2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung in:

Andreas Dahmen

Kostenrechnung, page 14 - 23

4. Edition 2014, ISBN print: 978-3-8006-4697-5, ISBN online: 978-3-8006-4698-2, https://doi.org/10.15358/9783800646982_14

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 3 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung 2.1 Stellung der Kosten- und Leistungsrechnung im betrieblichen Rechnungswesen 2.1.1 Betriebliches Rechnungswesen Trotz seiner zentralen Stellung in der Be triebswirtschaftslehre und der Wirtschafts pra xis gibt es keine einheitliche Auffassung über den Begriff des Rechnungs wesens. Als zentrale Aufgabe des Rechnungswesens wird jedoch häufig die Beschäf tigung mit der zahlenmäßigen Abbildung und Ge staltung des Unterneh mensprozesses ange sehen. Das betriebliche Rechnungswesen kann daher im weiteren Sinne ver standen werden als die systematische, regelmäßig oder fallweise durchgeführte •• Erfassung, •• Aufbe rei tung, •• Auswertung und •• Übermitt lung der das Betriebsgeschehen betreffenden quanti tativen Daten (Mengen- und Wert größen). Diese sollen für •• Planungs-, •• Kontroll- und •• Steuerungszwecke innerhalb des Betriebes sowie zur In formation und Beeinflus sung von Außen stehenden (z. B. Eigenkapi talgebern, Gläubigern, Gewerkschaften, Kommunen) verwendet werden. Üblicherweise unterscheidet man dabei zwischen intern und extern ausgerichteten Teilbereichen des betriebli chen Rechnungswesens. 2.1.2 Externes und internes Rechnungswesen Das externe Rechnungswesen bildet die Vorgänge finanzieller Art ab, die zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt entstehen. Dabei handelt es sich hauptsäch lich um Einkaufs- und Absatzvorgänge des Unternehmens einschließlich der damit ver bundenen Geldzu- und -abflüsse (leistungswirtschaftliche Seite) sowie um die lediglich finanzwirtschaftlich bedingten Zahlungsströme (finanzwirtschaftliche Seite). 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung 2.1 Stellung der Kosten- und Leistungsrechnung im betrieblichen Rechnungswesen Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 4 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung4 Dagegen besteht die Hauptaufgabe des internen Rechnungswesens darin, den Verzehr von Produktionsfak toren und die damit verbun dene Entstehung von Leistungen mengen- und wertmäßig zu erfassen und die Wirtschaftlichkeit der Leistungserstellung zu überwa chen. Im Folgenden sollen die wichtigsten Unterschiede zwischen inter nem und exter nem Rechnungswesen kurz in der Tabelle 1 gegenübergestellt werden. Kriterium Externes Rechnungswesen Internes Rechnungswesen Adressaten Kapitalgeber (Eigenkapital und Fremdkapital), Staat, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten Unternehmensleitung, Unternehmensbereiche, Unternehmensangehörige auf verschiedenen Ebenen Informationsgegen stand Erfassen von Vorgängen finanzieller Art zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt Abbilden des Verzehrs von Produktionsfaktoren und der Entste hung von Leistungen Rechnungsziel vergangenheitsorientierte Dokumen tation und Rechenschaftslegung Planung, Kontrolle und Steuerung des Betriebsgeschehens Reglementierung umfangreiche handels- und steuer rechtliche Regeln, handels- und steuerrechtli che Aspekte kaum gesetzliche Vor schriften, Zweckorientierung an der jeweiligen Ziel setzung Erfassungsbereich gesamtes wirtschaftliches