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8.5 Verzeichnisse nach dem Text in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 208 - 228

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_208

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 218 8 Ergebnisgestaltung218 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 8.5.1 Gedruckte Literatur Bei der Erstellung des Literaturverzeichnisses werden immer wieder Fehler gemacht, obwohl das Literaturverzeichnis ein zwingender Bestandteil jeder wissenschaftlichen Arbeit ist.1 Um das Bild vom Verzeichnis als Schlüssel noch einmal aufzugreifen: Wie fehlende oder zusätzliche Zähne im Bart eines Schlüssels, so können fehlende bzw. falsche Angaben im Literaturverzeichnis das Erschließen einer Arbeit beeinträchtigen. Ein erstes Problem stellt sich mit der Bezeichnung: Begriffe wie Bibliografie, Literaturübersicht, Literaturhinweise, Schrifttumsverzeichnis, verarbeitete bzw. ausgewählte Literatur, Quellenverzeichnis oder Werkverzeichnis werden, trotz ihrer erheblichen inhaltlichen Unterschiede, häufig und insoweit irreleitend synonym verwendet. Dem pragmatischen Ansatz dieser Anleitung folgend, soll hier ausschließlich die Bezeichnung Literaturverzeichnis verwendet und empfohlen werden. Definition: Literaturverzeichnis Ein Literaturverzeichnis ist die vollständige Zusammenstellung aller in einer wissenschaftlichen Arbeit verarbeiteten literarischen Sekundärmaterialien, welche in irgendeiner Form nachweislich (d. h. im Text, einer Fußnote, dem Vorwort, dem Anhang oder an einer sonstigen Stelle) in der Arbeit berücksichtigt und zitiert worden sind; darüber hinaus darf keine weitere Literatur Eingang in das Literaturverzeichnis finden. Das Literaturverzeichnis hat nur einen Platz: Es steht im Anschluss an den Text (einschließlich eines Anhangs) einer Arbeit.2 Getrennte Literaturverzeichnisse (nicht Literaturübersichten oder -empfehlungen), die am Ende eines Kapitels 1 A.  M. Rost,  F., Arbeitstechniken, 1997, S. 215: „Das ist übertrieben, denn vom Literaturverzeichnis allein ist die wissenschaftliche Leistung nicht abhängig.“ 2 A. M. noch Gerhards, G., Seminararbeit, 1991, S. 18: „Die Platzierung …, wie dies THEISEN … empfiehlt, ist geradezu logisch unverständlich und ist kategorisch abzulehnen.“ Vollständig und fehlerfrei VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 219 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 219 versteckt werden, sind eine Zumutung: Der Leser zahlt den Buchpreis nicht für das Suchen, sondern für den Inhalt.1 Das Literaturverzeichnis kann – je nach Umfang der Quellenmaterialien – inhaltlich um die verarbeiteten und zitierten Quellen erweitert werden; es ist dann als „Literatur- und Quellenverzeichnis“ zu bezeichnen. In (umfangreicheren) Masterarbeiten sowie Dissertationen empfiehlt sich aber in diesen Fällen ein gesondertes Quellenverzeichnis. Literatur und Quellen, die nur für die Bearbeitung eines Themas herangezogen, aber in der eigenen Arbeit nicht berücksichtigt wurden, dürfen in keinem Fall in ein derartiges Literatur- und Quellenverzeichnis (= Verzeichnis der zitierten Literatur und Quellen) aufgenommen werden.2 Die einzelnen Titelangaben im Literaturverzeichnis werden mit einfachem Zeilenabstand, der Text wird mit einem Einzug von ca. 1 cm ab der zweiten Zeile geschrieben. Zwischen den einzelnen Literaturangaben wird ebenfalls ein einfacher, zwischen den einzelnen Buchstaben des Alphabets ein eineinhalbfacher Zeilenabstand („Durchschuss“) freigelassen. Alle Angaben im Literaturverzeichnis schließen ohne Punkt ab. Jeder in einer Arbeit nachweislich berücksichtigte Titel ist mit allen bibliografischen Angaben in alphabetischer Reihenfolge in das Literaturverzeichnis aufzunehmen.3 Soweit ein Literaturverwaltungsprogramm verwendet wird, bedingt nur die sorgfältige und vollständige Titelaufnahme (automatisch) auch ein fehlerfreies und komplettes Literaturverzeichnis. Eine Differenzierung nach Literaturgattungen (z. B. Monografien, Sammelwerke, Aufsätze) ist mit der (hier verwendeten) Kurzbeleg-Zitiermethode technisch nicht vereinbar, denn damit würde sich die am Kurztitel orientierte Suche regelmäßig über alle Literaturkategorien im Literaturverzeichnis erstrecken müssen.4 1 Die gleiche Kritik gilt für die Unsitte, Fußnoten auf ähnliche Weise zu beerdigen; F.  Kerschner (Arbeitstechnik, 2006, S. 240) weist zu Recht darauf hin, dass Fußnoten keine „End- oder Zwischennoten“ sind. 2 Schwer nachvollziehbar erscheint der diesbezüglich (falsche und irreführende) Ratschlag von Fragnière, J.-P., Diplomarbeit, 2003, S. 108: „Nehmen Sie nur … auf, was Sie gelesen oder benutzt, mindestens aber durchgeblättert haben.“ 3 Vgl. Kapitel 6.2.1, S. 122–132. 4 Ebenso Rossig, W. E./Prätsch, J., Arbeiten, 2010, S. 120. Nur zitierte Literatur erfassen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 220 8 Ergebnisgestaltung220 Einige (unterschiedliche) technische Details für die Anlage eines Literaturverzeichnisses sollen nachfolgend, nach der Art der verarbeiteten Literatur differenziert, erklärt werden. In den dazu ausgewählten Beispielen wird zudem nochmals auf die Besonderheiten der zu wählenden Zitiertechnik eingegangen.1 8.5.1.1 Bücher Jeder selbstständige Titel ist mit allen bibliografischen Daten zu erfassen: Chicago Style: Name, Vorname(n) (Kurztitel, Jahr): Titel, Auflage, Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr Harvard Style: Name, Vorname(n) (Jahr): Titel, Auflage, Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr bzw. bei bis zu drei Autoren:1 Name, Vorname(n)/Name, Vorname(n)/Name, Vorname(n) (Jahr) bzw. (Kurztitel, Jahr): . .  