3 Die Außenfinanzierung durch Fremdkapital (Kreditfinanzierung) in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul, Gerd Waschbusch

Finanzierung in Übungen, page 76 - 110

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4724-8, ISBN online: 978-3-8006-4725-5, https://doi.org/10.15358/9783800647255_76

Series: Vahlens Übungsbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3 Die Außenfinanzierung durch Fremdkapital (Kreditfinanzierung) 3.1 Die Charakteristika und Formen der Kreditfinanzierung Aufgabe 3.1: Idealtypische Eigenschaften von Eigenund Fremdkapital Stellen Sie die idealtypischen Eigenschaften von Eigen- und Fremdkapital einander gegenüber! Gehen Sie dabei auf die rechtliche Stellung des Kapitalgebers, die Geschäftsführungsbefugnis, die Dauer der Kapitalbereitstellung, die Art der Entgeltung und deren Auswirkung auf den Erfolg des Kapitalnehmers, die Gewinnbeteiligung und die Verlustteilnahme des Kapitalgebers sowie auf die Stellung von Sicherheiten ein! Lösung: Merkmal Eigenkapital Fremdkapital Rechtliche Stellung des Kapitalgebers Erwerb von Eigentum schuldrechtliche Verbindung Geschäftsführungsbefugnis i. d. R. vorhanden nicht vorhanden (höchstens indirekt) Dauer der Kapitalbereitstellung unbefristet befristet Art der Entgeltung gewinnabhängig unabhängig vom Erfolg Auswirkung der Entgeltung auf den Erfolg des Kapitalnehmers Gewinnverwendung Aufwand/Betriebsausgabe (im Rahmen der Gewinnermittlung) Gewinnbeteiligung des Kapitalgebers ja nein Verlustteilnahme des Kapitalgebers in voller Höhe (zunächst) nicht Stellung von Sicherheiten nicht möglich Normalfall Abbildung 4: Idealtypische Eigenschaften von Eigen- und Fremdkapital 6 6 Geringfügig modifiziert entnommen aus Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz: Finanzierung, 2. Aufl., München 2009, S. 123. 50 Finanzierung in Übungen 3.2 Die Inhalte von Kreditvereinbarungen Aufgabe 3.2: Kreditfinanzierung – Grundlagen a) Grenzen Sie Nennbetrag, Auszahlungsbetrag und Rückzahlungsbetrag eines Kredits voneinander ab! b) Beschreiben Sie die drei Arten von eindeutig festgelegten Tilgungsstrukturen bei Krediten (Hinweis: Auf die Berechnung der Annuität ist nicht einzugehen)! c) Welche drei Größen sind entscheidend für eine Zinsvereinbarung? Beschreiben Sie kurz mögliche Ausprägungen dieser Größen! d) Beschreiben Sie kurz vier mögliche Ziele, die ein Kreditgeber mit der Besicherung von Krediten verfolgt! Lösung: Teilaufgabe a) Der Nennbetrag, der die nominale Höhe des Kredits angibt, wird als Berechnungsgrundlage für andere Vertragsbestandteile (z. B. zu entrichtende Zinsen) herangezogen. Liegt der Auszahlungsbetrag, also der Betrag, den der Kreditnehmer (Schuldner) tatsächlich erhält, unter dem Nennbetrag, so bezeichnet man die Differenz als Disagio (bei Hypothekendarlehen auch als Damnum); liegt der Auszahlungsbetrag ausnahmsweise über dem Nennbetrag, so wird die Differenz als Agio bezeichnet. Der Rückzahlungsbetrag, also der Betrag, den der Kreditnehmer (Schuldner) – neben den Zinszahlungen – in einem Betrag oder in mehreren Teilbeträgen zurückzuzahlen hat, entspricht i. d. R. dem Nennbetrag, kann in besonderen Fällen aber auch darüber liegen. Teilaufgabe b) - Gesamtfällige Darlehen Die Rückzahlung des Kredits erfolgt am Ende der Laufzeit oder – falls dies möglich ist – nach erfolgter Kündigung und Ablauf der Kündigungsfrist in einem einzigen Betrag. Zinszahlungen erfolgen i. d. R. periodisch. - Ratentilgung Die Tilgung des Kredits erfolgt i. d. R. in jährlich gleich bleibenden Tilgungsbeträgen bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit, wobei die erste Zahlung bereits am Ende des ersten Jahres nach der Kreditgewährung oder Kreditfinanzierung 51 nach einer vereinbarten mehr oder weniger langen tilgungsfreien Zeit erfolgt. Zinszahlungen finden periodisch statt. Da die Zinszahlungen i. d. R. auf den jeweils in Anspruch genommenen, d. h. auf den durch bereits erfolgte Tilgungsleistungen verminderten Kreditbetrag zu leisten sind, die Tilgungsbeträge in den Tilgungsperioden aber stets gleich hoch sind, vermindert sich die periodische Zahlungsbelastung des Schuldners über die gesamte Tilgungsdauer. - Annuitätentilgung Verzinsung und Tilgung des Kredits erfolgen in der Weise, dass der Schuldner pro Jahr (pro Quartal, pro Monat) einen stets gleich hohen Betrag leistet, der Tilgung und Zinszahlung enthält. Im Rahmen der zu leistenden Annuität sinkt im Zeitablauf der Zinsanteil, während der Tilgungsanteil im Zeitablauf steigt. Teilaufgabe c) Entscheidend für eine Zinsvereinbarung sind: - Die Termine der Zinszahlungen Monatliche, quartalsweise, halbjährliche oder jährliche Zinszahlungen können nachschüssig oder vorschüssig zu leisten sein. - Die Bezugsgröße des Zinssatzes Der Zinssatz kann sich beziehen auf - die Restschuld, also den noch nicht getilgten Kreditbetrag, - den Nominalbetrag oder Nennbetrag des Kredits (unabhängig von den bereits erbrachten Tilgungszahlungen). - Der Zinssatz Ein über die gesamte Laufzeit des Kredits fester Zinssatz kann ebenso vereinbart werden wie ein an eine andere Variable (z. B. Basiszinssatz der Europäischen Zentralbank, EURIBOR 7) gekoppelter Zinssatz. Von der so bestimmten Höhe des Nominalzinses ist die Effektivverzinsung zu unterscheiden. 7 Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR). Dieser Zinssatz wird geschäftstäglich für verschiedene Laufzeiten als Ergebnis der Meldungen eines Panels europäischer Banken ermittelt und veröffentlicht; er dient als Benchmark für die aktuellen Marktzinsen für Kredite bestimmter Arten im Handel zwischen Kreditinstituten. 