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6.1 Gliederung in:

Manuel René Theisen

Wissenschaftliches Arbeiten, page 109 - 113

Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit

16. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4636-4, ISBN online: 978-3-8006-4637-1, https://doi.org/10.15358/9783800646371_109

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VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 117 6 Materialauswertung Schwerpunkte jeder wissenschaftlichen Arbeit sind die beiden Arbeitsphasen Materialauswertung und Manuskripterstellung. Ein Blick auf den für eine Bachelorarbeit aufgestellten Arbeitsplan zeigt, dass für diese zwei sich zeitlich zum Teil überlagernden Prozesse über 75 % der gesamten verfügbaren Bearbeitungszeit vorgesehen werden sollten. Das recherchierte und bewertete Material kann grundsätzlich alphabetisch, chronologisch oder systematisch ausgewertet werden; dem systematischen Verfahren ist dabei der Vorzug zu geben. Eine frühzeitig konzipierte (vorläufige) Arbeitsgliederung oder zumindest eine differenzierende Disposition liefern hierzu ein Grundgerüst. 6.1 Gliederung In jeder guten wissenschaftlichen Arbeit sollten die zentralen Gedanken des Verfassers sich wie ein roter Faden durch den gesamten Text ziehen. Um die erforderliche Geschlossenheit und durchgehende Themabezogenheit eines Textes zu erreichen, muss vom ersten Tag an versucht werden, den eigenen Gedankenfluss einem Ordnungs- und Gliederungskonzept zuzuführen bzw. unterzuordnen. Die einzelnen Gliederungspunkte können dann gleichzeitig für die Anlage der elektronischen Arbeitsdateien und die Sammlung bzw. Ablage der Einzelmaterialien und -ergebnisse genutzt werden. Die Geschichte vom „Roten Faden“ Bei der königlichen Flotte wurden sämtliche Tauwerke, vom stärksten bis zum schwächsten, so gesponnen, dass ein roter Faden durchging, den man nicht herauswinden konnte, ohne alles aufzulösen; damit war auch noch an den kleinsten Stücken zu erkennen, dass sie der britischen Krone gehörten bzw. dieser entwendet worden waren (vgl. Goethe zit. nach Sachsen, 1892, S. 212). Das schrittweise Erschließen wissenschaftlicher Materialien steht mit dem jeweiligen Erkenntnisstand des Bearbeiters in enger Wechselwirkung. Während in den ersten Tagen der Lesen und schreiben Themenbezug VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 118 6 Materialauswertung118 Stoffsammlung nur einige wenige Schlagworte oder Kategorien zu Grunde gelegt werden können, differenziert und wandelt sich eine solche Einteilung nahezu mit jedem weiteren Tag des dynamischen Arbeitsprozesses. Für die ersten Arbeitsgliederungen gilt, dass der „Lust am systematischen Untergliedern“ (Poenicke, 1988, S. 39) kein Einhalt geboten werden sollte; eine Gewichtung sowie die (gegebenenfalls erforderliche) Zusammenfassung einzelner Unterpunkte kann der Überarbeitungsphase vorbehalten bleiben. Je differenzierter die ursprüngliche, Schritt für Schritt entwickelte (vorläufige) Gliederung ist, desto einfacher ist später die Manuskripterstellung: Jeder Punkt umfasst dann nur mehr einige wenige Gedanken und Probleme, eine erste Formulierung findet sich hierfür immer leichter als für umfassende und komplexe Fragestellungen. Der Gliederungsprozess sollte zeitlich weitgehend parallel mit der Materialauswahl ablaufen. Die in dieser Arbeitsphase sehr intensive, tägliche Auseinandersetzung mit dem Aufbau und Inhalt der