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4.8 Elektronische Informationsformen in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 72 - 82

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_72

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 79 4.8 Elektronische Informationsformen 79 4.8 Elektronische Informationsformen Das Internet (insbesondere über den Dienst World Wide Web) verbindet Rechner unabhängig von ihrer jeweiligen Hardware und ihrem Betriebssystem und erlaubt mit Hilfe von Übertragungsprotokollen die Kommunikation untereinander. Diese Form der Vernetzung ist im universitären als auch außeruniversitären Bereich Standard, die Zahl der Nutzer ist global nicht mehr seriös zu schätzen. Jeder Studierende kann mit personenspezifischen Kennworten über den PC-Pool der Hochschulen oder den eigenen PC unmittelbar in Datenbanken und Bibliotheksbeständen recherchieren und so Informationen zu gewinnen. Hinweis: Surfen vs. Recherchieren „Im Internet surfen, bedeutet, die Hyperlinks … verfolgen, aufs Geratewohl und auf die Vermutung hin, irgendetwas Brauchbares zu finden. Im Internet recherchieren hingegen ist zielgerichtet“ (Niedermair, 2010, S. 77, Hervorhebung nicht im Original). Weltweit existieren Hunderte von Milliarden von Internet- Seiten, täglich kommen Millionen dazu. Die Möglichkeiten erweitern sich jede Sekunde; entsprechend groß ist die Versuchung (und Praxis), bereits im Rahmen der Material- übersicht für die eigene wissenschaftliche Arbeit davon Gebrauch zu machen. Drei verschiedene Anwendungsschritte sind zu unterscheiden: •• Informationsrecherche •• Informationsgewinnung •• Informationsstrategien Alle drei Schritte perfektionieren einerseits die klassischen Suchtechniken; andererseits ergeben sich zusätzliche Strategien und konkrete Möglichkeiten, geeignetes – und jede Menge ungeeignetes – Material originär über das Netz zu recherchieren. Masse statt Klasse VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 80 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche80 4.8.1 Informationsrecherche Die weltweite Vernetzung erlaubt es, erste und auch wesentliche Teile der Literatur- und Quellenrecherche mit Hilfe elektronischer Medien vorzunehmen und die virtuellen Bibliotheken zu nutzen. Sowohl bibliografische Daten als auch Standortangaben von Medien aller Arten können (auch) auf diesem Weg nachgewiesen werden. Wer in diesem Netzwerk geeignete Literatur und anderes Material findet, hat zudem häufig auch die Möglichkeit, die gewünschten Informationen entweder unmittelbar elektronisch anzufordern oder aber den gesuchten Fundort nachgewiesen zu bekommen. Zu einer solchen Informationsrecherche kann (und sollte) das Internet genutzt werden, um die eingespeisten Informationen schneller – und schwer zugängliche erstmals – zu bekommen.1 4.8.2 Informationsgewinnung Das gezielte und strukturierte Recherchieren im Internet führt immer häufiger dazu, dass auch originäre elektronische Dokumente und Texte gefunden werden, die für die eigene Arbeit von Interesse sein können. Solche Dokumente, die also nicht nur als – anderweitig veröffentlichte(r) – Text oder Fundstelle nachgewiesen, sondern ausschließlich im Netz publiziert werden, stellen eine eigene Kategorie des grundsätzlich verwertbaren Materials dar. Elektronisches Material erfordert eigene Zitiervorschriften, da der klassische Nachweis über eine Fußnote (oder einen dem Text nachgestellten Klammerzusatz) und dort mit einem Verweis auf ein nachprüfbares, gedrucktes oder sonstiges Medium, nicht möglich ist.2 Originäres elektronisches Material wird im Internet aber häufig nur zeitlich befristet gespeichert gehalten; während dieser Zeit erfahren die Dokumente zudem in unterschiedlichem Maße Modifikationen, durch die die jeweils vorangegangene Version eines Textes ersetzt (bzw. überschrieben) wird: Ein zuverlässiger Nachweis der für die eigenen Arbeit gegebenenfalls verwen- 1 Zur schnellen Archivierung einzelner Bildschirminhalte steht die ’Screenshot‘-Technik zur Verfügung: Mit der „Druck“-Taste wird der aktuelle Bildschirm-Inhalt digital in einer Zwischenablage gespeichert und kann bei Bedarf ausgedruckt werden. 