52 Finanzierung in Übungen Der Nominalzins, der sich einerseits auf ein Jahr, andererseits auf die Bezugsgröße, also auf den Nominalbetrag oder auf die Restschuld des Kredits, bezieht, gibt – bei Vereinbarung genau eines Zinszahlungszeitpunktes pro Jahr – an, welcher Teil der Bezugsgröße zu den jeweiligen Zinszahlungszeitpunkten vom Kreditnehmer an den Kreditgeber als Entgelt für die Kapitalüberlassung zu leisten ist. Sind im Kreditvertrag mindestens zwei Zinszahlungszeitpunkte pro Jahr vereinbart worden, so verringert sich der Teil der zu leistenden Bezugsgröße entsprechend. Im Gegensatz hierzu stellt die Effektivverzinsung den – im Allgemeinen ebenfalls auf ein Jahr bezogenen – Zinssatz dar, bei dem die Summe der mit diesem Zinssatz auf den Zeitpunkt der Kreditauszahlung diskontierten Zins- und Tilgungszahlungen genau dem Auszahlungsbetrag entspricht. Die Effektivverzinsung berücksichtigt sämtliche im Rahmen der Kreditaufnahme anfallenden Kosten. Teilaufgabe d) - Die Erlangung von Verfahrensvorteilen bei der Eintreibung von Forderungen Der Kreditgeber kann den Versuch unternehmen, Verfahrensvorteile zu erlangen, um die Möglichkeit der zwangsweisen Eintreibung von Forderungen zu verbessern. Insbesondere wird er bereits bei Abschluss des Kreditvertrags bzw. bei Auszahlung der Kreditvaluta darauf achten, dass er die Kreditgewährung später im Falle eines Prozesses gegen den Kreditnehmer vor Gericht beweisen kann. Er erreicht dies z. B. durch die Beurkundung des Kredits, aber auch schon durch die ohnehin übliche Schriftform. - Die Beschleunigung des Beitreibungsverfahrens Der Kreditgeber kann durch bestimmte Maßnahmen eine Beschleunigung des Verfahrens bei Einklagung eines Geldbetrags erreichen (z. B. kann sich der Schuldner bereits bei der Bestellung der Sicherheit – notariell beurkundet – der sofortigen Zwangsvollstreckung unterwerfen). - Die Verschaffung von Vorrechten beim Zugriff auf einen bestimmten Vermögensgegenstand des Schuldners Um im Schadensfall vor Verlustrisiken geschützt zu sein, hat der Kreditgeber auch die Möglichkeit, sich durch sachenrechtliche (also dingliche) Kreditsicherheiten Vorrechte vor anderen Gläubigern beim Zugriff auf das Sicherungsgut zu verschaffen. Dabei erwirbt der Kreditgeber Rechte an Vermögensgegenständen. Zu nennen sind hier: Kreditfinanzierung 53 - der Eigentumsvorbehalt, - die Sicherungsübereignung, - Pfandrechte an beweglichen Sachen und Rechten sowie - Grundpfandrechte. - Die Verschaffung von Sicherheiten bei anderen Personen als dem Kreditnehmer Die von Dritten geleisteten dinglichen Sicherheiten entsprechen grundsätzlich den soeben genannten Sicherheiten; allerdings wird in diesem Fall die Haftungsmasse des Schuldners nicht geschmälert. Haftet dem Kreditgeber durch gesonderten Vertrag ein weiterer Schuldner persönlich, so hat der Kreditgeber dadurch den Vorteil, Zugriff auf ein weiteres Vermögen zu erlangen (z. B. Grundpfandrechte auf Grundstücke Dritter, Bürgschaften). Aufgabe 3.3: Tilgungsformen von Darlehen 8 Ein Kreditinstitut bietet für ein hypothekarisch gesichertes Darlehen folgende Konditionen an: Nennbetrag: 100.000 EUR Damnum: 4.000 EUR Laufzeit: 5 Jahre Nominalzins: 6 % p. a. Zeigen Sie aus Kundensicht – jeweils anhand eines Zeitstrahls – unter genauer Angabe der Zins- und Tilgungszahlungen die drei Ihnen bekannten Tilgungsformen! Einzahlungen sind dabei als positive, Auszahlungen als negative Größen anzusehen. 8 Modifiziert entnommen aus Däumler, Klaus-Dieter; Grabe, Jürgen: Betriebliche Finanzwirtschaft, 10. Aufl., Herne 2013, S. 156−160. 54 Finanzierung in Übungen Lösung: Annuitätentilgung (aus Kundensicht): + 96 ‒ 23,74 ‒ 23,74 ‒ 23,74 ‒ 23,74 ‒ 23,74 (TEUR) (Jahre)0 1 2 3 4 5 Die Formel zur Berechnung der Annuität 9 lautet wie folgt: Annuität = Nennbetrag des Darlehens · Kapitalwiedergewinnungsfaktor (6 %/5 Jahre) 10 = K0 · KWF (6 %/5 Jahre) = 1i)(1 i)(1iK n n 0 −+ +⋅⋅ = 11,06 1,060,06EUR100.000 5 5 − ⋅⋅ = 100.000 EUR · 0,2374 = 23.740 EUR/Jahr Gesamtfälliges Darlehen (d. h. einmalige Gesamttilgung) (aus Kundensicht): + 96 ‒ 6 ‒ 6 ‒ 6 ‒ 6 ‒ 6 (TEUR) (Jahre)0 1 2 3 4 5 ‒ 100 Die jährlichen Zinszahlungen errechnen sich folgendermaßen: Zinsen = i % · Nennbetrag des Darlehens = 0,06 · 100.000 EUR = 6.000 EUR/Jahr 9 Eine Zahlungsreihe, die uniform, äquivalent und äquidistant ist, wird als Annuität bezeichnet. Uniformität ist gegeben, wenn die Zahlungen der Zahlungsreihe alle gleich groß sind. Eine Zahlungsreihe ist äquidistant, wenn die Zahlungen der Zahlungsreihe zu Zeitpunkten anfallen, die jeweils gleich weit voneinander entfernt sind. Äquivalenz bedeutet, dass der Kapitalwert der vorliegenden Zahlungsreihe dem Kapitalwert der ursprünglichen Zahlungsreihe entspricht. Vgl. dazu Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz: Investition, 2. Aufl., München 2009, S. 102. 10 Der Kapitalwiedergewinnungsfaktor gehört zu den finanzmathematischen Faktoren. Er verteilt im vorliegenden Fall den jetzt gewährten Kredit K0 in Höhe von 100.000 EUR unter Berücksichtigung von Zins und Zinseszins in gleich hohe Beträge auf n Jahre. Kreditfinanzierung 55 Ratentilgung (aus Kundensicht): + 96 ‒ 6 ‒ 4,8 ‒ 3,6 ‒ 2,4 ‒ 1,2 (TEUR) (Jahre)0 1 2 3 4 5 ‒ 20‒ 20‒ 20‒ 20‒ 20 Die jährliche Tilgung sowie die jährlichen Zinszahlungen werden nachfolgend berechnet: Tilgung = Laufzeit DarlehensdesNennbetrag = Jahre5 EUR100.000 = 20.000 EUR/Jahr Die jährlichen Zinszahlungen beziehen sich jeweils auf die Restschuld des Vorjahres, d. h. auf den im Zeitablauf um Tilgungszahlungen geminderten Nennbetrag des Darlehens. Diese jährlichen Zinszahlungen lassen sich wie folgt berechnen: Periode t Nennbetrag Tilgung Restschuld Zinszahlung (Restschuld t-1 · 6 %) 0 100.000 EUR 100.000 EUR 1 20.000 EUR 80.000 EUR 6.000 EUR 2 20.000 EUR 60.000 EUR 4.800 EUR 3 20.000 EUR 40.000 EUR 3.600 EUR 4 20.000 EUR 20.000 EUR 2.400 EUR 5 20.000 EUR 0 EUR 1.200 EUR Aufgabe 3.4: Bewertung einer Unternehmensanleihe Gegeben sei eine Unternehmensanleihe, die wie folgt ausgestattet ist: - Nominalwert: 10.000.000 EUR, - 8-jährige Laufzeit, - endfällige Tilgung, - in den ersten vier Jahren werden keine Zinsen gezahlt, - nach den vier zinsfreien Jahren beträgt der am Ende des jeweiligen Laufzeitjahres zu zahlende Nominalzins 8 % p. a. 56 Finanzierung in Übungen Ermitteln Sie, welcher Betrag dem Unternehmen (Emittenten) bei einer marktgerechten Bewertung der Unternehmensanleihe zufließt, wenn das Marktzinsniveau im Begebungszeitpunkt 6 % p. a. beträgt! Lösung: Aus Sicht des Unternehmens (Emittenten) gilt: (1) C0 != 0 (2) C0 = t n 1t t0 i)1(AE − = +⋅−∑ (1) = (2) 0 = tn 1t t0 i)(1AE − = +⋅−∑ E0 = t n 1t t i)(1A − = +⋅∑ Dabei gilt: C0: Kapitalwert der Unternehmensanleihe im Zeitpunkt t = 0; E0: Ausgabebetrag der Unternehmensanleihe (Einzahlung des Emittenten) im Zeitpunkt t = 0; At: Auszahlungen der Periode t (Zinsen und Rückzahlungsbetrag der Unternehmensanleihe); t: Zeitindex (t = 1, 2, …, n); n: Laufzeit der Unternehmensanleihe; i: Marktzinssatz zum Begebungszeitpunkt (6 % p. a.). Für das Unternehmen (den Emittenten) ergibt sich bei einer Barwertbetrachtung unter Anwendung der oben angeführten Gleichung folgende Berechnung: E0 = 800.000 EUR · RBF (6 %/4 Jahre) · 1,06−4 + 10.000.000 EUR · 1,06−8 = 800.000 EUR · 06,1·0,06 106,1 4 4 − · 1,06−4 + 10.000.000 EUR · 1,06−8 = 800.000 EUR · 3,4651 · 0,7921 + 10.000.000 EUR · 0,6274 = 2.195.764,57 EUR + 6.274.000 EUR = 8.469.764,57 EUR Kreditfinanzierung 57 Anmerkung: Der Rentenbarwertfaktor (RBF) findet seine Anwendung bei einer finanzmathematischen Reihe gleicher Zahlungen, z. B. Zinszahlungen, die mit Hilfe dieses Faktors auf den gleichen Anfangszeitpunkt diskontiert werden können. Die Formel für den Rentenbarwertfaktor lautet wie folgt: RBF = n n i)(1i 1i)(1 +⋅ −+ Aufgabe 3.5: Kreditsicherungsformen Nennen Sie je vier Beispiele für akzessorische und fiduziarische Kreditsicherheiten! Erläutern Sie die grundsätzlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Kreditsicherungsformen! Lösung: Akzessorische Kreditsicherheiten sind in ihrem rechtlichen Bestand von der gesicherten Forderung des Kreditgebers abhängig. Fällt die Forderung weg, so entfällt damit kraft Gesetzes auch die Sicherheit. Beispiele: Bürgschaft, Hypothek, Pfandrecht, Schuldbeitritt. Fiduziarische Kreditsicherheiten bestehen unabhängig von der gesicherten Forderung. Entfällt die Forderung, hat der Sicherungsgeber nur einen Anspruch auf Rückübertragung der fortbestehenden Sicherheit. Dies ermöglicht es, die Sicherheit wechselnden Forderungen zu unterlegen. Beispiele: Garantie, Grundschuld, Sicherungsübereignung, Sicherungszession. 3.3 Die langfristige Kreditfinanzierung Aufgabe 3.6: Begriff des Darlehens Was versteht man zivilrechtlich unter einem Darlehen? Lösung: Gemäß § 488 Abs. 1 BGB wird der Darlehensgeber durch den Darlehensvertrag „verpflichtet, dem Darlehensnehmer einen Geldbetrag in der vereinbarten Höhe zur Verfügung zu stellen. Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, einen 58 Finanzierung in Übungen geschuldeten Zins zu zahlen und bei Fälligkeit das zur Verfügung gestellte Darlehen zurückzuzahlen.“ (Zum Sachdarlehensvertrag vgl. §§ 607–610 BGB und zum Verbraucherdarlehensvertrag vgl. §§ 491–505 BGB.) Aufgabe 3.7: Schuldscheindarlehen Erläutern Sie kurz die Finanzierungsform des Schuldscheindarlehens! Gehen Sie dabei auch auf die Unterschiede zu den Schuldverschreibungen ein! Lösung: Bei einem Schuldscheindarlehen handelt es sich um einen anleiheähnlichen, meist langfristigen Großkredit, der von Industrie- und Handelsunternehmen, der öffentlichen Hand sowie von Kreditinstituten mit Sonderaufgaben auf nicht öffentlichem Wege, d. h. ohne Zwischenschaltung der Börse vor allem bei Kapitalsammelstellen aus dem Nichtbankenbereich (überwiegend Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen) aufgenommen wird. Meist erfolgt hierbei eine indirekte Aufnahme des Kapitals unter Einschaltung von Vermittlern (Banken, Bankenkonsortium, Finanzmakler) und nicht direkt bei den Kreditgebern. Ein Schuldscheindarlehen dient der Deckung eines langfristigen Finanzierungsbedarfs und stellt somit eine individuelle, langfristige Kreditgewährung dar. Gewöhnlich haben Schuldscheindarlehen eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren; die gebräuchlichste Form der Tilgung ist die Ratentilgung, wobei hier oft einige sog. Freijahre Berücksichtigung finden, in denen der Kapitalnehmer keine Tilgung zu leisten hat. Vorzeitige Kündigungsrechte werden meist nicht gewährt. Schuldscheindarlehen unterscheiden sich in rechtlicher Hinsicht – insofern die Terminologie „anleiheähnlich“ – von Obligationen (Schuldverschreibungen) dadurch, dass sie keine Wertpapiere, sondern beweiserleichternde Dokumente sind, bei denen der Gläubiger des Schuldscheindarlehens sein Recht auch bei Verlust des Schuldscheins durchsetzen kann. Im Unterschied zu den Schuldverschreibungen, bei denen die Übertragung durch Einigung und Übergabe des Inhaberpapiers vollzogen wird, werden Schuldscheindarlehen durch Zession (Abtretung) übertragen, die häufig an die Zustimmung des Schuldners gebunden ist, so dass ein persönliches Kreditverhältnis besteht. Kreditfinanzierung 59 Aufgabe 3.8: Unternehmensfinanzierung durch die Ausgabe von Aktien bzw. Schuldverschreibungen Nennen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede einer Unternehmensfinanzierung durch die Ausgabe von Aktien bzw. Schuldverschreibungen! Lösung: Gemeinsamkeiten: - breite Streuung auch in „kleinen“ Anlegerschichten wegen der kleinen Stückelung; - Kapitalhingabe durch den Investor kurzfristig möglich, Kapitalverfügung aber auf Dauer bzw. über die gesamte Laufzeit wegen Börsenzulassung; - üblicherweise Verkauf über Banken (Konsortium) im Wege der Fremdemission; - Ausgabe von Mantel und Bogen (falls Urkunden („Stücke“) existieren). Unterschiede: - Eigentümer- vs. Gläubigerposition; - Gewinnausschüttung vs. Liquiditätsbelastung aufgrund von Zins und Tilgung. Aufgabe 3.9: Ermittlung der Effektivverzinsung einer Schuldverschreibung Ein Unternehmen platziert eine festverzinsliche Schuldverschreibung mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren und einem Nennbetrag (= Rückzahlungsbetrag) in Höhe von 100 Mio. EUR zu einem Ausgabekurs von 92 %. Der Nominalzinssatz beträgt 8 % p. a. (nachschüssig). Wie hoch ist der effektive Zinssatz (interne Zinssatz) dieser Schuldverschreibung? Hinweis: Die rechnerische Lösung aus Sicht des Unternehmens erfolgt unter Anwendung der linearen Interpolation. Verwenden Sie dazu folgende Probierzinssätze: i1 = 7 % p. a., i2 = 10 % p. a.! 60 Finanzierung in Übungen Lösung: Die Lösung dieser Aufgabe kann mit Hilfe der linearen Interpolationsformel erfolgen. Hierzu benötigen wir zwei Ausgangszinssätze (i1 und i2), die einmal zu einem positiven und einmal zu einem negativen Kapitalwert (C0) führen. Aus Sicht des Unternehmens (Emittenten) gilt: C0 = t n 1t t0 i)(1AE − = +⋅−∑ Dabei gilt: C0: Kapitalwert der Schuldverschreibung im Zeitpunkt t = 0; E0: Ausgabebetrag der Schuldverschreibung im Zeitpunkt t = 0; At: Auszahlungen der Periode t (Zinsen und Rückzahlungsbetrag der Schuldverschreibung); t: Zeitindex (t = 1, 2, …, n); n: Laufzeit der Schuldverschreibung; i: Probierzinssatz (i1 = 7 % p. a. bzw. i2 = 10 % p. a.). Berechnung: E0 = Ausgabebetrag = Ausgabekurs · Nennbetrag = 92 % · 100 Mio. EUR = 92 Mio. EUR At = Nominalzinssatz · Nennbetrag = 8 % · 100 Mio. EUR = 8 Mio. EUR für t = 1 bis t = 10. In t = 10 müssen neben den 8 Mio. EUR Zinsen noch 100 Mio. EUR für die Rückzahlung der Schuldverschreibung geleistet werden. Kreditfinanzierung 61 %)7i(bei 0,5083EURMio.1000236,7EURMio.8EURMio.92 1,07EURMio.100 0,07)(10,07 10,07)(1EURMio.8EURMio.92 1,07EURMio.100 Jahre)%/10(7RBFEURMio.8EURMio.92 )i(1AEC 1 10 10 10 10 n 1t t 1t001 =−= ⋅−⋅−+= ⋅− +⋅ −+⋅−+= ⋅− ⋅−+= +⋅−= − − = −∑ EURMio.15,0188 %)10i(bei 0,3855EURMio.1006,1446EURMio.8EURMio.92 1,1EURMio.1000,1)(10,1 10,1)(1EURMio.8EURMio.92 1,10EURMio.100 Jahre)%/10(10RBFEURMio.8EURMio.92 )i(1AEC 2 10 10 10 10 n 1t t 2t002 =+= ⋅−⋅−+= ⋅−+⋅ −+⋅−+= ⋅− ⋅−+= +⋅−= − − = −∑ EURMio.4,2932 Lineare Interpolationsformel: − −⋅− 0102 12 011 CC iiCi=rˆ ( ) ( ) ( ) a.p.%9,33== −−= ⋅−−= −−+ −⋅−−= 0,0933 0,023330,07 0,001553415,01880,07 0188,514,2932 0,070,100188,510,07rˆ Der effektive Zinssatz (interne Zinsfuß) liegt bei 9,33 % p. a. 62 Finanzierung in Übungen Aufgabe 3.10: Ausgabekurs und effektive Finanzierungskosten einer Inhaberschuldverschreibung Eine Aktiengesellschaft beabsichtigt, unter Mitwirkung eines Bankenkonsortiums eine Inhaberschuldverschreibung zu begeben, die auch an der Börse eingeführt werden soll. Die Inhaberschuldverschreibung in Höhe von nominal 100 Mio. EUR soll am Ende der Laufzeit von 10 Jahren in einer Summe getilgt und mit einem Jahreskupon von 8 % p. a. (nachschüssig) ausgestattet werden. Der Marktzinssatz für vergleichbare Papiere beträgt zum Begebungszeitpunkt 8,15 % p. a. An Begebungskosten sind zu berücksichtigen: (1) Einmalige Kosten 1. Übernahmeprovision für das Bankenkonsortium 2,5 % des Nennwertes 2. Veröffentlichungskosten des Börsenprospekts 5.500 EUR 3. Druck der Stücke 25.000 EUR 4. Kontroll- und Prüfungskosten 2.500 EUR 5. Börseneinführungsprovision 0,025 % des Nennwertes 6. Börsenzulassungsgebühr 15.000 EUR 7. Veröffentlichung des Zulassungsantrages und -beschlusses im Bundesanzeiger und Pflichtblatt 40.000 EUR 8. Veröffentlichungskosten bei Fälligkeit 2.000 EUR (2) Laufende jährliche Kosten des Emissionskonsortiums 1. Kuponeinlösungsprovision 0,25 % der Nominalzinsen 2. Kosten der Kurspflege 0,1 % des Nennwertes a) Welcher Ausgabekurs sollte für die Inhaberschuldverschreibung gewählt werden? Wie hoch ist das Disagio? b) Wie hoch sind für die Aktiengesellschaft die effektiven Finanzierungskosten dieser Inhaberschuldverschreibung in % p. a.? Es werden alle angebotenen Leistungen des Emissionskonsortiums nachgefragt. Führen Sie lediglich einen Iterationsschritt mit den Probierzinssätzen i1 = 9 % p. a. und i2 = 8,5 % p. a. durch! Kreditfinanzierung 63 Lösung: Teilaufgabe a) Unter der Prämisse eines vollkommenen Kapitalmarktes kann die Inhaberschuldverschreibung nur dann platziert werden, wenn sie dem Erwerber eine marktmäßige Rendite gewährleistet. Der real existierende Kapitalmarkt ist jedoch kein vollkommener Markt; vielmehr lassen sich für vergleichbare (homogene) Wertpapiere voneinander abweichende Preise beobachten. Da sich die Preisdifferenzen jedoch in engen Grenzen halten, soll nachfolgend von einer (Mindest-)Rendite von 8,15 % p. a. (= Marktzinsniveau) ausgegangen werden. Bei einer gegebenen Laufzeit und einem gegebenen Nominalzinssatz kann die Emissionsrendite nur über die Variation des Ausgabekurses an das Marktzinsniveau angepasst werden. Der Ausgabekurs (= Zuflussbetrag) muss so bemessen werden, dass er dem mit dem Marktzinssatz abgezinsten Auszahlungsstrom aus dieser Inhaberschuldverschreibung, d. h. dem Barwert der laufenden Zins- und Tilgungszahlungen zum Zeitpunkt der Begebung entspricht. Der Erwerber muss für seine Investition (= Kauf der Anleihe) einen internen Zins (= Rendite) erhalten, der mit dem zurzeit geltenden Marktzinsniveau r übereinstimmt. Aus Sicht des Erwerbers der Inhaberschuldverschreibung gilt der folgende Zusammenhang: 0i)(1EAC !t n 1t t00 =+⋅+−= − = ∑ Dabei gilt: C0: Kapitalwert der (Finanz-)Investition im Zeitpunkt t = 0; A0: Anschaffungsauszahlung (Ausgabebetrag der Inhaberschuldverschreibung) im Zeitpunkt t = 0; Et: Einzahlungen der Periode t (Zinsen und Rückzahlungsbetrag der Inhaberschuldverschreibung); t: Zeitindex (t = 1, 2, …, n); n: Laufzeit der Inhaberschuldverschreibung; i: Marktzins i (hier 8,15 % p. a.). 64 Finanzierung in Übungen Der Ausgabebetrag der Inhaberschuldverschreibung A0 ist die gesuchte Grö- ße: tn 1t t0 i)(1EA − = +⋅= ∑ A0 = ( ) ( ) 101,0815 gsbetragRückzahlun EUR000.000.100 Jahre%/108,15RBF Zinsenjährliche 0,08EUR0100.000.00 −⋅+ ⋅⋅ 444 3444 21 4444 84444 76 A0 = 1010 10 0815,1EUR000.000.100)0815,1(0815,0 1)0815,1(EUR000.000.8 −⋅+⋅ −⋅ = 0,4568EUR0100.000.00+6,6649EUR8.000.000 ⋅⋅ = EUR45.680.000+EUR53.319.200 = EUR98.999.200 # Ausgabekurs der Inhaberschuldverschreibung = EUR0100.000.00 EUR98.999.200 = 0,989992 = 98,9992 % = 99 % Die Inhaberschuldverschreibung sollte zu maximal 99 % emittiert werden, um bei einem gegebenen Marktzinsniveau von 8,15 % p. a. die reibungslose Platzierung nicht zu gefährden. Der Ausgabekurs von 99 % entspricht hierbei einem Ausgabebetrag in Höhe von 99.000.000 EUR (= Liquiditätszufluss aus Sicht der Aktiengesellschaft, mit dem bei dem gegenwärtigen Marktzinsniveau in Höhe von 8,15 % p. a. zu rechnen ist). Berechnung des Disagios: d = − NB AB1 = 0,010,991=EUR0100.000.00 EUR99.000.0001 %1==− − Dabei gilt: d: Disagio; AB: Ausgabebetrag der Inhaberschuldverschreibung; Kreditfinanzierung 65 NB: Nennbetrag der Inhaberschuldverschreibung. Teilaufgabe b) Unter den effektiven Finanzierungskosten der Inhaberschuldverschreibung in % p. a. ist der Zinssatz zu verstehen, bei dem unter zeitpunktgenauer Berücksichtigung aller Ein- und Auszahlungen der Aktiengesellschaft aufgrund der Inhaberschuldverschreibung der Barwert der Zahlungsreihe genau 0 ist (= interner Zinsfuß). Aus Sicht des Emittenten der Inhaberschuldverschreibung gilt der folgende Zusammenhang: C0 = 0)rˆ(1AAE t n 1t t00 =+⋅−− − = ∑ Dabei gilt: C0: Kapitalwert der (Finanz-)Investition im Zeitpunkt t = 0; E0: Einzahlung (Ausgabebetrag der Inhaberschuldverschreibung) im Zeitpunkt t = 0; A0: Auszahlungen im Zeitpunkt t = 0; At: jährliche auszahlungswirksame Kosten; t: Zeitindex (t = 1, 2, …, n); n: Laufzeit der Inhaberschuldverschreibung; rˆ : effektive Verzinsung. Die vorstehend aufgeführte Gleichung ist nach rˆ aufzulösen, wobei neben den jährlichen Zinszahlungen und dem Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit drei unterschiedliche Kostenblöcke zu berücksichtigen sind, nämlich die auszahlungswirksamen Kosten zum Zeitpunkt der Emission der Inhaberschuldverschreibung, die jährlich laufenden auszahlungswirksamen Kosten der Inhaberschuldverschreibung sowie die auszahlungswirksamen Kosten zum Zeitpunkt der Fälligkeit der Inhaberschuldverschreibung. Auszahlungswirksame Kosten zum Zeitpunkt der Emission der Inhaberschuldverschreibung: 66 Finanzierung in Übungen Übernahmeprovision (2,5% von 100 Mio. EUR) 2.500.000 EUR Veröffentlichungskosten des Börsenprospekts 5.500 EUR Druck der Stücke 25.000 EUR Kontroll- und Prüfungskosten 2.500 EUR Börseneinführungsprovision (0,025% von 100 Mio. EUR) 25.000 EUR Börsenzulassungsgebühr 15.000 EUR Veröffentlichungskosten des Zulassungsantrages und -beschlusses 40.000 EUR = Gesamtkosten = Auszahlungen (A0) 2.613.000 EUR Jährlich laufende auszahlungswirksame Kosten der Inhaberschuldverschreibung (ohne Zinsen): Kuponeinlösungsprovision (0,25 % von 8 Mio. EUR) 20.000 EUR Kosten der Kurspflege (0,1 % von 100 Mio. EUR) 100.000 EUR = Summe laufende auszahlungswirksame Kosten pro Jahr (ohne Zinsen) 120.000 EUR Nominalzinsen 8 % von 100 Mio. EUR Auszahlungswirksame Kosten zum Zeitpunkt der Fälligkeit der Inhaberschuldverschreibung: Veröffentlichungskosten bei Fälligkeit 2.000 EUR Zum besseren Verständnis der Berechnung werden die Zahlungen an den jeweiligen Zeitpunkten noch einmal gesondert aufgeführt: - Einzahlung E0 bei Emission (Emission zu 99 %): 99.000.000 EUR - Auszahlungen A0 bei Emission: 2.613.000 EUR - jährliche Zinszahlungen und laufende auszahlungswirksame Kosten At (8 % von 100 Mio. EUR + 120.000 EUR): 8.120.000 EUR - Auszahlungen An bei Fälligkeit (Tilgung + auszahlungswirksame Kosten zum Zeit punkt der Fälligkeit = 100 Mio. EUR + 2.000 EUR): 100.002.000 EUR Kreditfinanzierung 67 Die Zahlungsreihe lautet somit: C0 = 99.000.000 EUR – 2.613.000 EUR – 8.120.000 EUR · RBF (i %/10 Jahre) – 100.002.000 EUR · ABF (i %/10 Jahre) = 0 Dabei gilt: ABF: Abzinsungsfaktor; RBF: Rentenbarwertfaktor. Die Lösung dieser Gleichung kann mit Hilfe der linearen Interpolationsformel erfolgen. Dazu sind die beiden benötigten Ausgangszinssätze so zu wählen, dass zum einen ein positiver Kapitalwert und zum anderen ein negativer Kapitalwert erzielt wird. i1 = 9,00 % C01 = 99.000.000 EUR – 2.613.000 EUR – 8.120.000 EUR · RBF (9 %/10 Jahre) – 100.002.000 EUR · ABF (9 %/10 Jahre) = 96.387.000 EUR – 8.120.000 EUR · 6,4177 – 100.002.000 EUR · 0,4224 = 96.387.000 EUR – 52.111.724 EUR – 42.240.844,80 EUR = 2.034.431,20 EUR i2 = 8,50 % C02 = 99.000.000 EUR – 2.613.000 EUR – 8.120.000 EUR · RBF (8,50 %/10 Jahre) – 100.002.000 EUR · ABF (8,50 %/10 Jahre) = 96.387.000 EUR – 8.120.000 EUR · 6,5613 – 100.002.000 EUR · 0,4423 = 96.387.000 EUR – 53.277.756 EUR – 44.230.884,60 EUR = – 1.121.640,60 EUR Lineare Interpolationsformel: − −⋅− 0102 12 011 CC iiCi=rˆ 68 Finanzierung in Übungen [ ] ( )ngskostenFinanzierueffektive=0,0868= 0,0032230,09= 8400000000150202.034.431,0,09= 202.034.431,601.121.640, 0,090,085202.034.431,0,09=rˆ a.p.%8,68= − ⋅− −− −⋅− , Eine EDV-gestützte Lösung liefert bei Durchführung weiterer Iterationsschritte (100 Schritte) ein Ergebnis von 8,6751 % p. a. Aufgabe 3.11: Effektivzinsberechnung einer Null- Kupon-Anleihe (Zero Bond) Berechnen Sie die Effektivverzinsung der folgenden Null-Kupon-Anleihe mit Hilfe des finanzmathematischen Ansatzes: − Ausgabebetrag der Null-Kupon-Anleihe (K0) = 2.858,41 EUR − Nominalbetrag (= Rückzahlungsbetrag) der Null-Kupon-Anleihe (Kn) = 10.000,00 EUR − Laufzeit n = 12 Jahre Annahme: Von weiteren einmaligen und laufenden Kosten wird abgesehen. 11 Lösung: Formel des finanzmathematischen Ansatzes zur Berechnung der Rendite rˆ (Effektivverzinsung) einer Null-Kupon-Anleihe: # Kn = K0 · (1 + rˆ )n ⇔ rˆ = n 0 n K K − 1 Daten der Aufgabenstellung: K0 = 2.858,41 EUR Kn = 10.000,00 EUR n = 12 Jahre 11 Vgl. zur Finanzierung über Null-Kupon-Anleihen Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, 6. Aufl., München 2010, S. 187−191 sowie Kußmaul, Heinz: Finanzierung über Zero-Bonds und Stripped Bonds, in: Betriebs-Berater 1998, S. 1868−1871. Kreditfinanzierung 69 Für die vorliegende Null-Kupon-Anleihe ergibt sich somit folgende Effektivzinsberechnung: rˆ = 12 EUR41,858.2 EUR00,000.10 − 1 = 12 4984,3 −1 = 0,109999 = 11 % p. a. Aufgabe 3.12: Effektivzinsberechnung einer Null- Kupon-Anleihe (Zero Bond) Die Lahrer Handels AG offeriert Ihnen eine Null-Kupon-Anleihe (Zero- Bond), die Ihnen die Verdoppelung Ihres eingesetzten Kapitals innerhalb von acht Jahren verspricht. Alternativ könnten Sie eine festverzinsliche Industrieobligation der Schutter AG erwerben, die Ihnen über denselben Zeitraum eine Rendite (Effektivverzinsung) von 8 % p. a. (nachschüssig) sichert. Wie entscheiden Sie sich? Lösung: Berechnung der Rendite rˆ (Effektivverzinsung) der Null-Kupon-Anleihe der Lahrer Handels AG: Kn = K0 · (1 + rˆ )n rˆ = 1K Kn 0 n − Daten der Aufgabenstellung: K0 = x Kn = 2x n = 8 Jahre Die o. g. Daten resultieren daraus, dass der Kapitaleinsatz x laut Aufgabenstellung verdoppelt werden soll. Folglich würden Sie von der Lahrer Handels AG im Zeitpunkt n eine Zahlung von 2x erhalten. Hieraus ergibt sich folgende Effektivzinsberechnung für die Null-Kupon-Anleihe der Lahrer Handels AG: rˆ = 1x 2x8 − = 128 − = 9,05 % p. a. 70 Finanzierung in Übungen Da die Rendite (Effektivverzinsung) der Null-Kupon-Anleihe der Lahrer Handels AG – sie beträgt 9,05 % p. a. – höher ist als die Rendite (Effektivverzinsung) der Industrieobligation der Schutter AG – sie beträgt 8 % p. a. – entscheiden Sie sich unter Renditegesichtspunkten für den Kauf der Null-Kupon- Anleihe. Aufgabe 3.13: Effektivzinsberechnung eines Bankdarlehens a) Unternehmer Anton Schlau möchte einen 2-jährigen Kredit in Höhe von 1.000.000 EUR bei der gerade neu gegründeten Flop-Bank aufnehmen. Er zahlt am Ende jedes Jahres 100.000 EUR Zinsen und nach zwei Jahren die 1.000.000 EUR zurück. Wie hoch ist der effektive Jahreszins, den der Kreditsachbearbeiter der Flop-Bank anhand dieser Daten errechnet? b) Anton Schlau erklärt, dass der anhand der Daten aus Teilaufgabe a) errechnete effektive Jahreszins nicht stimmen kann, da bei der Ausreichung des Kredits noch 17.125 EUR Gebühren anfallen. Der Kreditsachbearbeiter der Flop-Bank ist erstaunt und etwas hilflos. Hat Unternehmer Anton Schlau Recht? Wenn ja, wie verändert sich der effektive Jahreszins (Berechnung!)