ausgewählten Literatur liefert gleichzeitig Rohstoff für eigene Gliederungsversuche und -entwürfe. Möglichst frühzeitig sollte dabei auch schon ein gewisses formales Gliederungsschema zu Grunde gelegt werden. Dieses Vorgehen zwingt zu einer laufenden Gewichtung der herausgearbeiteten Probleme. Zudem wird durch eine solche formale – aber flexibel zu handhabende – Zuordnung von Anfang an das eigene Arbeiten stärker strukturiert. Als Gliederungsform findet fast ausschließlich die nummerische Ordnung, die den meisten Textprogrammen unterlegt ist, Anwendung; die alpha-nummerische (gemischte) Ordnung ist die klassische Alternative. 6.1.1 Nummerische Ordnung Nach der nummerischen Ordnung, nach der auch diese Anleitung gegliedert ist, werden die Hauptabschnitte eines Textes, mit Eins beginnend, fortlaufend nummeriert;1 jede nachgeordnete Stufe beginnt erneut mit der Ziffer Eins. Nach jeder Zahl muss ein Punkt stehen, der Schlusspunkt aber entfällt. Gliederungs- (unter-)punkte dürfen niemals 1 Soweit die Zahl 0 verwendet wird, muss sie systematisch auch in den weiteren Abstufungen berücksichtigt werden, indem jeweils zu Beginn einer Stufe eine Null nachgestellt wird. Besser zu viel gliedern Wer A sagt, muss auch B sagen VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 119 6.1 Gliederung 119 allein stehen, sie müssen mindestens zwei Einheiten umfassen; wo nicht unterteilt werden muss (oder kann), bedarf es keines (einzelnen) eigenständigen Gliederungspunktes. Der Ausweis einer nummerischen Ordnung kann entweder nach dem Linienprinzip oder dem Abstufungsprinzip aufgebaut sein. Die nummerische Gliederung dieses Buches ist nach dem Linienprinzip erstellt. Nummerische abgestufte Gliederung 1 Gebrauchsanweisung 2 Der wissenschaftliche Arbeitsprozess 2.1 Planung 2.1.1 Projektplanung 2.1.2 Kostenplanung 2.1.3 Steuerplanung 2.1.4 Zeit- und Terminplanung 2.1.5 Beispiel: Arbeitsplanung 2.2 Vorarbeiten 2.2.1 Arbeitsplatz 2.2.1.1 Bibliothek 2.2.1.2 Seminarraum/PC-Labor 2.2.1.3 Wohnung 2.2.2 Arbeitsmittel Das nummerischen Gliederungssystem birgt ein Risiko: Nach drei bis vier Ordnungszahlen wird die Textaufteilung oftmals bereits unübersichtlich; eine tiefere Gliederung führt zu einem Zahlenfriedhof, der eine Orientierung nicht erleichtert. Von einer Gruppenbildung mit jeweils abgeschlossener Zählung (z. B. Buchteile oder Kapitel) ist abzuraten, da dabei zwangsläufig gleiche Zahlenreihen mehrfach verwendet werden, die – ohne Zusätze – einem Buchteil nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können. 6.1.2 Alpha-nummerische Ordnung Bei der traditionellen alpha-nummerischen, gemischten Ordnung werden wechselnde Symbole aus verschiedenen Schriften und Zahlen verwendet; der Wechsel erlaubt optisch eine leichtere Differenzierung und Orientierung; auch VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 120 6 Materialauswertung120 diese Gliederungssystematik findet entweder nach dem Linienprinzip oder dem alternativen Abstufungsprinzip Verwendung. Die zunehmende Digitalisierung aber hat dieses Ordnungssystem zunehmend zugunsten der ausschließlich nummerischen Gliederung verdrängt. Alpha nummerische abgestufte Gliederung A. Lateinische Großbuchstaben I. Römische Zahlen 1. Arabische Zahlen a. Lateinische Kleinbuchstaben b. – –  – a. Griechische Kleinbuchstaben b. – –  – 2. – –  – II. – – – B. – – – In beiden Ordnungssystemen werden die im Text bzw. den Fußnoten erforderlichen Querverweise