Beispiele: Monographien Meyer, Anton (Dienstleistungs-Marketing, 1998): Dienstleistungs-Marketing, 8. Aufl., München: FGM Verlag, 1998 Müller-Stewens, Günter (Suchfeldanalysen, 1990): Strategische Suchfeldanalysen, 2. Aufl., Wiesbaden: Gabler, 1990 (1. Aufl. unter G. Müller) bzw. Picot, Arnold/Dietl, Helmut/Franck, Egon (2008): Organisation, 5., akt. und überarb. Aufl., Stuttgart: Schäffer- Poeschel, 2008 Mehr als drei Autoren werden – ebenso wie mehr als drei Verlagsnamen oder -orte – nicht aufgeführt. Nach den bibliothekarischen Regeln werden solche Schriften unter dem Sachtitel in den Katalog aufgenommen; der erste Verfassername folgt dabei, mit dem Zusatz „u. a.“, nach einem Schrägstrich dem Sachtitel. Wie bereits für die Verfasserda- 1 Vgl. Kapitel 7.3.1, S. 161–166 sowie S. 227. Zwingende Angaben VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 221 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 221 tei empfohlen, sollten diese Titel in einem alphabetischen Literaturverzeichnis mit dem Namen des ersten Autors sowie dem Zusatz „u. a.“ oder „et al.“ (lat.: et alii = und andere) aufgeführt werden. Mehrere Titel eines Verfassers werden chronologisch – mit dem ältesten Titel beginnend – nacheinander aufgeführt; an Stelle des wiederholten Verfassernamens kann nach der erstmaligen Nennung ein linksbündiger kurzer waagrechter Strich mit anschließendem Doppelpunkt vor die Titelangabe gesetzt werden. Diese Vereinfachung kann bei digital erstellten Verzeichnissen erst nach der alphabetischen Sortierung vorgenommen werden; die mehrfache Namensnennung ist daher zunächst zwingend erforderlich. Angaben wie „ders.“ bzw. „dies.“ (= derselbe bzw. dieselben) sind wenig informativ und verhindern optisch die Zuordnung eines Titels zu dem gesuchten Verfassernamen. Wechselt innerhalb einer Auflistung mehrerer Titel desselben Verfassers die Seite (Seitenumbruch), muss der Verfassername beim ersten Titel auf einer (neuen) Seite nochmals vollständig angegeben werden (s. nachstehendes Beispiel mit Seitenumbruch). Beispiel: Mehrere Titel eines Verfassers Harvard Style: Säcker, Franz Jürgen (1977): Anpassung von Satzungen und Geschäftsordnungen an das Mitbestimmungsgesetz 1976, Düsseldorf: Handelsblatt, 1977 – (1979): Informationsrechte der Betriebs- und Aufsichtsratsmitglieder und Geheimnissphäre des Unternehmens, Heidelberg : Recht und Wirtschaft, 1979 – /Joost, Detlev (1980): Betriebszugehörigkeit als Rechtsproblem im Betriebsverfassungs- und Mitbestimmungsrecht, Königstein: Hanstein, 1980 Hier Seitenumbruch, neue Seite: Säcker, Franz Jürgen/Theisen, Manuel R. (1980): Die statutarische Regelung der inneren Ordnung des Aufsichtsrats in der mitbestimmten GmbH nach dem MitbestG 1976, in: AG 25 (1980), S. 29–45 – /Zander, Ernst (Hrsg.) (1981): Mitbestimmung und Effizienz, Stuttgart: Schäffer, 1981 VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 222 8 Ergebnisgestaltung222 Mehrere Titel eines Verfassers, die im selben Jahr veröffentlicht worden sind, können entweder ebenfalls in chronologischer Abfolge (bei Zeitschriftenaufsätzen nach der Seiten- bzw. Heftzählung abschätzbar) oder der alphabetischen Reihenfolge des Sachtitels folgend eingeordnet werden. Arbeiten eines Autors mit mehreren Koautoren erscheinen im Literaturverzeichnis erst nach den Titeln, die er alleine verfasst hat. Unter Berücksichtigung der chronologischen Abfolge innerhalb der Gruppierungen sind dabei erst die Werke, die zusammen mit einem, dann die, welche mit zwei bzw. mehreren Autoren verfasst wurden, anzuzeigen. Bestehen Koautorenschaften mit verschiedenen Personen, so ist innerhalb der Reihe der Koautoren wiederum alphabetisch vorzugehen. Wechselt z. B. nur der dritte (Ko-)Autor, so gilt für diesen auch die alphabetische Reihung. Soweit ein Buch – wie der Titel Säcker/Zander in dem vorstehenden Beispiel – unter dem (den) Herausgeber(n) erscheint, tritt (treten) dieser (diese) mit dem Zusatz „(Hrsg.)“ an die Stelle der Autorenangabe. Soweit aber Autor und Herausgeber für einen Titel – nicht aber eine Instituts- oder Schriftenreihe – angegeben werden, müssen die bibliografischen Daten beider Personen in die jeweilige Literaturangabe aufgenommen werden (Beispiel unten Scheffler und Schneider): Name, Vorname(n) (Jahr): Titel, hrsg. von Vorname(n) Name, Bandtitel, Aufl., Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr Bei mehreren Autoren und/oder Herausgebern gelten die angeführten Regeln für den Mehrautorenfall entsprechend. Soweit an die Stelle natürlicher Personen Körperschaften, Institutionen, Behörden oder Unternehmungen treten, sind diese, entsprechend der bibliografischen Aufnahme in der Verfasserdatei, alphabetisch im Literaturverzeichnis anzuführen. Schriften ohne Verfasserangabe erscheinen im Alphabet unter „o. V.“ (= ohne Verfasserangabe); mehrere Titel ohne Verfasserangabe sind chronologisch in aufsteigender Reihenfolge – beginnend mit dem ältesten Titel – aufzulisten. Autor und Herausgeber zitieren VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 223 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 223 Beispiele Harvard Style: o. V. (1906?): Mit dem Literaturverzeichnis auf Du und Du, Regensburg: Selbstverlag, o. J. [1906?] Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Hrsg.) (2000): Wirtschaftspolitik unter Reformdruck, Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2000 Scheffler, Eberhard (1998): Finanzielles Konzernmanagement: Ansätze und Empfehlungen aus betriebswirtschaftlicher Sicht, in: Manuel R. Theisen (Hrsg.), Der Konzern im Umbruch, Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 1998, S. 233–247 Siemens AG (Hrsg.) (2000/2001/2002): Geschäftsbericht 1999/00, 2000/01, 2001/02, München [Druckort]: Selbstverlag, 2000, 2001, 2002 [?] Stiftung „Gesellschaft und Unternehmen“ (Hrsg.) (o.  J.): Standort und Auftrag, Frankfurt [Druckort]: o. Verlag, o. J. Bei Übersetzungen ist der Originaltitel als Ergänzung, der Übersetzer als zusätzliche bibliografische Angabe anzuführen: Name, Vorname(n) (Jahr): Titel (Originaltitel, übersetzte Sprache), übers. von Vorname(n) Name, Bandtitel, Aufl., Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr Hochschulschriften (Dissertationen, Habilitationen) sollten, auch wenn sie als selbstständige Veröffentlichung eines Verlages erscheinen, einen entsprechenden Hinweis in Klammern führen (z. B. „zugl. Diss. rer. pol. LMU München 1998“). Bei unveröffentlichten oder nur vervielfältigten Arbeiten tritt an die Stelle der Verlagsangabe der Hochschulort mit dem Zusatz „unveröffentlicht“ oder „vervielf.“ und dem Jahr der Ausstellung der Urkunde, das nicht mit dem Prüfungsjahr identisch sein muss (z. B. „Habil.-Schr. Univ. Saarbrücken 2005 [vervielf.]“). VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 224 8 Ergebnisgestaltung224 Beispiele: Übersetzungen und Hochschulschriften Chicago Style: Stigler, George J. (Théorie, 1980): La Théorie des prix (The Theory of Price, franz.), übers. von Mireille Rose, Paris: Dunod, 1980 Stöckli Lachner, Yvette (Desktop-Publishing, 1991): Wissensbasiertes Desktop-Publishing, Bern/Stuttgart: Haupt, 1991 (zugl. Diss. rer. pol. Univ. Bern 1990) 8.5.1.2 Sammelwerke und Festschriften Handwörterbücher, juristische Kommentare und Festschriften werden – entsprechend den Angaben zu Abschnitt 8.5.1.1 – mit allen bibliografischen Daten unter dem Herausgeber bzw. den Autoren im Literaturverzeichnis erfasst. Werden aus Sammelwerken einzelne Aufsätze, Beiträge oder Anmerkungen verarbeitet, muss – wie bereits bei der Anlage der Verfasserdatei erwähnt – zusätzlich zu der Angabe des gesamten Werkes (unter dem Namen des erstgenannten Verfassers oder Herausgebers) auch unter dem Namen des in der Arbeit konkret zitierten Bearbeiters oder Verfassers – der aber auch einer der Herausgeber sein kann – ein zweiter Literaturnachweis vorgenommen werden; dieser sollte immer zeitgleich aufgenommen werden, damit diese (notwendige) Doppelung nicht vergessen wird: Name, Vorname(n) (des Bearbeiters) (Jahr): Titel des Beitrags, in: Vorname(n) Name (des/der Autor(en) oder der Herausgeber mit „Hrsg.“) (Jahr), Stichwort (des Hrsg.-Werkes), Jahr, erste und letzte Seite (Spalte) bzw. §§-Angabe und/ oder erster und letzter Anmerkungs- oder Randziffer Beispiel: Sammelwerke und Festschriften Chicago Style: Schneider, Uwe H. (Grundsätze, 1998): Grundsätze – oder Grundregeln ordnungsmäßiger Konzernfinanzierung?, in: Manuel R. Theisen (Hrsg.), Konzern im Umbruch, 1998, S. 259–274 und Theisen, Manuel R. (Hrsg.) (Konzern, 1998): Der Konzern im Umbruch, Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 1998 VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 225 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 225 In allen Fällen, in denen aus einem Sammelwerk mindestens ein Beitrag zitiert wird, müssen also in das Literaturverzeichnis zwei Nachweise aufgenommen werden: Der konkret zitierte Beitrag mit einem Hinweis auf das gesamte Werk – wie im vorstehenden Beispiel – und das Sammelwerk unter dem (oder den) Herausgeber(n) jeweils mit den vollständigen bibliografischen Angaben. Eine Variante dazu kann sowohl bei Wahl des Chicago-Style- als auch des Harvard-Style-Verfahrens insoweit verwendet werden, als für den ersten Nachweis, also den konkreten Beitrag in einem Sammel- oder Herausgeberwerk, nur der verkürzte Nachweis (Theisen (1998) bzw. (Theisen, Konzern, 1998) verwendet wird. Damit findet die gewählte Belegmethode auch (noch) im Literaturverzeichnis konsequent Berücksichtigung; der Erstellung ist allerdings technisch erschwert. 