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D. Fallstudie: IT-Unterstützung logistischer Prozesse: SAP und Humana in:

Bernhard Swoboda, Rolf Weiber

Grundzüge betrieblicher Leistungsprozesse, page 222 - 228

Marketing, Innovation, Produktion, Logistik und Beschaffung

1. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4631-9, ISBN online: 978-3-8006-4632-6, https://doi.org/10.15358/9783800646326_222

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D. Fallstudie: IT-Unterstützung logistischer Prozesse: SAP und Humana 207 Logistiksystem. Aufgabe der City-Logistik ist die kooperative Produktion von Logistikleistungen, die eine Ver- und Entsorgung einer Stadt oder eines Ballungsraums sicherstellt. Beteiligte an solchen Konzepten sind Einzelhandels- und logistische Dienstleistungsunternehmen und die Kommunen, von denen die Rahmenbedingungen vorgegeben werden. Realisiert werden können die Konzepte durch den Aufbau von Güterverteilzentren in verkehrsgünstiger Stadtrandlage, die von verschiedenen Herstellern, Handelsunternehmen und Logistik-Dienstleistern beliefert und in denen die Waren für unterschiedliche Kunden in der Innenstadt gebündelt werden. Die Güterverteilzentren werden dabei oft von mehreren Logistik-Dienstleistern wiederum in Kooperation betrieben. In-Store-Logistik Mit Blick auf den stationären Handel kann weiterhin die In-Store-Logistik herausgestellt werden, die eine Form der outletbezogenen Intra-Logistik darstellt. Die Warenbewegungen im Laden stellen einen wichtigen Teil der logistischen Prozesskette im Handel dar. Da die dort vorhandene Fläche i.d.R. die teuerste ist und das Verkaufspersonal in erster Linie andere Aufgaben wahrnehmen sollte, sind eine Optimierung der Regalpflege und die Reduktion der Warenhandlingprozesse im Laden wichtige Zielsetzungen.1 Die Prozesse der In-Store-Logistik weisen zugleich enge Beziehungen zu anderen logistischen Prozessen auf vorgelagerten Stufen auf, so den Kommissionierprozessen. So führt die Beladung der Roll-Container nach Lagerlayout i.d.R. zu Ineffizienzen in den Filialen. Der Grund hierbei liegt darin, dass die von einer Filiale bestellte Ware fast immer in der Reihenfolge kommissioniert wird, in der sie sich im Zentrallager befindet. So ist das Filialpersonal vielfach gezwungen mit einem Roll-Container in der Filiale von einem Artikelstandort zum nächsten quer durch den Laden zu fahren. Bei der Kontrolle der Lieferung auf Vollständigkeit ergibt sich zudem das Problem, auf allen Roll-Containern einer Lieferung regelrecht nach allen Verkaufseinheiten eines Artikels suchen zu müssen. D. Fallstudie: IT-Unterstützung logistischer Prozesse: SAP und Humana2 I. Darstellung der Unternehmen Diese Fallstudie thematisiert die komplexen Warenunterstützungssysteme, welche die SAP AG zur Steuerung von Logistikprozessen und darüber hinaus von integrierten Supply Chain-Prozessen (vgl. hierzu das Achte Kapitel) anbietet. SAP verfolgt eine breite Sicht von Logistikprozessen, von der Auftragsannahme bis zum Exportmanagement und bietet hierfür spezifische integrierte Softwarelösungen für idealtypisch strukturierte Prozesse an (siehe Abbildung 6.12). Von den vielfachen Unterstützungslösungen stehen das „Transportation Management“ (SAP TM) und das „Extended Warehouse Management“ (SAP EWM) im Zentrum der logistischen Lösungen (siehe Abbildung 6.13). Nachfolgende Ausführungen sind auf das SAP EWM begrenzt – um seine wichtigsten Bestandteile tiefer darstellen zu können. Die Komplexität und der Erfolg einer Systemeinführung werden im Kontext eines SAP-Projektes beim Unternehmen Humana Milchunion behandelt. 