I. Was das Thema dieses Buches für Controller wichtig macht: Investitionen als Entscheidungsgegenstand in:

Ernst Troßmann

Investition als Führungsentscheidung, page 12 - 19

Projektrechnungen für Controller

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4711-8, ISBN online: 978-3-8006-4712-5, https://doi.org/10.15358/9783800647125_12

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Was das Thema dieses Buches für Controller wichtig macht: Kapitel I: Investitionen als Entscheidungsgegenstand In diesem Buch geht es um Investitionen; genauer: es geht um die Beurteilung von Investitionen, um Entscheidungen über Investitionen. Also geht es um etwas Wichtiges für den Betrieb, das durchaus di erenzierte Überlegungen rechtfertigen kann. Warum verbinden wir mit dem Begri der Investition die Vorstellung von etwas Wichtigem und Abwägenswertem? Nun, offensichtlich weil wir die unausgesprochene Konsequenz damit verbinden, dass hier größere Geldbeträge auf dem Spiel stehen, dass die Gefahr besteht, der erwünschte Erfolg trete nicht in hinreichendem Maße ein. Eine Fehlinvestition droht. Deshalb wird in vielen Betrieben sorgfältiger abgewogen und es werden Fachleute zu Rate gezogen, wenn größere Investitionsentscheidungen zu tre en sind. Was die rechnerische Seite angeht, sind dies in der Regel Controller, deren Fachkenntnis hierzu gefragt ist. In der Tat sind Investitionsprojekte ein wichtiges Controlling-Thema, ohne das eine professionelle Controlling-Arbeit heute nicht mehr vorstellbar ist. Dafür gibt es mehrere Gründe. Sie liegen äußerlich in der organisatorischen Arbeitsverteilung und der dem Controller zugesprochenen stellenbezogenen Fachkompetenz, inhaltlich in der Logik der Controlling-Aufgabenstellung nach dem heutigen Verständnis, methodisch in einer detaillierteren Herangehensweise des internen Rechnungswesens, quantitativ in einem breit zu interpretierenden Investitionsbegri . Äußerlich ist die Zuständigkeit für Investitionsrechnungen in vielen Betrieben nicht leicht erkennbar. Klar ist, dass die eigentlichen Investitionsentscheidungen Instanzenaufgaben sind. Darüber entscheiden also Manager der betro enen Unternehmensbereiche, die dem au auorganisatorischen Prinzip entsprechend gebildet sind. Zur Entscheidungsvorbereitung und -unterstützung aber, um die es hier geht, sind eigene organisatorische Einheiten nur in größeren Betrieben eingerichtet. Dies sind Stäbe, etwa als Anlagenwirtschaft oder Investitionsplanung bezeichnet und dann regelmäßig auf bestimmte Investitionsbereiche beschränkt. Wo solche Spezialstäbe nicht bestehen oder ihre Zuständigkeit endet, wird demnach fallweise, eben bei anstehenden Investitionsentscheidungen, entsprechende Kompetenz benötigt. Was sachliche Fragen betri t, etwa die technischen Aspekte eines Maschinenkaufs oder die Qualitätsanforderungen an die Produkte, kann man die entsprechenden Experten 2 I. Investitionen als Entscheidungsgegenstand aus dem späteren Einsatzbereich der Investitionsobjekte heranziehen. Was aber die Entscheidungsunterstützung bei den nanziellen Aspekten, beim Vorteilhaftigkeitsvergleich und generell bei Investitionsrechnungen betri t, wird gerne auf betriebliche Controller zurückgegri en. Dort vermutet man am ehesten die entsprechende Kompetenz (so entsprechende empirische Belege, z. B. bei Weber [Controllingpraxis] und Schä er/Weber/Mahlendorf [Investitionscontrolling] 20 .). Von Controllern erwartet man also, dass sie sich mit Investitionsentscheidungen auskennen. Tatsächlich gehört diese Aufgabe auch inhaltlich nach dem eigenen Selbstverständnis zu einem Kernbereich der Controlling-Tätigkeit. Controlling wird als eine Führungsfunktion de niert, der die Koordination