Kapitel 11 Grenzplankostenrechnung in:

Gunther Friedl, Christian Hofmann, Burkhard Pedell

Kostenrechnung, page 406 - 440

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4660-9, ISBN online: 978-3-8006-4661-6, https://doi.org/10.15358/9783800646616_406

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393 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 393 Kapitel 11 Grenzplankostenrechnung 11.1 Zielsetzung und Merkmale der Grenzplankostenrechnung 11.2 Grundlegende Struktur der Grenzplankostenrechnung 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung Auflösung in fixe und variable Kosten Planung der Einzelkosten Vorgehensweise bei der Planung der Gemeinkosten Planung von Abschreibungen und Zinsen 11.4 Kostenkontrolle und Abweichungsanalyse Gemeinkostencontrolling Auswertung von Abweichungsursachen 11.5 Entscheidungsunterstützung durch die Grenzplankosten rechnung Deckungsbeitrag als Instrument zur Entscheidung über die Annahme eines Zusatzauftrags Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung zur Analyse der Profitabilität von Unternehmensbereichen Mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung zur Analyse der Profitabilität von Kunden, Regionen und Produkten ▪▪ Durch welche Merkmale ist die Grenzplankostenrechnung charak terisiert? ▪▪ Welche Ziele werden mit der Grenz plankostenrechnung verfolgt? ▪▪ Aus welchen Elementen besteht die Grenzplankostenrechnung? ▪▪ Wie ist das Kostenrechnungssystem der Grenzplankostenrechnung aufge baut? ▪▪ Welche Bedeutung hat die Kosten spaltung in fixe und variable Kosten? ▪▪ In welchen Schritten lassen sich die Gemeinkosten planen? ▪▪ Was ist Gemeinkostencontrolling? ▪▪ Wie kann die Grenzplankosten rechnung das Gemeinkostencontrolling unterstützen? ▪▪ Warum kann die Grenzplankosten rechnung kurzfristige Entscheidungen verbessern? ▪▪ Wie ist eine mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung aufgebaut? Lernziele dieses Kapitels Kapitelüberblick GrenzplankostenrechnungKapitel 11 394 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 394 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 395 11.1 Zielsetzung und Merkmale der Grenzplankostenrechnung Die Grenzplankostenrechnung ist ein Kostenrechnungssystem, das Unternehmen unterstützt, bessere operative Entscheidungen zu treffen. Durch die genaue Planung der Kosten und die Gegenüberstellung mit den erwarteten Erlösen adressiert man Fragestellungen des operativen Geschäfts, z. B., ob ein Zusatzauftrag angenommen werden soll, ob in der geplanten Periode die Produktion eines Produktes eingestellt werden soll oder mit welchem Fertigungsverfahren sich ein konkreter Auftrag am kostengünstigsten realisieren lässt. Zudem ist mithilfe der Grenzplankostenrechnung eine Kontrolle aller angefallenen Kosten möglich. Damit lässt sich das Kostenbewusstsein von Mitarbeitern gezielt beeinflussen. Das System der Grenzplankostenrechnung weist vier charakteristische Merkmale auf, die dazu dienen, diese Ziele zu erreichen. 1. Die Grenzplankostenrechnung ist eine Planrechnung. Das bedeutet, dass sie mit künftigen Kosten und Erlösen auf der Basis von Plan- und Prognosewerten durchgeführt wird. Die nachlaufende Rechnung mit realisierten Istwerten dient vor allem der Kontrolle der Kosten. 2. Sämtliche Kosten werden strikt in ihre variablen und fixen Bestandteile aufgespalten. Da für kurzfristige Entscheidungen die variablen Kosten relevant sind, schenkt die Grenzplankostenrechnung diesen Kosten besondere Beachtung. Sie ist außerdem eine Teilkostenrechnung, denn sie betrachtet für viele Analysen nur die variablen Kosten. 3. Die Kostenstellen haben in der Grenzplankostenrechnung eine hohe Bedeutung. Zum einen können dort das betriebliche Geschehen präzise abgebildet Die Grenzplankostenrechnung unterstützt anhand einer genauen Planung und Kontrolle der Kosten das Unternehmen, bessere operative Entscheidungen zu treffen. Von der Istkosten zur Plankostenrechnung bei Schwarz Logistics Schwarz Logistics ist eine mittelständische Spedition mit Sitz in Wien, die Speditions leistungen in Mitteleuropa anbietet. Ihr Angebot erstreckt sich auf die Durchführung von Standard und Spezialtransporten. Die Spedition betreibt ein Lager am Firmensitz Wien und unterhält eine Flotte von insgesamt fünf Lastkraftwagen. Johann Schwarz, Inhaber und Seniorchef des Unternehmens, hat vor einigen Jahren eine Istkosten rechnung auf Vollkostenbasis eingeführt. Bei der Angebotskalkulation greift er auf die Daten der Istkostenrechnung zurück. Allerdings ist ihm aufgefallen, dass er bei vielen Angeboten nicht mehr den Zuschlag erhält, wenn er sich bei der Kalkulation an seinen Istkosten auf Vollkostenbasis orientiert. Er führt das auf den zunehmenden Wettbe werb insbesondere durch osteuropäische Speditionen zurück, die seiner Meinung nach ihre Leistungen zu Dumpingpreisen anbieten. Sein Sohn Matthias Schwarz, der schon lange auf eine bessere Planung im Unternehmen drängt und seit Abschluss seines Studiums vor einem Jahr im kaufmännischen Bereich des Unternehmens mit arbeitet, schlägt vor, die bisherige Istkostenrechnung durch eine Plankostenrechnung zu ergänzen, die zwischen variablen und fixen Kosten unterscheidet. 11.1 Zielsetzung und Merkmale der Grenzplankostenrechnung 395 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 394 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 395 und die Kosten daher mit hoher Genauigkeit geplant werden. Zum anderen können Abweichungen in einer anschließenden Kontrolle transparent gemacht werden. 4. Die variablen Kosten spielen in der Erfolgsrechnung eine wichtige Rolle, die in der Grenzplankostenrechnung als Deckungsbeitragsrechnung aufgebaut ist. Dort kann die Profitabilität von Produkten, Kunden und Regionen detailliert untersucht werden. Die Grenzplankostenrechnung wurde in den sechziger und siebziger Jahren in Deutschland von Wolfgang Kilger konzipiert und insbesondere von Hans Georg Plaut in einer Reihe von Unternehmen eingeführt. Um der hohen Bedeutung von Deckungsbeiträgen gerecht zu werden, findet sich auch der umfangreichere Begriff der Grenzplankosten- und Deckungsbeitragsrechnung. Statt Grenzplankostenrechnung wird häufig auch der Begriff flexible Plankostenrechnung verwendet, der die strikte Trennung von variablen und fixen Kosten nicht so stark betont. In den USA hat sich mit dem Direct Costing ein ähnliches, wenn auch nicht so umfassend und detailliert konzipiertes System entwickelt. Teilweise findet sich auch der Begriff Marginal Costing bzw. Flexible Marginal Costing . Begriffsvielfalt Nach einer Studie von Friedl/Frömberg/Hammer/Pedell/Küpper ist die Grenzplankostenrechnung das am weitesten verbreitete Kostenrechnungssystem in den 250 größten deutschen Unternehmen. Mehr als zwei Drittel der Befragten nutzen dieses System. Die Unterscheidung zwischen fixen und variablen Kostenbestandteilen nehmen sogar 87 % der befragten Unternehmen vor. Die hohe Verbreitung der Grenzplankostenrechnung deckt sich mit den Zwecken, welche die implementierten Kostenrechnungssysteme erfüllen sollen. Die drei wichtigsten Zwecke, nämlich Effizienz bei der Kostenkontrolle, kurzfristige Entscheidungsunterstützung und die Genauigkeit des Planungsprozesses werden von der Grenzplankostenrechnung in hohem Maße adressiert (vgl. Abb. 11.1). Quelle: Friedl, Gunther; Frömberg, Kerstin; Hammer, Carola; Küpper, Hans-Ullrich und Pedell, Burkhard (2009): Stand und Perspektiven der Kostenrechnung in deutschen Großunternehmen, in: Zeitschrift für Controlling und Management, Heft 2/2009, S. 111–116. Empirische Ergebnisse Abbildung 11.1: Rechnungszwecke der implementierten Kostenrechnung in deutschen Großunternehmen (Kodierung von 1 (gar nicht zutreffend) bis 5 (voll zutreffend)) 4,18 4,04 4,02 3,96 3,8 3,62 3,09 2,64 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 Effizienz bei der Kostenkontrolle Kurzfristige Entscheidungsunterstützung Genauigkeit des Planungsprozesses Kostentransparenz bei den Gemeinkosten Beeinflussung von Kostenstrukturen Langfristige Entscheidungsunterstützung Verbesserung der Geschäftsprozesse Motivationswirkung auf Mitarbeiter GrenzplankostenrechnungKapitel 11 396 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 396 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 397 11.2 Grundlegende Struktur der Grenzplankostenrechnung Der Aufbau der Grenzplankostenrechnung entspricht der bisher betrachteten Struktur mit einer Kostenarten-, Kostenstellen-, Kostenträger- und Ergebnisrechnung und ist in Abbildung 11.2 zu sehen. Im Detail zeigen sich allerdings einige Unterschiede zur bisher betrachteten Kostenrechnung. So wird bei der Erfassung und Planung der Kosten nicht nur zwischen Einzel- und Gemeinkosten unterschieden, sondern auch zwischen variablen und fixen Kosten. Während die variablen Einzelkosten wie Akkordlöhne und Materialkosten direkt auf die Kostenträger verrechnet werden, erfolgt die Verrechnung für die variablen und fixen Gemeinkosten zunächst auf die Kostenstellen. Dort werden sie getrennt ausgewiesen. Eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung von den Vor- zu den Endkostenstellen wird lediglich für die variablen Kosten durchgeführt. Dasselbe gilt für die Verrechnung der Kosten von den Endkostenstellen auf die Kostenträger. Auch hier werden nur variable Kosten weiterverrechnet. Die fixen Gemeinkosten verbleiben zunächst auf den jeweiligen Vor- und Endkostenstellen. Damit weisen die Kostenträger lediglich variable Kostenbestandteile auf. Eine Kalkulation von Produkten und Dienstleistungen betrachtet also nur diejenigen Kosten, die wegfallen würden, wenn man auf die Herstellung des Bei der Grenzplankostenrechnung wird bei der Erfassung und Planung der Kosten sowohl zwischen Einzel und Gemeinkosten als auch zwischen variablen und fixen Kosten unterschieden. Fixe Gemeinkosten Einzelkosten Variable Gemeinkosten Variable primäre Gemeinkosten – variable Kosten = Deckungsbeitrag – fixe Kosten = Unternehmenserfolg Vorkostenstellen Endkostenstellen Fixe Gemeinkosten Variable sekundäre Gemeinkosten Variable Gemeinkosten Variable primäre Gemeinkosten Fixe Gemeinkosten Kostenartenrechnung Kostenstellenrechnung Kostenträgerrechnung