8.5.1.3 Loseblatt-Sammlungen Gesetzestexte und juristische Kommentare erscheinen häufig als Loseblatt-Sammlung; aktuelle Änderungen und Ergänzungen werden fortlaufend vorgenommen, so dass das Gesamtwerk nicht bei jeder Fortschreibung neu erworben werden muss. Derartige Loseblatt-Sammlungen werden als Gesamtwerk wie Sammelbände im Literaturverzeichnis erfasst. Zusätzlich muss jedoch das Datum der letzten Nachlieferung und die Nummer der benutzten (und zitierten) Sammlung (z. B. Stand: 01.09.2012, 35. Lfg. zur 4. Aufl.) angegeben werden; nur so kann nachvollzogen (und nachgeprüft) werden, welche Fassung der Loseblatt-Sammlung dem Verfasser vorlag. Beispiel: Loseblattsammlungen Chicago Style: Wohlgemuth, Michael (Bearb.) (Anschaffungskosten, 1984/ 2011): Die Anschaffungskosten in der Handels- und Steuerbilanz, 3., überarb. Aufl., in: Klaus von Wysocki u. a. (Hrsg.), Handbuch des Jahresabschlusses, Stand: Oktober 2003 (25. Lfg.), Köln: O. Schmidt, 1984/2011, Abt. 1/9 und Wysocki, Klaus von u. a. (Hrsg.) (Handbuch, 1984/2011): Handbuch des Jahresabschlusses, 4 Ordner, Stand: April 2011 (51. Lfg.), Köln: O. Schmidt, 1984/2011 Zitierweise berücksichtigen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 226 8 Ergebnisgestaltung226 Ein zusätzliches Problem ergibt sich bei der Berücksichtigung eines zitierten Beitrags unter dem Namen eines Bearbeiters im Literaturverzeichnis: Abweichend von der Angabe des Gesamtwerks muss dabei zwingend eine Datumsangabe für den zitierten Beitrag angegeben werden. Die Bearbeitung von Loseblatt-Sammlungen erfolgt kontinuierlich, so dass oft mehrere Jahre zwischen dem aktuellsten und dem ältesten Beitrag liegen. Ohne die Angabe des „Erkenntnisstandes“ des zitierten Autors ist eine Einordnung und Beurteilung der Ausführungen nicht möglich.1 Das nachfolgende Beispiel macht (zusätzlich nochmals) deutlich, dass es bei Sammel- und Herausgeberwerken z. T. zur Verdoppelung der Titelangaben kommt. 8.5.1.4 Zeitschriftenaufsätze Zeitschriftenaufsätze werden wie Beiträge in Sammelbänden zitiert, an die Stelle des Herausgebers und des Buchtitels tritt – meist in abgekürzter Form – der Titel der Zeitschrift sowie die Angabe der ersten und letzten Seite des Aufsatz es. Die Angabe von Verlagsort und Verlag entfällt, zusätzlich muss – nur wenn die Seiten eines Jahrgangs nicht durchgezählt werden – die Heft-Nummer, das Erscheinungsdatum und gegebenenfalls auch die Art der Ausgabe (Nachtausgabe, Ausgabe M u. a.) angeführt werden, um eine eindeutige bibliografische Angabe sicherzustellen. Werden Beilagen oder Sonderveröffentlichungen aus Zeitschriften zitiert, ist darauf zu achten, dass diese identifiziert werden können; häufig fehlen hier Seitenangaben, gelegentlich wird die Nummer der (Haupt-)Ausgabe nicht benannt. Hat eine bestimmte Ausgabe einer Zeitschrift – z. B. als Sonderheft – ein Generalthema, so wird dies nach dem Namen der Zeitschrift eingefügt: Name, Vorname(n) (Jahr): Titel des Aufsatzes, in: Name der Zeitschrift (abgekürzt), Jahrgang (Jahr), erste und letzte Seite 1 Zutreffend Geck, W. K., Kommentatoren, 1987, S. 870: „Der Leser kann … billigerweise Auskunft darüber erwarten, auf welchem Stand die zitierte Kommentierung ist“; a. M. Bergmann,  M./Schröder,  C./ Sturm,  M., Zitieren, 2010, S. 58, die den „Gesamtstand“ für ausreichend halten. Stand der Bearbeitung VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 227 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 227 Für den Fall mehrerer Autoren bzw. fehlender Verfasserangaben ist so zu verfahren, wie unter a. dargelegt. Buchbesprechungen tragen folgende zusätzliche Angaben: Name, Vorname(n) (Rezensent oder Rez.) (Jahr): „Vorname Name, Titel des besprochenen Buches (Erscheinungsort: Verlag, Jahr)“, in: Name der Zeitschrift (abgekürzt), Jahrgang (Jahr), erste und letzte Seite Beispiele: Zeitschriftenaufsätze Harvard Style: Theisen, Manuel R. (2004): Zwölf Hürden für eine „gute Unternehmensüberwachung“, in: BFuP 56 (2004), S. 480–492 – (2008):, Tu felix austria – Glückliches Österreich?, in: Der Aufsichtsrat 5 (2008), S. 17 – /Raßhofer, Martin (2007): Wie gut ist gute Corporate Governance, in: DB 60 (2007), S. 1317–1321 bzw. als Rezensent: Theisen,  Manuel  R. (Rez.) (1995): „Friedrich Hoffmann (Hrsg.), Konzernhandbuch (Wiesbaden  : Gabler, 1993)“, in: ZfbF 47 (1995), S. 958–960 Bei allen Angaben im Literaturverzeichnis sind – wie in den Fußnotentexten – entsprechende Klammerzusätze für notwendige Ergänzungen (Interpolationen) zu verwenden: Kennzeichnung: Text Ergänzungen (…) = Ergänzungen aus dem Buch selbst […] = Ergänzungen aus anderen Quellen < … > = Teile, die im Titel selbst in runden Klammern stehen Im Literaturverzeichnis müssen in diesem Fall alle Angaben zur bibliografischen Erfassung eines Titels aufgenommen werden, vergleichbar wie bei dem ersten Nachweis eines Titels nach der Vollbeleg-Methode.1 Um eine schnellere Zuordnung eines zitierten Titels zur dazugehörigen Angabe im Literaturverzeichnis zu erreichen, wird vorgeschlagen, der Namensangabe unmittelbar folgend in (runden) Kammern das Erscheinungsjahr hinzufügen. 1 Vgl. Kapitel 7.3.1.1, S. 161 f. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 228 8 Ergebnisgestaltung228 Soweit, wie in meiner Anleitung nur in diesem Kapitel  8, nach dem Chicago Style unter Berücksichtigung eines erweiterten Kurzbelegs zitiert wird, ist die am meisten verwendete Variante das Stichwort vorab (zusammen mit dem Erscheinungsjahr) unmittelbar nach dem/den Autorennamen in (runde) Klammern zu setzen; die drucktechnisch einfachste Alternative ist es, im Literaturverzeichnis bei der Titelangabe das konkret verwendete Stichwort fett zu drucken. Die in beiden Zitiervorschlägen wiederholte Angabe des Erscheinungsjahrs dient allein der erleichterten Suche nach einem zitierten Titel im Literaturverzeichnis und sollte daher nicht weggelassen werden: Name, Vorname(n) (Stichwort, Jahr): Titel, Band, Aufl., Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr oder Name, Vorname(n) (Jahr): Titel (dabei steht das ausgewählte Stichwort in Fettdruck), Band, Aufl., Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr Beispiele: Stichwort des Kurzbelegs Chicago Style: Werder, Axel von (Hrsg.) (Grundsätze, 1996): Grundsätze ordnungsmäßiger Unternehmensführung (GoF), Überwachung (GoÜ) und Abschlußprüfung (GoA), ZfbF-Sonderheft 36, Düsseldorf/Frankfurt: Handelsblatt, 1996 oder: Wöhe, Günter (1997): Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Bd. II/2, 4. Aufl., München: Vahlen, 1997 8.5.2 Elektronische Informationen Sämtliche Dokumente, die aus dem elektronischen Netz stammen, müssen, soweit sie in der eigenen Arbeit direkt oder indirekt verwendet werden, wie jedes andere Sekundärmaterial ordnungsgemäß zitiert und belegt werden. Alle aus dem Internet gewonnenen und verwendeten Informationen sind einheitlich zu erfassen und nachzuweisen. Der extremen Flüchtigkeit der virtuellen Materie ist es zu danken, dass regelmäßig weitere Differenzierungen und Anga- VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 229 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 229 ben hinsichtlich des Zustandes eines Internet-Dokuments gemacht werden müssen. Sämtliche Texte im Internet verfügen über eine einheitliche, logisch aufgebaute Adresse, den Uniform Resource Locator (URL), des jeweiligen Internet-Users, über den sie auch angesteuert werden können.1 Der Grundaufbau dieser Adressen lautet: protokoll://serveradresse/dokumentenpfad/dokument Diesem Grundmuster entsprechend kann jedes Internet- Dokument eindeutig identifiziert werden. Die Serveradresse wird als Domain bezeichnet, der nach einem Punkt folgende Hinweis ist die Top Level-Domain (z. B. als Ländercode wie „.de“, „.eu“ oder als Organisationscode „.com“, „.edu“);2 alle Unterdokumente lassen sich über diese Domain auf die gemeinsame Basis des jeweiligen Anbieters oder Betreibers zurückführen. Ein URL beginnt mit „http“, wenn das hierzu erforderliche Hypertext Transfer Protocol (HTTP = Übertragungsprotokoll des WWW-Dienstes) eingesetzt wird. Werden verschiedene Texte und Quellen so kombiniert, dass ihre Aktivierung zu weiteren (hinterlegten) Informationen führt, spricht man von Hypertexten, bei zusätzlichen multimedialen Dokumenten wie Bildern, Ton- oder Video-Aufzeichnungen von Hypermedia. Für das Erstellen spezieller WWW-Dokumente wurde die Seitenbeschreibungssprache Hypertext Markup Language (HTML) entwickelt. 1 Mit dem URL wird bis zur Zeichenfolge „://“ die Art des Datenzugriffs bestimmt, es folgt bis zum nächsten Schrägstrich die Rechneradresse, dann die Verzeichnisstruktur und schließlich die konkrete Zieldatei. 2 Eine Übersicht aller Top-Level-Domains: http://www.icann.org/; bei der deutschen Vergabestelle der Domains DENIC, Karlsruhe, http:// www.nic.de, kann in Erfahrung gebracht werden, wer sich hinter einer bestimmten Domain verbirgt. Exakter URL VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 230 8 Ergebnisgestaltung230 Beispiel: Uniform Resource Locator (URL) http://www.bwl.uni-muenchen.de/personen/beurlprof/ theisen/index.html Das bedeutet: Über das Protokoll „http“ wird der WWW- Dienst angesteuert. Der angesteuerte Server wird von der Ludwig-Maximilians-Universität München betrieben; die Top Level-Domain „.de“ steht für Deutschland. Die weiteren Angaben zeigen den Dokumentenpfad an, der über die Homepage der BWL-Fakultät zu dem untergeordneten Dokument „Personen“ und weiter zu dem Index meiner Homepage führt; die verwendete Sprache wird mit „html“ angegeben. Grundsätzlich ist alles aus dem Internet verarbeitete Material entsprechend der, jeweils dabei zugrunde liegenden, oben erläuterten Literaturgattung (Bücher, Aufsätze, Urteile, Interviews u. a.) zu zitieren.1 Insoweit ist das Internet nur eine Variante der Vermittlung wissenschaftlicher Texte, der mit der Nennung des URL sowie der Datierung der Angabe Rechnung getragen wird. Soweit es alternative zu einem Internetdokument aber auch eine gedruckte Fassung des zitierten Dokuments gibt, sollten solche Texte nach dieser und nur im Ausnahmefall in der Netzversion zitiert und bibliografiert werden; wer ganz sicher gehen möchte, dass der zitierte Text vom Korrektor oder Leser auch in jedem Fall gefunden wird, kann auch beide Zitatstellen angeben. Mit den erforderlichen Nachweisen ist das Sekundärmaterial oder die zitierte Internet-Quelle in das Literatur- bzw. das Quellenverzeichnis aufzunehmen.2 Chicago Style: Name, Vorname(n) (Stichwort, Jahr): Buchtitel, Auflage, Erscheinungsort(e): Verlag(e), Erscheinungsjahr, protokoll://serveradresse/dokumentenpfad/dokument (Version Nummer, Zugriffsdatum) bzw. 1 Informationen zum „Zitat im Internet“ http://www.mediensprache. net/de/publishing/pubs/1/ 2 Zur Zitierung aus dem Internet vgl. Burchardt, M., Studieren, 2006, S. 156–160; Alberth, M. R., Gedanken, 1998; Rossig, W. E./Prätsch, J., Arbeiten 2010, S. 11–31, 135–139. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 231 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 231 Harvard Style: Name, Vorname(n) (Jahr): Aufsatztitel, in: Name der Zeitschrift (abgekürzt), Jahrgang (Jahr), erste und letzte Seite, protokoll://serveradresse/dokumentenpfad/dokument (Version Nummer, Zugriffsdatum) Dokumente, die ausschließlich im Internet gespeichert sind, müssen mit diesen speziellen zusätzlichen Nachweisen erfasst und bibliografiert werden. Ohne exakte Angabe des vollständigen URL können solche Exklusiv-Dokumente nicht ermittelt werden. Online veröffentlichte wissenschaftliche Aufsätze werden mit einer DOI-Nummer (Digital Object Identifier) gekennzeichnet. Von besonderer Bedeutung können die Datumsangabe der Netzversion eines Textes sowie das – regelmäßig davon abweichende – Zugriffsdatum des Benutzers sein; die Zugriffszeit und Zeitzone (MEZ, GMT)1 ist erforderlich, wenn zeitsensible Angaben wie Börsendaten zitiert werden: Chicago Style: Name, Vorname(n) (Stichwort, Jahr): Titel des Beitrags, Erscheinungsdatum der Publikation, Version-Nummer oder Datum, protokoll://serveradresse/dokumentenpfad/dokument (Zugriffsdatum und -zeit, Zeitzone) bzw. http:// dx.doi.org/DOI-Nummer bzw. Harvard Style: Name, Vorname(n) (Jahr): Titel des Beitrags, Erscheinungsdatum der Publikation, Version-Nummer oder Datum, protokoll://serveradresse/dokumentenpfad/dokument (Zugriffsdatum und -zeit, Zeitzone) bzw. http://dx.doi. org/DOI-Nummer 1 Zutreffend Alberth, M. R., Gedanken, 1998, S. 1371 f. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 232 8 Ergebnisgestaltung232 Beispiele: Internet Quellen Chicago Style: SAP AG (Hrsg.) (NetWeaver, 2011): SAP NetWeaver 7.0 Library including Enhancement Package 2 knowledge center (2011-03); http://help.sap.com/content/documentation/ netweaver/index.htm (Zugriff 2011-04-22) bzw. Harvard Style: Zimmermann, Bernd (2011): Internet + WWW-Kurs (2011- 02-15), http://www. www-kurs.de/download.htm (Zugriff 2011-04-21, 17:30 MEZ, lizenzpflichtig) Soweit persönliche wie institutionelle Verfasserangaben fehlen, tritt an deren Stelle jeweils die Titelzeile der Hypertextseite.1 Die in Internetdokumenten häufig fehlenden Seitenangaben erschweren einen exakten Nachweis der Zitatstelle in den Fußnoten sowie bei einzelnen Beiträgen aus einem Gesamtdokument.2 Zur besseren Orientierung – insbesondere in umfangreicheren, nicht paginierten Dokumenten – können die Ordnungsziffern der Gliederung für das (zitierte) Kapitel oder den entsprechenden Abschnitt angegeben werden. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass die Zitatstelle eindeutig identifiziert werden kann. Titelzeile der Hypertextseite, Beitragstitel, Erscheinungsdatum der Publikation, (Version-Nummer oder Datum), protokoll://serveradresse/dokumentenpfad/dokument (Erscheinungsdatum der Publikation), Abschnitt (oder Kapitel), (Zugriffsdatum) Eine dauerhafte Archivierung des verwendeten Internet- Materials ist nicht sichergestellt. Grundsätzlich sollten daher, soweit nur wenige Internet-Dokumente zitiert werden, diese als Ausdruck in den Anhang der Arbeit aufgenommen werden; umfangreicheres Material wird in gesonderten Dokumentationen (Elektronische Dateien auf CD-ROM/DVD oder als Ausdruck in einem gesonderten Aktenordner) gespeichert und bereitgehalten.3 1 Soweit nur die Initialen oder ein Autorenkürzel verwendet werden, sind diese auszuweisen. 2 Vgl. Krämer, W., Examensarbeit, 2009, S. 160 f. 3 Zustimmend Burchardt, M., Studieren, 2006, S. 160: „Nicht zu Unrecht“; ähnlich Rossig W. E./Prätsch, J., Arbeiten, 2010, S. 135. Internetdoku mente sichern VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 233 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 233 Ein weiterer Dienst des Internet ist die elektronische Post (Electronic Mail = E-Mail). Diese Technik ist weltweit zu der dominierenden elektronischen Form des Informationsaustausches geworden, durch den Daten sowie Text-, Foto- und Tondokumente versendet werden; täglich werden derzeit 1,4 Milliarden solcher digitalen Briefe weltweit versendet. Durch Anfragen bei Experten oder Einzelrecherchen im Dialog kann Material entstehen bzw. generiert werden, das in der eigenen Arbeit verwendet wird. Eine Chance, entsprechende Diskussionen zu führen oder an einem elektronischem Forum (Chat) teilzunehmen, ermöglichen u. a. Mailing Lists, nicht öffentliche Foren, für die sich der Nutzer per E-Mail eintragen muss; das Senden und Empfangen dieser Beiträge erfolgt ausschließlich über den jeweiligen Dienst. Für die Kennung des E-Mail-Dienstes besteht ein einheitlicher Aufbau: benutzer@serveradresse. Jede Form einer solchen ein- oder wechselseitigen Information ist die digitale Variante eines Briefes, Telefongespräches oder Interviews; für sie gelten die spezifischen Zitierweisen im Text und Nachweise im Literatur- bzw. Quellenverzeichnis.1 In das World Wide Web (WWW) können auch eigene Dokumente und Texte eingespeist werden. Diese Form der Information im Internet findet heute dominant zur Verbreitung neuer Erkenntnisse und Forschungsergebnisse, z. B. zum weltweiten wissenschaftlichen Austausch und zur Diskussion, Anwendung. Die Funktionstrennung zwischen Autor und Verleger wird aufgehoben. Soweit aber nur Vorversionen eines Beitrages – z. B. zur Diskussion – „ins Netz“ gestellt werden, entsprechen solche Texte ihrer Gattung nach der „Grauen Literatur“, die entsprechend zu zitieren und in das Literaturverzeichnis aufzunehmen ist.2 Bei allen Internet-Kennungen, die über eine Druckzeile hinausreichen und daher getrennt werden müssen, ist zu beachten, dass ohne ein Leerzeichen oder einen Freiraum (blank bzw. Spatium) die Zeile gewechselt wird; der übliche Trennungsstrich entfällt ebenso wie der Abschlusspunkt, um die Eindeutigkeit des URL bzw. der E-Mail-Adressen sicherzustellen.3 Die Voraussetzung einer buchstaben-, punkt- und 1 Vgl. Kapitel 7.3, S. 159 f. 2 Vgl. Kapitel 6.2.1, S. 131. 