innerhalb der anderen Führungsfunktionen und vor allem zwischen ihnen obliegt (vgl. Troßmann [Controlling] 4 f.). Dies umfasst vor allem auch die Abstimmung zwischen betrieblichen Zielen, Planung und Entscheidungs ndung sowie insbesondere der zugehörigen rechnerischen Vorbereitung. Gerade Investitionsentscheidungen sind dafür ein wichtiger Anwendungsfall. Rechenkonzepte dazu sind methodisch so zu strukturieren, dass sie zielbezogene Entscheidungen möglichst gut unterstützen, insbesondere von akzeptierbaren Voraussetzungen ausgehen, zieladäquate Rechenkriterien verwenden und Fehlinterpretationen vermeiden helfen. Zu den typischen Dienstleistungsfunktionen (Nebenfunktionen) des Controlling gehören allgemein die Informationsbereitstellung für Entscheidungszwecke, vor allem durch das interne Rechnungswesen, sowie die Managerunterstützung bei der Entscheidungs ndung (vgl. Troßmann [Controlling] 14). Gerade die Mitwirkung bei Investitionsentscheidungen ist nach heutiger Controlling-Konzeption ein wichtiges, zentrales Anwendungsfeld des Controlling. Zu einem immer bedeutenderen Teil des internen Rechnungswesens, dem rechnerischen Betätigungsfeld des Controllers, hat sich die Investitionsrechnung entwickelt. Dies hat mehrere Ursachen. Eine wichtige davon liegt im traditionellen Hauptgebiet des internen Rechnungswesens, der Kosten- und Leistungsrechnung selbst: Je detaillierter man dort vorgeht, desto öfter stellt sich heraus, dass zahlreiche Kosten nicht auf aktuellen Entscheidungsgrößen, etwa Fertigungsmengen, Losgrößen, Produktionsreihenfolgen oder Maschinenauslastungen beruhen, sondern als jetzige xe oder sogar irreversibel vordisponierte Kosten die Auswirkungen früherer Entscheidungen sind, nämlich auf Investitionen beruhen. Je mehr also entscheidungsorientiert korrekt mit Teilkostenrechnungen gearbeitet wird, desto mehr tri die weitreichende Bedeutung von Investitionen und damit Investitionsrechnungen hervor. Über größere Zeiträume lässt sich tatsächlich auch ein deutlicher, wenn auch langsamer Bedeutungszuwachs der Investitionsrechnung innerhalb des internen Rechnungswesens beobachten (vgl. z. B. Sto el [Controllership], Weber [Controllingpraxis] sowie zum Überblick Troßmann [Controlling] 39 .). Nicht nur aus dem angeführten methodischen Grund, sondern auch wegen einer größeren Zahl von Anwendungsfällen ist die Investitionsbeurteilung zu einem unabdingbaren Instrument des Controlling geworden: Was heute als Investition verstanden wird, beschränkt sich aus gutem Grund keineswegs mehr hauptsächlich auf Grundstücks- oder Maschinenkäufe. Vielmehr ist die Methodik der Investitionsentscheidung als generelle Methodik der Beurteilung betrieblicher Projekte zu verstehen. Investitionsrechnungen sind deshalb 3Was das Thema dieses Buches für Controller wichtig macht entscheidungsorientierte Projektrechnungen mit breitem Anwendungsbereich (hierauf soll auch der Untertitel dieses Buches hinweisen). Produkt-Lebenszyklusrechnungen, die Kennzahlen zur wertorientierten Unternehmenssteuerung und weitere Fälle, die in Kapitel VIII besprochen werden, sind Beispiele für allgemeinere Ansätze nach dem Prinzip von Investitionsrechnungen. Der letztgenannte Aspekt, die Anwendungsbreite von Projektrechnungen, hängt direkt mit der Frage zusammen, was nun genau als Investition angesehen werden soll. Da es sich dabei um das zentrale Thema dieses Buches handelt, werden wir uns nachfolgend di erenzierter mit dem Begri der Investition auseinandersetzen. Jedenfalls erscheint die bisherige Umschreibung einer Investition noch zu unpräzise, als dass auf ihrer Basis ein brauchbares Entscheidungskonzept entwickelt werden könnte. In früheren Publikationen hat man die Abgrenzung