2 Dazu unten Kapitel 8.5.2, S. 228–234. Fundorte sichern Elektronische Zitate VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 81 4.8 Elektronische Informationsformen 81 deten (aber eben schnell „historischen“) Informationen ist daher nicht gewährleistet. Wird elektronisches Material im eigenen Text verwertet und entsprechend zitiert, muss ein Ausdruck des Materials in den Anhang der Arbeit aufgenommen werden; umfassender zitiertes elek tronisches Material ist auf einer CD-ROM in der verwendeten (Zugriffs-) Version zu speichern und dem Korrektor zur Verfügung zu stellen. Expertentipp „If you cite only a URL and that URL changes or becomes obsolete, your citation becomes useless to readers“ (Turabian, 2007, p. 198). 4.8.3 Informationsstrategien Die Informationsmöglichkeiten durch das Internet haben zu einer Vervielfachung der Zugriffsformen geführt, die von jedem wissenschaftlichen Arbeiter genutzt und berücksichtigt werden sollten. Dabei bleibt zu bedenken, dass die weltweite Vernetzung den Informationszugriff beschleunigt und die Menge an Informationen dramatisch erhöht; auch die zusätzlichen, durch den auf elektronischem Wege geführten Dialog (Chat, Blogs, Foren) erzielbaren Informationen tragen zu dieser Informationsflut bei. Die wirkliche Herausforderung an den denkenden Menschen aber bleibt auch im Internetzeitalter unverändert dieselbe: Nur der Mensch ist in der Lage, die Informationen qualitativ zu bewerten, auszuwählen und in sinnvolle (Text-)Zusammenhänge zu bringen. Dieser Vorgang, der im Mittelpunkt jeden wissenschaftlichen Bemühens steht, kann allerdings durch eine gezielte, elektronisch gestützte Informationsrecherche sehr gefördert werden. Expertentipp „Anstatt einzelne Dokumente konsequent zu lesen, wird man dazu verleitet, von einem Dokument zum anderen zu springen – ohne je eines bis zum Ende zu bearbeiten“ (Engel, 2003, S. 68). Qualität statt Quantität VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 82 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche82 Prüfschema für die Recherche im Internet nach Niedermair (2010, S. 123): •• Warum recherchiere ich? (Anlass, Forschungsprojekt, Wissensstand, Ergebnis) •• Was recherchiere ich? (Forschungsfrage, Forschungsansatz, Zielsetzung, Quellen, Suchbegriffe) •• Wo recherchiere ich? (Referenzquellen, Publikationsform, Disziplin, Sprache, Raum, Zeit) •• Wie recherchiere ich? (Technik, Methode, Suchstrategie) Im Internet können drei Suchstrategien angewendet werden: •• Pattern-Methode •• Semantische Methode •• Selektive Methode Bei Anwendung der Pattern-Methode geht man z. B. von einem (bekannten) Dateinamen oder einem Schlagwort aus und versucht in das Datennetz über entsprechende Hilfsmittel (Net Search Services = Netz-Suchdienste) einzusteigen. Im Internet aber werden grundsätzlich keine Schlag- oder Stichworte oder hierarchischen Gliederungen im traditionellen Sinne vorgegeben; die gespeicherten Informationen können vielmehr nach allen nur denkbaren Kriterien, Begriffen und Kombinationen angesteuert werden. Je allgemeiner ein Suchwort gewählt wird, desto umfassender werden die Nachweise („Treffer“); die Chance, eine entmutigende Informationsflut (information overload) zu erleben, ist groß. Eine unspezifizierte Recherche – z. B. durch Eingabe des vollständigen Referattitels – führt regelmäßig zu Hunderten, wenn nicht Tausenden von Nachweisen im Netz: Goldene Surferregel „Wer nicht genau weiß, was er sucht, wird alles finden, nur nicht das Richtige.“ Unter der semantischen Methode werden Strategien verstanden, die sich durch verknüpftes Nachfragen auszeichnen: Je gezielter dabei inhaltliche Zusammenhänge mit Hilfe Vernetzte Suche VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 83 4.8 Elektronische Informationsformen 83 von Zahlen und Begriffen hergestellt werden, desto erfolgreicher wird eine solche Recherche sein. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich auf diesem Wege selten gewinnen: Nicht zu Unrecht wird das Internet als reflexives Netz bezeichnet, ein Netz, welches sich im Wesentlichen mit sich selber beschäftigt. Mit Hilfe der selektiven Suchstrategie können qualifizierte Informationen erlangt bzw. ausgewählt werden. Dieser Weg führt über die virtuelle Einschaltung von Experten oder Konferenzen, mit deren Hilfe eine derartige Selektion und Qualitätsbeurteilung vorgenommen werden kann. Mit dieser Methode gewinnt die technische Vernetzung eine qualitative Komponente und auch diskursive Struktur. Wegen der Komplexität des weltweiten Netzes wurden Instrumente entwickelt, die eine gezielte elektronisch gestützte Suche erlauben. Diese Suchmaschinen erfassen den Inhalt jeder gespeicherten Seite nach vorgegebenen, allerdings ausschließlich technischen Kriterien. Im wissenschaftlichen Bereich bedeutet dies, dass vorrangig der Titel eines Dokuments, gegebenenfalls zusätzliche, vom Verfasser vorzugebende Schlagworte, sowie die weiteren Überschriften und der (sichtbare) Textinhalt ausgewertet werden. Eine Suchmaschine setzt sich aus drei Teilen zusammen: •• Einer speziellen Software, die permanent im Internet nach neuen Web-Seiten Ausschau hält •• Einer Datenbank, die alle durchsuchten Seiten speichert •• Einem Suchprogramm, das die gespeicherten Datenbanken auf Anfrage nach Treffern überprüft. Um mit dieser Technik überhaupt zu überschau- und damit verwertbaren Ergebnissen zu kommen, müssen entweder mehrere Suchmaschinen alternativ oder verknüpft genutzt werden. Darüber hinaus können auch Metasuchmaschinen eingesetzt werden, die eine möglichst themen- bzw. fachspezifische Auswahl potenziell geeigneter national und/oder international orientierter Suchmaschinen ermitteln. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 84 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche84 Suchmaschinen Metasuchmaschinen: http://www.metacrawler.com (international) http://www.search.com (international) http://www.apollo7.de (international) http://www.metaspinner.de (national) http://www.metager.de (national) http://www.suchpilot.de (national) Suchmaschinen mit integrierten Webkatalogen: http://www.google.com (international) http://scholar.google.com (international) http://www.scirus.com (international) http://altavista.com (international) http://www.excite.com (international) http://www.base-search.net (international) http://www.suche.info (international) Jede Suchmaschine besitzt ein Hilfeprogramm, mit dem eine Übersicht über die für Verknüpfungen erforderlichen spezifischen Operatoren, Suchmodi und weiterführenden Funktionen ermittelt werden kann.1 Die Chancen und Möglichkeiten, die sich mit den elektronischen Medien und Netzwerken bieten, sind für den Studierenden, der eine wissenschaftliche Arbeit erstellen möchte, teilweise mit vergleichbaren Risiken verbunden wie die Fremdrecherche mit Hilfe eines Dokumentationsdienstes.2 Expertentipp „Sie können zu viel sammeln oder Sie können das Wichtigste übersehen“ (Niedermair, 2010, S. 83). „Jagen statt sammeln!“ (Preißner, 2012, S. 83) 1 Ausführlichere Hinweise und Beschreibungen: http://www.such fibel.de; http://www.suchen-heute.com; http://www.searchengine watch.com. 2 Vgl. dazu oben unter Kapitel 4.7, S. 76 f. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 85 4.8 Elektronische Informationsformen 85 Das größte Risiko bei der Verwendung von im Internet generierten Unterlagen und Materialien liegt in der Tatsache, dass zumindest alle originären Internet- Informationen weder qualitätsgesichert noch nachprüfbar sind. Kein Herausgeber prüft die Dokumente, kein Gutachter testet die wissenschaftliche Qualität, nicht jeder Dateneingeber kann sich bzw. seine Dokumente nachhaltig vor Manipulationen schützen. Auch bei qualifizierten, thematisch bereits in Web-Katalogen vorsortierten Informationen und Daten ist für den einzelnen Internet-User nicht nachvollziehbar, wie und unter welchen Kriterien diese Informationspakete zusammengestellt wurden. Zeitpunkt, Umfang und Zusammenhang einer Eintragung in eines der netzzugänglichen Verzeichnisse unterliegen keiner allgemeinen Regelung: Niemand hat Anspruch auf eine solche Aufnahme, die jeweiligen Netzbetreiber entscheiden allein und häufig nach kommerziellen