2 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul, Gerd Waschbusch

Finanzierung in Übungen, page 32 - 75

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4724-8, ISBN online: 978-3-8006-4725-5, https://doi.org/10.15358/9783800647255_32

Series: Vahlens Übungsbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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2 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) 2.1 Die Funktionen des Eigenkapitals von Unternehmen Aufgabe 2.1: Verlustausgleichs- sowie Haftungsfunktion des Eigenkapitals Erläutern Sie die Bedeutung der Verlustausgleichsfunktion sowie der Haftungsfunktion des Eigenkapitals für einen Fremdkapitalgeber! Lösung: Die Bedeutung der Verlustausgleichsfunktion sowie der Haftungsfunktion des Eigenkapitals für einen Fremdkapitalgeber lässt sich wie folgt skizzieren: (1) Verlustausgleichsfunktion des Eigenkapitals Die Verlustausgleichsfunktion des Eigenkapitals richtet sich auf den goingconcern-Fall, also auf die Fortführung des Unternehmens. Hinter dieser Funktion steckt die Überlegung, dass Eigenkapital dazu herangezogen werden kann, Verluste aus dem laufenden Geschäft (Jahresfehlbeträge bzw. Bilanzverluste) buchmäßig auszugleichen. Somit müssen bei ausreichend hohem Eigenkapital die Gläubiger (Fremdkapitalgeber) des Unternehmens nicht zum Zwecke des Verlustausgleichs herangezogen werden. (2) Haftungsfunktion (Garantiefunktion) des Eigenkapitals Während die Verlustausgleichsfunktion des Eigenkapitals auf den going-concern-Fall des Unternehmens abstellt, bezieht sich die Haftungsfunktion des Eigenkapitals auf den Insolvenzfall (Zerschlagungsfall) des Unternehmens. Ist ein Unternehmen in Insolvenz geraten, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gläubiger (Fremdkapitalgeber) bei einer Zerschlagung dieses Unternehmens auch ohne Sicherheiten eine befriedigende Quote im Insolvenzverfahren erhält, umso größer, je höher der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass ein Gläubiger mit einer umso höheren Insolvenzquote rechnen kann, je höher der nicht durch Gläubigeransprüche belastete Anteil des Vermögens am Gesamtvermögen des in Insolvenz gegangenen Unternehmens ist, je größer folglich die Relationen Eigen- 6 Finanzierung in Übungen kapital/Gesamtkapital bzw. Eigenkapital/Fremdkapital des Unternehmens sind. Damit jeder Gläubiger seine Forderung in voller Höhe zurückerhalten kann, dürfen die Erlöse aus dem vorhandenen und veräußerbaren Vermögen im Zeitpunkt der Liquidation des Unternehmens nicht geringer als die zu diesem Zeitpunkt bestehenden Schulden sein. Solange also das vorhandene Eigenkapital (hier verstanden als Überschuss des Vermögens über die Schulden) eines Unternehmens die aus den übernommenen Risiken im Insolvenzfall entstehenden Verluste übersteigt, können alle Gläubiger davon ausgehen, dass das Restvermögen, das dem Unternehmen nach Eintritt des Verlustes verbleibt, im Falle einer anschließenden Liquidation des Unternehmens zur vollständigen Rückzahlung sämtlicher Schulden ausreicht. 2.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmen Aufgabe 2.2: Begriff des nicht-emissionsfähigen Unternehmens Was versteht man im Zusammenhang mit der Eigenkapitalbeschaffung unter einem nicht-emissionsfähigen Unternehmen? Welche Folgen hat das Fehlen eines funktionsfähigen Marktes für Beteiligungskapital für solche Unternehmen? Lösung: Unternehmen, die nicht die Möglichkeit haben, Eigenkapital durch den Verkauf von Anteilsrechten über den organisierten Kapitalmarkt (Börse) zu beschaffen, nennt man nicht-emissionsfähige Unternehmen. Dies sind neben Einzelunternehmen und Personengesellschaften insbesondere auch kleinere und mittlere Kapitalgesellschaften. Das Fehlen eines funktionsfähigen Marktes für Beteiligungskapital hat für diese Unternehmen zur Folge, dass - Kapitalgeber, die aufgrund eigener finanzieller Ziele an fungiblen Anlagen interessiert sind, nicht gewonnen werden können, - die Bestimmung des „Eintrittspreises“ bei der Neuaufnahme von Gesellschaftern bzw. des „Austrittspreises“ bei ihrem Ausscheiden oft sehr schwierig ist, 1 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 1 Einlagenfinanzierung 7 - die Aufteilung des „Eintrittspreises“ auf den Kapitalanteil des neuen Gesellschafters, nach dem sich sein Gewinnbeteiligungsanspruch richtet, und auf den nicht gewinnberechtigten Restbetrag (Aufgeld, Agio) problematisch ist. Bei emissionsfähigen Unternehmen ergeben sich die Eintritts- und Austrittspreise auf dem Marktplatz Börse, wo viele Nachfrager und Anbieter entsprechender Anteile zusammentreffen. Die Eintritts- und Austrittspreise für Anteile nicht-emissionsfähiger Unternehmen beruhen demgegenüber nur auf der Einschätzung einzelner Nachfrager bzw. Anbieter. Dies erhöht das Risiko einer nicht wertgemäßen Preissetzung. Aufgabe 2.3: Gesetzliche Gewinnverteilung bei der OHG Ermitteln Sie den bei gesetzlicher Gewinnverteilung auf jeden Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) entfallenden Gewinnanteil, wenn die Kapitalkonten der Gesellschafter A, B, C und D folgenden Stand aufweisen: A = 120.000 EUR B = 90.000 EUR C = 260.000 EUR D = 30.000 EUR und der Gewinn im Fall a) 80.000 EUR und im Fall b) 15.000 EUR beträgt! Welchen Stand weisen die einzelnen Kapitalkonten nach der Gewinnverteilung auf, falls die Gesellschafter auf Entnahmen verzichten? Lösung: Teilaufgabe a) Die Verteilung des Gewinns oder Verlusts erfolgt entweder nach den Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags oder entsprechend der Regelung des § 121 HGB. Die gesetzliche Regelung des § 121 HGB sieht im Gewinnfall zunächst für jeden Gesellschafter einen Gewinnanteil in Höhe von 4 % seines Kapitalanteils (oder im Falle eines dazu nicht ausreichenden Gewinnbetrags in Höhe eines entsprechend niedrigeren Satzes) vor. Die Verteilung des nach einer 4 %igen Verzinsung verbleibenden Restbetrags erfolgt nach Köpfen. Verluste sind ohne gesellschaftsvertragliche Regelungen nach Köpfen auf die Gesellschafter zu verteilen. 2 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 2 8 Finanzierung in Übungen Gewinnverteilung Gesellschafter Kapitalanteil 4 %ige Verzinsung Restverteilung nach Köpfen Summe Kapitalkonto nach Gewinnverteilung A B C D 120.000 EUR 90.000 EUR 260.000 EUR 30.000 EUR 4.800 EUR 3.600 EUR 10.400 EUR 1.200 EUR 15.000 EUR 15.000 EUR 15.000 EUR 15.000 EUR 19.800 EUR 18.600 EUR 25.400 EUR 16.200 EUR 139.800 EUR 108.600 EUR 285.400 EUR 46.200 EUR Summe 500.000 EUR 20.000 EUR 60.000 EUR 80.000 EUR 580.000 EUR Teilaufgabe b) Da der Jahresgewinn hier nicht dazu ausreicht, jedem Gesellschafter einen Anteil in Höhe von 4 % seines Kapitalanteils gutzuschreiben, bestimmen sich die Anteile nach einem entsprechend niedrigeren Satz. Gewinnverteilungssatz = 15.000 EUR ÷ 500.000 EUR = 0,03 = 3 % Gesellschafter Kapitalanteil Gewinnverteilung 3 %ige Verzinsung Kapitalkonto nach Gewinnverteilung A B C D 120.000 EUR 90.000 EUR 260.000 EUR 30.000 EUR 3.600 EUR 2.700 EUR 7.800 EUR 900 EUR 123.600 EUR 92.700 EUR 267.800 EUR 30.900 EUR Summe 500.000 EUR 15.000 EUR 515.000 EUR Aufgabe 2.4: Venture Capital-Finanzierung Die Finanzierung über Venture Capital-Gesellschaften ist eine der möglichen Finanzierungsformen gerade im Bereich junger innovativer Unternehmen mit geringer Eigenkapitalausstattung und hohen Wachstumspotenzialen. a) Nennen Sie die wichtigsten Merkmale einer Venture Capital-Finanzierung! b) Nennen Sie Gründe, weshalb diese Finanzierungsform gerade für den angesprochenen Kreis von Unternehmen so interessant ist! Einlagenfinanzierung 9 Lösung: Teilaufgabe a) Merkmale einer Venture Capital-Finanzierung: - Versorgung des Unternehmens mit risikotragendem, in einer Unternehmenskrise haftendem Eigenkapital bzw. eigenkapitalähnlichem Kapital (i. d. R. eine Minderheitsbeteiligung), - spezielle Form der langfristigen, letztlich aber zeitlich begrenzten Unternehmens- und Innovationsfinanzierung, - aktive unternehmerische Beratung und Betreuung des zu