des Investitionsbegri s ausführlich problematisiert (vgl. z. B. Kern [Investitionsrechnung] 8, Kruschwitz [Investitionsrechnung] 2 ., Schneider [Investition] 7 .). Dies soll hier nicht geschehen. Dennoch wollen wir einen kurzen Blick auf alternative Begri sfassungen und ihre Zweckmä- ßigkeit werfen. Unumstritten ist die Einordnung eines Maschinenkaufs als Investition. In anderen Fällen können aber die Meinungen auseinandergehen. Betrachten wir hierzu folgende Liste von Beispielen (vgl. zu einer ähnlichen Unterscheidung Schierenbeck/Wöhle [Grundzüge] 375 f.): (1) der Kauf von materiellen Wirtschaftsgütern, die längerfristig dem Produktionszweck dienen, wie Grundstücke und Gebäude, Maschinen, andere technische Einrichtungen sowie die allgemeine Betriebsaussta ung; (2) der Kauf einer Produktionslizenz oder allgemein von Rechten und anderen immateriellen Werten für die Produktion; (3) der Erwerb von Gütern der genannten Art, soweit sie nicht unmittelbar Produktionszwecken dienen, etwa ein Grundstückskauf aus Spekulationsgründen, die Generalrenovierung der Außenfassade des betrieblichen Verwaltungsgebäudes sowie der Grünanlagen, der Kauf eines sehr teuren Ölgemäldes für das Sitzungszimmer des Vorstandes, der Bau eines Swimmingpools auf dem Betriebsgelände, die Installation einer Rauchgasentgiftungsanlage, der Erwerb eines Firmenmantels, eines Markennamens oder eines Warenzeichens; (4) die Anlage von Geld in Beteiligungen, gewährten Krediten oder Wertpapieren aller Art; (5) die Erhöhung von sich kürzerfristig umschlagenden Beständen, etwa Vorräten an fertigen oder unfertigen Erzeugnissen sowie Handelswaren, aber auch liquiden Mi eln; (6) die laufenden Ausgaben für die betrieblichen Prozesse, also für Personal, Material, Fremdleistungen, usw.; 4 I. Investitionen als Entscheidungsgegenstand (7) besondere Ausgaben für immaterielle Einsatzgüter, etwa Fortbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter, Forschung, Werbekampagnen; (8) das Eingehen von Verp ichtungen aus Leasinggeschäften und ähnlichen Verträgen. In dieser Liste sind einige Merkmale berücksichtigt, nach denen man früher bisweilen Investitionen abgegrenzt hat. Die Positionen 1 und 2 erfassen langfristige Einsatzgüter für die Produktion. Die Positionen 1, 2 und 3 umfassen zusammen etwa das, was sich in handelsrechtlichen Bilanzen unter der Position Sachanlagevermögen nden würde; Position 4 ergänzt das Finanzanlagevermögen, Position 5 schließlich das Umlaufvermögen. Die Positionen 6, 7 und 8 enthalten Ausgaben, deren Gegenwert i. d. R. nicht bilanzierungsfähig wäre. Je nach Auffassung würde man neben den unter 1 genannten Fällen mehrere oder auch alle der anderen Positionen als Investition begreifen, je nachdem, ob man dafür die Erreichung von Produktionszielen, den Zugang von Realgütern, die Bilanzierungsfähigkeit oder auch die Langfristigkeit der Kapitalbindung als Kriterium heranzieht. Orientiert man sich allerdings am eingangs angedeuteten Zweck der Investitionsbetrachtung, nämlich einer zweckmäßigen Entscheidungsvorbereitung, dann folgt daraus eine eindeutige Abgrenzung des Investitionsbegriffs: Ist man über die Einordnung mindestens einer Maßnahme als Investition sicher, so ist als Investition auch all jenes zu verstehen, was zur betrachteten Maßnahme als Alternative in Frage kommen kann. Damit lässt sich als charakteristisches Merkmal die Verwendung von Geld herausarbeiten. Tatsächlich konkurrieren zum Kauf einer Maschine sowohl die betrieblichen Bildungsmaßnahmen, der Bau eines Swimmingpools, die Durchführung einer Werbekampagne als auch zusätzliche Ausgaben für weitere Zwecke und alle anderen Beispiele der obigen Liste, soweit sie in einem betrachteten Fall