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11.2 Unzulässige Übernahme fremder Texte in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 262 - 264

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_262

Bibliographic information
VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 274 11 Fälschung, Verfälschung, Plagiat und Betrug274 und Wiedergabe sämtlichen benutzten, nicht nur des konkret in einem Text verarbeiteten, Materials muss dagegen ausnahmslos eigenständig erfolgen. Uneingeschränkt zulässig ist die fachliche Beratung durch den betreuenden Professor und dessen Mitarbeiter. Deren Aufgabe ist es gerade, den Kandidaten in individuellen Gesprächen und Besprechungen vor geistigen Rundflügen zu bewahren und auf dem Pfad der wissenschaftlichen Erkenntnis zu begleiten und zu fördern. Mit dem Umfang der (zulässigen) Mitwirkung Dritter werden gleichzeitig die Grenzen für eine professionelle Beratung („Coaching“) deutlich: Da jede wissenschaftliche Arbeit eine thematisch geschlossene, eigenständige und in ihren wesentlichen Teilen originäre Auseinandersetzung des Bearbeiters mit dem ihm gestellten Thema darstellen muss, sind alle Formen nicht deklarierter, qualifizierter materieller Unterstützung sowie die Mitarbeit von oder Zusammenarbeit mit Dritten unzulässig. Expertentipp „Die Grenze unzulässiger Beratung ist schnell überschritten. Schon mit dem Entwurf einer Gliederung, dem inhaltlichen Redigieren des Textes, dem Erstellen ganzer Textpassagen oder der zusammenfassenden Auswertung von Literatur fehlt es an einer versicherten selbständigen [!] Anfertigung“ (Slapnicar, 2003, S. 232). 11.2 Unzulässige Übernahme fremder Texte Die Übernahme fremder Texte, Ideen, Daten, Fakten, Formulierungen und Wortschöpfungen u. a. ohne konkreten, zutreffenden, vollständigen und objektiv nachprüfbaren Beleg (Zitierung) ist unzulässig: Diese (einheitliche) Qualifikation ist also weder von Umfang, Ausmaß, Ursprung und Bedeutung, noch von dem zugrundeliegenden Verständnis, Einsehen oder dem Grad des Bewusstseins abhängig. Wer durchgängig die Zitiervorschriften „ohne wenn und aber“ berücksichtigt, braucht keine Angst vor versehentlichen Plagiaten haben (Pospiech, 2012, S. 157). VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 275 11.2 Unzulässige Übernahme fremder Texte 275 Expertentipp „Alles, was Sie nicht selbst erdacht haben, sondern der Klugheit anderer Leute verdanken, muss im Text auch diesen anderen Leuten zugeschrieben werden. … Wer alle fremden Gedanken im eigenen Text belegt, stellt vielleicht am Ende fest, dass gar nicht viele eigene Gedanken drinstehen. Kann passieren“ (Schimmel/Weinert/Basak, 2011, S. 54, 56). „Ein bisschen gestohlen“, „ein wenig geschlampt“, „aus Versehen kopiert“, „minimal manipuliert“, „etwas gefälscht“, „nur marginal entlehnt“ sind deshalb keine Kategorien zur Entschuldigung oder gar Entlastung im Fall eines wissenschaftliches Diebstahls (vgl. dazu Himmelrath, 2011). Aber auch die eher psychologischen Würdigungen des individuellen Geisteszustands eines konkret Handelnden, der von „unbewusst“ über „bewusstlos“, „ahnungslos“, „fahrlässig“ bis „ohne Vorsatz“ charakterisiert wird, bieten keinerlei tragfähige Abstufungen oder Kriterien, um zwischen (noch) zulässigem und nicht mehr tragbarem wissenschaftlichen Diebstahl zielführend differenzieren zu können (vgl. Leffers/Himmelrath, 2011). Der wissenschaftliche Textdiebstahl ist nichts anderes wie ein Ladendiebstahl: Letzterer kann vor keinem Gericht zum „Einkaufsirrtum“ stilisiert werden, dementsprechend liegt bei ersterem auch kein „Zitatfehler“ vor (Ernst, 2011). Das Internet und die ubiquitäre Verfügbarkeit elektronischer Informationen hat zweifelsohne die Möglichkeiten, Chancen und das Ausmaß des Zugriffs und damit Diebstahls dramatisch erhöht; an der Notwendigkeit eines ausnahmslos redlichen wissenschaftlichen Zitierens aber nichts geändert. Diese Sichtweise wird von einigen „Grenzgängern“ nicht geteilt, die in diesen Medien eine Fundgrube nicht nachweispflichtiger (anonymer) Informationen oder nicht nachweisbaren Materials sehen. Hinweis zu Material aus dem Internet „Dass ein Text seinen Urheber nicht oder nicht sofort erkennen lässt, bedeutet … nicht, dass es keinen Urheber gibt. … Texte, die Sie aus dem Internet gefischt haben, dürfen also nicht einfach in Ihre Arbeit hineinkopiert werden“ (Schimmel, 2011, S. 227). Textdieb = Ladendieb VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 276 11 Fälschung, Verfälschung, Plagiat und Betrug276 11.3 Unzulässiger Erwerb von Prüfungs leistungen Das umfassende Verbot der Mitwirkung bzw. Einschaltung von Dritten darf nicht dadurch umgangen werden, dass eine solche qualifizierte Mitarbeit durch adie Vermittlung und den Kauf der von Dritten erstellten Prüfungsleistungen, die z. B. an anderen Universitäten bereits als Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten eingereicht worden sind, ersetzt wird. Sowohl die unveränderte Übernahme fremder Texte als auch die Überarbeitung fremder geistiger Leistungen jeder Art für eigene Zwecke wird durch die eidesstattliche Erklärung erfasst („ohne Hilfe Dritter“) und daher ist auch diesbezüglich jede Abweichung erklärungspflichtig. Die Erklärungspflicht macht deutlich, dass jede Form und Nutzung der Tätigkeit von „ghostwriting“ unzulässig sind, da sie definitionsgemäß nicht offengelegt werden können. Expertenausrede „Nicht wir täuschen, sondern die Studenten“ (Ghostwriter Kopper zit. nach Karschnick, 2012, S. 1). Der Erwerb von – möglichst erfolgreichen – Prüfungsleistungen aller Art zur eigenen Aus- und Verwertung ist in den letzten Jahren scheinbar zu einer alternativen Form des „wissenschaftlichen Arbeitens“ geworden. So genannte Hausarbeits-, Referate-, Bachelor-, Masterarbeits- und Dissertationsbörsen sowie Unterstützungsangebote von Ghostwritern und Vermittlungsofferten von Promotionsberatern überschwemmen den Markt (vgl. Theisen, 2012). In den USA werden seit mehr als zehn Jahren digitale Prüfprogramme zur Aufdeckung von Plagiaten unter den Prüfungsleistungen eingesetzt; sie werden nun mehr auch umfassend in den Schulen und Hochschulen in Deutschland angewendet; man könnte insoweit von einem „Guttenberg- Effekt“ reden.

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).