemeinkostenbezuschlagung. 6.2.2 Materialstammsätze zur Verwaltung von Materialinformationen Der Begriff Material umfasst vom Markt bezogene Fertigprodukte, Halbfabrikate sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (vgl. Jacob [Management] 70). Materialien bilden in SAP Business ByDesign die Grundlage aller Einkaufs-, Logistik-, Beschaffungs-, Verfügbarkeitsprüfungs-, Verkaufsund Bewertungsprozesse (vgl. Abb. 62). Zur Übersichtlichkeit werden hier lediglich die für die Materialvorkalkulation relevanten Materialeinstellungen erläutert (siehe zu beschaffungs-, produktions- und verkaufsrelevanten Einstellungen→ Kapitel 7). Materialien werden im Work Center Produktdaten in der Sicht Allgemeine Aufgaben – Neues Material angelegt. Alle Geschäftsprozesse greifen damit aufgrund der integrierten Datenbasis auf den gleichen Materialstammsatz zu. Um den Bedürfnissen der unterschiedlichen Prozesse Rechnung zu tragen, ist der Stammsatz in Registerkarten – sogenannte Sichten – untergliedert, die einzeln angelegt und bei Bedarf sukzessive erweitert werden können. Auf der Registerkarte Allgemein werden grundlegende Kalkulationsvorbereitung Materialstamm Organisation des Materialstammsatzes 134 6. Gestaltungsmöglichkeiten der Kostenträgerrechnung Materialdaten definiert. Hierzu gehören neben der Bezeichnung und der Mengeneinheit auch Angaben zu Größe und Gewicht. Wird das Material z. B. in größeren Maßeinheiten ge- oder verkauft, so hat der Nutzer die Möglichkeit, Umrechnungsregeln zu hinterlegen. Auf der Registerkarte Bewertung werden die Verbindung des Materials zur Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung geschaffen sowie Angaben zur Kontenfindungsgruppe und zur Bewertungsmethode hinterlegt. Bei der Bewertungsmethode wird zwischen Standardpreis und gleitendem Durchschnittspreis unterschieden. Die Angaben können für die unterschiedlichen Betriebsstätten differenziert werden. Wird das Ergebnis einer Materialvorkalkulation in den Materialstamm übernommen, wird es als Materialpreis ebenfalls in dieser Registerkarte angezeigt. Abb. 62: Beispiel eines Materialstammsatzes 6.2.3 Produktionsmodelle zur Ermittlung des Kalkulationsmengengerüsts Zur Ermittlung des Kalkulationsmengengerüsts greift das System auf Informationen aus dem Fertigungsbereich zurück. Zur Ableitung des materialseitigen Mengengerüsts werden Stücklisten, zur Ermittlung des fertigungsseitigen Mengengerüsts Arbeitspläne verwendet. Eine Stückliste stellt die auf den verschiedenen Fertigungsstufen in ein Endprodukt eingehenden Einzelteile und Baugruppen zusammen (vgl. auch fortfolgend Vahrenkamp [Produktionsmanagement] 129 ff.). Die darin enthaltenen In- Vielseitigkeit von Stückliste und Arbeitsplan 1356.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign formationen werden in der betrieblichen Praxis in unterschiedlichen Funktionsbereichen gleichermaßen eingesetzt: in der Konstruktion etwa zur Produktdefinition, in der Produktionssteuerung zur Materialverwaltung, in der Beschaffung für die Mengenplanung von Vorprodukten und in der Kostenrechnung für die Produktkalkulation. Zur Verknüpfung mehrerer Produktionsstufen setzen ERP-Systeme sogenannte Baukasten- Stücklisten ein. Hierbei werden für das Endprodukt und alle Baugruppen jeweils einstufige Stücklisten angelegt, die nur diejenigen Teile enthalten, die unmittelbar in die jeweilige Produktionsstufe eingehen. Arbeitspläne sind die zentrale Informationsquelle für die Fertigungsplanung, -steuerung und -durchführung (vgl. auch fortfolgend Kiener et al. [Produktion] 242 f.). Sie strukturieren die Fertigungsaufgabe und legen die Ausführungszeiten je Produkteinheit fest. Ein Arbeitsplan