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10.3 Referate und Vorträge in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 250 - 255

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_250

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 261 10.3 Referate und Vorträge 261 •• Versuchen Sie, Ihr Wissen klar und deutlich, nicht kompliziert und verschachtelt vorzutragen. Alle Beteiligten werden Ihnen dafür dankbar sein. Zudem lassen kurze Sätze auch schneller Reaktionen des Prüfers zu, die Sie wiederum zeitlich und inhaltlich nutzen können, um weitere Ausführungen zielgerichtet vorzubereiten. •• Und zuletzt: Eine mündliche Prüfung ist ein Dialog, der auch von spontanen und persönlichen Eindrücken bestimmt wird. Der Prüfer ist nicht nur Zuhörer, sondern auch Zuschauer. Schaffen Sie dazu atmosphärisch durch Ihr Auftreten, Ihre Mimik und Gestik sowie Ihr Äußeres (Kleidung, Frisur, Hygiene u. a.) einen geeigneten Rahmen. Nervosität, Prüfungsangst und kurze Aussetzer sind dagegen normal, der Prüfer kennt dies aus eigener Erfahrung und hat dafür Verständnis (vgl. Metzger, 2010, S. 48–54; Knigge-Illner, 2000; Metzig/Schuster, 2009; Walther, 2012). Expertentipps „Wenn Sie nicht weiter wissen: Fragen Sie nach. Sie können auch ruhig einmal eingestehen, daß [!] Sie eine Frage nicht verstanden haben und um ergänzende Hinweise bitten. Wenn Sie gar nicht weiter wissen, gestehen Sie lieber Ihre Irritation, als völligen Unsinn zu reden“ (Gramm/Wolff, 2008, S. 150). „Eine der Befürchtungen, die die Neulinge … verfolgen könnte, entsteht aus der Selbstunterschätzung: ob ihr Verstand für die Wissenschaft genüge. Diese Furcht könnten sie sich leicht ersparen, denn es bedarf keines übertriebenen Gehirnaufwandes, um in der Wissenschaft voranzukommen“ (Medawar,1984, S. 25 f.). 10.3 Referate und Vorträge Nach den ersten Semestern besteht regelmäßig die Möglichkeit bzw. Pflicht, schriftlich ausgearbeitete Texte auch mündlich – als Referat oder Thesenpapier – vortragen zu können bzw. zu müssen. Viele Studierende versuchen, derartige Vortragsangebote erfolgreich zu umgehen. Der Mangel an entsprechender Übung, schriftlich Erarbeitetes mündlich vortragen zu können, rächt sich in jeder mündlichen Prü- Klar und knapp antworten VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 262 10 Präsentation und Beurteilung262 fung. Die Gelegenheit zum mündlichen Vortrag und zur Präsentation eigener Leistungen sollte daher als Chance verstanden (und ergriffen) werden. Die bei Studierenden aller Fachrichtungen und jeden Alters zu beobachtende Zurückhaltung, Referate und Vorträge zu übernehmen, hat nach Corsten/Deppe (mindestens) drei Gründe (2010, S. 115): •• Sachliche Gründe, weil ein wissenschaftliches Thema inhaltlich und fachsprachlich korrekt dargestellt werden soll. •• Personelle Gründe, weil nicht nur bekannte und unbekannte Kommilitonen, sondern meist auch ein Prüfer, zumindest aber der Betreuer der Arbeit anwesend sind. •• Technische Gründe, weil keine Kenntnisse zur Technik des Referierens und der Präsentation vorhanden sind und eine entsprechende Übung fehlt. Sachliche Gründe sollten dann keine Rolle spielen, wenn das Vortrags- bzw. Referatsthema nach den hier vorgestellten Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens vorbereitet wird. Jedes Studium besteht im Kern gerade aus kritischen Fachdiskussionen. Im Gegensatz zu der vergleichbaren Situation im Berufsleben aber wollen alle Beteiligten aus einer solchen Diskussion lernen und durch sie weitere Erfahrungen und neues Wissen sammeln. Die (falsche) Furcht, nur perfekte Statements und Redebeiträge liefern zu dürfen, hemmt daher unnötigerweise die Bereitschaft, derartige Aufgaben (freiwillig) zu übernehmen. Darüber hinaus sind weitere, insbesondere technische Voraussetzungen zu berücksichtigen, um auch mit der Präsentation einen Treffer verbuchen zu können. Eine mündliche Leistung unterscheidet sich grundsätzlich von schriftlichen Ausarbeitungen. Jedes Referat wird zunächst schriftlich abgefasst und zur Bewertung beim Prüfer eingereicht: dessen ungeachtet muss anschließend der Text für die mündliche Präsentation sowohl inhaltlich als auch sprachlich gesondert vorbereitet werden; darüber hinaus sind die folgenden Hinweise und Hilfsmittel zu berücksichtigen, die die Präsentation und Wissensvermittlung unterstützen können (vgl. Glückher u. a., 1995; Friedrich, 1997, S. 92–94; Rahn, 2011, S. 