3 Ebenso Rossig, W. E./Prätsch, J., Arbeiten, 2010, S. 136 f. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 234 8 Ergebnisgestaltung234 zeichengetreuen, exakten Erfassung der Kennungen für die Nutzung des Internets erfordert ein aufmerksames Dokumentieren und wiederholtes Überprüfen dieser Angaben. 8.5.3 Rechtsprechung In wissenschaftlichen Arbeiten kann es erforderlich sein, die Rechtsprechung der nationalen und/oder internationalen Gerichte zu berücksichtigen und zu zitieren. Für dieses Material gilt erneut der Hinweis, jede Fundstelle genauestens zu überprüfen. Nach meiner Erfahrung ist die Vollständigkeit und Richtigkeit eines Rechtsprechungsnachweises in der gesamten wissenschaftlichen Literatur eher ein Glücksfall. Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist die Suche und Lektüre einzelner Urteile auch im elektronischen Informationszeitalter manchmal mühsam und zeitraubend, die Originaltexte stehen nicht immer in dem erforderlichen Umfang (Volltext) zur Verfügung. Zum anderen aber sind bei kaum einem anderen Sekundärmaterial die Bearbeiter – häufig mit juristischer Argumentations- und Denkweise wenig vertraut – verleitet, aus einem Urteil etwas heraus- bzw. in ein solches etwas hineinzulesen, was dort weder explizit noch sinngemäß niedergelegt bzw. ausgesprochen worden ist. Vererbt sich dann ein solches Zitat als „Gebrauchtzitat“ über die nächsten Generationen wissenschaftlicher Arbeiten, so kann im Extremfall bald nicht einmal mehr der „Geist des Gerichtes“ erahnt werden; das so erlangte Ergebnis ist dem der „Stillen Post“ manchmal nicht unähnlich. Urteile können nicht abgekürzt zitiert, sondern müssen in jeder Fußnote immer vollständig mit ihrer (bzw. einer) Fundstelle angeführt werden; mit den gleichen Angaben werden sie in einem gesonderten Rechtsprechungsverzeichnis aufgelistet. Werden nur wenige Urteile zitiert, dann können sie chronologisch nach dem Datum der Entscheidung aufgeführt werden; bei Verwendung der Rechtsprechung verschiedener Gerichte kann nach den Funktionen, Standorten oder Instanzen der Gerichte differenziert werden. Urteile und Beschlüsse sind einheitlich zu erfassen: Gerichtsbezeichnung (ggf. abgekürzt), Urteil (bzw. Beschluss) vom „Datum“, Aktenzeichen, Fundstelle Urteilsangaben prüfen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 235 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 235 Beispiel: Rechtsprechung BVerfG, Beschl. v. 01.03.1979, 1 BvR 532/77, BVerfGE 50, 290– 381 = DB 32 (1979), S. 593–605 Als Fundstelle sollte grundsätzlich die jeweilige amtliche Sammlung und nur hilfsweise (bzw. ergänzend) eine Fachzeitschrift, in der das zitierte Urteil abgedruckt ist, verwendet werden; letztere muss aber immer dann zitiert werden, wenn ein Abdruck des Urteils oder der Entscheidung (noch) nicht in einer der amtlichen Sammlungen erfolgt ist. Sämtliche Abkürzungen müssen, soweit nicht allgemein verständlich, im Abkürzungsverzeichnis erklärt werden. Im Rechtsprechungsverzeichnis am Ende der Arbeit können – bei tabellarischer Darstellung in einer getrennten Spalte – zusätzlich die Zitatfundstellen im eigenen Text angegeben werden; eine gezielte Lektüre der zitierten Urteile im Textzusammenhang wird so vereinfacht.1 8.5.4 Quellen Alle in der eigenen Arbeit nachweislich berücksichtigten Quellen sind entweder in chronologischer oder – häufig schwieriger – alphabetischer Reihenfolge in ein Quellenverzeichnis aufzunehmen (Diskografie, Videografie u. a). Gesetzestexte sind mit allen bibliografischen Daten im Quellenverzeichnis zu erfassen;2 neben der vollen sowie (zusätzlich) abgekürzten Gesetzesbezeichnung ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung, der Fundort im jeweiligen Gesetzesblatt und das Datum der verwendeten Fassung anzuführen. Unzulässig ist die Zitierung eines Kommentars oder einer Gesetzessammlung, in der diese Texte (auch) zusammengestellt werden. Gesetzestexte und sonstige amtliche Ver- öffentlichungen müssen mit der Original-Belegstelle zitiert werden (Amtsblatt, Bundesgesetzblatt u. a.); ist die Verwendung anderer Publikationsformen nicht zu vermeiden, muss ein solches Sekundärzitat angezeigt werden (zit. nach: …). 1 Vgl. dazu das Rechtsprechungsverzeichnis auf Seite 297 sowie Möllers, T. M. J., Arbeitstechnik, 2010, S. 151 f. 2 Vgl. Kapitel 8.5.4, S. 235 f., sowie das Quellenverzeichnis meiner Anleitung (S. 299); a. M. Bergmann, M./Schröder, C./Sturm, M., Zitieren, 2010, S. 124. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 236 8 Ergebnisgestaltung236 Patente und Normen zählen – in unbearbeiteter Form – zu den Quellen. Sie werden im Text, als Vollbeleg mit allen, als Kurzbeleg mit verkürzten technischen Daten zitiert, und sind im Quellenverzeichnis aufzuführen; soweit keine Verfasserangaben – wie z. B. bei Normen des DIN – vorliegen, kann die Auflistung entweder nach (aufsteigenden) Nummern bzw. Datenangaben oder aber unter „o. V.