7 Plankostenrechnung in:

Sven Fischbach

Grundlagen der Kostenrechnung, page 150 - 171

Mit Prüfungsaufgaben und Lösungen

6. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4675-3, ISBN online: 978-3-8006-4676-0, https://doi.org/10.15358/9783800646760_150

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 145 7 Plankostenrechnung Lernziele ●● Sie kennen die Vorteile der Plankostenrechnung gegenüber der Ist- und der Normalkostenrechnung. ●● Sie wissen, wie Kosten geplant werden. ●● Sie kennen die starre Form der Plankostenrechnung. ●● Sie kennen die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis und auf Teilkostenbasis (Grenzplankostenrechnung). ●● Sie können im Rahmen von Soll-Ist-Vergleichen die wichtigen Abweichungen bestimmen und interpretieren. 7.1 Einführung in die Plankostenrechnung 7.1.1 Von der Ist- zur Plankostenrechnung Um das unternehmerische Gewinnziel in bestmöglicher Weise erreichen zu können, ist Planung notwendig. Das heißt, für verschiedene Alternativen sind die Konsequenzen aufzuzeigen, unter denen die beste Möglichkeit dann zu wählen ist. Einmal getroffene Entscheidungen sollten zudem kontrolliert werden. Hierdurch können Verantwortlichkeiten für (Fehl-)Entwicklungen ermittelt und Erfahrungen für zukünftige Planungen gewonnen werden. Die vergangenheitsorientierte Istkostenrechnung und die gegenwartsorientierte Normalkostenrechnung sind hierfür nicht geeignet. Die Istkostenrechnung soll die in einer Periode tatsächlich angefallenen Kosten möglichst genau auf die in der Periode erstellten Leistungen verrechnen. Zu kritisieren sind daran insbesondere die nachfolgenden Aspekte. Durch die Verrechnung tatsächlich angefallener (Ist-)Kosten auf die tatsächliche Produktion ergeben sich in der Kalkulation laufend Schwankungen. Wurden beispielsweise teuer eingekaufte Rohstoffe verarbeitet, steigen die kalkulierten Preise. Ist in einer Periode die Produktionsmenge höher oder der Verschnitt geringer, sinken die Kosten. Damit ist die Istkostenrechnung nicht für Planungszwecke geeignet. Durch die Orientierung an Vergangenheitswerten sind nur Zeitvergleiche möglich. Eine wirksame Kontrolle erfordert jedoch den Abgleich mit (unabhängig von der Vergangenheit ermittelten) Planwerten. Unwirtschaftlichkeiten können mittels Zeitvergleichen nicht erkannt werden, nur Veränderungen im Zeitablauf. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 146 7 Plankostenrechnung146 Beispiel zu den Istkosten Ein Unternehmen liefert seine Erzeugnisse mit einem Transporter aus. Dieser hat in der letzten Periode durchschnittlich 11 Liter Benzin je 100  km verbraucht. Bei einem Literpreis von 1,20 € ergeben sich Istkosten von 0,13 €/ km für Benzin. In der nächsten Periode lag der Durchschnittsverbrauch bei 9 Litern je 100 km. Im Zeitvergleich ist das eine deutliche Verbesserung. Ein sinnvolle Aussage über die Wirtschaftlichkeit des Fahrstils ist jedoch nur möglich, wenn der DIN-Verbrauch des Wagens bekannt ist. Zudem ist die Ermittlung der Istkosten aufwändig und dauert lange. Eine Ermittlung von Verrechnungs- und Kalkulationssätzen ist beispielsweise erst möglich, wenn alle Endkosten bekannt sind. Da die Ermittlung der Istkosten in der Praxis durchaus einige Wochen dauern kann, ist auf Basis von Istkosten in der Regel nur eine Nachkalkulation möglich. Die Istkostenrechnung verrechnet die tatsächlich angefallenen Kosten ohne Korrekturen auf die in der Periode erstellten und verkauften Kostenträger. Hierdurch ergeben sich folgende Besonderheiten: ●● die Kosten können stark schwanken, ●● das Verfahren ist rechentechnisch schwerfällig und dauert lange, ●● die Orientierung an Vergangenheitswerten ermöglicht nur Zeitvergleiche und ●● dispositive Entscheidungen sind nicht möglich. Für eine zukunftsorientierte Steuerung, eine verlässliche Kalkulation von Angeboten sowie eine wirkungsvolle Kontrolle ist die Istkostenrechnung nicht geeignet. In der Praxis ist eine reine Istkostenrechnung selten, da zumindest bei einigen Kostenarten mit Durchschnittswerten gerechnet wird (zum Beispiel durch die Verwendung fester Verrechnungspreise und den Ansatz kalkulatorischer Kosten). Als Weiterentwicklung der Istkostenrechnung entstand die Normalkostenrechnung. Statt der schwierig zu ermittelnden Istgemeinkosten werden hier Normalgemeinkosten verrechnet. Diese werden auf Basis von Vergangenheitswerten (statistischen Mittelwerten) und/oder unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen (aktualisierten Mittelwerten) ermittelt. Den Kostenträgern werden aber weiterhin (die einfacher zu erfassenden) Ist-Einzelkosten zugerechnet. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 147 7.1 Einführung in die Plankostenrechnung 147 Beispiel zu den Normalkosten Das Unternehmen könnte für den Transporter einen Normalverbrauch von 10 Litern/100 km ermitteln (als durchschnittlichen Verbrauch). Damit ergeben sich bei einem Literpreis von 1,20 € Normalkosten von (10 l /100 km × 1,20 €/l =) 0,12 € je km. Wird in der Periode eine 10 %ige Benzinpreiserhöhung erwartet, rechnet das Unternehmen entsprechend mit 0,132 € je km. Durch die derartige Verwendung von festen Verrechnungspreisen wird die Abrechnung vereinfacht und beschleunigt. Zufallsschwankungen haben keinen Einfluss auf die Höhe der verteilten Gemeinkosten. Verschiedene Perioden sind dadurch besser vergleichbar. Zudem liegen die Normalkostensätze bereits früher vor, die Kalkulation kann also schneller durchgeführt werden. Beispiel zur Normalkostenrechnung Es sollen die (Normal-)Selbstkosten für eine Maschine