Unterneh mensgeschehen Beschränkung auf den Betrieb Zeithorizont i. d. R. jährlich kürzere Perioden Rechnungstyp pagatorische Rechnung kalkulatorische Rechnung Bezugsgrößen Perioden und Zeitpunkte ( Geschäftsjahr und Stichtag des Jahresabschlusses) Perioden und Kalkulationsobjekte Wertansatz Erträge und Aufwendungen Leistungen und Kosten Zeitbezug Vergangenheit Zukunft Tabelle 1 : Zusammenfassung der Unterschiede zwischen externem und internem Rechnungswesen Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 5 52.2 Rechnungsziele der Kosten- und Leistungsrechnung 2.1.3 Einordnung der Kosten- und Leistungsrechnung Die Kosten- und Leistungsrechnung ist Bestandteil des internen Rechnungswesens, denn sie berichtet über den innerbetrieblichen Kombinationsprozess der eingesetz ten Produktionsfaktoren. Die Kosten- und Leistungsrechnung ist •• eine kalkulatorische Rechnung, die nicht auf Zahlungsmittelbewe gungen auf baut (pagatorische Rechnung im externen Rechnungswesen), sondern an Realgüterbewegungen anknüpft, •• eine vorwiegend kurzfristige Rechnung, die anders als die Investitionsrechnung ohne eine Diskontierung von Zahlungsströmen mit unterschiedli chem zeitlichen Anfall arbeitet, •• eine Erfolgsrechnung, bei der durch Gegenüberstellung des bewer te ten Güter verzehrs und des Wertes der erstellten Leistungen ein kalkulatori scher Erfolg ermittelt wird, •• vorwiegend eine laufend (regelmäßig) erstellte Rechnung, durch die das Zahlen material kontinuierlich erfasst und aufbereitet werden soll. Dane ben werden aber auch fallweise Sonderrechnungen, z. B. für Projektkalkulationen, durchgeführt, •• nicht gesetzlich vorgeschrieben. Es handelt sich vielmehr um eine freiwillig durchgeführte Rechnung, die auf dem freien Entschluss der Unternehmensleitung beruht. 2.2 Rechnungsziele der Kosten- und Leistungsrechnung Mit der Kosten- und Leistungsrechnung können unterschiedliche Rechnungsziele verfolgt werden, im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Abbildung (Doku mentation), die Planung und Steue rung sowie die Kontrolle des Unternehmens prozesses. Sollen meh rere Rechnungsziele gleichzeitig verfolgt werden, so ist die Verwendung mehrerer Kostenrechnungssysteme erforderlich. Die (ausschnittsweise) Abbildung des Unternehmensprozesses kann sich sowohl auf bereits realisierte Pro zesse (Nachkalkulation) als auch auf zukünftige Prozesse (Vorkalkulation) beziehen. Die Ermittlung realisier ter Kosten kann dabei auf die realisier ten Periodenkosten oder die Kosten je Ausbringungseinheit (Kalkulation) ausgerichtet sein. Planung und Steuerung sind durch ihre Zielbezogenheit charakte risiert. Als Ziel vor stellungen kommen dabei z. B. Kostenminimierung, Leistungs- oder Vermögenswertmaxi mierung in Frage. Die Bestimmung der kosten mäßigen Konsequenzen verschiedener betrieblicher Entscheidungsalter nativen durch die Kosten- und Leistungsrechnung spielt dabei bei folgenden Planungs- und Steue rungsentscheidungen eine wichtige Rolle: •• Bestimmung des Produktions-, Beschaffungs-, Finanzierungs- und Ab satzpro gramms, •• Bestimmung von Bestellmengen und Losgrößen, 2.2 Rechnungsziele der Kosten- und Leistungsrechnung Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 6 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung6 •• Entscheidung über Eigenfertigung oder Fremdbezug, •• Verkauf von Zwischenprodukten, •• Annahme oder Ablehnung von