1 Die In-Store-Logistik-Prozesse weisen große Unterschiede zwischen den Betriebstypen wie auch branchenspezifische Unterschiede auf, z.B. Lebensmittel- im Vergleich zu Textilbranche. 2 Die Fallstudie basiert auf Informationen der Unternehmen; wir danken Herrn Christoph Schröder, SAP AG, für die freundliche Unterstützung (vgl. auch www.humana-unternehmensgruppe.com). 208 Sechstes Kapitel: Supply Chain-Prozess: Logistik als Wertschöpfungsaktivität Abbildung 6.12: „End-to-End“ Logistikprozess Die Humana Milchunion Unternehmensgruppe (Die Frische zählt!) mit Hauptsitz in Everswinkel bietet Produkte und Services rund um die Milchverarbeitung an, d.h. Milchbasisprodukte, Käse, Joghurts, Desserts, Brotaufstriche, Eiscreme, Babynahrung, Gesundheitsprodukte, Industrieerzeugnisse. Rund drei Mrd. kg Milch verarbeitet die genossenschaftlich organisierte Gruppe jährlich, dessen operatives Geschäft die Humana Milchindustrie GmbH führt, womit es die Nummer zwei im deutschen Milchmarkt sowie international einer der führenden milchverarbeitenden Unternehmen ist (ca. 2,2 Mrd. EUR Umsatz, 2800 Mitarbeiter). Solche immensen Mengen zu verarbeiten und auszuliefern, verlangt eine effiziente Logistik, sodass sich das Unternehmen entschloss seine IT-Landschaft grundlegend zu modernisieren. „Wir beobachten schon seit Langem, dass die Anforderungen an die Logistik immer anspruchsvoller werden, auch wenn die Prozesse scheinbar bekannt sind“, betont Bernd Wöstenkötter, Leiter IT bei der Humana Milchunion. Ein wichtiger Baustein war dabei die Einführung von SAP EWM und zusätzlich des SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) als IT-Lösungen für Logistik und Produktion, die bis zum Ende des Jahrs 2012 im Gesamtunternehmen verfügbar sein wird. Abbildung 6.13: SAP Extended Warehouse Management Überwachung der Supply Chain Vertrieb Distribution Logistik Risk / Compliance Finanzen Einkauf Rechnungsbearbeitung Debitorenprozesse Lieferversprechen Auftragsannahme Lieferungsgenerierung Frachtabrechnung Frachtplan Frachtanforderungen Import Management Export Management Bestandsführung Auftragserfüllung Beschaffungsversprechen Global Supply Chain Visibility, Event Management, Alerting, Reporting Speditionsauftrag Frachtausschreibung Wareneingang Global Trade MgmtWarehouse Mgmt Transportation MgmtAuftragsprüfung D. Fallstudie: IT-Unterstützung logistischer Prozesse: SAP und Humana 209 Durch diese wachsenden Anforderungen stießen die bisherigen Logistiklösungen an die Leistungsgrenzen; verstärkt durch die heterogene IT-Landschaft: „Wir hatten beinahe so viele Lösungen wie Standorte, darunter auch zahlreiche Eigenentwicklungen“, bestätigt Dr. Bodo Wittig, Leiter des SAP-Competence-Center bei Humana. „Die Lösungen waren veraltet, ließen sich nicht mehr erweitern und wurden damit neuen Anforderungen nicht mehr gerecht.“ „Unser Ziel war es, Standardsoftware einzuführen und gleichzeitig unsere Prozesse zu überprüfen und über alle Standorte und Geschäftsbereiche hinweg zu vereinheitlichen“, erklärt Wöstenkötter. Im Jahr 2007 begannen die Verantwortlichen, sich nach einer neuen Software für die Logistik umzusehen. Beim SAPInfotag Lager- und Transportmanagement wurde man auf die neue Lösung SAP Extended Warehouse Management aufmerksam, sodass nach Gesprächen und einem anschließen Besuch bei einem SAP- Pilotkunden, im März 2008 die Vorentscheidung für SAP EWM fiel. Als externen Berater engagierte Humana den SAP-Partner IGZ, der sich auf Logistikprojekte spezialisiert hat. Humana entschied sich für die Implementierung von SAP MII und SAP EWM, „um Warenfluss und Produktion verzahnen und integrieren zu können,“ so Wittig. Die beiden Lösungen im Verbund ermöglichen für begrenzte Zeit einen reibungslosen Produktionsund Logistikbetrieb ohne Anbindung an weitere Systeme, so das SAP ERP. Ein weiteres wichtiges Kriterium war die Zukunftssicherheit. „Ausschlaggebend für unsere Entscheidung war die Tatsache, dass wir mit SAP EWM und SAP MII ein leistungsfähiges Paket erhalten, das uns durchgängige Prozesse ermöglicht und das wir an allen Standorten ausrollen können – unabhängig von der Topologie des Lagers und Werks“, erläutert Wittig. Ebenfalls für die Lösung sprach, dass sich mit der in SAP EWM enthaltenen Komponente „Material Flow System“ der Materialfluss integrieren und steuern lässt. Außerdem überzeugte die Integrationsfähigkeit, da SAP EWM über leistungsfähige Schnittstellen zu SAP ERP verfügt. Nach Einsatzanalyse und einer finalen Präsentation legte sich Humana im Sommer 2008 endgültig auf SAP EWM im Verbund mit SAP MII fest. Der Startschuss fiel im Januar 2009 mit der Einführung der Lösungen am Standort Coesfeld (siehe Abbildung 6.14). Nach einer Prototyping-Phase setzten die Experten von IGZ eine eigenentwickelte Simulation ein, mit der alle Prozesse in Lager und Produktion durchgespielt werden konnten, da der Standort nur minimal beeinträchtigt werden durfte. Abbildung 6.14: Projekt im Überblick Herausforderungen und Projektziele SAP-Lösungen und -Services - Heterogene IT-Landschaft in Produktion - Durchgängige Abbildung der Logistikkette, Standardisierung und reibungslose Abläufe - Integration der Lagerverwaltung in andere zentrale Prozesse der Logistikabwicklung - Anpassung der Prozesse an die steigen den (Kunden-)Anforderungen in der Logistik - Aufbau von SAP-Know-how im Unternehmen - SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) mit der Komponente Material Flow System - SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) Entscheidung für SAP Hauptnutzen für das Unternehmen - Leistungsfähiges Softwarepaket, das durchgängige Prozesse ermöglicht - Einheitliche Standards unabhängig von Topologie der einzelnen Werke und Lager - Leistungsfähige Schnittstellen zu SAP ERP - Materialflusssteuerung durch die Komponente MFS - Investitionssicherheit - Höhere Transparenz bei Beständen und Prozessen - Reduzierung der Kundenreklamationsquote auf nahezu null Prozent - Höhere Bestandsgenauigkeit, minimale Inventurdifferenzen - Leichte und schnelle Chargenrückverfolgung - Voll integrierte Prozesse ohne Medienbrüche - Verbesserter Wissenstransfer und einheitliche Terminologie über alle Standorte hinweg 210 Sechstes Kapitel: Supply Chain-Prozess: Logistik als Wertschöpfungsaktivität II. SAP Extended Warehouse Management Die durch das SAP EWM unterstützten Geschäftsprozesse sind in Abbildung 6.15 visualisiert. Nachfolgend werden ausgewählte Logistikprozesse in der Wareneingangs- und Warenausgangsverarbeitung sowie in den beiden Lagerungsprozessen angesprochen. Abbildung 6.15: Unterstützte Geschäftsprozesse und Softwarefunktionen Wareneingang Yard Management, Ein- und Auslagerungsstrategien, erwarteter Wareneingang, Cross-Docking, Kommissionieren vom Wareneingang und Push-Deployment, Transport-Cross-Docking, logistische Zusatzleistungen und Qualitätsmanagement Warenausgang Wellenmanagement und Nachschubsteuerung Lagerplatzverwaltung Handling Unit Management, Lagerungsdisposition und Inventur Distributionszentrum Planung und Überwachung, Datenfunkanbindung, Unterstützung für Seriennummern, Ressourcenmanagement, Arbeitsmanagement, Automatisierung und Unterstützung von Materialflusssystemen Wareneingang Die Wareneingangsprozesse umfassen das Yard Management, Ein- und Auslagerungsstrategien, den erwarteten Wareneingang, logistische Zusatzleistungen und das Qualitätsmanagement (siehe