Erlösrechnung Einzelkosten 1 1 1 1 2 3 1 2 3 Ergebnisrechnung z.B. Deckungsbeitragsrechnung Erlöse Verteilung von Kostenarten auf Kostenstellen Verteilung von Vor- auf Endkostenstellen – Innerbetriebliche Leistungsverrechnung Verteilung von Kostenstellen auf Kostenträger Abbildung 11.2: Die grundlegende Struktur der Grenzplankostenrechnung 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 397 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 396 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 397 Produktes oder der Dienstleistung verzichten würde. Sämtliche Fixkosten wie beispielsweise Kosten für Fertigungsanlagen oder Verwaltungsgebäude fließen nicht in die Kalkulation ein. Erst in der Erfolgsrechnung, die in der Grenzplankostenrechnung eine Deckungsbeitragsrechnung ist, erscheinen die Fixkosten wieder. Dort werden von den Erlösen zunächst die variablen Kosten der Kostenträger abgezogen, um zum Deckungsbeitrag eines Kostenträgers zu gelangen. Erst dann werden die Fixkosten abgezogen, wodurch sich der Gewinn ergibt. Da als Kostenträger in der Regel ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Dienstleistung betrachtet wird, gibt es keine fixen Einzelkosten. Wenn die Kosten auf ein Produkt direkt zurechenbar sind, geht man davon aus, dass sie auch wegfallen, wenn dieses Produkt nicht erzeugt wird. In der Praxis erfolgt die Kostenträgerrechnung nicht nur auf Basis von variablen Kosten, sondern parallel dazu als Vollkostenrechnung. Dies liegt daran, dass viele Manager nicht nur die für kurzfristige Entscheidungen relevanten variablen Kosten, sondern auch die gesamten Selbstkosten eines Produktes oder einer Dienstleistung kennen möchten. 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung Auflösung in fixe und variable Kosten Ein wichtiges Merkmal der Grenzplankostenrechnung besteht in der strikten Trennung von variablen und fixen Kosten. Da die Einzelkosten als variabel angesehen werden und sich direkt auf die Kostenträger verrechnen lassen, erfolgt die Kostenspaltung in fixe und variable Komponenten nur für die Gemeinkosten. Für die Aufspaltung der Gemeinkosten in ihre fixen und variablen Komponenten können grundsätzlich die in Kapitel 6 betrachteten Verfahren zur Ermittlung von Kostenfunktionen herangezogen werden. Da die Grenzplankostenrechnung eine Plankostenrechnung ist, ergibt sich die Besonderheit, dass statt von tatsächlich entstandenen Kosten von den erwarteten Kosten ausgegangen wird. Zudem geht sie grundsätzlich von linearen Kostenfunktionen aus, also solchen, bei denen die variablen Kosten proportional mit der Beschäftigung bzw. mit der Produktionsmenge steigen. Damit ergeben sich zwei wichtige Aufgaben: ▪▪ Zum einen muss man herausfinden, welche Kostenbestandteile sich mit der Beschäftigung ändern würden und welche bei einer Änderung der Beschäftigung konstant bleiben. Dies ist beispielsweise bei Abschreibungen gar GrenzplankostenrechnungKapitel 11 398 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 398 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 399 nicht so einfach. Denn die Wertänderung von Maschinen hängt meistens davon ab, wie sie genutzt werden. Eine intensivere Nutzung führt häufig zu einem schnelleren Wertverlust; der Abschreibungsverlauf müsste entsprechend angepasst werden. Aber auch im Falle einer Nichtnutzung unterliegt die Maschine einem Wertverlust. Daran erkennt man, dass Abschreibungen fixe und variable Bestandteile enthalten können. ▪▪ Zum anderen müssen künftige Kosten mit einer hinreichenden Genauigkeit prognostiziert werden. Dies setzt nicht nur eine genaue Kenntnis der Kostenfunktion, sondern auch eine Prognose der Beschäftigung voraus. Planung der Einzelkosten Im Folgenden betrachten wir die Vorgehensweise der Grenzplankostenrechnung bei der Planung der wichtigsten Einzelkosten. Dazu gehören die Kostenarten Material- und Lohnkosten sowie die sonstigen Einzelkosten. Materialeinzelkosten Die Materialeinzelkosten sind in vielen Industriebetrieben ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Kostenblock. Preissteigerungen bei wichtigen Rohstoffen wie beispielsweise Stahl oder Rohöl tragen dazu zusätzlich bei. Zur Planung der Materialeinzelkosten muss man den prognostizierten mengenmäßigen Verbrauch und die zu erwartenden Einstandspreise kennen. Multipliziert man diese beiden Größen, ergeben sich daraus die geplanten Materialeinzelkosten. Der mengenmäßige Materialverbrauch hängt nicht nur vom geplanten Produktionsprogramm ab. Er kann auch davon abhängen, welches Produktionsverfahren man verwendet. So kann beispielsweise bei maschinell gefertigten Möbeln der Holzverbrauch geringer sein als bei in Handarbeit gefertigten Einzelstücken, weil dort ein höherer Verschnitt zu berücksichtigen ist. Bei vielen industriell gefertigten Serien- oder Massenprodukten wird zur Ermittlung des geplanten Materialverbrauchs auf Stücklisten zurückgegriffen, aus denen die benötigten Materialien je gefertigter Einheit hervorgehen. Die zu erwartenden Einstandspreise für das Material können auf unterschiedliche Weise abgeleitet werden. Sinnvoll, aber aufwändig ist eine genaue Prognose der Einstandspreise für jede Materialart. Die Genauigkeit der Grenzplankostenrechnung hängt damit stark von der Güte der Prognose ab. Weniger aufwändig ist die Verwendung von Durchschnittspreisen der Vergangenheit, weil sich diese leicht ermitteln lassen. In vielen Rohstoffmärkten, wie beispielsweise bei Edelmetallen mit hohen Preisschwankungen, können Durchschnittspreise jedoch erheblich von den später realisierten Einstandspreisen abweichen. Zu den wichtigsten Einzelkosten ge hören die Material und Lohnkosten sowie die sonstigen Einzelkosten. 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 399 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 398 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 399 Lohneinzelkosten Lohneinzelkosten sind Kosten für Arbeitsleistungen, die sich direkt bestimmten Kostenträgern zuordnen lassen. In der Grenzplankostenrechnung werden diese dennoch genauso wie alle Gemeinkosten kostenstellenweise erfasst. Dies erleichtert die Planung genauso wie die Kontrolle der Lohneinzelkosten, weil über den Einsatz von Mitarbeitern häufig in den Kostenstellen entschieden wird. Die Vorgehensweise bei der Planung der Lohneinzelkosten ist ähnlich wie bei den Materialeinzelkosten. Man muss sowohl die Arbeitszeit als auch den Preis je Arbeitsstunde planen. Für die Planung der Arbeitszeit greift man statt auf Stücklisten auf Arbeitspläne zurück, in denen der Zeitbedarf für alle Tätigkeiten angegeben ist, die bei der Herstellung eines Produktes anfallen. Bei der Planung des Preises je Arbeitsstunde ist die Unsicherheit über deren Höhe in der Regel geringer als bei Materialpreisen. Tarifverträge erlauben hier eine recht genaue Planung. Allerdings muss darauf geachtet werden, die unterschiedlichen Lohnformen wie Zeit-, Prämien- und Akkordlöhne richtig zu berücksichtigen. Planung der Materialeinzelkosten bei Schwarz Logistics In Dienstleistungsbetrieben wie einer Spedition werden keine Produkte gefertigt. Dementsprechend fallen auch keine Materialkosten im engeren Sinne an. Allerdings wird für den Transport der Güter auf Lkws Treibstoff benötigt. Die dafür anfallenden Kosten können einzelnen Transporten direkt zugerechnet werden, so dass sie ent sprechend der Materialeinzelkosten im Industriebetrieb geplant werden können. Sie sind variabel, weil sie nur anfallen, wenn ein Transport auch tatsächlich durchgeführt wird. Matthias Schwarz nimmt sich nun eine aktuelle Anfrage eines Kunden vor, der einen Spezialtransport von Wien nach Košice, Slowakei benötigt. Die einfache Strecke beträgt 500 km. Da für den Spezialtransport eine leere Rückfahrt notwendig ist, geht Schwarz von 1.000 km aus. Um die Mengenkomponente zu planen, ist nun noch der durchschnittliche Treibstoffverbrauch notwendig. Dieser liegt bei 15 Liter Diesel je 100 km, so dass Matthias Schwarz von einer geplanten Dieselmenge von 150 Liter ausgeht. Für die Planung der Preiskomponente greift er auf den derzeitigen Dieselpreis zurück, der bei 1,20 € je Liter liegt. Damit ergeben sich geplante Treibstoffkosten in Höhe von 180 € für den Spezialtransport. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 400 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 400 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 401 Sonstige Einzelkosten Wichtige weitere Einzelkosten sind die Sondereinzelkosten der Fertigung, beispielsweise für Lizenzen, und die Sondereinzelkosten des Vertriebs, beispielsweise für Verkaufsprovisionen. Daneben können auch Kosten für Spezialwerkzeuge und Forschungs- und Entwicklungskosten Einzelkosten sein, wenn sie unmittelbar einem Kostenträger zuordenbar sind. Vergleichsweise einfach lassen sich Sondereinzelkosten der Fertigung und des Vertriebs planen, weil sie in einem direkten Zusammenhang zu den Fertigungsbzw. Absatzmengen stehen. Wenn Spezialwerkzeuge als Einzelkosten betrachtet werden können, ist die Planung von deren Kosten ebenfalls recht einfach. Schwieriger ist die Planung von Forschungs- und Entwicklungskosten. Einzelkosten stellen diese allerdings nur dann dar, wenn sie direkt einem bestimmten Auftrag oder Projekt zuordenbar sind. Dann kann man in der Grenzplankostenrechnung die entsprechenden Kosten für den Kostenträger planen. Häufig treten Forschungs- und Entwicklungskosten weit früher auf als die Fertigstellung und der Verkauf des entsprechenden Produkts. Ist dies der Fall, sind Verfahren der Investitionsrechnung, wie die Kapitalwertrechnung geeigneter, um die Vorteilhaftigkeit eines Auftrags abschätzen zu können. Kostenrechnungsverfahren sind in diesem Fall ungeeignet, weil sie im Regelfall nur eine einzelne Periode betrachten. Vorgehensweise bei der Planung der Gemeinkosten Die Grenzplankostenrechnung schenkt der Planung der Gemeinkosten eine hohe Beachtung und geht hier mit entsprechender Genauigkeit vor. Dabei folgt sie grundsätzlich folgenden Prinzipien: ▪▪ Die Planung der Gemeinkosten erfolgt in den Kostenstellen. Diese spielen als Orte, in denen die Kosten entstehen, eine wichtige Rolle. Planung der Lohneinzelkosten bei Schwarz Logistics Alle Fahrer der Spedition Schwarz Logistics besitzen Arbeitszeitkonten. Zudem können bei Bedarf weitere Fahrer auf Stundenbasis hinzugezogen werden. Damit lassen sich die Lohnkosten für Fahrer in einem gewissen Auslastungsbereich relativ flexibel halten. In diesem Bereich sind sie daher als variabel anzusehen und können entsprechend geplant werden. Für die Strecke von Wien nach Košice und zurück veranschlagt Matthias Schwarz zwei Arbeitstage eines Fahrers, für den monatliche Bruttolohnkosten in Höhe von 2.500 € anfallen. Unter Berücksichtigung von Urlaubstagen und Krankheiten rech net Matthias Schwarz vereinfachend mit 240 Arbeitstagen im Jahr bzw. 20 Tagen im Monat. Für die Strecke fallen also 2.500 € · 2/20 = 250 € Bruttolohnkosten an. 