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7.5 Darstellungen in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 178 - 184

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_178

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 187 7.5 Darstellungen 187 Klassikertipps „1. Fasse deinen Text so, daß er auch ohne die Anmerkungen gelesen werden kann. 2. Vergiß nicht, daß es auch Parenthesen im Texte gibt und Exkurse am Schlusse des Buchs, welche Anmerkungen ersetzen können. 3.  Sei sehr sparsam mit Anmerkungen und wisse, daß du deinem Leser Rechenschaft geben mußt für jede unnütze Anmerkung; er will in deinen Anmerkungen ein Schatzhaus sehen, aber keine Rumpelkammer. 4.  Halte dich nicht für zu vornehm, um Anmerkungen zu machen, und wisse, daß du niemals so berühmt bist, um dir Beweise ersparen zu können. 5.  Schreibe keine Anmerkungen, weil du in der Darstellung etwas vergessen hast; schreibe überhaupt die Anmerkungen nicht nachträglich. 6.  Schreibe nichts in die Anmerkung, was den Text in Frage stellt, und schreibe auch nichts hinein, was wichtiger ist als der Text. 7.  Betrachte die Anmerkungen nicht als Katakomben, in denen du deine Voruntersuchungen beisetzest, sondern entschließe dich zur Feuerbestattung. 8. Mache die Anmerkungen nicht ohne Not zum Kampfplatz; tust du es, so stelle deinen Gegner so günstig auf wie dich selbst. 9.  Versuche es, die Kunst zu lernen, durch Anmerkungen die lineare Form der Darstellung zu ergänzen, Akkorde anzuschlagen und Obertöne zu bringen; aber spiele kein Instrument, das du nicht verstehst, und spiele dieses Instrument nur, wenn es nötig ist. 10. Stelle die Anmerkungen stets dort hin, wohin sie gehören, also nicht an den Schluß des Buchs – es sei denn, daß du eine Rede drucken läßt – ….“ (Harnack, 1906, S. 161 f.). 7.5 Darstellungen 7.5.1 Bedeutung Eine Graphik oder Tabelle erklärt oft mehr als tausend Worte. Die Gefahr, ein „gehobenes Bilderbuch“ zu schaffen, ist gering: Die Notwendigkeit, das optisch aufbereitete Material auch – und zwar vorrangig – im Text erklären zu müssen, stellt sicher, dass der Verfasser nicht nur etwas darzustellen, VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 188 7 Manuskript188 sondern auch etwas zu sagen hat. Die ausschließliche Information über eine optische Darstellung oder Tabelle ohne jede Erklärung und Bezugnahme im Text ist nur in wissenschaftlichen Dokumentationen sowie Materialbänden bzw. Statistischen Jahrbüchern zulässig. Jede Darstellung muss für sich verständlich sein; die Endredaktion muss sicherstellen, dass auch nach mehrmaligem Überarbeiten die Aussagen im Text noch mit denen in den Darstellungen und Tabellen übereinstimmen. Expertentipp „Eine akademische Abschlussarbeit soll kein Lehrbuch sein, aber die ein oder andere optische Krücke schadet selten und wird von den Lesern oft dankbar angenommen“ (Krämer, 2009, S. 74 f.). Grundsätzlich gilt für jede Darstellung, dass sie – wegen des erforderlichen Zusammenhanges – im Text bei den entsprechenden Ausführungen einzubringen ist. Erklärende bzw. verdeutlichende Darstellungen sind immer ein unmittelbarer Textbestandteil, sie gehören deshalb auch nicht in eine Fußnote oder einen Anhang.1 Eine Ausnahme dazu bilden nur solche Darstellungen, die aus technischen Gründen (z. B. Überformate) in einem Anhang oder einer Anlage untergebracht werden müssen. Wurde eine zusammenfassende Darstellung (z. B. Tabelle) bereits in den Text eingebracht, kann weiteres Material dazu ebenfalls in einen Anhang aufgenommen werden. Soweit Darstellungen im Anhang zu finden sind, sollten sie so gestaltet sein, dass eine zum Text parallele Lektüre der dort enthaltenen Informationen möglich ist; Doppelseiten im Anhang können deshalb als Falttafeln eingebunden werden, sie sind dann nur rechtsseitig zu bedrucken. Im Text ist jeweils ein Fußnotennachweis anzubringen und in der dazugehörigen Fußnote auf den Anhang zu verweisen. Beispiel zum Verweis auf Darstellungen im Anhang 1 Zur Bauherrenstatistik s. Darstellung A2 in Anhang I, S. 67. 