finanzierenden Unternehmens ohne Beeinflussung des laufenden Tagesgeschäfts. Teilaufgabe b) Gründe für die Inanspruchnahme einer Venture Capital-Finanzierung: - zu geringes privates Eigenkapital, um notwendige Investitionsvorhaben zu finanzieren, - Nichtvorhandensein banküblicher Sicherheiten im Falle einer angestrebten Kreditfinanzierung, - zu geringe Innenfinanzierungskraft während der Entwicklungs-, Gründungs- und Wachstumsphase, um die im Falle einer Fremdfinanzierung anfallenden laufenden Zins- und Tilgungszahlungen zu decken, - fehlendes betriebswirtschaftliches und branchenbezogenes Know-how. 2.3 Die Eigenkapitalbeschaffung emissionsfähiger Unternehmen Aufgabe 2.5: Begriff des emissionsfähigen Unternehmens Wann spricht man im Zusammenhang mit der Eigenkapitalbeschaffung von einem emissionsfähigen Unternehmen? Lösung: Von einem emissionsfähigen Unternehmen wird gesprochen, wenn Eigenkapital durch den Verkauf von Anteilsrechten über die Börse beschafft wer- 10 Finanzierung in Übungen den kann. Grundsätzlich kommen hierfür nur die Rechtsformen der Aktiengesellschaft sowie der Kommanditgesellschaft auf Aktien in Frage. Aufgabe 2.6: Bedeutung der Rechtsform der Aktiengesellschaft für die Beschaffung von Eigenkapital Im Allgemeinen wird die Rechtsform der Aktiengesellschaft am geeignetsten für die Aufbringung großer Eigenkapitalbeträge angesehen. Nennen und erläutern Sie drei Gründe, die für diese Einschätzung sprechen! Lösung: Die Rechtsform der Aktiengesellschaft wird im Allgemeinen aus folgenden Gründen am geeignetsten für die Aufbringung großer Eigenkapitalbeträge angesehen: - Aufgrund der Zerlegung des Grundkapitals in kleinste Teilbeträge, die in Aktien verbrieft sind, ist den Kapitalgebern bereits mit einem geringen Kapitaleinsatz eine Beteiligung möglich. Durch den geringen „Mindesteinsatz“ hat der einzelne Aktionär zudem die Möglichkeit, sich an vielen Aktiengesellschaften zu beteiligen. Dabei ist die Haftung des Aktionärs auf seine jeweilige Einlage beschränkt. Haftungsbeschränkung und Diversifikation senken sein Risiko erheblich. - Die Organisationsform der Aktiengesellschaft berücksichtigt, dass sich eine große Zahl von Personen, bei denen grundsätzlich nur kapitalmä- ßige Interessen vorausgesetzt werden, von denen aber eine direkte unternehmerische Betätigung im Sinne einer Mitwirkung an der Geschäftsführung nicht erwartet wird, beteiligen kann. - Das Eigenkapital wird der Aktiengesellschaft in der Regel unbefristet zur Verfügung gestellt. Der einzelne Aktionär kann seine Aktien lediglich einem anderen Anleger verkaufen; eine Kündigung seines Beteiligungsverhältnisses und damit ein Zurückverlangen seiner Einlage von der Aktiengesellschaft ist ausgeschlossen. Auf die finanzwirtschaftliche Situation der Aktiengesellschaft hat der sich außerhalb der Aktiengesellschaft abspielende Wechsel der Anteilseigner somit grundsätzlich keine Auswirkungen. Einlagenfinanzierung 11 Aufgabe 2.7: Vergleichende Betrachtung der Beschaffung von Beteiligungskapital durch eine AG bzw. eine OHG Vergleichen Sie die Möglichkeiten einer Aktiengesellschaft zur Beschaffung von Beteiligungskapital mit denen einer offenen Handelsgesellschaft anhand der folgenden Kriterien: - Mitgliedschaftsrechte, - Stückelung, - Mobilisierbarkeit, - Haftung, - Herrschaftsverhältnisse bei Kapitalerhöhungen, - (Ertrags-)Besteuerung! Lösung: Kriterien AG OHG Mitgliedschaftsrechte verbrieft nicht verbrieft Stückelung relativ kleine Stückelung relativ große Stückelung Mobilisierbarkeit bessere Kapitalaufnahme,aber i. d. R. große Tranchen nicht oder nur sehr schwer mobilisierbar Haftung Haftung auf die Einlage beschränkt, vergleichsweise geringes Risiko Haftung auch mit dem Privatvermögen Herrschaftsverhältnisse bei Kapitalerhöhungen keine oder nur geringe Änderungen aufgrund des eingeräumten Bezugsrechts treten neue Gesellschafter ein, können massive Änderungen auftreten (Ertrags-)Besteuerung Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer sowie Einkommensteuer bei Ausschüttung Besteuerung nur der Mitunternehmer mit Einkommensteuer, außerdem Gewerbesteuer Abbildung 3: Beschaffung von Beteiligungskapital – Vergleich Aktiengesellschaft mit offener Handelsgesellschaft 12 Finanzierung in Übungen Aufgabe 2.8: Mitgliedschaftsrechte einer Stammaktie Nennen Sie die Mitgliedschaftsrechte, die mit einer Stammaktie verbunden sind! Lösung: FolgendeMitgliedschaftsrechte sind mit einer Stammaktie verbunden: - Vermögensrechte: − das Dividendenrecht (Recht auf einen Anteil am Bilanzgewinn), − das Recht auf einen Anteil am Liquidationserlös, − das Bezugsrecht; - Verwaltungsrechte: − das Stimmrecht, − das Auskunfts- bzw. Informationsrecht, − das Kontrollrecht. Aufgabe 2.9: Gründe für die Ausgabe von Dividenden-Vorzugsaktien In welchen Fällen gibt man Vorzugsaktien aus, die Vorzüge hinsichtlich der Dividendenzahlungen einräumen? Lösung: Vorzugsaktien, die Vorzüge hinsichtlich der Dividendenzahlungen einräumen, werden insbesondere in folgenden Fällen ausgegeben: (1) Durchführung einer Kapitalerhöhung gegen Einlagen bei einem unter dem Nennwert (Nennwertaktien) bzw. unter dem auf die einzelne Aktie entfallenden anteiligen Betrag des Grundkapitals (Stückaktien) liegenden Börsenkurs der Stammaktien. Die Einräumung von Dividendenvorzügen gegenüber den bereits im Umlauf befindlichen Stammaktien ist in diesem Fall notwendig, weil − einerseits eine Ausgabe von Stammaktien zu einem unter dem Nennwert (Nennwertaktien) bzw. zu einem unter dem auf die einzelne Aktie entfallenden anteiligen Betrag des Grundkapitals (Stückaktien) liegen- Einlagenfinanzierung 13 den Ausgabekurs (sogenannte Unterpari-Emission) nicht möglich ist und − andererseits neue Aktien, die den bereits im Umlauf befindlichen Stammaktien hinsichtlich der eingeräumten Rechte entsprechen, im hier unterstellten Fall zum in § 9 Abs. 1 AktG geforderten Mindestbetrag (zu pari) oder zu einem nach § 9 Abs. 2 AktG höheren Wert (über pari) nicht abgesetzt werden können. (2) Sollen im Sanierungsfall nach der Verrechnung des Verlustvortrags mit dem Grundkapital („Gezeichnetes Kapital“) flüssige Mittel durch Altoder Neuaktionäre zugeführt werden, so muss angesichts der schlechten wirtschaftlichen Situation der Aktiengesellschaft ein Anreiz zur (zusätzlichen) Beteiligung geboten werden. (3) Können die bisherigen Aktionäre das von der Aktiengesellschaft benötigte zusätzliche Eigenkapital nicht aufbringen, wollen sie aber ihre Anteilsquote im Sinne eines Stimmenanteils erhalten, so können stimmrechtslose Aktien ausgegeben werden. Der damit verbundene Nachteil für die Neuaktionäre hinsichtlich ihrer Mitwirkungsrechte wird in der Regel durch den wirtschaftlichen Vorteil eines erhöhten Dividendenanspruchs ausgeglichen. Aufgabe 2.10: Aufgaben des Bezugsrechts Welche Aufgaben hat das Bezugsrecht? Lösung: Die Aufgaben des Bezugsrechts sind: - die Wahrung der bestehenden Beteiligungs- bzw. Stimmrechtsverhältnisse sowie - der Ausgleich der Vermögensnachteile der Altaktionäre. Aufgabe 2.11: Ordentliche Kapitalerhöhung Bei einer Aktiengesellschaft, bei der der Nennwert jeder Aktie 5 EUR beträgt, wird eine ordentliche Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Nennwert des bisherigen Grundkapitals beträgt 5 Mio. EUR, der des Kapitalerhöhungsbetrags 1 Mio. EUR. Der Kurs der alten Aktien beläuft sich auf 10 EUR/Stück, der der neuen Aktien auf 7 EUR/Stück. a) Wie hoch ist der neue Kurs (rechnerischer Mischkurs) nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung? 14 Finanzierung in Übungen b) Wie hoch ist der rechnerische Preis des Bezugsrechts? Lösung: Teilaufgabe a) a = Stück1.000.000EUR/Stück5 EURMio.5 AktieproNennwert alGrundkapitbisheriges == n = Stück200.000EUR/Stück5 EURMio.1 AktieproNennwert agöhungsbetrKapitalerh == ⇒ a : n = 1.000.000 Stück : 200.000 Stück = 5 : 1 Ka = 10 EUR/Stück; Kn = 7 EUR/Stück M = na KnKa na + ⋅+⋅ = Stück200.000Stück1.000.000 EUR/Stück7Stück200.000EUR/Stück10Stück1.000.000 + ⋅+⋅ = Stück1.200.000 EUR11.400.000 = 9,50 EUR/Stück Dabei gilt: a: Anzahl der alten Aktien; n: Anzahl der jungen (neuen) Aktien; (a : n): Bezugsverhältnis; Ka: Kurs der alten Aktie; Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie; M: rechnerischer Mischkurs nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung. Teilaufgabe b) B = Ka – M = 10,00 EUR/Stück – 9,50 EUR/Stück = 0,50 EUR/Stück Dabei gilt: B: rechnerischer Preis des Bezugsrechts. Einlagenfinanzierung 15 Aufgabe 2.12: Ordentliche Kapitalerhöhung In der Hauptversammlung der Maschinen AG wurde beschlossen, das Gezeichnete Kapital um 60 Mio. EUR auf 300 Mio. EUR aufzustocken. Der Kurs der alten Aktien betrug zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung 220 EUR je 50 EUR Nennwert. Ein Bankenkonsortium hat die neuen Aktien (Nennwert 50 EUR/Stück) übernommen und wird diese zum Kurs von 70 EUR/Stück emittieren. a) Errechnen Sie das Bezugsverhältnis! b) Ermitteln Sie den rechnerischen Preis des Bezugsrechts sowie den rechnerischen Mischkurs! c) Ermitteln Sie den Kapitalzufluss und die Höhe des Agios! Wo wird das Agio in der Bilanz ausgewiesen? Lösung: Teilaufgabe a) Gezeichnetes Kapital vor der KE = Gezeichnetes Kapital nach der KE – Kapitalerhöhungsbetrag = 300 Mio. EUR – 60 Mio. EUR = 240 Mio. EUR a = StückMio.4,8EUR/Stück50 EURMio.240 AktieproNennwert KEdervorKapitalesGezeichnet == n = StückMio.1,2EUR/Stück50 EURMio.60 AktieproNennwert agöhungsbetrKapitalerh == ⇒ a : n = 4,8 Mio. Stück : 1,2 Mio. Stück = 4 : 1 Dabei gilt: KE: Kapitalerhöhung; a: Anzahl der alten Aktien; n: Anzahl der jungen (neuen) Aktien; (a : n): Bezugsverhältnis. 16 Finanzierung in Übungen Teilaufgabe b) B = 11 4 EUR/Stück70EUR/Stück220 1n a KK na + −= + − = 5 EUR/Stück150 = 30 EUR/Stück M = Ka – B = 220 EUR/Stück – 30 EUR/Stück = 190 EUR/Stück Dabei gilt: B: rechnerischer Preis des Bezugsrechts; Ka: Kurs der alten Aktie; Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie; M: rechnerischer Mischkurs. Teilaufgabe c) Kapitalzufluss = n · Kn = 1,2 Mio. Stück · 70 EUR/Stück = 84 Mio. EUR Höhe des Agios pro Aktie = Kn – Nennwert der neuen Aktien = 70 EUR/Stück – 50 EUR/Stück = 20 EUR/Stück Der Kapitalzufluss wird passivisch wie folgt ausgewiesen: Erhöhungsbetrag des Gezeichneten Kapitals =⋅= AktieproNennwertn 1,2 Mio. Stück · 50 EUR/Stück = 60 Mio. EUR Erhöhungsbetrag der Kapitalrücklage = Gesamtbetrag des Agios = EUR/Stück20StückMio.1,2Agio/Stückn ⋅=⋅ = 24 Mio. EUR Einlagenfinanzierung 17 Aufgabe 2.13: Ordentliche Kapitalerhöhung Die Wachstum-AG benötigt zur Finanzierung weiterer Investitionen zusätzliche liquide Mittel. Da sich aufgrund der bisherigen Finanzierungspraxis die Bilanzrelationen verschlechtert haben, sollen die Mittel im Wege einer ordentlichen Kapitalerhöhung beschafft werden. Die Eigenkapitalquote soll nach der Kapitalerhöhung 40 % betragen. Der derzeit hohe Börsenkurs von 1.200 EUR/Stück soll auf 850 EUR/Stück gesenkt werden. Sowohl die alten als auch die neu zu emittierenden Aktien haben einen Nennwert von 50 EUR/Stück. Die Bilanz vor der Kapitalerhöhung sieht wie folgt aus: Aktiva Bilanz der Wachstum-AG (in TEUR) Passiva Vermögen 5.000 Gezeichnetes Kapital 200 Kapitalrücklage 150 Gewinnrücklagen 430 Gewinnvortrag 20 Verbindlichkeiten 4.200 5.000 5.000 a) Wie viele neue Aktien wird das Unternehmen begeben und welcher Emissionskurs ist zu wählen? Die neuen Aktien sind annahmegemäß in voller Höhe dividendenberechtigt. b) Erstellen Sie die Bilanz nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung! c) Bestimmen Sie den rechnerischen Preis des Bezugsrechts, wenn die neuen Aktien – entgegen der Annahme in Teilaufgabe a) – nur zur Hälfte dividendenberechtigt sind und die Altaktionäre mit einer Dividende von 15 EUR/Stück rechnen! Gehen Sie bei Ihren Berechnungen ansonsten von den unter Teilaufgabe a) ermittelten Ergebnissen und einem Börsenkurs von 1.200 EUR/Stück für die alten Aktien aus! d) Welcher rechnerische Börsenkurs ergibt sich für die alten und die neuen Aktien unter Zugrundelegung des Dividendennachteils aus Teilaufgabe c)? Lösung: Teilaufgabe a) Ermittlung der Anzahl der neu zu emittierenden Aktien: Ziel der Unternehmensleitung ist es, durch die Kapitalerhöhung eine Eigenkapitalquote von 40 % zu erreichen. 18 Finanzierung in Übungen Eigenkapitalquote = %400,4GK EK n n == ⇔ EKn = nGK4,0 ⋅ (1) Um die Anzahl der neu zu emittierenden Aktien ermitteln zu können, muss zunächst der Kapitalerhöhungsbetrag ermittelt werden. Für das Gesamtkapital und das Eigenkapital gelten diesbezüglich folgende Gleichungen: GKn = KEBEUR5.000.000KEBGKa +=+ (2) EKn = KEBEKa + = EUR000.430EUR000.150EUR000.200 ++ KEBEUR000.20 ++ = KEBEUR000.800 + (3) Aufgrund der Gleichungen (1) und (2) gilt: )KEBEUR000.000.5(4,0GK4,0EK nn +⋅=⋅= (4) Aus den Gleichungen (3) und (4) ergibt sich also: KEB)EUR(5.000.0000,4KEBEUR800.000 +⋅=+ EUR1.200.000KEB0,6 =⋅⇔ EUR2.000.000KEB =⇔ (5) Der Kapitalerhöhungsbetrag beträgt also 2.000.000 EUR. Für die Weiterberechnung bedient man sich folgender Zusammenhänge: EUR000.000.2KnKEB n =⋅= (6) a = Stück4.000EUR/Stück50 EUR200.000 tückNennwert/S KapitalesGezeichnetbisheriges == (7) Somit enthält die folgende Formel nur noch die gesuchte Unbekannte n: EUR/Stück850na KnKaM na =+ ⋅+⋅= EUR/Stück850nStück4.000 EUR2.000.000EUR/Stück1.200Stück4.000 =+ +⋅⇔ EUR/Stück850nStück4.000 EUR6.800.000 =+⇔ ⇔ n)Stück(4.000EUR/Stück850EUR6.800.000 +⋅= ⇔ nEUR/Stück850EUR3.400.000EUR6.800.000 ⋅=− Einlagenfinanzierung 19 ⇔ nEUR/Stück850EUR3.400.000 ⋅= ⇔ Stück4.000n = (8) Die Anzahl der neu zu emittierenden Aktien beträgt also 4.000 Stück. Ermittlung des Emissionskurses: Der Emissionskurs der jungen Aktien lässt sich durch Umstellung der Gleichung (6) folgendermaßen ermitteln: EUR/Stück500=== Stück000.4 EUR000.000.2 n KEBKn (9) Dabei gilt: EKn: Eigenkapital nach der Kapitalerhöhung; GKn: Gesamtkapital nach der Kapitalerhöhung; EKa: Eigenkapital vor der Kapitalerhöhung (hier bestehend aus Gezeichnetem Kapital, Kapitalrücklage, Gewinnrücklagen und Gewinnvortrag); GKa: Gesamtkapital vor der Kapitalerhöhung; KEB: Kapitalerhöhungsbetrag (entspricht dem gesamten Kapitalzufluss, d. h. dem Erhöhungsbetrag des Gezeichneten Kapitals zuzüglich des Gesamtbetrags des Agios); a: Anzahl der alten Aktien; n: Anzahl der jungen (neuen) Aktien; Ka: Kurs der alten Aktie; Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie; M: rechnerischer Mischkurs. Teilaufgabe b) Erstellung der Bilanz nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung: Veränderung der Bilanzpositionen: Aktivseite: Zuführung zu den liquiden Mitteln: =⋅=⋅= EUR/Stück500Stück4.000KnKEB n 2.000.000 EUR 20 Finanzierung in Übungen Passivseite: Erhöhung des Gezeichneten Kapitals: EUR000.200kEUR/Stüc50Stück000.4tückNennwert/Sn =⋅=⋅ Erhöhung der Kapitalrücklage: Summe der Agien tück)Nennwert/SK(nAgio/Stückn n −⋅=⋅= EUR1.800.000= −⋅= )ückR/StEU50EUR/Stück500(Stück000.4 Aktiva Bilanz der Wachstum-AG nach Durchführung der Kapitalerhöhung (in TEUR) Passiva bisheriges Vermögen 5.000 Gezeichnetes Kapital 400 neue zugeflossene liquide Mittel 2.000 Kapitalrücklage 1.950 Gewinnrücklagen 430 Gewinnvortrag 20 Verbindlichkeiten 4.200 7.000 7.000 Teilaufgabe c) Ermittlung des Bezugsrechtspreises: − ohne Vorliegen eines Dividendennachteils: B = 1Stück4.000 Stück4.000 EUR/Stück500EUR/Stück1.200 1n a KK na + −= + − = 350 EUR/Stück alternativer Berechnungsweg: B = EUR/Stück850EUR/Stück1.200MKa −=− = 350 EUR/Stück Ohne Vorliegen eines Dividendennachteils ergibt sich ein Bezugsrechtspreis in Höhe von 350 EUR/Stück. Einlagenfinanzierung 21 − bei Vorliegen eines Dividendennachteils: Berechnung des Dividendennachteils der neuen Aktien: EUR/Stück7,5012 61EUR/Stück15DZ DZ1DDN a n = −⋅= −⋅= EUR/Stück346,25= + +−= + +−= 1Stück4.000 Stück4.000 EUR/Stück)7,50EUR/Stück(500EUR/Stück1.200 1n a DN)(KKB na Bei Vorliegen eines Dividendennachteils ergibt sich ein Bezugsrechtspreis in Höhe von 346,25 EUR/Stück. Dabei gilt: B: rechnerischer Preis des Bezugsrechts; DN: Dividendennachteil der neuen Aktien; D: voraussichtliche Dividende; DZn: Dividendenberechtigungszeitraum der neuen Aktien (z. B. in Monaten); DZa: Dividendenberechtigungszeitraum der alten Aktien (z. B. in Monaten). Teilaufgabe d) Ermittlung der Mischkurse: Ma = na DNnKnKa na + ⋅+⋅+⋅ = Stück000.4Stück000.4 R/StückEU50,7Stück000.4 tückR/SEU500Stück000.4EUR/Stück200.1Stück000.4 + ⋅+ ⋅+⋅ = Stück000.8 EUR000.830.6 = EUR/Stück853,75 alternativer Berechnungsweg: EUR/Stück853,75=−=−= UR/StückE25,346ckEUR/Stü200.1BKM aa 22 Finanzierung in Übungen Für die alten Aktien ergibt sich ein rechnerischer Mischkurs von 853,75 EUR/Stück. Mn = na DNaKnKa na + ⋅−⋅+⋅ = Stück000.4Stück000.4 EUR/Stück50,7Stück000.4 ckEUR/Stü500Stück000.4ckUR/StüE200.1Stück000.4 + ⋅− ⋅+⋅ = Stück000.8 URE000.770.6 = EUR/Stück846,25 alternativer Berechnungsweg: Mn = )Stück4.000 Stück4.000EUR/Stück(346,25EUR/Stück500)n a(BKn ⋅+=⋅+ = EUR/Stück846,25 Für die jungen (neuen) Aktien ergibt sich ein rechnerischer Mischkurs von 846,25 EUR/Stück. Die Differenz zwischen den beiden rechnerischen Mischkursen entspricht dem Dividendennachteil der neuen Aktien in Höhe von 7,50 EUR/Stück. Dabei gilt: Ma: rechnerischer Mischkurs der alten Aktie; Mn: rechnerischer Mischkurs der jungen (neuen) Aktie. Aufgabe 2.14: Ordentliche Kapitalerhöhung Die Hauptversammlung der Brunnen AG beschließt die Durchführung einer ordentlichen Kapitalerhöhung, um die Eigenkapitalquote der Gesellschaft zu verbessern. Die Bilanz besitzt vor der Kapitalerhöhung folgendes Aussehen: Aktiva Bilanz der Brunnen AG (in TEUR) Passiva Anlagevermögen 14.000 Gezeichnetes Kapital 2.000 Umlaufvermögen 6.000 Kapitalrücklage 1.000 Gewinnrücklagen 1.000 Verbindlichkeiten 16.000 20.000 20.000 Einlagenfinanzierung 23 Das geplante Volumen der Kapitalerhöhung (gewünschter Mittelzufluss) erstreckt sich auf 10 % der Bilanzsumme vor Durchführung der Kapitalerhöhung. Dabei soll der Altbestand an Aktien (40.000 Stück) durch junge Aktien gleichen Nennwertes aufgestockt werden. Das Bezugsverhältnis beträgt 4 : 1. Die jungen Aktien sind bei einer erwarteten Dividende für das laufende Geschäftsjahr in Höhe von 10 EUR/Stück nur zur Hälfte dividendenberechtigt. Der derzeitige Kurs einer Brunnen-Aktie liegt bei 550 EUR. a) Wie sieht die Bilanz der Brunnen AG nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung aus? b) Wie hat sich die Eigenkapitalquote der Brunnen AG verändert? c) Altaktionär X besitzt 12 Brunnen-Aktien und Bargeld in Höhe von 1.000 EUR. Er steht vor der Wahl, entweder neue Aktien entsprechend seiner Beteiligungsquote zu beziehen oder seine Bezugsrechte zu veräu- ßern. Zeigen Sie, dass das Vermögen von Altaktionär X in beiden Fällen nicht von der Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung beeinflusst wird! Lösung: Teilaufgabe a) Volumen der Kapitalerhöhung (Mittelzufluss) = 10 % ⋅ 20.000.000 EUR = 2.000.000 EUR Nennwert der Brunnen-Aktie = AktienaltenderAnzahl KEdervorKapitalesGezeichnet = EUR/Stück50=Stück40.000 EUR2.000.000 Stück10.000==⇔ =⇔ =⇔ = 4 Stück40.000n 4 an 1 4 n a 1:4n:a Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktien = Kn = AktienjungenderAnzahl luss)(MittelzuföhungKapitalerhderVolumen 24 Finanzierung in Übungen = EUR/Stück200=Stück10.000 EUR2.000.000 Erhöhung des Umlaufvermögens (Mittelzufluss) = nKn ⋅ = 10.000 Stück · 200 EUR/Stück = 2.000.000 EUR Erhöhung des Grundkapitals (des Gezeichneten Kapitals) = NWn ⋅ = 10.000 Stück · 50 EUR/Stück = 500.000 EUR Gesamtbetrag des Agios = NW)(Kn n −⋅ = 10.000 Stück · (200 EUR/Stück – 50 EUR/Stück) = 1.500.000 EUR (Zuführung zur Kapitalrücklage) Bilanz der Brunnen AG nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung: Aktiva Bilanz der Brunnen AG nach Durchführung derKapitalerhöhung (in TEUR) Passiva Anlagevermögen 14.000 Gezeichnetes Kapital 2.500 Umlaufvermögen 8.000 Kapitalrücklage 2.500 Gewinnrücklagen 1.000 Verbindlichkeiten 16.000 22.000 22.000 Dabei gilt: KE: Kapitalerhöhung; a: Anzahl der alten Aktien; n: Anzahl der jungen (neuen) Aktien; Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie; NW: Nennwert einer Aktie. Teilaufgabe b) EK-Quotevor KEderGK vor KEderEK vor= %200,2=EUR20.000.000 EUR4.000.000 EURMio.20 EURMio.1EURMio.1EURMio.2 == ++= Einlagenfinanzierung 25 EK-Quotenach KEdernachGK KEdernachEK= %27,270,2727=EUR22.000.000 EUR6.000.000 EURMio.22 EURMio.1EURMio.2,5EURMio.2,5 == ++= ∆ = + 7,27 %-Punkte Die Eigenkapitalquote ist um 7,27 %-Punkte gestiegen. Dabei gilt: EK: Eigenkapital; GK: Gesamtkapital. Teilaufgabe c) Gegeben ist: a = 40.000 Stück, n = 10.000 Stück, Ka = 550 EUR/Stück, Kn = 200 EUR/Stück. Berechnung des Dividendennachteils der neuen Aktien: EUR/Stück512 61EUR/Stück10DZ DZ1DDN a n = −⋅= −⋅= B = 1n a DN)(KK na + +− = 11 4 EUR/Stück)5EUR/Stück(200EUR/Stück550 + +− = 5 EUR/Stück345 5 EUR/Stück205EUR/Stück550 =− = 69 EUR/Stück 26 Finanzierung in Übungen Ma = n+a DN)K(n+Ka na +⋅⋅ = Stück10.000Stück40.000 EUR/Stück)5EUR/Stück(200Stück10.000 EUR/Stück550Stück40.000 + +⋅+ ⋅ = Stück50.000 EUR50.000EUR2.000.000EUR22.000.000 ++ = Stück50.000 EUR24.050.000 = 481 EUR/Stück oder: Ma = Ka − B = 550 EUR/Stück − 69 EUR/Stück = 481 EUR/Stück Mn = Ma – DN = 481 EUR/Stück – 5 EUR/Stück = 476 EUR/Stück alternativer Berechnungsweg: Mn = Kn + (B · n a ) = 200 EUR/Stück + (69 EUR/Stück · 1 4 ) = 200 EUR/Stück + 276 EUR/Stück = 476 EUR/Stück Vermögensbetrachtung von Altaktionär X Ausgangssituation: Barvermögen 1.000 EUR + Aktienvermögen 6.600 EUR (12 alte Aktien à 550 EUR) = Gesamtvermögen 7.600 EUR Aktionär X nutzt seine Bezugsrechte voll aus Im Rahmen der ordentlichen Kapitalerhöhung erhält ein Altaktionär für jede Altaktie ein Bezugsrecht, d. h., der Altaktionär X verfügt über 12 Bezugsrech- Einlagenfinanzierung 27 te. Aufgrund des Bezugsverhältnisses sind für den Bezug einer neuen Aktie zum Emissionskurs 4 Bezugsrechte notwendig. Wenn Aktionär X seine Bezugsrechte voll ausnutzen möchte, kann er also 3 neue Aktien erwerben. Aktionär X nach der ordentlichen Kapitalerhöhung: Aufgrund des Bezugsverhältnisses von 4 : 1 erfolgt ein Bezug von 3 neuen Aktien à 200 EUR. ⇒ Verringerung des Barvermögens in Höhe von 600 EUR ⇒ Erhöhung des Bestandes an Aktien auf jetzt 15 (= 12 + 3) Stück (Kurswert der alten Aktien = 481 EUR/Stück; Kurswert der neuen Aktien = 476 EUR/Stück) Barvermögen 400 EUR (= 1.000 EUR – 600 EUR) + Aktienvermögen 5.772 EUR (12 alte Aktien à 481 EUR) + Aktienvermögen 1.428 EUR (3 neue Aktien à 476 EUR) = Gesamtvermögen 7.600 EUR Fazit: Das Gesamtvermögen bleibt unverändert. Aktionär X veräußert seine Bezugsrechte Aktionär X nach der ordentlichen Kapitalerhöhung: Es erfolgt ein Verkauf von 12 Bezugsrechten à 69 EUR. ⇒ Erhöhung des Barvermögens in Höhe von 828 EUR ⇒ Bestand an Aktien bleibt unverändert, allerdings erfolgt ein Absinken des Kurswertes Barvermögen 1.828 EUR (= 1.000 EUR + 828 EUR) + Aktienvermögen 5.772 EUR (12 alte Aktien à 481 EUR) = Gesamtvermögen 7.600 EUR Fazit: Das Gesamtvermögen bleibt unverändert. Dabei gilt: Ka: Kurs der alten Aktie; DN: Dividendennachteil der neuen Aktie; D: voraussichtliche Dividende; DZn: Dividendenberechtigungszeitraum der neuen Aktien (z. B. in Monaten); DZa: Dividendenberechtigungszeitraum der alten Aktien (z. B. in Monaten); 28 Finanzierung in Übungen B: rechnerischer Preis des Bezugsrechts; Ma: rechnerischer Mischkurs der alten Aktie; Mn: rechnerischer Mischkurs der jungen (neuen) Aktie. Aufgabe 2.15: Ordentliche Kapitalerhöhung 2 Die Expansions-AG plant eine ordentliche Kapitalerhöhung. Die neu auszugebenden jungen Aktien sollen die gleiche Ausstattung haben wie die alten Aktien. Sie sind allerdings für das Geschäftsjahr ihrer Ausgabe bei einer erwarteten Dividende in Höhe von 1,05 EUR pro Aktie nur zu zwei Dritteln dividendenberechtigt. Zurzeit sind 2.400.000 Aktien im Umlauf, wobei der Nennwert einer Aktie 5 EUR beträgt. Die Aktie hat bei Ankündigung der Kapitalerhöhung einen Börsenkurs von 15 EUR. Die ordentliche Kapitalerhöhung soll 6 Mio. EUR an flüssigen Mitteln einbringen. a) Welchen Spielraum hat die Expansions-AG bei der Festlegung des Emissionskurses? Begründen Sie Ihre Antwort! b) Angenommen, der Emissionskurs der neuen Aktien betrage 6,25 EUR pro Stück. Wie hoch ist der rechnerische Preis eines Bezugsrechts? c) Wie hoch wird bei sonst unveränderten Gegebenheiten der rechnerische Kurs der Aktien nach vollzogener Kapitalerhöhung sein? Interpretieren Sie die Differenz der Aktienkurse vor und nach vollzogener Kapitalerhöhung unter Berücksichtigung des Ergebnisses aus Teilaufgabe b)! d) Die Aktionäre X, Y und Z besitzen jeweils 200 Aktien und 1.000 EUR in bar. Sie verhalten sich wie folgt: − X nutzt seine Bezugsrechte voll aus; − Y verkauft alle Bezugsrechte; − Z verkauft im Rahmen einer Opération blanche so viele Bezugsrechte, dass er aus dem Erlös die restlichen Bezugsrechte mit einem möglichst geringen Bargeldeinsatz ausnutzen kann (Aufrundung der zu beziehenden Aktien). Zeigen Sie jeweils, wie sich Barvermögen, Aktienvermögen und Gesamtvermögen der drei Aktionäre gegenüber der Ausgangssituation verändern! 