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7.3 Zitate in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 150 - 176

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_150

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 159 7.3 Zitate 159 Die Bemühungen um eine gleichberechtigte Behandlung von Männern und Frauen haben zur verbalen Zweigeschlechtlichkeit von Funktionsbezeichnungen geführt: StudentInnen, ManagerInnen bzw. Kommilitonen/-innen oder (in Langform) Abiturientinnen und Abiturienten. Vorbild dazu ist die Amtssprache, die diesbezüglich ein hohes Maß an Perfektion erlangt hat. Satzbau und Wortwahl in einer wissenschaftlichen Arbeit sollen aber knapp und präzise sein. Geschlechtergerechte Begriffe haben nach meiner Meinung, ebenso wie die zwanghafte Neutralisierung (z. B. mann/frau), wenig mit erreichter Gleichberechtigung, viel aber mit schlechtem Stil zu tun. Aus diesem Grunde sind auch Entschuldigungen (z. B. im Vorwort), warum auf genderberücksichtigende Begriffe verzichtet wird, unnötig. Guter Stil und die Lesbarkeit eines Textes entscheiden über die Qualität einer Arbeit – dies wissen Frauen wie Männer gleichermaßen (ebenso u. a. Krämer, 2009, S. 113 f.). 7.3 Zitate Achtung: Plagiat „Wer einen fremden Text wörtlich oder inhaltlich übernimmt und ihn als seinen eigenen ausgibt, betrügt den Leser und macht sich des Plagiats schuldig. Man sollte vermuten, dass so etwas nur ganz selten vorkäme. … Erstaunlicherweise sind jedoch zahlreiche Seminararbeiten … voller Plagiate, manche von ihnen sogar ein einziges Plagiat, ohne dass ihren Verfassern dies klar geworden wäre“ (Standop/Meyer, 2008, S. 193). Die Qualität, insbesondere das Maß an Originalität und Eigenleistung, einer wissenschaftlichen Arbeit kann zu einem gewichtigen Teil anhand der „Arbeit unter dem (Zitier-) Strich“ (Wittmann, 1982, S. 385) beurteilt werden. Die genaue Kenntnis und sorgfältige Berücksichtigung der unterschiedlichen Zitatformen ist eine „conditio sine qua non“ (lat.: ein zwingendes Erfordernis); auch die Vorschriften der §§ 51, 63 UrhG verlangen einen ordnungsgemäßen Quellenbeleg. Zitat oder Plagiat VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 160 7 Manuskript160 Ungeachtet dieser technischen Notwendigkeit finden sich zahlreiche pauschale „Empfehlungen“ zu Umfang und Ausmaß der in einer wissenschaftlichen Arbeit zu zitierenden Literatur (Kliemann, 1973, S. 144; Standop/Meyer, 2008, S. 35; Esselborn-Krumbiegel, 2004, S. 87: „Ein Übermaß an Zitaten [schadet] der Arbeit eher“). Solche Empfehlungen sind gefährlich, da sie Plagiate geradezu provozieren: Umfang und Ausmaß der Zitate werden alleine bestimmt durch die verarbeitete und im Text verwendete Literatur. Diese und nur diese Literatur muss – ohne jede Ausnahme – zitiert werden. Jede Auswahl daraus ist ebenso unzulässig wie die Anführung auch nur einer nicht verarbeiteten Quelle oder Schrift. Zitierfähig sind alle Quellen und Sekundärmaterialien, die in irgendeiner Form – wenn auch, wie z. B. bei Hochschulschriften, in gewissem Maß beschränkt – veröffentlicht worden sind; dieses Erfordernis stellt sicher, dass für wissenschaftliche Zwecke nur solches Material verwendet wird, das nachvollziehbar und damit auch kontrollierbar ist. Die Autoren der, nach dieser Vorgabe wissenschaftlich nicht zitierfähigen Unterlagen, wie z. B. von Seminar- oder Masterarbeiten sowie Vorlesungsmanuskripten, sind aber kein „Freiwild“, deren Forschungsergebnisse jeder wissenschaftlich Arbeitende ohne Nachweis verwenden darf: Werden derartige Arbeiten ausnahmsweise herangezogen und eingebracht, muss die Verwendung eines solchen Textes ebenso wie bei mündlichen Auskünften von Fachleuten oder sonstigen Informationsquellen (Interviews) unter Nennung des Urhebers und gegebenenfalls dessen Adresse (für eventuelle Nachfragen) in einer Anmerkung angegeben werden. Soweit es sich dabei um Quellen handelt, müssen diese vollständig in einem entsprechenden Verzeichnis aufgeführt werden.1 Nicht zitierwürdig sind Publikumszeitschriften (Die Bäckerblume, Brigitte, Apotheken-Umschau u. a.) und vergleichbare Publikationen (vgl. bereits Fonck, 1908, S. 137 f.; zuletzt Krämer, 2009, S. 142). Die Grenze zwischen derartigen Druckerzeugnissen und den zitierfähigen und zitierpflichtigen Veröffentlichungen ist fließend: So können z. B. aus aktuellem Anlass auch Berichte aus Magazinen (Focus, Der Spie- 1 Dazu Kapitel 8.5.4, S. 235 f. Pflichtzitate Keine Zitate VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 161 7.3 Zitate 161 gel, Die Zeit u. a.) geboten sein, auch wenn diese Zeitschriften überwiegend Allgemeinwissen enthalten. Nicht zitiert werden muss in einer wissenschaftlichen Arbeit darüber hinaus Allgemeinwissen, das jedem Konversationslexikon entnommen werden kann; dies gilt auch für einschlägige Fachausdrücke und allgemeine Begriffe aus Fachlexika sowie einfache mathematische Formeln. 7.3.1 Technik Grundsätzlich lassen sich als traditionelle Zitiertechniken der Vollbeleg und der Kurzbeleg unterscheiden. 7.3.1.1 Vollbeleg In einer Arbeit, die über kein eigenes Literaturverzeichnis verfügt, muss jeder im Text verwendete und verarbeitete, d. h. zitierte Titel bei seiner erstmaligen Erwähnung mit allen bibliografischen Daten sowie der, der zitierten Passage entsprechenden Fundstelle (Seitenangabe) in einer Fußnote angeführt werden. Die Fußnoten werden dabei in der gesamten Arbeit durchnummeriert. Bei wiederholter Zitierung desselben Titels ist nur mehr der Nachname, ggf. zusätzlich der (abgekürzte) Vorname und die Fußnotenziffer des Erstbeleges in Klammern anzuführen. Ist eine eindeutige Zuordnung innerhalb einer Fußnote nicht möglich, da derselbe Verfasser in dieser mit verschiedenen Titeln zitiert wird, muss ein Stichwort aus jedem Titel in den Zitatangaben dem Namen hinzugefügt werden. Beispiele: Vollbeleg 1 Vgl. Ballwieser, Wolfgang IFRS – Rechnungslegung – Konzept, Regeln und Wirkungen, 2., überarb. und erw. Aufl., München: Vahlen, 2009, S. 7–26; Ballwieser, Wolfgang, Unternehmensbewertung: Prozeß, Methoden und Probleme, 3. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 2011, S. 8–11; Chmielewicz, Klaus, Forschungskonzeptionen der Wirtschaftswissenschaft, 3., unveränd. Aufl., Stuttgart: Poeschel, 1994, S. 212–222; Coenenberg, Adolf G. u. a., Empirische Bilanzforschung in Deutschland, in: DBW 38 (1978), S. 495–507. 2 Vgl. Ballwieser, W., Rechnungslegung (FN 1), S. 22–24; Coenenberg, A. G. u. a. (FN 1), S. 497 f. 3 Vgl. Ballwieser, W., Unternehmensbewertung (FN 1), S. 100 f.; Chmielewicz, K. (FN 1), S. 72–75. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 162 7 Manuskript162 Soweit auf ein Literaturverzeichnis verzichtet wird (oder werden muss), werden – statt der hier vorgeschlagenen Zitierweise – nach dem ersten Vollbeleg anstelle des Fußnotenverweises verschiedene Abkürzungen verwendet: Hier findet das „a. a. O.“ (= am angegebenen Ort) im Anschluss an die Verfasserangabe oder das vornehmere „l. c.“ (loco citato, lat.) oder „op. cit.“ (opere citato, lat.) – jeweils mit oder ohne Seitenangabe – Verwendung. Diese alternativen Verweismethoden sind entweder (zusammen mit dem Fußnotenhinweis) überflüssig oder aber (ohne Hinweise) eine Zumutung für jeden Leser, da es ihm überlassen bleibt, nach dem Erstbeleg im voranstehenden Text zu fahnden. Ein vergleichbares Ärgernis stellen verkürzte Verweise auf derselben Textseite dar, die den Leser zwingen, einen mäandernden Fußnotenwurm hinauflesen zu müssen, um die erwünschte Information zu erlangen: So lässt ein vermeintlich eigenständiger Fußnotenverweis im Text den Leser von „ibid“ über „ebenda, S. 15“ zu „Drukarczyk, J., a. a. O., S. 23“ eventuell noch aufgelockert durch „Drukarczyk, J., a. a. O., passim (lat.: da und dort)“ eine Reise durch die Fußnoten antreten, bis er die gesuchte, vollständige bibliografische Angabe nach diesem Fußnoten-Marsch erhält. Obwohl mit allen diesen sinnlosen Abkürzungen keine bedeutende Platzersparnis, aber für den Leser eine erheblich geringere Information (und jede Menge Ärger) erreicht wird, sind sie noch nicht ausgestorben. Eine mehrfache Zitierung eines Verfassers bzw. einer bestimmten Schrift auf derselben Seite im eigenen Text, die durch solche Verweise deutlich wird, sollte aber vorrangig als ein Hinweis oder sogar Alarm verstanden werden, den Text und die gebotene Ausgewogenheit der Darstellung zu überprüfen. Wird ein ganzer Absatz sinngemäß aus dem Gedankengut eines Autors übernommen, dann steht der Fundstellennachweis am Ende dieser Passage und nicht hinter jedem einzelnen Satz; einleitend muss in diesem (selten zu wählendem) Fall dann aber der Zitierte namentlich genannt werden. Ist im eigenen Text aber eine Aneinanderreihung unterschiedlicher Aussagen eines Autors geboten, sind eine mehrfache Zitierung und gesonderte Fußnotennachweise zwingend erforderlich; eine solche Zitaten-Abfolge sollte aber inhaltlich immer überprüft und (besser) umformuliert werden (a. M. Ein Zitat – ein Nachweis VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 163 7.3 Zitate 163 Grunwald/Spitta, 2008, S. 33). Als Ärgernis mit langer Tradition sollten die vorstehend dargestellten Verweisformen aus der wissenschaftlichen Literatur verschwinden. Beispiel: Erwähnung im Text Text: … In diesem Zusammenhang sind die Beiträge in der von Erwin Dichtl herausgegebenen Schrift „Schritte zum Europäischen Binnenmarkt“1 lesenswert … Fußnote (Vollbeleg): 1 Vgl. Dichtl, Erwin (Hrsg.), Schritte zum Europäischen Binnenmarkt, 2. Aufl., München: dtv/Beck, 1992 Von den angesprochenen inhaltsleeren Zitatverkürzungen sind solche Reduktionen zu unterscheiden, die bezüglich der Vollständigkeit eines Fußnotenverweises dann vorgenommen werden, wenn einzelne Angaben davon im Text erwähnt werden: Wird – wie im vorangehenden Beispiel – der zitierte Autor im Text bereits namentlich erwähnt, dann kann auf die Wiederholung der Namensangabe im nachfolgenden (oder in einer Fußnote) ausgewiesenen Zitatnachweis verzichtet werden. Nachteil: Der (so verkürzte) Nachweis ist ohne Einbezug der Textstelle nicht verwertbar. 7.3.1.2 Kurzbeleg Der überwiegende Teil der wissenschaftlichen Literatur weist ein Verzeichnis der zitierten Literatur auf; wegen der platzintensiven Zitierweise nach der vorstehend erklärten Vollbeleg-Methode sehen auch Fachzeitschriften oft ein gesondertes Literaturverzeichnis für jeden Beitrag vor. Für Übungs- und Seminararbeiten ist ein Literaturverzeichnis in aller Regel erwünscht oder sogar selbstverständlich, für Bachelor-, Magister- und Doktorarbeiten ist es zwingend. Ein Literaturverzeichnis ist die notwendige Voraussetzung für jede Form einer Kurzzitierweise. Jedes Zitat kann unter dieser Voraussetzung in der dazugehörigen Fußnote bzw. nachfolgend im Text (in Klammern) – ungeachtet ob erstmals oder wiederholt – z. B. wie folgt belegt werden: Name, Vorname (evtl. abgekürzt), Stichwort, Jahr, Zitatstelle (= Seiten- oder Randziffer-Angabe). Verkürzung des Nach weises Zwingendes Literatur verzeichnis VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 164 7 Manuskript164 Im Literaturverzeichnis kann bei dieser Zitierweise dem voll ausgeschriebenen Zu- und Vornamen zunächst Stichwort und Jahr in eckigen Klammern vor der vollständigen Angabe der bibliografischen Daten folgen. Die mehrfache Verwendung desselben Stichwortes muss nur im Zusammenhang mit demselben Verfassernamen vermieden werden. Soweit mehrere Bände eines Werkes zitiert werden, müssen entweder verschiedene Stichworte gewählt oder entsprechende Bandangaben hinzugefügt werden. Beispiele: Kurzbeleg Fußnoten: 1 Vgl. Dichtl, E./Gerke, W./Kieser, A., Integrationsgedanke, 1987, S. 7; einen Überblick gibt Dülfer, E., Phänomen, 1991. 2 Bleuel, J., Zitation, 2000, S. 5. 3 Freidank, C.-C./Velte, P., Rechnungslegung, 2007, S. 217– 237. 4 Frese, E., Organisation, 2000, S. 231–234. Literaturverzeichnis: Bleuel, Jens [Zitation, 2000]: Zitation von Internet-Quellen, http://www.bleuel.com/ip-zit.htm (Zugriff 2011-04-22) Dichtl, Erwin/Gerke, Wolfgang/Kieser, Alfred (Hrsg.) [Integrationsgedanke, 1987]: Der Integrationsgedanke in der Betriebswirtschaftslehre, Wiesbaden: Gabler Dülfer, Eberhard (Hrsg.) [Phänomen, 1991]: Organisationskultur: Phänomen-Philosophie-Technologie, 2., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel Freidank, Carl-Christian/Velte, Patrick [Rechnungslegung, 2007]: Rechnungslegung und Rechnungslegungspolitik, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Frese, Erich [Organisation, 2000]: Grundlagen der Organisation: Konzept-Prinzipien-Strukturen, 8., überarb. Aufl., Wiesbaden: Gabler VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 165 7.3 Zitate 165 Beispiele: Kurzbeleg Weitere Vereinfachungen (Fettdruck und einmalige Jahresangabe): Dülfer, E. (Hrsg.), 1991: Organisationkultur: Phänomen – Philosophie -Technologie, 2., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart: Schäffer-Poeschel Freidank, C.