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 401 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 400 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 401 ▪▪ Für jede Kostenart wird eine Kostenfunktion aufgestellt, die variable und fixe Kosten voneinander trennt. Vereinfachend wird grundsätzlich von linearen Kostenfunktionen ausgegangen. ▪▪ Bei der Aufstellung der Kostenfunktionen versucht man, die jeweiligen Kosteneinflussgrößen, also diejenigen Größen, welche die variablen Kosten  erhöhen, so genau wie möglich zu identifizieren. Diese Kosteneinflussgrößen werden in der Grenzplankostenrechnung auch Bezugsgrößen genannt. ▪▪ Zwischen der Bezugsgröße und der Beschäftigung bzw. der Ausbringungsmenge wird ein linearer Zusammenhang unterstellt, so dass man relativ einfach von der Planung der Ausbringungsmenge zur Planung der Bezugsgröße und von dort zur Planung der Kosten gelangen kann. Bei der Planung und Verrechnung der Gemeinkosten geht man in mehreren Schritten vor, über die Abb. 11.3 einen Überblick gibt. Schritt 1: Einteilung der Kostenstellen In einem ersten Schritt muss das Unternehmen zunächst in Kostenstellen eingeteilt werden. Dabei versucht man, Maschinen und Arbeitsplätze so zusammenzufassen, dass die Kosten, die durch diese Maschinen und Arbeitsplätze entstehen, eine möglichst homogene Ursache aufweisen. So lassen sich beispielsweise alle in der Buchhaltung beschäftigten Personen zu einer Kostenstelle zusammenfassen. Die homogene Ursache, auf welche sich die zu planenden Kosten zurückführen lassen, ist die Anzahl der Buchungen. Abbildung 11.3: Schritte bei der Planung und Verrechnung der Gemeinkosten 6. Ermittlung der Zuschlagssätze und Verrechnung auf die Kostenträger 5. Durchführung der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung 4. Planung der Kosten je Kostenstelle 3. Festlegung der Planbezugsgrößen 2. Wahl der Bezugsgrößen 1. Einteilung der Kostenstellen GrenzplankostenrechnungKapitel 11 402 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 402 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 403 Diese bestimmen nämlich sowohl den Personalbedarf als auch den Bedarf an Rechenkapazität und Dokumentationsmaterialien. Bei der Einteilung der Kostenstellen wird darauf geachtet, dass sich ein eigenständiger Verantwortungsbereich ergibt. Üblicherweise wird ein Kostenstellenleiter benannt, der für die Höhe der Kosten verantwortlich ist. Schritt 2: Wahl der Bezugsgrößen Für jede Kostenstelle ist nun diejenige Größe auszuwählen, welche ihre Kosten maßgeblich beeinflusst. Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Bezugsgrößen. Direkte Bezugsgrößen messen unmittelbar die Leistung einer Kostenstelle. Im Fall der Kostenstelle Buchhaltung ist beispielsweise die Anzahl der Buchungen eine direkte Bezugsgröße, weil diese die Leistung dieser Kostenstelle angibt. Indirekte Bezugsgrößen messen dagegen nicht unmittelbar die Leistungen einer Kostenstelle. Diese verwendet man dann, wenn für eine Kostenstelle keine Bezugsgröße zur Verfügung steht, welche zum einen die Leistung direkt misst und sich zum anderen mit der Beschäftigung in eine lineare Beziehung setzen lässt. Häufig ist das insbesondere im Verwaltungs- und Vertriebsbereich der Fall. So werden beispielsweise für Vertriebskostenstellen häufig die Herstellkosten als indirekte Bezugsgröße verwendet. Wenn die Kosten einer Kostenstelle von mehreren Kosteneinflussgrößen beeinflusst werden, bietet es sich an, auch mehrere Bezugsgrößen zu verwenden. Falls beispielsweise in einer Kostenstelle eines Industriebetriebs ein Teil der Kosten von der Fertigungszeit und ein anderer Teil der Kosten von der Ma- Einteilung der Kostenstellen bei Schwarz Logistics Da Schwarz Logistics über eine Istkostenrechnung verfügt, liegt bereits eine Ein teilung in Kostenstellen vor. Das Unternehmen ist in insgesamt neun Kostenstellen eingeteilt. Dabei bildet jeder der fünf Lkws eine eigene Kostenstelle. Darüber hinaus gibt es je eine Kostenstelle für das Lager in Wien, die Werkstatt, die Buchhaltung sowie Geschäftsleitung und Vertrieb. Die Werkstatt ist einzige Vorkostenstelle. Deren Kosten werden im Rahmen der in nerbetrieblichen Leistungsverrechnung weiterverrechnet. Alle anderen Kostenstellen sind Endkostenstellen. Vorkostenstelle Endkostenstellen Werkstatt Lkw 1 Lkw 2 Lkw 3 Lkw 4 Lkw 5 Lager Buch haltung Geschäfts leitung und Vertrieb 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 403 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 402 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 403 schinenlaufzeit abhängt, bietet es sich an, beide Größen als Bezugsgröße dieser Kostenstelle zu wählen. Die Personalkosten würden dann über die Bezugsgrö- ße Fertigungszeit geplant, während beispielsweise die Abschreibungen über die Bezugsgröße Maschinenlaufzeit geplant würden. Schritt 3: Festlegung der Planbezugsgröße Die Festlegung der Planbezugsgröße besteht darin, für jede Kostenstelle und jede Bezugsgröße die Ausprägung zu ermitteln, die für die Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung zugrunde gelegt werden soll. Ausgangspunkt hierfür ist häufig die geplante Absatzmenge, weil diese für viele Unternehmen ein Engpass ist. Über die Absatzmenge lässt sich der Wert für die direkten Bezugsgrößen in den Kostenstellen unmittelbar bestimmen. Ist beispielsweise bei einem Möbelhersteller ein Absatz von 100 Sofas geplant, und wird in der Kostenstelle „Holzbau“ auf Basis der Bezugsgröße Maschinenzeit geplant, ergibt sich bei einer Fertigungszeit von 2 Stunden je Sofa eine Planbezugsgröße von 200 Stunden. Wahl der Bezugsgrößen bei Schwarz Logistics Schwarz Logistics verwendet folgende Bezugsgrößen für die Planung der Gemein kosten: Kostenstelle Bezugsgröße Werkstatt Werkstattstunden Lkw 1 – 5 Gefahrene Kilometer Lager Anzahl Zu und Abgänge Buchhaltung Anzahl Buchungen Geschäftsleitung und Vertrieb Anzahl Aufträge Festlegung der Planbezugsgröße bei Schwarz Logistics Bei der Festlegung der Planbezugsgröße für die Kostenstelle Lkw 1 schätzt Matthias Schwarz zunächst die Anzahl der zu erwartenden Fahrten und die durchschnittli che Kilometeranzahl jeder Fahrt ab. Er geht von insgesamt 200 Fahrten mit einer durchschnittlichen Kilometerzahl von 750 aus und kommt daher auf 150.000 ge fahrene Kilometer für das kommende Jahr als Planbezugsgröße für die Kostenstelle Lkw 1. Diese Zahl plausibilisiert er, indem er den Wert des abgelaufenen Jahrs betrachtet. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 404 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 404 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 405 Schritt 4: Planung der Kosten je Kostenstelle Mithilfe von Kostenplänen erfolgt nun die Planung der fixen und variablen Kosten für jede Kostenstelle. Dabei wird üblicherweise jede Kostenart getrennt geplant. Das Beispiel von Schwarz Logistics zeigt den monatlichen Kostenstellenplan für die Kostenstelle Lkw 1 auf Basis der Bezugsgröße „Anzahl der gefahrenen Kilometer“. Schritt 5: Durchführung der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung Bislang war die Planung der Kosten auf die Kostenstellen beschränkt. Letztlich ist es aber notwendig, die Kosten der einzelnen Kostenträger zu planen. Daher muss nun eine Verrechnung der geplanten Kosten von den Kostenstellen auf die Kostenträger erfolgen. Dazu sind zunächst die variablen Kosten der Vorkostenstellen auf die Endkostenstellen zu verrechnen. Dieser Schritt ist notwendig, da zwischen den Kosten der Vorkostenstellen und den Kostenträgern keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung besteht. Eine verursachungsgerechte Zurechnung ist dementsprechend nicht möglich. Eine Besonderheit der Grenzplankostenrechnung besteht darin, dass die Fixkosten zunächst auf den Vorkostenstellen verbleiben, also nicht weiterverrechnet werden. Diese fließen erst später in die Deckungsbeitragsrechnung ein. Planung der Kosten je Kostenstelle Schwarz Logistics Der folgende Kostenplan zeigt die geplanten Kosten der Kostenstelle Lkw 1 für den November 2015. Auf Basis von geplanten 150.000 km pro Jahr ergibt sich eine Planbezugsgröße von 12.500 km pro Monat (150.000/12). Der Fahrer ist an 20 Tagen im Einsatz und erhält nur dann einen Lohn, wenn er fährt. Für die Reinigung werden 20 Stunden veranschlagt, die zum Teil auch dann anfällt, wenn der Lkw nicht im Einsatz ist. Darüber hinaus sind noch Mietkosten, die Kosten für die Inspektion und für Reifenwechsel zu berücksichtigen. 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 405 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 404 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 405 Schritt 6: Ermittlung von Zuschlagssätzen für die Endkostenstellen und Verrechnung auf die Kostenträger Nach Schritt 5 sind nun alle geplanten variablen Kosten auf den Endkostenstellen zu finden. Von dort sind sie auf die Kostenträger zu verrechnen. Diese Verrechnung erfolgt, indem für die variablen Kosten der Endkostenstellen zunächst Zuschlagssätze gebildet werden. Dafür werden die variablen Kosten Innerbetriebliche Leistungsverrechnung bei Schwarz Logistics Da die Kostenstellenstruktur von Schwarz Logistics nur eine Vorkostenstelle aufweist, gibt es keine Leistungsbeziehungen zwischen Vorkostenstellen, die zu berücksichti gen wären. Darüber hinaus sind die Leistungsbeziehungen zwischen Vor und End kostenstellen einseitig und zwischen den Endkostenstellen werden keine Leistungen ausgetauscht. Daher eignet sich das Verfahren der Blockumlage, bei dem sämtliche Kosten der Vorkostenstelle Werkstatt in einem Kostenblock auf die Endkostenstellen umgelegt werden. Insgesamt fallen in der Vorkostenstelle Werkstatt 160 Arbeitsstunden an. Die hierfür anfallenden Kosten betragen 20.000 € und sind variabel. Daraus ergibt sich ein Ver rechnungssatz in Höhe von 125 € pro Stunde. Da die Kostenstelle Lkw 1 16 Stunden in Anspruch nimmt, werden 2.000 € auf sie verrechnet. Einschließlich der Kostenstellenumlage ergeben sich also in der Kostenstelle Lkw 1 gesamte variable Plangemeinkosten in Höhe von 6.260 €, die sich aus den primären Plangemeinkosten in Höhe von 4.260 € und der Kostenstellenumlage in Höhe von 2.000 € zusammensetzen. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 406 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 406 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 407 der Kostenstelle durch den geplanten Wert für die Bezugsgröße geteilt. Damit ergibt sich ein Kostensatz, mit dessen Hilfe man nun die geplanten variablen Kosten auf die Kostenträger verrechnen kann. Planung von Abschreibungen und Zinsen Wichtige Gemeinkosten sind Personalkosten, die nicht direkt den Kostenträgern zugerechnet werden können, Kosten für Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Werkzeuge, Reise-, Porto- und Beratungskosten sowie Steuern, Abgaben und Beiträge. Daneben spielen für viele Unternehmen die beiden Gemeinkostenarten Abschreibungen und Zinsen eine wichtige Rolle. Das gilt insbesondere für Industrieunternehmen, die einen hohen Anlagenbestand haben, wie die Stahlindustrie oder Maschinenbauer, aber auch für manche Dienstleistungsunternehmen, die für die Erbringung ihrer Dienstleistungen Anlagegüter benötigen, wie Fluggesellschaften oder Speditionen. Weil eine Unterscheidung von variablen und fixen Kosten bei Abschreibungen und Zinsen nicht Wichtige Gemeinkosten, die nicht direkt den Kostenträgern zugerechnet werden können, sind Personalkosten, Kosten für Hilfs und Betriebsstoffe, Steuern und Abgaben sowie Ab schreibungen und Zinsen. Ermittlung des Zuschlagssatzes bei Schwarz Logistics Für die Ermittlung der Zuschlagssätze in der Kostenstelle Lkw 1 werden die va riablen Plangemeinkosten in Höhe von 6.260 € zugrunde gelegt. Die jährliche Planbezugsgröße beträgt 150.000 km, woraus sich eine monatliche Planbezugs größe von 12.500 km ergibt. Der Zuschlagssatz beträgt 6.260 €/12.500 km = 0,50 € je km. Im Rahmen der Kostenträgerstückrechnung bedeutet dies, dass jeder Kostenträger 50 Cent pro Kilometer, den Lkw 1 für diesen Kostenträger gefahren ist, an variablen Gemeinkosten zu tragen hat. 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 407 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 406 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 407 ganz einfach ist, betrachten wir die Planung dieser beiden Kostenarten in der Grenzplankostenrechnung etwas genauer. Abschreibungen Abschreibungen entsprechen der Wertänderung eines Anlagengutes innerhalb einer Periode, also beispielsweise der Wertänderung eines Lastkraftwagens. Will man eine Unterscheidung zwischen variablen und fixen Abschreibungen vornehmen, beziehen sich die variablen Abschreibungen gemäß Abb. 11.4 auf denjenigen Teil der Wertänderung, der ausschließlich durch die Nutzung der Anlage veranlasst ist. Sie beziehen sich also auf den Gebrauchsverschleiß. Im Falle eines Lkws ist das diejenige Wertänderung, die auf die gefahrenen Kilometer zurückzuführen ist. Die fixe Abschreibung bezieht sich dagegen auf denjenigen Teil der Wertänderung, der auch ohne Nutzung der Anlage zu erwarten ist, also einen Zeitverschleiß. Der Wert eines Lkws nimmt auch dann ab, wenn er nicht genutzt wird, allerdings nicht in demselben Ausmaß wie bei einer Nutzung. Für die Planung der Abschreibungen in der Grenzplankostenrechnung ist deren Aufspaltung in variable und fixe Anteile von großer Bedeutung. Diese Aufspaltung hängt jedoch in hohem Maße von der geplanten Nutzung der Anlage ab. Bei einer intensiveren Nutzung beispielsweise eines Lkws spielen die variablen Anteile eine wichtigere Rolle als bei einer nur gelegentlichen Nutzung. Bei einer intensiveren Nutzung wird die Nutzungsdauer des Lkws durch die Anzahl der gefahrenen Kilometer beeinflusst, während sie bei einer nur gelegentlichen Nutzung durch den technologischen Fortschritt oder zunehmende Wartungserfordernisse begrenzt wird. Abschreibungen entsprechen der Wertänderung eines Anlagengutes innerhalb einer Periode. Abbildung 11.4: Abschreibungsursachen und deren Abbildung in der Grenzplankostenrechnung Abschreibungsursachen Zeitverschleiß Gebrauchsverschleiß Fixe Kosten Variable Kosten GrenzplankostenrechnungKapitel 11 408 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 408 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 409 Betrachten wir zunächst den Fall, dass die Wertänderung des Lkws nur auf einem Zeitverschleiß beruht. Bei linearer Abschreibung erhält man die Abschreibungen aZV, indem man den Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswert A abzüglich eines etwaigen Restwerts L durch die Nutzungsdauer tZV bei Zeitverschleiß teilt, also aZV = (A – L)/tZV. Die Abschreibungskosten sind in diesem Fall als fix anzusehen. Beruht dagegen die Wertänderung des Lkws ausschließlich auf einem Gebrauchsverschleiß, erhält man die Abschreibungen je gefahrenem Kilometer aq, indem man den Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswert A abzüglich eines etwaigen Restwerts L durch die Anzahl der über die gesamte Nutzungsdauer zurück zu legenden Kilometer Q teilt. Der Abschreibungsbetrag eines Jahres aGV ergibt sich nun durch Multiplikation der Abschreibungen je Kilometer mit der Anzahl der in diesem Jahr geplanten Kilometer qp, also aGV = qp  ∙  (A – L)/Q. Dieser Betrag wird in voller Höhe als variabel angesehen. Man kann diesen Abschreibungsbetrag auch berechnen, indem man die erwartete Nutzungsdauer tGV bei Gebrauchsverschleiß zugrunde legt. Dafür muss man die Gesamtleistung durch die durchschnittliche jährliche Fahrleistung teilen. Die Abschreibungen ergeben sich nun wieder, indem man den Anschaffungswert durch die so ermittelte Nutzungsdauer teilt. Planung von Abschreibungen – Zeitverschleiß bei Schwarz Logistics Schwarz Logistics plant die Anschaffung eines neuen Lkws. Die Anschaffungskos ten für die MAN TGX Zugmaschine einschließlich Auflieger betragen 120.000 €, der Restwert sei Null. Bei reinem Zeitverschleiß und einer Nutzungsdauer von 10 Jahren ergibt sich ein jährlicher fixer Abschreibungsbetrag von 12.000 €. Planung von Abschreibungen – Gebrauchsverschleiß bei Schwarz Logistics Für die eben betrachtete MAN TGX Zugmaschine einschließlich Auflieger geht Matthias Schwarz von einer jährlichen Fahrleistung von 150.000 km aus. Er weiß, dass die Gesamtfahrleistung für diesen Lkw über die gesamte Nutzungsdauer etwa 750.000 km beträgt. Die variablen Abschreibungskosten je km betragen also 120.000 €/750.000 km = 0,16 €/km. Pro Jahr fallen variable Abschreibungen in Höhe von 150.000 km · 0,16 €/km = 24.000 € an. Die erwartete Nutzungsdauer beträgt dann 750.000 km/150.000 km/Jahr = 5 Jahre. Auf Basis dieser Nutzungsdauer ergeben sich ebenfalls variable Abschreibungen in Höhe von 120.000 €/5 = 24.000 €. 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 409 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 408 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 409 Wenn Zeit- und Gebrauchsverschleiß gleichzeitig eine Rolle spielen, wie dies  z. B.  bei Lkws der Fall ist, kann man für die Planung und Aufspaltung der  Kosten in ihre fixen und variablen Bestandteile auf das Näherungsverfahren von Bain1 zurückgreifen. Dieses ermittelt zunächst die so genannte kritische Beschäftigung (bzw. kritische Fahrleistung), die sich ergibt, wenn die Fahrleistung des Lkw zu einer Nutzungsdauer führt, die genau der Nutzungsdauer bei Zeitverschleiß entspricht. In diesem Fall gilt allgemein: GesamtleistungNutzungsdauer Nutzungsdauer = = bei Gebrauchsverschleiß bei Zeitverschleißkritische Beschäftigung Das Umformen dieser Gleichung verdeutlicht, dass man die kritische Fahrleistung berechnen kann, indem man die Gesamtfahrleistung durch die Nutzungsdauer bei Zeitverschleiß teilt. Im Fall des eben betrachteten Lkws beträgt die kritische Fahrleistung 750.000 km/10 = 75.000 km. Wird der Lkw jährlich 75.000  km gefahren, endet seine Nutzungsdauer auf Basis der gefahrenen Kilometer genau nach 10 Jahren, was der Nutzungsdauer bei Zeitverschleiß entspricht. Nun sind zwei Fälle denkbar: ▪▪ Der Zeitverschleiß wirkt stärker als der Gebrauchsverschleiß: In diesem Fall ist die Nutzungsdauer bei Gebrauchsverschleiß länger als die Nutzungsdauer bei Zeitverschleiß. Letzterer bestimmt also die Nutzungsdauer. Die geplanten Abschreibungsbeträge lassen sich dann als reine Zeitabschreibungen berechnen und werden vollständig als fixe Kosten betrachtet. In unserem Beispiel wäre das der Fall, wenn die jährliche Fahrleistung des Lkws weniger als 75.000 km betragen würde. Die entsprechende Kostenfunktion in Abhängigkeit der Beschäftigung verläuft horizontal. ▪▪ Der Gebrauchsverschleiß wirkt stärker als der Zeitverschleiß: In diesem Fall ist die Nutzungsdauer bei Gebrauchsverschleiß kürzer als bei Zeitverschleiß. Da es sich um variable Kosten handelt, steigt die Kostenfunktion linear mit der Beschäftigung an. Die Steigung der Kostenfunktion wird bestimmt durch die Abschreibungshöhe bei Gebrauchsverschleiß. Sie beträgt GV p A t q ⎛ ⎞ ⎜ ⎟⎝ ⎠ . Insgesamt folgt die tatsächliche Kostenkurve der geplanten Abschreibungen also dem in Abb. 11.5 dargestellten Verlauf. Bis zur kritischen Beschäftigung 1 Vgl. Bain, J.S.: Depression Pricing and the Depreciation Function, in: The Quarterly Journal of Economics, 1936, S. 705 ff. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 410 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 410 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 411 verläuft sie horizontal, danach steigt sie linear mit zunehmender Beschäftigung an. Diese Kostenfunktion weist also einen geknickten Verlauf auf. Eine Planung der Kosten mithilfe einer solchen Kostenfunktion ist in der Grenzplankostenrechnung nicht möglich, da dort lineare Kostenfunktionen unterstellt werden. Daher behilft man sich mit einer Näherung. Man verbindet die Plankosten bei erwarteter Beschäftigung mit dem Abschreibungsbetrag bei reinem Zeitverschleiß und einer Beschäftigung von Null (vgl. Abb. 11.5). Mithilfe der so ermittelten Kostenkurve lassen sich nun die Abschreibungen planen. Weicht die realisierte Beschäftigung von der ursprünglich geplanten Beschäftigung ab, so entsprechen die Kosten nicht genau dem tatsächlichen Sollkostenverlauf. Diese Ungenauigkeit nimmt man jedoch in Kauf, um die Kosten etwas einfacher planen zu können. Unter Verwendung des Näherungsverfahrens setzt sich die Abschreibung aus einer fixen und einer variablen Komponente zusammen. Die fixe Komponente ergibt sich über den Abschreibungsbetrag bei reinem Zeitverschleiß, also afix = A/tZV. In unserem Beispiel errechnet sich dieser Betrag zu 120.000  €/10 Jahre = 12.000  € pro Jahr. Der variable Betrag ist der darüber hinausgehende Ab- Abbildung 11.5: Das Näherungsverfahren von Bain zur Planung von fixen und variablen Abschreibungskomponenten qiqpqc a Tatsächliche Kostenkurve Näherung Kostenkurve A/tZV 11.3 Planung der Kosten in der Grenzplankostenrechnung 411 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 410 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 411 schreibungsbetrag, der bei Übereinstimmung von Ist- und Planbeschäftigung folgenden Wert annimmt: avar = A/tGV – A/tZV. Dieser Wert beträgt in unserem Beispiel 120.000 €/5 – 120.000 €/10 = 12.000 €. Will man nun die Sollkostenkurve der Abschreibungen as für beliebige realisierte Beschäftigungen qi berechnen, ergibt sich as = afix + avar · (qi/qp). Diese Kurve entspricht der mit „Näherung Kostenkurve“ bezeichneten Geraden in Abb. 11.5. Die Steigung dieser Kurve beträgt somit GV ZV p A A t t q ⎛ ⎞ −⎜ ⎟⎝ ⎠ . Bei einer realisierten Laufleistung von 150.000 km beträgt die Abschreibung demnach 12.000 € + 12.000 € = 24.000 €. Werden dagegen 165.000 km gefahren, erhöht sich der Abschreibungsbetrag auf 12.000 € + 12.000 € · (165.000/150.000) = 25.200 €. Die variablen Abschreibungen steigen um 1.200 € an, während die fixen Abschreibungen konstant bleiben. Allerdings wird damit der tatsächliche Abschreibungsbetrag unterschätzt, wie man in Abb. 11.5 erkennen kann. Statt der eigentlich notwendigen Kostensteigerung um 15.000 km · 0,16 €/km = 2.400 €, bleibt man wegen des verwendeten Näherungsverfahrens unterhalb dieses Werts. Damit zeigt sich, dass das Näherungsverfahren von Bain nur dann angewendet werden sollte, wenn die Differenz zwischen geplanter und realisierter Beschäftigung nicht zu groß ist. Zinsen Bei der Planung der Zinskosten sind Anlage- und Umlaufvermögen zu unterscheiden. Die Planung der Zinskosten auf das Anlagevermögen orientiert sich am geplanten Wert des Anlagebestands, setzt also voraus, dass in den Kostenstellen die Anlagenbestände geplant werden. Dabei können zwei Verfahren zur Anwendung kommen, nämlich die Restwert- oder die Durchschnittswertverzinsung. Bei der Restwertverzinsung ermittelt man die Zinsen, indem man den aktuellen Wert der Anlage auf Basis jährlicher Durchschnittswerte mit dem kalkulatorischen Zinssatz multipliziert. Damit weisen neuere Anlagen höhere Zinskosten auf als ältere. Bei der Durchschnittsverzinsung wird das durchschnittlich über die gesamte Nutzungsdauer in der Anlage gebundene Kapital mit dem kalkulatorischen Zinssatz multipliziert. Damit ergeben sich konstante Zinskosten über die Nutzungsdauer einer Anlage. Die Zinskosten des Anlagevermögens werden in der Grenzplankostenrechnung als Fixkosten geführt. Bei der Planung der Zinskosten sind Anlage und Umlaufvermögen zu unterscheiden. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 412 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 412 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 413 Für die Planung der Zinskosten auf das Umlaufvermögen müssen die Kostenstellen ihre Bestände planen. In Material-, Lager- und Fertigungskostenstellen sind die Bestände an Rohstoffen, Halbfertig- und Fertigerzeugnissen zu planen. Vertriebskostenstellen müssen die Debitorenbestände, also die Höhe der offenen Forderungen gegenüber Kunden planen. Darüber hinaus müssen Ersatzteile sowie Hilfs- und Betriebsstoffe geplant werden. Die Zinskosten auf das Umlaufvermögen werden ermittelt, indem man die durchschnittlichen Bestände für das Jahr mit dem kalkulatorischen Zinssatz multipliziert. Zur Planung der durchschnittlichen Bestände insbesondere bei Roh-, Hilfsund Betriebsstoffen kann man auf folgende Gleichung zurückgreifen: Jahresverbrauch Durchschnittsbestand = 2 Bestellhäufigkeit⋅ Beträgt der Jahresverbrauch eines Rohstoffs beispielsweise 1.000  kg, dann ergibt sich bei einer jährlichen Bestellung am Jahresanfang ein Durchschnittsbestand von 500 kg, da der Rohstoff kontinuierlich über das Jahr verbraucht wird. Bei zwei Bestellungen – eine am Jahresanfang und eine zur Jahresmitte – reduziert sich der durchschnittliche Bestand dagegen auf 250 kg. Darüber hinaus muss unter Umständen ein Reservebestand berücksichtigt werden, um etwaige Unsicherheiten bei der Beschaffung oder beim Verbrauch ausgleichen zu können. Dieser ist zum so errechneten Durchschnittsbestand hinzu zu zählen. Welcher Anteil der Zinskosten auf das Umlaufvermögen variabel und welcher fix ist, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Wenn Lagerbestände rasch an Beschäftigungsänderungen angepasst werden können, sind die zugehörigen Zinskosten als variabel einzustufen. Diejenigen Bestände, die das Unternehmen unabhängig von der Höhe der Beschäftigung vorhält, führen dagegen zu fixen Zinskosten. Planung von Zinskosten für das Anlagevermögen bei Schwarz Logistics Schwarz Logistics ermittelt die Zinskosten über das Restwertverfahren. Für einen Hubwagen, der für 2.000 € angeschafft worden ist und über zehn Jahre abge schrieben wird, ergibt sich ein Wert zum Ende des laufenden Jahres von 1.600 €. Zum Ende des kommenden Jahres beträgt sein Wert entsprechend einem linearen Abschreibungsbetrag in Höhe von 200 € noch 1.400 €. Die geplanten Zinskosten werden bestimmt, indem man den Mittelwert in Höhe von (1.600 € + 1.400 €)/2 = 1.500 € mit dem kalkulatorischen Zinssatz in Höhe von 8 % multipliziert. Es ergeben sich also Zinskosten für den Hubwagen in Höhe von 120 €, die als fixe Gemeinkosten in die Kostenstellenrechnung eingehen. 11.4 Kostenkontrolle und Abweichungsanalyse 413 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 412 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 413 11.4 Kostenkontrolle und Abweichungsanalyse Die detaillierte Kostenplanung in der Grenzplankostenrechnung erlaubt eine entsprechend detaillierte Kontrolle der Kosten. Über diese Kontrolle lässt sich  das Verhalten der Mitarbeiter gezielt beeinflussen. Dabei ist zwischen der Kontrolle der Einzel - und der Kontrolle der Gemeinkosten zu unterscheiden. Im Hinblick auf die Kontrolle der Einzelkosten gibt es gegenüber der Standardund Prognosekostenrechnung keine Unterschiede. So werden beispielsweise bei der Kontrolle der Materialeinzelkosten üblicherweise eine Aufspaltung in die beiden Komponenten Menge und Einstandspreis vorgenommen und beide Abweichungen getrennt voneinander analysiert. Im Hinblick auf die Gemeinkostenkontrolle unterscheidet sich die Grenzplankostenrechnung von der Standard- oder Prognosekostenrechnung (vgl. hierzu Kapitel 10) durch zwei Merkmale: ▪▪ Strikte Kostenstellenorientierung : Genau wie die Planung der Gemeinkosten erfolgt auch die Kontrolle der Gemeinkosten in den Kostenstellen. Da jede Kostenstelle einen verantwortlichen Leiter hat, erlaubt dies die Identifikation und Zuweisung klarer Verantwortlichkeiten für Kostenabweichungen. ▪▪ Trennung von variablen und fixen Kosten: Die Trennung von variablen und fixen Kosten wird auch bei der Kostenkontrolle beibehalten. Dies vereinfacht die Abweichungsanalyse, weil es in der Grenzplankostenrechnung keine Beschäftigungsabweichungen gibt. Mit einer detaillierten Kostenplanung lässt sich das Verhalten der Mitarbeiter gezielt beeinflussen. Planung von Zinskosten für das Umlaufvermögen bei Schwarz Logistics Schwarz Logistics unterhält eine eigene Tankanlage für ihre Lkws. Der erwartete Jahresbedarf an Diesel ergibt sich über die geplante jährliche Fahrleistung in Höhe von 750.000 km (150.000 km · 5 Lkws) multipliziert mit dem Verbrauch in Höhe von 15 Liter je 100 km zu 112.500 Liter. Bei sechs Bestellungen im Jahr ergibt sich ein Durchschnittsbestand von 112.500 Li ter/(2 · 6) = 9.375 Liter. Einschließlich eines Reservebestands in Höhe von 2.000 Litern beträgt der Durchschnittsbestand 11.375 Liter. Für die Bewertung wird ein durch schnittlicher Dieselpreis von 1,20 € je Liter zugrunde gelegt, so dass der durch schnittliche Bestand 13.650 € beträgt. Für den Dieselbestand fallen damit jährliche Zinskosten in Höhe von 13.650 · 8 % = 1.092 € an. Schwarz Logistics ordnet die jährlichen Zinskosten, die für den Reservebestand anfallen, den Fixkosten zu. Die übrigen Zinskosten werden als variabel unterstellt, da die Bestellmengen jeweils an den Bedarf angepasst werden können. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 414 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 414 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 415 Gemeinkostencontrolling Das Gemeinkostencontrolling spielt in vielen Unternehmen eine wichtige Rolle. Darunter versteht man die intensive Analyse der Gemeinkosten und ihre nachhaltige Beeinflussung. Seine Bedeutung rührt daher, dass die Gemeinkosten nicht nur in Industrie-, sondern noch stärker in Dienstleistungsunternehmen den Großteil der Kosten ausmachen. So ist beispielsweise der Anteil der Einzelkosten bei Banken gegenüber den Gemeinkosten sehr gering. Die Grenzplankostenrechnung kann das Gemeinkostencontrolling in hohem Maße unterstützen. Die Trennung in fixe und variable Kosten erlaubt Einblicke in die Kostenstruktur eines Unternehmens und verbessert die Planungsgenauigkeit. Die Kostenstellenorientierung gibt einen raschen Überblick, in welchen Bereichen des Unternehmens welche Kosten angefallen sind. Kostensenkungsprogramme, die insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in vielen Unternehmen durchgeführt werden, können leichter geplant und ihre Wirkung besser abgeschätzt werden. Die detaillierte Kontrolle der Kosten auf der Ebene der Kostenstellen erlaubt eine regelmäßige und zeitnahe Überprüfung des Erfolgs von solchen Programmen. Klare Verantwortlichkeiten helfen ebenfalls, die Durchsetzbarkeit solcher Programme zu erhöhen. Die Relevanz dieser Aussage zeigt sich auch daran, dass das Modul Gemeinkostencontrolling der Unternehmenssoftware von SAP ERP in hohem Maße auf dem Konzept der Grenzplankostenrechnung beruht. Auswertung von Abweichungsursachen Treten bei der Kontrolle der Gemeinkosten Abweichungen gegenüber den ursprünglich geplanten Kosten auf, können mithilfe von Abweichungsanalysen deren Ursachen festgestellt werden. In der Grenzplankostenrechnung ist die Abweichungsanalyse deutlich einfacher als in einer Vollkostenrechnung. So muss man bei etwaigen Abweichungen von Fertigungsmengen nicht berücksichtigen, dass die Fixkosten auf eine veränderte Fertigungsmenge verteilt werden müssen. Damit entsprechen in der Grenzplankostenrechnung die verrechneten Plankosten den Sollkosten, und die Beschäftigungsabweichung ist Null. In einer Vollkostenrechnung enthalten die verrechneten Plankosten auch fixe Kostenbestandteile und entsprechen somit nicht mehr den Sollkosten. Abb. 11.6 illustriert diesen Unterschied. Da in der Grenzplankostenrechnung die Beschäftigungsabweichung entfällt, wird häufig zusätzlich die Kapazitätsauslastung analysiert. Denn diese spielt für die Höhe der Gewinne eine wichtige Rolle. Dazu vergleicht man die tatsächliche mit der verfügbaren Kapazität. Damit lassen sich Abweichungen des Gewinns von den ursprünglichen Planungen besser verstehen. Eine intensive Analyse der Gemein kosten und ihre nachhaltige Beeinflussung ist die Aufgabe des Gemeinkostencontrollings. 11.5 Entscheidungsunterstützung durch die Grenzplankostenrechnung 415 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 414 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 415 11.5 Entscheidungsunterstützung durch die Grenzplankostenrechnung Ein wesentlicher Zweck der Grenzplankostenrechnung besteht darin, Informationen für operative Entscheidungen zu liefern, um so zu besseren Entscheidungen in Unternehmen beizutragen. Eines der wichtigsten Instrumente dafür ist die Deckungsbeitragsrechnung, welche die Erlöse und die variablen sowie fixen Kosten zusammenführt. In ihrer Grundstruktur haben wir die Deckungsbeitragsrechnung bereits in Kapitel 7 kennen gelernt. In diesem Abschnitt zeigen wir, wie mithilfe von Deckungsbeiträgen die Profitabilität näher untersucht und operative Entscheidungen unterstützt werden können. Deckungsbeitrag als Instrument zur Entscheidung über die Annahme eines Zusatzauftrags Matthias Schwarz beschäftigt immer noch die Frage, ob er den Spezialtransport von Wien nach Košice, Slowakei für einen Kunden durchführen soll. Der Kunde hat einen Preis von 680 € geboten, der deutlich unter der sonst üblichen Rate von 790 € liegt. Schwarz Logistics hätte derzeit noch Transportkapazität frei, und Matthias Schwarz betrachtet die Rechnung näher, mit der bisher derartige Anfragen kalkuliert wurden. In der Kalkulation wurden die vollen Kosten zugrunde gelegt, die sich aus den Einzelkosten und den auf Basis der Kilometerleistung geschlüsselten Gemeinkosten ergibt. Die Einzelkosten in Höhe von 150 € und 280 € können dabei auf der Basis von Kilometern bzw. Fahrerstunden und den zugehörigen Preisen geplant werden. Die Gemeinkosten in Höhe von 320 € werden über Abbildung 11.6: Abweichungsanalyse bei Voll- und Teilkostenrechnung Istbeschäftigung Beschäftigung x (in der Vollkostenrechnung) Plankosten bei Planbeschäftigung Istkosten/ Plankosten Verrechnete Plankosten in der Vollkostenrechnung SollkostenkurveIstkosten der Istbeschäftigung Verrechnete Plankosten bei Istbeschäftigung Beschäftigungsabweichung = Leerkosten der Istbeschäftigung Verbrauchsabweichung Planbeschäftigung Fixkosten Sollkosten der Istbeschäftigung Fixkostenblock wird nicht verteilt Beschäftigung x (in der Teilkostenrechnung) GrenzplankostenrechnungKapitel 11 416 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 416 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 417 einen Zuschlagssatz des Lkw, der den Transport durchführen soll, ermittelt. Dazu wird der Zuschlagssatz mit der Zuschlagsbasis, in diesem Fall der Anzahl der gefahrenen Kilometer, multipliziert. Bei Vollkosten von 750 € und einer Preisobergrenze von 680 € wäre die Annahme des Auftrags tatsächlich mit einem Verlust von 70 € verbunden. Allerdings weiß Matthias Schwarz, dass diese Berechnung einen Fehler enthält. Sie berücksichtigt nämlich auch die Fixkosten, die sich bei Annahme des Auftrags gar nicht ändern würden. Wie hoch diese sind, geht aus dem bisherigen Vollkostensystem allerdings nicht hervor. Matthias Schwarz weiß, dass die Grenzplankostenrechnung bei dieser Art von Entscheidungen eine große Hilfe ist. Die Trennung in fixe und variable Kosten und die Betrachtung von Deckungsbeiträgen erlauben es ihm, die Entscheidung über die Annahme des Zusatzauftrags auf eine bessere Grundlage zu stellen. 11.5 Entscheidungsunterstützung durch die Grenzplankostenrechnung 417 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 416 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 417 Die Deckungsbeitragsanalyse zeigt tatsächlich, dass der Zusatzauftrag mit einem positiven Deckungsbeitrag in Höhe von 100 € verbunden wäre. Dieser Deckungsbeitrag berücksichtigt neben den variablen Einzelkosten auch den Anteil an variablen Gemeinkosten, der auf den Auftrag umgelegt wird. Eine Annahme des Zusatzauftrags würde also das Betriebsergebnis von Schwarz Logistics um 100 € steigern, da sich die Fixkosten durch die Annahme des Zusatzauftrags nicht verändern. Allerdings ist dieses Ergebnis nur für den Fall richtig, dass Schwarz Logistics tatsächlich noch über freie Transportkapazitäten verfügt. Falls das nicht der Fall ist, muss Matthias Schwarz zusätzlich die Opportunitätskosten (vgl. dazu Kapitel 2) betrachten, die bei Annahme des Auftrags entstehen, weil damit ein alternativer Auftrag nicht durchgeführt werden kann. Bei Vollauslastung müsste er also auf eine sonst übliche Rate von 790 € verzichten, die bei variablen Kosten in Höhe von 580 € einen Deckungsbeitrag von 210 € liefert. Dieser Deckungsbeitrag sind die Opportunitätskosten bei Vollauslastung. Wenn er diese abzieht von dem Deckungsbeitrag des Zusatzauftrags in Höhe von 100 € ergibt sich ein Verlust in Höhe von 110 €, der ihm durch die Annahme des Zusatzauftrags bei voller Kapazität entstehen würde. Ein zweiter Fall, bei dem die Orientierung am Deckungsbeitrag allein zu einer falschen Entscheidung führen würde, ist dann gegeben, wenn die Annahme des Zusatzauftrags zu günstigeren Konditionen Rückwirkungen auf die sonst üblichen Preise hat. Wenn die bisherigen Kunden deswegen ebenfalls Rabatte durchsetzen wollen, kann es insgesamt sinnvoller sein, trotz eines positiven Deckungsbeitrags auf die Annahme des Zusatzauftrags zu verzichten. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung zur Analyse der Profitabilität von Unternehmensbereichen Die Deckungsbeitragsrechnung in der Grenzplankostenrechnung ermittelt den Deckungsbeitrag als Differenz zwischen Erlösen und variablen Kosten. Von dort gelangt man über den Abzug der Fixkosten zum Unternehmenserfolg. Bei der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden diese Fixkosten in mehreren Schritten abgezogen. Die resultierenden Zwischenergebnisse werden dann häufig als Deckungsbeiträge II, III, usw. bezeichnet, während der Deckungsbeitrag I der Differenz aus Erlösen und variablen Kosten entspricht. Abb. 11.7 zeigt ein Beispiel für eine mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung der Spedition Schwarz Logistics. Die Deckungsbeitragsrechnung in der Grenzplankostenrechnung ermittelt den Deckungsbeitrag als Differenz zwischen Erlösen und variablen Kosten. Nach Abzug der Fixkosten gelangt man zum Unternehmens erfolg. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 418 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 418 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 419 Spalte B zeigt die Zahlen des Gesamtunternehmens, während die Spalten C und D nach den beiden Unternehmensbereichen Standard- und Spezialtransporte aufgeschlüsselt sind. Dabei werden zunächst von den Umsatzerlösen die variablen Einzelkosten Treibstoff und Fahrerlöhne sowie die variablen Gemeinkosten abgezogen. Während die variablen Einzelkosten den beiden Unternehmensbereichen Standard- und Spezialtransporte direkt zurechenbar sind, ist bei den variablen Gemeinkosten häufig eine Schlüsselung auf die beiden Bereiche notwendig. Vom resultierenden Deckungsbeitrag I werden zunächst diejenigen Fixkosten abgezogen, die sich ohne Schlüsselung den beiden Unternehmensbereichen zuordnen lassen. Das können beispielsweise die fixen Abschreibungen von Aufliegern sein, die jeweils nur für eine der beiden Transportleistungen nutzbar sind. Daraus ergibt sich der Deckungsbeitrag II für jeden der beiden Bereiche und das Gesamtunternehmen. Dieser ist für den Unternehmensbereich Standardtransporte offenbar negativ. Daraus lässt sich erkennen, dass es in diesem Bereich notwendig ist, die Profitabilität zu erhöhen, was über Kostensenkungen oder über Erlössteigerungen möglich ist. Abschließend werden noch die übrigen Fixkosten des Unternehmens in Höhe von 65.000 € abgezogen, die sich keinem der Bereiche ohne willkürliche Schlüsselung zuordnen lassen. Dazu gehört beispielsweise das Gehalt des Geschäftsführers Johann Schwarz. Mithilfe dieser mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung lässt sich nun die Profitabilität des Unternehmens Schwarz Logistics genauer untersuchen. So lässt sich zum einen die Profitabilität der einzelnen Unternehmensbereiche erkennen. Während der Deckungsbeitrag I lediglich variable Kosten enthält und so die kurzfristige Profitabilität erkennbar macht, wird über die stufenweise Zurechnung von Fixkosten deutlich, wie profitabel