Gesichtspunkten – z. B. unter Berücksichtigung der eingeblendeten Werbeblöcke – über die Zusammensetzung ihres Angebotes. Die Informationsvielfalt und die Ungesichertheit der elektronisch nachgewiesenen Dokumente führten dazu, dass intelligentere Software entwickelt wurde (Abfragesprachen). Das Ergebnis ist die „denkende Suchmaschine“, die nachfragerindividuelle Kennzeichen und Merkmale verarbeitet und bei der originären Informationssuche berücksichtigt. Während der Abfrage sollen so gleichzeitig themenspezifische Zusammenhänge erkannt und unmittelbar in die konkrete Suche eingebracht werden. Als Konsequenz stellt sich ein Ergebnis ein, bei dem ein erheblicher Teil der nicht einschlägigen Nachweise selbstständig eliminiert ist. Eine solche „Expertensuche“ ist möglich, wenn einzelne Suchbegriffe mit Hilfe von Boolschen Operatoren verknüpft werden: Durch die Kombination von AND/OR/NOT lassen sich Fundstellen stärker konkretisieren. Nach dem Prinzip der „überschneidenden Mengen“ werden Suchbegriffe miteinander verknüpft, die die Suche erweitern oder einengen. Mit Hilfe des Nachbarschaftsoperator NEAR kann Inhaltliches verknüpft werden, das in den zu suchenden Textdokumenten auch räumlich nahe beieinander steht. Diese Technik unterstellt, „dass beide Begriffe nicht mehr als eine VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 86 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche86 bestimmte Anzahl von Wörtern auseinander stehen, die Anzahl ist je nach Datenbank unterschiedlich groß“ (Heister/ Weßler-Poßberg, 2007, S. 53). Eine weitere Möglichkeit, die Suche zu strukturieren und gezielter zu Ergebnissen zu kommen, besteht in der Phrasierung bzw. Einklammerung. Werden zwei oder mehrere Begriffe zwischen zwei Anführungszeichen gesetzt, werden nur Dokumente ausgewiesen, bei denen die gesuchte Phrase in derselben Reihenfolge verwendet wird. Zur Ermittlung von Dokumenten, die auf bereits erkannte (hilfreiche) Texte aufbauen, können bei einigen Datenbanken auch assoziative Links (cited bzw. citing articles) genutzt werden (vgl. Niedermair, 2010, S. 136): Zu beachten ist dabei aber, dass eine häufige Zitierung eines Textes nicht immer auch eine große Gewichtigkeit der Ausführungen anzeigt. Eine besondere Bedeutung kann wertenden Suchmaschinen auch in Zusammenhang mit der Indexierung z. B. nach der Werbeintensität, zukommen: Anbieter, die allein nach derartigen Einschaltungen die Rangfolge ihrer elektronischen Nachweise sortieren, werden automatisch ausgeschieden (dazu Heister/Weßler-Poßberg, 2007, S. 40–56; Fröhlich-Pier/Weinerth, 2008, S. 49–89). Allerdings muss berücksichtigt werden, dass auch diese elektronischen „Filter“ die werbenden (und zahlenden) Unternehmen und andere Interessenten immer wieder zu neuen Programmierungsanstrengungen treiben, um möglichst erfolgreiche Umgehungsstrategien zu entwickeln. Expertentipp „Wer im Internet sucht, ist vielfach konfrontiert mit einer Fülle belangloser, ungeordneter, nicht aufgearbeiteter, obskurer oder schlicht falscher Informationen, aus den die relevanten und zutreffenden mühsam herausgesucht werden müssen“ (Niederhauser, 2011, S. 29). Die Offenheit des Internet-Systems erlaubt es, Nachrichten und Daten zu verändern oder ganz zu fälschen. Die Flüchtigkeit des Mediums, die u. a. auf Versionentausch, PC- Ausfall und Umzug oder Wechsel der Internetadresse (auch URL, Uniform Resource Locator genannt) basiert, lässt nur im Ausnahmefall eine Nachprüfung der Informationen über VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 87 4.8 Elektronische Informationsformen 87 einen längeren Zeitraum zu. Zitierte elektronische Daten aber müssen nachhaltig nachgewiesen werden, so dass der Leser (oder Prüfer) sie auch zu jedem späteren Zeitpunkt nachvollziehen kann. Wegen der sehr unterschiedlichen Beitrags- und Gebührenerhebungspraxis professioneller Anbieter (Service-Provider) besteht die Gefahr, dass die virtuelle Recherche zu einem finanziellen Abenteuer werden kann (vgl. Schreiber, 2010, S. 18–20). Die Kostenstrukturen sind nicht einheitlich gestaltet, die Zahl der gebührenpflichtigen Nachweise nimmt