1 Zu Definition, Inhalt und Umfang eines Anhangs vgl. Kapitel 7.6.2, S. 194 f. Darstellungen gehören zum Text Ausnahme: Anhang VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 189 7.5 Darstellungen 189 Alle Darstellungen im Text sind – unabhängig davon, ob es sich um Tabellen, Schaubilder oder Diagramme handelt – laufend zu nummerieren und in ein Darstellungsverzeichnis aufzunehmen.1 Jede Darstellung muss eine Unterschrift und – soweit fremde oder eigene Quellen verwendet werden – einen Quellenvermerk haben: „Eigene Darstellung“ soweit sie vom Verfasser stammt (a. M. Balzert u. a., 2010, S. 113), oder Name des Graphikers. Alle Bestandteile und Symbole sowie der verwendete Maßstab (oder die Einheit) müssen unmittelbar bei der Darstellung erklärt werden; eine Ausnahme bilden Abkürzungen und Symbole, die im Abkürzungsbzw. Symbolverzeichnis erläutert werden. Anmerkungen in einer Darstellung müssen zeilenweise von links nach rechts und von oben nach unten mit unverwechselbaren Symbolen gekennzeichnet (*, + +, evtl. auch a, b, c) und ebenfalls unmittelbar unterhalb der Darstellung angebracht werden; damit wird eine Verwechslung sowohl mit den Text-Fußnoten als auch mit technischen Formeln (z. B. Potenzierung, Indexierung) vermieden. Im Text sollte immer die Nummer der zitierten Darstellung genannt werden; Formulierungen wie „in der folgenden Darstellung“ können bei Umstellungen des Textes zu Orientierungsschwierigkeiten führen. Checkliste: Überzeugende Grafiken •• „Gibt die Unterschrift Auskunft über die Fragen: was? wo? wann? Sind überflüssige Worte eliminiert? •• Sind alle Angaben und Zeichen gut zu unterscheiden bzw. durch die Erklärung am Ende der Darstellung vollständig zu identifizieren? •• Ist die Quellenangabe vorhanden und vollständig? •• Ist die Beschriftung auch bei einer notwendigen Verkleinerung gut lesbar? •• Sind die Maßstäbe bzw. Proportionen so gewählt, daß jede bewußt oder unbewußt verzerrende Wiedergabe ausgeschlossen ist? •• Sind nicht zu viele, überflüssige Details enthalten? •• Ist der dargestellte Sachverhalt nicht trivial? •• Erfüllt die Darstellung die Erfordernisse der Vollständigkeit, Genauigkeit und Anschaulichkeit (Riedwyl, 1987, S. 11)?“ 1 Vgl. Kapitel 8.3.2, S. 211 sowie oben S. 13. Nachweis Eigene Symbole VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 190 7 Manuskript190 7.5.2 Gestaltung Im Interesse einer eindrucksvollen, d. h. aussagestarken Darstellung sollten alternative Gestaltungsformen kritisch abgewogen werden (vgl. dazu auch Krämer, 2009, S. 73–97; Day, p. 64–78; Heister/Weßler-Poßberg, 2007, S. 101–116). Die wichtigsten Darstellungsformen sind Schaubilder, Diagramme, Ablaufpläne und Tabellen. Für jede einzelne Darstellungsform existieren wiederum zahlreiche Varianten: So kann beispielsweise ein Diagramm in der Form eines Stab-, Balken-, Kreis-, Karto-, Linien-, Flächen- oder Flussdiagramms gezeichnet werden (s. Darst. 14). Generelle Empfehlungen zu Art und Gestaltung jeweils geeigneter Darstellungen sind nicht möglich. Die aufzubereitenden Daten bzw. Statistiken schließen aber häufig die Verwendung einer Reihe von Darstellungsformen aus. Soll z. B. der zeitliche Verlauf einer Entwicklung oder eine gegenseitige Abhängigkeit erklärt werden, so ist tendenziell eine graphische Aufbereitung geboten. Ist Zahlenmaterial für den Leser unmittelbar zum Textverständnis erforderlich, oder soll dies zur entsprechenden Interpretation genutzt werden, empfiehlt sich die Datenaufbereitung in Form einer Tabelle; auf eine mehrfache, wenn auch unterschiedliche Darstellung desselben Sachverhaltes sollte verzichtet werden (Krämer, 2009, und Schnur, 2005, S. 36–44). Expertentipp •• Jede Grafik muss für sich alleine verständlich sein •• Alle Grafiken müssen einfach und übersichtlich gestaltet sein •• Keine Darstellung darf zu viele Details enthalten •• Grafiken sollten keine trivialen Sachverhalte vermitteln •• Darstellungen dürfen Information nicht verzerren (Riedwyl, 1979, S. 9 f.). Formen Bild erklärt den Text VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 191 7.5 Darstellungen 191 Darst. 