die Bereiche auch auf mittlere Sicht sind bzw. sein können. Dies erlaubt eine bessere Steuerung Erst nach einer stufenweisen Zurechnung von Fixkosten wird deutlich, ob ein Unternehmens bereich mittelfristig profitabel ist bzw. sein kann. Abbildung 11.7: Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung bei Schwarz Logistics 11.5 Entscheidungsunterstützung durch die Grenzplankostenrechnung 419 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 418 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 419 der Gesamtorganisation, weil klar wird, aus welchen Unternehmensbereichen welche Erfolgsbeiträge zu erwarten sind. Dabei eröffnet die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung nicht nur die Möglichkeit, unterschiedliche Unternehmensbereiche zu durchleuchten. Sie kann auch im Hinblick auf andere Bezugsgrößen wie beispielsweise Produkte oder Produktgruppen, Kunden oder Kundengruppen, Absatzkanäle und Regionen gegliedert werden. Praxisbeispiel: Mehrstufige Deckungsbeitrags rechnung bei der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan ist mit einer knapp 1000 jährigen Geschichte die älteste Brauerei der Welt. Die Braue rei befindet sich in Freising, nördlich von München und kooperiert mit dem Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München. Um die Profitabilität der drei Unternehmens bereiche Gastronomie, Handel und Export zu untersuchen, wird regelmäßig eine mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung durch geführt. Die Umsatzerlöse bestehen aus drei Erlösarten: Getränkeverkauf, Pachten und sonstige Umsatzerlöse. Neben den Materialkosten zum Brauen von Bier (Wasser, Malz, Hopfen) sind die abzuführen de Biersteuer und die Vertriebskosten weitere große Kostenblöcke der variablen Kosten. Nettoerlöse – Variable Kosten = Deckungsbeitrag I – Kundeneinzelkosten = Deckungsbeitrag II – Fixkosten = Gewinn GrenzplankostenrechnungKapitel 11 420 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 420 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 421 Mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung zur Analyse der Profitabilität von Kunden, Regionen und Produkten Die Deckungsbeitragsrechnung gewinnt eine noch höhere Aussagefähigkeit, wenn man von der mehrstufigen zu einer mehrdimensionalen Deckungsbeitragsrechnung übergeht. Während bei der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung die Fixkosten in einer festen Reihenfolge nacheinander vom Deckungsbeitrag I abgezogen werden, bietet die mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung eine deutlich höhere Flexibilität. Mit ihr ist es möglich, die Fixkosten in unterschiedlichen Reihenfolgen vom Deckungsbeitrag I abzuziehen und so den Fixkostenblock aus verschiedenen Perspektiven zu durchleuchten. Abb. 11.8 zeigt eine mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung, die auf der gerade betrachteten mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung aufbaut und nähere Hinweise auf den negativen Deckungsbeitrag im Unternehmensbereich Standardtransporte gibt. Innerhalb dieses Bereichs wird der Fixkostenblock im Hinblick auf die beiden Kundengruppen private und gewerbliche Kunden sowie im Hinblick auf die beiden Regionen Deutschland und Osteuropa betrachtet. Dabei zeigt sich, dass Schwarz Logistics bei den gewerblichen Eine mehrdimensionale Deckungs beitragsrechnung erlaubt die Analyse des Fixkostenblocks aus verschiede nen Perspektiven. Zusätzlich zu der Untersuchung der Profitabilität der Unterneh mensbereiche untersucht die Brauerei Weihenstephan laufend die Profitabilität der unterschiedlichen Kundengruppen. Analysiert wird diese durch die Erstellung einer Kundenerfolgsrechnung. Die Kundeneinzelkosten, wie bspw. Kosten für ein neues Leihinventar für Gastronomiebetriebe, spielen dabei eine wichtige Rolle. Abbildung 11.8: Mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung bei Schwarz Logistics aus der Perspektive der Unternehmensbereiche 11.5 Entscheidungsunterstützung durch die Grenzplankostenrechnung 421 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 420 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 421 Kunden  in Deutschland sogar einen negativen Deckungsbeitrag I erwirtschaftet. Abb. 11.9 zeigt die Deckungsbeitragsrechnung aus einer anderen Perspektive. Hier werden zunächst die beiden Absatzgebiete Deutschland und Osteuropa betrachtet, um festzustellen, welche der beiden Regionen profitabler ist. Anhand des Deckungsbeitrags IV wird deutlich, dass die Region Deutschland verlustreich ist. Die Reihenfolge der Bezugsgrößen bei einer mehrdimensionalen Deckungsbeitragsrechnung richtet sich danach, welche Erkenntnisse man gewinnen will. Möchte man beispielsweise die Ursachen für die Ergebnisse in einzelnen Regionen untersuchen, dann baut man die mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung so auf, dass in der obersten Zeile der Deckungsbeitragsrechnung mit der betreffenden Region begonnen wird. Die anderen Bezugsgrößen ordnet man in der gewünschten Reihenfolge darunter an. Die mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung gibt einen tiefen Einblick in die Fixkostenstruktur eines Unternehmens. Verluste auf einzelnen Deckungsbeitragsstufen geben Hinweise darauf, in welchen Segmenten möglicherweise Probleme bestehen. Allerdings erkauft man sich diesen hohen Nutzen dadurch, dass man den Fixkostenblock entsprechend der verwendeten Bezugsgrößen zerlegt. Eine solche Fixkostenspaltung ist aufwändig und erfordert eine leistungsfähige Software. Ob man dieses Instrument nutzt, hängt davon ab, inwieweit die dadurch generierten Informationen für das Unternehmen einen Nutzen bieten. Abbildung 11.9: Mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung bei Schwarz Logistics aus der Perspektive der Absatzgebiete GrenzplankostenrechnungKapitel 11 422 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 422 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 423 In der Praxis wird dieser Nutzen häufig gesehen, weil die mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung in vielen Branchen verbreitet ist. Literatur Friedl, Gunther/Hilz, Christian/Pedell, Burkhard: Controlling mit SAP, 6. Auflage, Vieweg, Wiesbaden 2012. Friedl, Gunther/Küpper, Hans-Ulrich/Pedell, Burkhard: Relevance Added: Combining ABC with German Cost Accounting, in: Strategic Finance, June 2005, S. 56–61. Hilton, Ronald W./Platt, David E., Managerial Accounting: Creating Value in a Global Business Environment, Global Edition, 9. Auflage, McGraw-Hill/ Irwin, New York 2011, Kapitel 8. Kilger, Wolfgang/Pampel, Jochen/Vikas, Kurt: Flexible Plankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung, 13. Auflage, Springer Gabler, Wiesbaden 2012. Schweitzer, Marcell/Küpper, Hans-Ulrich: Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 10. Auflage, Vahlen, München 2010, Kapitel 3.D.I. Verständnisfragen a) Welche Zielsetzung wird mit der Einführung einer Grenzplankostenrechnung verfolgt? b) Welche Kosten werden in der Grenzplankostenrechnung auf die Kostenträger verrechnet und welche nicht? c) Für welche Entscheidungen ist eine Kostenspaltung in fixe und variable Kosten von Bedeutung? d) Erläutern Sie die Bedeutung von Bezugsgrößen für die Planung der Gemeinkosten in der Grenzplankostenrechnung. Die Deckungsbeitragsrechnung ist in deutschen Großunternehmen weit verbreitet. Friedl/Hammer/Pedell/Küpper berichten auf Basis einer Befragung der 250 größten deutschen Unternehmen von einem Verbreitungsgrad von 69 %. Innerhalb dieser Gruppe wenden lediglich 24 % eine einstufige Deckungsbeitragsrechnung an. Bei 51 % kommt eine mehrstufige, bei weiteren 11 % sogar eine mehrdimensionale Deckungsbeitragsrechnung zum Einsatz. Bei einer Untersuchung unter 3.750 Mitgliedsunternehmen aller Größenklassen des Internationalen Controllervereins in Deutschland, Österreich und der Schweiz stellten Krumwiede/Süßmair fest, dass die Deckungsbeitragsrechnung sogar einen Verbreitungsgrad von 78 % besitzt. Quellen: Friedl, Gunther; Hammer, Carola; Pedell, Burkhard; Küpper, Hans-Ulrich: How Do German Firms Run Their Cost-Accounting Systems, in Management Accounting Quarterly, Winter 2009; Krumwiede, Kip; Süßmair, Augustin: A Closer Look at German Cost Accounting Methods, in Management Accounting Quarterly, Herbst 2008. Empirische Ergebnisse Literatur 423 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 422 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 423 e) Welche Vereinfachung nimmt das Näherungsverfahren von Bain bei der Planung von Abschreibungen vor? f) Erläutern Sie die Planung der Zinskosten auf das Umlaufvermögen. g) Inwiefern vereinfacht sich die Abweichungsanalyse bei der Grenzplankostenrechnung gegenüber einer Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis? h) Warum ist bei der Entscheidung über die Annahme eines Zusatzauftrags die Grenzplankostenrechnung einer Vollkostenrechnung überlegen? i) Erläutern Sie die Unterschiede zwischen einer mehrstufigen und einer mehrdimensionalen Deckungsbeitragsrechnung. Fallbeispiel: Berechnung und Aufteilung der Abschreibungen in eine variable und eine fixe Komponente bei der Werner GmbH Das Unternehmen Werner GmbH beschäftigt 55 Mitarbeiter und produziert die beiden Produktlinien Stahl und Leichtmetallfelgen. Hans Werner, geschäftsführen der Gesellschafter der Werner GmbH, möchte durch Marketingmaßnahmen Absatz und dementsprechend Produktion im bevorstehenden Geschäftsjahr ausweiten. Die Marktanalyse eines externen Beratungsunternehmens hat ergeben, dass Marketing kampagnen in beiden Segmenten ähnlich erfolgreich wären. Daher will Herr Werner das zusätzliche Werbebudget von 100.000 € in den profitableren Bereich investieren. Um zu entscheiden, ob die Erweiterung im Stahlfelgen , im Leichtmetallfelgen oder in beiden Bereichen stattfinden soll, wendet er sich an seinen Chefcontroller. Dieser verweist direkt auf die Deckungsbeitragsrechnung des Unternehmens und erklärt Herrn Werner, dass die Deckungsbeiträge die relevante Information für kurzfristige Entscheidungen darstellen. Die Erlöse basieren auf einer Verkaufsmenge von 160.000 Stahl und 50.000 Leicht metallfelgen. Die Stückdeckungsbeiträge betragen also 8 € (1.200.000 €/160.000) bzw. 13 € (650.000 €/50.000) je Felge. Gemäß der Prognose eines Marktforschungs instituts würde eine Marketingausgabe in Höhe von 100.000 € zu einem zusätzlichen Felgenverkauf von 20.000 Einheiten führen. Dies würde sowohl für Stahl als auch für Leichtmetallfelgen gelten. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 424 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 424 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 425 Da der Stückdeckungsbeitrag der Leichtmetallfelgen mit 13 € erheblich höher ist als derjenige der Stahlfelgen, empfiehlt der Chefcontroller, in den Leichtmetallfelgenbe reich zu investieren. Dort würde die Marketingausgabe in Höhe von 100.000 € zu einem zusätzlichen Deckungsbeitrag von 20.000 Einheiten · 13 € = 260.000 € führen. Herr Werner hingegen ist skeptisch. Bei einem genaueren Blick auf die Deckungs beitragsrechnung fallen ihm die hohen Abschreibungen ins Auge. Er denkt, dass die Abschreibungen ebenfalls in die Entscheidung einfließen sollten. Denn bei einer Erweiterung der Produktion sollte die stärkere Nutzung der Maschinen auch zu einer erhöhten Abschreibung führen. Damit hätte sie teilweise variablen Charakter. Dies steht im Gegensatz zum bisherigen Umgang mit den Abschreibungen, die als Fixkosten in der Deckungsbeitragsrechnung berücksichtigt werden. Der Chefcontroller findet die Begründung plausibel und setzt sich näher mit der Thematik auseinander. Er greift auf das Näherungsverfahren von Bain zurück, um die Abschreibungen in variable und fixe Kostenbestandteile zu trennen und gleichzeitig lineare Kostenfunk tionen aufzustellen. Dabei kann er auf folgende Daten aus der Anlagenrechnung zurückgreifen. Maschine 1: Stahl Maschine 2: Leichtmetall Wiederbeschaffungswert 4.000.000 € 6.000.000 € Nutzungsdauer bei reinem Zeitverschleiß in Jahren 16 12 Gesamtleistung einer Maschine (Anzahl Felgen) 1.000.000 200.000 Nutzungsdauer bei reinem Gebrauchsverschleiß in Jahren 8 6 Der Abschreibungsbetrag für Maschine 1, die ausschließlich zur Produktion von Stahlfelgen dient, beträgt auf Basis der geplanten Gesamtleistung und der daraus resultierenden Nutzungsdauer von 8 Jahren 500.000 €. Da die Nutzungsdauer bei rei nem Zeitverschleiß mit 16 Jahren doppelt so groß ist wie die geplante Nutzungsdauer, wird nach dem Näherungsverfahren nach Bain die Hälfte des Abschreibungsbetrags als variabel gesehen. Für den Stahlfelgenbereich ergibt sich daraus eine variable Abschreibungskomponente von 250.000 € und ein fixer Abschreibungsbetrag von ebenfalls 250.000 €. Für die Leichtmetallmaschine ergibt sich nach dem Näherungsverfahren von Bain eine Gesamtabschreibung von 1.000.000 €, die sich in eine variable Komponen te von 500.000 € und eine fixe Komponente von ebenfalls 500.000 € aufspalten lässt. In der Deckungsbeitragsrechnung werden nun die variablen und die fixen 425 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 424 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 425 Übungsaufgaben Übungsaufgaben 1. Mit einer Spritzgussmaschine (Wiederbeschaffungskosten: 84.000,– €) werden Stoßfänger für ein Automobil hergestellt. Die maximale Nutzungsdauer der Maschine wird auf 7 Jahre, die maximale Gesamtleistung auf 60.000 spritzgegossene Stoßfänger geschätzt. a) Berechnen Sie die jeweiligen monatlichen Abschreibungen nach dem Näherungsverfahren von Bain bei einer monatlichen Planbeschäftigung von 500, 1.000 und 1.250 Stoßfängern jeweils für eine monatliche Istbeschäftigung von 500, 1.000 und 1.250 Stoßfängern. b) Stellen Sie den Sollkostenverlauf kalkulatorischer Abschreibungen für eine Planbeschäftigung von 1.000 Stoßfängern je Monat graphisch dar. Berechnen und kennzeichnen Sie in der Grafik die kritische Beschäftigung. Abschreibungsbeträge getrennt ausgewiesen. Sie führen zu folgender angepasster Ermittlung der Deckungsbeiträge: Der Deckungsbeitrag I für die Stahlfelgen sinkt von 1.200.000 € auf 950.000 €, der Stückdeckungsbeitrag von 8 € auf 6 €. Bei den Leichtmetallfelgen dagegen sinkt der Gesamtdeckungsbeitrag von 650.000 € auf 150.000 €, der Stückdeckungsbeitrag also von 13 € auf 3 €. Die Aufspaltung von Abschreibungen in einen variablen und fixen Anteil führt also zu veränderten Deckungsbeiträgen. Wegen der höheren Ab schreibungen bei den Leichtmetallfelgen ändert sich sogar die Rangfolge der Stück deckungsbeiträge. Nun weisen die Stahlfelgen den höheren Stückdeckungsbeitrag auf. Wird die Marketingkampagne für die Stahlfelgen durchgeführt, ergibt sich also ein zusätzlicher Deckungsbeitrag von 20.000 Einheiten · 6 € = 120.000 €. Dagegen macht eine Marketingkampagne für Leichtmetallfelgen keinen Sinn. Ausgaben in Höhe von 100.000 € stehen lediglich Einnahmen in Höhe von 20.000 Einheiten · 3 € = 60.000 € gegenüber. GrenzplankostenrechnungKapitel 11 426 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 426 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 427 2. Ein kleines Unternehmen produziert und vertreibt die drei Produkte A, B und C. Die Produkte A und B werden in Fertigungsstelle I, Produkt C in Fertigungsstelle II hergestellt. Eigene Räume und Maschinen besitzt das Unternehmen nicht, sondern es hat die erforderlichen Anlagen und Räume gemietet. Die Mietverträge haben eine monatliche Kündigungsfrist. Allen im Unternehmen angestellten Mitarbeitern kann nur unter Beachtung einer vierteljährlichen Kündigungsfrist gekündigt werden. Für den Monat Januar liegen Ihnen folgende Plandaten vor: Für alle drei Produkte fällt eine Verkaufsprovision von jeweils 10 % des Umsatzes an. Die folgenden Gemeinkosten planen Sie für den Monat Januar: a) Erstellen Sie eine Deckungsbeitragsrechnung für den Monat Januar nach den Prinzipien der Grenzplankostenrechnung. Verteilen Sie – wenn notwendig – die Fertigungslöhne und die Energiekosten als variable Gemeinkosten auf Basis der in Anspruch genommenen Fertigungsdauer auf die Produkte. Die Gehälter und Mieten sind als fix anzusehen. b) Welche Vorschläge bezüglich des Produktionsprogramms im Januar würden Sie auf Basis Ihrer Ergebnisse unterbreiten? 3. Als Konsequenz einer Erweiterung ihres Produktionsprogramms besteht der Fertigungsbereich der Schädelbräu AG seit Februar aus zwei Kostenstellen, KSI und KSII. In der KSI arbeiten die Maschinen MA1 und MA2, wobei auf der Maschine MA1 nur Weizenbier (i = W) produziert wird, auf Maschine MA2 Lager und Pils (i = L, P). In der KSII wird auf MA3 die Sorte Produkt Produktions-/ Absatzmenge [Stück] Produktpreise [€/Stück] Materialeinzelkosten [€/Stück] Fertigungsdauer [Min./Stück] A 10.000 20,– 14,– 1,8 B 8.000 12,50 10,– 1,5 C 6.000 30,– 16,– 2,0 Gemeinkostenart Fertigungsstelle I Fertigungsstelle II Verwaltung- und Vertrieb Energie 5.000 Fertigungslöhne 40.000 30.000 Mieten 30.000 20.000 20.000 Gehälter 5.000 427 Kapitel 11 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 426 Friedl/Hofmann/Pedell – Kostenrechnung, 2. Aufl. – Herst.: Frau Schmidt-Denzau – Datum: 07.10.2013 – Status: Imprimatur – Seite: 427 Übungsaufgaben Altbier (i = A) gebraut. Im vergangenen Abrechnungsmonat sind folgende Einzel- und Gemeinkosten angefallen: Aus den Aufzeichnungen über die Maschinenbelegung ergibt sich, dass die Maschine MA2 doppelt so lange mit der Fertigung von Pils beschäftigt war wie mit der Herstellung der Biersorte Lager. Die hergestellten und verkauften Mengen in Einheiten j, Party-Träger mit jeweils 80 Flaschen, sowie die am Markt erzielten durchschnittlichen Absatzpreise je Flasche betrugen wie folgt (i = Produkt, j = Träger, k = Flasche): a) Führen Sie eine mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung für die Abrechnungsperiode durch und bestimmen Sie den Nettoerfolg, wenn eine hierarchische Gliederung nach Kostenstelle, Maschine und Produkte erfolgen soll. Wo liegen die absoluten Preisuntergrenzen der vier Produkte i je Flasche k? b) Wie ändert sich Ihr Ergebnis aus Teilaufgabe a), wenn tatsächlich j = 30 Einheiten mehr Altbier verkauft werden konnten, die Erzeugnisfixkosten bei dieser Biersorte jedoch 1.947,24 € betrugen? c) Welche Vorschläge für die Sortimentspolitik würden Sie aus den Ergebnissen in a) und b) ableiten? Welche Anpassungsmöglichkeiten sehen Sie jeweils? Menge und Absatzpreis Weizen Lager Pils Alt Produzierte Menge (j) 400 200 175 300 Abgesetzte Menge (j) 480 160 175 315 Verkaufspreis (€/k) 1,00 1,5625 1,50 1,25 Einzelkosten (€/Monat) Weizen Lager Pils Alt Fertigungslöhne 4.000 3.500 3.350 4.050 Fertigungsmaterial 8.000 4.000 4.000 12.000 Selbstkosten Vertrieb 990 437 345 826 Erzeugnisfixkosten 1.350 – 2.200 1.350 Gemeinkosten (€) variabel fix KSI: Maschine MA1 2.850 1.700 KSI: Maschine MA2 3.000 1.250 KSI: Rest – 16.500 KSII: Maschine MA3 2.300 11.000 Materialstelle 1.050 1.050 Vertriebsstelle 2.717 16.000

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Komplett vierfarbige und großformatige Einführung

- "Lehrbuch des Jahres 2011" des Verbandes der Hochschullehrer für BWL

Zum Werk

Für den unternehmerischen Erfolg sind die Analyse und das Management von Kosten von entscheidender Bedeutung. Ohne Verständnis für die eigenen Kosten können Industrie- und Dienstleistungs- sowie Non-Profit-Unternehmen langfristig nicht erfolgreich sein.

Dieses Lehrbuch führt in die grundlegenden Konzepte und aktuellen Entwicklungen der Kostenrechnung ein. Zahlreiche illustrative Beispiele aus unterschiedlichsten Branchen, empirische Ergebnisse sowie die moderne Form der Wissensvermittlung mit Lernzielen, Fallstudien, der Excel-Unterstützung von Beispielen, Verständnis- und Übungsaufgaben sorgen für einen nachhaltigen Lernerfolg.

Zur Neuauflage

Aktualisierung zahlreicher Beispiele und empirischer Ergebnisse sowie Erweiterung um einen Abschnitt zur Lebenszyklusrechnung.

Autoren

Prof. Dr. Gunther Friedl ist Inhaber des Lehrstuhls für BWL, insbesondere Controlling, an der TU München. Prof. Dr. Christian Hofmann ist Inhaber des Lehrstuhls für ABWL und Controlling an der Universität Mannheim. Prof. Dr. Burkhard Pedell ist Inhaber des Lehrstuhls für ABWL und Controlling an der Universität Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Betriebswirtschaftslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien.