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4.7 Dokumentationsdienste und Datenbanken in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 69 - 72

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_69

Bibliographic information
VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 76 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche76 Expertentipp: Prüfsteine für Literaturverzeichnisse •• Aus welchem Jahr stammt die jüngste zitierte Arbeit? •• Sind nationale und internationale Standardtitel zitiert? •• Werden aktuelle Zeitschriftenaufsätze aufgeführt? •• Gibt es einige häufig zitierte Autoren/-gemeinschaften? •• Werden schon selbst recherchierte/genutzte Titel zitiert? •• Sind thematische Schwerpunkte der zitierten Titel erkennbar? Wegen der angesprochenen Probleme kann das pragmatische Verfahren zur Ermittlung einer Literaturübersicht exklusiv nur für erste schriftliche Arbeiten und/oder einen begrenzten Themenbereich empfohlen werden. Umfassendere, eigenständige wissenschaftliche Arbeiten sollten systematisch literarisch erschlossen werden; zur Kontrolle der so ermittelten Literatur kann – insbesondere bei aktuellen Arbeiten – ergänzend auf das pragmatische Verfahren zurückgegriffen werden („gemischte Strategie“; dazu Strohecker, 2010, S. 71 f.). 4.7 Dokumentationsdienste und Datenbanken Eine zweite Möglichkeit für eine themenbezogene Literaturübersicht auf (zunächst) pragmatischem Wege bietet die Nutzung von Dienstleistern wie Dokumentationsdiensten und Datenbanken. Dabei ist zwischen wissenschaftlichen (meist zu Selbstkosten arbeitenden, da öffentlich geförderten) Dokumentationsstellen und Spezialbibliotheksdiensten einerseits und kommerziellen Unternehmen und Datenbanken andererseits zu unterscheiden. Darüber hinaus gilt es, ergänzende (Teil-)Recherchen und themenspezifische Gesamtnachweise auseinanderzuhalten. Alle diese Dienstleister haben gemeinsam, dass die jeweils beauftragte Recherche ganz (oder teilweise) durch fremde Dritte – nicht immer ausgewiesene Experten – für den Bearbeiter eines Themas durchgeführt werden. Diese Variante unterscheidet sich daher deutlich von allen Formen der eigenen Recherche unter Inanspruchnahme elektronischer und sonstiger Netzwerke. Derartige Dienstleister können über das Internet ermittelt, kontaktiert, befragt und gegebenenfalls auch beauftragt werden. Strategienmix Elektronische Helfer VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 77 4.7 Dokumentationsdienste und Datenbanken 77 Kommerzielle Datenbanken können über Rechenzentren (Hosts) bzw. über CD-ROM-Datenbanken erreicht werden (vgl. Corsten/Deppe, 2010, S. 47–49). Die von den Dokumentationsdiensten und anderen Dienstleistern erstellten Literatur- und Quellennachweise können Mängel bzw. Unvollständigkeiten aufweisen, die in jedem Einzelfall überprüft werden sollten: •• Schlagwort- bzw. Kennungssysteme (Deskriptoren) werden für jede Datenbank einheitlich normiert. Die Konsequenz: Allgemeine Begriffe führen oft zu umfassenden – und damit für den Auftraggeber sehr teuren – Nachweisen; Spezialausdrücke werden dagegen oft nur in Ausnahmefällen erfasst oder nicht fachspezifisch definiert. Ein solcher Nachweis hilft in der Regel wenig, kostet aber Geld und Zeit. •• Der Umgang mit Datenbanken setzt eine gewisse Schulung über Aufbau und Strukturierung von Datenbanken und Abfragesprachen voraus. Zur Vorbereitung und (erfolgreichen) Durchführung von Recherchen sind gedruckte bzw. digitale Hand- und Wörterbücher, Thesauri und Klassifikationen erforderlich. Diese Informationen sollten vor Beginn der Arbeit eingeholt werden. •• Die einer Datenbank eingespeisten Informationen stammen zum Teil aus Sekundärquellen: Exakte Nachweise fehlen deshalb oft ebenso wie bibliografisch erforderliche Detail-Angaben. Sie lösen erheblichen Such- und damit Zeitaufwand aus, ohne dass der Bearbeiter einer solchen Information zu diesem frühen Zeitpunkt schon weiß, ob der solchermaßen „nachrecherchierte“ Titel für ihn von Interesse ist. •• Nachweise erfolgen häufig zu undifferenziert. Hinweise zu aktuellen, auf anderen (systematischen) Wegen leicht erreichbaren Titeln sowie Standardliteratur werden – obwohl (meist) bekannt – teuer bezahlt; echte Entdeckungen bleiben dagegen häufig eher die Ausnahme. Eigene Versuche bestätigen die beschriebenen Probleme immer