2 Modifiziert entnommen aus Bitz, Michael; Ewert, Jürgen: Übungen in Betriebswirtschaftslehre, 7. Aufl., München 2011, S. 120 und S. 201–204. Einlagenfinanzierung 29 Lösung: Teilaufgabe a) - Niedrigst möglicher Emissionskurs = Nennwert = 5 EUR/Stück (gesetzliche Untergrenze) Begründung: Eine Unterpari-Emission von Aktien ist gemäß § 9 Abs. 1 AktG nicht erlaubt. - Höchst möglicher Emissionskurs = Börsenkurs vor der ordentlichen Kapitalerhöhung = 15 EUR/Stück (wirtschaftliche Obergrenze) Begründung: Würde der Emissionskurs der jungen (neuen) Aktien über 15 EUR/Stück liegen, könnten Aktien der gleichen Ausstattung über die Börse günstiger beschafft werden. ⇒ Spielraum bei der Festlegung des Emissionskurses: EUR/Stück15KEUR/Stück5 n ≤≤ Dabei gilt: Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie. Teilaufgabe b) Stück000.400.2a = Stück960.000EUR/Stück6,25 EUR6.000.000 K KEBn n === ⇒ a : n = 2.400.000 Stück : 960.000 Stück = 5 : 2 Ka = 15 EUR/Stück Kn = 6,25 EUR/Stück DN EUR/Stück0,3512 81EUR/Stück1,05DZ DZ1D a n = −⋅= −⋅= B 1n a DN)(KK na + +−= EUR/Stück2,40== + +−= 3,50 EUR/Stück8,40 12 5 EUR/Stück)0,35EUR/Stück(6,25EUR/Stück15 30 Finanzierung in Übungen Dabei gilt: a: Anzahl der alten Aktien; n: Anzahl der jungen (neuen) Aktien; KEB:Kapitalerhöhungsbetrag; Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie; Ka: Kurs der alten Aktie; DN: Dividendennachteil der neuen Aktie; D: voraussichtliche Dividende; DZn: Dividendenberechtigungszeitraum der neuen Aktien (z. B. in Monaten); DZa: Dividendenberechtigungszeitraum der alten Aktien (z. B. in Monaten); B: rechnerischer Preis des Bezugsrechts. Teilaufgabe c) Rechnerischer Mischkurs der alten Aktien = Ma = Ka – B = 15 EUR/Stück − 2,40 EUR/Stück = 12,60 EUR/Stück Rechnerischer Mischkurs der neuen Aktien = Mn = Ma – DN = 12,60 EUR/Stück − 0,35 EUR/Stück = 12,25 EUR/Stück Interpretation: - Altaktionär: ∆ Ka = Ka – Ma = 15 EUR/Stück − 12,60 EUR/Stück = 2,40 EUR/Stück ⇒ Der Kursverlust eines Altaktionärs beträgt 2,40 EUR/Stück. Dieser Verlust wird jedoch durch das Bezugsrecht i. H. v. 2,40 EUR/Stück ausgeglichen. - Neuaktionär: ∆ Kn = Mn – Kn = 12,25 EUR/Stück – 6,25 EUR/Stück = 6,00 EUR/Stück ⇒ Der Kursgewinn eines Neuaktionärs beträgt 6,00 EUR/Stück. Dieser Gewinn entspricht jedoch genau dem Gesamtpreis der Bezugsrechte, die ein Neuaktionär erwerben muss. Damit wird der Vermögenszuwachs durch die Aufwendungen für die erforderlichen Bezugsrechte ausgeglichen. Da das Bezugsverhältnis hier 5 : 2 beträgt, was bedeutet, dass für den Bezug zweier neuer Aktien zum Emissionskurs 5 Bezugsrechte benötigt werden, Einlagenfinanzierung 31 sind für den Bezug einer neuen Aktie entsprechend 2,5 Bezugsrechte erforderlich. Der rechnerische Preis eines Bezugsrechts beträgt 2,40 EUR/Stück. Für den Kauf der erforderlichen Bezugsrechte müssen demzufolge vom Neuaktionär EUR6,00EUR/Stück2,402 5 =⋅ aufgewendet werden. Dabei gilt: Ma: rechnerischer Mischkurs der alten Aktie; Mn: rechnerischer Mischkurs der neuen Aktie. Teilaufgabe d) Ausgangssituation für die Aktionäre X, Y und Z: Barvermögen 1.000 EUR + Aktienvermögen 3.000 EUR (200 Aktien à 15 EUR) = Gesamtvermögen 4.000 EUR Aktionär X nach der ordentlichen Kapitalerhöhung: Da Aktionär X 200 Altaktien in seinem Aktienbestand hält, stehen ihm 200 Bezugsrechte zu. Zum Bezug von 2 neuen Aktien zum Emissionskurs werden 5 Bezugsrechte benötigt. Aktionär X kann mit seinen Bezugsrechten folglich 80 neue Aktien (= 200 Altaktien ÷ 5 · 2) beziehen. Bezug von 80 neuen Aktien à 6,25 EUR ⇒ Verringerung des Barvermögens in Höhe von 500 EUR ⇒ Erhöhung des Bestandes an Aktien auf jetzt 280 Stück (Kurswert der Altaktien 12,60 EUR/Stück; Kurswert der Neuaktien 12,25 EUR/Stück) Barvermögen 500 EUR (= 1.000 EUR – 500 EUR) + Aktienvermögen 2.520 EUR (200 Altaktien à 12,60 EUR) + Aktienvermögen 980 EUR (80 Neuaktien à 12,25 EUR) = Gesamtvermögen 4.000 EUR Fazit: Das Gesamtvermögen von Aktionär X bleibt unverändert. 32 Finanzierung in Übungen Aktionär Y nach der ordentlichen Kapitalerhöhung: Verkauf von 200 Bezugsrechten à 2,40 EUR ⇒ Erhöhung des Barvermögens in Höhe von 480 EUR ⇒ Bestand an Aktien bleibt unverändert; allerdings erfolgt ein Absinken des Kurswertes Barvermögen 1.480 EUR (= 1.000 EUR + 480 EUR) + Aktienvermögen 2.520 EUR (200 Altaktien à 12,60 EUR) = Gesamtvermögen 4.000 EUR Fazit: Das Gesamtvermögen von Aktionär Y bleibt unverändert. Aktionär Z nach der ordentlichen Kapitalerhöhung: Durchführung einer Opération blanche: Im Rahmen einer Opération blanche erfolgt ein Verkauf von so vielen Bezugsrechten, dass aus dem Erlös die restlichen Bezugsrechte ohne (bzw. mit möglichst geringem) Kapitaleinsatz zum Erwerb junger Aktien ausgenutzt werden können, d. h., der Erlös aus dem Verkauf der Bezugsrechte entspricht dem Kapitalbedarf für den Erwerb junger Aktien: njj KA)An a(bB ⋅=⋅−⋅ ⇔ ⋅+ ⋅= n aBK BbA n j ⇒ ⋅+ ⋅= 2 5EUR/Stück2,40EUR/Stück6,25 EUR/Stück2,40Stück200A j ⇔ Stück39,18=+= EUR/Stück6EUR/Stück6,25 EUR480A j Um 40 neue Aktien zu beziehen, 3 benötigt Aktionär Z aufgrund des Bezugsverhältnisses 1002 540 =⋅ Bezugsrechte. Seine restlichen Bezugsrechte verkauft er: 3 Es kann nur ein ganzzahliger Wert an neuen Aktien bezogen werden. Einlagenfinanzierung 33 ⇒ Verkauf von 100 Bezugsrechten à 2,40 EUR: Einzahlung i. H. v. 240 EUR ⇒ Bezug von 40 neuen Aktien à 6,25 EUR: Auszahlung i. H. v. 250 EUR ⇒ zusätzlicher Bargeldeinsatz: Auszahlung i. H. v. 10 EUR ⇒ Bestand an Aktien erhöht sich auf 240 Stück Barvermögen 990 EUR (= 1.000 EUR – 10 EUR) + Aktienvermögen 2.520 EUR (200 Altaktien à 12,60 EUR) + Aktienvermögen 490 EUR (40 Neuaktien à 12,25 EUR) = Gesamtvermögen 4.000 EUR Fazit: Das Gesamtvermögen von Aktionär Z bleibt unverändert. Dabei gilt: Aj: Anzahl der zu beziehenden neuen Aktien ohne Aufwand (bzw. mit möglichst geringem Aufwand) an zusätzlichen Finanzierungsmitteln; b: Anzahl der Bezugsrechte des Aktionärs. Aufgabe 2.16: Durchführung einer Opération blanche Wie viele Bezugsrechte muss ein Altaktionär verkaufen, um im Rahmen einer ordentlichen Kapitalerhöhung eine Opération blanche durchführen zu können, wenn er 90 Bezugsrechte besitzt, die Kapitalerhöhung im Verhältnis 3 : 1 durchgeführt wird, der Emissionskurs der neuen Aktien (bei gleichem Dividendenanspruch wie die alten Aktien) 30 EUR/Stück beträgt und sich der Kurs der alten Aktien auf 70 EUR/Stück beläuft? Verändert sich nach Durchführung der Opération blanche der Gesamtwert seines Portefeuilles, wenn von Börseneinflüssen abgesehen wird (Berechnung!)