? c) Anton Schlau beschließt, ein weiteres Angebot einzuholen. Er begibt sich zum Kreditinstitut auf der anderen Straßenseite. Die Günstig-Bank bietet folgende Konditionen an: Angebot der Günstig-Bank Auszahlung: 1.030.000 EUR (103 %) Gebühren bei der Auszahlung: 9.268 EUR Zinssatz: 10 % nachschüssig auf den anfänglichen Nominalbetrag Rückzahlung: jährlich 500.000 EUR Wegen der höheren Auszahlung und der niedrigeren Gebühren entscheidet sich Anton Schlau spontan für das Angebot der Günstig-Bank. War das wirklich schlau? Berechnen Sie dazu den effektiven Jahreszins der Günstig-Bank! Kreditfinanzierung 71 Lösung: 12 Für alle weiteren Aufgabenteile gilt folgende Gleichung: C0 = 0)rˆ(1AAE t n 1t t00 =+⋅−− − = ∑ Dabei gilt: C0: Kapitalwert der (Finanz-)Investition im Zeitpunkt t = 0; E0: Einzahlung (Auszahlungsbetrag des Kredits) im Zeitpunkt t = 0; A0: Auszahlungen im Zeitpunkt t = 0; At: Auszahlungen der Periode t (Zinszahlungen sowie Tilgung); t: Zeitindex (t = 1, 2); n: Laufzeit des Kredits; r: effektive Verzinsung. Teilaufgabe a) Daten der Aufgabenstellung: E0 = 1.000.000 EUR A1 = 100.000 EUR A2 = 1.100.000 EUR n = 2 Jahre Daraus ergibt sich folgende Gleichung: C0 = 1.000.000 EUR − 100.000 EUR · (1 + r)−1 − 1.100.000 EUR · (1 + r)−2 Der interne Zinsfuß lässt sich ermitteln, indem die Gleichung zunächst gleich 0 gesetzt wird. C0 != 0 In einem weiteren Schritt ist die Gleichung nach r aufzulösen. Da es sich um eine zweiperiodige Zahlungsreihe handelt, kann die p-q-Formel zur Ermittlung des Zinssatzes angewendet werden. 12 Modifiziert entnommen aus Adrian, Reinhold; Heidorn, Thomas: Der Bankbetrieb – Das praxisorientierte Lehrbuch für Schule, Studium und Beruf, 15. Aufl., Wiesbaden 2000, S. 70−72. 72 Finanzierung in Übungen p-q-Formel: q2 p 2 px 2 1/2 − ±−= C0 = 0 0 = 1.000.000 − 100.000 · (1 + r)−1 − 1.100.000 · (1 + r)−2 / ÷ 100.000 0 = 10 − (1 + r)−1 − 11 · (1 + r)−2 / · (1 + r)2 0 = 10 · (1 + r)2 − (1 + r) − 11 0 = 10 + 20 · r + 10 · r2 − 12 − r 0 = 10 · r2 + 19 · r – 2 / ÷ 10 0 = r2 + 1,9 · r – 0,2 mit p = 1,9 und q = – 0,2 x1/2 = ( ) )2,0(95,095,0 2 −−±− x1/2 = 2,09025,095,0 +±− x1/2 = 1025,195,0 ±− x1/2 = 1,050,95 ±− x1 = .1,005,195,0 ap.%10==+− (x2 = 205,195,0 −=−− ) Der effektive Zinssatz (interne Zinssatz), den der Kreditsachbearbeiter der Flop-Bank errechnet, liegt somit bei 10 % p. a. Teilaufgabe b) Daten der Aufgabenstellung: E0 = 1.000.000 EUR A0 = 17.125 EUR A1 = 100.000 EUR A2 = 1.100.000 EUR n = 2 Jahre Daraus ergibt sich folgende Gleichung: C0 = 1.000.000 EUR – 17.125 EUR – 100.000 EUR · (1 + r)−1 − 1.100.000 EUR · (1 + r)−2 ! Kreditfinanzierung 73 = 982.875 EUR − 100.000 EUR · (1 + r)−1 − 1.100.000 EUR · (1 + r)−2 Die Vorgehensweise bei der Ermittlung des internen Zinsfußes ist die gleiche wie in Teilaufgabe a). C0 = 0 0 = 982.875 − 100.000 · (1 + r)−1 − 1.100.000 · (1 + r)−2 / · (1 + r)2 0 = 982.875 · (1 + r)2 – 100.000 · (1 + r) – 1.100.000 / ÷ 982.875 0 = (1 + r)2 – 0,101742 · (1 + r) – 1,119166 0 = 1 + 2 · r + r2 – 0,101742 – 0,101742 · r – 1,119166 0 = r2 + 1,898258 · r − 0,220908 mit p = 1,898258 und q = − 0,220908 x1/2 = )220908,0(2 898258,1 2 898258,1 2 −− ±− = 220908,0900846,0949129,0 +±− = 121754,1949129,0 ±− = 059129,1949129,0 ±− x1 = %11==+− 11,0059129,1949129,0 p. a. (x2 = 008258,2059129,1949129,0 −=−− ) Der effektive Zinssatz (interne Zinsfuß) liegt bei 11 % p. a. Somit hat der Unternehmer Anton Schlau Recht. Durch die anfallenden Gebühren steigt der effektive Zinssatz. Teilaufgabe c) Daten der Aufgabenstellung: E0 = 1.030.000 EUR A0 = 9.268 EUR A1 = 100.000 EUR (Zinsen = 10 % auf 1.000.000 EUR) + 500.000 EUR (Tilgung = 1.000.000 EUR ÷ 2) = 600.000 EUR A2 = 100.000 EUR (Zinsen = 10 % auf 1.000.000 EUR) + 500.000 EUR (Tilgung = 1.000.000 EUR ÷ 2) = 600.000 EUR ! 74 Finanzierung in Übungen Daraus ergibt sich folgende Gleichung: C0 = 1.030.000 EUR – 9.268 EUR – 600.000 EUR · (1 + r)−1 − 600.000 EUR · (1 + r)−2 = 1.020.732 EUR − 600.000 EUR · (1 + r)−1 − 600.000 EUR · (1 + r)−2 Die Vorgehensweise ist die gleiche wie in den beiden vorangegangenen Teilaufgaben. C0 = 0 0 = 1.020.732 − 600.000 · (1 + r)−1 − 600.000 · (1 + r)−2 / ÷ 600.000 0 = 1,70122 − (1 + r)−1 − (1 + r)−2 / · (1 + r)2 0 = 1,70122 · (1 + r)2 − (1 + r) − 1 0 = 1,70122 + 3,40244 · r + 1,70122 · r2 − 1 − r − 1 0 = 1,70122 r2 + 2,40244 · r − 0,29878 / ÷ 1,70122 0 = r2 + 1,412187 · r − 0,175627 mit p = 1,412187 und q = − 0,175627 x1/2 = )175627,0(2 412187,1 2 412187,1 2 −− ±− = 175627,0498568,0706094,0 +±− = 674195,0706094,0 ±− = 0,8210940,706094 ±− x1 = a.p.%11,5==+− 0,1150,8210940,706094 (x2 = 527188,1821094,0706094,0 −=−− ) Die Entscheidung des Unternehmers Anton Schlau war nicht schlau. Das Kreditangebot der Flop-Bank ist um 0,5 %-Punkte günstiger als das Angebot der Günstig-Bank. Aufgabe 3.14: Finanzierungshilfen Erläutern Sie den Begriff der Finanzierungshilfen und arbeiten Sie den Unterschied zwischen direkten und indirekten Finanzierungshilfen heraus! ! Kreditfinanzierung 75 Lösung: Finanzierungshilfen zählen zu den speziellen Kapitallenkungsmaßnahmen in einer Volkswirtschaft. Sie liegen vor, wenn die öffentliche Hand bestimmten Unternehmen oder Wirtschaftszweigen (Branchen) eine Hilfestellung bei der Finanzierung leistet. Voraussetzung für die Gewährung einer Finanzierungshilfe ist, dass bei den betroffenen Unternehmen oder Wirtschaftszweigen die Bedingungen vorliegen, die dem Zweck der betreffenden Finanzierungshilfe entsprechen. Grundsätzlich können direkte und indirekte Finanzierungshilfen unterschieden werden. Während indirekte Finanzierungshilfen über das Steuersystem zum Tragen kommen, also nur wirksam werden, wenn von dem