Zusatzaufträgen, •• Kostenorientierte Preisbestimmung bei öffentlichen Aufträ gen, •• Preisbegrenzung auf der Basis von Kostengrößen (Preisuntergrenzen für den Verkauf, Preisobergrenzen für den Einkauf), •• Bestimmung von innerbetrieblichen Verrechnungspreisen. Die Kostenkontrolle nimmt die Auswertung der abgebildeten Kosteninformationen vor. Hier kann zwischen drei Arten des Kostenvergleichs unterschieden werden: 1. Zeitvergleich, 2. Soll-Ist-Vergleich, 3. Betriebsvergleich. Dabei zählen der Zeitvergleich und der Soll-Ist-Vergleich zur innerbetrieblichen Kostenkontrolle. Sie dient zur Überwachung der Kosten und damit der Wirtschaft lichkeit sowie zur Feststellung der Abweichungen zwischen den Kosten und ihren Vergleichsgrößen. Beim Betriebsvergleich werden Kostenzahlen anderer Unter neh men den eigenen Kostengrößen gegenübergestellt, um die wirtschaftli che Lage des eigenen Unter nehmens im Vergleich zu anderen Unter nehmen oder zum Bran chen durchschnitt zu beurteilen. Die sonstigen Rechnungsziele werden häufig auch als Sonder- oder Nebenzwecke der Kostenrechnung bezeichnet, zu ihnen zählen u. a.: •• die Bewertung von Halb- und Fertigerzeugnissen sowie von selbsterstellten Anla gen für die Zwecke der Bilanzierung bzw. der Besteuerung, •• die Bestimmung von Entschädigungssummen (z. B. Schadensfeststellung bei Ver sicherungsschäden), •• die Durchführung von Vergleichen verschiedener Herstellungsverfahren, •• sonstige Rechnungsziele wie z. B. Lieferantenauswahl, Wahl der Intensität von Maschinen etc. Zur Verfolgung der sonstigen Rechnungsziele sind meist Sonderauswertungen erforderlich. 2.3 Grundlegende Begriffe der Kosten- und Leistungsrechnung und deren Abgrenzung Im Folgenden soll auf einige Grundbegriffe der Kosten- und Leistungsrechnung sowie deren Abgren zung zu Begriffen aus ande ren Gebieten des Rechnungswesens eingegangen werden. 2.3 Grundlegende Begriffe der Kosten- und Leistungsrechnung Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 7 72.3 Grundlegende Begriffe der Kosten- und Leistungsrechnung Begriffspaar der Stromgrößen Zugehörige Bestandsrechnung Gebiet des Rechnungswesens Einzahlungen/ Auszahlungen Geldbestandsrechnung ( Zahlungsmittel) Liquiditätsrechnung Einnahmen/ Ausgaben Geld-, Forderungs- und Kre ditbestandsrechnung (Geld vermögen) Finanzierungsrechnung Ertrag/Aufwand Vermögens- und Kapitalrechnung (Gesamtvermögen) Jahresabschlussrechnung (Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung) Leistungen/ Kosten kalkulatorische Vermögensund Kapitalrechnung (betriebsnotwendiges Vermö gen) Kosten- und Leistungsrechnung/ Betriebsergebnisrechnung Tabelle 2: Überblick über Teilgebiete des Rechnungswesens und zugehörige Stromgrößen Definitionen der Grundbegriffe Auszahlung: Effektiver Abfluss von Geldmitteln als Verminderung des Baroder Buchgeldbestandes. Einzahlung: Effektiver Zufluss von Geldmitteln als Erhöhung des Bar- oder Buch geldbestandes. Ausgabe: Wert aller Wirtschaftsgüter, die einem Unternehmen in einer Periode zugegangen sind, unabhän gig davon, ob die Auszahlungen hierfür bereits in einer Vorperiode angefallen sind oder erst in einer Folgeperiode anfallen werden (perio disierte Auszahlun gen). Einnahme: Wert aller Wirtschaftsgüter, die von einem Unterneh men in einer Periode abgegeben wurden, unabhängig davon, ob die Einzahlungen hierfür bereits in einer Vorperiode eingegangen sind oder erst in einer Folgeperiode eingehen (periodisierte Einzahlungen). Aufwand: Werteverzehr einer bestimmten Abrechnungsperiode, der in der Finanz- und Geschäftsbuchhal tung erfasst und am Jahresende in der Gewinnund Verlustrechnung ausgewiesen wird (periodisierte, erfolgswirksame Ausgaben). Ertrag: Wertezuwachs einer bestimmten Abrechnungsperiode, der in der Finanz- und Geschäftsbuchhaltung erfasst und am Jahresende in der Gewinnund Verlustrechnung ausgewiesen wird (periodisierte, erfolgswirksame Einnahmen). Kosten: Bewerteter, durch die Leistungserstellung bedingter Güter- oder Dienst leistungsverzehr einer Periode (betrieblicher und periodenbezogener und ordentlicher Auf wand). Leistung: Wert der in einer Periode erstellten betrieblichen Güter und Dienstleistun gen (betrieblicher und periodenbezogener und ordentlicher Ertrag). Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 8 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung8 Insbesondere die Abgrenzung von Aufwand und Kosten bereitet im mer wieder Schwierigkeiten, deshalb soll an dieser Stelle anhand der Tabelle 3 etwas näher darauf eingegangen werden. Gesamter Aufwand neutraler Aufwand Zweckaufwand als Kosten in gleicher Höhe verrech neter Zweckaufwand als Kosten nicht in gleicher Höhe verrechneter Zweckaufwand Grundkosten Anderskosten Zusatzkosten Kalkulatorische Kosten Gesamte Kosten Tabelle 3 : Abgrenzung zwischen Aufwand und Kosten Als Zweckaufwand wird der Teil des Aufwands bezeichnet, der be triebsbedingt in der Periode anfällt (betriebs- u. periodenbezo gen) und im Rahmen der üblichen Tätigkeit zu erwarten ist (ordentlich) (z. B. Materialverbrauch, Fertigungslohn). Der Teil des Zweckaufwandes, der betragsgleich als Kosten verrechnet wird, repräsen tiert die Grundkosten. Vom Zweckaufwand zu unterscheiden ist der neutrale Aufwand, der aus folgenden Arten von Aufwand bestehen kann: •• betriebsfremder Aufwand: dient nicht dem Erreichen des betrieblichen Haupt zwecks (z. B. Spenden, Aufwand für betriebliche Sportanlagen etc.); •• periodenfremder Aufwand: wird in einer anderen Periode als der Güterverzehr erfolgswirksam erfasst und bewirkt somit keine Kosten (z. B. Steuernachbelastun gen); •• außerordentlicher Aufwand: steht zwar im Zusammenhang mit dem Betriebszweck, würde aber wegen des unvorhersehbaren Eintritts (z. B. Gebäudereparaturen) oder der außerordentlichen Höhe (z. B. Feuer schäden) bei einer Erfas sung die Aussage fähigkeit der Kosten- und Leistungsrechnung beeinträchtigen. Unter kalkulatorischen Kosten versteht man Kosten, denen entwe der überhaupt kein Aufwand (Zusatzkosten) oder Aufwand in einer anderen Höhe (Anderskosten) gegenübersteht. Über das Rechnen mit Zusatzkosten wird versucht, die eigene Kostensituation mit derjenigen verwandter Betriebe vergleichbar zu machen. Dabei werden Opportuni tätskosten berücksichtigt, die den Nutzen widerspiegeln sollen, der dem Unterneh men dadurch entgeht, dass die eingesetzten Produktionsfaktoren durch ihren Ein satz im Unternehmen von einer anderweitigen Verwendung ausgeschlossen sind. Bei spiele für Zusatzkosten sind: •• kalkulatorischer Unternehmerlohn (Entgelte für die Mitarbeit des Inhabers bei Personengesellschaften und Einzelunternehmen, der dafür keinen Aufwand gel tend machen kann); Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 9 92.4 Traditionelle Kostenrechnungssysteme •• kalkulatorische Eigenkapitalzinsen (Zinsen für das in dem Unternehmen einge setzte