beschreibt die Arbeitsgangfolge zur Fertigung eines Endproduktes oder einer Baugruppe. Er enthält dazu Informationen über die einzelnen Fertigungs- und Montageschritte (Arbeitsvorgänge, Aktivitäten), über Rüst- und Vorgabezeiten sowie über die verwendeten Materialien, Betriebsmittel und Arbeitsleistungen. In SAP Business ByDesign werden Stücklisten und Arbeitspläne in sogenannten Produktionsmodellen hinterlegt, die alle produktionsrelevanten Informationen zentral bündeln (vgl. Abb. 63). Abb. 63: Registerkarte Stückliste und Arbeitsplan des Produktionsmodells 1 136 6. Gestaltungsmöglichkeiten der Kostenträgerrechnung Arbeitspläne und Stücklisten werden im Work Center Stammdaten Planung und Produktion in der Sicht Produktionsmodelle angelegt. Auf der Registerkarte Produktionsmodellkopf werden allgemeine Daten gepflegt. Diese umfassen das zugehörige Produkt, die Produktionsmodellnummer sowie das Losgrößenintervall, für welches das Produktionsmodell Gültigkeit besitzt. Die Zuordnung eines Materials zu einem Produktionsmodell führt zur Aktivierung des Kennzeichens Eigenfertigung im Stammsatz des betreffenden Materials. Zusätzlich wird eine Organisationseinheit als Planungsbereich festgelegt, auf deren Ebene z. B. Prognoserechnungen durchgeführt werden. Die Zuordnung von Produktionsstücklisten und Arbeitsplänen erlaubt die Registerkarte Stückliste① und Arbeitsplan②. Die in SAP Business ByDesign als Produktionsstücklisten bezeichneten Stücklisten bilden die Materialstruktur ab. Sie werden im Work Center Stammdaten Planung und Produktion in der Sicht Produktionsstücklisten angelegt. Dazu wird zunächst das zugehörige Produkt und die Mengeneinheit angegeben ① (vgl. Abb. 64). Zudem kennzeichnen die Stücklistennummer ② und ggf. die Variante der Stückliste näher. Über die Variante wird zu einem späteren Zeitpunkt die Produktionsstückliste zu einem Produktionsmodell zugeordnet. In einem zweiten Schritt werden die zur Herstellung einer Mengeneinheit des Endprodukts bzw. der Baugruppe erforderlichen Einsatzprodukte unter Angabe ihrer Menge und Maßeinheit aufgelistet. Abb. 64: Beispiel für eine Produktionsstückliste 1 2 Zuordnung zu Produktionsmodellen Produktionsstücklisten 1376.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign Arbeitspläne kennzeichnen die zur Erstellung eines Produktes benötigten Arbeitsschritte. In SAP Business ByDesign können sie unmittelbar aus der Registerkarte Stückliste und Arbeitsplan des Produktionsmodells heraus angelegt werden (vgl. Abb. 63) und ordnen den Vorgängen die dabei benötigten Ressourcen zu. Vorgänge sind in SAP Business ByDesign klar umrissene Aufgaben mit einem bestimmten Anfang und Ende. Sie werden durch Vorgangskategorien und -typen gekennzeichnet. Bereits bei der Anlage des Arbeitsplans wird automatisch ein erster Vorgang angelegt ①, dem eine Hauptproduktionsressource mit variabler Dauer zugeordnet wird② (vgl. Abb. 65). Abb. 65: Anlage eines Arbeitsplanes Durch ein erneutes Aufrufen des Produktionsmodells können die Arbeitspläne auf der Registerkarte Arbeitspläne durch das Hinzufügen weiterer Vorgänge und Aktivitäten vervollständigt werden. Vorgänge werden durch die Vorgangstypen Fertigen und Rüsten, Aktivitäten durch die Aktivitätsarten Abrüsten, Endprüfung, Produzieren und Rüsten näher spezifiziert. Aktivitäten unterteilen damit Vorgänge in einzelne Schritte. Jeder Aktivität muss in Abhängigkeit der benötigten Ausführungszeit eine Aktivitätsdauer zugeordnet werden. Dabei werden feste Dauern (z. B. für Rüstvorgänge) und variable Dauern, die von der zu bearbeitenden Menge des Produkts abhängig sind (z. B. für Lackiervorgänge), unterschieden. Zudem können der Aktivität