Content

11.1 Grenzen zulässiger Unterstützung in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 259 - 262

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_259

Bibliographic information
VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 271 11 Fälschung, Verfälschung, Plagiat und Betrug Jeder Erfolg hat seine Neider: Erfolgreiche Forscher und Wissenschaftler werden kopiert, ihre Ergebnisse in unterschiedlichster Form „übernommen“, ökonomisch interessante Konzepte in Abwandlung als eigene verkauft. Und wer Erfolg und Ruhm sucht, Arbeit und Mühen aber scheut, der kauft oder plagiiert entsprechende Ansätze oder ganze Arbeiten oder er „lässt arbeiten“. Noch billiger ist allerdings eine Erfindung, die keine ist: Ergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse werden einfach erfunden, die scientific community hinters Licht geführt, und die Öffentlichkeit damit betrogen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat bereits 1997 Empfehlungen zur Vermeidung von Fehlverhalten in der Wissenschaft ausgearbeitet, die von der Hochschulrektorenkonferenz angenommen wurden.1 Als Kategorien wissenschaftlichen Fehlverhaltens können unterschieden werden (vgl. auch Wytrzens u. a. , 2012, S. 58 f.): •• Falschangaben: Die Erfindung oder Verfälschung von Inhalten, Daten, Quellen, Bezügen und Nachweisen •• Text- und Ideendiebstahl: Vereinzelte Textübernahme („copy & paste“), Anlehnung an Formulierungen und Ideen, Duplizierung von Fakten und Texten ohne bzw. ohne hinreichenden Nachweis. •• Autorenschaftsanmaßung: Unberechtigter Ausweis als Autor oder Koautor •• Täuschung und Plagiat: Bewusste oder fahrlässige Übernahme von Texten oder Textteilen, die Dritte verfasst haben, ohne Nachweis (vgl. Berger, 2010, S. 27 f.; Waiblinger, 2012). •• Betrug: Erwerb von Dienstleistungen und Kauf von Arbeiten, die als eigene Leistungen ausgegeben werden. 1 Vgl. dazu die DFG-Empfehlungen zur „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ unter: http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/ reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198_ web_urfassung.pdf (Version 1997-12-19). Kauf und Plagiat VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 272 11 Fälschung, Verfälschung, Plagiat und Betrug272 11.1 Grenzen zulässiger Unterstützung Zur Vermeidung von Missverständnissen sollen die zulässigen Hilfestellungen und Unterstützungen von unzulässigen abgegrenzt werden. Darüber hinaus ist aber auch auf Grenzüberschreitungen einzugehen: Professionelle Anbieter und Berater lassen die Grenzen von Fälschung, Plagiat und Betrug bewusst verschwimmen; die Möglichkeiten der weltweiten Informationsnetze bieten zusätzlich zahlreiche Verlockungen. Zur Erinnerung: Alle wissenschaftlichen Arbeiten – vom Protokoll bis zur Doktorarbeit – müssen eigenständige Leistungen sein. Alle indirekt oder direkt übernommenen Gedanken oder Zitate sind zu kennzeichnen, der Kern aller dieser Arbeiten aber muss eine originäre Leistung desjenigen sein, der als Autor ausgewiesen wird. Den meisten schriftlichen Prüfungsleistungen ist nach Maßgabe der Prüfungsordnungen eine eidesstattliche Erklärung über diesen Sachverhalt anzufügen, mit der die Eigenständigkeit versichert und gegebenenfalls Unterstützungsleistungen und -leister benannt werden.1 Für Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten aber hat sich längst ein eigener Markt entwickelt: Der der Wissenschaftsund Promotionsberater: Wer nicht selbst fälschen kann (oder will), oder für den Ideendiebstahl und Textkopie zu faul ist, lässt bei solchen Anbietern arbeiten. Die Kriterien für die (Un-)Zulässigkeit und Grenzen einer derartigen Beratung sind eindeutig. Den Ausgangspunkt für die rechtliche Analyse zulässiger Unterstützung von Prüfungskandidaten bilden die Bachelor-, Master- bzw. Promotionsordnungen der Fakultäten. In ihnen werden die rechtlichen Voraussetzungen und Erfordernisse, die die Hochschule an den Bewerber und seine Arbeit stellt, ausführlich benannt und auch regelmäßig die Konsequenzen eines Verstoßes gegen diese Normen deutlich gemacht. Soweit dem bei Dritten Rat suchenden Kandidaten vom Prüfer ein Thema vorgegeben wird, besteht diesbezüglich kein Beratungsbedarf. Steht die Themenwahl aber frei, so 1 Vgl. dazu Kapitel 8.6.2, S. 239–241. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 273 11.1 Grenzen zulässiger Unterstützung 273 kann – in der Regel gegen Honorar – ein Berater zum Einsatz kommen. Allerdings bewegt sich eine solche Unterstützung durch Dritte schon dann im Bereich unzulässiger Mitwirkung, wenn die Themenfindung und -formulierung ausdrücklich als Bestandteil der eigenen wissenschaftlichen Anstrengungen deklariert und damit zum Prüfungsbestandteil erklärt wird: Denn für diesen Sachverhalt gilt – wie für alle prüfungsrelevanten Aktivitäten –, dass er von der rechtlich bindenden eidesstattlichen Erklärung des Verfassers über die Eigenständigkeit seiner Leistung erfasst werden. Unter Bezug auf diese Versicherung des Kandidaten ist in diesen Fällen eine Themenberatung und -formulierung nur dann zulässig, wenn auf die Unterstützung unter Nennung des Namens und der Anschrift des Beraters ausdrücklich hingewiesen wird; auf eine entsprechende Formulierung ist daher zu achten (a. M. wohl Weber, 2010, S. 35). Im formalen wie technischen Bereich sind grundsätzlich weitere Unterstützungsleistungen durch Dritte zulässig:1 •• Nutzung von gedruckten, mechanischen oder digitalen Literaturdatenbanken, Rechtsprechungssammlungen und Bibliografien aller Art •• Einschaltung von unentgeltlichen oder entgeltlichen Informations-, Daten-, Dokumentations-, Recherche- und Internetdiensten als Nachweisstellen, die als Volltext-, Referenz- oder Fakten-Datenbanken ausgestaltet sein können •• Übertragung der technischen Datenverarbeitung und elektronischen Texterstellung auf Dritte gegen Entgelt (Rechenzentren, PC- oder Schreibbüros u. a.) •• Mechanische Korrekturarbeiten und grammatikalische wie sprachliche Unterstützung durch Freunde und Bekannte Die vorstehend aufgelisteten Aktivitäten und Dienstleistungen Dritter sind aber dann und nur insoweit zulässig, als sie keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung der wissenschaftlichen Prüfungsleistung und damit auf den materiellen Prüfungsinhalt haben. Die Auswahl, Bewertung 1 Zu zulässigen Hilfestellungen bei der Materialübersicht und Themenabgrenzung vgl. Kapitel 4.7, S. 76–79. Haftung VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 274 11 Fälschung, Verfälschung, Plagiat und Betrug274 und Wiedergabe sämtlichen benutzten, nicht nur des konkret in einem Text verarbeiteten, Materials muss dagegen ausnahmslos eigenständig erfolgen. Uneingeschränkt zulässig ist die fachliche Beratung durch den betreuenden Professor und dessen Mitarbeiter. Deren Aufgabe ist es gerade, den Kandidaten in individuellen Gesprächen und Besprechungen vor geistigen Rundflügen zu bewahren und auf dem Pfad der wissenschaftlichen Erkenntnis zu begleiten und zu fördern. Mit dem Umfang der (zulässigen) Mitwirkung Dritter werden gleichzeitig die Grenzen für eine professionelle Beratung („Coaching“) deutlich: Da jede wissenschaftliche Arbeit eine thematisch geschlossene, eigenständige und in ihren wesentlichen Teilen originäre Auseinandersetzung des Bearbeiters mit dem ihm gestellten Thema darstellen muss, sind alle Formen nicht deklarierter, qualifizierter materieller Unterstützung sowie die Mitarbeit von oder Zusammenarbeit mit Dritten unzulässig. Expertentipp „Die Grenze unzulässiger Beratung ist schnell überschritten. Schon mit dem Entwurf einer Gliederung, dem inhaltlichen Redigieren des Textes, dem Erstellen ganzer Textpassagen oder der zusammenfassenden Auswertung von Literatur fehlt es an einer versicherten selbständigen [!] Anfertigung“ (Slapnicar, 2003, S. 232). 11.2 Unzulässige Übernahme fremder Texte Die Übernahme fremder Texte, Ideen, Daten, Fakten, Formulierungen und Wortschöpfungen u. a. ohne konkreten, zutreffenden, vollständigen und objektiv nachprüfbaren Beleg (Zitierung) ist unzulässig: Diese (einheitliche) Qualifikation ist also weder von Umfang, Ausmaß, Ursprung und Bedeutung, noch von dem zugrundeliegenden Verständnis, Einsehen oder dem Grad des Bewusstseins abhängig. Wer durchgängig die Zitiervorschriften „ohne wenn und aber“ berücksichtigt, braucht keine Angst vor versehentlichen Plagiaten haben (Pospiech, 2012, S. 157).

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

Auf Schritt und Tritt begleitet und berät dieses Buch Sie beim Verfassen Ihrer Seminar-, Bachelor- und Masterarbeit - mit allem, was Sie dafür brauchen:

* Checklisten zu jedem Arbeitsschritt

* Musterkapitel und Formatvorlagen

* Richtig zitieren - mit zahlreichen Beispielen

* Textgestaltung und Layout

* Gut vorbereitet in Besprechungen und Prüfungen

Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).