Eigenkapital, für das keine verpflichtenden Zinszahlungen (damit auch kein Aufwand) zu leisten sind); •• kalkulatorische Miete (Mietwert der betrieblich genutzten Räume, die dem Unternehmen gehören und für die daher keine Miete (kein Aufwand) zu zahlen ist). Anderskosten ergeben sich aufgrund einer abweichenden Bewertung des Güterverbrauchs in der pagatorischen und der kalkulatori schen Rechnung. Beispiele für Anderskosten sind: •• kalkulatorische Abschreibungen (berechnet in der Kostenrechnung auf Basis von Wieder be schaffungskosten/in der Gewinn- und Verlustrechnung auf Basis von Anschaffungskosten); •• kalkulatorische Zinsen (tatsächlich gezahlte Fremdkapitalzinsen in der Gewinn- und Verlustrechnung/Zinsen auf Basis eines kalkulatorischen Zinssatzes auf das durchschnittlich gebundene Kapital (Eigen- und Fremdkapital) in der Kostenrechnung); •• kalkulatorische Wagnisse (Wert der eingetretenen Wagnisse und Risiken in der Gewinn- und Verlustrechnung/geglät tete Durchschnittswerte in der Kostenrechnung). 2.4 Traditionelle Kostenrechnungssysteme Nach den Kriterien „Zeitlicher Bezug der Kosten“ und „Umfang der Kostenzu rechnung auf die Kostenträger“, lassen sich die traditionellen Kostenrechnungssysteme klassifi zieren. Die folgende Über sicht gibt einen Überblick über die wichtigsten in der Theorie diskutierten und in der Praxis angewandten traditionellen Kostenrech nungssysteme: Zeitlicher Bezug Umfang der Kostenzurechnung Istkosten- und Istleistungsrechnungen Plankosten- und Planleistungsrechnungen Vollkostenrechnung Istkosten- und Istleistungsrechnung auf Vollkostenbasis Plankosten- und Planleistungsrechnung auf Vollkostenbasis •• starre •• flexible Teilkostenrechnung Istkosten- und Istleistungsrechnung auf Teilkostenbasis •• variable Kosten •– (einstufiges) Direct Costing •– Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung •• relative Einzelkosten Plankosten- und Planleistungsrechnung auf Teilkostenbasis •• Grenzplankostenrechnung Tabelle 4: Überblick über traditionelle Kostenrechnungssysteme 2.4 Traditionelle Kostenrechnungssysteme Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 10 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung10 (1) Ist-, Normal- und Plankostenrechnung Nach dem Kriterium des „Zeitlichen Bezugs der Kosten“ unterscheidet man Ist-, Normal- und Plankostenrechnungen. Die Istkostenrechnung hat die Ermittlung der effektiv angefallenen Kosten im Rahmen einer Nachkalkulation zum Gegenstand. Auch die Normalkostenrechnung orientiert sich an realisierten Werten. Im Vergleich zur Istkostenrechnung werden aber durchschnittliche oder bereinigte Nor malkostensätze verwendet, die sich aus vergangenen Istwerten ableiten. Dagegen arbeitet die Plankostenrechnung als Vorkalkualtion mit ge planten Kosten, die auf Basis von vergangenen Ist größen bestimmt werden. Die festge legten Plankosten ermöglichen durch eine Gegenüberstellung der Istkosten eine aussage fähige Kostenkontrolle und Analyse von auftretenden Kostenabweichun gen. Kapitel 7 behandelt die Plankostenrechnung bzw. Kostenkontrolle auf Vollkosten- und Teilkostenbasis. (2) Voll- und Teilkostenrechnung Nach dem Kriterium „Umfang der Kostenzurechnung auf die Kostenträger“ unterscheidet man die Systeme der Voll- und der Teilkostenrechnung. Bei der Vollkostenrechnung werden die gesamten Kosten auf die Kostenträger verteilt. Dabei rechnet man die Einzelkosten den Kostenträgern