? Lösung: EUR/Stück10= + −= + −= 11 3 EUR/Stück30EUR/Stück70 1n a KKB na 34 Finanzierung in Übungen ⋅+ ⋅= n aBK BteBezugsrechderAnzahlA n j ⇒ ⋅+ ⋅= 1 3EUR/Stück10EUR/Stück30 EUR/Stück10Stück90A j ⇔ Stück15EUR/Stück60 EUR900A j == M = Ka − B = 70 EUR/Stück − 10 EUR/Stück = 60 EUR/Stück Zum Bezug von 15 neuen Aktien benötigt der Altaktionär – bei einem Bezugsverhältnis von 3 : 1 − 45 Bezugsrechte. Er muss also, wenn er ohne Aufwand an zusätzlichen Finanzierungsmitteln an der ordentlichen Kapitalerhöhung teilnehmen will, die Hälfte seiner Bezugsrechte zum Bezugsrechtspreis von 10 EUR/Stück veräußern, damit er mit dem erzielten Erlös in Höhe von 450 EUR (= 45 Bezugsrechte · 10 EUR/Stück) 15 neue Aktien zum Emissionskurs erwerben kann (15 neue Aktien · 30 EUR/Stück = 450 EUR). Der Gesamtwert des Portefeuilles des Altaktionärs verändert sich nicht: vor der Opération blanche: 90 Aktien à 70 EUR = 6.300 EUR; nach der Opération blanche: 105 Aktien à 60 EUR = 6.300 EUR. Dabei gilt: B: rechnerischer Preis des Bezugsrechts; Ka: Kurs der alten Aktie; Kn: Bezugskurs (Emissionskurs) der jungen (neuen) Aktie; a: Anzahl der alten Aktien; n: Anzahl der jungen (neuen) Aktien; Aj: Anzahl der zu beziehenden neuen Aktien ohne Aufwand (bzw. mit möglichst geringem Aufwand) an zusätzlichen Finanzierungsmitteln; M: rechnerischer Mischkurs. Aufgabe 2.17: Nominelle Kapitalerhöhung Eine Aktiengesellschaft baut ihre offenen Rücklagenpositionen, die in der Vergangenheit erheblich angewachsen sind, durch Umbuchung ins Grund- Einlagenfinanzierung 35 kapital ab, wodurch sich die letztgenannte Position genau verdoppelt. Welcher rechnerische Mischkurs ergibt sich nach Durchführung dieser nominellen Kapitalerhöhung (Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln), wenn sich der Altkurs der Aktie auf 150 EUR/Stück beläuft? Begründen Sie Ihr Ergebnis unter Heranziehung der Formel zur Errechnung des Mischkurses! Lösung: Unabhängig von der absoluten Höhe der einzelnen Eigenkapitalpositionen sowie dem Nennwert der Aktie kommt es bei der Aktiengesellschaft zu einer Verdoppelung der Aktienanzahl und damit rechnerisch zu einer Halbierung des Aktienkurses: M = na KnKa na + ⋅+⋅ = aa EUR/Stück0aKa a + ⋅+⋅ = 2a Ka a⋅ = 2 Ka = 2 EUR/Stück150 = 75 EUR/Stück Anmerkungen: Bei einer Verdoppelung der Aktienanzahl ist n = a. Kn beträgt bei einer nominellen Kapitalerhöhung immer null. Hintergrund Im Rahmen der Durchführung einer nominellen Kapitalerhöhung (Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln) gilt für die Berechnung des rechnerischen Mischkurses allgemein folgender Zusammenhang: M = na KnKa na + ⋅+⋅ = na EUR/Stück0nKa a + ⋅+⋅ = na aKa +⋅ Die Erhöhung des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft aus Gesellschaftsmitteln führt demnach immer zu einer rechnerischen Reduzierung des Kurses der alten Aktien um den Faktor += +− na n na a1 auf aKna a ⋅+ Exemplarisch sei gegeben: Ka = 120 EUR/Stück a = 50.000 Stück n = 10.000 Stück 36 Finanzierung in Übungen M = Stück10.000Stück50.000 EUR/Stück0Stück10.000EUR/Stück120Stück50.000 + ⋅+⋅ = 100 EUR/Stück = 15 5tückUR/SE120na aKa +⋅=+⋅ = 100 EUR/Stück ⇒ Ka verringert sich um += +− na n na a1 6 1 Stück10.000Stück50.000 Stück10.000 = += auf 6 5 Stück10.000Stück50.000 Stück50.000 na a = += + Ka. Aufgabe 2.18: Nominelle Kapitalerhöhung Welche Auswirkungen hat die Durchführung einer nominellen Kapitalerhöhung (Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln) bei einer Aktiengesellschaft auf: (1) den Aktienkurs im Falle der Ausgabe von Nennwertaktien, (2) die Höhe des bilanziell ausgewiesenen Eigenkapitals der Gesellschaft, (3) die Höhe des Grundkapitals (gezeichneten Kapitals) der Gesellschaft, (4) die Höhe des Vermögens der Gesellschafter, (5) die Höhe des bilanziellen Vermögens der Gesellschaft, (6) den Einfluss der einzelnen Aktionäre auf das Unternehmensgeschehen, (7) den rechnerischen Nennwert im Falle des Vorliegens von Stückaktien (die Zahl der ausgegebenen Stückaktien bleibt gleich), (8) die Bilanzsumme der Gesellschaft, (9) die Relation von gezeichnetem Kapital und offenen Rücklagen? Lösung: Auswirkungen: (1) Verminderung in Abhängigkeit vom Bezugsverhältnis, (2) keine Veränderung, (3) Erhöhung entsprechend dem absoluten Umfang der nominellen Kapitalerhöhung, (4) keine Veränderung (eventuell mittelbare Auswirkungen aufgrund der zukünftigen Dividendenpolitik), Einlagenfinanzierung 37 (5) keine Veränderung, (6) keine Veränderung, da die ursprüngliche Beteiligungsquote erhalten bleibt, (7) prozentuale Erhöhung des rechnerischen Nennwerts entsprechend der Relation des Kapitalerhöhungsbetrags zum bisherigen Grundkapital, (8) keine Veränderung, (9) Veränderung entsprechend dem Umbuchungsverhältnis. Aufgabe 2.19: Vereinfachte Kapitalherabsetzung mit anschließender ordentlicher Kapitalerhöhung 4 Wie aus der folgenden (verkürzten) Bilanz zu erkennen ist, befindet sich die Felsberg AG in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten: Aktiva Bilanz der Felsberg AG vor Durchführung der Sanierungsmaßnahmen (in TEUR) Passiva Vermögen 20.000 Gezeichnetes Kapital 10.000 Verlustvortrag − 4.500 Jahresfehlbetrag − 1.500 Verbindlichkeiten 16.000 20.000 20.000 Die Aktien der Felsberg AG (Nennwert 2 EUR/Stück) werden zurzeit mit 1,20 EUR/Stück an der Börse gehandelt. In dieser Situation fassen die Aktionäre der Felsberg AG den Entschluss, eine vereinfachte Kapitalherabsetzung (in Höhe der bilanziell ausgewiesenen Verluste) mit einer sich anschließenden ordentlichen Kapitalerhöhung (auf den jetzigen Betrag des gezeichneten Kapitals) durchzuführen. Der Emissionskurs der neuen Aktien (Nennwert 1 EUR/Stück) wird auf 1,40 EUR/Stück festgesetzt. Zeigen Sie die Bilanz der Felsberg AG nach Durchführung der Sanierungsmaßnahmen und berechnen Sie den neuen rechnerischen Börsenkurs der Felsberg AG-Aktie! 4 Modifiziert entnommen aus Waschbusch, Gerd: Kapitalherabsetzung und Kapitalerhöhung, in: FORTBILDUNG – Zeitschrift für Führungskräfte in Verwaltung und Wirtschaft 1992, S. 89−90. 38 Finanzierung in Übungen Lösung: (1) Durchführung einer vereinfachten Kapitalherabsetzung gemäß den §§ 229−236 AktG - Es erfolgt zunächst in einem ersten Schritt eine Herabstempelung des Nennwerts der Altaktien von 2 EUR/Stück auf 1 EUR/Stück. - Die 5 Mio. Aktien der Felsberg AG ( StückMio.5EUR/Stück2 EURMio.10 StückproNennwert KHdervorKapitalesGezeichneta1 === ) besitzen jetzt nur noch einen Nennwert in Höhe von 1 EUR/Stück; es werden damit 5 Mio. EUR (= 5 Mio. Stück · 1 EUR/Stück) an Grundkapital (Gezeichnetem Kapital) zum buchmäßigen Ausgleich der bilanziell ausgewiesenen Verluste freigesetzt. - Zum Ausgleich des Restbetrags der bilanziell ausgewiesenen Verluste (hier: Verlustvortrag + Jahresfehlbetrag – 5 Mio. EUR = 4,5 Mio. EUR + 1,5 Mio. EUR – 5 Mio. EUR = 1 Mio. EUR) erfolgt in einem zweiten Schritt eine Zusammenlegung der Altaktien im Verhältnis 5 : 4, d. h., von 5 alten Aktien der Felsberg AG bleiben nur noch vier „neue“ Aktien der Felsberg AG übrig (Verringerung der Aktienanzahl auf 4 Mio. Stück). Nach Durchführung der beschriebenen Maßnahmen (buchtechnische Sanierung) ergibt sich folgendes Bilanzbild: Aktiva Bilanz der Felsberg AG nach Durchführung der vereinfachten Kapitalherabsetzung (in TEUR) Passiva Vermögen 20.000 Gezeichnetes Kapital 4.000 Verbindlichkeiten 16.000 20.000 20.000 Auswirkungen der beschriebenen Maßnahmen (buchtechnische Sanierung) auf den Börsenkurs der Felsberg AG-Aktie: - Börsenkurs vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung: Ka1 = 1,20 EUR/Stück - Anzahl der Aktien der Felsberg AG vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung: a1 = 5.000.000 Stück Einlagenfinanzierung 39 - Gesamtkurs der Aktien der Felsberg AG vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung: a1 · Ka1 = 5.000.000 Stück · 1,20 EUR/Stück = 6.000.000 EUR Da sich nach der vereinfachten Kapitalherabsetzung nur noch 4 Mio. Felsberg AG-Aktien im Umlauf befinden, der Gesamtkurs der Aktien der Felsberg AG aber (rechnerisch) unverändert bleibt, ergibt sich für diese nach Durchführung der vereinfachten Kapitalherabsetzung der folgende rechnerische Börsenkurs: == Stück4.000.000 EUR6.000.000K 2a 1,50 EUR/1-EUR-Nennwertaktie Anmerkung: Es ergibt sich aufgrund der beschriebenen Maßnahmen (buchtechnische Sanierung) keine Veränderung der Vermögenssituation für die Altaktionäre. Beispiel: Besaß ein Altaktionär vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung 5 Aktien à 1,20 EUR/Stück = 6 EUR, so besitzt er nach der vereinfachten Kapitalherabsetzung 4 Aktien à 1,50 EUR/Stück = 6 EUR. (2) Durchführung einer ordentlichen Kapitalerhöhung gemäß den §§ 182–191 AktG - Erhöhungsbetrag des Grundkapitals infolge der geplanten ordentlichen Kapitalerhöhung: 6.000.000 EUR - Anzahl der nach Durchführung der vereinfachten Kapitalherabsetzung verbliebenen Altaktien: a2 = 4.000.000 Stück - Anzahl der im Rahmen der ordentlichen Kapitalerhöhung auszugebenden Neuaktien: 3:2StückMio.6:StückMio.4n:a Stück6.000.000EUR/Stück1 EUR6.000.000n 2 ==⇒ == - Emissionskurs der neuen Aktie: Kn = 1,40 EUR/Stück Nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung (finanzielle Sanierung) ergibt sich folgendes Bilanzbild: 40 Finanzierung in Übungen Aktiva Bilanz der Felsberg AG nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung (in TEUR) Passiva Vermögen (einschließlich Emissionserlös) 28.400 1 Gezeichnetes Kapital 10.000 2 Kapitalrücklage 2.400 3 Verbindlichkeiten 16.000 28.400 28.400 1 20.000.000 EUR + 6.000.000 Stück · 1,40 EUR/Stück = 28.400.000 EUR 2 4.000.000 EUR + 6.000.000 Stück · 1,00 EUR/Stück = 10.000.000 EUR 3 6.000.000 Stück · 0,40 EUR/Stück = 2.400.000 EUR - rechnerischer Börsenkurs der Aktien der Felsberg AG nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung: M = na KnKa 2 na22 + ⋅+⋅ = Stück6.000.000Stück4.000.000 EUR/Stück1,40Stück6.000.000EUR/Stück1,50Stück4.000.000 + ⋅+⋅ = Stück10.000.000 EUR000.400.14 = 1,44 EUR/1-EUR-Nennwertaktie Dabei gilt: a1: Anzahl der alten Aktien vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung; KH: Kapitalherabsetzung; Ka1: Börsenkurs der alten Aktie vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung; Ka2: Börsenkurs der alten Aktie nach vollzogener vereinfachter Kapitalherabsetzung; a2: Anzahl der nach Durchführung der vereinfachten Kapitalherabsetzung verbliebenen Altaktien; n: Anzahl der im Rahmen der ordentlichen Kapitalerhöhung auszugebenden Neuaktien; Kn: Emissionskurs der neuen Aktie; M: rechnerischer Börsenkurs der Aktie nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung. Einlagenfinanzierung 41 Aufgabe 2.20: Vereinfachte Kapitalherabsetzung mit anschließender ordentlicher Kapitalerhöhung Im Wirtschaftsteil Ihrer Tageszeitung vom 27. Januar 01 findet sich folgende Nachricht: „Die Homa AG, Saarlouis, hat die Modalitäten für die geplante vereinfachte Kapitalherabsetzung und die sich anschließende Wiederaufstockung des Grundkapitals bekannt gegeben. Laut Bundesanzeiger erfolgt eine Zusammenlegung von je zwei alten Aktien im Nennbetrag von je 1 EUR in eine neue Aktie zu 1 EUR. Ab 2. Februar 01 werden die Aktien aus der vereinfachten Kapitalherabsetzung gehandelt. Die Hauptversammlung der Homa AG hatte im Dezember 00 im Zuge der vereinfachten Kapitalherabsetzung eine Rückführung des Grundkapitals von 50 Mio. EUR auf 25 Mio. EUR gebilligt. Für die sich anschließende Wiederaufstockung des Grundkapitals gegen Bareinlagen um 25 Mio. EUR gibt die Homa AG 25.000.000 auf den Inhaber lautende Stammaktien im Nennbetrag von je 1 EUR aus, die für das Geschäftsjahr 00/01 voll gewinnberechtigt sind. Ein Bankenkonsortium unter Führung der Saarland-Bank AG, Saarbrücken, hat die neuen Stammaktien übernommen und sich verpflichtet, sie den Aktionären im Verhältnis 1 : 1 bezogen auf das herabgesetzte Grundkapital von 25 Mio. EUR zum Ausgabepreis von 2,50 EUR je Anteil im Nennbetrag von 1 EUR anzubieten. Die Bezugsfrist für die neuen Aktien läuft vom 2. bis 16. Februar 01.“ Berechnen Sie den neuen rechnerischen Börsenkurs der Aktien der Homa AG nach Durchführung der Sanierung! Der Kurs der Altaktie (1 EUR Nennwert) belief sich vor der Sanierung auf 1,29 EUR. Lösung: In einem ersten Schritt erfolgt im Rahmen der vereinfachten Kapitalherabsetzung eine Zusammenlegung der Altaktien im Verhältnis 2 : 1, d. h., die Zahl der Altaktien verringert sich von 50 Mio. Stück ( StückMio.50EUR/Stück1 EURMio.50a1 == ) auf 25 Mio. Stück. Es verbleibt ein Grundkapital von 25 Mio. EUR. Der Börsenkurs der Homa AG-Aktie notierte vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung mit 1,29 EUR. Dies entspricht einem Gesamtkurs der Homa AG-Aktien vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung in Höhe von 64,5 Mio. EUR (= 50.000.000 Stück · 1,29 EUR/Stück). Da sich nach der vereinfachten 42 Finanzierung in Übungen Kapitalherabsetzung nur noch 25 Mio. Homa AG-Aktien (a2) im Umlauf befinden, der Gesamtkurs der Homa AG-Aktien aber unverändert bleibt, ergibt sich für diese nach Durchführung der vereinfachten Kapitalherabsetzung der folgende rechnerische Börsenkurs: Ka2 = Stück000.000.25 EUR000.500.64 = 2,58 EUR/1-EUR-Nennwertaktie. Aufgrund der Halbierung der Aktienzahl und des gleichbleibenden Gesamtkurses hat sich der Kurs der Aktie nach der Kapitalherabsetzung rechnerisch verdoppelt. Der Erhöhungsbetrag des Grundkapitals infolge der geplanten ordentlichen Kapitalerhöhung (zweiter Schritt) beläuft sich auf 25 Mio. EUR. Die Anzahl der im Rahmen der ordentlichen Kapitalerhöhung auszugebenden Neuaktien beläuft sich somit auf 25 Mio. Stück ( StückMio.25EUR/Stück1 EURMio.25 AktieproNennwert agöhungsbetrKapitalerhn === ). Zur Berechnung des Mischkurses (= neuer rechnerischer Börsenkurs der Homa AG-Aktie nach Durchführung der Sanierung) kann damit auf folgende Daten zurückgegriffen werden: Ka2 = 2,58 EUR/Stück Kn = 2,50 EUR/Stück a2 = 25.000.000 Stück n = 25.000.000 Stück M = na KnKa 2 n2a2 + ⋅+⋅ = Stück25.000.000Stück25.000.000 EUR/Stück2,50Stück25.000.000EUR/Stück2,58Stück25.000.000 + ⋅+⋅ = Stück50.000.000 EUR0127.000.00 Stück50.000.000 EUR62.500.000EUR64.500.000 =+ = 2,54 EUR/1-EUR-Nennwertaktie Dabei gilt: a1: Anzahl alter Aktien vor der vereinfachten Kapitalherabsetzung; 2 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 2 Einlagenfinanzierung 43 a2: Anzahl der nach Durchführung der vereinfachten Kapitalherabsetzung verbliebenen Altaktien; Ka2: rechnerischer Börsenkurs der alten Aktie nach vollzogener vereinfachter Kapitalherabsetzung; n: Anzahl der im Rahmen der ordentlichen Kapitalerhöhung auszugebenden Neuaktien; Kn: Emissionskurs der Neuaktie; M: rechnerischer Börsenkurs der Aktie nach Durchführung der ordentlichen Kapitalerhöhung. Aufgabe 2.21: Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien Nach einem außerordentlich schwachen letzten Geschäftsjahr ist in der Bilanz der XYZ-AG ein Verlustvortrag in Höhe von insgesamt 10 Mio. EUR aufgelaufen. Um das Unternehmen zu sanieren, soll dieser Verlustvortrag nun im Rahmen einer Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien beseitigt werden. Aktiva verkürzte Bilanz der XYZ-AG (in TEUR) Passiva Vermögen 200.000 Gezeichnetes Kapital 80.000 darunter: Verlustvortrag − 10.000 liquide Mittel 21.000 Jahresüberschuss 0 Verbindlichkeiten 130.000 200.000 200.000 Die Aktien im Nennbetrag von 110 EUR pro Stück sind zurzeit mit 70 EUR an der Börse notiert. Unterstellen Sie, die Aktiengesellschaft verfüge über 21 Mio. EUR an liquiden Mitteln, die sie in voller Höhe zum Erwerb eigener Aktien über die Börse verwenden kann! a) Welchen Teilbetrag dieser 21 Mio. EUR muss die XYZ-AG mindestens aufwenden, um den Verlustvortrag buchmäßig zu beseitigen? b) Nehmen Sie an, der Aktiengesellschaft wäre es durch einen Beschluss der Hauptversammlung erlaubt, eigene Aktien im Gesamtbetrag von 21 Mio. EUR zum Börsenkurs von 70 EUR pro Stück zu erwerben! Zeigen Sie die Bilanz der XYZ-AG nach Einziehung der zurückerworbenen Aktien! Von Transaktionskosten wird abgesehen. 