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2.4 Zeit- und Terminplanung in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 30 - 34

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_30

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 36 2 Planung36 Für alle Doktoranden, insbesondere aber für diejenigen, die nach erfolgreicher Promotion längere Zeit keine eigenen Einkünfte erzielen – oder deren Einkünfte für eine Verrechnung mit den aufgelaufenen Aufwendungen nicht ausreichen – besteht eine Alternative: Wird für die Veröffentlichung der Dissertationsschrift1 ein Verlagsvertrag mit Gewinnbeteiligung abgeschlossen, können mit den (später möglichen) Einnahmen steuerlich „Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit“ (§ 18 EStG) im Rahmen freiberuflicher Schriftstellerei erzielt werden; dann können die in Zusammenhang mit der Entstehung und Veröffentlichung stehenden Kosten uneingeschränkt als Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG) im Jahr der wirtschaftlichen Verursachung abgezogen werden (Nagel, 2004). Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen ist deren Nachweis.2 Hierzu sollte eine Mappe angelegt werden, in der Belege und Fahrtkostenabrechnungen sowie sonstige Beweismittel (Besprechungsprotokolle, Tankrechnungen, Bewirtungsaufstellungen, Fahrscheine, Einzelnachweise für Handy- und Internetnutzung) chronologisch gesammelt und für die Einkommensteuererklärung bzw. den Lohnsteuer-Jahresausgleich bereitgehalten werden. 2.4 Zeit und Terminplanung Steht das Projekt fest und sind die erforderlichen Finanzmittel geplant, so ist eine Zeit- und Terminplanung vorzunehmen. Bei zeitlich befristeten Arbeiten (Seminar-, Bachelorund Masterarbeiten) stellt die Zeit erfahrungsgemäß den Minimumfaktor dar. Bei unbefristeten Arbeiten (z. B. freien wissenschaftlichen Arbeiten bzw. Dissertationen) erlaubt eine solche Zeitplanung die Strukturierung des Vorhabens. Eine Struktur- und Zeitplanung kann mit Hilfe der Netzplantechnik („Gantt-Diagramm“) vorgenommen werden. Die einzelnen Arbeitsphasen werden mit ihrer voraus- 1 Ausführlich dazu unten Kapitel 9.2, S. 246–251. 2 Ohne Einzelnachweis sind Ausbildungskosten als Sonderausgaben pauschal nur in Höhe von 36/72  EUR/Jahr (Ledige/Verheiratete) gemäß § 10 c Abs. 1 Satz 1 EStG, Werbungskosten pauschal in Höhe von 1000/ 2000 EUR/Jahr gemäß § 9 a Satz 1 Nr. 1a EStG ansatzfähig. Belege sammeln Knappe Zeit VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 37 2.4 Zeit- und Terminplanung 37 sichtlichen Dauer (Beginn bis Ende) erfasst und in einem Zeitablaufplan abgebildet. So lässt sich ermitteln, welche Arbeitsschritte unbedingt wann begonnen bzw. abgeschlossen werden müssen, bevor ein weiterer angefangen werden kann. Ein solcher Plan erleichtert die Organisation. Zudem schaffen schriftlich fixierte Arbeitspläne Leistungsziele, deren Erreichen auch die Motivation zum (Weiter-)Arbeiten stärkt. Aufgaben der Zeit- und Terminplanung: •• Abstimmung und Koordinierung der einzelnen, zum Teil parallel laufenden bzw. sich überschneidenden Arbeitsschritte •• Gewichtung der einzelnen Abschnitte und Berücksichtigung von Prioritäten und Schwerpunkten •• Berücksichtigung sonstiger Aktivitäten und Beschränkungen •• Kontrolle des eigenen Arbeitsfortschrittes Wichtige Voraussetzungen für eine funktionierende Zeitund Terminplanung sind: •• Kenntnis aller erforderlichen Arbeitsschritte/Phasen des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses •• Kenntnis der sonstigen Arbeitsbelastung und Aktivitäten •• Realistische Einschätzung der eigenen Arbeitsbereitschaft und -fähigkeit sowie der wichtigsten individuellen „Zeitfresser“ wie Community-Kontakte (Facebook u. a.), Telefonieren, Messaging und Computerspiele (Voss, 2012, S. 49). Die Voraussetzungen können nur individuell ermittelt und berücksichtigt werden. Fachleute schätzen, dass ein Student durch rationelle Arbeitsorganisation zwischen 30 % und 50 % der durchschnittlich benötigten Zeit einsparen kann (dazu Burchardt, 2006). Im Laufe des Studiums lernt jeder bei kritischer (Eigen-)Beobachtung seine diesbezüglichen Stärken und Schwächen kennen. Allgemeine Regeln für effiziente Arbeitszeiten sowie die optimale Arbeitsdauer pro Tag, Woche oder Monat sind ebenso willkürlich wie generelle Verhaltensmaßregeln oder Durchhalteappelle. Jeder Arbeitstag sollte nach den produktivsten Phasen eingeteilt werden: Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, werden