ermittelt werden, für die Ist-Einzelkosten in Höhe von 100 € für Fertigungsmaterial und 80 € für Fertigungslöhne anfallen. Das Unternehmen rechnet mit folgenden Normal- Gemeinkostenzuschlagssätzen. Normal-Material-GKZS 40 % Normal-Fertigung-GKZS 120 % Normal-Verwaltungs- und Vertriebs-GKZS 50 % Für das Produkt ergeben sich folgende Normal-Selbstkosten: Kostenart Kosten in € Erläuterungen (1) Ist-Materialeinzelkosten 100,00 (2) + 40 % Normal-MaterialGK 40,00 bezogen auf (1) (3) + Ist-Fertigungseinzelkosten 80,00 (4) + 120 % Normal-FertigungsGK 96,00 bezogen auf (3) (5) = Normal-Herstellkosten 316,00 = (1) bis (4) (6) + 50 % Normal-Vw&Vt-GK 158,00 bezogen auf (5) (7) = Normal-Selbstkosten 474,00 = (5) + (6) Zu bedenken ist allerdings, dass Abweichungen zwischen den Ist- und den Normalgemeinkosten zu Über- beziehungsweise Unterdeckungen führen. Die Kalkulation wird hierdurch ungenauer, da die Abweichungen den Kostenträgern nicht zugerechnet werden. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 148 7 Plankostenrechnung148 Beispiel zur Unterdeckung Nach Ablauf der Periode wird ein Ist-Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschlagssatz von 60 % ermittelt. Folglich wurden auf Basis des verwendeten Normal-Gemeinkostenzuschlagssatzes von 50 % den Kostenträgern zu wenig Gemeinkosten zugerechnet. Für den obigen Kostenträger ergibt sich eine Unterdeckung von (316,00 € × (60 % – 50 %)) = 31,60 €. Ein weiterer Mangel der Normalkostenrechnung ist insbesondere die wenig aussagekräftige Kontrollmöglichkeit. Es können nur Istkosten mit Normalkosten verglichen werden. Sind schon die Normalkosten nicht aussagefähig, werden zu hohe Istkosten nicht entsprechend erkannt. Es wird „Schlendrian mit Schlendrian“ verglichen. Die Normalkostenrechnung verrechnet normalisierte Gemeinkosten auf die Kostenträger. Zu beachten sind folgende Aspekte: ●● Zufallsschwankungen werden vermieden; ●● die Abrechnung wird gegenüber der Istkostenrechnung beschleunigt; ●● Kalkulationen sind besser vergleichbar, allerdings sind Normalkosten kein aussagefähiger Vergleichsmaßstab; ●● Über-/Unterdeckungen der Gemeinkosten sind möglich. Als Weiterentwicklung von Ist- und Normalkostenrechnung entstand die zukunftsorientierte Plankostenrechnung. Diese ermöglicht es den Betrieben, ihre zukünftigen Erfolge zu planen und zu steuern sowie die Wirtschaftlichkeit zu kontrollieren. Dieses ist insbesondere für größere sowie in starkem Wettbewerb stehende Unternehmen überlebenswichtig. Die Aufgaben der Plankostenrechnung sind ●● die Prognose zukünftiger Kosten (Plankosten) zur Steuerung des Unternehmens (Disposition) und ●● die Kontrolle der Wirtschaftlichkeit durch Soll-Ist-Vergleich. Durch die Plankostenrechnung sollen dem Management entscheidungsrelevante Informationen zur Verfügung gestellt werden. So kann zum Beispiel durch Gegenüberstellung der Planwerte verschiedener Alternativen die mit dem höchsten Gewinn beziehungsweise den niedrigsten Kosten ausgewählt werden. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es sich um Planwerte handelt, die unter gewissen Annahmen (zum Beispiel Produktionsmenge, Preisniveau) ermittelt wurden. Während und nach Ablauf der Periode sollten durch Kontrollen die Entscheidungen überprüft, Fehlentwicklungen erkannt und Verantwortlichkeiten ermittelt werden. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 149 7.1 Einführung in die Plankostenrechnung 149 Es können verschiedene Varianten der Plankostenrechnung unterschieden werden. Die älteste Form ist die starre Plankostenrechnung. Sie ermittelt die Plankosten nur für einen bestimmten Beschäftigungsgrad. Hieraus wurde später die flexible Plankostenrechnung entwickelt. Diese ermittelt die Plankosten für verschiedene Beschäftigungsgrade. In Abhängigkeit vom Umfang der berücksichtigten Kosten können hierbei die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis sowie die als Grenzplankostenrechnung bezeichnete flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis unterschieden werden. Bevor diese Varianten vorgestellt werden, soll zuvor die Planung, Kontrolle und Steuerung von Kosten grundlegend erläutert werden. Weiterhin finden sich die (veralteten) Begriffe Standardkostenrechnung und Budgetkostenrechnung. Bei der Standardkostenrechnung steht die Planung und Kontrolle des Mitteleinsatzes (Kosten) im Vordergrund, bei der Budgetkostenrechnung hingegen Planung und Kontrolle der Wirtschaftlichkeit. 7.1.2 Allgemeines zur Planung, Kontrolle und Steuerung Die Planung findet vor der Leistungserstellung statt. Es wird also eine zukünftige Periode geplant. Zu planen sind die Erlöse und die Kosten. Durch Gegenüberstellung der erwarteten Leistungen und der geplanten Kosten kann der Planerfolg (= geplanter Betriebserfolg) ermittelt werden. Planerfolg = Planleistungen – Plankosten Die Planleistungen eines Unternehmens setzen sich insbesondere aus Umsatzerlösen und Bestandserhöhungen sowie aktivierten Eigenleistungen zusammen. Diese sind auf Basis der erwarteten Produktions- und Absatzmengen sowie der erzielbaren Preise zu planen. starre Plankostenrechnung flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis Grenzplankostenrechnung (flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis) flexible Plankostenrechnung Plankostenrechnung Abbildung 7.1: Ausprägungen der Plankostenrechnung Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 150 7 Plankostenrechnung150 Plankosten können in Anlehnung an die Definition der Kosten als der geplante bewertete, betriebszielbezogene Verzehr