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5.2 Materialbeschaffung in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 96 - 109

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_96

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 103 5.2 Materialbeschaffung 103 Expertentipps „,Überwiegende Meinung‘ bedeutet zahlenmäßiges Überwiegen. ,Herrschende Meinung‘ dagegen setzt eine Gewichtung nach Rang und Ansehen … voraus, weshalb die h. M. in Einzelfällen auch einmal eine einzige Stimme sein kann“ (Zuck, 1990, S. 909 FN 21). „Der bloße Hinweis auf die herrschende Meinung … ist kein Argument“ (Möllers, 2010, S. 102; im Original z. T. in Fettdruck). Die Zitierhäufigkeit mag vor der Erfindung der Buchdruckerkunst ein Beweis für die Mehrheit überzeugende – und daher immer wieder abgeschriebene – Argumente gewesen sein. Das Internet kann „herrschende Meinungen“ über Nacht produzieren. Expertentipp eines Klassikers „Nichts ist widerwärtiger als die Majorität: denn sie besteht aus wenigen kräftigen Vorgängern, aus Schelmen, die sich accomodiren, aus Schwachen, die sich assimiliren, und der Masse, die nachtrollt, ohne nur im mindesten zu wissen, was sie will“ (Goethe zit. nach Sachsen, 1893, S. 137). 5.2 Materialbeschaffung Spätestens nach der bewertenden Übersicht muss die Beschaffung organisiert werden. Nach Art der notwendigen Materialien sollen die Beschaffungswege für Quellen einerseits und Sekundärmaterial andererseits getrennt dargestellt werden. Als Quellen sollen nur solche Materialien bezeichnet werden, die – möglicherweise bearbeitet – aber noch nicht für wissenschaftliche Zwecke verarbeitet worden sind, die deshalb als „Original“ angesehen werden können (s. Darst. 07). Sekundär material vs. Quellen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 104 5 Materialauswahl104 Darst. 07: Quellenmaterial eigene Quellen Amtliche Veröffentlichungen Halbamtliche Veröffentlichungen Private Unterlagen TestsErhebungen fremde Befragungen Dagegen führt jede – wie immer geartete – Verarbeitung bzw. Auswertung so definierter Quellen zu abgeleitetem Material; dieses soll als Sekundärmaterial bezeichnet werden. Zusätzliche Differenzierungen sind nicht erforderlich, da damit nur (weitere) Ableitungen des, von Quellen (mindestens) schon einmal abgeleiteten Materials erfasst werden; von der Verwertung von Texten „aus dritter Hand“ ist aber grundsätzlich abzuraten.1 Die hier vorgenommene Qualifizierung von nahezu der gesamten wissenschaftlichen Literatur als Sekundärmaterial entspricht nicht dem allgemeinen Sprachgebrauch. So werden z. B. wissenschaftliche Monografien und Lehrbücher häufig als Quellen oder Primärliteratur(-material) bezeichnet (vgl. Krämer, 2009, S. 143). Wissenschaftliche Arbeiten aber sind regelmäßig Produkte, die auf zahlreichen (kritischen) Verwertungsprozessen und eben nicht nur eigenen, originären Gedanken aufbauen. 5.2.1 Quellen 5.2.1.1 Eigene Erhebungen Die originellste Quelle wissenschaftlicher Arbeit ist die eigene Erhebung bzw. Untersuchung. In den meisten sozial- und naturwissenschaftlichen Forschungsgebieten werden empirische Untersuchungen durchgeführt. Aus der praktischen Erfahrung heraus werden so unmittelbar die Rahmenbedin- 1 Zur Ausnahme des Sekundärzitates vgl. Kapitel 7.3.3.3, S. 177 f. Primärliteratur VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 105 5.2 Materialbeschaffung 105 gungen und das Verhalten der Wirtschaftssubjekte erfasst (vgl. Witte, 1981; Rossig/Prätsch, 2010, S. 68–78; Poscheschnik u. a., 2010, S. 99–133). Als Erhebungsmethoden werden dazu – alternativ oder in Kombination – verwendet: •• Recherche •• Dokumentenanalyse •• Beobachtung •• Interview •• Befragung Die Vorbereitung, Durchführung und statistische Auswertung empirischer Daten müssen gründlich konzipiert werden. Zur Vermeidung von Fehlern in der Untersuchungsanlage und zur Lösung praktischer Probleme ist auf die Fachliteratur zu verweisen. Die Grundlagen empirischer Forschungstechniken sollten Studierende entsprechend ausgerichteter Studiengänge kennengelernt haben, bevor er eine empirisch angelegte Arbeit beginnen (vgl. König, 1973; Friedrichs, 1990; Diekmann, 2007; Saunders/Lewis/Thornhill, 2009; Raab-Steiner/Benesch, 2012). 