3 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 3 44 Finanzierung in Übungen Lösung: Vorbemerkungen § 237 Abs. 1 Satz 1 AktG sieht zwei Möglichkeiten der Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien vor: − die Zwangseinziehung von Aktien und − die Einziehung von Aktien nach Erwerb durch die Gesellschaft. Im vorliegenden Fall der Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien kauft die Aktiengesellschaft eigene Aktien am Markt auf, wenn deren Börsenkurs unter ihrem (rechnerischen) Nennbetrag liegt; denn die Durchführung dieser Sanierungsmaßnahme mit Blick auf eine buchmäßige Beseitigung von Verlusten ist nur dann sinnvoll, wenn die Aktien unter pari angekauft werden können. Anschließend „vernichtet“ die Aktiengesellschaft die erworbenen Aktien und senkt auf diese Weise ihr Gezeichnetes Kapital um den (rechnerischen) Nennwert der erworbenen Aktien ab. Der dabei entstehende Buchgewinn in Höhe der Differenz zwischen (rechnerischem) Nennbetrag der eigenen Aktien und niedrigerem Kaufpreis (Kurs, Anschaffungskosten) dient der buchmäßigen Abdeckung des Verlustvortrags. Voraussetzung für die Durchführung einer solchen Maßnahme ist, dass die Aktiengesellschaft entweder über ausreichend liquide Mittel verfügt, um den Kauf durchzuführen, oder aber – was auch denkbar wäre – dass ein Großaktionär der Aktiengesellschaft einen Teil seiner Aktien „freiwillig“ und unentgeltlich zur Vernichtung überlässt. Teilaufgabe a) Die Formulierung „mindestens aufzuwendender Teilbetrag zur buchmäßigen Beseitigung des Verlustvortrags“ ist in dem vorliegenden Zusammenhang so zu verstehen, dass man von dem für die Aktiengesellschaft günstigsten, aber äußerst unrealistischen Fall ausgeht, die gesamte Rückkaufsaktion zu einem einheitlichen Börsenkurs (= Kaufpreis) von 70 EUR pro Aktie durchführen zu können. Unrealistisch ist diese Annahme deswegen, weil die Aktiengesellschaft durch die verstärkte Nachfrage nach eigenen Aktien den Kaufpreis selbst in die Höhe treibt. Da allerdings laut Aufgabenstellung lediglich der mindestens aufzuwendende Teilbetrag anzugeben ist, kann vereinfachend ein konstanter Kaufpreis für alle Aktien (70 EUR/Stück als Untergrenze) unterstellt werden. Unter dieser Voraussetzung ergibt sich die Anzahl zurückzukaufender Aktien wie folgt: Einlagenfinanzierung 45 Mindestanzahl zurückzukaufender Aktien = 44444444 344444444 21 RückkaufsdesFolgealsAktieproBuchgewinn AktieproKaufpreisAktieproNennbetrag ragVerlustbethenderauszugleic − = Stück250.000==− EUR/Stück40 EURMio.10 EUR/Stück70EUR/Stück110 EURMio.10 Aufzubringende liquide Mittel = Anzahl der zurückzukaufenden Aktien · Kaufpreis/Stück = EUR/Stück70Stück250.000 ⋅ = 17,5 Mio. EUR Die Aktiengesellschaft muss mindestens 17,5 Mio. EUR an liquiden Mitteln aufwenden, um den entstandenen Verlustvortrag buchmäßig durch den Rückkauf eigener Aktien zu beseitigen. Teilaufgabe b) Annahmegemäß erfolgt ein Rückkauf von eigenen Aktien zum Börsenkurs (= Kaufpreis) von 70 EUR/Stück im Gesamtbetrag von 21 Mio. EUR (= Höhe der zur Verfügung stehenden liquiden Mittel). Anzahl der gekauften und zu vernichtenden Aktien = AktieproKaufpreis Mittelliquideeverwendbar = EUR/Stück70 EUR21.000.000 = 300.000 Stück In einem ersten Schritt ist zunächst der Erwerb der eigenen Aktien bilanziell zu erfassen: - Die erworbenen eigenen Aktien dürfen nicht als Vermögensgegenstände aktiviert werden, sondern sind als Korrekturposten zum Eigenkapital zu behandeln. Dazu ist der Nennbetrag der erworbenen eigenen Anteile in der Vorspalte offen von dem Eigenkapitalposten „Gezeichnetes Kapital“ abzusetzen (§ 272 Abs. 1a Satz 1 HGB). - Der Unterschiedsbetrag zwischen dem Nennbetrag der zur Einziehung erworbenen eigenen Aktien und ihrem Kaufpreis (Anschaffungskosten der eigenen Anteile) ist mit den frei verfügbaren Rücklagen (insbesondere den anderen Gewinnrücklagen) zu verrechnen (§ 272 Abs. 1a Satz 2 HGB). Etwaige Aufwendungen, die Anschaffungsnebenkosten darstellen, sind als Aufwand des Geschäftsjahres zu berücksichtigen (§ 272 Abs. 1a Satz 3 HGB). Gemäß den vorstehenden Überlegungen stellt sich der bilanzielle Ausweis des Erwerbs der eigenen Aktien zum Zweck der Einziehung wie folgt dar: 46 Finanzierung in Übungen Eigene Anteile (zur Einziehung bestimmt 5) 21 Mio. EUR Liquide Mittel 21 Mio. EUR (Bank) Der Gesamtnennwert der eigenen Aktien, die „vernichtet“ werden und somit zur Kapitalherabsetzung genutzt werden, und der Buchgewinn aus dem Rückkauf ermitteln sich wie folgt: Anzahl eingezogener Aktien · Nennwert pro Aktie = 300.000 Stück · 110 EUR/Stück = 33 Mio. EUR Buchgewinn aus dem Rückkauf = Gesamtnennwert – Gesamtkaufpreis eigener Anteile = 33 Mio. EUR – 21 Mio. EUR = 12 Mio. EUR Nennbetrag eigene Anteile (Vorspalte zum Gezeichneten Kapital) 33 Mio. EUR Andere Gewinnrücklagen 12 Mio. EUR Eigene Anteile (zur Einziehung bestimmt) 21 Mio. EUR Damit ergibt sich für die XYZ-AG zunächst das folgende Bilanzbild: Aktiva verkürzte Bilanz der XYZ-AG nach dem Rückkauf eigener Aktien zum Zweck der Einziehung (in TEUR) Passiva Vermögen darunter: 179.000 Gezeichnetes Kapital 80.000 − Nennbetrag eig. Ant. − 33.000 1 47.000 liquide Mittel 0 andere Gewinnrücklagen 12.000 Verlustvortrag − 10.000 Jahresüberschuss 0 Verbindlichkeiten 130.000 179.000 179.000 1 Nennbetrag eig. Ant.: 300.000 Stück · 110 EUR/Stück = 33.000.000 EUR In einem zweiten Schritt ist nunmehr die Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien durchzuführen und der Verlustvortrag auszugleichen. 5 Dieses Konto dient lediglich der internen Verrechnung; es erfolgt keine Aktivierung der eigenen Anteile. Einlagenfinanzierung 47 Das erfordert (1) die endgültige Herabsetzung des Gezeichneten Kapitals um den Nennbetrag der zurückerworbenen eigenen Aktien („Vernichtung der eigenen Aktien“), (2) die Auflösung der aus dem Erwerb der eigenen Aktien gebildeten anderen Gewinnrücklagen und (3) die Einstellung des nicht zur Verlustabdeckung benötigten Betrags, der aus der Kapitalherabsetzung gewonnen wurde, in die Kapitalrücklage. Mit der Auflösung der anderen Gewinnrücklagen wird der erzielte Buchgewinn aus der Kapitalherabsetzung mit dem Verlustvortrag in der Ergebnisverwendungsrechnung zusammengeführt. Gemäß § 240 Satz 1 AktG ist der aus der Kapitalherabsetzung gewonnene Betrag (Rücklagenauflösung) in der Gewinn- und Verlustrechnung als „Ertrag aus der Kapitalherabsetzung“ gesondert hinter dem Posten „Entnahmen aus Gewinnrücklagen“ auszuweisen. Im Beispiel übersteigt der Buchgewinn aus der Kapitalherabsetzung (12 Mio. EUR) den Verlustvortrag (10 Mio. EUR) um 2 Mio. EUR. Dieser Betrag ist – ebenfalls im Zuge der Ergebnisverwendung – in die Kapitalrücklage einzustellen. Die Begründung hierfür ergibt sich aus § 240 Satz 3 AktG. Dieser sieht als zulässige Verwendungsmöglichkeiten für den aus einer Kapitalherabsetzung und aus der Auflösung von Gewinnrücklagen gewonnenen Betrag allein den Ausgleich von Wertminderungen, die Deckung sonstiger Verluste und die Einstellung in die Kapitalrücklage vor. Die Einstellung in die Kapitalrücklage nach § 229 Abs. 1 AktG und § 232 AktG ist gemäß § 240 Satz 2 AktG als „Einstellung in die Kapitalrücklage nach den Vorschriften über die vereinfachte Kapitalherabsetzung“ gesondert in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen. Die zugehörigen Buchungen lauten wie folgt: (1) Vernichtung der eigenen Anteile (Kapitalherabsetzung) Gezeichnetes Kapital 33 Mio. EUR Nennbetrag eigene Anteile (Vorspalte zum Gezeichneten Kapital) 33 Mio. EUR (2) Auflösung der anderen Gewinnrücklagen Andere Gewinnrücklagen 12 Mio. EUR Ertrag aus der Kapitalherabsetzung 12 Mio. EUR 48 Finanzierung in Übungen Fortführung der Gewinn- und Verlustrechnung gemäß § 158 Abs. 1 AktG i. V. m. § 240 Satz 1–2 AktG: Jahresüberschuss 0 Mio. EUR − Verlustvortrag aus dem Vorjahr − 10 Mio. EUR + Ertrag aus der Kapitalherabsetzung + 12 Mio. EUR − Einstellung in die Kapitalrücklage − 2 Mio. EUR = Bilanzgewinn 0 Mio. EUR (3) Einstellung in die Kapitalrücklage Einstellung in die Kapitalrücklage 2 Mio. EUR Kapitalrücklage 2 Mio. EUR Damit ergibt sich für die XYZ-AG abschließend das folgende Bilanzbild: Aktiva verkürzte Bilanz der XYZ-AG nach der buchtechnischen Sanierung im Wege der Einziehung von Aktien (in TEUR) Passiva Vermögen 179.000 Gezeichnetes Kapital 47.000 darunter: Kapitalrücklage 2.000 liquide Mittel 0 andere Gewinnrücklagen 0 Bilanzgewinn 0 Verbindlichkeiten 130.000 179.000 179.000

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