10 Die Gewinnung von Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul, Gerd Waschbusch

Finanzierung in Übungen, page 294 - 349

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4724-8, ISBN online: 978-3-8006-4725-5, https://doi.org/10.15358/9783800647255_294

Series: Vahlens Übungsbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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10 Die Gewinnung von Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 10.1 Jahresabschlussanalyse: Grundlagen, Informationsaufbereitung und Methoden Aufgabe 10.1: Aufgaben der externen Rechnungslegung Nennen und erläutern Sie die Aufgaben, die der externen Rechnungslegung im Rahmen der Jahresabschlusserstellung zufallen! Lösung: Der externen Rechnungslegung werden im Rahmen der Jahresabschlusserstellung insbesondere die folgenden drei Aufgaben zugewiesen: 1. Die Aufgabe der Dokumentation: Das Instrument der Dokumentation ist die Finanzbuchhaltung. Sie dient der systematischen und grundsätzlich unveränderbaren Erfassung des wirtschaftlichen Geschehens in einem Unternehmen. Darüber hinaus bietet sie die Möglichkeit der nachträglichen Rekonstruktion des wirtschaftlichen Unternehmensgeschehens. 2. Die Aufgabe der Erfolgsermittlung: Hinsichtlich der Erfolgsermittlung stehen sich in Unternehmen Personen mit einem positiven Zahlungsbemessungsinteresse sowie Personen mit einem negativen Zahlungsbemessungsinteresse gegenüber. Letztere – zu ihnen gehören beispielsweise Gläubiger – erwarten von dem Unternehmen Zahlungen in Form von Zinsen und Tilgungen, und zwar unabhängig von der jeweiligen Erfolgssituation des Unternehmens. Dagegen haben Personen, die am Erfolg des Unternehmens partizipieren (bspw. Anteilseigner), ein positives Zahlungsbemessungsinteresse. Daher ist eine der wichtigsten Aufgaben der externen Rechnungslegung die periodengerechte Erfolgsermittlung. 268 Finanzierung in Übungen 3. Die Aufgabe der Informationsvermittlung: Die Jahresabschlussadressaten werden im Rahmen der externen Rechnungslegung eines Unternehmens darüber informiert, ob und in welchem Umfang in der vergangenen Periode die von dem Unternehmen prognostizierten finanziellen Unternehmensziele erreicht wurden und welche Perspektiven das Unternehmen für die kommenden Perioden besitzt. Ein großes Problem dieser Informationsvermittlung besteht allerdings in den unterschiedlichen, zum Teil gegenläufigen Informationsinteressen der einzelnen Jahresabschlussadressaten, die es in der Regel unmöglich machen, alle (Informations-)Ansprüche mit einem einzigen Jahresabschluss befriedigen zu können. Aufgabe 10.2: Arten der Jahresabschlussanalyse Systematisieren Sie anhand einer Grafik die verschiedenen Arten der Jahresabschlussanalyse! Lösung: Jahresabschlussanalyse ausgewertete Informationen interne Jahresabschlussanalyse externe Jahresabschlussanalyse Adressaten qualitative Jahresabschlussanalyse quantitative Jahresabschlussanalyse finanzwirtschaftliche Analyse – finanzielle Stabilität und Solidität des Unternehmens – Vermögensstruktur-, Kapitalstruktur- und Liquiditätsanalyse erfolgswirtschaftliche Analyse – derzeitige Ertragslage und zukünftige Ertragskraft – Aufwands- und Ertragsstrukturanalyse sowie Rentabilitätsanalyse Abbildung 32: Arten der Jahresabschlussanalyse Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 269 Aufgabe 10.3: Zwecksetzung und Schema einer Strukturbilanz a) Erläutern Sie die Zwecksetzung und das Grundschema einer Strukturbilanz! b) Entwickeln Sie ein detailliertes Schema einer Strukturbilanz für den Einzelabschluss eines Unternehmens! Lösung: 65 Teilaufgabe a) Im Rahmen der Zielsetzung und der Aufgabenerfüllung der Jahresabschlussanalyse bildet die Strukturbilanz als aufbereitete und umgestaltete Originalbilanz die Grundlage für wichtige weitere jahresabschlussanalytische Untersuchungen. Hinsichtlich der Erstellung und Aufbereitung der Strukturbilanz existieren keine verbindlichen Regelungen. Allerdings erscheint es zweckmäßig, die einzelnen Posten der Aktivseite und der Passivseite der Originalbilanz in die Kategorien - jahresabschlussanalytisches Anlagevermögen, - jahresabschlussanalytisches Umlaufvermögen, - jahresabschlussanalytisches Eigenkapital sowie - jahresabschlussanalytisches Fremdkapital zu gliedern. Teilaufgabe b) Eine allgemeine detaillierte Aufschlüsselung einer Strukturbilanz für den Einzelabschluss eines Unternehmens geben die nachfolgenden Abbildungen – getrennt für Aktiva und Passiva – wieder: 65 Zu den nachfolgenden Ausführungen vgl. vertiefend Küting, Karlheinz; Weber, Claus- Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 81–104. 270 Finanzierung in Übungen Strukturbilanz – Aktiva A. Jahresabschlussanalytisches Anlagevermögen I. Immaterielle Vermögensgegenstände (abzüglich aktivierter Geschäfts- oder Firmenwert aus den Einzelabschlüssen) II. Sachanlagen III. Finanzanlagen B. Jahresabschlussanalytisches Umlaufvermögen I. Vorräte (bei offener Absetzung abzüglich „erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen“) II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände III. Wertpapiere IV. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks V. Rechnungsabgrenzungsposten (abzüglich Disagio) C Rechnungsabgrenzungsposten D. Aktive latente Steuern E. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung Abbildung 33: Allgemeine Darstellung der Strukturbilanz für den Einzelabschluss eines Unternehmens nach HGB – Aktiva Erläuterungen zu einzelnen Positionen der Aktivseite der Strukturbilanz: - Geschäfts- oder Firmenwert: Der bislang mehrheitlich als Bilanzierungshilfe eingestufte entgeltlich erworbene (derivative) Geschäfts- oder Firmenwert wurde durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz qua Fiktion zum zeitlich begrenzt nutzbaren Vermögensgegenstand erhoben. 66 Der neue § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB sieht zwingend eine Aktivierungspflicht für den entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwert vor. Dieser ist in Höhe des Unterschiedsbetrags anzusetzen, „um den die für die Übernahme eines Unternehmens bewirkte Gegenleistung den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände des Unternehmens abzüglich der Schulden im Zeitpunkt der Übernahme übersteigt“. Trotz dieser mittlerweile gegebenen Aktivierungspflicht des entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwerts sollte dieser allerdings wegen seiner Eigenschaft als lediglich fingierter Vermögensgegenstand mit dem Eigenkapital saldiert werden. 66 Vgl. Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz; Petersen, Karl; Waschbusch, Gerd; Zwirner, Christian: Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz – Bilanzierung, Berichterstattung und Prüfung nach dem BilMoG, München 2009, S. 40. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 271 - Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen: Es existieren zwei Ausweisalternativen. Neben der offenen Absetzung von den Vorräten besteht die Möglichkeit eines Bruttoausweises in der Strukturbilanz (Passivseite der Strukturbilanz unter der Position „Verbindlichkeiten“). - Aktiver Rechnungsabgrenzungsposten: Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten wird für Zwecke der Jahresabschlussanalyse grundsätzlich in das jahresabschlussanalytische Umlaufvermögen umgegliedert. Das Disagio, welches auf dem Erfüllungsbetrag eines Darlehens rekurriert, ist ein Korrekturposten zur Passivseite und wird deshalb aus dem aktiven Rechnungsabgrenzungsposten ausgesondert und gegen das Eigenkapital verrechnet. - Aktive latente Steuern: Aktive latente Steuern sind als ein Sonderposten eigener Art einzustufen. 67 Aufgrund ihres fehlenden Charakters als Vermögensgegenstand sowie aufgrund des für aktive latente Steuern bestehenden Aktivierungswahlrechts (§ 274 Abs. 1 Satz 2 HGB) sollten diese gegen das Eigenkapital aufgerechnet werden, da bei ihrer Bildung das Eigenkapital entsprechend erhöht wurde. - Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung: § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB sieht die Verrechnung von Vermögensgegenständen mit Schulden aus Altersversorgungsverpflichtungen oder vergleichbaren langfristig fälligen Verpflichtungen für den Fall vor, dass diese Vermögensgegenstände im Falle einer Insolvenz des Unternehmens dem Zugriff aller Gläubiger mit Ausnahme der Gläubiger der Altersversorgungsverpflichtungen oder vergleichbarer langfristig fälliger Verpflichtungen entzogen sind und darüber hinaus ausschließlich der Erfüllung von Schulden aus Altersversorgungsverpflichtungen oder vergleichbaren langfristig fälligen Verpflichtungen dienen. Die gemäß dieser Vorschrift zu verrechnenden Vermögensgegenstände sind mit ihrem beizulegenden Zeitwert zu bewerten (§ 253 Abs. 1 Satz 4 HGB). § 246 Abs. 2 Satz 3 HGB trägt hierbei der Tatsache Rechnung, dass der beizulegende Zeitwert der zur Verrechnung vorgesehenen Vermögensgegenstände den Betrag der Schulden übersteigen kann. Trifft dies zu, ist der übersteigende Betrag auf der Aktivseite der Bilanz in einem gesonderten Posten auszuweisen. Mit diesem Aktivposten soll verdeutlicht werden, dass es sich bei dem Unter- 67 Vgl. Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz; Petersen, Karl; Waschbusch, Gerd; Zwirner, Christian: Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz – Bilanzierung, Berichterstattung und Prüfung nach dem BilMoG, München 2009, S. 123. 272 Finanzierung in Übungen schiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung nicht um einen Vermögensgegenstand im handelsrechtlichen Sinn handelt, sondern vielmehr um einen Verrechnungsposten, der zudem nach § 268 Abs. 8 HGB ausschüttungsgesperrt ist. Aus diesem Grunde sollte für jahresabschlussanalytische Zwecke in einer Strukturbilanz vom Ansatz eines solchen Postens abgesehen werden. Strukturbilanz – Passiva A. Jahresabschlussanalytisches Eigenkapital gezeichnetes Kapital (abzüglich nicht eingeforderte ausstehende Einlagen) (abzüglich Nennwert/rechnerischer Wert erworbener eigener Anteile) + Kapitalrücklage + Gewinnrücklagen (evtl. abzüglich „Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen“) − Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs − aktivierter Geschäfts- oder Firmenwert (aus den Einzelabschlüssen) − Disagio − aktive latente Steuern + passive latente Steuern − nicht ausgewiesene Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen + Aufwandsrückstellungen + 66⅔ % der Baukostenzuschüsse + 60 % der Sonderposten für Investitionszuschüsse im Anlagevermögen + Sonderposten für Investitionszulagen im Anlagevermögen Berücksichtigung der Gewinnverwendung: a) vor erfolgter Gewinnverwendung ± Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag ± Gewinnvortrag/Verlustvortrag − auszuschüttender Betrag b) nach teilweiser oder vollständiger Gewinnverwendung ± Bilanzgewinn/Bilanzverlust − auszuschüttender Betrag B. Jahresabschlussanalytisches Fremdkapital 33⅓ % der Baukostenzuschüsse + 40 % der Sonderposten für Investitionszuschüsse im Anlagevermögen + auszuschüttender Betrag + Rückstellungen aus der Bilanz (abzüglich Aufwandsrückstellungen) + nicht ausgewiesene Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen + Verbindlichkeiten (bei nicht offener Absetzung einschl. „erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen“) + Rechnungsabgrenzungsposten kurzfristig = vor Ablauf eines Jahres fällig mittelfristig = Fälligkeit zwischen einem und fünf Jahren langfristig = nach Ablauf von fünf Jahren fällig Abbildung 34: Allgemeine Darstellung der Strukturbilanz für den Einzelabschluss eines Unternehmens nach HGB – Passiva Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 273 Erläuterungen zu einzelnen Positionen der Passivseite der Strukturbilanz: - Eigene Anteile Die Behandlung des Kaufs und Verkaufs eigener Anteile ist in § 272 Abs. 1a und Abs. 1b HGB geregelt. Mit dem § 272 Abs. 1a HGB wurde durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz ein neuer Absatz in das Handelsgesetzbuch eingefügt, der rechtsformunabhängige Vorschriften zur handelsbilanziellen Erfassung eigener Anteile beinhaltet. Es wird nun nicht mehr zwischen eigenen Aktien und eigenen Anteilen unterschieden, um so dem wirtschaftlichen Gehalt des Rückkaufs bzw. der Wiederver- äußerung eigener Anteile Rechnung zu tragen. Zurückgekaufte eigene Anteile werden seit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz auf der Passivseite der Bilanz in Höhe ihres Nennbetrags bzw. in Höhe ihres rechnerischen Werts in der Vorspalte offen vom „Gezeichneten Kapital“ abgesetzt (§ 272 Abs. 1a Satz 1 HGB). Sie stellen damit einen Korrekturposten zum „Gezeichneten Kapital“ dar und sind deshalb bei der Ermittlung des jahresabschlussanalytischen Eigenkapitals als Abzugsposition zu berücksichtigen. - Bilanzgewinn: Der zur Ausschüttung vorgesehene Teil des Bilanzgewinns wird aus dem Eigenkapital in das Fremdkapital umgegliedert, da er vom Charakter her Ähnlichkeiten mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten aufweist. - Baukostenzuschüsse: Auch bei den Baukostenzuschüssen handelt es sich um einen Mischposten, der sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalanteile enthält. Für die Strukturbilanz wird allgemein die Aufteilung im Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel auf das Eigenkapital und das langfristige Fremdkapital empfohlen. - Sonstige Zuschüsse und Zulagen: Sofern es sich um steuerfreie Investitionszulagen handelt, können diese in voller Höhe in das jahresabschlussanalytische Eigenkapital umgegliedert werden. Handelt es sich hingegen um steuerpflichtige Investitionszuschüsse, für die beim Bruttoausweis ein Passivposten „Sonderposten für Investitionszuschüsse im Anlagevermögen“ gebildet wurde, wird hier aufgrund des zu erwartenden Steuerabflusses die Aufteilung Eigen- zu Fremdkapital im Verhältnis 60 zu 40 empfohlen. 