Begünstigten positive Einkünfte erzielt werden, führen direkte Finanzierungshilfen zu einer Bereitstellung von Liquidität in der Form von Eigen- oder Fremdkapital. Direkte Finanzierungshilfen können aber auch in der Form von Bürgschaften gewährt werden, welche wiederum notwendige Voraussetzung für die Bereitstellung von Liquidität Dritter sein können. Aufgabe 3.15: Begriffe „Securitization“ und „Disintermediation“ Erklären Sie die Begriffe „Securitization“ und „Disintermediation“! Lösung: Securitization ist die wertpapiermäßige Verbriefung von Kreditbeziehungen. Damit lösen Wertpapiere die buchmäßigen Bankkredite ab, d. h., es findet eine Substitution von Bankkrediten durch handelbare Wertpapiere statt, die insbesondere von Kapitalsammelstellen und Nichtbanken erworben werden können. Unter Disintermediation versteht man die mit der Securitization einhergehende Eliminierung (Zurückdrängung) der Mittlerfunktion, indem durch direkte Kreditbeziehungen zwischen Investoren und Kapitalnachfragern die Kreditinstitute und ihre Transformationsfunktion umgangen werden. 76 Finanzierung in Übungen 3.4 Die kurzfristige Kreditfinanzierung Aufgabe 3.16: Lieferantenkredit a) Was versteht man unter einem Lieferantenkredit? b) Welche Vorteile eines Lieferantenkredits können seine Inanspruchnahme rechtfertigen? Wo liegen die Nachteile des Lieferantenkredits? Lösung: Teilaufgabe a) Unter einem Lieferantenkredit wird die Gewährung von Zahlungszielen verstanden, d. h., im Kaufvertrag wird eine Verzögerung der Zahlung an den Lieferanten vereinbart. Hierdurch kommt es zu einer kurzfristigen Kreditbeziehung, die jedoch nicht mit einem Zufluss liquider Mittel verbunden ist. Der Lieferantenkredit gehört damit zu den Warenkrediten. Teilaufgabe b) Vorteile: - schnelle und formlose Kreditgewährung in Höhe des durch den vereinbarten Kaufpreis bestimmten Kapitalbedarfs; - Unabhängigkeit von Kreditinstituten; - geringere Kreditsicherheiten als bei Banken. Nachteile: - vergleichsweise hohe Kosten des Lieferantenkredits; - die wirtschaftliche Abhängigkeit von einem Lieferanten. Aufgabe 3.17: Verwendungsmöglichkeiten eines Wechsels Welche grundsätzlichen Möglichkeiten besitzt ein Wechselnehmer hinsichtlich der Verwendung eines Wechsels? Kreditfinanzierung 77 Lösung: Verwendungsmöglichkeiten eines Wechsels: - Aufbewahrung im Portefeuille und Vorlage an den Bezogenen am Verfalltag zur Zahlung; - Begleichung eigener Verbindlichkeiten (Schulden) durch Weitergabe des Wechsels an einen Gläubiger; - Beschaffung von Bargeld durch Veräußerung vor dem Verfalltag an eine Bank (sog. Diskontierung). Aufgabe 3.18: Lombardkredit 13 Im Umlaufvermögen eines Unternehmens befinden sich Wertpapiere und Waren in folgender Größenordnung: - Aktien: 200.000 EUR - Bundesanleihen: 500.000 EUR - Waren: 800.000 EUR Welches kurzfristige Liquiditätsvolumen könnte sich über eine Lombardierung ergeben? Lösung: Folgende in der Praxis üblicherweise angewandte Beleihungsgrenzen 14 sind hinsichtlich des möglichen kurzfristigen Kreditvolumens zu beachten: - Aktien: 200.000 EUR · 60 % = 120.000 EUR - Bundesanleihen: 500.000 EUR · 80 % = 400.000 EUR - Waren: 800.000 EUR · 50 % = 400.000 EUR ∑ 920.000 EUR Über die Verpfändung der Wertpapiere und Waren könnte kurzfristig ein zusätzliches Liquiditätsvolumen in Höhe von 920.000 EUR geschaffen werden. 13 Modifiziert entnommen aus Olfert, Klaus: Finanzierung, 15. Aufl., Herne 2011, S. 487 und S. 544. 14 Vgl. zu den Beleihungsgrenzen Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz: Finanzierung, 2. Aufl., München 2009, S. 198. 78 Finanzierung in Übungen Aufgabe 3.19: Merkmale von echten und unechten Pensionsgeschäften Erarbeiten Sie anhand folgender Systematik die besonderen Merkmale von echten und unechten Pensionsgeschäften! echtes Pensionsgeschäft unechtes Pensionsgeschäft Pflicht oder Recht des Pensionsnehmers zur Rückgabe der Vermögensgegenstände unbedingte Rückgabepflicht selbstbestimmbares Rückgaberecht Pflicht des Pensionsgebers zur Rücknahme der Vermögensgegenstände unbedingte Rücknahmepflicht bedingte Rücknahmepflicht (fremdbestimmt) Zeitpunkt der Rückübertragung der Vermögensgegenstände oder … vom Pensionsgeber noch zu bestimmen … vom Pensionsnehmer noch zu bestimmen Art der Gegenleistung Zahlungsmittel (kein Tausch) Höhe der Gegenleistung bei Vertragsabschluss vereinbart Art der Vermögensgegenstände bei der Rückübertragung entweder dieselben oder gleichartige Vermögenswerte Vertragspartner: – Pensionsgeber – Pensionsnehmer entweder Banken oder Nichtbanken entweder Banken oder Nichtbanken 3 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 3 Kreditfinanzierung 79 Lösung: echtes Pensionsgeschäft unechtes Pensionsgeschäft Pflicht oder Recht des Pensionsnehmers zur Rückgabe der Vermögensgegenstände unbedingte Rückgabepflicht selbstbestimmbares Rückgaberecht Pflicht des Pensionsgebers zur Rücknahme der Vermögensgegenstände unbedingte Rücknahmepflicht bedingte Rücknahmepflicht (fremdbestimmt) Zeitpunkt der Rückübertragung der Vermögensgegenstände bereits bei Vertragsabschluss vereinbart oder vom Pensionsgeber noch zu bestimmen vom Pensionsnehmer noch zu bestimmen Art der Gegenleistung Zahlungsmittel (kein Tausch) Höhe der Gegenleistung bei Vertragsabschluss vereinbart Art der Vermögensgegenstände bei der Rückübertragung entweder dieselben oder gleichartige Vermögensgegenstände Vertragspartner: – Pensionsgeber – Pensionsnehmer entweder Banken oder Nichtbanken entweder Banken oder Nichtbanken Abbildung 5: Die Merkmale von Pensionsgeschäften gemäß § 340b Abs. 1 bis Abs. 3 HGB 15 Aufgabe 3.20: Systematisierung „Geldkredit“ und „Kreditleihe“ Kennzeichnen Sie den Unterschied zwischen einem „Geldkredit“ und einer „Kreditleihe“! Nennen Sie die jeweils typischen Arten! Lösung: „Geldkredit“ = Die Bank stellt einem Kunden über einen Darlehensvertrag unmittelbar Geldmittel zur Verfügung. Typische Arten: Kontokorrentkredit, Diskontkredit, Lombardkredit. 15 Modifiziert entnommen aus Waschbusch, Gerd: Die handelsrechtliche Jahresabschlusspolitik der Universalaktienbanken – Ziele – Daten – Instrumente, Stuttgart 1992, S. 280. 