jeweils zu Beginn Zeiträuber Zeitkontrolle VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 38 2 Planung38 einer neuen Arbeitsphase erledigt; andere, wie Internet- Recherchen, E-Mail-Kontrolle, Bibliografieren, Literaturbeschaffung, in Zeiten mit geringerer Leistungsbereitschaft und Aufmerksamkeit. Check: Meine Schwächen im Vergleich Von allen Studierenden klagen •• 40 % über Konzentrationsschwäche •• 38 % über Nervosität •• 37 % über Rückenschmerzen und •• 44 % der männlichen und 19 % der weiblichen Studierenden konsumieren regelmäßig Alkohol in schädlicher Höhe (Vollmers, 2008) Bei den ersten Anzeichen von Ermüdung sind (Schlaf-)Pausen einzulegen, auf Psychopharmaka u. a. ist zugunsten einer ausgewogenen, nicht zu sehr belastenden Ernährung zu verzichten. Nach einer Studie aus dem Jahr 2012 nimmt jeder fünfte Student leistungssteigernde Mittel, von Koffeintabletten bis zu Ritalin und Amphetaminen: „Hirndoping an Hochschulen ist demnach viel verbreiteter als bislang vermutet“ (Trenkamp, 2013). Die außerhalb des Projektes bereits absehbaren (oder wahrscheinlichen) zeitlichen Beschränkungen sind vorab zu erfassen: •• Sonn- und Feiertage, gegebenenfalls Samstage/Sonnabende, an denen eine Bibliotheksarbeit nicht möglich ist •• Vorlesungs-, Klausuren- bzw. Arbeitsgruppentermine sowie der hierzu erforderliche Zeitbedarf für die Vor- und Nachbereitung •• Außeruniversitäre (z. B. familiäre) Verpflichtungen •• Arbeitsfreie Tage (nicht zwingend die Sonntage), Urlaubstage Jeder wissenschaftliche Arbeitsprozess lässt sich – unabhängig von Art und Umfang eines Projektes – in Phasen einteilen (s. Darst. 01). Aktivitäten und Freizeit berück sichtigen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 39 2.4 Zeit- und Terminplanung 39 Darst. 01: Phasen des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses 1. Planung 2. Vorarbeiten 3. Material- übersicht, Themenabgrenzung 4. Materialauswahl 5. Materialauswertung 7. Ergebnisgestaltung, Typoskript 6. Manuskript 8. Veröffentlichung, Druck 9. Präsentation Beginn Bearbeitungszeit Abgabe Prüfung A rb ei ts p h as e Je länger einzelne Unterbrechungen andauern, desto mehr Zeitverlust ist für die Abbruch- und Wiedereinarbeitungsphase zu berücksichtigen („Cooling-down“- bzw. „Warming-up“-Phasen). Die insgesamt verfügbare Zeit ist mit dem (geschätzten) Zeitbedarf der einzelnen Arbeitsschritte abzustimmen. Längere Arbeitsphasen sollten ’am Stück‘ geplant werden: Expertentipps „Bleiben Sie am Ball … Wichtig ist allein, dass der geistige Motor nicht erkaltet“ (Krämer, 2009, S. 29). „Arbeitsplanung bedeutet zwar selbst Arbeit, führt aber … zu einem effektiveren … Arbeitsprozess und hilft, potenzielle Panik zu vermeiden“ (Burchardt, 2006, S. 75). „Es nützt nichts, wenn Sie rascher laufen, Sie müssen pünktlich starten (Fragnière, 2003, S. 42). VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 40 2 Planung40 2.5 Beispiel: Arbeitsplanung für  eine  Bachelorarbeit Für die Anfertigung einer Bachelorarbeit mit einer Bearbeitungszeit von acht Wochen wird im Folgenden ein Muster für eine Arbeitsplanung vorgestellt. Die Daten sind fiktiv; die Anpassung an die persönlichen Daten muss der individuellen Umsetzung des Beispiels überlassen bleiben. Projektplanung: Projekt: Bachelorarbeit Bearbeitungsdauer: 8 Wochen Bearbeitungszeitraum: 03.02.2014 bis 28.03.2014 Umfang: 40 bis 50 DIN-A-4-Seiten Abgabetermin: Freitag 28.03.2014 bis 16.00 Uhr Kostenplanung: Bücher, Manuskripte: ca. 60 EUR Büromaterial, Kopien: ca. 40 EUR Porto, Handy, Internet: ca. 120 EUR Reisen, Exkursionen: – EUR 3 Kopien, Buchbinder: ca. 60 EUR insgesamt ca. 280 EUR Damit ergibt sich für den Bearbeitungszeitraum, dass eine monatliche Rücklage von ca. 140 EUR nötig ist. Zeitplanung: Bearbeitungszeitraum: 54 Tage ./. 7 Sonntage 7 Tage ./. Vorlesungs- und Veranstaltungstermine1 03.02.–08.02. insgesamt 2 Tage 17.–28.02. Abschlussklausuren WS 2013/14 1 Tag 03.03. Rosenmontag/13.03. Geburtstag 2 Tage Privater E-Mail-Check, Internet-Chat 3 Tage volle Arbeitstage à 8 (produktive) Stunden 39 Tage (das entspricht rund 72 % des Planungszeitraums)2 1 Das Beispiel ist auf folgende (bayerische) Vorlesungszeiten bezogen: Winter-Semester: 14.10.2013–08.02.2014; Sommer-Semester: 07.04.2014–12.07.2014. 2 Digitale Unterstützung bei der individuellen Detailzeitplanung unter: http://www.lib.umn.edu/help/calculator/ Projekt Kosten Zeit

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).