68–81; Koeder, 2012, S. 210–232). Vortragen üben Referat gestalten VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 263 10.3 Referate und Vorträge 263 Das Redemanuskript bzw. die Referatsvorlage muss inhaltlich wie formal so ausgestaltet werden, dass der Vortragende den Text so frei wie möglich sprechen kann. In einer solchen Vorlage sollten nur die Kernaussagen niedergeschrieben und Definitionen oder zentrale Thesen ausformuliert und dann aber auch wörtlich vorgetragen werden. Der Text soll höchstens zwei Drittel einer Seite in Anspruch nehmen, gegebenenfalls ist ein größerer Schriftgrad und ein leicht lesbarer, klarer Schrifttyp zu wählen; viele Profis unter den Vortragenden bevorzugen DIN-A-5 Karteikarten, auf denen der Text schneller überblickt werden kann. Ein sprachlich mit großem Aufwand und bis ins letzte Detail ausgearbeiteter Text verleitet dagegen – oder zwingt sogar – zum Vor- bzw. Ablesen. Der Zuhörer ist damit regelmäßig überfordert: Zum einen kann er ausgefeilte (und daher auch meist zu lange) Sätze gedanklich nicht nachvollziehen. Zum anderen lässt ein solcher Vortrag jede Lebendigkeit vermissen: das zunächst entgegengebrachte Interesse sinkt schnell auf den Nullpunkt. Schneller Redner – abschaltende Zuhörer Sinkt das Zuhörerinteresse bei monotonen Reden, neigen Vortragende dazu, noch schneller abzulesen, um die Sache hinter sich zu bringen und in der Hoffnung, vielleicht so neue Aufmerksamkeit zu gewinnen. Die Zuhörer aber schalten innerlich – und bald auch für den Referenten nachvollziehbar äußerlich – ab, die Vorstellung misslingt. Die meisten Risiken einer weniger gelungenen Präsentation aber können durch einen Testvortrag vor dem Spiegel, als Ton- oder Videoaufzeichnung, oder vor ausgewählten, aber kritischen Freunden vermieden oder zumindest reduziert werden. Gleichzeitig kann ein Gefühl für die Zeit gewonnen werden, um damit auch die Rahmenbedingungen eines Vortrags besser einschätzen zu können. Da neben der Präsentation des Vortrags auch Hilfsmittel eine zum Teil erhebliche Rolle spielen (sollten), sind diese bei einer solchen Probe einzubeziehen: Wer Overhead-Folien auflegen, Flip-Charts einsetzen und Ton-, Bild-, Power Pointoder Beamer- wie Filmaufzeichnungen präsentieren will, muss die technische Seite, aber auch das Zusammenspiel Frei sprechen Zeit planen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 264 10 Präsentation und Beurteilung264 von Text und Material üben. Dabei wird sich herausstellen, ob die Projektionen im Vortragsraum lesbar, der Beamer- Einsatz bzw. die elektrischen Tafeln beherrschbar, die Übertragungstechnik hörbar und die Produktionen der Bild- und Videotechnik sichtbar sind. Jeder Vortrag sollte technisch in drei Phasen unterteilt werden (vgl. dazu Glückher u. a., 1995, S. 9–24): •• Einstieg (Orientierung und Motivierung) •• Vermittlung (Aufnahme und Erarbeitung) •• Ausstieg (Sicherung und Anwendung). In der Einstiegsphase sollen das Interesse am Thema geweckt, die Zusammenhänge hergestellt und das Vorwissen der Zuhörer dazu aktiviert werden. Darüber hinaus sind ein kurzer inhaltlicher Überblick zu geben sowie die Ziele zu benennen und zu rechtfertigen, die mit dem Vortrag verfolgt werden. Der Zuhörer soll am Ende dieser Phase wissen, was inhaltlich und auch zeitlich auf ihn zukommt. Die einzelnen Gliederungspunkte sollten ungefähr jeweils die gleiche Vortragszeit in Anspruch nehmen. Schwerpunkte der Ausführungen sind einleitend – ebenso wie während des Vortrags – hervorzuheben. In der Vermittlungsphase sollen die Kernaussagen dargestellt, definiert, erklärt und kritisch analysiert werden. Die Beschränkung auf das Wesentliche (statt auf alles), die Verdeutlichung anhand von Beispielen (statt nur theoretisch) sowie der Versuch, die passiven Zuhörer durch Rückfragen aktiv einzubinden (statt einen Monolog abzuspulen), charakterisieren diese Phase. Ein Engagement der Zuhörer als Teilnehmer der Veranstaltung setzt voraus, dass die Gliederung des Vortrags und gegebenenfalls die Kernaussagen oder -thesen als schriftlicher, übersichtlich gestalteter Umdruck („hand-out“) vor Beginn verteilt werden. Der Vortragende sollte dann aber auch alle Gliederungspunkte ansprechen und seine Thesen in der niedergelegten Reihenfolge präsentieren. Erfahrungsgemäß muss unter Zeitdruck der vorgesehene Text häufig während des Vortrags gekürzt werden. Diese schwer abwendbare Herausforderung sollte