14: Diagramm Formen Stab- bzw. Säulendiagramm Balkendiagramm Kreis- bzw. Tortenstückdiagramm Flächendiagramm Liniendiagramm Grafik: M. Theisen Zur Abfassung von (statistischen) Tabellen besteht eine DIN-Norm, deren wichtigste Ausführungen sich sinngemäß wie folgt zusammenfassen lassen (s. dazu auch Darst. 15). VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 192 7 Manuskript192 Darst. 15: Tabelle mit Beschriftung Tabellenkopf Sammeltext Tabellenkopf Sammeltext Vorspalte X ...... Y ...... X ... Z ... Y ... Z ... EUR % EUR % Zeile Hauptpunkt Unterpunkte Insgesamt Zwischenüberschrift 500000 Zwischenüberschrift 1000 23 100 160* *Mehrfachantworten Vorspalte Spalten Quelle: In Anlehnung an Scholz, 2006, S. 73 •• Im Tabellenkopf stehen – gegebenenfalls in mehrere Zeilen eingeteilt – knapp und eindeutig formuliert Gegenstand, Zeit und Einheit; eine übergeordnete Bezeichnung für mehrere Spalten wird entsprechend übergreifend über diese gesetzt. Gleichartige Spalten sollten gleich breit sein. Vergleichbare Tabellen erhalten in der gesamten Arbeit den gleichen Tabellenkopf, unmittelbar hintereinander folgende Tabellen dieser Art sollten – möglichst durch Zwischenüberschriften getrennt – in einer Tabelle zusammengefasst werden. Wird eine Tabelle auf der folgenden Seite fortgesetzt, müssen sowohl der Tabellenkopf als auch die Vorspaltenbeschriftung dort wiederholt werden. •• In der Vorspalte werden Untergliederungen durch Einzüge (nicht durch Spiegelstriche) angezeigt. Soweit Worte oder Bezeichnungen getrennt werden müssen, werden die Zahlenreihen jeweils in Höhe der letzten Zeile des Textes geschrieben. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 193 7.6 Text-Ergänzungen 193 •• Lücken im Zahlenteil einer Tabelle, insbesondere in den einzelnen Tabellenfeldern werden mit folgenden Symbolen ausgefüllt: - = nichts 0 = mehr als nichts, aber weniger als die Hälfte der kleinsten benutzten Maßeinheit . = Angaben aus sachlichen Gründen nicht möglich/ unbekannt … = Angaben sind noch nicht verfügbar / = Angaben nicht sicher genug •• Tabellen müssen so angeordnet werden, dass ihre Spalten parallel zum linken Seitenrand verlaufen. Bei Tabellen, die quer eingefügt werden, steht der Tabellenfuß mit Quellenangabe immer am rechten Seitenrand. Der Einsatz graphischer Elemente ist auf die Verbesserung der Anschaulichkeit und Klarheit der eigenen Aussagen zu beschränken; Graphiken dürfen niemals zur Ablenkung, Verschleierung oder gar als „Platzfüller“ genutzt werden. 7.6 Text Ergänzungen 7.6.1 Exkurs Exkurse sind Ausführungen, die aus der themenspezifischen Argumentation hinausführen. Sie ergänzen als erklärende, zusätzliche – aber eben nicht notwendige – Information den Text; dieser Funktion nach können sie (theoretisch) an jeder Stelle eines Textes eingefügt werden. Ihrer besonderen Position wird in der Gliederung dadurch Rechnung getragen, dass ein Exkurs dem jeweiligen Kapitel oder Abschnitt gleichgeordnet mit eigener (laufender) Ordnungsziffer angeschlossen wird. Zur Kennzeichnung wird er mit dem Hinweis „Exkurs“ eingeleitet. Diese Abgrenzung zeigt an, dass die folgenden Ausführungen, die definitionsgemäß aus dem Thema bzw. Gedankengang herausführen, bei der Lektüre übersprungen werden können. Mit Exkursen sollte äußerst sparsam umgegangen werden, denn sonst entsteht leicht der Eindruck, der Verfasser habe mehr neben bzw. außerhalb als zu seinem Thema zu sagen. Als Stilmittel kann der Exkurs jedoch insoweit genutzt Exkurse lenken ab

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Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).