4 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 4 80 Finanzierung in Übungen „Kreditleihe“ = Die Bank stellt einem Kunden ihre Bonität (Kreditwürdigkeit) zur Verfügung. Typische Arten: Akzeptkredit, Avalkredit. Aufgabe 3.21: Wechseldiskontkredit 16 Als Ergebnis eines Exportgeschäfts reicht die LAA Handelsgesellschaft mbH ihrer Hausbank, der Alwa Außenhandelsbank AG, am 09.04.01 einen auf einen US-amerikanischen Importeur gezogenen Wechsel über 250.000 USD, fällig am 30.06.01 in New York, zum Diskont ein. Die Gutschrift des Diskonterlöses soll auf dem in EUR geführten Konto der LAA Handelsgesellschaft mbH erfolgen. Die Alwa Außenhandelsbank AG berechnet einen Diskontsatz in Höhe von 5 % p. a. nach der Methode 365/360. Der Wechselkurs beträgt 1,3266 USD/EUR, wobei die diskontierende Bank zusätzlich eine Marge in Höhe von 0,0015 USD/EUR einbehält. Die sogenannten Respekttage für den Einzug des Wechsels belaufen sich auf 5 Tage. Als Abwicklungsprovision zuzüglich Courtage werden 1,75 ‰ vom Wechselbetrag (bezogen auf den EUR-Gegenwert) vereinbart. Als Spesen werden 5 EUR einbehalten. Wie hoch ist die Gutschrift auf dem in EUR geführten Konto der LAA Handelsgesellschaft mbH? Lösung: - Umrechnung des Wechselbetrags in Höhe von 250.000 USD in EUR: 250.000 USD ÷ (1,3266 USD/EUR + 0,0015 USD/EUR) = 250.000 USD ÷ 1,3281 USD/EUR = 188.238,84 EUR - Berechnung der Zinstage (nach der 365 Tage-Methode): Die Zinstage ergeben sich aus der Laufzeit des Wechsels zuzüglich der Respekttage. Die Respekttage betragen in diesem Beispiel 5 Tage. Der Wechsel läuft vom 09.04.01 bis zum 30.06.01; in Tagen beträgt die Laufzeit dann 82 Tage (April = 21 Tage, Mai = 31 Tage, Juni = 30 Tage). Zuzüglich der 5 Respekttage ergeben sich 87 Zinstage. 16 Geringfügig modifiziert entnommen aus Waschbusch, Gerd: Kurzfristige Außenhandelsfinanzierung, in: Fallstudien zum Internationalen Management – Grundlagen – Praxiserfahrungen – Perspektiven, hrsg. von Joachim Zentes, Bernhard Swoboda und Dirk Morschett, 4. Aufl., Wiesbaden 2011, S. 66. Kreditfinanzierung 81 - Berechnung der Zinszahl: Die Zinszahl errechnet sich nach folgender Formel: = 100 87EUR188.238,84= 100 ZinstageragWechselbet=Zinszahl EUR163.767,79 ⋅ ⋅ - Berechnung des Diskontbetrags (der Diskontzinsen): Der Diskontbetrag ergibt sich aus der Formel: = 360 1000,05EUR163.767,79= 360 100zDiskontsatZinszahl=ragDiskontbet EUR2.274,55 ⋅⋅ ⋅⋅ - Gutschrift auf dem Euro-Konto des Wechseleinreichers: Wechselbetrag in EUR 188.238,84 EUR − Diskontbetrag − 2.274,55 EUR − Abwicklungsprovision zuzüglich Courtage in Höhe von 1,75 ‰ vomWechselbetrag (EUR-Gegenwert) − 329,42 EUR − Spesen − 5,00 EUR EUR-Gutschrift = 185.629,87 EUR Aufgabe 3.22: Abwicklung einer Importzahlung mit Bankakzept 17 Die LAA Handelsgesellschaft mbH kauft von dem französischen Hersteller Odeur S. A. mit Sitz in Grasse Parfüm zum Kaufpreis von 50.000 EUR. Die LAA Handelsgesellschaft mbH wünscht ein Zahlungsziel von 90 Tagen. Der 17 Entnommen aus Waschbusch, Gerd: Kurzfristige Außenhandelsfinanzierung, in: Fallstudien zum Internationalen Management – Grundlagen – Praxiserfahrungen – Perspektiven, hrsg. von Joachim Zentes, Bernhard Swoboda und Dirk Morschett, 4. Aufl., Wiesbaden 2011, S. 66. 82 Finanzierung in Übungen französische Hersteller ist jedoch weder dazu bereit, dieses Zahlungsziel gegen offene Rechnung zu gewähren, noch eine Wechselziehung auf die LAA Handelsgesellschaft mbH zu akzeptieren. In beiden Fällen würde die Odeur S. A. das Delkredererisiko tragen. Bei Einräumung des Zahlungsziels gegen offene Rechnung würde der Odeur S. A. außerdem die Möglichkeit der zinsgünstigen Refinanzierung fehlen, die bei einer Wechselziehung grundsätzlich gegeben ist. Die LAA Handelsgesellschaft mbH, die ihrerseits auf das Zahlungsziel nicht verzichten will, bietet daraufhin der Odeur S. A. an, das Akzept ihrer Hausbank, der Alwa Außenhandelsbank AG, beizubringen. Beschreiben sie anhand dieser Fallgestaltung die Abwicklung einer Importzahlung mit Bankakzept! Gehen Sie dabei insbesondere auf die Situation der Odeur S. A. ein! Lösung: Der deutsche Importeur, die LAA Handelsgesellschaft mbH, hat zunächst die Ziehung des Bankakzepts mit ihrer Hausbank, der Alwa Außenhandelsbank AG, zu vereinbaren (Beantragung eines Akzeptkredits). Nach erteilter Kreditzusage zieht die LAA Handelsgesellschaft mbH einen Wechsel über 50.000 EUR auf die Alwa Außenhandelsbank AG. Ausstellerin dieses Wechsels ist die LAA Handelsgesellschaft mbH, Bezogene ist die Alwa Außenhandelsbank AG. Zugleich mit ihrer Akzeptleistung belastet die Alwa Außenhandelsbank AG das Akzeptkreditkonto der LAA Handelsgesellschaft mbH, um damit der Kreditleihe an die LAA Handelsgesellschaft mbH Rechnung zu tragen. Wechselbegünstigte eines solchen Bankakzepts ist kraft Ordervermerk die LAA Handelsgesellschaft mbH selbst (dokumentiert mit der Formulierung „an eigene Order“). Als Folge dieses Ordervermerks steht ausschließlich der LAA Handelsgesellschaft mbH das Recht zu, die Wechselrechte auf Dritte zu übertragen, d. h. das erste Indossament auf dem Wechsel anzubringen. Der von der Alwa Außenhandelsbank AG akzeptierte Wechsel wird der LAA Handelsgesellschaft mbH ausgehändigt, die ihn mit einem Indossament versieht und zahlungshalber im Gegenzug zu den empfangenen Waren der Odeur S. A. übersendet. Das zahlungshalber empfangene Bankakzept sichert die Odeur S. A. vor dem Delkredererisiko aus der Geschäftsverbindung mit der LAA Handelsgesellschaft mbH, da die Akzeptbank unabhängig von der Zahlungsfähigkeit der LAA Handelsgesellschaft mbH an die Odeur S. A. bzw. an jeden gutgläubigen Dritten, der das Bankakzept rechtens in Händen hält, zahlen muss. Als Restrisiko verbleibt aus Sicht der Odeur S. A. das Garantendelkredererisiko, d. h. das Risiko der Zahlungsunfähigkeit der Akzeptbank. Sollte der eher außergewöhnliche Fall eintreten, dass die Akzeptbank nicht in der Lage ist, zu zahlen, so bleibt der Odeur S. A. immer noch das Recht auf Rückgriff (Regress) auf den Wechselaussteller, also die LAA Handelsgesell- Kreditfinanzierung 83 schaft mbH. Das empfangene Bankakzept kann die Odeur S. A. entweder ihrer Bank zum Diskont einreichen, im eigenen Bestand behalten und kurz vor Verfall ihrer Bank zum Inkasso des Wechselbetrags übergeben oder an einen Vorlieferanten zahlungshalber weitergeben.

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