-C./Velte, P., 2007: Rechnungslegung und Rechnungslegungspolitik, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Frese, E., 2000: Grundlagen der Organisation : Konzept-Prinzipien-Strukturen, 8., überarb. Aufl., Wiesbaden: Gabler Die Variationen zu Art und Umfang der Zitatnachweise in den Fußnoten sind zahlreich; so wird vorgeschlagen, dass (allein) dem Nachnamen des Verfassers nur das Jahr der Veröffentlichung mit der entsprechenden Seitenangabe folgen soll; mehrere Titel desselben Verfassers in einem Jahr sind dabei mit kleinen Buchstaben zu unterscheiden (z. B. Frese, 2000 a; Frese, 2000 b). Gegen diese, international verbreitete, weiterreichende Verkürzungen spricht, dass ein Leser anhand der Jahresangabe regelmäßig nicht in der Lage sein wird, einen ihm sogar bekannten Text (ohne Blick ins Literaturverzeichnis) zu erkennen. Die zuletzt erwähnte, sehr knappe Form des Einzelnachweises findet insbesondere in naturwissenschaftlichen Arbeiten Verwendung, bei denen sich die Zahl der entsprechenden Literaturhinweise in überschaubaren Grenzen halten. Hinweis zur Zitierweise Benutzen Sie die in Ihrer Arbeit die Zitierweise, die von ihrem Prüfer bevorzugt bzw. vorgeschrieben wird. Die zahlreichen Varianten (zulässiger) Zitierweisen lassen eine Exklusiv- Empfehlung nicht zu. Der Ratschlag, eine einmal gewählte Zitierweise aber konsequent und ohne jede Ausnahme in der gesamten Arbeit anzuwenden, sollte zwingend und ohne Zugeständnisse berücksichtigt werden. Die Idee, eine eigene Zitiertechnik zu entwickeln, sollte nicht weiter verfolgt werden: Die Chance, sich auf gefährliches Eis zu begeben, ist groß. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 166 7 Manuskript166 7.3.2 Position des Zitatnachweises In wissenschaftlichen Arbeiten, die in Kontinental-Europa erstellt werden, finden sich die Zitatnachweise traditionell in Fußnoten oder Endnoten („Chicago Style“). Im angelsächsischen Sprachraum werden die entsprechenden Belege häufig in den Text integriert und folgen (in Klammern) unmittelbar der zitat- oder belegpflichtigen Stelle („Harvard Style“; vgl. Voss, 2011, S. 107 f.; Balzert u. a., 2008, S. 115: Autor- Jahr-System). Eine Entscheidung für die eine oder andere Platzierung der Zitatnachweise ist nur dann gefordert, wenn der Prüfer bzw. die jeweils einschlägige Prüfungsordnung keine diesbezüglichen Vorschrift enthält: In den letzten Jahren ist eine Tendenz zum „Harvard Style“ auch deshalb festzustellen, weil die Nutzung englischer und US-amerikanischer Literatur über alle Fachgebiete die Regel ist, und die Abfassung von Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten in englischer Sprache, auch wenn sie in deutschen Hochschulen eingereicht werden, keine Seltenheit mehr (dazu Siepmann u. a., 2011). Die lesefreundliche und drucktechnisch ökonomische Zitatplatzierung im Text eignet sich aber nur für Literaturarbeiten, bei denen das verarbeitete Material begrenzt ist (ebenso Krämer, 2009, S. 147–150); auf die Verwendung von Fußnoten für Zitatnachweise wird dabei grundsätzlich verzichtet. Sobald Anmerkungen in Form von Zusatzinformationen, Erklärungen oder Seitenverweisen aber geboten oder erforderlich sind,1 werden Fußnoten notwendig und es ergibt sich zwangsläufig eine Gemengelage von Zitatnachweisen im Text und (auch) in den Fußnoten. Diese unschöne „Mischung“ aus den beiden Nachweistechniken lässt sich nur durch einen radikalen Vorschlag vermeiden, wie ihn Kornmeier in seiner Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben als Tipp gibt: „Indem Sie die Harvard-Zitierweise verwenden (statt Fußnoten), hindern Sie sich in gewisser Weise selbst daran, all das, was ’ebenfalls irgendwie interessant ist’, in Fußnoten auszulagern“ (2010, S. 251). 1 Vgl. dazu Kapitel 7.4, S. 185 f. Chicago vs. Harvard VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 167 7.3 Zitate 167 In der Realität vieler wissenschaftlicher Arbeiter aber stellt sich die Frage nach dem Zitatnachweisposition durchaus und muss in jedem Fall beantwortet werden: Mein Vorschlag lautet – seit fast 30 Jahren unverändert – wie folgt: Wer eine Seminararbeit oder hinsichtlich des Umfangs sehr beschränkte andere wissenschaftliche Ausarbeitung zu verfassen hat, kommt mit dem „Harvard Style“ in der puristischen Form, also dem Name-Jahr-Seite-Nachweis in Klammern im laufenden Text gut zu Recht. Wer aber eine umfassendere Arbeit mit einer stark differenzierenden Argumentation und dazu erforderlichen Anmerkungen beabsichtigt (oder dies entsprechend gefordert wird), der sollte durchgängig alle Zitatnachweise zusammen mit Zusatzinformationen, Erklärungen und Querverweisen in Fußnoten jeweils am Ende der betreffenden Seite einbringen, also dem „Chicago Style“ anwenden. Bei der Wahl zwischen Chicago- oder Harvard-Zitierweise ist darüber hinaus zu berücksichtigen, dass mit diesen Varianten nur über den Ort konkreter Zitatnachweise entschieden wird: Welche Ausgestaltung, welchen Umfang und welche Angaben für einen ordnungsmäßigen Zitatnachweis (in Kurzbelegform) erforderlich sind, kann und muss gesondert geregelt oder vom Verfasser (einheitlich für die ganze Arbeit) festgelegt werden. Die konkret ausgewählte Nachweis- bzw. Belegform erfordert regelmäßig auch eine entsprechend angepasste Ausgestaltung des Literaturverzeichnisses, damit die Kurzbelege in den Zitatnachweisen auch verwechslungsfrei und vollständig den dort bibliografierten Autoren zugeordnet werden können. Abschließend sollen noch zwei wenig empfehlenswerte Zitiertechniken erwähnt werden: Zum einen wird in literatur- und naturwissenschaftlichen Arbeiten sowie kürzeren wissenschaftlichen Aufsätzen als Alternative die zitierte Literatur im Literaturverzeichnis nummeriert und im Text als Beleg nur mehr die Titel-Nummer und jeweilige Seitenzahl ausgewiesen (z. B. 47, 113). Zum Anderen findet sich in einer modernen Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten die Variante, dass vier Buchstaben des Nachnamens mit den zwei letzten Jahresziffern des Erscheinungsjahrs des zitierten Textes kombiniert werden: Thei06 für Theisen, 2006 (vgl. Baltzert u. a., 2008, S. 117–119). Zitatnachweis im Text Zitatnachweis in Fuß noten VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 168 7 Manuskript168 Diesen Karikaturen einer ordnungsgemäßen Zitierung sollte keine Beachtung geschenkt werden. Rossig/Prätsch bezeichnen diese Formen als „völlig inakzeptabel“, „nichtssagend, umständlich … und ein ,Zerrbild’ wissenschaftlicher Exaktheit und Deutlichkeit“ (2010, S. 162). Nur für Arbeiten, für die diese ,Abarten’ oder ähnliche Varianten vorgeschrieben werden, ist ein Abweichen nicht zu empfehlen. Zitierweisen in diesem Buch Regel: Im gesamten Text – mit Ausnahme von Kapitel  8 – findet eine Variante des „Harvard Style“ konsequent Anwendung: Zitatnachweise werden als