gleichermaßen nach der Ordnungsziffer und der jeweiligen Seitenzahl vorgenommen, die zusammen einen exakten Nachweis zulassen. Die Auffassungen bezüglich des für wissenschaftliche Arbeiten optimalen Ordnungssystems sind geteilt: In jedem Fall sollten daher diesbezüglich zwingende Vorgaben eines Prüfers oder einer Prüfungsordnung beachtet werden. Bei selbstgewählten Alternativen ist auf die Eindeutigkeit der Bezeichnungen und eine konsequente Systematik zu achten; dabei sollten missverständliche, weil z. B. mit Textausführungen verwechselbare Symbole – wie §-Zeichen – vermieden werden. Unabhängig von dem gewählten Gliederungssystem sollte das (Zwischen-)Ergebnis im Verlauf einer Texterstellung immer wieder kritisch danach hinterfragt werden, ob mit dem Gliederungsansatz das angestrebte Ergebnis möglichst klar dargestellt und aufbereitet wird: Werden gleichgeordnete Gedanken auch in gleichgeordnete Kapitel aufgenommen, werden die Hauptpunkte auch in vergleichbaren Gliederungsebenen ausgewiesen und werden die einzelnen Kapi- Konsequent gliedern Inhalte beachten VAHLEN WiSt Theisen – Wissenschaftliches Arbeiten Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.06.2013 Status: Imprimatur Seite 121 6.2 Dateien 121 tel ungefähr gleich tief gegliedert oder ergeben sich „Klumpen“? Häufig dokumentiert eine zu tiefe Gliederung die Unfähigkeit (oder Unwilligkeit) des Verfassers, Gleichordnungen zu erkennen und nur die jeweils damit verbundenen Spezialprobleme Unterpunkten zuzuordnen. Zudem kann jeder Text – unabhängig von dessen Länge – durch optische bzw. drucktechnische Mittel weiter strukturiert und damit auch inhaltlich gegliedert werden: •• Absätze, die sinnvolle Leseeinheiten thematisch gegeneinander abgrenzen •• Einzüge, die – gegebenenfalls mit einfachem Zeilenabstand geschrieben – wichtige Passagen hervorheben oder aus dem Text herausstellen •• Spiegelstriche, Bullet Points oder andere Symbole, die eine Aufzählung oder Zusammenfassung verdeutlichen. 6.2 Dateien Für die allermeisten Studierenden sind elektronische Dateien ein unverzichtbares Arbeitsmittel: Gebundene Hefte oder Ringbücher mit fliegenden Blättern sind ungeeignet, die traditionellen Papier-Karteikarten nicht mehr zeitgemäß. Sobald eine Seminararbeit ansteht, spätestens aber bei der Bachelor- bzw. Masterarbeit, sollte die Arbeit mit elektronischen Dateien und einer entsprechenden Datenverwaltung aufgenommen und die eigene Organisation damit erleichtert werden. Die technischen Einzelheiten bei der Wahl dieses Arbeitsmittels sind aber auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Einige wichtige Punkte sollten beachtet werden, um große Zeit- und/oder Geldopfer auszuschließen. Meistens sind zwei bis drei getrennte Dateien erforderlich, aber zugleich auch ausreichend (vgl. Stickel-Wolf/Wolf, 2011, S. 163–167).

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk zum wissenschaftlichen Arbeiten - neu gestaltet, bewährte Qualität.

"hervorragend, ganz große Klasse. Da steht ganz klar drin, wie man schreibt." Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin

"Egal, ob man vor einer Seminar-, Bachelor-, Master- oder Facharbeit steht: Auf den 'Theisen' ist Verlass." Der Neue Tag

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Dr. Dr. Manuel René Theisen ist Universitätsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und begeistert von der "Lehre des wissenschaftlichen Arbeitens" (Hodegetik).