von Gütern und Dienstleistungen innerhalb einer Rechnungsperiode charakterisiert werden. Plankosten ergeben sich als Produkt aus der erwarteten (geplanten) Beschäftigung und den erwarteten (geplanten) Kosten. Plankosten = geplante Beschäftigung × geplante Kosten je Stück Die Planbeschäftigung wird aufgrund der erwarteten Absatzmenge und den gewünschten Bestandsveränderungen festgelegt. Hierbei ist die wirtschaftlichste Beschäftigung zu beachten. Die maximale Beschäftigung wird durch die Kapazität und eventuelle Engpässe im Unternehmen begrenzt. Beispiel zur Planung der Leistung Der Transporter des Unternehmens könnte theoretisch täglich 24 Stunden gefahren werden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 80  km/h. Es errechnet sich eine maximale Kapazität von (24 Stunden × 80 km/h =) 1.920 km pro Tag. Aufgrund notwendiger Ladezeiten und gesetzlicher Regelungen kann der Wagen jedoch täglich nur 14 Stunden gefahren werden. Zudem ist wegen der Verkehrsverhältnisse nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h realistisch. Die Planbeschäftigung könnte folglich (14 Stunden × 50 km/h =) 700 km betragen. Die Plankosten je Stück sollen unabhängig von den Werten der Vergangenheit ermittelt werden (auch wenn das in der Praxis nicht immer so gehandhabt wird und Vergangenheitswerte fortgeschrieben werden). Hierzu kann auf technische Daten (zum Beispiel Faktorqualitäten, Betriebsanleitungen, Probeläufe) zurückgegriffen werden. Die Planpreise der verbrauchten Einsatzfaktoren sind zu schätzen. Die gesamten Plankosten sind die Kosten, die bei einem planmäßigen Betriebsverlauf zu erwarten sind. Beispiel zur Planung von Kosten Für den Transporter des Unternehmens wurde gemäß Betriebsanleitung ein DIN-Verbrauch von 8 Litern/100 km ermittelt. Folglich sollte bei einem erwarteten Preis von 1,20 € je Liter mit Plankosten von (8 l/100 km × 1,20 €/l =) 0,096 € je km kalkuliert werden. Zusätzlich sind noch wöchentliche Fixkosten von 350 € für kalkulatorische Abschreibungen, Wartung, Gehalt des Fahrers et cetera zu berücksichtigen. Es ergeben sich bei einer geplanten Fahrleistung von 700  km pro Woche Plankosten von (350 € + 700  km × 0,096 €/km =) 417,20 € beziehungsweise 0,596 € je km. Plankosten und Planerfolge haben eine Motivationsfunktion, solange sie realistisch sind. Deshalb sollten Planwerte eine Herausforderung darstellen, aber Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 151 7.2 Starre Plankostenrechnung 151 auch erreichbar sein. Vorteilhaft ist bei der Planung deshalb in der Regel die Mitwirkung der betroffenen Abteilungen beziehungsweise Mitarbeiter. Planung ohne Kontrolle ist sinnlos; Kontrolle ohne Planung ist unmöglich. Die ermittelten Plankosten können als Beurteilungsmaßstab herangezogen werden. Regelmäßige Kontrollen (so genannte Soll-Ist-Vergleiche) sollten bereits während der Umsetzung der Planung, das heißt während der laufenden Periode, durchgeführt werden. Diese zeigen, ob richtig geplant wurde und das Unternehmen noch „auf Kurs“ ist. Treten Abweichungen zwischen (anteiligen) Planwerten und Istwerten auf, müssen deren Ursachen ermittelt und entsprechende Steuerungsmaßnahmen ergriffen werden, um das geplante Ergebnis (noch) zu erreichen. Erst Kontrollen ermöglichen also den Abteilungen und Mitarbeitern, Fehlentwicklungen bereits während einer Periode zu erkennen und zu vermeiden. Eine Kontrolle nach Abschluss einer Periode kann hingegen nur noch eine (Un)Wirtschaftlichkeit feststellen. Für Steuerungsmaßnahmen ist es dann zu spät. Auf die möglichen Gründe für Abweichungen zwischen Plan- und Istwerten wird bei der nachfolgenden Vorstellung der Verfahren der Plankostenrechnung näher eingegangen werden. Verrechnung der Kosten in den verschiedenen Kostenrechnungssystemen Die vergangenheitsorientierte Istkostenrechnung verrechnet tatsächlich angefallene Kosten. Die gegenwartsorientierte Normalkostenrechnung verrechnet die normalerweise anfallenden Kosten; hierzu glättet sie die in der Istkostenrechnung auftretenden Schwankungen. Die zukunftsorientierte Plankostenrechnung verrechnet zukünftig anfallende Kosten; diese plant sie auf Basis technischer Daten – eine Fortschreibung von Vergangenheitswerten soll nicht erfolgen. 7.2 Starre Plankostenrechnung Die starre Plankostenrechnung plant die zukünftigen (Plan-)Kosten einer Kostenstelle nur für eine bestimmte Beschäftigung. Für diese Plan-Beschäftigung (zum Beispiel gemessen in Maschinenstunden, produzierten Stücken oder Anzahl der Mitarbeiter) sind die (Plan-)Einzel- und (Plan-)Gemeinkosten zu ermitteln. Zur Kalkulation der Kostenträger werden diese Plankosten mithilfe eines Plan-(Gemein-)Kostenverrechnungssatzes verrechnet. Der Verrechnungssatz ergibt sich durch Division der Plankosten durch die Planbeschäftigung. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 152 7 Plankostenrechnung152 Plankostenverrechnungssatz = Plankosten bei Planbeschäftigung Planbeschäftigung Beispiel zum Plan-Gemeinkostenverrechnungssatz Für eine Maschine wird bei einer geplanten Beschäftigung von 100 Stunden mit Plankosten von 5.800 € kalkuliert. Es errechnet sich ein Plangemeinkostenverrechnungssatz von Plankostenverrechnungssatz = 5.800 € = 58 €/h 100 h Einem Kostenträger, der auf dieser Maschine 4 Stunden bearbeitet wird, werden folglich Plankosten von (58 € × 4 Stunden =) 232 € zugerechnet. Mit diesem Plankostenverrechnungssatz werden die innerbetrieblichen Leistungen verrechnet, Kostenträger kalkuliert und die kurzfristige Erfolgsrechnung durchgeführt. Spätere Beschäftigungsänderungen und dadurch verursachte Kostenveränderungen werden nicht berücksichtigt. Es wird weiterhin mit dem für die Plan-Beschäftigung ermittelten Plan-Gemeinkostenverrechnungssatz verrechnet. Sollkosten für andere Beschäftigungsgrade werden nicht ermittelt. Deshalb heißt die Variante starre Plankostenrechnung. Da alle Kosten für die Planbeschäftigung geplant werden und nicht zwischen fixen und variablen Kosten unterschieden wird, handelt es sich um eine Vollkostenrechnung. Die Plankosten werden später den Istkosten gegenübergestellt. Durch eine derartige Kontrolle können eventuelle Abweichungen zwischen Plan und Ist festgestellt werden. Beispiel zur starren Plankostenrechnung Es wurden Plankosten von 5.800 € für eine Planbeschäftigung von 100 Stunden ermittelt. Tatsächlich lief die Maschine in der Periode nur 60 Stunden. Es fielen Istkosten von 6.200 € an. Davon sind gemäß Informationen der Einkaufsabteilung 1.400 € auf Preiserhöhungen für Einsatzfaktoren zurückzuführen. Preisabweichungen (DP) können durch Abgleich der geplanten Preise mit den tatsächlichen Preisen ermittelt werden. Es gilt: Istkosten bei Istbeschäftigung – Preisveränderungen (Preisabweichungen) = preisbereinigte Istkosten Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 153 7.2 Starre Plankostenrechnung 153 Entscheidend für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Kostenstelle sind die maßgeblich von dieser beeinflussbaren Kosten. Deshalb muss die Differenz zwischen Plankosten bei Planbeschäftigung und preisbereinigten Istkosten bei Ist-Beschäftigung erklärt werden können. Beispiel zur starren Plankostenrechnung Bei Istkosten von 6.200 € und einer Preisabweichung von 1.400 € errechnen sich preisbereinigte Istkosten von 4.800 €. Die auf Basis der Werte der Planung verrechneten Plankosten betragen für diese Beschäftigung 3.480 € (= 60 Stunden × 58 € Gemeinkostenverrechnungssatz). Es verbleibt eine Differenz von (4.800 € – 3.480 € =) 1.320 €, die zu erklären beziehungsweise von der Produktionsabteilung zu verantworten ist. Im System der starren Plankostenrechnung kann die verbleibende Abweichung zwar in zwei Teilabweichungen (∆1 und ∆2) aufgeteilt werden, doch sind deren Ursachen nicht eindeutig ermittelbar. Sie können durch Planungsfehler, einen für die Ist-Beschäftigung falschen Plankostenverrechnungssatz (Beschäftigungsabweichung) und/oder einen ungeplanten Verzehr von Einsatzfaktoren Kosten Stunden 1.000 3.000 5.000 20 6040 80 Verrechnete Plankosten xi xp ♦ ♦ ♦ 1 2 100 120 5.800 0 4.800 6.200 ♦ P Plankosten Istkosten Preisbereinigte Istkosten Verrechnete Plankosten (bei Istbeschäftigung) 3.480 2.000 4.000 Abbildung 7.2: Starre Plankostenrechnung Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 154 7 Plankostenrechnung154 (Verbrauchsabweichung) hervorgerufen worden sein. Ursache hierfür ist der Plankostenverrechnungssatz, der proportionalisierte Fixkosten enthält. Er ist folglich nur dann richtig, wenn die Planbeschäftigung auch eintritt. Vorteilhaft an der starren Plankostenrechnung ist, dass eine schnelle, zukunftsorientierte und kostenstellenbezogene Abrechnung und Kalkulation ermöglicht wird. Allerdings sind die Kalkulationsergebnisse aufgrund der Proportionalisierung fixer Kosten durch den Gemeinkostenverrechnungssatz nur für die geplante Beschäftigung brauchbar. Für die Bestimmung kurzfristiger Preisgrenzen ist sie nicht geeignet. Eine aussagekräftige Kostenkontrolle ist nur möglich, wenn die Istbeschäftigung der Planbeschäftigung entspricht. Dann können neben Preisabweichungen auch Verbrauchsabweichungen identifiziert werden. Weicht die Istbeschäftigung jedoch von der Planbeschäftigung ab, können auftretende Abweichungen zwischen Plankosten (bei Planbeschäftigung) und verrechneten Plankosten bei Istbeschäftigung den verschiedenen Einflussfaktoren nicht eindeutig zugerechnet werden. Deswegen sollte die starre Plankostenrechnung, wenn überhaupt, nur in Kostenstellen ohne Beschäftigungsschwankungen (zum Beispiel Verwaltung) eingesetzt werden. In der Praxis wird dieses Verfahren kaum angewendet. Vielmehr kommen dort flexible Plankostenrechnungen zum Einsatz, eine Weiterentwicklung der starren Plankostenrechnung. Diese können die Gesamtabweichung verursachungsgerecht aufgliedern. 7.3 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis Bei der flexiblen Plankostenrechnung wird ähnlich wie bei der starren Plankostenrechnung vorgegangen, das heißt, auch hier wird zunächst ein Plankostenverrechnungssatz ermittelt, der die fixen Kosten proportionalisiert. Allerdings werden nun zusätzlich die gesamten Kosten in fixe und variable Kostenbestandteile zerlegt. Die flexible Plankostenrechnung wird als flexibel bezeichnet, da sie so genannte Sollkosten als Plankosten für verschiedene Beschäftigungsgrade ermittelt. Hierzu ist eine Kostenspaltung notwendig. Die Sollkosten errechnen sich aus den (gesamten) fixen Kosten und den für die Beschäftigung geplanten variablen Kosten. In die grafische Darstellung ist entsprechend die Kurve der Sollkosten einzufügen. Diese beginnt in Höhe der fixen Kosten und steigt entsprechend der variablen (Plan-)Stückkosten an (siehe Abbildung 7.4). Aufgrund der Trennung in fixe und variable Kosten ermöglicht die flexible Plankostenrechnung zudem eine aussagekräftige Kostenkontrolle. Im Rahmen einer Abweichungsanalyse werden die für die Ist-Beschäftigung ermittelten verrechneten Plankosten mit den angefallenen Istkosten abgeglichen (Soll-Ist- Vergleich). Entscheidender Beurteilungsmaßstab sind die Sollkosten. Entspricht die Planbeschäftigung der Istbeschäftigung (xp = xi), dann entsprechen die Sollkosten den verrechneten Plankosten. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 155 7.3 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis 155 Im Rahmen der einfachen flexiblen Plankostenrechnung werden die Sollkosten nur aufgrund einer einzigen Einflussgröße bestimmt. Dieses ist in der Regel die Beschäftigung. Die mehrfach flexible Plankostenrechnung berücksichtigt bei der Bestimmung der Sollkosten verschiedene Einflussfaktoren wie zum Beispiel die Seriengröße, die Intensität der Fertigung und den Ausbeutegrad der verwendeten Produktionsfaktoren. Beispiel zu Kosteneinflussgrößen Die Benzinkosten eines Autos hängen nicht nur von der zurückgelegten Entfernung (Beschäftigung), sondern auch vom Fahrstil, der zu fahrenden Strecke (Stadtverkehr oder Landstraße; Seriengröße) und der gefahrenen Geschwindigkeit (50, 90 oder 120 km/h; Intensität) ab. Die Gesamtabweichung zwischen Istkosten und verrechneten Plankosten (Plankosten bei Istbeschäftigung) kann, entsprechend der Definition von Kosten als Produkt von Menge und Wert, auf mengen- und auf wertmäßige Einflüsse zurückgeführt werden. Eine Abweichungsanalyse kann rechnerisch und grafisch durchgeführt werden. Abbildung 7.4 zeigt die grafische Abweichungsermittlung für das nachfolgende Beispiel. Anschließend werden die einzelnen Abweichungen und ihre rechnerische Ermittlung näher erläutert. Verbrauchsabweichung Beschäftigungsabweichung Mengenabweichungen Preisabweichung Wertabweichung Gesamtabweichung Abbildung 7.3: Abweichungsarten Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 156 7 Plankostenrechnung156 Beispiel zur flexiblen Plankostenrechnung Eine Maschine verursacht fixe Gemeinkosten (für Abschreibungen, Gehälter et cetera) von 1.800 € pro Periode. Die variablen Kosten werden mit 40 € je Stunde geplant. Vorgesehen war eine Beschäftigung von 100 Stunden mit Plankosten von insgesamt 5.800 €. Der Plankostenverrechnungssatz beträgt folglich 58 €/Stunde. Bei einer tatsächlichen (Ist-)Beschäftigung von 60 Stunden fielen Istkosten von 6.200 € an. Die fixen Kosten erhöhten sich auf 2.300 €. Die variablen Kosten stiegen auf 65 € je Stunde, wobei 15 € auf Preiserhöhungen zurückzuführen sind. Der Kostenstellenleiter soll nun erklären, wie es zu der Differenz von 2.720 € zwischen Istkosten (6.200 €) und verrechneten Plankosten (3.480 € = 60 Stück × 58 €) kommen konnte. Preisabweichungen (∆P) zeigen die Einflüsse von Preisveränderungen auf die Istkosten. Sie ergeben sich aus der Differenz zwischen den Istkosten auf der Basis von Istpreisen (tatsächliche Einstandspreise) und den Istkosten auf der Basis von festen Verrechnungspreisen (Planpreise). 1 = Plankosten bei Plan-Beschäftigung 2 = Plankosten bei Ist-Beschäftigung 3 = Istkosten bei Ist-Beschäftigung 4 = preisbereinigte Istkosten bei Ist-Beschäftigung 5 = Sollkosten bei Ist-Beschäftigung Kosten Stück 1.000 3.000 4.200 20 6040 80 xi xp ♦ ♦ ♦ 100 120 5.800 1.800 6.200 ♦ P V B 1 2 3 4 5 4.800 0 3.480 Abbildung 7.4: Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 157 7.3 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis 157 Istkosten = fixe Istkosten zu Istpreisen + Istpreise × Ist-Menge – preisbereinigte = fixe Istkosten zu Planpreisen + Planpreise × Ist-Menge Istkosten = Preisabweichung oder mithilfe von Symbolen ausgedrückt: Ki (xi) = Kfi + kvi × xi – Ki* (xi) = Kfi* + kvi* × xi = ± ∆P = ∆Kf + ∆kv × xi Grundbegriffe der Plankostenrechnung Planbeschäftigung xp ist die vor Beginn der Periode erwartete (durchschnittliche) Beschäftigung. Istbeschäftigung xi ist die tatsächliche Beschäftigung in einer Periode. Istkosten Ki (xi) sind die tatsächlich eingetretenen Kosten bei Istbeschäftigung. Preisbereinigte Istkosten Ki* (xi) sind die tatsächlich eingetretenen Kosten auf der Basis fester Verrechnungspreise, also nach Herausrechnung eventueller Preisveränderungen bei Ist-Beschäftigung. Sollkosten Kp (xi) sind die Kosten der Istbeschäftigung bei wirtschaftlichem, das heißt geplantem Verhalten (also bewertet zu Planpreisen). Plankosten Kp (xp) sind die erwarteten Kosten bei Planbeschäftigung. Verrechnete Plankosten Kp (xp) × (xi/ xP) sind die mithilfe des Plankostenverrechnungssatzes für die Ist-Beschäftigung geplanten Kosten (ohne Unterscheidung in fixe und variable Kosten). Liegt eine positive Preisabweichung vor, wurde für die verbrauchte Ist-Menge mehr bezahlt als geplant. Gründe hierfür können Preiserhöhungen am Beschaffungsmarkt und/oder schlechtere Konditionen beim Einkauf sein. Das ist negativ für den Betrieb. Verantwortlich hierfür ist die mit dem Einkauf betraute Stelle im Betrieb. Der Leiter einer Fertigungskostenstelle ist hierfür folglich nur dann verantwortlich, wenn er auch die Einkäufe tätigt und dabei die Preise aushandelt. In größeren Unternehmen erledigt das in der Regel ein zentraler Einkauf, der auch die (erwarteten) Preise für die Planung vorgibt. Umgekehrt ist dem Einkäufer auch eine negative Preisabweichung zuzurechnen. Dann musste für die verbrauchte Istmenge weniger bezahlt werden als geplant, zum Beispiel aufgrund geschickter Preisverhandlungen und/oder sinkender Preise. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 158 7 Plankostenrechnung158 Beispiel zur Preisabweichung Bei Istkosten von insgesamt 6.200 € und fixen Istgemeinkosten von 2.300 € verbleiben variable Istkosten von 3.900 €. Das entspricht bei einer Beschäftigung von 60 Stück variablen Istkosten von 65 € pro Stück. Ohne Berücksichtigung von Preiserhöhungen in Höhe von 15 € je Stunde sind variable (preisbereinigte) Istkosten von 50 € zu berücksichtigen. Istkosten 2.300 € + 65 € × 60 Stunden = 6.200 € – preisbereinigte Istkosten 1.800 € + 50 € × 60 Stunden = 4.800 € = Preisabweichung 500 € + 15 € × 60 Stunden = 1.400 € Hinweis: Häufig wird in der Praxis (aber auch in Klausuren) mit festen Verrechnungspreisen gearbeitet. Preisabweichungen müssen dann nicht berücksichtigt werden. Bedeutung der Vorzeichen von Abweichungen positives Vorzeichen = Unterdeckung = Ergebnisverschlechterung negatives Vorzeichen = Überdeckung = Ergebnisverbesserung Verbrauchsabweichungen (∆V) zeigen, wie wirtschaftlich gearbeitet wurde. Errechnet werden Mehr- oder Minderkosten beim Verbrauch der Einsatzfaktoren (zum Beispiel Material, Arbeitszeit). Ermittelt wird die Verbrauchsabweichung durch Subtraktion der Sollkosten von den preisbereinigten Istkosten. preisbereinigte Istkosten = fixe Istkosten zu Planpreisen + preisbereinigte Istpreise × Istmenge – Sollkosten = fixe Plankosten + Planpreise × Istmenge = Verbrauchsabweichung oder mithilfe von Symbolen ausgedrückt: Ki* (xi) = Kfi* + kvi* × xi – Kp (xi) = Kfp + kvp × xi = ± ∆V = ∆Kf + ∆kv × xi Verantwortlich für die Verbrauchsabweichung ist der Leiter der betreffenden Kostenstelle. Liegt eine positive Verbrauchsabweichung vor, wurde unwirtschaftlich gearbeitet. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 159 7.3 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis 159 Beispiel zur Verbrauchsabweichung Hinweis: Die preisbereinigten Istkosten wurden bereits bei der Ermittlung der Preisabweichung errechnet. preisbereinigte Istkosten 1.800 € + 50 € × 60 Stunden = 4.800 € – Sollkosten 1.800 € + 40 € × 60 Stunden = 4.200 € = Verbrauchsabweichung 0 € + 10 € × 60 Stunden = 600 € Ursachen für Verbrauchsabweichungen sind insbesondere bei der Wirtschaftlichkeit des Verbrauchs zu suchen (zum Beispiel wurden pro Stück 2,3 statt 2,1 kg einer Materialart verbraucht). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass veränderte Fertigungsverfahren (zum Beispiel neue Maschine, neue Rezeptur) und veränderte Qualitäten zu veränderten Verbräuchen führen können. Ebenso sind Fehlplanungen denkbar (zum Beispiel war ein Verbrauch von 2,1 kg pro Stück unrealistisch). Beschäftigungsabweichungen (∆B) zeigen, welcher Teil der fixen Kosten nicht erwirtschaftet wurde (positive Beschäftigungsabweichung) oder zu viel erwirtschaftet wurde (negative Beschäftigungsabweichung). Die Beschäftigungsabweichung wird durch Subtraktion der verrechneten Plankosten von den Sollkosten ermittelt. Sollkosten = fixe Plankosten + Planpreise × Istmengen – verrechnete Plankosten = Plankostenverrechnungssatz × Istmengen bei Istbeschäftigung = Beschäftigungsabweichung oder mithilfe von Symbolen ausgedrückt: Kp (xi) Kp (xp) × x i xp = (Kfp + kvp × xp) × = (Kfp ×= ± ∆B xi xp x1 xp 1 – = Kfp + kvp × xi – Beschäftigungsabweichungen entstehen, wenn die Istbeschäftigung von der Planbeschäftigung abweicht. Dann erfolgt, bedingt durch die Vorgehensweise der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis, eine falsche Verrechnung der fixen Kosten. Diese werden, zusammen mit den variablen Kosten, mithilfe eines Plankostenverrechnungssatzes auf die Produktionsmenge verrechnet. Nur wenn auch die Planbeschäftigung der Istbeschäftigung entspricht, werden die proportionalisierten Fixkosten korrekt verrechnet. Dann entsteht keine Beschäftigungsabweichung. Ansonsten gilt: Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 160 7 Plankostenrechnung160 bei xi < xp Unterdeckung (es wurden zu geringe Fixkosten je Stück verrechnet) bei xi > xp Überdeckung (es wurden zu hohe Fixkosten je Stück verrechnet) Folglich entsteht bei einer Istbeschäftigung von 0 eine Beschäftigungsabweichung in Höhe der fixen Kosten. Beispiel zur Beschäftigungsabweichung Hinweise: Die Sollkosten wurden bereits bei der Ermittlung der Verbrauchsabweichung errechnet. Der Plankostenverrechnungssatz beträgt gemäß Aufgabenstellung 58 €. Sollkosten 1.800 € + 40 € × 60 Stunden = 4.200 € – verrechnete Plankosten 60 Stunden × 58 € = 3.480 € = Beschäftigungsabweichung 720 € Die Höhe der Beschäftigungsabweichung ist in der grafischen Darstellung gut sichtbar (siehe Abbildung 7.4). Je höher die Beschäftigung ist, desto geringer wird der Abstand zwischen der Kurve der Sollkosten und der Kurve der verrechneten Plankosten und damit die Höhe der ungedeckten Fixkosten (Leerkosten). Bei Überschreiten der Planbeschäftigung werden zu viele Fixkosten erwirtschaftet (Überdeckung = negative Beschäftigungsabweichung). Verantwortlich für die Beschäftigungsabweichung sind diejenigen, die die Planbeschäftigung ermittelt haben (zum Beispiel Vertrieb oder Kostenplaner). Da der Leiter einer Fertigungskostenstelle die Beschäftigung in der Regel nicht beeinflussen kann, ist er für die Beschäftigungsabweichung (also die zu viel oder zu wenig verrechneten Fixkosten) nicht verantwortlich. Die Gesamtabweichung (∆G) ergibt sich durch Subtraktion der verrechneten Plankosten von den Istkosten. Istkosten = fixe Istkosten + Istpreise × Istmengen – verrechnete Plankosten = Plankostenverrechnungssatz × Istmengen = Gesamtabweichung Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 161 7.3 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis 161 Beispiel zur Gesamtabweichung Hinweise: Die verrechneten Plankosten wurden bereits bei der Ermittlung der Beschäftigungsabweichung errechnet. Der Plankostenverrechnungssatz beträgt gemäß Aufgabenstellung 58 €. Istkosten 2.300 € + 65 € × 60 Stunden = 