Kurzbeleg unmittelbar nach dem direkten oder indirekten Zitat (mit vgl.) in Klammern angeführt (Nachname, Jahr, Seite). Das jeweilige Satzzeichen schließt jeden Satz einschließlich des Zitatnachweises ab. Weiterführende Hinweise und Anmerkungen sowie Literaturhinweise in deren Zusammenhang werden in gleicher Weise als Kurzbeleg in Fußnoten eingebracht. Diese Mischung verlangt der Anleitungs- bzw. Lehrbuchcharakter dieses Textes. Im Literaturverzeichnis am Ende des Buches werden alle in der Anleitung zitierten Arbeiten in der Form aufgeführt, so wie sie dem gewählten „Harvard Style“ entsprechen müssen. Ausnahme: Nur in Kapitel 8 wird eine traditionelle Variante des „Chicago Style“ (Zitatnachweis als Kurzbeleg ausschließlich in den Fußnoten mit: Nachname, abgekürzter Vorname, Stichwort, Jahr, Seite) verwendet, wie ich sie in den Vorauflagen dieses Buches empfohlen habe („Theisen klassisch“). Jeder Nutzer meiner Anleitung hat die Wahl: Zitieren wie in Kapitel 8 oder wie in allen anderen Kapiteln. Konsequent angewendet, bringen beide Wege den gewünschten Erfolg – garantiert! 7.3.3 Formen Die jeweils gewählte Zitiertechnik muss in einer Arbeit konsequent und ausnahmslos durchgehalten werden. Individuelle Zitiervorschläge, wie sie häufig u. a. in Handbüchern oder Kommentaren (auf der Titelblatt-Rückseite) gemacht werden, müssen daher immer auf ihre Vereinbarkeit mit dem in der eigenen Arbeit gewählten System überprüft wer- VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 169 7.3 Zitate 169 den. Unabhängig von der gewählten Variante ist jedoch in jedem Fall eine Differenzierung hinsichtlich der Zitatform erforderlich (s. Darst. 12). Darst. 12: Zitatformen Zitat indirektes Zitat direktes Zitat Zitat im Zitat Spezialliteratur Sekundärzitat 7.3.3.1 Direktes Zitat Von einem direkten Zitat – oder Zitat im engeren (eigentlichen) Sinne – spricht man, wenn Ausführungen eines Dritten wörtlich in den eigenen Text übernommen werden. Derartige Übernahmen haben buchstaben- und zeichengetreu zu erfolgen. Jedes direkte Zitat muss im Text in Anführungszeichen gesetzt werden; der Zitatvermerk steht nach dem abschließenden Anführungszeichen. Die Fußnote beginnt nach der Ziffernangabe mit dem Nachnamen des zitierten Autors ohne hinweisende Vorbemerkung. In den folgenden Beispielen werden jeweils beide Zitiermethoden dargestellt. Beispiel zum direkten Zitat Text: Die Befragung bestätigt, „dass die Mitbestimmung die Reaktionsgeschwindigkeit eines Unternehmens bei der Überwindung wirtschaftlicher Krisen nicht erhöht“.1 Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Gaugler, E., Mitbestimmung, 1983, S. 201. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Gaugler, 1983, S. 201) Wörtliche Zitate Auszeichnung VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 170 7 Manuskript170 Auslassungen in einem übernommenen Zitat (Ellipsen) werden durch zwei Punkte „. .“ (ein Wort) bzw. drei Punkte „…“ (mehrere Worte/Sätze) angedeutet. Notwendige eigene Zusätze oder Ergänzungen (Interpolationen) des Zitierenden stehen dagegen in eckigen Klammern. Textauszüge bzw. -zusammenziehungen dürfen niemals so gefasst sein, dass die Gefahr einer (unzulässigen) Verkürzung oder sogar Verfälschung der Argumentation des zitierten Autors besteht. Beispiel zur Auslassung Originaltext von W. Benjamin: „Wer an die Niederschrift eines größeren Werks zu gehen beabsichtigt, lasse sich’s wohl sein und gewähre sich nach erledigtem Pensum alles, was die Fortführung nicht beeinträchtigt.“1 Aus diesem Text lässt sich als sinnentstellendes Fehlzitat bzw. unzulässige Verkürzung z. B. formulieren: „Wer an die Niederschrift eines größeren Werks zu gehen beabsichtigt, … gewähre sich … alles, was die Fortführung nicht beeinträchtigt.“1 Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Benjamin, W., Einbahnstrasse, 1955, S. 46. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Benjamin, 1955, S. 46) Eigene Hervorhebungen – beispielsweise Unterstreichungen oder Sperrungen – müssen in eckigen Klammern als Zusatz im Zitat (Interpolationen) gekennzeichnet werden (z. B. [Hervorhebung nicht im Original]). Werden für solche Interpolationen sowie Kennzeichnungen keine eckigen Klammern verwendet werden, so ist dem entsprechenden Zusatz in runden Klammern ein Autorennachweis hinzuzufügen (z. B. (Hervorhebung nicht im Original, M. R. T.)). Diese Differenzierung ist notwendig, damit in (runde) Klammern stehende Zitatbestandteile von Anmerkungen des Verfassers unterschieden werden können. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 171 7.3 Zitate 171 Beispiel zur Hervorhebung Originaltext: Das Ziel der auf J. Marschak zurückgehenden Teamtheorie ist die simultane Ermittlung der optimalen Entscheidungs-, Informations- und Kommunikationsstruktur unter Abstraktion von allen psychologischen und soziologischen Charakteristika der Entscheidungsträger (1954). In der Teamtheorie wird das Problem der Entscheidungen in Unternehmungen wie folgt beschrieben: … Zitat: „Das Ziel der … Teamtheorie [J.  Marschak, 1954] ist die simultane Ermittlung der optimalen [Sperrung nicht im Original] Entscheidungs-, Informations- und Kommunikationsstruktur unter Abstraktion von allen psychologischen und soziologischen Charakteristika der Entscheidungsträger“.1 Oder (hilfsweise): „In der Teamtheorie wird das Problem der Entscheidungen in Unternehmungen wie folgt (umfassend, M. R. T.) beschrieben.“1 Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Grochla, E., Unternehmungsorganisation, 1974, S. 22. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Grochla, 1974, S. 22) Bei Auslassungen zu Beginn und am Ende eines direkten Zitates stehen keine Auslassungspunkte; dies gilt auch, soweit ein Zitat in den eigenen Text eingebaut und dabei der Original-Anfang oder das Ende eines zitierten Satzes weggelassen wird. Innerhalb eines Zitates müssen Kürzungen zu Satzbeginn oder -ende entsprechend gekennzeichnet werden. Beispiel zur fehlerhaften Auslassung Nach J. Maschak’s Teamtheorie steht im Mittelpunkt „die simultane Ermittlung der optimalen Entscheidungs-, Informations- und Kommunikationsstruktur unter Abstraktion … der Entscheidungsträger“.1 Das vorstehende Beispiel enthält allerdings eine sinnentstellende Zitatverkürzung, da die entscheidende Einschränkung („unter Abstraktion …“) vom Zitierenden unzulässigerweise ausgelassen wurde. Textlücken auffüllen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 172 7 Manuskript172 Soweit durch den eigenen Satzbau bedingt grammatikalische Änderungen (Flexionen) in einem direkten Zitat vorgenommen werden