kontinuierlich zu. Auch hier sollte vor der Offenlegung persönlicher Daten (Kreditkarten-Nummer, Laufzeit, CVC) genau geprüft werden, welche Verpflichtungen übernommen werden. Soweit kostenpflichtige Informationen nicht durch alternative (freie) Quellen ersetzt werden können, sollte sehr genau dokumentiert werden, welche Daten preisgegeben und welches Gebührenmodell akzeptiert werden. Hierzu kann ein „screenshot“, die Kopie der jeweils konkreten Bildschirmanzeige, in die Zwischenablage, eine gewisse Sicherheit liefern.1 Entsprechende Abbildungen können zudem genutzt werden, um nach Veränderungen im Zeitablauf den jeweils „historischen“ Stand dokumentieren zu können. Hinweis: Gesamtrisiko exzessiver oder exklusiver Internet nutzung: •• Die Technik tritt in den Vordergrund •• Das Surfen wird zum zeitraubenden Selbstzweck •• Das strukturierte Recherchieren bleibt auf der Strecke •• Die präsentierten Seiten haben mit dem eigenen Thema nur wenig oder gar nichts zu tun •• Die angebotenen Informationen sind veraltet/unauffindbar •• Die Nachweise erscheinen mehrfach •• Die Dokumente werden in einer Reihenfolge präsentiert, die sich jeder menschlichen Logik entzieht 1 Vgl. dazu Kapitel 4.8.1, S. 80 FN 1. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 88 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche88 Checkliste: Themenabgrenzung und Materialrecherche Frage Hilfe Habe ich die Themen-Formu lie rung verstanden? S. 59 f. Habe ich eine genaue Fragestellung für mein Thema? S. 60 Welche Fachlexika und Handbücher muss ich berücksichtigen? S. 60–62 Reicht für einen Überblick eine Schnellrecherche bei Wikipedia? S. 61 f. Kenne ich den Unterschied zwischen einem Formal- und einem Schlagwortkatalog? S. 63–65 Kenne ich die relevanten Bibliografien für mein Thema? S. 66–70 Benötige ich Zugang zu Gesetzestexten, Gerichtsurteilen und anderen amtlichen Ver- öffentlichungen? S. 70–72 Gibt es relevante Jahrbücher und Festschriften zu meinem Thema? S. 72 f. Gibt es wichtige Zeit schriften und Magazine zu meinem Thema? S. 74 Geht meine Recherche über die vorgegebenen Literaturlisten und Handapparate hinaus? S. 74–76 Habe ich die Literaturver zeichnisse in themennahen Büchern geprüft? S. 75 f. Kenne ich alle Risiken der elektronischen Recherche? S. 76–87 Wie kann ich Suchmaschinen für meine Recherche nutzen? S. 83–86 Was weiß ich über Indexierung und Werbung im Internet? S. 86 VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 89 5 Materialauswahl Zwischen Materialübersicht und Materialauswahl besteht im Arbeitsprozess ein fließender Übergang. Je umfangreicher die gefundene Literatur sowie weitere potenzielle Quellen sind, desto frühzeitiger sollte mit den zwei wichtigsten Teilaufgaben der vierten Arbeitsphase begonnen werden (s. Darst. 05). Darst. 05: Teilaufgaben der Materialauswahl Materialauswahl BeschaffungBewertung Ein vollständig paralleles Vorgehen bei der Materialübersicht und Materialauswahl ist nur bei Übungs- bzw. Seminararbeiten mit geringerem wissenschaftlichen Anspruch und Umfang sowie (überwiegend) vorgegebener Literatur sinnvoll. Soweit eine eigene Literaturrecherche erforderlich ist, führt eine zeitgleich vorgenommene Materialauswahl regelmäßig zu unsystematischen wie unökonomischen – weil Zeit und Geld raubenden – Ergebnissen: Wer jedes Buch, dessen Titel er habhaft werden kann, bestellt, jeden Aufsatz sofort kopiert, jedes Dokument aus dem Internet ausdruckt oder potenzielle Informanten mit unkontrollierten (bzw. nicht getesteten) Fragebögen oder E-Mails überschüttet, wird wohl eher für den Altpapierhändler ein interessanter Partner. 5.1 Materialbewertung Unabhängig von der Menge des in der Arbeitsphase der Materialübersicht ermittelten – und vollständig bibliographierten – Materials muss für jeden Titel eine Bewertung und Qualifizierung vorgenommen werden; das Ausmaß bzw. die Gründlichkeit dieser Beurteilung hängt vom Umfang und der Erreichbarkeit des Materials sowie der verfügbaren Bearbeitungszeit ab. Anstatt sofort mit dem vertieften Studi- Systematisch vorgehen Kritisch bewerten

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).