6.200 € – verrechnete Plankosten 58 € × 60 Stunden = 3.480 € = Gesamtabweichung 2.720 € Ebenso kann die Gesamtabweichung durch Addition von Preis-, Verbrauchsund Beschäftigungsabweichung ermittelt werden. Es gilt ∆P Preisabweichung + ∆V Verbrauchsabweichung + ∆B Beschäftigungsabweichung = ∆G Gesamtabweichung Beispiel zur Gesamtabweichung ∆G = ∆P + ∆V + ∆B = 1.400 € + 600 € + 720 € = 2.720 € Zu berücksichtigen ist, dass sich einzelne Abweichungen (teilweise) aufheben können. Deshalb ist der Aussagewert der Gesamtabweichung gering. Es sollten stets die einzelnen Abweichungen ermittelt und interpretiert werden. Beispiel zum Aussagewert der Gesamtabweichung In einer Kostenstelle war die Istbeschäftigung deutlich höher als die Planbeschäftigung. Folgende Abweichungen wurden ermittelt: Preisabweichung: + 6.000 € Verbrauchsabweichung: + 85.000 € Beschäftigungsabweichung: – 90.000 € Dadurch ergibt sich eine Gesamtabweichung von (+ 6.000 € + 85.000 € – 90.000 € =) + 1.000 €. Wird nur diese vermeintlich geringe und damit akzeptable Gesamtabweichung betrachtet, fallen die erheblichen Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichungen nicht auf. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 162 7 Plankostenrechnung162 Im System der mehrfach flexiblen Plankostenrechnung können entsprechend der bei der Planung der Kosten berücksichtigten Einflussfaktoren weitere Spezialabweichungen ermittelt werden, unter anderem ●● eine Seriengrößenabweichung durch außerplanmäßige Auftragszusammensetzungen (Kosten pro Stück sind zum Beispiel höher, da in kleineren Stückzahlen gefertigt wird und dadurch längere Rüstzeiten anfallen), ●● eine Intensitätsabweichung durch ungünstige Maschinenintensitäten (eine Maschine arbeitet zum Beispiel nicht mit der wirtschaftlichsten Geschwindigkeit), ●● eine Ausbeutungsgradabweichung durch unterschiedliche Qualitäten der eingesetzten Produktionsfaktoren (zum Beispiel von verarbeiteten Materialien oder unterschiedlich qualifizierten Mitarbeitern), ●● eine Verrechnungsabweichung durch veränderte Kostenstrukturen, die (noch) nicht in der Kostenträgerstückrechnung berücksichtigt wurden. Theoretisch kann für jeden Einflussfaktor eine Spezialabweichung ermittelt werden. Aus Praktikabilitätsgründen werden die unbedeutenderen Abweichungen jedoch zu einer so genannten Restabweichung zusammengefasst. Nach der Ermittlung der einzelnen Abweichungen sind die jeweiligen Ursachen zu ergründen. Erst durch die Kenntnis der Ursachen von Abweichungen können zukünftige Unwirtschaftlichkeiten vermieden werden. Allerdings erfolgt in der Praxis aus Wirtschaftlichkeitsgründen oftmals eine Beschränkung auf die als wesentlich erachteten Abweichungen (zum Beispiel bei mehr als 10 % und/oder bei Überschreiten bestimmter Beträge). Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenrechnung eine zukunftsbezogene Rechnung ist. Eine Abrechnung von Kostenstellen und insbesondere eine Kalkulation von Kostenträgern ist schnell durchführbar. Ebenso können die einzelnen Kostenstellen sehr gut kontrolliert und vielfältige Ursachen für entstandene Unwirtschaftlichkeiten aufgezeigt werden. Nachteile ergeben sich bei der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis insbesondere durch die Einbeziehung der fixen Kosten. Der Plankostenverrechnungssatz ist kurzfristig nicht entscheidungsrelevant. Hierfür sind nur die variablen Plankosten bedeutsam. Weiterhin muss bedacht werden, dass bei den variablen Kosten ein proportionaler und bei den fixen Kosten ein absolut fixer Verlauf unterstellt wird. Die variablen Kosten verhalten sich jedoch nicht zwangsläufig proportional zur gewählten Bezugsgröße (zum Beispiel den Stunden). In der Praxis sind über- und unterproportionale sowie sprungfixe Kosten häufig anzutreffen. Die Problematik der fixen Kosten entfällt bei der nachfolgend vorzustellenden Grenzplankostenrechnung, einer flexiblen Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 163 7.4 Grenzplankostenrechnung 163 Flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis ●● ist eine zukunftsbezogene Rechnung; ●● ermöglicht eine schnelle Kalkulation; ●● ermöglicht eine aussagekräftige Kontrolle; ●● unterstellt proportionale variable Kosten; ●● führt durch die Einbeziehung fixer Kosten zu einem unrealistischen Plankostenverrechnungssatz; ●● ist dadurch nicht für kurzfristige Entscheidungen geeignet. 7.4 Grenzplankostenrechnung Die Grenzplankostenrechnung ist eine flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis. Der Aufbau entspricht dem der flexiblen Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis. Jedoch erfolgt eine getrennte Planung von fixen und variablen Kosten. Im Mittelpunkt stehen hierbei die variablen Kosten. Bei unterstelltem proportionalem (linearem) Kostenverlauf sind die variablen Kosten zugleich die Grenzkosten. Die fixen Kosten werden nicht auf die Kostenträger verrechnet, sondern direkt in die Betriebsergebnisrechnung übernommen. Eine Verrechnung der fixen Kosten auf die einzelnen Kostenstellen und Kostenträger erfolgt nicht. Hierdurch entfällt deren problematische Proportionalisierung. Abgerechnet werden die fixen Kosten nur periodenweise in der kurzfristigen Erfolgsrechnung. Die (Grenz-)Plankostenverrechnungssätze werden folglich nur durch die Höhe der variablen Kosten bestimmt. Sie sind bei proportionalem Kostenverlauf für jede Beschäftigung richtig. Die Festlegung einer Planbeschäftigung ist mithin nicht erforderlich. Von den Kostenträgern soll ein (Plan-)Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden, nicht ein willkürlich zugewiesener Fixkostenbetrag. Der Plandeckungsbeitrag wird durch Gegenüberstellung von Grenzkosten und Grenzerlösen errechnet. Planerlös je Stück – variable Plankosten je Stück = Plandeckungsbeitrag je Stück Die Grenzplankostenrechnung ist mithin eine kurzfristige Entscheidungsrechnung. Anforderung an die Deckungsbeiträge ist, dass sie in der Summe mindestens die Höhe der fixen Kosten erreichen. Auch in der Grenzplankostenrechnung wird eine Abweichungsanalyse zur Kontrolle der Wirtschaftlichkeit und zur Bestimmung der einzelnen Ursachen für die Abweichungen durchgeführt. Unterschiede zur Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis ergeben sich nur durch die fehlende Verrechnung der fixen Kosten. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 164 7 Plankostenrechnung164 Beispiel zur Grenzplankostenrechnung Für eine Maschine werden variable Kosten von 40 € je Stunde geplant. Bei einer tatsächlichen (Ist-)Beschäftigung von 60 Stunden fielen Istkosten von 3.900 € an. Das entspricht variablen Istkosten von 65 € je Stunde. (Hinweis: Die Zahlen des Beispiels entsprechen dem aus Kapitel 6.3 ohne Berücksichtigung fixer Kosten.) Die Gesamtabweichung kann durch Gegenüberstellung der variablen Soll- und der variablen Istkosten errechnet werden. Beispiel zur Gesamtabweichung Kvi (xi) = kvi × xi 65 € × 60 Stunden = 3.900 € – Kvp (xi) = kvp × xi 40 € × 60 Stunden = 2.400 € = ± ∆ G = ∆ kv × xi 25 € × 60 Stunden = 1.500 € Es errechnet sich eine Gesamtabweichung von (65 € – 40 €) × 60 Stunden = 1.500 €. Die Gesamtabweichung kann in eine Preisabweichung sowie eine Verbrauchsabweichung zerlegt werden. Beschäftigungsabweichungen sind nicht möglich, da diese ausschließlich durch eine fehlerhafte Verrechnung fixer Kosten entstehen. Preisabweichungen (∆P) ergeben sich wiederum aus der Differenz zwischen den Istkosten auf der Basis von Istpreisen (tatsächliche Einstandspreise) und den Istkosten auf der Basis von festen Verrechnungspreisen (Planpreisen). Ver- änderungen der fixen Kosten werden hierbei nicht berücksichtigt. variable Istkosten Kvi (xi) = kvi × xi – variable preisbereinigte Istkosten Kvi* (xi) = kvi* × xi = Preisabweichung ± ∆ P = ∆ kv × xi Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 165 7.4 Grenzplankostenrechnung 165 Beispiel zur Preisabweichung Es entstehen variable Gemeinkosten von 3.900 €. Das entspricht bei einer Beschäftigung von 60 Stunden variablen Istkosten von 65 € pro Stunde. Als preisbereinigte Istkosten werden 50 € je Stunde ermittelt. Kvi (xi) = kvi × xi 65 € × 60 Stunden = 3.900 € – Kvi* (xi) = kvi* × xi 50 € × 60 Stunden = 3.000 € = ± ∆ P = ∆ kv × xi 15 € × 60 Stunden = 900 € Hinweis: Auf Vollkostenbasis wurde eine Preisabweichung von 1.400 € ermittelt. 500 € entfielen davon auf Preisveränderungen bei den fixen Kosten. Verbrauchsabweichungen (∆V) zeigen auch auf Teilkostenbasis, wie wirtschaftlich gearbeitet wurde. Da keine fixen Kosten berücksichtigt werden, entsprechen die Sollkosten den verrechneten Plankosten. variable preisbereinigte Istkosten Ki* (xi) = kvi* × xi – variable Sollkosten Kp (xi) = kvp < xi = Verbrauchsabweichung ± ∆ V = ∆ kv × xi Beispiel zur Verbrauchsabweichung Kvi (xi) = kvi × xi 50 € × 60 Stunden = 3.000 € – Kvp* (xi) = kvp* × xi 40 € × 60 Stunden = 2.400 € = ± ∆ P = ∆ kv × xi 10 € × 60 Stunden = 600 € Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Grenzplankostenrechnung eine wertvolle Entscheidungsrechnung ist. Die fixen Kosten werden nur periodenweise für die Kostenträgerzeitrechnung abgerechnet. Die fixen Kosten können gegebenenfalls im Rahmen von Nutz- und Leerkostenanalysen gesondert untersucht werden (siehe hierzu Kapitel 1.3.3). Langfristig können die Kosten jedoch abgebaut werden und gewinnen damit an Entscheidungsrelevanz. Deshalb werden in der Praxis Plankostenrechnungen auf Voll- und Teilkostenbasis parallel durchgeführt. Vahlens Kurzlehrbücher – Fischbach – Grundlagen der Kostenrechnung (6. Aufl.) Herstellung: Frau Lacher Stand: 11.06.2013 Status: Imprimatur Seite 166 7 Plankostenrechnung166 Grenzplankostenrechnungen ●● verbinden die Vorteile von Plankosten- und Teilkostenrechnungen; ●● verrechnen nur variable Kosten; ●● erfordern keine Festlegung einer Planbeschäftigung; ●● rechnen fixe Kosten nur periodenweise ab; ●● können durch Nutz- und Leerkostenanalysen ergänzt werden, welche die fixen Kosten gesondert analysieren. Variable Kosten Stunden 1.000 3.000 3.900 20 6040 80 Sollkosten = Verrechnete Plankosten xi ♦ ♦ 100 120 2.400 ♦ P V 3 1 = variable Istkosten 2 = variable preisbereinigte Istkosten 3 = variable Sollkosten = verrechnete Plankosten 0 2 1 Abbildung 7.5: Grenzplankostenrechnung

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Vermittelt Basiswissen für die Kostenrechnung in Theorie und Praxis

- Kann begleitend zu Vorlesungen eingesetzt werden, eignet sich aber auch zum Selbststudium

Zum Werk

Das Buch bietet einen einfachen, aber fundierten Einstieg in die Grundlagen der Kostenrechnung. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Prüfungsaufgaben, Lösungen und ein deutsch-englisches Fachwörterbuch runden dieses Grundlagenwerk ab.

Inhalt

- Kostentheorie

- Kostenartenrechnung

- Kostenstellenrechnung

- Kalkulation

- Erfolgsrechnung

- Entscheidungsrechnung

- Plankostenrechnung

- Kostenmanagement

Autor

Prof. Dr. Sven Fischbach, Mainz.

Zielgruppe

Studierende an Universitäten, Hochschulen und Akademien, aber auch Entscheidungsträger in der Praxis.

Bis zur 5. Auflage erschienen im Verlag mi-Wirtschaftsbuch.