5.2.1.2 Fremde Erhebungen Neben den amtlichen Veröffentlichungen – und hier insbesondere denen der Statistischen Ämter – können Erhebungen und Testergebnisse u. a. von (Konzern-)Unternehmungen, Kammern und Verbänden sowie Markt- und Meinungsforschungsinstituten nützlich sein. Im Internet lassen sich viele geeignete Materialien ermitteln, die Schwierigkeit für den Studierenden liegt nicht in einem beschränkten Zugang als vielmehr in der qualitativen Beurteilung des (Über-)Angebots. Dabei ist zu berücksichtigen, dass immer mehr Institutionen, aber auch kommerziell Interessierte „empirische Untersuchungen“ ins Netz stellen, um z. B. eine erhöhte Aufmerksamkeit der jeweils potenziellen Kunden und Klienten zu erreichen. Bevor derartige „Quellen“ also für die eigene Arbeit genutzt und verwendet werden, ist ein Qualitäts-Check durchzuführen, der sich an dem orientieren kann, wie er hier für die Überprüfung einzelner Buchtitel empfohlen wird.1 1 Vgl. dazu Kapitel 5.1.1, S. 90–98. Empirische Daten VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 106 5 Materialauswahl106 5.2.1.3 Amtliche Veröffentlichungen Die Veröffentlichungen der nationalen wie internationalen Gesetzgeber, der Rechtsprechung und Verwaltung stellen ganz überwiegend auch Quellen dar. Bereits veröffentlichte ebenso wie (noch) nicht veröffentlichte Materialien sind – soweit ein elektronischer Zugriff nicht möglich ist – (meist kostenpflichtig) bei den zuständigen Ministerien, Gerichten oder Behörden anzufordern.1 Bezüglich der Rechtsprechung ist generell zu beachten, dass regelmäßig nicht alle Urteile zur Veröffentlichung freigegeben, d. h. in eine amtliche Rechtsprechungs-Sammlung aufgenommen werden. Ein Teil der Entscheidungen findet sich daher nur in den Fachzeitschriften; darüber hinaus gibt es Spezial-Periodika, die ihrerseits ausschließlich nicht (amtlich) veröffentlichte Gerichtsurteile veröffentlichen. In den meisten Fällen erfolgt der Abdruck eines Gerichtsurteils in den Fachzeitschriften nur in Auszügen; die dabei vorangestellten „Leitsätze“ sind ebenso wenig amtlich wie die namentlich, oder mit den Initialen des Verfassers, gekennzeichneten, meist am Ende des Urteilstextes abgedruckten Anmerkungen oder Besprechungen. Wegen der diesbezüglich uneinheitlichen Veröffentlichungspraxis ist es wichtig, dass für jedes potenziell benötigte Urteil möglichst alle verfügbaren Nachweise für Parallelfundstellen notiert werden (dazu Bergmann/Schröder/Sturm, 2010, S. 86–123).2 1 Vgl. dazu Kapitel 4.4, S. 70–72. 2 Kostenpflichtige Nachweise zur Rechtsprechung der Bundesgerichte: http://www.judicialis.de Gesetze Urteile Kommentare VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 107 5.2 Materialbeschaffung 107 Beispiele: Gerichtsurteile BGH Urteil v. 28.11.1988 (II ZR 57/88), BGHZ 106, 54, 63 = DB 42 (1989), S. 165–167 (mit Anm. Theisen, S. 311 f.) Das bedeutet: Urteil des Bundesgerichtshofes, Karlsruhe, verkündet am 28.11.1988, rechtskräftig (d. h. endgültig) in letzter Instanz entschieden, da keine Berufung bzw. Revision möglich, Aktenzeichen: II. Senat/ZR 57 (lfd. Nummer) 88 (Jahr der Klageeinreichung beim BGH), abgedruckt in der Entscheidungssammlung des Bundesgerichtshofes in Zivilsachen, Band Nr. 106, dort ab Seite 54, zitiert wird Seite 63; ebenfalls abgedruckt in der Zeitschrift „Der Betrieb“, die 1989 im 42. Jahrgang erschienen ist, dort auf den Seiten 165 bis 167 mit einer Urteilsanmerkung von Theisen im selben Jahrgang der Zeitschrift auf den Seiten 311 und 312. Hans. OLG Hamburg, Urteil v. 17.12.1982 (11 U 21/82; nicht rkr.), GmbH Rdsch. 74 (1983), S. 98–102. Das bedeutet: Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichtes, Hamburg, verkündet am 17.12.1982, nicht rechtskräftig, da Revision zum Bundesgerichtshof, Karlsruhe, eingelegt wurde, Aktenzeichen: 11 U 21/82 (1982 ist das Jahr der Klageeinreichung beim OLG), abgedruckt in der Zeitschrift „GmbH-Rundschau“, 74. Jahrgang aus dem Jahr 1983, dort auf den paginierten Seiten 98 bis 102. Noch nicht veröffentlichte, aber bereits verkündete Urteile können unter ihrem Aktenzeichen – als elektronische oder Papierkopie (ca. 0,50 €/Seite) – bei dem für das Urteil verantwortlichen Gericht angefordert werden; alle veröffentlichungspflichtigen Unterlagen (z. B. Handelsregister- Auszüge, § 9 Abs. 2 HGB) sind bei dem jeweils zuständigen Gericht (hier: Registergericht beim Amtsgericht) zu erhalten. 5.2.1.4 Halbamtliche Veröffentlichungen Als halbamtliche Organe werden die Körperschaften des öffentlichen Rechts und vergleichbare Institutionen wie nationale oder internationale Standardsetter für die Rechnungslegung (z. B. DRS, IFRS) bezeichnet. Ansprechpartner für die Ermittlung von Quellen der unterschiedlichsten Art für wissenschaftliche Arbeiten können u. a. die Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, die Bundesversicherungsanstalt, Berlin, oder das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e. V., Berlin, sein. Amtliche Anfragen Regulierer VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 108 5 Materialauswahl108 Aktuelle Meldungen, Features und Berichte dieser Einrichtungen sowie der Radio- und Fernsehanstalten sind meist als Manuskript (gegen Kostenerstattung) zu erhalten, wenn sie unter Angabe des (wissenschaftlichen) Arbeitszweckes schriftlich bzw. elektronisch angefordert werden (vgl. dazu Uschtrin/Küspert, 2010, S. 157 f.). Derartige Anfragen haben erfahrungsgemäß Erfolg, wenn das Anliegen exakt formuliert, datiert und eingegrenzt wird. 5.2.1.5 Kommerzielle Unterlagen Die Konzerne, Unternehmungen, Verbände, Kammern, Wirtschaftsvereinigungen und Gewerkschaften stehen bei der Erhebung von Quellenmaterial für viele wissenschaftliche Arbeiten im Vordergrund. Als potenzielles, gedrucktes oder elektronisches Quellenmaterial sollen beispielhaft aufgezählt werden: •• Prospekte, Websites und Homepages der Unternehmen •• Jahres- bzw. Quartalsberichte Corporate-Governance Reports, Nachhaltigkeits- und Umweltberichte •• Welt-, Konzern- und Unternehmensabschlüsse (Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnung, Lageberichte) •• Konzern-, Unternehmens-, Betriebs- und Werksstatistiken •• Firmenarchivmaterial •• Unternehmenssatzungen, -geschäftsordnungen und -organigramme bzw. sonstige Pläne und Übersichten •• Gedruckte bzw. elektronische Werks- und Mitarbeiterzeitungen, Konzern- und Unternehmenszeitschriften und -publikationen. Ein Teil dieser Informationen muss in gesetzlich vorgeschriebener Form (Publizitätsgesetz, Aktiengesetz, Handelsgesetzbuch u. a.) im (elektronischen) Bundesanzeiger und/oder der Wirtschaftspresse veröffentlicht und beim Registergericht eingereicht und kann dort eingesehen bzw. angefordert werden; das entsprechende, alternative (kostenpflichtige) Informationsangebot von elektronischen Wirtschaftsdatenbanken ist unübersehbar geworden, eine Internet-Recherche kann für den konkreten Fall „Licht ins Dunkel“ bringen. Ein mittelbarer Zugang z. B. zu unternehmensspezifischen Unterlagen ergibt sich über die Wirtschaftspresse. Berichte über Hauptversammlungen, Road-Shows, Veranstaltungen Praxis informationen Wirtschafts daten Presse VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 109 5.2 Materialbeschaffung 109 und Ausstellungen sowie Presse- und Ad-hoc-Mitteilungen nationaler wie internationaler Unternehmungen geben ebenso wie Anzeigen und Public-Relation-Beilagen oft Anregungen und wichtige Informationen. Berichte aus der jeweiligen Fachpresse sollten, wenn sie auch (zunächst) für die eigene Arbeit nur im weiteren Umfeld Bedeutung zu haben scheinen, von Anfang an in einem Zeitungsausschnittsordner bzw. gescannt in einer entsprechenden elektronischen Datei gesammelt werden. Während einige Meldungen inhaltlich schnell durch neuere Informationen überholt sind, können andere zu einem späteren Zeitpunkt z. B. gesuchtes Zahlenmaterial bieten. Nicht nur für aktuelle Einleitungen, sondern auch für konkrete Datennachweise kann eine solche Sammlung zur wahren Fundgrube werden. 5.2.2 Sekundärmaterial Wird eine eigene empirische Untersuchung bzw. statistische Auswertung nicht verlangt, basiert die wissenschaftliche Arbeit regelmäßig (fast ausschließlich) auf Sekundärmaterial: So liegen den meisten literaturbezogenen Arbeiten mehr oder weniger umfassende eigene Auswertungen bereits ver- öffentlichter Abhandlungen, Analysen und Forschungsberichte zugrunde; um diese zu erlangen, lassen sich grundsätzlich vier verschiedene Wege nutzen. 5.2.2.1 Ausleihe Soweit das gesuchte Sekundärmaterial in öffentlichen oder privaten Bibliotheken und Archiven aufgestellt bzw. gelagert ist, müssen die Möglichkeiten und Bedingungen der Einsicht vor Ort (Präsenzbibliothek) sowie der Ausleihe beachtet werden; für Bibliotheksmaterial außerhalb des Arbeitsortes kann die Fernleihe benutzt werden (ca. 1,50 EUR/ Fernleiheschein). Unter Berücksichtigung der jeweiligen Bibliotheksbenutzungsordnung sind die Anforderungs- (Bestell-)Dauer und Leihfristen zu beachten (in der Regel 20 Öffnungstage). Ein unkontrolliertes Bestellen nach der ersten Literaturübersicht ohne jede kritische Bewertung ist ebenso unprofessionell wie die Vernachlässigung der längeren Laufzeiten für ortsferne Bestellungen. Rückgabetermine müssen beachtet werden, um nicht von einer Buchrückfor- Informationen aus 2. Hand Buchleihe VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 110 5 Materialauswahl110 derung überrascht zu werden; ein farbiger Post-it-Zettel auf der entsprechenden Verfasserkarte bzw. ein Fristvermerk in der elektronischen Kartei und/oder ein Fristenzettel in allen entliehenen Büchern tut gute Dienste. Neben den (Spezial-)Bibliotheken der wissenschaftlichen Forschungsinstitute, der Parlamente, Behörden, Kammern, berufständischen Organisationen und Verbände sollten auch weitere nationale wie internationale öffentliche Allgemein-, Hochschul- und Spezialbibliotheken genutzt werden.1 Bibliotheksverzeichnisse Handbuch der Bibliotheken Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Schweiz, München u. a.: Saur (jährlich; http://www.bibliothek.de) World Guide to Libraries, 2 vols., München u. a.: DeGruyter/ Saur (jährlich) Gabriel (Gateway to Europe’s National Libraries): http://theeuropeanlibrary.org LibWeb (weltweite Bibliotheksübersicht der University of Berkeley): http://sunsite.berkeley.edu/Libweb/ Vascoda (deutschsprachiges kostenfreies Rechercheportal für Bibliotheken): http://www.vascoda.de/ Virtual Library (englischsprachiges Suchportal): http://vlib.org WorldCat (weltweiter Bibliotheksbestand): http://www.wordcat.org/ 5.2.2.2 Kopie Die Fotokopie ist das Arbeitsmittel im wissenschaftlichen Bereich. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Vervielfältigung zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch in § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG) geregelt; Vervielfältigungen eines Aufsatzes, Ausschnittes oder Kapitels zum eigenen wissenschaftlichen Gebrauch sind danach nur bis zu sieben Stück grundsätzlich zulässig (vgl. Dreier/Schulze, 2008; Schricker/Loewenstein, 2010, § 53). Der generellen Vergütungspflicht wird – ebenso wie für Vervielfältigungen im 1 Weitere Nachweise in Kapitel 4.2, S. 62–66. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 111 5.2 Materialbeschaffung 111 Bibliotheks-, Schul- und Universitätsbereich – durch eine pauschale Geräteabgabe des Betreibers bzw. Käufers des Kopiergerätes (bzw. Bild- oder Tonträgers, Druckers und Scanners) Rechnung getragen;1 diese Zahlungen verwaltet die Verwertungsgesellschaft Wort und verteilt die Einnahmen jährlich an alle bei ihr registrierten Autoren.2 Das für die eigene Arbeit erforderliche Material sollte – soweit möglich – körperlich oder elektronisch kopiert werden; die Zuordnung und Auswertung dieser Unterlagen wird damit erheblich erleichtert. Voraussetzung dafür ist jedoch eine vollständige, alle notwendigen Seiten des Textes umfassende Kopie. Vom Text getrennt abgedruckte bzw. ausgewiesene Anmerkungen sowie das jeweilige Literaturverzeichnis müssen ebenfalls kopiert werden, soll die Textkopie nicht wertlos sein; bei technischen oder formalen Texten muss auch das Abkürzungs- bzw. Symbolverzeichnis vervielfältigt werden. Empfehlenswert bei der Ablichtung von Büchern bzw. Buchauszügen ist es, auch das Deckblatt, dessen Rückseite mit der ISBN des Titels und das Inhaltsverzeichnis zu kopieren, um später erforderliche Ergänzungen bzw. Nachforschungen zu erleichtern. Alle bibliografischen Daten sowie die Seitenangaben, soweit diese auf der Kopie nicht erkennbar sind, sollten zusammen mit der Signatur des Titels auf die Kopie handschriftlich notiert, anschließend alle Blätter zusammengeheftet werden. Eine Alternative zur Fernleihe eines Buches und der selbst angefertigten Kopie ist die Fernkopie; solche Kopien bzw. Auszüge können bei der, den jeweils gesuchten Titel besitzenden Bibliothek angefragt, bestellt und auch online oder über Telefax übermittelt werden. Darüber hinaus bestehen verschiedene (kostenpflichtige) Möglichkeiten, Zeitschriftenaufsätze u. a. über die angeführten Dokumentationsdienste mit Hilfe standardisierter Bestellscheine als Kopie bzw. im Internet zu bestellen. 1 S. § 53 Abs. 2 Nr. 1 des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte – Urheberrechtsgesetz (UrhG) vom 09.09.1965 (BGBl I, 1273). 2 Kontaktadresse: Verwertungsgesellschaft Wort, Untere Weidenstr. 5, 81543 München, Tel. 0 89/51 41 20, Fax 5 14 12 58, http://www.vgwort. de Vollständige Kopien Komplette Angaben VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 112 5 Materialauswahl112 Dokumentationsdienste Literaturdienst und Datenbank JASON-NRW der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln – Literaturdienst (Journal articles sent on demand), Universitätsstr.  33, 50931 Köln, Tel. 02 21/4 70–45 10; Fax 4 70–50 53; http://www.ub.uni-koeln.de SUBITO – Geschäftsstelle, Cicerostr.  37, 10709 Berlin, Tel. 0 30/41 74 97–10; Fax 41 74 97–20; E-Mail: info@subitodoc.de; http://www.subito-doc.de Karlsruher Virtueller Katalog (KVK): 60 Millionen Bücher und Zeitschriften aus Bibliotheks- und Buchhandelskatalogen: http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html 5.2.2.3 Download Die elektronische Variante der Papierkopie (Hardcopy) ist die zusätzlich ausgedruckte Version digital gespeicherter Informationen. Da diese Daten regelmäßig von einem anderen Netz „heruntergeladen“ bzw. kopiert werden, spricht man von Download-Datei (vgl. Boehncke, 2000, S. 115); spezielle Programme erlauben eine Komprimierung der Dateien zur schnelleren Übertragung, die anschließend wieder „entpackt“ werden. Diese Form der Daten- und Informationsgewinnung dient zum einen der möglichst kurzen (kostenpflichtigen) aktiven Nutzung des Internet. Sobald die gewünschten Dateien in dieser Form kopiert und gesichert sind, kann das Netz verlassen und netzunabhängig gearbeitet werden. Zum zweiten erlaubt dieses Herunterladen potenziell nützlicher Dateien die spätere inhaltliche Bearbeitung unabhängig von der Verfügbarkeit eines (erneuten) Netzzugangs. Den Chancen digitaler Speicherung steht aber auch eine Gefahr gegenüber: Die sekundenschnelle Möglichkeit, zusätzliches Material zu gewinnen und zu sichern, erfordert eine Disziplinierung im Vorfeld der Recherche. Wer sich hier wahl- und kriterienlos des Download bedient, wird möglicherweise erst Speicherkapazitäts-, später aber zusätzlich Verarbeitungs- und letztlich Zeitprobleme bekommen. Andererseits erlaubt diese Technik die digitale Weiterverarbeitung und entsprechende Einbringung elektronisch gespeicherten Materials in die eigene Arbeit („copy and Digitale Kopien VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 113 5.2 Materialbeschaffung 113 paste“). Dabei sind aber zwingend alle Vorschriften für eine vollständige bibliografische Erfassung, funktionsgerechte Ablage und insbesondere ein ordnungsmäßiges Zitieren und Verarbeiten zu berücksichtigen. Wegen der systemimmanenten Flüchtigkeit des elektronischen Materials, der meist nicht gesicherten Speicherung, der zusätzlichen Manipulationsmöglichkeiten sowie der uneingeschränkten Veränderbarkeit der Texte, müssen alle heruntergeladenen Informationen am Ende im Netz auf ihre (noch gegebene) Existenz und Identität überprüft werden. Hierbei zeigt sich immer wieder, dass selbst bei kurzen Bearbeitungszeiten Internetdokumente verschwinden, einen Adressenwechsel erfahren oder inhaltlich verändert werden. Die Internet Falle Als ein „Lehrstück über die Fallen moderner Kommunikation“ kann eine im September 2008 (erneut) in das elektronische Netz gestellte Nachricht über das Insolvenzverfahren einer amerikanischen Airline zitiert werden: „Das einzig Neue an dem Artikel (war) das Datum, das über dem Text stand. Die Nachricht an sich war bereits sechs Jahre alt“ (Detering, 2008). Die Suchmaschine Google nahm die Meldung auf Platz 1, diese wurde von einer Vielzahl von Websites, Blogs und Newslettern übernommen, der Aktienkurs fiel ins Bodenlose und die Börsenaufsicht musste den Handel aussetzen. Panikverkäufe konnten nicht angefochten werden. Die Endkontrolle aller Internetdokumente, soweit sie Eingang in die Arbeit finden, äußerst penibel durchgeführt werden. Werden Dokumente heruntergeladen und zu eigenen kommerziellen (Veröffentlichungs-)Zwecken genutzt, sind – wie bei Hardcopies – die Vorschriften des Urheberrechts zu berücksichtigen. Verstöße gegen diese zwingenden Regelungen werden zu Recht sanktioniert: „Raubkopierern droht Gefängnis“ (Jung-Hüttl, 1999, S. V2/19), über die juristischen Konsequenzen sollte man sich im Zweifelsfalle Klarheit verschaffen (vgl. dazu Bröcker/Czchowski/Schäfer, 2003). Unsicheres Internet Dokumenten kontrolle VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 114 5 Materialauswahl114 Der Fall „Guttenberg“ und dessen Bewertung „Angesichts der ihm [dem Kandidaten] von Anfang an bewussten Defizite bei der Benennung der Quellen kann sich die Kommission nicht vorstellen, dass er hinsichtlich aller über die Dissertation verteilten Plagiatsstellen vergessen hat, dass sie noch mit Quellenangaben hätten versehen werden müssen. Schon Studierenden ist bekannt, dass auch bei Exzerpten Hinweise auf Autoren und Fundstellen zu den Selbstverständlichkeiten wissenschaftlichen Arbeitens gehören“ (Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ der Universität Bayreuth, 2011, S. 25). 5.2.2.4 Erwerb Ich hoffe, dass der Ihnen vorliegende Text keine Papieroder „geraubte“ elektronische Kopie ist, denn schon der Mustercharakter dieses Buches als Arbeitsmittel sollte für den Erwerb eines eigenen Exemplars sprechen. Die Entscheidung über den Erwerb eines Buches aber ist nicht nur auf den Kostenvergleich (verkleinerte Kopie/Kaufpreis) zu stützen. Der Nutzen des eigenen Exemplars eines für das Studium wichtigen Titels, insbesondere bei nachhaltiger oder häufiger Verwendung im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit, liegt u. a. in der besseren Handlichkeit und Verfügbarkeit, der Platzersparnis und den umfassenderen Auswertungsmöglichkeiten. Der Kauf eines Buches führt erfahrungsgemäß zu einem gründlichen Studium eines Textes, denn die Ausgaben dafür müssen gerechtfertigt werden. Auch das – verständlich, weil kostengünstigere – auszugsweise Kopieren einzelner Aufsätze bzw. der elektronische Download erspart und verhindert gleichzeitig die Kenntnisnahme nicht unmittelbar zum jeweiligen (Kopier-)Zeitpunkt interessierender Themen und Ausführungen; es erlaubt zudem keinerlei Einblick in den Fachzusammenhang sowie die in Spezialzeitschriften regelmäßig dokumentierte wissenschaftliche Entwicklung. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 115 5.2 Materialbeschaffung 115 Checkliste: Materialauswahl Frage Hilfe Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Materialbeschaffung zu beginnen? S. 89 f. Kenne ich die Kriterien, um die wichtigen Bücher und Aufsätze zu identifizieren? S. 90–98 Kenne ich Lesetechniken für den ersten, schnellen Literaturüberblick? S. 89 f. Weiß ich, was wichtige von wertlosen Aufsätzen unterscheidet? S. 97 f. Kenne ich Kriterien zur Beurteilung von Internetdokumenten? S. 97 f. Habe ich passende Literaturverzeichnisse über die Maßen „ausgeschlachtet“? S.  96, 101–103 Folge ich zu unkritisch der „herrschenden Meinung“? S. 102 f. Kann ich Quellen- von Sekundärmaterial unterscheiden? S. 104 f., 109 Kopiere ich richtig, mit allen Angaben, die ich später brauche? S. 110–112 Gerate ich in Gefahr, mehr Kopien und Downloads zu beschaffen, als ich verarbeiten kann? S. 110–114 VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 117 6 Materialauswertung Schwerpunkte jeder wissenschaftlichen Arbeit sind die beiden Arbeitsphasen Materialauswertung und Manuskripterstellung. Ein Blick auf den für eine Bachelorarbeit aufgestellten Arbeitsplan zeigt, dass für diese zwei sich zeitlich zum Teil überlagernden Prozesse über 75 % der gesamten verfügbaren Bearbeitungszeit vorgesehen werden sollten. Das recherchierte und bewertete Material kann grundsätzlich alphabetisch, chronologisch oder systematisch ausgewertet werden; dem systematischen Verfahren ist dabei der Vorzug zu geben. Eine frühzeitig konzipierte (vorläufige) Arbeitsgliederung oder zumindest eine differenzierende Disposition liefern hierzu ein Grundgerüst. 6.1 Gliederung In jeder guten wissenschaftlichen Arbeit sollten die zentralen Gedanken des Verfassers sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text ziehen. Um die erforderliche Geschlossenheit und durchgehende Themabezogenheit eines Textes zu erreichen, muss vom ersten Tag an versucht werden, den eigenen Gedankenfluss einem Ordnungs- und Gliederungskonzept zuzuführen bzw. unterzuordnen. Die einzelnen Gliederungspunkte können dann gleichzeitig für die Anlage der elektronischen Arbeitsdateien und die Sammlung bzw. Ablage der Einzelmaterialien und -ergebnisse genutzt werden. Die Geschichte vom „Roten Faden“ Bei der königlichen Flotte wurden sämtliche Tauwerke, vom stärksten bis zum schwächsten, so gesponnen, dass ein roter Faden durchging, den man nicht herauswinden konnte, ohne alles aufzulösen; damit war auch noch an den kleinsten Stücken zu erkennen, dass sie der britischen Krone gehörten bzw. dieser entwendet worden waren (vgl. Goethe zit. nach Sachsen, 1892, S. 212). Das schrittweise Erschließen wissenschaftlicher Materialien steht mit dem jeweiligen Erkenntnisstand des Bearbeiters in enger Wechselwirkung. Während in den ersten Tagen der Lesen und schreiben Themenbezug

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).