die für ihre Ausführung verantwortlichen Ressourcen zugeordnet werden. Stellen die Ressourcen unterschiedliche Services zur Verfügung, fungieren die Services automatisch als Vorschlagswerte. Bei der Zuordnung mehrerer Services zu einer Ressource ist darauf zu achten, dass jedem Service eine eigene Aktivitätsart zugeordnet werden muss. Aktivitäten der Aktivitätsart Produzieren können zusätzlich Materialien zugeordnet werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, 1 2 Konkretisierung der Arbeitspläne Vorgänge und Aktivitäten im Arbeitsplan 138 6. Gestaltungsmöglichkeiten der Kostenträgerrechnung dass die zur Produktion erforderlichen Materialien zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge disponiert werden. Die Planungssicht gibt einen Überblick über Vorgänge und Aktivitäten sowie über aggregierte Dauern und Kapazitätsbedarfe des Arbeitsplans① (vgl. Abb. 66). Abb. 66: Beispiel für einen Arbeitsplan Im Anschluss an diese Eingaben erfolgt die Freigabe ein Produktionsmodells zur Planung oder zur Planung und Fertigung. Im ersten Fall werden Produktionsmodelle zur Bezugsquellenfindung der benötigten Ressourcen und zum Anlegen von Produktionsvorschlägen verwendet. Im zweiten Fall können sie zusätzlich zum Anlegen von Produktionsanforderungen und -aufträgen verwendet werden (→ Kapitel 7). 6.2.4 Bewertungsstrategien zur Ermittlung des Kalkulationswertgerüsts Zur Ermittlung der Material- und Fertigungseinzelkosten greift SAP Business ByDesign auf sogenannte Bewertungsstrategien zurück. Die Bewertungsstrategie legt fest, anhand welcher Datenquellen die Rohstoffe, Einkaufsmaterialien, Ressourcen und Services bewertet werden und in welcher Reihenfolge diese Quellen zur Preisfindung angewendet werden. Eine solche Strategiefolge ist immer dann erforderlich, wenn unterschiedliche Preise, insbesondere für Einkaufsmaterialien, im System hinterlegt sein können (vgl. Abb. 67). Das System durchsucht die möglichen Preisquellen in absteigender Prioritätsfolge und wählt diejenige Quelle, für die zuerst ein gültiger Preis ermittelt werden kann. In SAP Business ByDesign ist zu beachten, dass die Bewertungsstrategien bereits vordefiniert sind. Eine nutzerspezifische Anpassung, auch im Sinne einer Deaktivierung einzelner Preisquellen ist nicht möglich. 1 Freigabe von Produktionsmodellen Wertermittlungsrangfolge Standardeinstellung 1396.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign Bewertungsstrategie für Rohstoffe und Einkaufsmaterialien Priorität Quelle 1. Planpreis aus den Materialstammdaten 2. Kaufpreis mit interner Bewertungsstrategie in folgender Priorität: 1. Preis aus fester Bezugsquelle; 2. Preis aus Kontrakt; 3. Preis aus Preisliste. 3. Bestandspreis aus Materialstammdaten Bewertungsstrategie für Ressourcen und Services 1. Ressourcenkostensatz 2. Servicekostensatz Abb. 67: Überblick über die Bewertungsstrategie für Rohstoffe und Einkaufsmaterialien 6.2.5 Materialvorkalkulation zur Bestimmung der Produktkosten Sind alle Vorarbeiten abgeschlossen, kann die Materialvorkalkulation angestoßen werden. Sie wird im Work Center Bestandsbewertung in der Sicht Materialvorkalkulation für das einer Betriebsstätte zugeordnete Material angelegt. Damit können identische Materialien in unterschiedlichen Organisationseinheiten abweichend bewertet werden. Im Fall einer parallelen Rechnungslegung kann zudem ausgewählt werden, für welches Rechnungslegungswerk das Kalkulationsergebnis Gültigkeit besitzt. Ferner können Bewertungen und Abschlussarbeiten eines Buchungskreises sowohl nach der Rechnungslegungsvorschrift des Unternehmens als auch nach weiteren Rechnungslegungsvorschriften durchgeführt werden. Voraussetzung für die Durchführung einer Materialvorkalkulation ist ein freigegebenes Produktionsmodell. Materialien, die diese Eigenschaft besitzen, werden in der Sicht Materialvorkalkulation angezeigt. Durch Markieren eines oder mehrerer Materialien und Drücken des Buttons NEU VORKALKULATION wird die Vorkalkulation angelegt. Wählt der Nutzer zum Kalkulationsstart die Option KALKULIEREN, werden die Ergebnisse der Materialvorkalkulation sofort im System gespeichert, die Option SIMULIEREN stößt hingegen einen Testlauf an, dessen Ergebnisse in einer Vorschau auf ihre Plausibilität hin geprüft werden können. Nach dem Kalkulationsstart führt das System die folgenden Schritte durch: Anlage der Materialvorkalkulation Kalkulationsvoraussetzung 140 6. Gestaltungsmöglichkeiten der Kostenträgerrechnung − Auswahl eines zum Auflösungsdatum freigegebenen Produktionsmodells; − Auflösung der Stücklisten über alle Produktionsstufen hinweg; − Einlesen der Arbeitspläne; − Bewertung der Materialkomponenten und Services; − Berechnung der Gemeinkostenzuschläge. Das Mengengerüst der Kalkulation stammt aus den Stücklisten und Arbeitsplänen, das Preisgerüst aus den Stammsätzen der Materialien, Ressourcen und Services. Anhand der zuvor definierten Zuschlagsregeln werden die Gemeinkosten ermittelt. Die Ergebnisse der Materialvorkalkulation können anhand von Einzelnachweisen separat für Material-, Service- und Zuschlagspositionen analysiert werden. Das Kalkulationsergebnis wird für Materialpositionen unter Angabe des Sachkontos ①, der Bewertungsmenge ②, des Preises pro Einsatzmenge und der Bewertungsmethode ③ angezeigt; für Ressourcenpositionen unter Angabe der serviceausführenden Ressource, der Bewertungsmenge und der Bewertungsmethode. Die Zuschlagspositionen werden unter Angabe des Sachkontos, des Zuschlagsbetrags und des Gemeinkostenzuschlagsatzes ausgewiesen ④ (vgl. Abb. 68). Materialvorkalkulationen verfügen über ein dreistufiges Statusnetz: In Vorbereitung, Erfolgreich beendet und Freigegeben. Abb. 68: Einzelnachweis der Materialvorkalkulation 1 2 3 4 Kalkulationsrahmen Analyse durch Einzelnachweise 1416.2 Umsetzungsstand der Kostenträgerrechnung in SAP Business ByDesign Vorkalkulationen mit dem Status In Vorbereitung sind entweder bereits angelegt, jedoch noch nicht ausgeführt worden, oder aber sind unvollständig, da bei der Ausführung für eine oder mehrere Positionen keine Kosten ermittelt werden konnten. Nach der Korrektur etwaiger Fehler kann eine Neuberechnung durchgeführt werden. Die Option Struktur bewerten führt lediglich eine neuerliche Kostenermittlung durch; das zugrunde liegende Produktionsmodell wird weder verändert noch erneut aufgelöst. Die Option Struktur auflösen und bewerten führt hingegen zur erneuten Auswahl und Auflösung eines Produktionsmodells. Vorkalkulationen mit dem Status Erfolgreich beendet wurden über alle Produktionsstufen hinweg fehlerfrei geplant. Erfolgreich beendete Vorkalkulationen können Freigegeben werden. Eine Freigabe führt zur Fortschreibung des kalkulierten Preises in den Materialstammsatz, der dort der Sicht Bewertung als Kalkulierter Preis ① zugeführt wird. Bestands- und Kalkulierter Preis sowie weitere Preistypen können so miteinander verglichen werden (vgl. Abb. 69). Der Preistyp Kalkulierter Preis dient ausschließlich zu Informationszwecken; er hat keinen Einfluss auf die Bewertung von Materialbeständen oder Umlagerungen. Soll der Kalkulierte Preis zukünftig für die Materialbewertung zur Verfügung stehen, so muss er in der Sicht Materialpreise des Work Centers Bestandsbewertung als Bestandspreis festgelegt werden. Abb. 69: Übertragung des Kalkulierten Preises in den Materialstamm Freigegebene Kalkulationen können weder neu berechnet noch gelöscht werden. Es kann jedoch eine neue Materialvorkalkulation angelegt werden, deren Gültigkeitsdatum mindestens einen Tag hinter demjenigen der freigegebenen Kalkulation liegt. 