wieder. Zudem führt auch im (Teil-)Erfolgsfall die Recherche durch einen Dokumentationsdienst dazu, dass man sich mit „seinem“ Thema nicht systematisch anfreundet; durch Dritte ermittelte Quellen und Materialien bleiben Gefahren quelle VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 78 4 Themenabgrenzung und Materialrecherche78 dann zum Teil ungenutzt, weil ihr Wert und Bedeutung durch den Bearbeiter nicht erkannt werden (können). Insgesamt sollten derartige Anfragen und Recherchen – auch wegen des Zeit- und Geldaufwandes – nur ergänzend vorgenommen werden.1 Zu Recht weist Peterßen zudem darauf hin, dass die (ausschließliche bzw. überwiegende) Literatursuche durch gewerbliche Dokumentationsstellen mit der Notwendigkeit der eigenständigen Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit unvereinbar ist (1999, S. 75).2 Exakte Angaben und eine präzise themenspezifische Eingrenzung bei der Informationsbestellung bei solchen Dienstleistern sind die zentralen Voraussetzungen für eine verwertbare Literaturliste. Der wesentliche Unterschied zwischen einer (gedruckten) Bibliografie und einer Datenbank liegt – neben der weit größeren Aktualität der letzteren – in der Zahl und dem Umfang der Register. Entscheidend für das Ergebnis aber ist auch die Angabe der themenrelevanten Deskriptoren, die für die Recherche verknüpft werden sollen. Deren Bestimmung und Auswahl obliegt ihrem fachlichen Urteil. Effizienz und Kosten sind darüber hinaus davon abhängig, nach welchem Schema der Inhalt aufbereitet und gespeichert wird: •• Eine Volltext-Datenbank speichert die vollständigen Dokumente, z. B. bei einer Rechtsprechungsdatenbank sowohl die Leitsätze als auch den vollständigen Urteilstext. •• Eine Referenz-Datenbank stellt Zusammenfassungen, Titelnachweise, bibliografische Nachweise, Klassifikationen und Schlagworte (bibliografische Datensätze) zur Verfügung. •• Eine Fakten-Datenbank liefert konkrete Informationen, Kennzahlen und Quellenmaterial. Wer sich auf die Rechtzeitigkeit, Verwertbarkeit und Vollständigkeit von Datenbank-Angaben verlässt, geht einen gefährlichen Weg. Kein Rechner der Welt leistet eine originäre, qualitative Recherche. Die Qualität und Aktualität dieser Informationen kann daher insoweit nicht mit der eigenen Fachkompetenz konkurrieren. 1 Je nach Datenbank-Typ kostet eine Online-Stunde zwischen 50 und 180 EUR, pro bestelltem Volltext-Artikel je nach Länge bis zu 30 EUR. 2 Zu den engen Grenzen (zulässiger) Unterstützung durch Dritte bei wissenschaftlichen Arbeiten siehe Kapitel 11.1, S. 272–274. Angaben prüfen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 79 4.8 Elektronische Informationsformen 79 4.8 Elektronische Informationsformen Das Internet (insbesondere über den Dienst World Wide Web) verbindet Rechner unabhängig von ihrer jeweiligen Hardware und ihrem Betriebssystem und erlaubt mit Hilfe von Übertragungsprotokollen die Kommunikation untereinander. Diese Form der Vernetzung ist im universitären als auch außeruniversitären Bereich Standard, die Zahl der Nutzer ist global nicht mehr seriös zu schätzen. Jeder Studierende kann mit personenspezifischen Kennworten über den PC-Pool der Hochschulen oder den eigenen PC unmittelbar in Datenbanken und Bibliotheksbeständen recherchieren und so Informationen zu gewinnen. Hinweis: Surfen vs. Recherchieren „Im Internet surfen, bedeutet, die Hyperlinks … verfolgen, aufs Geratewohl und auf die Vermutung hin, irgendetwas Brauchbares zu finden. Im Internet recherchieren hingegen ist zielgerichtet“ (Niedermair, 2010, S. 77, Hervorhebung nicht im Original). Weltweit existieren Hunderte von Milliarden von Internet- Seiten, täglich kommen Millionen dazu. Die Möglichkeiten erweitern sich jede Sekunde; entsprechend groß ist die Versuchung (und Praxis), bereits im Rahmen der Material- übersicht für die eigene wissenschaftliche Arbeit davon Gebrauch zu machen. Drei verschiedene Anwendungsschritte sind zu unterscheiden: •• Informationsrecherche •• Informationsgewinnung •• Informationsstrategien Alle drei Schritte perfektionieren einerseits die klassischen Suchtechniken; andererseits ergeben sich zusätzliche Strategien und konkrete Möglichkeiten, geeignetes – und jede Menge ungeeignetes – Material originär über das Netz zu recherchieren. Masse statt Klasse

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).