müssen, stehen diese ebenfalls in eckigen Klammern. Sonstige Änderungen in der Zeichensetzung sind ebenso wie eine Korrektur veralteter Schreibweisen, Rechtschreibreform-bedingter Abweichungen oder orthografischer Fehler im Original unzulässig; derartige Eigenwilligkeiten des zitierten Textes können im eigenen Text mit einem [lat.: sic! = wirklich so!] oder [!] kenntlich gemacht werden; damit wird deutlich, dass der Zitierende die (übernommenen) Besonderheiten registriert hat; handelt es sich um systematische Abweichungen (z. B. Schweizer Rechtschreibung) sollte darauf einleitend in einer Fußnote hingewiesen werden. Am Anfang und am Ende eines Zitates können die Großbzw. Kleinschreibung und die Interpunktion dem eigenen Text angepasst werden. Soweit das direkte Zitat einen (oder mehrere) vollständige Sätze umfasst, gehört der abschlie- ßende Punkt oder Strichpunkt zum Zitat und damit vor das abschließende Anführungszeichen; in allen anderen Fällen schließt das Anführungszeichen das direkte Zitat, der Punkt gehört zum laufenden Text. Bei allen abgeschlossenen Sätzen steht die Fußnotenziffer als letztes Zeichen vor dem Beginn des nächsten Satzes. Beispiel zu grammatikalischen Änderungen Originaltext (nach alter Rechtschreibung verfasst): „Der Verbraucher muß das Nutzungsversprechen einer Marke lernen, er muß lernen, worin im Vergleich zu konkurrierenden Produkten die bessere Leistung der Marke liegt.“ Zitat: H.  Meffert/C.  Burmann weisen darauf hin, dass „der Verbraucher … das Nutzungsversprechen einer Marke lernen“1 muss und bestätigen ausdrücklich: „Er muß [!] lernen, worin … die bessere Leistung der Marke lieg[e].“2 Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Meffert, H./Burmann, C., Abnutzbarkeit, 1998, S. 88. 2 Meffert, H./Burmann, C., Abnutzbarkeit, 1998, S. 88. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Meffert/Burmann, 1998, S. 88) Originaltexte nicht anpassen Zulässige Änderungen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 173 7.3 Zitate 173 Fremdsprachliche Zitate können im Text in der Originalsprache zitiert werden, soweit es sich um eine Schulsprache handelt und die Verwendung des Originaltextes Missverständnisse ausschließt bzw. den Charakter des Zitats unterstreicht; in einer Fußnote sollte eine deutsche Übersetzung (unter Angabe des Übersetzernamens) angeboten werden. Beispiel zum fremdsprachlichen Zitat Originaltext: „Als die drastische Kostenüberschreitung … nicht mehr vermieden werden konnte, bekannte er sich zum Vorrang des Leistungs- vor dem Kostenziel: ’Projects like these don’t have economics as their foundation. To me, the production of the event … is the ultimate challenge’.“1 Fußnote nach der Vollbeleg-Methode: 1 Grün, Oscar, Die Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid (USA), Wien: Wirtschaftsuniversität, 1988, S. 41 (mit einem Zitat von Wiltebort, S., Petr Spurneys Olympian, in: Fortune, Jan. 14th, 1980, p. 85). Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Grün, O., Winterspiele, 1988, S. 41 (mit einem Zitat von Wiltebort, S., Olympian, 1980, p. 85). Harvard-Zitatnachweis im Text: (Grün, 1998, S. 41, mit einem Zitat von Wiltebort, 1980, p. 85) Soweit aber eine Übersetzung nicht zugleich Interpretation – und damit subjektive Veränderung – des Textes bedeutet, dem Zitat also mehr inhaltliche als sprachliche Bedeutung zukommt, sollte die deutsche Übersetzung im Text und das Original in der Fußnote angeführt werden. Fremdsprachige Zitate eignen sich nicht als Beleg der kosmopolitischen Einstellung des Verfassers (ebenso Möllers, 2010, S. 135). Liegt von einem Buch sowohl die (fremdsprachige) Originalversion als auch eine – vom Verfasser autorisierte – deutsche Übersetzung vor, können die Werke alternativ verwendet werden; zu berücksichtigen ist dabei aber, dass die Originalversion immer die aktuellere, letzte Auflage bzw. Fassung ist. In diesen Fällen sollte im Original überprüft werden, ob das Zitat Bestand hat. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 174 7 Manuskript174 Für Länge und Häufigkeit direkter Zitate gilt das zu diesem Abschnitt einleitend Gesagte.1 Längere wörtliche Zitate können mit einfachem Zeilenabstand geschrieben und um 1 cm vom linken Textrand eingezogen werden, um damit zusätzlich optisch eine Abhebung vom laufenden Text zu erreichen. 7.3.3.2 Indirektes Zitat In Abgrenzung zum direkten Zitat bezeichnet man jede Form einer textlichen Anlehnung, sinngemäßen Wiedergabe oder auch nur stützenden Argumentation unter Verwendung fremder Gedanken und Ausführungen als indirektes (sinngemäßes) Zitat (Paraphrase). Ungeachtet der Notwendigkeit, dass der eigene Text vollständig selber formuliert werden muss, berechtigt dies nicht zum Verschweigen der „geistigen Väter“ der einzelnen Gedanken und Ansätze. Jede eigene Ausführung, soweit diese (auch) auf Überlegungen Dritter beruht, ist in Form eines indirekten Zitats zu belegen. Da es die Zielsetzung jeder Seminar-, Bachelor- oder Masterarbeit ist, die Fähigkeit zur Arbeit mit Literatur- und Quellenmaterial unter Beweis zu stellen, besteht auch kein Anlass, die Grundlagen und Quellen der eigenen Überlegungen nicht ausnahmslos offenzulegen. Indirekte Zitate stehen niemals in Anführungszeichen. Sie werden im Text nur durch einen Fußnotenvermerk gekennzeichnet; die Fußnote selbst muss mit einem „Vgl.“ (= Vergleiche) oder „S.“ (= Siehe) beginnen. Durch diese Einleitung wird in der Fußnote das indirekte Zitat vom direkten Zitat unterschieden. Bei indirekten Zitaten, denen eine Sekundärliteraturstelle vergleichend (!) gegenübergestellt werden soll, ist „Vgl.“, bei einem hinweisenden bzw. weiterführenden Vermerk entsprechend „S.“ zu verwenden. Das indirekte Zitat selbst muss aber nicht im Konjunktiv I oder II („indirekte Rede“) verfasst werden, der richtig platzierte Zitatnachweis belegt den Fremdbezug. Expertentipp „Nach den zahlreichen Plagiatsaffären dürfte auch der letzte Forscher erfasst haben, dass Fußnoten nicht als Zierrat gedacht sind“ (Preuss, 2013, S. 4). 