274 Finanzierung in Übungen - Pensionsrückstellungen: Unmittelbare Pensionsverpflichtungen, die nach dem 31.12.1986 gewährt wurden, sind als langfristig anzusehendes Fremdkapital in den Bilanzen offen auszuweisen und damit Bestandteil des jahresabschlussanalytischen Fremdkapitals. Für mittelbare Pensionsverpflichtungen, Pensionszusagen oder Anwartschaften, die vor diesem Zeitpunkt gewährt wurden, besteht für Kapitalgesellschaften ein Passivierungswahlrecht. Wird von der Möglichkeit der Nichtpassivierung Gebrauch gemacht, besteht allerdings die Verpflichtung, die Summe der in der Bilanz nicht ausgewiesenen Rückstellungen für laufende Pensionen und ähnliche Verpflichtungen im Anhang anzugeben. In diesem Fall ist der im Anhang ausgewiesene Betrag vom jahresabschlussanalytischen Eigenkapital abzuziehen und dem jahresabschlussanalytischen Fremdkapital zuzurechnen. - Aufwandsrückstellungen: Im Rahmen der externen Jahresabschlussanalyse lässt sich der Posten „Aufwandsrückstellungen“ aufgrund in der Regel fehlender detaillierter Angaben nicht vom Fremdkapital in das Eigenkapital umgliedern. Liegen jedoch genaue Angaben zum Charakter der Aufwandsrückstellungen vor, ist es eine Einzelfallentscheidung, die Aufwandsrückstellungen entweder dem jahresabschlussanalytischen Eigenkapital oder dem jahresabschlussanalytischen Fremdkapital zuzuordnen. - Passiver Rechnungsabgrenzungsposten: Der passive Rechnungsabgrenzungsposten wird dem (kurzfristigen) jahresabschlussanalytischen Fremdkapital zugeordnet. - Passive latente Steuern: Passive latente Steuern werden aus dem Fremdkapital in das jahresabschlussanalytische Eigenkapital umgegliedert, da bei ihrer Bildung das Eigenkapital entsprechend gemindert wurde. Aufgabe 10.4: Schema zur Analyse der Ergebnisquellen einer GuV-Rechnung nach dem Gesamtkostenverfahren Entwickeln Sie für eine Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren ein Schema zur Analyse der Ergebnisquellen, wobei Sie die in § 275 Abs. 2 HGB enthaltene Postennummerierung verwenden! Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 275 Lösung: Schema zur Analyse der Ergebnisquellen einer Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren: Ergebnisquelle Berechnung Betriebsergebnis (-erfolg) (= GuV-Pos. 1 +/– 2 + 3 + 4 – 5 – 6 – 7 – 8) Finanzergebnis (-erfolg) (= GuV-Pos. 9 + 10 + 11 – 12 – 13) Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (= GuV-Pos. 14) außerordentliches Ergebnis (= GuV-Pos. 17 = GuV-Pos. 15 – 16) Jahresergebnis (-erfolg) vor Steuern (= GuV-Pos. 14 + 17) Steuern (= GuV-Pos. 18 + 19) Jahresergebnis (-erfolg) nach Steuern (Jahresüberschuss/-fehlbetrag) (= GuV-Pos. 20) hier: Umsatzerlöse + Bestandserhöhungen – Bestandsverminderungen + andere aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge – Materialaufwand – Personalaufwand – Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen sowie auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen übersteigen – sonstige betriebliche Aufwendungen hier: Erträge aus Beteiligungen + Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens + sonstige Zinsen und ähnliche Erträge – Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens – Zinsen und ähnliche Aufwendungen hier: Betriebsergebnis + Finanzergebnis hier: außerordentliche Erträge – außerordentliche Aufwendungen hier: Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit + außerordentliches Ergebnis hier: Steuern vom Einkommen und vom Ertrag + sonstige Steuern hier: Jahresergebnis (-erfolg) vor Steuern – Steuern Abbildung 35: Schema zur Analyse der Ergebnisquellen einer Gewinnund Verlustrechnung nach dem Gesamtkostenverfahren 276 Finanzierung in Übungen Aufgabe 10.5: Begriffsbestimmung „Kennzahl“ und „Kennzahlensystem“ Im Rahmen der traditionellen Jahresabschlussanalyse nimmt die Kennzahlenrechnung einen hohen Stellenwert ein. Was versteht man in diesem Zusammenhang a) unter einer Kennzahl sowie b) unter einem Kennzahlensystem? Lösung: Teilaufgabe a) Einzelne Kennzahlen erlauben es, komplizierte Sachverhalte und Prozesse stark vereinfacht und damit in konzentrierter Form darzustellen. Damit dienen sie als Entscheidungshilfe bei der Lösung von Problemen verschiedenster Art. Es wird zwischen absoluten und relativen Kennzahlen unterschieden. Letztere werden wiederum in Gliederungs-, Beziehungs- und Indexzahlen unterteilt. Teilaufgabe b) Unter einem Kennzahlensystem versteht man die Gesamtheit von auf logisch deduktivem Wege geordneten Kennzahlen, die betriebswirtschaftlich sinnvolle Aussagen über Unternehmen und/oder ihre Teile ermöglichen. Dabei können einzelne Kennzahlen miteinander verknüpft (z. B. Du Pont-Kennzahlensystem) oder in einem Ordnungssystem gegliedert sein. 10.2 Die finanzwirtschaftliche Analyse Aufgabe 10.6: Handelsrechtliche Aktivierungs- und Passivierungswahlrechte Im Rahmen der handelsrechtlichen Rechnungslegung werden den Bilanzierenden Wahlrechte (u. a. im Bereich der Aktivierung und Passivierung) eingeräumt, die jahresabschlusspolitisch genutzt werden können und somit jahresabschlussanalytische Relevanz besitzen. Nennen Sie typische handelsrechtliche Aktivierungs- und Passivierungswahlrechte! Was sind die Alternativen zur Aktivierung bzw. Passivierung? Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 277 Lösung: Handelsrechtliche Aktivierungswahlrechte: - Wahlrecht zur Bildung eines Aktivpostens für bestimmte selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (§ 248 Abs. 2 Satz 1 HGB) zu Herstellungskosten i. S. d. § 255 Abs. 2a HGB, - Wahlrecht zur Aktivierung des Unterschiedsbetrags zwischen dem Rückzahlungsbetrag einer Verbindlichkeit und ihrem niedrigeren Ausgabebetrag (Disagio) (§ 250 Abs. 3 Satz 1 HGB), - Wahlrecht zur Bildung eines Aktivpostens für aktive latente Steuern (§ 274 Abs. 1 Satz 2 HGB). Handelsrechtliche Passivierungswahlrechte: - Wahlrecht zur Passivierung von Rückstellungen für vor dem 01.01.1987 erteilte unmittelbare Pensionszusagen (sog. Altzusagen) einschließlich deren Erhöhung nach dem 31.12.1986 (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 EGHGB), - Wahlrecht zur Passivierung von Rückstellungen für mittelbare Verpflichtungen aus Pensionszusagen sowie für pensionsähnliche Verpflichtungen (Art. 28 Abs. 1 Satz 2 EGHGB). Die Alternative zu einer Aktivierung ist die zum gleichen Zeitpunkt vorgenommene Verrechnung eines entsprechenden Aufwandsbetrags; die Alternative zu einer Passivierung ist die spätere Verrechnung eines entsprechenden Aufwandsbetrags. Aufgabe 10.7: Jahresabschlusspolitische Beeinflussung der Höhe des Anlage- und Umlaufvermögens a) Was verstehen Sie unter der Intensität des Anlagevermögens und der Intensität des Umlaufvermögens? b) Welche jahresabschlusspolitischen Maßnahmen können Sie sich vorstellen, die die Intensität des Anlagevermögens senken und gleichzeitig die Intensität des Umlaufvermögens erhöhen? Lösung: Teilaufgabe a) Die beiden jahresabschlussanalytischen Kennziffern „Intensität des Anlagevermögens“ und „Intensität des Umlaufvermögens“ dienen dazu, bestimm- 278 Finanzierung in Übungen te Positionen (Strukturen) des Vermögens eines Unternehmens sowie deren Veränderungen im Zeitablauf abzubilden. Sie lassen sich wie folgt formulieren: eBilanzsumm ögenAnlagevermögensAnlagevermdesIntensität = eBilanzsumm ögenUmlaufvermögensUmlaufvermdesIntensität = Teilaufgabe b) Als jahresabschlusspolitische Maßnahmen, die das Anlagevermögen senken und gleichzeitig das Umlaufvermögen erhöhen, kommen beispielsweise in Frage: - die Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen oder betriebsnotwendigen Anlagegegenständen, im letzteren Fall allerdings nur sinnvoll in Verbindung mit einem gleichzeitigen Abschluss eines Leasing-Vertrags, der die Weiternutzung der betriebsnotwendigen Anlagegegenstände sicherstellt (sog. Sale-and-Lease-back-Verfahren), - die Umwidmung von zur Veräußerung vorgesehenen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens in das Umlaufvermögen, - die Zurückstellung geplanter Anschaffungen im Anlagevermögen, die zu einer Beibehaltung der Umlaufvermögensposition nach § 266 Abs. 2 HGB B. IV. „Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks“ führt (zeitliche Verschiebung eines grundsätzlich geplanten Aktivtauschs). Aufgabe 10.8: Systematisierung der Methoden der Liquiditätsanalyse Wesentlicher Bestandteil der finanzwirtschaftlichen Analyse ist die Beurteilung der Liquiditätslage eines Unternehmens. Entwickeln Sie anhand einer Grafik eine Systematik der Methoden der Liquiditätsanalyse! Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 279 Lösung: Liquiditätsanalyse Analyse anhand sonstiger Daten bestandsgrößenorientierte Analyse (Bilanzstrukturanalyse) finanzwirtschaftliche Jahresabschlussanalyse stromgrößenorientierte Analyse kombinierte Analyse Vertikalstrukturanalyse Horizontalstrukturanalyse operative Cashflow- Analyse Kapitalflussrechnung BAV- Bonitätsregeln Bayer- Formel Vermögensstrukturanalyse Kapitalstrukturanalyse langfristige Deckungsgrade kurzfristige Liquiditätsgrade Abbildung 36: Methoden der Liquiditätsanalyse 68 Die BAV-Bonitätsregeln wurden einst vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) 69 entwickelt, um bei der Kreditvergabe von Versicherungsunternehmen die Bonität der Darlehensnehmer zu beurteilen. Inzwischen wurden diese Bonitätsregeln durch einen sog. Kreditleitfaden abgelöst, dessen Grundlage bilanzielle Kennzahlen bilden. Durch eine Modifikation der BAV-Bonitätsregeln wurde die sog. Bayer- Formel entwickelt. Unter Heranziehung dieser Bonitätsregel konnten sich 68 Abbildung modifiziert entnommen aus Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 121. 69 Das BAV wurde mit Wirkung zum 01.05.2002 in die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) integriert. 280 Finanzierung in Übungen Versicherungsunternehmen an einer damals begebenen Anleihe der Bayer AG auch ohne dingliche Absicherung beteiligen. 70 10.3 Die erfolgswirtschaftliche Analyse Aufgabe 10.9: Interpretation der Entwicklung einzelner erfolgswirtschaftlicher Kennzahlen Interpretieren Sie die nachfolgend dargestellte Entwicklung einzelner erfolgswirtschaftlicher Kennzahlen! a) Die Materialaufwandsquote ist im Betriebsvergleich sehr hoch. b) Die Abschreibungsaufwandsquote steigt bei fallender Gesamtleistung. c) Die Personalaufwandsquote fällt, gleichzeitig steigt die Abschreibungsaufwandsquote. Lösung: Teilaufgabe a) Eine im Betriebsvergleich sehr hohe Materialaufwandsquote kann ein Hinweis für bestehende Unwirtschaftlichkeiten im Betriebsablauf sein. Teilaufgabe b) Eine steigende Abschreibungsaufwandsquote bei fallender Gesamtleistung kann daraus resultieren, dass in früheren Perioden vorgenommene Investitionen die Unternehmenskapazität nicht erhöht haben und daher auch nicht ertragswirksam sind. Allerdings ist bei der Abschreibungsaufwandsquote zu beachten, dass sie durch jahresabschlusspolitische Maßnahmen beeinflusst wird und deshalb zu ungenauen Ergebnissen führen kann. 70 Zur inhaltlichen Ausgestaltung der BAV-Bonitätsregeln sowie der Bayer-Formel vgl. Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz: Investitions- und Finanzierungsmanagement, Band III: Finanzwirtschaftliche Entscheidungen, München 2000, S. 35; Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 211–212. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 281 Teilaufgabe c) Fällt die Personalaufwandsquote, während die Abschreibungsaufwandsquote steigt, könnte dies ein Hinweis auf durchgeführte Rationalisierungsmaßnahmen in dem Unternehmen sein. In diesem Fall wäre der Automatisierungsgrad in dem Unternehmen gestiegen und menschliche Arbeit durch maschinelle Arbeitsleistung ersetzt worden. Aufgabe 10.10: Grenzen der Kennzahlenrechnung Die Jahresabschlussanalyse mit Hilfe von Kennzahlen ist ein in der Praxis oft verwendetes Hilfsmittel der Unternehmensbeurteilung. Es ist daher für den Jahresabschlussanalysten wichtig, die Grenzen der Kennzahlenrechnung zu kennen, um mögliche Fehlbeurteilungen zu vermeiden. Wo liegen die Grenzen der Kennzahlenrechnung? Lösung: 71 - Insbesondere bei stichtagsbezogenen Kennzahlen der Vermögensstrukturund Liquiditätsanalyse besteht das Problem, dass die auf Basis der Bilanz aufgestellten Kennziffern veraltet bzw. überholt sind. Neben der Vergangenheitsorientierung verschärft sich dieses Problem zusätzlich durch die Zeitspanne, die zwischen dem Jahresabschlussstichtag und dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses liegt. - Eine reine quantitative Kennzahlenbetrachtung ist immer unvollständig, da qualitative Informationen, wie z. B. die Qualität des Managements, nicht berücksichtigt werden. In der Kennzahlenrechnung fehlen außerdem beispielsweise Informationen über freie Kreditlinien, über Abnahme- und Lieferkontraktverpflichtungen sowie über schwebende Geschäfte 72, da im handelsrechtlichen Jahresabschluss nur solche Geschäftsvorfälle erfasst werden, die aufgrund begonnener oder abgeschlossener Transaktionen die Vermögens-, Finanz- und/oder Ertragslage des Unternehmens berühren. - Ein weiteres Problem der Kennzahlenrechnung liegt in der Tatsache begründet, dass die Aufstellung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses in der Regel zweckorientiert erfolgt. Daher ist es für die Analyse unerläss- 71 Zu den nachfolgenden Ausführungen vgl. Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz; Waschbusch, Gerd: Externes Rechnungswesen, 6. Aufl., München 2012, S. 381−384 und Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 74–80. 72 Falls aus dem Abschluss schwebender Geschäfte Verluste drohen, ist handelsrechtlich eine entsprechende Rückstellung zu bilden (vgl. § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB). 282 Finanzierung in Übungen lich, nach dem Bewertungszweck zu fragen, um eine Grundtendenz – beispielsweise eine konservative oder progressive Bewertung – feststellen zu können. - Der große Vorteil einzelner Kennzahlen, beispielsweise die starke Komprimierung komplexer Sachverhalte in einer Zähler- und/oder Nennergröße, ist gleichzeitig aber auch ihr Nachteil. Wichtige Erkenntnisse können dadurch verloren gehen. Abhilfe kann ein sogenanntes Kennzahlensystem liefern, das eine einzelne Kennzahl in ihre Bestandteile aufschlüsselt (z. B. Du Pont-Kennzahlensystem). - Die Bilanz als Stichtagsrechnung stellt immer nur eine Momentaufnahme des Unternehmensgeschehens dar. Mit Hilfe jahresabschlusspolitischer Instrumente kann die Stichtagsrechnung zielorientiert gestaltet werden. Beispiele hierfür sind die Verlegung von Zahlungsterminen, die kurzfristige Aufnahme von Krediten, die Gestaltung von Verrechnungspreisen im Konzernverbund sowie Sale-and-Lease-back-Geschäfte. 10.4 Die Analyse des operativen Cashflow Aufgabe 10.11: Charakterisierung des operativen Cashflow Beschreiben Sie die finanzwirtschaftliche Größe „operativer Cashflow“ mit Hilfe ihrer charakteristischen Merkmale! Lösung: Die Beschreibung des operativen Cashflow kann durch folgende drei Merkmale erfolgen: 1. Der operative Cashflow wird aus der Geschäftstätigkeit des Unternehmens („aus eigener Kraft“) erwirtschaftet. Er stellt Informationen über die durch den Geschäftsbetrieb des Unternehmens herbeigeführten Zahlungsströme, also die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens, bereit. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass dem Unternehmen im betrachteten Zeitraum in Höhe des operativen Cashflow weder Mittel von außen noch durch Vermögensabbau (Desinvestitionen) zugeführt wurden. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 283 2. Der operative Cashflow ist eine Nettogröße (finanzwirtschaftliche Überschussgröße), d. h., insbesondere die laufenden zahlungswirksamen betrieblich bedingten Aufwendungen sind bereits abgezogen. 3. Der operative Cashflow ist eine finanzwirtschaftliche Strömungsgröße, d. h. eine in einem bestimmten Zeitraum festgestellte Größe des Betriebsprozesses. Er ist keine zeitpunktbezogene Bestandsgröße, da er grundsätzlich am Ende des Betrachtungszeitraums nicht mehr (in voller Höhe) zur Verfügung steht. Damit liefert die Kennzahl „operativer Cashflow“ Informationen über die Innenfinanzierungskraft des Unternehmens während eines bestimmten Zeitraums (bspw. eines Geschäftsjahrs). Aufgabe 10.12: Aussagegehalt des operativen Cashflow Als Abteilungsleiter berichten Sie über die vergangene Teamsitzung, in der es u. a. auch um die beabsichtigte Steigerung des operativen Cashflow im kommenden Geschäftsjahr ging. Ein Mitarbeiter bittet Sie um die Erläuterung, was denn der operative Cashflow eigentlich aussagt. Lösung: Der operative Cashflow, für den sich bisher noch keine einheitliche Definition und kein einheitliches Berechnungsschema herausgebildet hat, gibt an, welcher Betrag an liquiden Mitteln ohne externe Zuführung aus Einlagen- und Kreditfinanzierung dem Unternehmen zur Durchführung von Investitionen, zur Tilgung von Verbindlichkeiten, für Gewinnausschüttungen und zur Erhöhung des Bestandes an liquiden Mitteln in der betrachteten Periode zur Verfügung gestanden hat. Dieser Betrag entspricht im Wesentlichen, d. h. mit Ausnahme der Finanzierung aus Vermögensumschichtung, dem im Rahmen der Innenfinanzierung erwirtschafteten Betrag. Insofern stellt der operative Cashflow auch einen Indikator für die Höhe der finanzwirtschaftlichen Unabhängigkeit eines Unternehmens dar. Aufgabe 10.13: Einsatzbereiche des operativen Cashflow Der operative Cashflow als stromgrößenorientierte Liquiditätskennzahl wird neben der Jahresabschlussanalyse auch in anderen Bereichen eingesetzt. Nennen Sie weitere Einsatzbereiche für den operativen Cashflow! 284 Finanzierung in Übungen Lösung: - Im Rahmen der empirischen Jahresabschlussanalyse finden Kennziffern zum operativen Cashflow ein breites Anwendungsfeld. Die Auswertung verschiedener Kennzahlen (z. B. die Cashflow-Rate = Cashflow ÷ Gesamtleistung bzw. Umsatz oder auch der dynamische Verschuldungsgrad = Fremdkapital ÷ Cashflow) ermöglicht es, mit Hilfe spezifischer moderner Analysemethoden (z. B. Künstliche Neuronale Netz-Analyse; KNNA) Aussagen über die finanzwirtschaftliche Lage (insb. die Liquiditätslage) von Unternehmen zu treffen. - Die Differenz aus den Fondszugängen und Fondsabgängen bei Kapitalflussrechnungen wird ebenfalls häufig als operativer Cashflow bezeichnet. - Mit Hilfe der sogenannten Discounted Cashflow-Methode wird in der Investitionsrechnung die Vorteilhaftigkeit von einzelnen Investitionsobjekten beurteilt bzw. zunehmend – neben der Unternehmenswertermittlung mit Hilfe der Ertragswertmethode – der Unternehmenswert bestimmt. - Als zukunftsorientierter Prognose-Cashflow für die Beurteilung der zukünftigen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens soll der operative Cashflow eine Grundlage für die Bestimmung der erforderlichen finanzwirtschaftlichen Anpassungsmaßnahmen darstellen (prospektive Berechnung des operativen Cashflow). Nur die über den operativen Cashflow nicht gedeckten Finanzierungsbeträge müssen von außen aufgebracht werden. Insoweit ist der operative Cashflow ein Indikator für das Ausmaß der finanzwirtschaftlichen Unabhängigkeit eines Unternehmens. Die Ermittlung eines Prognose-Cashflow ist allerdings nur unternehmensintern auf der Grundlage von Finanzplänen möglich. Aufgabe 10.14: Grundlagen der Berechnung des operativen Cashflow a) Grundsätzlich lässt sich der operative Cashflow direkt und/oder indirekt ermitteln. In beiden Verfahren muss die Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens in zahlungswirksame und zahlungsunwirksame Positionen aufgespalten werden. Nennen Sie Beispiele für 1. Aufwendungen bzw. Erträge, die in der betrachteten Periode zu Auszahlungen bzw. Einzahlungen geführt haben, und Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 285 2. Aufwendungen bzw. Erträge, die der periodengerechten Gewinnermittlung dienen, somit lediglich rechentechnischer Art sind und in der betrachteten Periode nicht zu Auszahlungen bzw. Einzahlungen geführt haben! b) Sowohl die indirekte als auch die direkte Methode der Ermittlung des operativen Cashflow müssen zum gleichen Ergebnis führen. Belegen Sie diese Aussage unter Zuhilfenahme der Definitionsgleichungen für den Jahreserfolg, die Erträge einer Periode und die Aufwendungen einer Periode! Lösung: Teilaufgabe a) 1. Aufwendungen bzw. Erträge, die in der betrachteten Periode zu Auszahlungen bzw. Einzahlungen geführt haben: - auszahlungswirksame Aufwendungen, z. B. Lohnzahlungen, Gewerbesteuerzahlungen, - einzahlungswirksame Erträge, z. B. Barverkäufe, Zinsertragszahlungen. 2. Aufwendungen bzw. Erträge, die der periodengerechten Gewinnermittlung dienen, somit lediglich rechentechnischer Art sind und in der betrachteten Periode nicht zu Auszahlungen bzw. Einzahlungen geführt haben: - nicht auszahlungswirksame Aufwendungen, z. B. Abschreibungen, Bestandsminderungen, Bildung von Rückstellungen, - nicht einzahlungswirksame Erträge, z. B. Zuschreibungen, erfolgswirksame Auflösung von Rückstellungen. Teilaufgabe b) Definitionsgleichung für den Jahreserfolg (Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag): [1] Jahreserfolg (Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag) = Erträge der Periode – Aufwendungen der Periode Definitionsgleichung für die Erträge einer Periode: [2] Erträge der Periode = einzahlungswirksame Erträge der Periode + nicht einzahlungswirksame Erträge der Periode 286 Finanzierung in Übungen Definitionsgleichung für die Aufwendungen einer Periode: [3] Aufwendungen einer Periode = auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode + nicht auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode Die Formel für die indirekte Ermittlung des operativen Cashflow lautet: [4] operativer Cashflow der Periode = Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag + nicht auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode – nicht einzahlungswirksame Erträge der Periode Mit Hilfe der Definitionsgleichungen [1], [2] und [3] kann die Formel [4] in die Formel für die direkte Ermittlung des operativen Cashflow umgeformt werden: [5] operativer Cashflow der Periode = Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag + nicht auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode – nicht einzahlungswirksame Erträge der Periode = Erträge der Periode – Aufwendungen der Periode + nicht auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode – nicht einzahlungswirksame Erträge der Periode = einzahlungswirksame Erträge der Periode + nicht einzahlungswirksame Erträge der Periode – (auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode + nicht auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode) + nicht auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode – nicht einzahlungswirksame Erträge der Periode = einzahlungswirksame Erträge der Periode – auszahlungswirksame Aufwendungen der Periode Aufgabe 10.15: Direkte/indirekte Ermittlung des operativen Cashflow Als Mitarbeiter des Firmenkundengeschäfts der Cash-Bank eG betreuen Sie auch das Unternehmen Flüssig AG. Nachfolgend sind die Bilanz der Flüssig AG zum 31.12.01, der dazugehörende Anlagespiegel sowie die GuV-Rechnung der Flüssig AG für den Zeitraum vom 01.01.01 bis zum 31.12.01 abge- Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 287 bildet (die fett gedruckten Einträge stellen Zwischensummen der Hauptpositionen dar). Bilanz der Flüssig AG zum 31.12.01 01 in TEUR 00 in TEUR 01 in TEUR 00 in TEUR Grundstücke und Gebäude 315.215 175.006 Gezeichnetes Kapital 480.000 480.000 technische Anlagen und Maschinen 1.112.224 733.606 Kapitalrücklage Gewinnrücklagen Jahresüberschuss 251.063 660.000 248.063 251.063 540.000 210.283 andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 60.758 36.920 Eigenkapital 1.639.126 1.481.346 Finanzanlagen 1.165.864 670.549 Anlagevermögen 2.654.061 1.616.081 Vorräte 597.141 384.413 Rückstellungen für 1.130.937 932.485 Pensionen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 670.689 477.184 sonstige Rückstellungen (davon kurzfristig) 664.518 (132.904) 552.159 (110.432) Forderungen an verbundene