überhaupt zur Wahl stehen. Es gibt bei einer entscheidungsorientierten Betrachtung wie hier keinen Grund, auf ein anderes, vor allem äußerliches Kriterium für die Abgrenzung des Investitionsbegri s zurückzugreifen. Wir wollen daher de nieren: Investition ist jede Umwandlung von Geld in andere Wirtschaftsgüter. Nach dem Wirtschaftsgut, das man durch diesen Tausch der sich in den meisten Fällen rechtlich gesehen als Kauf präsentieren wird erhält, kann man Real- und Nominalinvestitionen unterscheiden. Letztere heißen auch Finanzinvestitionen. Unter diesen Oberbegri fallen die unterschiedlichsten Geldanlagen. Im Grenzfall handelt es sich nur um einen Wechsel der Anlageform. Es sei auch darauf hingewiesen, dass bei der Analyse von Finanzinvestitionen möglicherweise das Wirtschaftsgut Geld sehr viel enger interpretiert wird, als wenn man gerade ausschließlich Realinvestitionen betrachtet. Realinvestitionen sind alle Investitionen in Wirtschaftsgüter, die nicht Geld oder Geldforderungen sind. Darunter gibt es materielle (die Sachinvestitionen) und immaterielle. Zu letzteren gehören beispielsweise der Au au eines Nachfragepotentials (durch Werbung), eines personellen Know-how-Potentials (durch betriebliche Bildungsmaßnahmen oder ständigen Erfahrungszuwachs) 5Was das Thema dieses Buches für Controller wichtig macht oder auch die Schaffung eines guten Firmenimages (zu Besonderheiten immaterieller Investitionen vgl. Hammerer/Herzog/Schwarz [Investitionen]). Unsere De nition des Investitionsbegri s ist sehr breit. Sie umfasst prinzipiell die gesamte betriebliche Umsatztätigkeit. Abb. I-1 zeigt, dass tatsächlich der Betriebsprozess durch eine Vielzahl aufeinanderfolgender und sich überlagernder Investitionen gekennzeichnet werden kann. In einem Investitionskreislauf wird, wie dort abstrakt dargestellt, Geld in andere Anlageformen von Geld (bei einer Finanzinvestition) oder in Realgüter (bei einer Realinvestition) getauscht, um später, im Allgemeinen in unterschiedlicher Höhe und über mehrere Perioden verteilt, wieder in Form von Geld zurückzu ießen. Abb. I-1:Kapitalbindung und Kapitalfreisetzung durch Investitionen Definiert man Finanzierung als die Bereitstellung neuer und die Sicherung vorhandener liquider Mi el, dann sind in Abb. I-1 Finanzierungen nicht nur ebenso darzustellen wie Investitionen, sondern die beiden Prozessarten sind voll und ganz identisch. Dies liegt daran, dass mit den Begriffen der Investition und der Finanzierung nur jeweils einem anderen Schwerpunkt in der Betrachtung derselben Prozesse gefolgt wird: Wo Geld freigesetzt werden soll, muss es vorher investiert gewesen sein; wo Geld investiert werden soll, muss es vorher bereitgestellt sein. Unmittelbar gilt das für Innenfinanzierungsprozesse, also dort, wo liquide Mi el aus dem betrieblichen Umsatzprozess stammen. Bei der Außen nanzierung gilt es ebenfalls, verlangt aber ggf. eine verallgemeinerte Betrachtung. In diesem Buch werden nahezu durchweg alle Projekte, über die zu entscheiden ist, als Investitionsprojekte betrachtet und bezeichnet. Nur Projekte, die speziell zur Gegen nanzierung von Investitionsprojekten dienen sollen, werden Finanzierungsprojekte genannt. Klar ist aber, dass alle Projekttypen nach den gleichen Methoden zu beurteilen sind. Dies werden wir insbesondere in Kapitel IV nutzen, wenn es um die Optimierung der Finanzierungsstruktur von Investitionen geht. 6 I. Investitionen als Entscheidungsgegenstand Neben der Art des Investitionsobjekts gibt es weitere Kriterien, nach denen man verschiedene Arten von Investitionen unterscheiden kann. Sie sind in Abb. I-2 in einer Übersicht zusammengestellt. Auf zwei Gliederungsmöglichkeiten sei besonders hingewiesen. Im