“ erfolgen. Die Quellenangaben einzelner Darstellungen im Text sind nur in das Quellenverzeichnis aufzunehmen, soweit sie nicht ihrerseits aus zitiertem Sekundärmaterial übernommen werden; diese Fundstellen müssen im Literaturverzeichnis enthalten sein. Eigene Quellen des Verfassers (Briefe, Gesprächsprotokolle u. a.) werden nur in Ausnahmefällen in das Quellenverzeichnis aufgenommen. Mündliche Äußerungen (Interviews, Telefongespräche, Radiosendungen u. a.) sind, soweit sie schriftlich bzw. elektronisch aufgezeichnet oder/und protokolliert wurden, im Quellenverzeichnis zu erfassen. An die Stelle des Sachtitels tritt der Vortragstitel, -ort und -datum sowie gegebenenfalls ein erklärender Zusatz. Beispiele: Normen, Radiosendungen und andere Quellen Chicago Style: DIN 8589 (Spannen, 1985): Fertigungsverfahren Spanen: Einordnung, Unterteilung, Begriffe, Teil 12: Bandschleifen: Einordnung, Unterteilung, Begriffe, Ausgabe 1985-12 Theisen, Manuel R. (Trickser, 2011): Der falsche Dr.: Wie können sich Universitäten vor Tricksern und Täuschern schützen?, Hörfunk-Interview, SWR 2-Radio-Sendung Kontext vom 12.04.2011, 19.05–19.20 Uhr, Baden-Baden [Aufzeichnung, abrufbar unter: http://www.swr.de/swr2/ programm/sendungen/kontext/-/id=4352076/nid= 4352076/did=7729432/k26fqw/index.html] Harvard Style: Zentes, Joachim (1990): Marketing heute: Fluch oder Segen, Vortrag vom 20.  Februar 1990, Essen  : Marketing-Club [Manuskript, 22 S.] Zentralarchiv Köln (1700): Bergbausachen, Grossheim, Nr. 20, 1700–1750 Zünd, André (2002):Konzerne heute, Interview vom 03. März 2002 in Zürich [Manuskript, 55 S.] Spezialtexte Original quellen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 237 8.5 Verzeichnisse nach dem Text 237 Alle Quellen werden wie Literaturangaben mit einfachem Zeilenabstand und ab der zweiten Zeile mit einem Einzug von 1 cm geschrieben, zwischen zwei Angaben ist ein einfacher Zeilenabstand vorzusehen; gewerbliche Schutzzeichen und Copyright-Vermerke (®, © u. a.) müssen zitiert werden. 8.5.5 Werke Als Werkverzeichnisse werden, z. B. bei literaturwissenschaftlichen Arbeiten, gesonderte Auflistungen des Gesamtwerkes eines Schriftstellers bezeichnet. Diese Zusammenstellungen können sowohl eine eigenständige Leistung als auch nur ein – vom Literaturverzeichnis getrennter – Nachweis der von einem bestimmten Autor verarbeiteten Schriften sein. Vergleichbare Werkverzeichnisse werden gelegentlich auch zu historischen Themenstellungen erwartet. 8.5.6 Schlagworte, Namen und Orte Weitere Sachverzeichnisse (Register) sind regelmäßig nur in Arbeiten erforderlich, die veröffentlicht werden. Solche Verzeichnisse können, je nach Themenstellung, sein: •• Schlagwortverzeichnis •• Namensverzeichnis •• Ortsverzeichnis Eine Mischung dieser Einzelverzeichnisse kann als eine Art Kreuzkatalog1 hergestellt werden; so werden häufig z. B. Schlagwort- und Namensverzeichnisse zu einem gemeinsamen (General-)Register zusammengefasst. Hauptaufgabe eines Registers ist die Unterstützung des Lesers bei einer zielgerichteten Recherche zu einzelnen Fragestellungen. Aus diesem Grund sollte ein Register nicht nur den in Stichworte aufgelösten Inhalt einer Arbeit wiedergeben. Darüber hinaus ist es wichtig, synonyme Begriffe sowie alternative Bezeichnungen und Definitionen – auch gerade solche, die in der eigenen Arbeit nicht verwendet werden – als (zusätzliche) Schlagworte zu ermitteln: Nur so können Querverweise auf die entsprechenden Stichwörter und Fundstellen in der Arbeit ermittelt und damit ein Verharren des Registers in der Verfassersprache verhindert werden. 1 Vgl. Kapitel 4.2.5, S. 66. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 238 8 Ergebnisgestaltung238 Die meisten Textverarbeitungsprogramme bieten die mechanische Erstellung eines Registers nach angegebenen Stichwörtern an; einige Spezialprogramme sind darüber hinaus in der Lage, auch übergreifende oder synonyme Schlagwörter zu ermitteln. In jedem Fall ist die vorgeschlagene alphabetische Ordnung zu überprüfen, zudem, welche Unterschlagworte gegebenenfalls noch zusätzlich zu bilden bzw. umzugruppieren sind. In einem Namensregister können entweder alle Eigennamen, die im eigenen Text (mindestens einmal) erwähnt werden, oder aber (zusätzlich) auch alle in den Fußnoten zitierten Verfassernamen zusammengestellt werden: Ein solches (gemischtes) Register eine gute Möglichkeit, die Verarbeitung der im Literaturverzeichnis aufgeführten Titel auch unmittelbar personen- und nicht nur sachbezogen überprüfen zu können. Ein Register ist übersichtlicher, wenn es in zwei Spalten, mit einfachem Zeilenabstand und mit Einzügen, erstellt wird. In einer Vorbemerkung sollten die im Register gewählten Bezeichnungen und Angaben sowie dessen Aufbau und Struktur erklärt werden. Grundsätzlich sollten Seitenzahlen (ohne vorangestelltes „S.“) und keine Kapitel- oder Gliederungspunkte als Fundstellenhinweise verwendet werden. Durch Fettdruck oder Kursivschrift können besondere Schwerpunkte angedeutet, oder als zusätzliche Information – wie in meiner Anleitung – Beispiele und Texte unterschieden werden. Sind mehr als eine Seite des Textes für das jeweilige Stich- oder Schlagwort relevant, ist die Seitenangabe mit „f.“, bei mehr als zwei Seiten aber mit den genauen Seitenangaben zu kennzeichnen; mehrere Nachweise erfolgen im Register ausschließlich in nummerisch-aufsteigender Reihenfolge. 8.6 Nachtexte 8.6.1 Nachwort Für publizierte Arbeiten kann ein Nachwort angezeigt sein. In einer solchen, dem Text nachgestellten – meist kurzen – Bemerkung können Gedanken des Autors formuliert wer- Einfaches Register Zusätzliche Informationen

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).