Unternehmen 149.897 127.872 Rückstellungen insgesamt 1.795.455 1.484.644 sonstige Vermögensgegenstände 385.158 235.761 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 160.203 27.538 Wertpapiere 314.022 448.485 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 49.336 4.897 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 419.397 261.260 Kassenbestand, Bankguthaben 298.114 579.061 Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 674.877 362.116 Umlaufvermögen 2.415.021 2.252.776 sonstige Verbindlichkeiten 333.098 250.237 aktivische RAP 2.410 3.181 Verbindlichkeiten insgesamt 1.636.911 906.048 Summe 5.071.492 3.872.038 Summe 5.071.492 3.872.038 288 Finanzierung in Übungen Entwicklung des Anlagevermögens der Flüssig AG (in TEUR): AHK 01.01.01 Zugänge Abgänge Abschreibungen (kumuliert) Buchwert 31.12.01 Abschreibungen des Geschäftsjahrs 01 Sachanlagen Grundstücke und Gebäude 580.524 167.558 12.230 420.637 315.215 25.843 technische Anlagen und Maschinen 4.016.479 689.971 65.575 3.528.651 1.112.224 307.967 andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 168.019 50.537 4.649 153.149 60.758 26.841 Finanzanlagen 789.565 713.760 30.438 307.023 1.165.864 192.081 5.554.587 1.621.826 112.892 4.409.460 2.654.061 552.732 Verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung der Flüssig AG: GuV-Rechnung der Flüssig AG vom 01.01.01 − 31.12.01 in TEUR Umsatzerlöse 5.474.017 sonstige betriebliche Erträge 143.313 Materialaufwand − 3.585.875 Personalaufwand − 846.547 Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens* − 360.651 − 192.905 sonstige betriebliche Aufwendungen − 232.673 Erträge aus Beteiligungen (davon: Ausschüttungen von Rücklagen 50.000) 114.997 sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 25.878 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 539.554 Steuern vom Einkommen und vom Ertrag − 291.491 Jahresüberschuss 248.063 * davon: Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 824 TEUR. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 289 a) Entwickeln Sie jeweils ein umfassendes Berechnungsschema zur direkten sowie zur indirekten Ermittlung des operativen Cashflow! b) Berechnen Sie den operativen Cashflow (indirekt) der Flüssig AG für das Geschäftsjahr 01! Berücksichtigen Sie dabei alle relevanten Daten der Schlussbilanz, des Anlagespiegels sowie der GuV-Rechnung zum 31.12.01! Lösung: Teilaufgabe a) Aufgrund des finanzwirtschaftlichen Ermittlungsziels, die im Vorjahr aus der Innenfinanzierung neu verfügbaren Zahlungsmittel zu bestimmen, ergeben sich die folgenden detailliert aufgeschlüsselten Schemata zur direkten sowie zur indirekten Ermittlung des operativen Cashflow. Diese orientieren sich an einer Aufschlüsselung der einzelnen Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung entsprechend ihrer Zahlungswirksamkeit. Zur Berechnung des operativen Cashflow nach der direkten Methode, die in der Regel unternehmensintern angewendet wird, sind die auszahlungswirksamen Aufwendungen von den einzahlungswirksamen Erträgen der Periode zu subtrahieren. Durch entsprechende Korrekturen des Periodenerfolgs erhält man den operativen Cashflow nach der indirekten Methode. Hierbei müssen die nicht auszahlungswirksamen Aufwendungen zum Jahresergebnis addiert und die nicht einzahlungswirksamen Erträge vom Jahresergebnis subtrahiert werden. 290 Finanzierung in Übungen (1) Umsatzeinzahlungen (+ Umsatzerlöse) (+ Erhöhung der erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen) (− Erhöhung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) (2) − Materialauszahlungen (+ Materialaufwand) (− Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) (+ Erhöhung der geleisteten Anzahlungen) (3) − Personalauszahlungen (+ Personalaufwand) (− Erhöhung der Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen) (4) + Finanzeinzahlungen (+ sonstige Zinsen und ähnliche Erträge) (− Zinsen und ähnliche Aufwendungen) (− Erhöhung des Disagios) (+ Erträge aus anderen Wertpapieren und aus Ausleihungen des Finanzanlagevermögens) (+ Erträge aus Beteiligungen) (+ Ergebnis aus Unternehmensverträgen) (5) + sonstige betriebliche Einzahlungen (+ sonstige betriebliche Erträge) (− Zuschreibungen) (− Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens für Zuwendungen) (+ Erhöhung der passivischen Rechnungsabgrenzung) (6) − sonstige betriebliche Auszahlungen (+ sonstige betriebliche Aufwendungen) (− Einstellungen in den Sonderposten für Zuwendungen) (− freiwillige Zusatzposten der sonstigen betrieblichen Aufwendungen: Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens, Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Umlaufvermögens außer Vorräten, Abschreibungen auf Umlaufvermögen außer auf Vorräte und Wertpapiere) (− Erhöhung der sonstigen Rückstellungen) (+ Erhöhung der aktivischen Rechnungsabgrenzung; ohne Disagio und aktivische latente Steuern) (7) − Steuerauszahlungen (+ Steuern vom Einkommen und vom Ertrag) (+ sonstige Steuern) (− Erhöhung der Steuerrückstellungen einschließlich der Rückstellung für latente Steuern) (+ Verminderung der Rückstellung für latente Steuern) (+ Erhöhung der aktivischen Steuerabgrenzung) (− Verminderung der aktivischen Steuerabgrenzung) = operativer Cashflow Abbildung 37: Berechnungsschema zur direkten Ermittlung des operativen Cashflow 73 73 Modifiziert entnommen aus Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 163. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 291 (1) Jahresüberschuss (nach Steuern vom Einkommen und vom Ertrag) (2) + Wertminderungen (+ Abschreibungen) (+ Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens) (+ Einstellungen in den Sonderposten für Zuwendungen) (+ freiwillige Zusatzposten der sonstigen betrieblichen Aufwendungen: Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens, Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Umlaufvermögens außer Vorräten, Abschreibungen auf Umlaufvermögen außer auf Vorräte und Wertpapiere) (3) − Werterhöhungen (+ Zuschreibungen) (+ Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens für Zuwendungen) (4) + Erhöhung der Rückstellungen (mit Ausnahme der Rückstellung für latente Steuern) (5) − verfahrensbedingte Korrekturposten (+ Bestandserhöhungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen) (+ andere aktivierte Eigenleistungen) (6) + weitere Posten der Gewinn- und Verlustrechnung (+ außerordentliche Aufwendungen) (− außerordentliche Erträge) (7) + erfolgsneutrale, zahlungsmittelerhöhende Vorgänge (+ Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) (+ Erhöhung der erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen) (+ Erhöhung der passivischen Rechnungsabgrenzung) (8) − erfolgsneutrale, zahlungsmittelverringernde Vorgänge (+ Erhöhung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) (+ Erhöhung der geleisteten Anzahlungen) (+ Erhöhung der aktivischen Rechnungsabgrenzung; ohne aktivische latente Steuern) (9) + latenter Steueraufwand (+ Erhöhung der Rückstellung für latente Steuern) (− Verminderung der aktivischen Steuerabgrenzung) (10) − latenter Steuerertrag (+ Verminderung der Rückstellung für latente Steuern) (− Erhöhung der aktivischen Steuerabgrenzung) = operativer Cashflow Abbildung 38: Berechnungsschema zur indirekten Ermittlung des operativen Cashflow 74 74 Modifiziert entnommen aus Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 164. 292 Finanzierung in Übungen Hinweis: Neben den ausführlichen Ermittlungsschemata wird insbesondere in der täglichen Analysepraxis die sog. Praktikerformel angewendet, die wie folgt formuliert werden kann. Jahresüberschuss/-fehlbetrag + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens – Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens ± Veränderung der Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen = Cashflow Abbildung 39: Berechnungsschema des operativen Cashflow (Praktikerformel) Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 293 Teilaufgabe b) Berechnung des operativen Cashflow (indirekte Ermittlung): in TEUR in TEUR (1) Jahresüberschuss (nach Steuern vom Einkommen und vom Ertrag) 248.063 (2) + Wertminderungen (+ Abschreibungen) (+ Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens) (+ Einstellungen in den Sonderposten für Zuwendungen) (+ freiwillige Zusatzposten der sonstigen betrieblichen Aufwendungen: Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens, Verluste aus dem Abgang von Gegenständen des Umlaufvermögens außer Vorräten, Abschreibungen auf Umlaufvermögen außer auf Vorräte und Wertpapiere) 360.651 192.905 - - - - + 553.556 (3) − Werterhöhungen (+ Zuschreibungen) (+ Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens für Zuwendungen) - - - - (4) + Erhöhung der Rückstellungen (mit Ausnahme der Rückstellung für latente Steuern) + 310.811 (5) − verfahrensbedingte Korrekturposten (+ Bestandserhöhungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen) (+ andere aktivierte Eigenleistungen) - - - - - - (6) + weitere Posten der Gewinn- und Verlustrechnung (+ außerordentliche Aufwendungen) (− außerordentliche Erträge) - - - - - - (7) + erfolgsneutrale, zahlungsmittelerhöhende Vorgänge (+ Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) (+ Erhöhung der erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen) (+ Erhöhung der passivischen Rechnungsabgrenzung) 158.137 44.439 - - + 202.576 (8) − erfolgsneutrale, zahlungsmittelverringernde Vorgänge (+ Erhöhung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) (+ Erhöhung der geleisteten Anzahlungen) (+ Erhöhung der aktivischen Rechnungsabgrenzung; ohne aktivische latente Steuern) 193.505 - - - - −193.505 (9) + latenter Steueraufwand (+ Erhöhung der Rückstellung für latente Steuern) (− Verminderung der aktivischen Steuerabgrenzung) - - - - - - (10) − latenter Steuerertrag (+ Verminderung der Rückstellung für latente Steuern) (− Erhöhung der aktivischen Steuerabgrenzung) - - - - - - = operativer Cashflow 1.121.501 294 Finanzierung in Übungen Dabei ergeben sich die aufgeführten Werte wie folgt: zu (1) Jahresüberschuss (nach Steuern vom Einkommen und vom Ertrag): Wert entnommen aus der GuV-Rechnung der Flüssig AG zu (2) Wertminderungen: Abschreibungen (auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen): Wert entnommen aus der GuV-Rechnung der Flüssig AG Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens: Wert entnommen aus der GuV-Rechnung der Flüssig AG zu (4) Erhöhung der Rückstellungen (mit Ausnahme der Rückstellung für latente Steuern): Differenz zwischen dem Buchwert am Abschlussstichtag und dem Vorjahreswert: 1.795.455 TEUR – 1.484.644 TEUR = 310.811 TEUR zu (7) erfolgsneutrale, zahlungsmittelerhöhende Vorgänge: Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen: Differenz zwischen dem Buchwert am Abschlussstichtag und dem Vorjahreswert: 419.397 TEUR – 261.260 TEUR = 158.137 TEUR Erhöhung der erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen: Differenz zwischen dem Buchwert am Abschlussstichtag und dem Vorjahreswert: 49.336 TEUR – 4.897 TEUR = 44.439 TEUR zu (8) erfolgsneutrale, zahlungsmittelverringernde Vorgänge: Erhöhung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: Differenz zwischen dem Buchwert am Abschlussstichtag und dem Vorjahreswert: 670.689 TEUR – 477.184 TEUR = 193.505 TEUR 9 13 23 41 _V ÜB B ieg - Bg 9 Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 295 Aufgabe 10.16: Cash Earnings nach DVFA/SG Ermitteln Sie die Cash Earnings der Flüssig AG mit Hilfe des Arbeitsschemas nach DVFA/SG (Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung (DVFA) und Schmalenbach-Gesellschaft – Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft (SG))! Es gelten die Ausgangsdaten der Aufgabe 10.15. Lösung: 75 Arbeitsschema zur Ermittlung der Cash Earnings (des operativen Cashflow) nach DVFA/SG: in TEUR (1) Jahresüberschuss/-fehlbetrag 248.063 (2) + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens + 552.732 (3) − Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens - - (4) +/− Veränderung der Rückstellungen für Pensionen bzw. anderer langfristiger Rückstellungen ⇒ Rückstellungen für Pensionen 198.452 ⇒ langfristige Rückstellungen 89.887 + 288.339 (5) +/− latente Ertragsteueraufwendungen bzw. -erträge +/− 0 (6) +/− andere nicht zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge von wesentlicher Bedeutung ⇒ z. B. Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens* - - (7) = Cash Earnings (Jahres-Cashflow) 1.089.134 (8) +/− Bereinigung zahlungswirksamer Aufwendungen/Erträge aus Sondereinflüssen ⇒ z. B. Beteiligungserträge aus Ausschüttungen von Rücklagen − 50.000 (9) = Cash Earnings (Cashflow) nach DVFA/SG 1.039.134 * In dem vorliegenden Fall werden die Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens (824 TEUR) nicht berücksichtigt, da sie gemäß der Empfehlung des Arbeitsschemas nach DVFA/SG von nicht wesentlicher Bedeutung sind. Von wesentlicher Bedeutung sind Erträge bzw. Aufwendungen, wenn sie mindestens 5 % des Jahresergebnisses ausmachen (hier: 824 TEUR ÷ 248.063 TEUR = 0,0033 = 0,33 % < 5 %). 75 Vgl. zum Arbeitsschema zur Ermittlung der Cash Earnings (des operativen Cashflow) nach DVFA/SG Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz; Waschbusch, Gerd: Externes Rechnungswesen, 6. Aufl., München 2012, S. 366; Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 167. 0 1 13 23 41 _V ÜB Bi eg - Bg 1 0 296 Finanzierung in Übungen Dabei ergeben sich die aufgeführten Werte wie folgt: zu (1) Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag: Wert entnommen aus der GuV-Rechnung der Flüssig AG zu (2) Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens: Wert entnommen aus dem Anlagespiegel der Flüssig AG zu (3) Veränderung der Rückstellungen für Pensionen bzw. anderer langfristiger Rückstellungen: Werte ergeben sich aus der Differenz zwischen dem Buchwert am Abschlussstichtag und dem Vorjahreswert entnommen aus der Bilanz der Flüssig AG: Rückstellungen für Pensionen: 1.130.937 TEUR – 932.485 TEUR = 198.452 TEUR langfristige Rückstellungen: (664.518 TEUR – 132.904 TEUR) – (552.159 TEUR – 110.432 TEUR) = 89.887 TEUR zu (8) Bereinigung zahlungswirksamer Aufwendungen/Erträge aus Sondereinflüssen, z. B. Beteiligungserträge aus Ausschüttungen von Rücklagen: Wert entnommen aus der Gewinn- und Verlustrechnung der Flüssig AG Aufgabe 10.17: Cash Earnings nach DVFA/SG 76 Nachfolgend sind die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung sowie ausgewählte Angaben aus dem Anhang des handelsrechtlichen Jahresabschlusses der „Liquiditäts-AG“ aufgeführt: 76 Modifiziert entnommen aus Gräfer, Horst: Finanz- und Ertragsanalyse, in: Betrieb und Rechnungswesen (BBK), Fach 30, Herne/Berlin 2001, S. 1161−1172. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 297 Bilanz zum 31.12.01 (in TEUR) 01 00 01 00 Anlagevermögen Eigenkapital Geschäfts- und Firmenwert 8.115 4.655 Gezeichnetes Kapital 140.000 150.000 Grundstücke und Bauten 59.263 37.150 Kapitalrücklage 120.000 120.000 technische Anlagen und Maschinen 10.243 12.649 andere Gewinnrücklagen 50.000 30.000 andere Anlagen, Betriebsund Geschäftsausstattung 29.485 29.767 Bilanzgewinn 39.078 32.300 Immaterielles Anlagevermögen und Sachanlagen insgesamt 107.106 84.221 Eigenkapital insgesamt 349.078 332.300 Anteile an verbundenen Unternehmen 95.407 90.732 Rückstellungen Beteiligungen 35.156 34.856 Rückstellungen für Pensionen (lfr.) 103.362 95.237 Wertpapiere des Anlagevermögens 9.883 19.883 Steuerrückstellungen (kfr.) 10.999 7.123 Finanzanlagen insgesamt 140.446 145.471 sonstige Rückstellungen (kfr.) 68.833 63.382 Anlagevermögen insgesamt 247.552 229.692 Rückstellungen insgesamt 183.194 165.742 Umlaufvermögen Verbindlichkeiten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 10.709 9.794 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 104.364 109.294 unfertige und fertige Erzeugnisse 38.227 31.534 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 29.147 23.283 Vorräte insgesamt 48.936 41.328 Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 63.844 23.871 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 94.018 80.199 sonstige Verbindlichkeiten 15.672 18.329 Forderungen an verbundene Unternehmen 205.169 170.216 Verbindlichkeiten insgesamt 213.027 174.777 sonstige Vermögensgegenstände 10.954 13.828 Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände insgesamt 310.141 264.243 Kassenbestand, Bankguthaben 136.042 134.661 Umlaufvermögen insgesamt 495.119 440.232 RAP 2.628 2.895 745.299 672.819 745.299 672.819 298 Finanzierung in Übungen Gewinn- und Verlustrechnung vom 01.01.01 – 31.12.01 (in TEUR) 01 00 Umsatzerlöse 959.605 861.926 Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 6.693 4.254 andere aktivierte Eigenleistungen 12.376 10.225 sonstige betriebliche Erträge 65.470 43.212 Materialaufwand 465.000 390.500 Personalaufwand a) Löhne und Gehälter b) Altersversorgung und Unterstützung 320.000 95.600 290.000 112.300 Abschreibungen a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen (davon 3.000.000 € Geschäftswertabschreibung in beiden Jahren) b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten (Wertberichtigungen) 40.800 6.400 13.600 - sonstige betriebliche Aufwendungen 52.800 41.600 Erträge aus Beteiligungen 43.295 25.670 Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 5.300 4.800 sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 6.693 4.932 Abschreibungen auf Finanzanlagen 9.518 - - Zinsen und ähnliche Aufwendungen 10.436 11.000 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 98.878 96.019 außerordentliche Erträge (aus Zahlungseingang von Versicherungsleistungen) 15.000 - außerordentliche Aufwendungen (für Restrukturierungsrückstellungen) 12.000 - außerordentliches Ergebnis 3.000 - - Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 35.600 38.419 sonstige Steuern 7.200 5.300 Jahresüberschuss 59.078 52.300 Auszug aus den Angaben des Anhangs des handelsrechtlichen Jahresabschlusses der „Liquiditäts-AG“: Im Geschäftsjahr 01 war eine außerplanmäßige Abschreibung aufgrund der eingetretenen Ertragsschwäche eines Tochterunternehmens in Höhe von 9.518.000 EUR erforderlich. Aufgrund der Insolvenz eines Großkunden musste im Geschäftsjahr 01 eine über das übliche Maß hinausgehende Wertberichtigung in Höhe von 6.400.000 EUR vorgenommen werden. Im Geschäftsjahr 01 wurden folgende Zugänge im Anlagevermögen verzeichnet: - Sachanlagevermögen 32.000.000 EUR (Vorjahr 58.225.000 EUR), - Finanzanlagevermögen 3.500.000 EUR (Vorjahr 14.493.000 EUR). Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens wurden in den Geschäftsjahren 00 und 01 nicht vorgenommen. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 299 a) Erstellen Sie das Arbeitsschema zur Ermittlung der Cash Earnings nach DVFA/SG und geben Sie zu jeder Position dieses Arbeitsschemas an, wie sie sich ermitteln lässt! b) Ermitteln Sie aus den vorliegenden Angaben die Cash Earnings nach DVFA/SG für die Jahre 00 und 01! Was sagt die Kennzahl „operativer Cashflow“ bezogen auf die Aufgabenstellung und allgemein aus? Lösung: Teilaufgabe a) Arbeitsschema zur Ermittlung der Cash Earnings nach DVFA/SG: (1) Jahresüberschuss/-fehlbetrag (2) + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens (3) − Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens (4) +/− Veränderung der Rückstellungen für Pensionen bzw. anderer langfristigerRückstellungen (5) +/− latente Ertragsteueraufwendungen bzw. -erträge (6) +/− andere nicht zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge von wesentlicherBedeutung (7) = Cash Earnings (8) +/− Bereinigung zahlungswirksamer Aufwendungen/Erträge ausSondereinflüssen (9) = Cash Earnings nach DVFA/SG zu (1) Der Jahresüberschuss/-fehlbetrag kann aus der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens abgelesen werden. zu (2) Die Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens des Geschäftsjahres sind gemäß § 268 Abs. 2 HGB entweder in der Bilanz beim betreffenden Posten zu vermerken oder im Anhang in einer der Gliederung des Anlagevermögens entsprechenden Aufgliederung anzugeben. Sie können zudem aus der Gewinn- und Verlustrechnung entnommen werden. zu (3) Die Beträge können dem Anlagespiegel oder dem Anhang entnommen werden. zu (4) Grundsätzlich kann der Gesamtbetrag der Veränderung der Rückstellungen für Pensionen bzw. der Veränderung anderer langfristiger Rückstellungen aus der Bilanz durch einen Vorjahresvergleich ermittelt werden. 300 Finanzierung in Übungen zu (5) Der Betrag der latenten Ertragsteueraufwendungen bzw. -erträge ergibt sich als Veränderung der latenten Steueransprüche bzw. -verpflichtungen. zu (6) + (8) Unabhängig davon, welche anderen nicht zahlungswirksamen Aufwendungen und Erträge berücksichtigt werden müssen, kann ihre jeweilige Höhe aus der Gewinn- und Verlustrechnung berechnet werden. Teilaufgabe b) Ermittlung der Cash Earnings der „Liquiditäts-AG“ für die Jahre 00 und 01 (in TEUR): 01 00 (1) Jahresüberschuss/-fehlbetrag 59.078 52.300 (2) + Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens 1) + 50.318 + 13.600 (3) − Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens - - - - (4) +/− Veränderung der Rückstellungen für Pensionen bzw.anderer langfristiger Rückstellungen + 8.125 0 (5) +/− latente Ertragsteueraufwendungen bzw. -erträge +/- 0 +/- 0 (6) +/− andere nicht zahlungswirksame Aufwendungen undErträge von wesentlicher Bedeutung 2) + 6.400 - - (7) = Cash Earnings 123.921 65.900 (8) +/− Bereinigung zahlungswirksamerAufwendungen/Erträge aus Sondereinflüssen − 15.000 - - (9) = Cash Earnings nach DVFA/SG 108.921 65.900 1) Die Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens setzen sich aus den Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens, auf das Sachanlagevermögen und auf das Finanzanlagevermögen zusammen. Abschreibungen auf das Umlaufvermögen werden nicht berücksichtigt. 2) Im vorliegenden Fall wird annahmegemäß von einer wesentlichen Bedeutung des nicht zahlungswirksamen Aufwandes in Höhe von 6.400 TEUR ausgegangen. Der operative Cashflow ist eine Finanzkennzahl und wird als Überschuss der laufenden betrieblichen Einzahlungen über die laufenden betrieblichen Auszahlungen ermittelt. Er ist ein Indikator für das Innenfinanzierungspotenzial der „Liquiditäts-AG“ und damit für ihre Fähigkeit, aus eigener Kraft Liquidität zu generieren. Definitionsgemäß kann der operative Cashflow insbesondere für Investitionen, Schuldentilgungen und Gewinnausschüttungen verwendet werden. Dabei ist zu beachten, dass der operative Cashflow im vorliegenden Fall retrospektiv errechnet wird (Basis der Berechnungen stellen die Da- Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 301 ten der vergangenen Geschäftsjahre dar) und damit in der Betrachtungsperiode bereits über die entstandene Liquidität disponiert wurde. In der vorliegenden Beispielrechnung fällt auf, dass der operative Cashflow im Jahr 01 gegenüber 00 deutlich gestiegen ist. Dies liegt offensichtlich an den erheblich höheren Abschreibungen. Eine weitergehende Analyse lässt sich aus den vorgegebenen Zahlen nicht durchführen. 10.5 Die Kapitalflussrechnung Aufgabe 10.18: Grundsätze der Kapitalflussrechnung Nennen und erläutern Sie die Grundsätze einer aussagekräftigen Kapitalflussrechnung! Unterscheiden Sie diesbezüglich zwischen allgemeinen und speziellen Grundsätzen! Lösung: Die folgenden Grundsätze gelten allgemein für alle Kapitalflussrechnungen: 1. Der Grundsatz der Zielorientierung Durch die Kapitalflussrechnung wird der herkömmliche handelsrechtliche Jahresabschluss eines Unternehmens – bestehend aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang – um wesentliche Informationen zur Finanzlage des Unternehmens ergänzt. Eine alleinige Aufbereitung bereits vorhandener Jahresabschlussdaten würde der Zwecksetzung der Kapitalflussrechnung nicht genügen. 2. Das Bruttoprinzip Alle Ein- und Auszahlungen sind unsaldiert auszuweisen. 3. Der Grundsatz der Bewertungsunabhängigkeit Die Grundlage für die Kapitalflussrechnung bilden alle Ein- und Auszahlungen, da nur diese objektivierbar und damit frei sind von Bewertungsspielräumen sowie Periodisierungsüberlegungen. 4. Der Verzicht auf Periodisierung Der Grundsatz des Periodisierungsverzichts stellt sicher, dass nur die Zahlungsströme der betrachteten Periode ausgewiesen werden. 302 Finanzierung in Übungen 5. Der Grundsatz der Kongruenz Ein Ziel dieses Grundsatzes ist die Vermeidung von Doppelerfassungen und der Nichterfassung von Zahlungen. Das andere Ziel ist die Herstellung einer vollständigen Übereinstimmung zwischen den unperiodisierten Zahlungsgrößen der Kapitalflussrechnung und den periodisierten Zahlungsgrö- ßen der Bilanz sowie der GuV-Rechnung. Erreicht werden die Ziele dann, wenn die kumulierten Zahlungen der Einzelperioden den Zahlungen der Totalperiode entsprechen. 6. Der Grundsatz der Vollständigkeit Alle Zahlungen müssen lückenlos erfasst werden. Die folgenden Grundsätze gelten im Besonderen für die Aufstellung der externen Kapitalflussrechnung: 1. Der Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit Neben der vorgeschriebenen Gliederung in Staffelform schreibt der Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit auch vor, die Zahlungsströme der Kapitalflussrechnung ausreichend zu erläutern. 2. Der Grundsatz der Nachprüfbarkeit Ein sachverständiger Dritter soll in der Lage sein, aus den veröffentlichten Daten des Rechnungswesens die Ableitung der Kapitalflussrechnung in angemessener Zeit nachvollziehen zu können. 3. Der Grundsatz der Wesentlichkeit Im Interesse der Klarheit und Wirtschaftlichkeit der Rechnungslegung kann auf den Ausweis von Zahlungsvorgängen, die für die Darstellung der Finanzlage nur von untergeordneter Bedeutung sind, verzichtet werden. 4. Der Grundsatz der Stetigkeit Die Einhaltung dieses Grundsatzes ermöglicht zeitliche Vergleiche von Kapitalflussrechnungen. Dazu sind die formelle und die materielle Kontinuität der Kapitalflussrechnung einzuhalten. Aufgabe 10.19: Zusammenhang zwischen der Gegenbeständerechnung und dem Fondsnachweis Erläutern Sie den Zusammenhang, der zwischen der Gegenbeständerechnung und dem Fondsnachweis besteht! Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 303 Lösung: Ein Fonds kann gebildet werden durch einen einzelnen Posten der Bilanz, durch bestimmte Teile von Bilanzposten oder durch die Zusammenfassung mehrerer Bilanzposten. Damit bündelt der Fonds − in Abhängigkeit von der gewählten Fondsabgrenzung − bestimmte Bilanzpositionen in einer buchhalterischen Gesamtheit. Die Fondsbildung führt zu einer Zweiteilung der Kapitalflussrechnung in eine Fondsnachweisrechnung (gebildet durch die Bestandsgrößen, die im Fonds enthalten sind) und eine Gegenbeständerechnung (Bestandsgrößen, die nicht im Fonds enthalten sind). Das Ziel der Ausgliederung einzelner Bestandsgrößen und ihrer Zusammenfassung in einem Fonds ist es, die Fondszunahme bzw. -abnahme durch die Veränderung der Gegenbestände zu erklären. Die Gegenbeständerechnung oder auch Ursachenrechnung erfüllt dabei die Aufgabe, alle Quellen und die Verwendung der Fondsmittel abzubilden. In der Fondsnachweisrechnung werden wiederum alle Fondsmittelzunahmen und -abnahmen, die durch fondswirksame Veränderungen in der Gegenbeständerechnung ausgelöst werden, abgebildet. Die Fondsveränderung lässt sich schließlich mit Hilfe beider Teilrechnungen bestimmen. Gegenbeständerechnung Fondsmittelverwendung: Fondsmittelquellen: Saldo: Fondsmittelzunahme Aktivzunahmeng + Passivabnahmeng Aktivabnahmeng + Passivzunahmeng Fondsnachweis Zuflüsse zum Fonds: Abflüsse aus dem Fonds: Aktivabnahmenf + Passivzunahmenf Aktivzunahmenf + Passivabnahmenf Saldo: Fondsmittelzunahme Mittel fließen in den Fonds⇒ ⇐Mittel fließen aus dem Fonds heraus Abbildung 40: Der Zusammenhang zwischen der Gegenbeständerechnung und dem Fondsnachweis 77 77 Entnommen aus Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz: Investitions- und Finanzierungsmanagement, Band III: Finanzwirtschaftliche Entscheidungen, München 2000, S. 313. 304 Finanzierung in Übungen Aufgabe 10.20: Informationsgehalt der Kapitalflussrechnung Durch einen Vergleich der Kapitalflussrechnungen der letzten Jahre und/oder durch eine Zusammenfassung von Kapitalflussrechnungen von mehreren Jahren in einer kurzen übersichtlichen Darstellung lassen sich bestimmte aussagefähige Informationen gewinnen. Welche Informationen sind dies und welchen zusätzlichen Nutzen stiften sie für den Leser der Kapitalflussrechnung? Lösung: Ein Vergleich der Kapitalflussrechnungen der letzten Jahre bzw. eine Zusammenfassung von Kapitalflussrechnungen von mehreren Jahren in einer kurzen übersichtlichen Darstellung liefert aussagefähige Informationen über - die in den letzten Jahren erwirtschafteten Mittel (Mittelzufluss/-abfluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit (operativer Cashflow)), - die zur Schuldentilgung und Ausschüttung verfügbaren Mittel, - langfristige Investitions- und Finanzierungsvorgänge und - die Ursachen der Veränderung von Liquidität in den untersuchten Zeiträumen. Durch diese zusätzlichen Informationen – im Vergleich zu einer statischen Betrachtung der Liquiditätslage des Unternehmens – erhält der Leser der Kapitalflussrechnung einen besseren Einblick in die Finanzlage des Unternehmens. Aufgabe 10.21: Erkenntnisgewinn einer Beständedifferenzenbilanz und einer einfachen Bewegungsbilanz Welche Erkenntnisse lassen sich im Hinblick auf die Kapitalflussrechnung aus der Beständedifferenzenbilanz und der einfachen Bewegungsbilanz gewinnen? Lösung: Bei der Beständedifferenzenbilanz handelt es sich lediglich um einen Zwischenschritt zur Erstellung der Kapitalflussrechnung, der keine wesentliche Aussagekraft besitzt. Werden die Beträge in der Beständedifferenzenbilanz addiert, ergibt sich die Veränderung des gesamten Vermögens und Kapitals Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 305 des Unternehmens. Damit wird nur die Veränderung der Bilanzbestände widergespiegelt, allerdings ohne sie in einen systematischen Zusammenhang zu bringen. Die Aussagekraft der einfachen Bewegungsbilanz ist ebenfalls beschränkt. Genau genommen handelt es sich bei der Bewegungsbilanz lediglich um eine aus zwei Stichtagsbilanzen abgeleitete Rechnung. Daher liefert sie keine zusätzlichen Informationen über die Finanzlage des Unternehmens. Zudem besteht ihr wesentlicher Nachteil darin, dass aufgrund vorhandener Informationsmängel keine Trennung zwischen liquiditätswirksamen Bewegungen und liquiditätsunwirksamen Geschäftsvorfällen vorgenommen werden kann. Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl die Beständedifferenzenbilanz als auch die einfache Bewegungsbilanz nicht dazu geeignet sind, Auskunft über die Liquiditätsentwicklung eines Unternehmens zu geben, da zahlungswirksame Bewegungen aus ihnen nicht ermittelt werden können. Aufgabe 10.22: Ermittlung einer erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz Erstellen Sie aus der nachfolgend abgebildeten Konzernbilanz und den weiteren Angaben des Konzerns „Cashflow Welt“ zunächst die Beständedifferenzenbilanz sowie die einfache Bewegungsbilanz! Nehmen Sie danach eine Erweiterung der einfachen Bewegungsbilanz zur (Brutto-)Bewegungsbilanz vor! Entwickeln Sie schließlich aus der (Brutto-)Bewegungsbilanz die sog. erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz! 306 Finanzierung in Übungen Bilanz des Konzerns „Cashflow Welt“ zum 31.12.01 (in TEUR) 00 01 00 01 immaterielles Anlagevermögen 361.300 792.900 Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklage 1.565.000 1.138.100 1.565.000 1.138.100 Sachanlagen 6.918.300 7.472.600 Gewinnrücklagen Bilanzgewinn 1.535.100 313.000 1.723.200 344.300 Finanzanlagen 849.000 1.083.900 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 292.000 360.000 Summe Anlagevermögen 8.128.600 9.349.400 Summe Eigenkapital 4.843.200 5.130.600 geleistete Anzahlungen auf Vorräte 408.900 461.500 Pensionsrückstellungen 4.474.100 4.815.100 Vorräte 7.139.100 7.476.500 sonstige Rückstellungen 3.809.100 4.359.700 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 5.009.800 5.739.500 Anleihen 575.800 503.000 sonstige Vermögensgegenstände 1.186.500 1.087.500 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 1.187.700 1.350.600 Wertpapiere 237.500 119.500 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.983.600 2.248.500 Zahlungsmittel 858.800 921.200 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 2.175.700 2.350.600 sonstige Rechnungsabgrenzungsposten 49.500 64.200 sonstige Verbindlichkeiten 4.007.300 4.462.600 Disagio 8.900 8.400 Rechnungsabgrenzungsposten 5.700 7.000 aktivische latente Steuern 34.600 0 Summe Umlaufvermögen 14.933.600 15.878.300 Summe Fremdkapital 18.219.000 20.097.100 Bilanzsumme 23.062.200 25.227.700 Bilanzsumme 23.062.200 25.227.700 Weitere Angaben: - Die Veränderung der sonstigen Rückstellungen setzt sich aus dem Saldo der Steuerrückstellungen und den sonstigen Rückstellungen zusammen. Die Passivabnahme der Steuerrückstellungen beträgt 144.600.000 EUR. - Ausschnitt aus dem Anlagespiegel des Konzerns „Cashflow Welt“: in TEUR Zugänge Zuschreibungen Buchwert 31.12.00 Buchwert 31.12.01 Abschreibungen des Geschäftsjahres 01 immaterielles Anlagevermögen Sachanlagen Finanzanlagen 518.500 2.268.300 397.300 0 0 11.200 361.300 6.918.300 849.000 792.900 7.472.600 1.083.900 78.200 1.389.700 48.300 3.184.100 11.200 8.128.600 9.349.400 1.516.200 Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 307 Verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns „Cashflow Welt“: GuV-Rechnung des Konzerns „Cashflow Welt“ vom 01.01.01 − 31.12.01 (in TEUR) Umsatzerlöse 36.185.500 − Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 16.800 + andere aktivierte Eigenleistungen 135.300 + sonstige betriebliche Erträge 1.272.300 − Materialaufwand 21.484.000 − Personalaufwand 9.832.400 − Abschreibungen auf das immaterielle Anlagevermögen und auf Sachanlagen 1.467.900 − sonstige betriebliche Aufwendungen 3.447.000 − Abschreibungen auf Finanzanlagen 48.300 − Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 5.000 + Beteiligungsergebnis* 73.900 − Zinsergebnis 102.500 − Steueraufwand 573.100 = Jahresüberschuss 690.000 − Einstellungen in die Gewinnrücklagen 291.400 − Anteile anderer Gesellschafter 54.300 = Bilanzgewinn 344.300 *davon: Beteiligungsergebnis von assoziierten Unternehmen in Höhe von 15.700.000 EUR 308 Finanzierung in Übungen Lösung: 78 Beständedifferenzenbilanz – Aktiva (in TEUR) 00 01 Veränderung immaterielles Anlagevermögen 361.300 792.900 431.600 Sachanlagen 6.918.300 7.472.600 554.300 Finanzanlagen 849.000 1.083.900 234.900 Summe Anlagevermögen 8.128.600 9.349.400 1.220.800 geleistete Anzahlungen auf Vorräte 408.900 461.500 52.600 Vorräte 7.139.100 7.476.500 337.400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 5.009.800 5.739.500 729.700 sonstige Vermögensgegenstände 1.186.500 1.087.500 − 99.000 Wertpapiere 237.500 119.500 − 118.000 Zahlungsmittel 858.800 921.200 62.400 sonstige Rechnungsabgrenzungsposten 49.500 64.200 14.700 Disagio 8.900 8.400 − 500 aktivische latente Steuern 34.600 0 − 34.600 Summe Umlaufvermögen 14.933.600 15.878.300 944.700 Bilanzsumme 23.062.200 25.227.700 2.165.500 Beständedifferenzenbilanz – Passiva (in TEUR) 00 01 Veränderung Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklage 1.565.000 1.138.100 1.565.000 1.138.100 0 0 Gewinnrücklagen Bilanzgewinn 1.535.100 313.000 1.723.200 344.300 188.100 31.300 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 292.000 360.000 68.000 Summe Eigenkapital 4.843.200 5.130.600 287.400 Pensionsrückstellungen 4.474.100 4.815.100 341.000 sonstige Rückstellungen 3.809.100 4.359.700 550.600 Anleihen 575.800 503.000 − 72.800 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 1.187.700 1.350.600 162.900 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.983.600 2.248.500 264.900 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 2.175.700 2.350.600 174.900 sonstige Verbindlichkeiten 4.007.300 4.462.600 455.300 Rechnungsabgrenzungsposten 5.700 7.000 1.300 Summe Fremdkapital 18.219.000 20.097.100 1.878.100 Bilanzsumme 23.062.200 25.227.700 2.165.500 Die einfache Bewegungsbilanz entsteht aus der Umgliederung der Bewegungsgrößen der Beständedifferenzenbilanz, indem Aktivzunahmen und Passivabnahmen als Mittelverwendung sowie Passivzunahmen und Aktivabnahmen als Mittelherkunft ausgewiesen werden. 78 Modifiziert entnommen aus Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 195– 202 und S. 207. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 309 einfache Bewegungsbilanz (in TEUR) Mittelverwendung Mittelherkunft Aktivzunahmen: Passivzunahmen: immaterielles Anlagevermögen 431.600 Gewinnrücklagen 188.100 Sachanlagen 554.300 Bilanzgewinn 31.300 Finanzanlagen 234.900 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 68.000 geleistete Anzahlungen auf Vorräte 52.600 Pensionsrückstellungen 341.000 Vorräte 337.400 sonstige Rückstellungen* 665.200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 729.700 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 162.900 Zahlungsmittel 62.400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 264.900 sonstige Rechnungsabgrenzungsposten 14.700 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 174.900 sonstige Verbindlichkeiten 455.300 Rechnungsabgrenzungsposten 1.300 Passivabnahmen: Aktivabnahmen: Steuerrückstellungen* 114.600 sonstige Vermögens-gegenstände 99.000 Anleihen 72.800 Wertpapiere 118.000 Disagio 500 aktivische latente Steuern 34.600 Summe Bestandsveränderungen 2.605.000 Summe Bestandsveränderungen 2.605.000 * Da die in der Konzernbilanz ausgewiesene Passivposition „sonstige Rückstellungen“ sich aus dem Saldo der Steuerrückstellungen und den sonstigen Rückstellungen zusammensetzt, also eine Nettogröße darstellt, ist diese Passivposition im Rahmen der Erstellung der einfachen Bewegungsbilanz in ihre Bruttobestandteile aufzuschlüsseln. Sofern den externen Jahresabschlusslesern keine umfassenden internen Informationen zur Verfügung gestellt werden, beschränkt sich die Erweiterung der einfachen Bewegungsbilanz zur (Brutto-)Bewegungsbilanz auf die Positionen des Anlagevermögens, da eine Angabe von Nettoveränderungen der Bilanzposten im Rahmen des veröffentlichten handelsrechtlichen Jahresabschlusses nur im Anlagespiegel erfolgt. Dabei gilt folgender Zusammenhang: Die Aktivzunahmen bei Positionen des Anlagevermögens (= Mittelverwendung) werden durch Zugänge und Zuschreibungen ersetzt, die Aktivabnahmen bei Positionen des Anlagevermögens (= Mittelherkunft) hingegen durch Abgänge und Abschreibungen. Da im Anlagespiegel die Abgänge zu historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten ausgewiesen werden, müssen allerdings in einem Zwischenschritt für die einzelnen Positionen des Anlagevermögens zunächst die Abgänge zu Restbuchwerten wie folgt ermittelt werden: 310 Finanzierung in Übungen Ermittlung der Abgänge zu Restbuchwerten: Buchwert zu Beginn des Geschäftsjahres + Zugänge des Geschäftsjahres − Abschreibungen des Geschäftsjahres + Zuschreibungen des Geschäftsjahres − Buchwert am Ende des Geschäftsjahres = Abgänge zu Restbuchwerten in TEUR Abgänge (Restbuchwert) Buchwert 31.12.00 Zugänge 01 Abschreibungen des Geschäftsjahres 01 Zuschreibungen 01 Buchwert 31.12.01 immaterielles Anlagevermögen 8.700 361.300 518.500 78.200 0 792.900 Sachanlagen 324.300 6.918.300 2.268.300 1.389.700 0 7.472.600 Finanzanlagen 125.300 849.000 397.300 48.300 11.200 1.083.900 Summe Anlagevermögen 458.300 8.128.600 3.184.100 1.516.200 11.200 9.349.400 Die in der vorstehenden Übersicht fett ausgewiesenen Positionen ersetzen bei der Erweiterung der einfachen Bewegungsbilanz zur (Brutto-)Bewegungsbilanz die jeweilige Nettoveränderung in den betreffenden Bilanzpositionen. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 311 (Brutto-)Bewegungsbilanz (Brutto-)Bewegungsbilanz (in TEUR) Mittelverwendung Mittelherkunft Aktivzunahmen: Passivzunahmen: immaterielles Anlagevermögen Zugänge Zuschreibungen 518.500 0 Gewinnrücklagen 188.100 Sachanlagen Zugänge Zuschreibungen 2.268.300 0 Bilanzgewinn 31.300 Finanzanlagen Zugänge Zuschreibungen 397.300 11.200 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 68.000 geleistete Anzahlungen auf Vorräte 52.600 Pensionsrückstellungen 341.000 Vorräte 337.400 sonstige Rückstellungen 665.200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 729.700 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 162.900 Zahlungsmittel 62.400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 264.900 sonstige Rechnungsabgrenzungsposten 14.700 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 174.900 sonstige Verbindlichkeiten 455.300 Rechnungsabgrenzungsposten 1.300 Passivabnahmen: Aktivabnahmen: Steuerrückstellungen 114.600 sonstige Vermögensgegenstände 99.000 Anleihen 72.800 Wertpapiere 118.000 Disagio 500 aktivische latente Steuern 34.600 immaterielles Anlagevermögen Abgänge Abschreibungen 8.700 78.200 Sachanlagen Abgänge Abschreibungen 324.300 1.389.700 Finanzanlagen Abgänge Abschreibungen 125.300 48.300 Summe Nettoveränderungen 4.579.500 Summe Nettoveränderungen 4.579.500 Um nun von der (Brutto-)Bewegungsbilanz zur erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz zu gelangen, müssen die Daten der Gewinn- und Verlustrechnung einbezogen werden. Sofern eine teilweise Gewinnverwendung vorliegt (also ein Bilanzgewinn ausgewiesen wird), ist diese allerdings zunächst rückgängig zu machen, d. h., die in der (Brutto-)Bewegungsbilanz ausgewiesene Veränderung des Bilanzgewinns gegenüber dem Vorjahr (hier: 31.300 TEUR) ist wie folgt in ihre Bestandteile aufzuspalten: ∆ BGt = JÜt − ∆ RLt − Divt−1 312 Finanzierung in Übungen Dabei gilt: ∆ BGt: Veränderung des Bilanzgewinns gegenüber dem Vorjahr; JÜt: Jahresergebnis des Geschäftsjahres; ∆ RLt: Rücklagenveränderung gegenüber dem Vorjahr; Divt−1: Ausschüttung des Bilanzgewinns des Vorjahres. Die entsprechenden Daten können aus der Gewinn- und Verlustrechnung bzw. der Bilanz entnommen werden. Der Sinn dieser Aufbereitungsmaßnahme liegt in der Einbeziehung des Jahresüberschusses in die erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz. Im vorliegenden Fall gibt es jedoch noch eine Besonderheit zu berücksichtigen. Die in der nachfolgenden Aufgabe 10.23 zu entwickelnde Kapitalflussrechnung entsteht auf der Grundlage des Konzernabschlusses. Daher ist bei der Errechnung der Veränderung des Bilanzgewinns gegenüber dem Vorjahr die Veränderung des Anteils der nicht beherrschenden Gesellschafter am Konzernergebnis zu berücksichtigen (∆MindAt). Die obige Formel ist aus diesem Grunde wie folgt zu ergänzen: ∆ BGt = JÜt − ∆ RLt − Divt−1 − ∆MindAt Im Konzernabschluss nach HGB umfasst der Konzern-Bilanzgewinn nur den Gewinn, der auf die Mehrheitsaktionäre entfällt. Die Veränderung des Anteils der nicht beherrschenden Gesellschafter am Konzernergebnis ermittelt man hierbei wie folgt (siehe auch die Daten der Gewinn- und Verlustrechnung sowie den Hinweis am Ende der Lösung dieser Aufgabe): ∆MindAt = JÜt − ∆ BGt − Divt−1 − Einstellungen in die Gewinnrücklagen (GuV) ∆MindAt = 690.000 TEUR − 31.300 TEUR − 313.000 TEUR − 291.400 TEUR = 54.300 TEUR Unter Berücksichtigung der erfolgten Modifikationen gelangt man nun zu einer weiteren Vorstufe der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz, nämlich zur (Brutto-)Bewegungsbilanz (ergänzt um die Veränderung des Eigenkapitals). Die Modifikationen gegenüber den bisherigen Berechnungen sind wiederum fett hervorgehoben. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 313 (Brutto-)Bewegungsbilanz – ergänzt um die Veränderung des Eigenkapitals (Brutto-)Bewegungsbilanz – ergänzt um die Veränderung des Eigenkapitals (in TEUR) Mittelverwendung Mittelherkunft Aktivzunahmen: Passivzunahmen: immaterielles Anlagevermögen Zugänge Zuschreibungen 518.500 0 Gewinnrücklagen 188.100 Sachanlagen Zugänge Zuschreibungen 2.268.300 0 Jahresüberschuss 690.000 Finanzanlagen Zugänge Zuschreibungen 397.300 11.200 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 68.000 geleistete Anzahlungen auf Vorräte 52.600 Pensionsrückstellungen 341.000 Vorräte 337.400 sonstige Rückstellungen 665.200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 729.700 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 162.900 Zahlungsmittel 62.400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 264.900 sonstige Rechnungsabgrenzungsposten 14.700 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 174.900 sonstige Verbindlichkeiten 455.300 Rechnungsabgrenzungsposten 1.300 Passivabnahmen: Aktivabnahmen: Steuerrückstellungen 114.600 sonstige Vermögensgegenstände 99.000 Anleihen 72.800 Wertpapiere 118.000 Disagio 500 aktivische latente Steuern 34.600 Dividende des Jahres 00 313.000 immaterielles Anlagevermögen Abgänge Abschreibungen 8.700 78.200 Veränderung der Gewinnrücklagen (GuV) 291.400 Sachanlagen Abgänge Abschreibungen 324.300 1.389.700 Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (GuV) 54.300 Finanzanlagen Abgänge Abschreibungen 125.300 48.300 Summe 5.238.200 Summe 5.238.200 Schließlich werden die Daten der Gewinn- und Verlustrechnung in die um die Veränderung des Eigenkapitals ergänzte (Brutto-)Bewegungsbilanz einbezogen. Dies erfolgt, indem der Jahresüberschuss durch die Aufwendungen und Erträge der Gewinn- und Verlustrechnung ersetzt wird. Dabei werden Aufwendungen als Mittelverwendung und Erträge als Mittelherkunft interpretiert. 314 Finanzierung in Übungen Erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz Erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz (in TEUR) Mittelverwendung Mittelherkunft Aktivzunahmen: Passivzunahmen: Zugänge immaterielles Anlagevermögen 518.500 Gewinnrücklagen 188.100 Zugänge Sachanlagen 2.268.300 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 68.000 Zugänge Finanzanlagen Zuschreibungen Finanzanlagen 397.300 11.200 Pensionsrückstellungen 341.000 geleistete Anzahlungen auf Vorräte 52.600 sonstige Rückstellungen 665.200 Vorräte 337.400 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 162.900 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 729.700 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 264.900 Zahlungsmittel 62.400 erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 174.900 sonstige Rechnungsabgrenzungsposten 14.700 sonstige Verbindlichkeiten 455.300 Rechnungsabgrenzungsposten 1.300 Passivabnahmen: Aktivabnahmen: Steuerrückstellungen 114.600 sonstige Vermögensgegenstände 99.000 Anleihen 72.800 Wertpapiere 118.000 Dividende des Jahres 00 313.000 Disagio 500 Veränderung der Gewinnrücklagen 291.400 aktivische latente Steuern 34.600 Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter 54.300 Aufwendungen: Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 16.800 Abgänge immaterielles Anlagevermögen Abschreibungen immaterielles Anlagevermögen 8.700 78.200 Materialaufwand Personalaufwand 21.484.000 9.832.400 Abgänge Sachanlagen Abschreibungen Sachanlagen 324.300 1.389.700 Abschreibungen auf das immaterielle Anlagevermögen und auf Sachanlagen 1.467.900 Abgänge Finanzanlagen Abschreibungen Finanzanlagen 125.300 48.300 sonstige betriebliche Aufwendungen 3.447.000 Erträge: Umsatzerlöse 36.185.500 Abschreibungen auf Finanzanlagen 48.300 andere aktivierte Eigenleistungen sonstige betriebliche Erträge 135.300 1.272.300 Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 5.000 Beteiligungsergebnis 73.900 Zinsergebnis 102.500 Steueraufwand 573.100 Summe 42.215.200 Summe 42.215.200 Hinweis: Die Veränderung der Gewinnrücklagen und die Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter weisen einen Differenzbetrag zwischen den Beträgen der Gewinn- und Verlustrechnung und den Beträgen der ein- Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 315 fachen Bewegungsbilanz auf. Diese Differenz (hier in Höhe von – 89.600 TEUR) wird als konsolidierungstechnischer Verrechnungsbereich bezeichnet. Er entsteht dadurch, dass die Veränderung der Gewinnrücklagen und die Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter in der Konzernbilanz nicht nur durch die Gewinnverwendung, sondern auch durch andere Faktoren, wie z. B. die Veränderung des Konsolidierungskreises, verursacht werden. Da die Veränderung des Eigenkapitals nicht separat auszuweisen ist, können diese zahlungsunwirksamen Vorgänge bei einer externen Erstellung der Kapitalflussrechnung nicht isoliert werden. Ermittlung des konsolidierungstechnischen Verrechnungsbereichs Mittelverwendung (in TEUR) Mittelherkunft (in TEUR) Veränderung der Gewinnrücklagen (GuV) 291.400 Veränderung der Gewinnrücklagen (Bilanz) 188.100 Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (GuV) 54.300 Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (Bilanz) 68.000 Summe 345.700 Summe 256.100 Saldo = Mittelherkunft −Mittelverwendung = 256.100 TEUR − 345.700 TEUR = − 89.600 TEUR Aufgabe 10.23: Ermittlung einer Kapitalflussrechnung Entwickeln Sie aus der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz des Konzerns „Cashflow Welt“ (siehe Aufgabe 10.22) die Kapitalflussrechnung in Staffelform! Gliedern Sie dabei die Kapitalflussrechnung nach dem Bereichsformat in den Bereich der laufenden Geschäftstätigkeit, in den Investitionsbereich sowie in den Finanzierungsbereich! Lösung: 79 Zunächst müssen – ausgehend von der Lösung der Aufgabe 10.22 – als weitere Vorstufe der in dieser Aufgabe zu entwickelnden Kapitalflussrechnung die zahlungsunwirksamen Posten der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz wie folgt isoliert und anschließend saldiert werden: 79 Modifiziert entnommen aus Küting, Karlheinz; Weber, Claus-Peter: Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS, 10. Aufl., Stuttgart 2012, S. 203−206. 316 Finanzierung in Übungen Die Abschreibungen werden in der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz (siehe Aufgabe 10.22) sowohl als Aufwand (= Mittelverwendung) als auch als Aktivabnahme (= Mittelherkunft) ausgewiesen und können daher unmittelbar miteinander verrechnet werden. Ebenso wird bei den Zuschreibungen im Anlagevermögen verfahren, die in der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz (siehe Aufgabe 10.22) sowohl als Aktivzunahme (= Mittelverwendung) als auch als Ertrag (= Mittelherkunft) erfasst werden. 