üblichen Sprachgebrauch ist oft von Ersatz-, Rationalisierungs- oder Erweiterungsinvestitionen die Rede. Die Merkmale in Abb. I-2 zeigen, dass diese Einteilung ein bestimmtes bestehendes Potential, z. B. der Produktion, als Bezugspunkt voraussetzt. Eine Ersatzinvestition würde dann an die Stelle einer bisher eingesetzten Alternative treten, wobei es sich zur Abgrenzung von anderen Investitionsarten, insbesondere der Rationalisierungsinvestition, um einen völlig identischen Austausch handeln müsste eine schon gedanklich schwer vorstellbare Situation, von der praktischen Sinnhaftigkeit einmal abgesehen. Abb. I-2: Merkmale und typische Ausprägungen von Investitionen 7Was das Thema dieses Buches für Controller wichtig macht Eine Rationalisierungsinvestition lässt ebenfalls eine neue Alternative an die Stelle einer bisherigen treten, hier soll aber die neue in irgendeiner Hinsicht besser sein, d. h. den gesetzten Zielen mehr entsprechen. Obwohl damit vielfach die Betriebskosten einer Produktionsmaschine, die Bearbeitungsgeschwindigkeit, die Umrüstdauer oder Ähnliches gemeint sind, lässt sich dennoch der Begri nicht sinnvoll auf einzelne Ziele einschränken, wie das Durchdenken weiterer Beispiele zeigt. Die Rationalisierung könnte auch in einer größeren Menge oder einer besseren Qualität bestehen. Von einer Erweiterungsinvestition spricht man, wenn anlässlich der Investition keine bisher eingebrachte Alternative entfernt wird und wenn dadurch gleichzeitig das Produktionspotential erhöht wird. Wie diese Erläuterungen zeigen, dürfte bei präziser De nition im Allgemeinen gar keine Ersatzinvestition vorkommen und die Abgrenzung zwischen Rationalisierungs- und Erweiterungsinvestition im Einzelfall schwierig sein. Glücklicherweise hat aber die Einordnung einer Investition in diese oft genannten Kategorien ohnehin keinerlei Konsequenzen. Insbesondere ist sie für die Entscheidung und die Entscheidungsfindung irrelevant. Damit besteht keinerlei Notwendigkeit, sich in entsprechenden künstlichen Abgrenzungsversuchen zu verstricken. Die zweite anzusprechende Einteilung ist die in Bru o-, Ne o- und Re-Investition. Im Gegensatz zur naheliegenden Wortinterpretation kann hieraus keinerlei Rückschluss auf das Wachstum, etwa des Produktionspotentials gezogen werden. Freilich mag es wünschenswert erscheinen, einen Gesamtinvestitionsumfang, etwa den eines Jahres, in zwei Teile aufzugliedern: in einen, der gerade die verbrauchten, abgegrenzten Potentiale ausgleicht, und einen zweiten, der darüber hinausgeht und damit das Wachstum angibt. Allerdings würde eine derartige Interpretation zunächst eine genaue Messung des verbrauchten bzw. abgenutzten Potentials voraussetzen. Selbst dann wären noch weitere Fragen o en. Wo diese Einteilung verwendet wird so vorwiegend bei der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung , wird der Ausdruck Re-Investition viel harmloser de niert: Es ist derjenige Teilbetrag einer Investitionssumme, der genau der Abschreibungshöhe entspricht. Auf dieser Basis berechnet sich dann die Nettoinvestition. Es ist zum einen darauf hinzuweisen, dass damit undi erenziert eine rein wertmäßige Messung vorgenommen wird (notgedrungen: alles andere wäre in überbetrieblichen Rechnungen zum Scheitern verurteilt). Zum anderen sei betont, dass auch bei dieser Pauschalrechnung noch im Einzelnen festzulegen ist, was als Abschreibungsbetrag zu gelten hat und welche Geldausgaben als Investitionen berücksichtigt werden. Mit diesen Hinweisen wird klar, dass einerseits diese Größen für die hier verfolgte betriebliche Detailbetrachtung nicht verwendbar sind und dass andererseits für gesamtwirtschaftliche Betrachtungen, etwa für Wachstumsanalysen des