1 Vgl. oben S. 169 f. Sinngemäße Zitate Einleitender Hinweis VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 175 7.3 Zitate 175 Beispiel zum indirekten Zitat Eigener Text: In einer DBW-Sammelrezension zum Thema „Controlling“ arbeiten T. Günther/M. Niepel einige grundsätzliche Kritikpunkte zu der untersuchten Controlling-Literatur heraus. Das im Folgenden zur Beurteilung der ausgewählten Werke verwendete Schema baut auf diesem Ansatz auf.1 Die Unternehmenspublizität ist in den letzten Jahren in weiten Bereichen der theoretischen wie praxisbezogenen Diskussion über die Verbesserung der Information der Unternehmen- und Konzernumwelt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.2 Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Vgl. dazu Günther, T./Niepel, M., Controlling, 2000, S. 228 f. 2 S. dazu die umfassende Darstellung von Haller, A./Raffournier, B./Walton, P., Unternehmenspublizität, 2000, S. 112– 136 m. w. N. Harvard-Zitatnachweis im Text (statt Fussnotenziffer): (vgl. Günther/Niepel, 2000, S. 228 f.) bzw. (s. dazu die umfassende Darstellung von Haller/Raffournier/ Walton, 2000, S. 112–136) In jedem Fall müssen für den Leser – und in einem Referat für den Zuhörer – Anfang und Ende auch eines längeren indirekten Zitates klar erkennbar sein. Der Fußnotenvermerk im Text (bzw. der Zitatbeleg in Klammern) steht deshalb immer am Ende des jeweiligen Satzes oder Abschnittes nach dem schließenden Satzzeichen, nicht bei der Überschrift oder der Namensangabe des (sinngemäß) zitierten Autors; bezieht sich der Zitathinweis auf ein einzelnes Wort oder eine Wortgruppe, steht ausnahmsweise – wie beim direkten Zitat – der Vermerk im Text in unmittelbarem Anschluss und noch vor einem nachfolgenden Satzzeichen. Sollen einem wörtlichen (direkten) Zitatnachweis in derselben Fußnote weitere Fundstellen mit vergleichbaren oder weiterführenden Ausführungen anderer Autoren angefügt werden, so bleibt es bei einer Fußnotenziffer im Text; in dem Fußnotentext ist unmittelbar nach der (direkten) Zitatquelle mit Semikolon und „vgl.“ oder „s.“ fortzufahren. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 176 7 Manuskript176 Beispiel zur Angabe weiterer Fundstellen Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Heinhold, M., Buchführung, 2010, S. 7; vgl. dazu auch Hopt, K./Rudolph, B./Baum, H., Börsenreform, 1997, S. 934 f. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Heinhold, 2010, S. 7; vgl. dazu auch Hopt/Rudolph/Baum, 1997, S. 934 f.). Folgen einem indirekten Zitatnachweis weitere vergleichbare oder gegensätzliche Literaturmeinungen, sind diese mit „ebenso“, „exemplarisch“ oder „auch“ bzw. „anderer Meinung (a. M.)“ oder „anders aber“, „dagegen“ nach einem Semikolon anzuschließen. Beispiel zur Angabe gegensätzlicher Fundstellen Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Vgl. Heymann, H.-H./Seiwert, L. J./Theisen, M. R., Mitbestimmungsmanagement, 1983, S. 170; dazu auch Hommelhoff, P., Konzernleitungspflicht, 1988, S. 194–202; a. M. Horváth, P., Controlling, 2002, S. 2–7. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Vgl. Heymann/Seiwert/Theisen, 1983, S. 170; dazu auch Hommelhoff, 1988, S. 194–202; a. M. Horváth, 2002, S. 2–7). Sollen mehrere Nachweise zu einer Frage oder Meinung angegeben werden, kann es geboten sein, chronologisch vorzugehen, um mögliche (Zitat-)Abhängigkeiten in der Literatur kenntlich zu machen. Regelmäßig ist dann mit der ältesten Literaturstelle zu beginnen, wobei bei der Verwendung späterer Auflagen das Erscheinungsjahr der ersten Auflage eines Titels beachtlich ist; in diesen Fällen müssen Vorauflagen kontrolliert werden, damit ermittelt werden kann, wer ursprünglich welchen Autor zitiert bzw. verwertet hat. Aus Gründen der Aktualität kann jedoch auch die jüngste Fundstelle vorangestellt werden, soweit damit nicht der Eindruck einer (falschen) Urheberschaft für bereits früher von anderen Autoren veröffentlichte Erkenntnisse erweckt wird. Werden Fundstellen zitiert, die ihrerseits umfassende Nachweise zu einem Thema oder Problem enthalten, darf die dort VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 177 7.3 Zitate 177 angeführte Literatur nicht als „Sekundärzitat“ übernommen (genauer gesagt: abgeschrieben) werden; sind diese weiteren Hinweise auch für die eigenen Ausführungen und deren Leser interessant, muss ein entsprechender Hinweis gegeben werden (m. w. N. = mit weiteren Nachweisen). Beispiel zur Angabe weiterführender Fundstellen Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Vgl. Küpper, H.-U., Controlling, 2008, S. 310–315, und Küpper, H.-U./Weber, J., Grundbegriffe, 1995, S. 80–87, jeweils m. w. N. Harvard-Zitatnachweis im Text: (vgl. Küpper, 2008, S. 310–315, und Küpper/Weber, 1995, S. 80–87, jeweils m. w. N.). 7.3.3.3 Sekundärzitat Unabhängig davon, ob das erforderliche Material nach dem (hier vorgeschlagenen) systematischen, dem pragmatischen oder einem gemischten Verfahren ermittelt wurde, nimmt gleichzeitig damit auch die Zahl der indirekt ermittelten Fundstellen und Zitate sehr schnell zu. Die Fülle des Materials, die begrenzte Zeit sowie der Glaube an die (mit der eigenen Vorgehensweise vergleichbare?) Redlichkeit wissenschaftlicher Autoren verleiten dann zu Zitaten aus zweiter bzw. -zigster Hand, die ich „Gebrauchtzitate“ nenne. Dieser Ausdruck wird in Anlehnung an den Gebrauchtwagen hier eingeführt, weil ein solches Zitat dessen Zuverlässigkeit teilt: Es kann funktionieren, häufiger wird man allerdings gründlich enttäuscht. Jedes Zitat, das nicht unmittelbar selbst recherchiert wurde, sowie jeder Verweis, muss anhand des jeweiligen Originals überprüft werden; dabei sind Veränderungen durch einen Auflagenwechsel ebenso zu beachten wie die Möglichkeit, dass auch schon im „Original“ ein „Gebrauchtzitat“ vorliegt. In diesem Fall müssen alle zwischenzeitlichen Verarbeiter ausgeschaltet und der „geistige Vater“ gesucht werden. Dieser Weg über zahlreiche Fußnotennachweise in den verschiedensten Verarbeitungsstufen ist mühsam, sichert aber allein das korrekte Zitat. Nicht selten erweist sich am Gebrauchte Zitate Zitate prüfen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 178 7 Manuskript178 Ende dabei ein scheinbar geeignetes, aber mehrfach bereits gebrauchtes Zitat nach dem Originaltext als für die eigene Arbeit unbrauchbar. Expertentipp Das wissenschaftlich abgesicherte, plagiatfreie Zitat hat nur eine Fundstelle, den Originaltext bzw. die Originalquelle. Fehlzitate – zum Teil in der zweiten oder dritten Generation bis zur Unkenntlichkeit abgewandelt – gehören zur Erfahrung jedes wissenschaftlich Arbeitenden: „Es ist erstaunlich, wie viele Zitate immer wieder falsch übernommen werden, da niemand sich die Mühe gemacht hat, die Richtigkeit zu überprüfen“ (Kliemann, 1973, S. 27). Kann im Einzelfall (!) trotz (intensiver) eigener Nachforschungen der Originaltext aber nicht eingesehen – bzw. in Kopie besorgt oder online überprüft – werden, ist ein Sekundärzitat unvermeidbar. Diese Tatsache ist aber – je nach Zitiertechnik – in der entsprechenden Fußnote (Vollbeleg- Methode) bzw. im Literaturverzeichnis (Kurzbeleg-Methode) als solche gesondert auszuweisen. Beispiele zum Sekundärzitat 1 Vgl. Kieser, A./Walgenbach, P., Organisation, 4. Aufl., Stuttgart: Poeschel, 2003, S. 337 f. (zit. nach Köhler, R., Profit Center im Marketing, in: Ludwig G. Poth/Gudrun S. Poth (Hrsg.), Marketing, Loseblatt-Sammlung Neuwied: Luchterhand, 46. Lieferung, 2004, Kz. 54 Anm. 53). Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Vgl. Kieser, A./Walgenbach, P., Organisation, 2003, S. 337 f. Harvard-Zitatnachweis im Text: (vgl. Kieser/Walgenbach, 2003, S. 337 f.). Literaturverzeichnis: Kieser, Alfred/Walgenbach, Peter [Organisation, 2003]: Organisation, 4. Aufl., Stuttgart: Poeschel (zit. nach Köhler, R., Profit, 2004), und Köhler, Richard [Profit, 2004]: Profit Center im Marketing, in: Ludwig G. Poth/Gudrun S. Poth (Hrsg.), Marketing, Neuwied: Luchterhand VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 179 7.3 Zitate 179 7.3.3.4 Zitat im Zitat Im direkten Zitat werden wörtliche Zitate, die der angeführte Verfasser seinerseits zitiert hat, in einfache (halbe) Anführungsstriche gesetzt (,…‘), um sie als Zitat im Zitat zu kennzeichnen. In der Fußnote ist auf die somit indirekt zitierte Quelle zusätzlich hinzuweisen. Beispiel zum Zitat im Zitat Eigener Text: Nach der Auffassung von W. Kroeber-Riel/G. Meyer-Hentschel sind es insbesondere zwei Bedingungen, mit denen sich „die Konsumentenforschung und die zur Zeit entstehende ,Psychologie der Macht‘ … sehr eingehend beschäftigt haben.“1 Fußnote nach der Vollbeleg-Methode: 1 Kroeber-Riel, Wolfgang/Meyer-Hentschel, Gundolf, Werbung : Steuerung des Konsumentenverhaltens, Würzburg: Physica, 1982, S. 41 (mit einem Zitat von Perlmuter, L. C./ Monty, R.  A., Choice and Perceived Control, Hillsdale, 1979). Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Kroeber-Riel, W./Meyer-Hentschel, G., Werbung, 1982, S. 41 (mit einem Zitat von Perlmuter, L. C./Monty, R. A., Control, 1979). Harvard-Zitatnachweis im Text: (Kroeber-Riel/Meyer-Hentschel, 1982, S. 41, mit einem Zitat von Perlmuter/Monty, 1979). Ausführungen eines zitierten Verfassers, die bei diesem bereits in Anführungszeichen stehen, die aber dort kein wörtliches Zitat, sondern nur einen besonderen Begriff kennzeichnen, sind im Rahmen des eigenen direkten Zitates ebenfalls mit einfachen Anführungsstrichen aufzunehmen. Zitiertes Zitat VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 180 7 Manuskript180 Beispiel zum Zitat in Anführungsstrichen Originaltext: Mit dem Begriff Konflikt wurden eher Schlagworte wie „Erziehung zum Konflikt“, „Systemveränderung“, „Klassenkampf“ und gewaltsame Auseinandersetzungen assoziiert. Eigener Text: W. Krüger weist zu Recht darauf hin, dass in der Unternehmungspraxis früher „mit dem Begriff Konflikt . . eher Schlagworte wie ,Erziehung zum Konflikt‘, ,Systemveränderung‘, ,Klassenkampf‘ und gewaltsame Auseinandersetzungen assoziiert [wurden].“1 Fußnote nach der Vollbeleg-Methode: 1 Krüger, Wilfried, Theorie unternehmungsbezogener Konflikte, in: ZfB 51 (1981), S. 910. Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Krüger, W., Theorie, 1981, S. 910. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Krüger, 1981, S. 910). Direkte Zitate im eigenen indirekten Zitat sind durch einen einleitenden Hinweis auf die sinngemäße Übernahme der folgenden Passage zu kennzeichnen; zusätzlich müssen sie aber als wörtliches Zitat mit einem gesonderten Fußnotennachweis ausgewiesen werden. Expertentipp „Wörtliche Zitate sollten nur verwendet werden, falls es auf den genauen Wortlaut der Formulierung ankommt, ansonsten sind sie verpönt” (Brink, 2007, S. 217). VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 181 7.3 Zitate 181 Beispiel zum direkten Zitat im eigenen indirekten Zitat Eigener Text: Zu der Kritik an den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung sollen die Haupteinwände von Ulrich Leffson wiedergegeben werden, der in der vierten Auflage seiner „Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung“ (1976) die Formulierung in § 38 HGB für „recht glücklich“1, dennoch aber im Ergebnis für zu abstrakt gewählt hält. Er sieht deshalb insbesondere die Betriebswirtschaftslehre als sachkundige Instanz zur Konkretisierung dieser unbestimmten Rechtsinhalte berufen.2 Fußnote nach der Vollbeleg-Methode: 1 Leffson, Ulrich, Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, 4. Aufl., Düsseldorf: IdW-Verlag, 1976, S. 26; vgl. dazu aber auch die späteren Änderungen in der 7. Auflage, 1987, S. 28–38, 143–145. 2 Vgl. Leffson, U., Grundsätze, 1987 (FN 1), S. 25–41. Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Leffson, U., Grundsätze, 1976, S. 26; vgl. dazu aber auch die Änderungen in Leffson, U., Grundsätze, 1987, S. 28–38, 143–145. 2 Vgl. Leffson, U., Grundsätze, 1987, S. 25–41. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Leffson, 1976, S. 26; vgl. dazu aber die späteren Änderungen 1987, S. 28–38, 143–145) bzw. (Leffson, 1987, S. 25–41). 7.3.3.5 Spezialliteratur Eine Reihe wissenschaftlicher Themenstellungen erfordern einen interdisziplinären Ansatz. Insbesondere aus dem Bereich der Rechtswissenschaften müssen häufig Literatur, Gesetzestexte und Kommentare herangezogen und verarbeitet werden. Sowohl bei der Zitierung von Gesetzestexten (die ihrer Art nach den Quellen zuzurechnen sind) als auch von entsprechenden Gesetzeskommentaren (die zum Sekundärmaterial gehören) sind Besonderheiten zu beachten.1 Gesetzestexte und Paragraphen werden, soweit sie in direkter Form – also in Anführungszeichen – in den eigenen Text 1 Zur teilweise abweichenden juristischen Zitierweise s. Putzke,  2010, S. 45–58; Schimmel, 2011, S. 69 f., 226, und Möllers, 2010, S. 131–146. VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 182 7 Manuskript182 eingebracht werden wie direkte Literaturzitate ausgewiesen. Ist eine gesetzliche Vorschrift zum Verständnis erforderlich, sollte sie im Text unmittelbar zitiert, nur in Ausnahmefällen in Form eines Paragraphenhinweises in Klammern nachgestellt werden. Beispiel zum Zitat aus Gesetzestexten Eigener Text: Das Einkommensteuergesetz (EStG) verlangt von Gewerbetreibenden, „die auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, oder die ohne eine solche Verpflichtung Bücher führen und regelmäßig Abschlüsse machen“1, das Betriebsvermögen nach handelsrechtlichen Grundsätzen auszuweisen. Fußnote nach der Vollbeleg-Methode: 1 § 5 Abs. 1 Satz  1 EStG; zum persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich Schmidt, Ludwig, Einkommensteuergesetz, 31. Aufl., München: Beck, 2012, § 5 Anm. 3. Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 § 5 Abs. 1 Satz  1 EStG; zum persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich Schmidt, 2012, § 5 Anm. 3. Harvard-Zitatnachweis im Text: (§ 5 Abs. 1 Satz  1 EStG; zum persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich Schmidt, 2012, § 5 Anm. 3). Im Fußnotentext müssen, abweichend von der sinngemä- ßen Zitierung einer Textstelle mit vorangestelltem „Vgl.“, Paragraphen – außerhalb eines direkten Zitats – mit einem hinweisenden „S.“ (= Siehe) zitiert werden: Von Juristen wird zu Recht darauf hingewiesen, dass es bei Gesetzestexten nichts „zu vergleichen“ gibt, vielmehr ausnahmslos auf solche Vorschriften nur verwiesen werden kann. Paragraphenangaben können nach (mindestens) zwei Methoden geschrieben werden; eine einmal gewählte Methode muss im gesamten Text einheitlich benutzt werden: § 9 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 GWB oder: § 9 II 1 Nr. 3 GWB (Nr. bzw. Ziffer müssen angeführt werden) VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 183 7.3 Zitate 183 In verschiedenen nationalen bzw. internationalen Normen spricht man statt von Paragraphen von Artikeln (Art., z. B. Grundgesetz), Section (Sec.), Rule oder Abschnitten (Abschn.). Untergliedert werden die meisten dieser Texte in Absätze (Abs.), Sätze (S.), Halbsätze (Hs.), Nummern (Nr.) oder Ziffern (Ziff.) sowie Buchstaben (Buchst. oder lit). Mehreren Paragraphen desselben Gesetzes, auf die in einem Nachweis verwiesen wird, ist das Doppel-Paragraphenzeichen voranzustellen (z. B. §§ 26, 27 MitbestG); bei mehreren Artikeln wird Artt. verwendet. Jedem Paragraphennachweis muss die Kurzbezeichnung des zitierten Gesetzes folgen. Eine Ausnahme dazu besteht nur für solche Texte, in denen ein Gesetzestext durchgängig zitiert wird; in einem solchen Fall kann auf ihn am Ende des Abkürzungsverzeichnis hingewiesen werden (z. B. „Paragraphenverweise ohne Gesetzesangabe sind solche des Aktiengesetzes 1965“). Gesetzestexte und vergleichbares amtliches Schrifttum sind ausnahmslos nach der (gedruckten oder elektronischen) amtlichen Quelle und nicht nach einer Gesetzessammlung (wie z. B. Schönfelder, H., Deutsche Gesetze) oder sonstigen (Sekundär-)Veröffentlichungen zu zitieren. Bei der erstmaligen Erwähnung eines Gesetzes im Text oder einer Fußnote ist der vollständigen amtlichen Bezeichnung in Klammern die im Folgenden verwendete Kurzbezeichnung und/oder Abkürzung hinzuzufügen. Der vollständige bibliografische Nachweis der verwendeten Texte erfolgt im Quellenverzeichnis. Beispiel zum Verweis auf Gesetzestexte Eigener Text: Von der Haftung für fehlerhafte Produkte nach dem Produkthaftungsgesetz1 sind landwirtschaftliche Naturprodukte ausgenommen. Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte (Produkthaftungsgesetz – ProdHaftG) vom 15. 12. 1989. Harvard-Zitatnachweis im Text: (Gesetz über die Haftung für fehlerhafte Produkte (Produkthaftungsgesetz – ProdHaftG) vom 15. 12. 1989). VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 184 7 Manuskript184 Alle zitierten Gesetze und Rechtsverordnungen müssen mit Angabe des Tages der Ausfertigung und der letzten bzw. verwendeten Fassung im Quellenverzeichnis aufgelistet werden. Soweit zwischenzeitlich nicht nur die Änderung einzelner Vorschriften, sondern eine vollständig neue Fassung eines Gesetzes veröffentlicht worden ist, kann auf die (zusätzliche) Zitierung der ursprünglichen Fassung verzichtet werden. Die Zitierweise und der Aufbau von Gesetzes- und Rechtsprechungsnachweisen wird an anderer Stelle erklärt.1 Abweichend von der Erfassung im Rechtsprechungsverzeichnis kann bei Urteilen im Fußnotennachweis auf die Angabe des Aktenzeichens (Az.) dann verzichtet werden, wenn eine eindeutige Zuordnung auf Grund der Datumsangabe möglich ist. Die Verwendung von Gesetzeskommentaren und kommentierten Gesetzessammlungen verlangt sowohl nach der Voll- als auch der Kurzbeleg-Methode eine abweichende Zitierweise. Umfassende Kommentare tragen meist den Namen mehrerer Herausgeber, zudem werden die einzelnen Kommentierungen regelmäßig von einer Reihe von (weiteren) Bearbeitern erstellt. Ein korrekter Literaturnachweis muss in diesen Fällen sowohl den Bearbeiter als auch die (oder den) Herausgeber des zitierten Kommentars namentlich erwähnen, wobei nur jeweils bis zu drei Namen berücksichtigt werden; bei Loseblatt-Sammlungen muss zusätzlich zum Erscheinungsjahr (bzw. den Erscheinungsjahren) des Gesamtwerkes auch der Stand der verwendeten Sammlung (Stand: 30.08.2013) bzw. die Ordnungszahl der Lieferung (19. Lfg. August 2011) angegeben werden. 1 Vgl. Kapitel 4.4.1, S. 70 und 4.4.2, S. 71. Herausgeber werke VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 185 7.4 Anmerkungen 185 Beispiel zum Zitat von Gesetzeskommentaren Eigener Text: Als Reallast bezeichnet man die Belastung eines Grundstückes, wenn an denjenigen, zu dessen Gunsten die Belastung erfolgt, wiederkehrende Leistungen aus dem Grundstück zu entrichten sind. Chicago-Fußnote mit Kurzbeleg: 1 S. § 1105 BGB; dazu Joost,  D., Münchener Kommentar, 2009, § 1105 RdNr. 8–30. Harvard-Zitatnachweis im Text: (s. § 1105 BGB; dazu Joost, 2009, § 1105 RdNr. 8–30). Literaturverzeichnis: Joost, Detlev (Bearb.), §§ 1105–1112 BGB, in: Franz Jürgen Säcker/Roland Rixecker (Hrsg.): Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Bd. 6, 5. Aufl., München: Beck, 2009. und Säcker, Franz Jürgen/Rixecker, Roland (Hrsg.): Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch (MünchKomm), 5. Aufl., München: Beck, 2009. In der juristischen Fachliteratur werden die verschiedensten Zitierformen vorgeschlagen; so wird häufig empfohlen, dass ein Kommentar zusammen mit dem jeweiligen Bearbeiter zitiert werden soll (hier: MünchKomm – Joost; vgl. dazu Tettinger/Mann, 2009, S. 172–190; Bergmann/Schröder, 2010, S. 6–12). Grundsätzlich sollte aber – von den angeführten Einschränkungen abgesehen – auch diesbezüglich die für die eigene Arbeit gewählte Zitiertechnik und -form konsequent durchgehalten werden; entsprechende Zitiervorschläge Dritter sind deshalb auf ihre Vereinbarkeit mit dem eigenen System zu überprüfen. 7.4 Anmerkungen Als Anmerkungen werden alle Fußnoten – bzw. Teile von Fußnoten – bezeichnet, die keine (direkten oder indirekten) Zitatnachweise enthalten (vgl. dazu auch Eco, 2010, S. 200– 213). Für eine wissenschaftliche Arbeit kann man folgende weitergehende Differenzierung treffen (s. Darst. 13).

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References

Zusammenfassung

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"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).