80 Neben der Saldierung der doppelt ausgewiesenen Posten werden sachlich zusammengehörende Posten aus Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung einander zugeordnet und miteinander verrechnet. Posten der gleichen Bewegungsbilanzseite werden dabei addiert, während Posten der anderen Bewegungsbilanzseite subtrahiert werden. So müssen Zuordnungen und Verrechnungen beispielsweise bei den Umsatzerlösen deshalb erfolgen, weil sie nicht in voller Höhe zahlungswirksam waren. Zur Ermittlung der zahlungswirksamen Umsatzerlöse werden die in der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz (siehe Aufgabe 10.22) ausgewiesenen Umsatzerlöse um die Zunahme der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gekürzt (= Ertrag, aber noch keine Einzahlung) und um die Zunahme der erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen erhöht (= Einzahlung, aber kein Ertrag). Entsprechend ist bei der Ermittlung der Materialauszahlungen vorzugehen, indem der Materialaufwand um die zahlungsunwirksamen Vorgänge korrigiert wird. Im vorliegenden Fall ist der in der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz (siehe Aufgabe 10.22) ausgewiesene Materialaufwand um die gestiegenen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zu kürzen (= Aufwand, aber noch keine Auszahlung), dagegen sind sowohl der Anstieg der geleisteten Anzahlungen auf Vorräte als auch der Anstieg der Vorräte selbst (= Auszahlung, aber noch kein Aufwand) sowie der Bestandsabbau an fertigen und unfertigen Erzeugnissen (= Aufwand jetzt, Auszahlung früher) zu addieren. Die Addition des Bestandsabbaus an fertigen und unfertigen Erzeugnissen ist deshalb vorzunehmen, weil durch den zusammengefassten Ausweis der Vorräte in der Bilanz die (auszahlungswirksame) Zunahme der Vorräte genau um diesen Betrag zu niedrig ausgewiesen wird. Als Folge solcher Saldierungs- und Umgliederungsmaßnahmen ergeben sich folgende Modifikationen der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz: 80 Die Zuschreibungen zu Finanzanlagen werden in dem hier vorliegenden Fall unter den sonstigen betrieblichen Erträgen ausgewiesen. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 317 Erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz – Saldierung und Umgliederung Mittelverwendung (in TEUR) Mittelherkunft (in TEUR) Aktivzunahmen: Passivzunahmen: Zugänge immaterielles Anlagevermögen 518.500 Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (Bilanz) − Veränderung der Anteile nicht beherrschender Gesellschafter (GuV) Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sonstige Verbindlichkeiten 68.000 − 54.300 162.900 455.300 Zugänge Sachanlagen − andere aktivierte Eigenleistungen 2.268.300 − 135.300 Zugänge Finanzanlagen − anteilige Jahresergebnisse der assoziierten Unternehmen 397.300 − 15.700 Zahlungsmittel 62.400 Passivabnahmen: Aktivabnahmen: Anleihen 72.800 *sonstige Vermögensgegenstände 99.000 Dividende des Jahres 00 313.000 *Wertpapiere 118.000 Veränderung der Gewinnrücklagen (GuV) 291.400 * − Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens − 5.000 − Zunahme der Gewinnrücklagen (Bilanz) − 188.100 Abgänge immaterielles Anlagevermögen 8.700 Aufwendungen: Materialaufwand 21.484.000 Abgänge Sachanlagen * Abgänge Finanzanlagen 324.300 125.300 + Zunahme geleisteter Anzahlungen auf Vorräte + 52.600 − Zunahme Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen + Zunahme Vorräte + Bestandsabbau an fertigen und unfertigen Erzeugnissen Personalaufwand − Zunahme Pensionsrückstellungen sonstige betriebliche Aufwendungen + Zunahme aktivischer Rechnungsabgrenzungsposten − Zunahme sonstiger Rückstellungen Zinsergebnis − Abnahme Disagio Steueraufwand + Abnahme Steuerrückstellungen − 264.900 + 337.400 + 16.800 9.832.400 − 341.000 3.447.000 + 14.700 − 665.200 102.500 − 500 573.100 + 114.600 Erträge: Umsatzerlöse + Zunahme erhaltener Anzahlungen auf Bestellungen 36.185.500 + 174.900 − Zunahme Forderungen aus Lieferungen und Leistungen − 729.700 sonstige betriebliche Erträge − Zuschreibungen Finanzanlagen 1.272.300 − 11.200 + Zunahme passivischer Rechnungsabgrenzungsposten + 1.300 Beteiligungsergebnis 73.900 − anteilige Jahresergebnisse der assoziierten Unternehmen − 15.700 − Abnahme aktivischer latenter Steuern − 34.600 Summe 38.253.500 Summe 38.253.500 Umsatzeinzahlungen Investitionen in Sachanlagen und in immaterielle Anlagen Investitionen in Finanzanlagen Fonds Materialauszahlungen sonstige betriebliche Auszahlungen Steuerauszahlungen Personalauszahlungen Finanzauszahlungen Einzahlungen aus der Aufnahme von Fremdkapital Einzahlungen aus dem Verkauf von Gegenständen des AV sonstige betriebliche Einzahlungen * Einzahlungen aus der Tilgung von Ausleihungen … Beteiligungseinzahlungen Im nächsten und gleichzeitig letzten Schritt sind die Posten der modifizierten erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz entsprechend dem Gliederungsschema der Kapitalflussrechnung in die Bereiche laufende Geschäftstätigkeit, Investitionen und Finanzierungen umzugliedern. Der Fonds wird in der vorliegenden zahlungsstromorientierten Kapitalflussrechnung durch die Zahlungsmittel gebildet. Dabei muss die Fondsveränderung mit der Veränderung des Bilanzpostens „Zahlungsmittel“ übereinstimmen. 318 Finanzierung in Übungen Kapitalflussrechnung in TEUR (1) Bereich der laufenden Geschäftstätigkeit Umsatzeinzahlungen 35.630.700 + sonstige betriebliche Einzahlungen 1.262.400 + Beteiligungseinzahlungen 58.200 −Materialauszahlungen − 21.625.900 − Personalauszahlungen − 9.491.400 − sonstige betriebliche Auszahlungen − 2.796.500 − Finanzauszahlungen − 102.000 − Steuerauszahlungen − 653.100 = Zahlungsmittelüberschuss aus der laufenden Geschäftstätigkeit (operativer Cashflow) 2.282.400 (2) Investitionsbereich Auszahlungen für den Erwerb von Gegenständen des Anlagevermögens − 2.651.500 davon: immaterielle Vermögensgegenstände 518.500 davon: Sachanlagen 2.133.000 Auszahlungen für die Gewährung von Ausleihungen oder den Erwerb von Beteiligungen oder Wertpapieren − 381.600 Einzahlungen aus dem Verkauf von Gegenständen des Anlagevermögens 333.000 davon: immaterielle Vermögensgegenstände 8.700 davon: Sachanlagen 324.300 Einzahlungen aus der Tilgung von Ausleihungen oder der Veräußerung von Beteiligungen oder Wertpapieren 337.300 = Zahlungsmittelfehlbetrag aus dem Investitionsbereich − 2.362.800 (3) Finanzierungsbereich Auszahlungen an die Gesellschafter (Dividende des Jahres 00) − 313.000 + Einzahlungen aus der Aufnahme von Fremdkapital 618.200 − Auszahlungen für die Tilgung von Fremdkapital − 72.800 = Zahlungsmittelüberschuss aus dem Finanzierungsbereich 232.400 (4) Konsolidierungstechnischer Verrechnungsbereich* − 89.600 = Veränderung des Zahlungsmittelbestands (Fonds) = (1) + (2) + (3) + (4); vgl. auch S. 317 (Hervorhebung durch Fettdruck) 62.400 * zum konsolidierungstechnischen Verrechnungsbereich siehe den Hinweis in Aufgabe 10.22 Aufgabe 10.24: Fondsabgrenzung und Kapitalflussrechnung a) Stellen Sie die Zusammensetzung der zur Liquiditätsbeurteilung wichtigsten Fonds in Matrixform dar! b) Nehmen Sie Stellung zu der Aussage, mit der Größe des Fonds, d. h. der Anzahl der einbezogenen Bilanzposten, wird der Aussagegehalt der Kapitalflussrechnung gesteigert! Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 319 c) Ihr Unternehmen kauft eine Maschine gegen Gewährung eines Kredits. Wie wird der Geschäftsvorfall bei der Erstellung einer Kapitalflussrechnung behandelt? Wo liegen die Schwierigkeiten? Lösung: Teilaufgabe a) Möglichkeiten der Fondsabgrenzung: Fonds Erfasste Positionen der Bilanz Netto- Umlaufvermögen Typ 1 Umlaufvermögen Typ 2 Bald verfügbare Geldmittel Typ 3 Bald netto verfügbare Geldmittel Typ 4 Liquide Mittel Typ 5 Geld Typ 6 Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks X X X X X X Leicht veräußerbare Wertpapiere X X X X X Kurzfristige Forderungen X X X X Vorräte X X Geleistete Anzahlungen X X Transitorische Aktiva X X Kurzfristige Verbindlichkeiten X X Transitorische Passiva X Teilaufgabe b) Dieser Aussage ist grundsätzlich nicht zuzustimmen. Denn je mehr Bilanzposten in den Fonds einbezogen werden, desto umfangreicher wird der Fondsnachweis und umso weniger Bewegungen werden in der Gegenbeständerechnung dargestellt. Ein weiterer Nachteil der Einbeziehung von vielen Bilanzposten ist, dass automatisch bewertungsabhängige Bestandteile 320 Finanzierung in Übungen im Fonds enthalten sind. Besteht der Fonds lediglich aus den Zahlungsmitteln, ist er weitgehend frei von Bewertungseinflüssen. Teilaufgabe c) Es handelt sich hierbei um ein unbares Geschäft, das sowohl als Investitionseinzahlung als auch als Finanzierungseinzahlung in der Kapitalflussrechnung erscheint, obwohl kein Zahlungsstrom mit dieser Transaktion verbunden war. Derartige unbare Geschäftsvorfälle sind aus dem Bilanzvergleich nicht ersichtlich und können somit auch nicht eliminiert werden. Aufgabe 10.25: Erstellung einer Kapitalflussrechnung nach dem Bereichsformat 81 Ihr Kollege hat die Aufgabe erhalten, aus der Bilanz der Schokoladen AG eine zahlungsstromorientierte Kapitalflussrechnung abzuleiten. Der abzugrenzende Fonds soll dabei ausschließlich Zahlungsmittel enthalten. Ihr Kollege hat bereits eine erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz aufgestellt und diese um die Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung erweitert. Das Studium Ihres Kollegen liegt allerdings schon einige Jahre zurück, so dass er Ihre Hilfe benötigt. Helfen Sie ihm auf die Sprünge und entwickeln Sie aus der nachstehenden erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz der Schokoladen AG eine Kapitalflussrechnung nach dem Bereichsformat! Erläutern Sie dabei kurz Ihre Vorgehensweise! 81 Diese Aufgabe wurde in modifizierter Form gestellt in der Klausur zur Vorlesung Bilanzanalyse von Professor Dr. Karlheinz Küting im BWL-Vertiefungsfach Wirtschaftsprüfung, Universität des Saarlandes, Saarbrücken, Sommersemester 1998. Informationen für finanzwirtschaftliche Entscheidungen 321 Erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz Mittelverwendung (in TEUR) Mittelherkunft (in TEUR) Aktivzunahmen: Passivzunahmen: Zugänge Sachanlagen 400 Gewinnrücklagen 50 Vorräte 100 Pensionsrückstellungen 300 Zahlungsmittel 100 Aktivabnahmen: Passivabnahmen: Forderungen ausLieferungen und Leistungen 100 Anleihen 100 Abgänge Sachanlagen 150 Dividende t−1 100 Abschreibungen aufSachanlagen 50 Veränderung der Gewinnrücklagen 50 Aufwendungen: Erträge: Bestandsabnahmen 200 Umsatzerlöse 1.400 Materialaufwand 500 andere aktivierte Eigenleistungen 150 Personalaufwand 600 Abschreibungen auf Sachanlagen 50 Summe 2.200 Summe 2.200 Lösung: Die zahlungsunwirksamen Posten der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz werden zunächst isoliert und dann saldiert. Beispielsweise können die Abschreibungen auf Sachanlagen, die sowohl als Aufwand als auch als Aktivabnahme in der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz erfasst wurden, miteinander verrechnet werden. Positionen der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung, zwischen denen ein sachlicher Zusammenhang besteht, werden einander zugeordnet und verrechnet. Dabei werden Positionen der gleichen Bewegungsbilanzseite addiert und Positionen der anderen Bewegungsbilanzseite subtrahiert. 322 Finanzierung in Übungen Erweiterte (Brutto-)Bewegungsbilanz – Saldierung und Umgliederung Mittelverwendung (in TEUR) Mittelherkunft (in TEUR) Aktivzunahmen: Passivzunahmen: Zugänge Sachanlagen 400 − andere aktivierte Eigenleistungen − 150 Zahlungsmittel (Fonds) 100 Passivabnahmen: Aktivabnahmen: Anleihen 100 Abgänge Sachanlagen 150 Dividendet−1 100 Erträge: Veränderung der Gewinnrücklagen (GuV) 50 Umsatzerlöse 1.400 − Zunahme der Gewinnrücklagen (Bilanz) − 50 + Abnahme der Forderungen ausLieferungen und Leistungen + 100 Aufwendungen: Materialaufwand 500 + Zunahme Vorräte + 100 + Bestandsabnahmen + 200 Personalaufwand 600 − Zunahme Pensionsrückstellungen − 300 Summe 1.650 Summe 1.650 Die Positionen der erweiterten (Brutto-)Bewegungsbilanz sind nach Saldierung und Zuordnung in die Kapitalflussrechnung umzugliedern. Kapitalflussrechnung in TEUR (1) Bereich der laufenden Geschäftstätigkeit Umsatzeinzahlungen 1.500 −Materialauszahlungen − 800 − Personalauszahlungen − 300 = Zahlungsmittelüberschuss aus der laufenden Geschäftstätigkeit 400 (2) Investitionsbereich Auszahlungen für den Erwerb von Gegenständen des Anlagevermögens − 250 Einzahlungen aus dem Verkauf von Gegenständen des Anlagevermögens 150 = Zahlungsmittelfehlbetrag aus dem Investitionsbereich − 100 (3) Finanzierungsbereich Auszahlungen an die Gesellschafter (Dividendet−1) − 100 − Auszahlungen für die Tilgung von Fremdkapital − 100 = Zahlungsmittelfehlbetrag aus dem Finanzierungsbereich − 200 = Veränderung des Zahlungsmittelbestands (Fonds) = (1) + (2) + (3) 100

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