Produktionspotentials, unsere oben gefundene Investitionsde nition ungeeignet ist. Nach diesem Blick einerseits auf die Bedeutung der rechnerischen Vorbereitung von Investitionen als Controlling-Aufgabe sowie andererseits auf die Vielfalt unterschiedlicher Arten von Investitionen wenden wir uns der Frage zu, wie man sinnvoll Investitionsentscheidungen fällt. Nach unserer sehr weitreichenden Begri sfassung handelt es sich dabei um eine generelle betrieb- 8 I. Investitionen als Entscheidungsgegenstand liche Aufgabe, die sich in vielen Face en stellen kann. Die Methoden zu ihrer Lösung es sind die Methoden der Projektrechnung behandeln wir schri weise in den einzelnen Kapiteln dieses Buches. Kapitel I auf einen Blick Investition ist jede Umwandlung von Geld in andere Wirtschaftsgüter. Es kann sich um materielle oder immaterielle Realinvestitionen oder auch um Finanzinvestitionen handeln. Als besondere Entscheidungsprobleme werden Investitionen dann behandelt, wenn für die betrieblichen Verhältnisse die damit verbundene Kapitalbindung relativ hoch oder der Realisierungszeitraum relativ lange ist. Damit ist jedes längerfristige betriebliche Projekt von Bedeutung als Investitionsprojekt anzusehen. Investitionsprojekte und Finanzierungsprojekte unterscheiden sich nicht prinzipiell. Beide stellen sich als betriebliche Umsatz-Teilprozesse dar. Sie beschränken sich entweder auf den Finanzbereich oder erstrecken sich auch über den Realgüterbereich. Ob sie als Investitions- oder Finanzierungsprozesse identifiziert werden, hängt lediglich vom Betrachtungsschwerpunkt ab. Für ihre Beurteilung ist dies unerhbelich. Zu beurteilende Projekte werden in diesem Buch aus Übersichtlichkeitsgründen fast durchweg als Investitionsprojekte bezeichnet. Rationale Investitionsentscheidungen erfordern eine Koordination von Zielen, Planungsmethoden und insbesondere zugehörigen Projektrechnungen. Dies ist eine der Kernaufgaben des Controlling. In vielen betrieblichen Bereichen zeigen sich zahlreiche Anwendungsfälle von Investitionsrechnungen, so beispielsweise bei längerfristigen Produktionsprozessen, bei Produktlebenszyklen sowie bei den Konzepten der wertorientierten Unternehmenssteuerung. Für Controller ist es unabdingbar, die Gestaltungsmöglichkeiten von Investitionsrechnungen als allgemeinen Projektrechnungen zu kennen und insbesondere um potenzielle Fehlerquellen und ihre Vermeidung Bescheid zu wissen.

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Zusammenfassung

Vorteile

- Den finanziellen Erfolg von Projekten richtig beurteilen

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Dieses Buch stellt die zentralen Instrumente der finanziellen Projektbeurteilung vor. Angefangen bei den grundlegenden Standardformen der Investitionsrechnungen führt es anhand typischer Praxisfälle zu den Möglichkeiten, auch schwierigere betriebliche Entscheidungen mit passenden Projektrechnungen zu unterstützen. Der Leser erfährt, wo verbreitete Fehler der Projektbeurteilung liegen und wie diese vermieden werden können. Die Vielfalt der betrieblichen Anwendung von Projektrechnungen, die man mit diesem Buch kennenlernt, ist der Grund für die gewachsene Bedeutung dieses Controlling-Instruments.

Inhalt

- Prinzip der Investitionsbeurteilung

- Statische und dynamische Investitionsrechnungen

- Praxisorientierte Anwendungen von Kapitalwert und Annuität

- Investitionsbeurteilung bei Mischfinanzierung

- Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen

- Integration der Projektrechnung in das interne Rechnungswesen

Autor

Prof. Dr. Ernst Troßmann, Hohenheim.

Zielgruppe

Studierende im Schwerpunkt Controlling im Bachelor und Master sowie Controller in der Praxis.