bereits bei der Vorbereitung bedacht und in Form von potenziell entfallenden Sätzen und Passagen eingeplant werden. Schwerpunkte aufzeigen Erklärungen geben Mitdenken ermöglichen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 265 10.3 Referate und Vorträge 265 Aktuelle Kürzungen während des Vortrags sollten den Zuhörern gegenüber auch offengelegt werden; damit wird sichergestellt, dass diese den (abgeänderten) Fortgang anhand der Gliederung bzw. des schriftlichen Textes verfolgen können. Die Ausstiegsphase sollte rechtzeitig angekündigt, dann aber auch zügig eingeleitet werden. Im Gegensatz zu einer schriftlichen Ausarbeitung1 sollte ein Referat immer mit einigen zusammenfassenden Gedanken abgeschlossen werden. Darüber hinaus können an dieser Stelle auch Anregungen für die Diskussion oder in der Zukunft erforderliche Forschungsbemühungen gegeben werden. Wenn eine anschließende Diskussion vorgesehen ist, hat der Referent die (zusätzliche) Aufgabe, einige Einstiegsfragen oder Diskussionspunkte vorzubereiten, um im Interesse eines erfolgreichen Fortgangs der Veranstaltung das (mögliche) Schweigen des Publikums nach seinem Vortrag überbrücken zu können. Gut und intensiv vorbereitet ein Referat vorzutragen, ist eine wichtige Voraussetzung, die Nervosität und Sprechangst reduzieren zu können. Eine andere ist es, sich bewusst zu sein, dass man sich seinem Publikum auch wirklich zuwendet, auf Fragen offen und ehrlich antwortet, Wissenslücken eingesteht und in diesem Fall gemeinsam nach Lösungen sucht. Dazu gehört aber auch etwas Stolz, dass man den Mut aufgebracht und die Chance genutzt hat, sich vor Andere hinzustellen und damit etwas Besonderes zu leisten. Expertentipps? Empfehlung Nr. 6 (!) für Studenten gegen Lampenfieber vor Referatsvorträgen: „Sex zur Entspannung“ (Burchert/Sohr, 2008, S. 131). „Wenn Sie müde werden, setzen Sie sich von vorn locker auf den Tisch, aber behalten Sie Körperspannung“ (Weber, 2010, S. 230). 1 Zu Inhalt, Bedeutung und Funktion eines Schlusskapitels bei schriftlichen Arbeiten vgl. Kapitel 7.2.1.3, S. 153 f. Schluss ankündigen Diskussion planen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 266 10 Präsentation und Beurteilung266 10.4 Bewertung und Benotung Mit jeder wissenschaftlichen Arbeit wird (mindestens) ein Ziel verfolgt: Die persönliche Anerkennung. Die Form dieser Anerkennung hängt von der Art der Leistung und (auch) von Stellung und Funktion des jeweiligen Verfassers ab. Für alle Studierende im Bachelor-, Master- oder Promotionsstudium konkretisiert sich die Anerkennung regelmäßig in einer Leistungsbewertung in Punkten und/oder Noten. Als zusammenfassendes Ergebnis eines umfangreichen und mindestens subjektiv fordernden Forschungsprozesses können diese Daten aber nur vordergründig befriedigen – vorausgesetzt, die erteilte Benotung hat die eigenen Erwartungen nicht deutlich unterschritten. Aus der Sicht der Prüfenden hat die durch die Benotung quantifizierte Beurteilung individueller Leistungen u. a. folgende Funktionen (vgl. Disterer, 2009, S. 164; Schenk, 2005): •• Erfassung und Beschreibung, inwieweit die Leistung den inhaltlichen Anforderungen des jeweiligen Studienfaches und -ganges entspricht (objektive inhaltliche Qualität) •• Einschätzung, in welchem Verhältnis die jeweilige Leistung zu den Leistungen der anderen Prüfungsteilnehmer steht (subjektive inhaltliche Qualität) •• Beurteilung der äußeren Form, Präsentation und der Berücksichtigung formaler Kriterien und Vorschriften (formale Qualität) •• Abgleich mit vergleichbaren Leistungen früherer Prüfungen (subjektive intertemporale Qualität). Ungeachtet der Bedeutung der Benotung für den gesamten Studienerfolg, sollte bei Besprechungen und Gesprächen mit dem Korrektor über Prüfungsleistungen nicht die Note oder Punktezahl, sondern vor allem die Erklärung und entsprechend das Verständnis für die Anforderungen und Verbesserungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen. Hilfreich für die Vor- und Nachbereitung solcher Diskussionen ist ein Beurteilungs- bzw. Korrekturbogen: Von dem Prüfer ausgefüllt, kann er konkrete und detaillierte Hinweise auf Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten z. B. zu den folgenden Punkten und Kriterien geben (vgl. dazu u. a. Burchardt, 2006, S. 125–128; Hunziker, 2010, S. 136–142; Berger, 2010, S. 213 f.): Ergebnis besprechen

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).