1 Bedeutung der Statustypen eingeschränkte Änderungsmöglichkeit 142 6. Gestaltungsmöglichkeiten der Kostenträgerrechnung 6.3 Schrittweise Einrichtung einer Kostenträgerrechnung bei der Spielzeux GmbH 6.3.1 Anlegen von Materialstammsätzen Betriebswirtschaftliche Vorüberlegungen: – Darstellung der logistischen Erfordernisse der Spielzeux GmbH; – Analyse der benötigten Einsatzmaterialien. Zunächst muss die logistische Struktur der Spielzeux GmbH in SAP Business ByDesign abgebildet werden. Sie umfasst alle Orte, an denen Materialien angeliefert, gelagert, gefertigt oder versendet werden. Zur Abbildung werden in einem ersten Schritt sogenannte Lokationen als logistisch relevante Punkte angelegt. Zum Anlegen existieren zwei Möglichkeiten. Die erste besteht in der Aktivierung von Supply-Chain-Management- Funktionen für einzelne Organisationseinheiten im Work Center Organisatorische Zuordnung in der Sicht Organsisationsstrukturen bearbeiten (→ Kapitel 3.3.1 und 5.3.1). Durch eine Aktivierung stehen diese Funktionen auch für Logistikaufgaben zur Verfügung. Alternativ können Lokationen über das Work Center Stammdaten Supply Chain Design angelegt werden. Letztere Option bietet den Vorteil, dass zeitgleich Rollen und Aufgaben der Lokationen eingepflegt werden können. Im vorliegenden Beispiel wurden bei Anlage der Betriebsstätte Saarbrücken bereits die Supply-Chain-Management-Funktionen aktiviert. Damit kann sie als Lagerort genutzt werden. Zusätzlich wird die Betriebsstätte nun als Anlieferungsort und Versandstelle definiert. Da Warenbewegungen über sie abgewickelt werden sollen, muss diesem Lagerort zusätzlich ein Lagerbereich zugeordnet werden. Dieser wird später für das Anlegen des Arbeitsplans im Rahmen der Fertigungssteuerung benötigt. Zur Durchführung von Planung und Fertigung werden im Anschluss Materialstammdaten sowohl für die Rohstoffe, als auch für die Endprodukte ins System eingepflegt. Die Fertigung der Lokomotiven basiert weitestgehend auf fremd bezogenen Komponenten. Beide Modelle ähneln sich in ihrem Aufbau; sie bestehen jeweils aus einem Korpus und vier Rädern, die über zwei Achsen miteinander verbunden werden. Bei dem Modell Classic handelt es sich um eine Holzlokomotive. Das Modell Racer besteht hingegen aus einem Metallkorpus und wird durch einen kleinen Motor elektrisch angetrieben. Abb. 70 und Abb. 71 zeigen die Einsatzmaterialien der beiden Endprodukte. logistische Struktur Struktur der Spielzeux GmbH Zusammensetzung der Produkte

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Zusammenfassung

Der praxisorientierte Leitfaden. SAP Business ByDesignTM ist eine umfassende On-Demand-Software für die große Anzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die die deutsche Wirtschaft prägen. Dieses Buch ist die erste schrittweise Einführung in das Controlling mit SAP Business ByDesign.

Zahlreiche Abbildungen, Übungsaufgaben und eine integrierte Fallstudie sorgen für Praxisnähe und ein umfassendes Verständnis.

Aus dem Inhalt:

- Unternehmensplanung mit Absatz-, Kostenstellen- und Ergebnisplanung

- Gemeinkostencontrolling

- Produktkostencontrolling

- Markt- und unternehmensbezogene Erfolgsrechnungen

- Passgenaues Reporting

Die Autoren:

Professor Dr. Alexander Baumeister leitet den Lehrstuhl für Controlling an der Universität des Saarlandes. Claudia Floren und Ulrike Sträßer sind dort als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen tätig.