direkt zu, wohingegen die Gemeinkosten über die sogenannte Kostenstellenrechnung zugeordnet werden. Die Kostenstellenrechnung schlüsselt die angefallenen Kosten auf die verschiedenen Betriebsbereiche verursachungsgerecht zu. Bei der Teilkostenrechnung findet dagegen nur eine teilweise Verrechnung der Gesamtkosten auf die Kosten träger statt. Als die zwei wesentlichen Ausprägungsformen der Teilkostenrechnung unterschei det man zwischen Teilkostenrechnungen auf Basis variabler Kosten und Teilkosten rechnungen auf Basis relativer Einzelkosten. Einen Überblick über die Systeme der Teilkostenrechnung liefert Abbildung 2.1. Abbildung 2.1 : Systeme der Teilkostenrechnung Systeme der Teilkostenrechnung Teilkostenrechnung auf Basis variabler Kosten Teilkostenrechnung auf Basis relativer Einzelkosten • (Einstufiges) Direct Costing • Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung • Grenzplankostenrechnung • Fixkostendeckungsrechnung (kombinierte Rechnung) Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 11 112.5 Moderne Instrumente der Kostenrechnung Den Ausgangspunkt der Teilkostenrechnung auf Basis variabler Kosten bildet die Auflösung der Gesamtkosten in variable und fixe Kosten. Dies geschieht in der Regel in Abhängigkeit von der Veränderlichkeit der Kosten bei Variation der Beschäftigung als der wichtigsten Kosteneinflussgröße. Alle variablen Kosten, ein schließlich der variablen Gemeinkosten, werden den Kostenträgern zugerech net. Nach der Behandlung des verbleibenden Fixkostenblocks unterscheidet man ver schiedene Formen der Teilkostenrechnung auf Basis variabler Kosten. Während das Direct Costing die gesamten Fixkosten en bloc in die Betriebsergebnis rechnung übernimmt, wird bei der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnungvon einem gegliederten Fixkostenblock ausgegangen und eine stufenweise Verrech nung der gebildeten Fixkostenanteile vom jeweils verbleibenden (Rest-) Deckungs beitrag vorgenommen. Die von Riebel konzipierte Teilkostenrechnung auf Basis relativer Einzelkosten geht davon aus, dass durch die Wahl einer geeigneten Bezugsgrößen hierarchie alle Kosten direkt als Einzelkosten auf entspre chende Bezugsgrößen zurechenbar sind. Dabei werden die Kosten jeweils an derjenigen Stelle der Bezugsgrößenhierarchie ausgewiesen, an der sie gerade noch als Einzelkosten erfassbar sind. Im weiteren Verlauf des Buches wird sich auf die Behandlung der Teilkostenrechnung auf Basis variabler Kosten beschränkt. In Kapitel 4 und 5 wird der im nachfolgenden Kapitel 3 dargestellte Aufbau der Kostenrechnung anhand von Beispielen auf Vollkosten- sowie Teilkostenbasis angewandt. 2.5 Moderne Instrumente der Kostenrechnung Traditionell ist die Kostenrechnung ein kurzfristig ausgerichtetes Steuerungsinstrument zur Lösung operativer Planungs-, Kontroll-, und Steuerungsaufgaben. Die Grund steine der Kostenrechnung wurden Ende der sechziger Jahre gelegt. Zu dieser Zeit war das Umfeld der meisten Unternehmen gekennzeichnet durch Ver käufermärkte und Massenproduktion. Dieses Umfeld hat sich seit Ende der siebzi ger Jahre drastisch verändert und mit ihm veränderte sich auch der Prozess der betrieblichen Leistungserstellung und Wertschöpfung. Durch die angesprochenen Veränderungen kam es zum Ausbau der strategischen Planungsinstrumente in Theorie und Praxis, und damit auch zur Entwicklung moderner Instrumente in der Kostenrechnung. Denn gerne werden auch für strate gische Entscheidungen Kostenrechnungsgrößen verwendet; weil die Entscheidungsträger es zum einen gewohnt sind in solchen Größen zu denken. Zum anderen scheint es dem Anwender so, als würden im Rahmen der Kostenrechnung weniger Daten und Prognosen benötigt, als z. B. bei den dynamischen Methoden der Inves titionsrechnung. Für strategische Entscheidungen liefern aber die traditionellen Kostenrechnungssysteme, z. B. die Zuschlagskalkulation, keine adäquaten Informationen. Zudem werden sie den Ansprüchen an ein effizientes Kostenmanagement nicht 2.5 Moderne Instrumente der Kostenrechnung Vahlen – Kurzlehrbücher – Dahmen - Kostenrechnung (4. Auflage) – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.04.2014 Status: Imprimatur Seite 12 2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung12 vollständig gerecht. Es werden deshalb Instrumente benötigt, die eben diese Informationen bereitstellen können. Dazu gehören vor allem die Prozesskostenrechnung und das Target Costing. Die Prozesskostenrechnung beschreibt ein Kostenmanagement unter Berücksichtigung von Ressourcenverbrauchen und Kapazitätsauslastung, vor allem in dienstleistungs- und serviceorientierten Unternehmen. Dieses Konzept kann als Ergänzung zur traditionellen Vollkostenrechnung gesehen werden und wird in Kapitel sechs ausführlich beschrieben. Das Target Costing (Zielkostenrechnung) beschäftigt sich unter Bezugnahme auf Marktbedürfnisse mit der Frage, wie viel ein Produkt kosten darf. Dieses Konzept zur Feststellung der Selbstkosten wird in Kapitel acht separat gewürdigt. 2.6 Übungsaufgaben Aufgabe 2.1 Was sind die grundlegenden Aufgaben des Rechnungswesens? Aufgabe 2.2 Welche Unterschiede bestehen zwischen dem externen und internen Rechnungswesen? Gehen Sie insbesondere auf die Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung ein! Aufgabe 2.3 Welche Stromgrößen des betrieblichen Rechnungswesens kennen Sie? Gehen Sie insbesondere auf die Unterschiede der Begriffe „Aufwand“ und „Kosten“ ein! Aufgabe 2.4 Was versteht man unter kalkulatorischen Kosten? Nennen Sie Beispiele. Aufgabe 2.5 Inwieweit unterscheiden sich der wertmäßige und der pagatorische Kostenbegriff voneinander? 2.6 Übungsaufgaben

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Zusammenfassung

Das bewährte Lehrbuch stellt die Kostenrechnung in vier Schritten übersichtlich und praxisorientiert mit vielen Übungsaufgaben und Lösungshinweisen dar. Es vermittelt den Inhalt in verständlicher und leicht erlernbarer Sprache, beschreibt auch neue Konzepte wie z. B. die Prozesskostenrechnung und erläutert die Bedeutung der Kostenrechnung für das Controlling.

Das Buch richtet sich an Studierende der Wirtschaftswissenschaften in Bachelor- und Masterstudiengängen, die sich im Rahmen ihrer Prüfungsvorbereitung einen gezielten Überblick über die Kostenrechnung verschaffen möchten.

Kostenrechnung – die Schwerpunkte

- Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung (Ziele, Grundbegriffe sowie Einführung in traditionelle Kostenrechnungssysteme und strategische Instrumente)

- Detaillierter Ablauf der Kostenrechnung (Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger)

- Kostenrechnung auf Voll- und Teilkostenbasis, Direct Costing und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

- Methoden der Kostenkontrolle

- Moderne Kostenrechnungsinstrumente (Prozesskostenrechnung, Target Costing)