Abbildung 6.16). Abbildung 6.16: Wareneingangsprozesse mit SAP EWM Das Yard Management steuert und koordiniert alle Bewegungen auf dem Frachthof, d.h. es bildet Fahrzeugbewegungen anhand von Lageraufgaben ab und überwacht den Lagerhof mithilfe eines Lagerverwaltungsmonitors. Ein Yard wird in der vorhandenen Lagerstruktur definiert und kann für ein Lager oder auch mehrere Lager verwendet werden. So bildet die Software Parkpositionen für Fahrzeuge als Standardlagerplätze ab, die sich auch zu Yard- Bereichen zusammenfassen lassen. Die Registrierung von Fahrzeugen, die im Frachthof ankommen oder ihn verlassen, erfolgt an Kontrollpunkten. Von hier aus werden Lkws und Anhänger zu einer Parkposition oder zu einem Tor zum sofortigen Be- oder Entladen geleitet. Die serviceorientierte Architektur trägt dazu bei die Terminplanung zu verbessern und das Be- und Entladen von Fahrzeugen oder Transporteinheiten zu optimieren. Ein- und Auslagerungsstrategien dienen dazu, geeignete Lagerplätze für die Einlagerung und Kommissionierung von Produkten zu bestimmen. Diese Strategien kommen bei jeder Erstellung einer Lageraufgabe zum Einsatz, um den richtigen Lagerplatz zu ermitteln. Beim Wareneingang greift die Einlagerungsstrategie auf Parameter im Produktstamm zu- Wareneingang Lieferschein - Erwarteter Wareneingang - Transportation unit handling - Entladen - Lieferschein - Importzoll bearbeitung Warenbearbeitung & Einlagerung Beladung & Warenverteilung Lagerung - Qualitätsmanagement - Rücksendungen - Verpacken - Bestimmung der Einlagerung - Cross-docking (opportunistisch) - Kommunikation Materialflusssystem - Gefahrguthandhabung und -lagerung D. Fallstudie: IT-Unterstützung logistischer Prozesse: SAP und Humana 211 rück. Auf dieser Basis werden automatisch geeignete Lagerplätze für die angelieferten Produkte lokalisiert und damit die Lagerkapazität bestmöglich genutzt. Beim Warenausgang bestimmen die Produktstammdaten die Auslagerungsstrategie, um den optimalen Kommissionierplatz zu finden. SAP EWM ermöglicht es auch Warenbewegungen manuell zu bearbeiten, z.B. die automatisch zugewiesenen Vor- und Nachlagerplätze zu ändern. Ein- und Auslagerungsstrategien werden auch für interne Umlagerungen verwendet, z.B. zur Nachschubsteuerung oder zur Lager-Reorganisation. Die verschiedenen Strategien sind bspw. Eingabe, Fixplatz, Freilager, Zulagerung, Leerplatz, Nähe Kommissionierfixplatz, Palettenlager und Blocklager. Unterstützte Auslagerungsstrategien sind „First In, First Out“, „Last In, First Out“, Mindesthaltbarkeitsdatum, Fixplatz usw. Um erwartete Wareneingänge im Lager zu starten, wird meistens aufgrund eines Lieferavis eine Anlieferung im Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) erzeugt. Bei SAP EWM wird der Einkaufsbeleg aus dem ERP-System als erwarteter Wareneingang dargestellt, um die Wareneingangsprozesse auf diese Weise im Lager anstoßen zu können. Der Wareneingang wird dann so gesteuert, dass die Anlieferungen auf Basis der Ankunft des Lkws erzeugt und verifiziert werden. Für die eingehenden Waren werden Toleranzprüfungen durchgeführt. Der Lagerleiter kann die Arbeitslast prüfen und zukünftige Wareneingänge auf Basis der Anzahl der für den Tag vorgemerkten Lieferavise und Bestellpositionen planen. Die Wareneingangsfunktionen schließen interne Eingänge aus Fertigungsaufträgen, Umlagerungen aus anderen Lagern sowie Wareneingänge von Zulieferern ein. Zu den logistischen Zusatzleistungen zählt bspw. das Cross-Docking, wodurch eine erhebliche Reduzierung der Lagerkosten erreicht wird, indem die Produktbewegungen durch Direktbereitstellungen, d.h. direkte Weiterleitung vom Wareneingang zum Warenausgang, gesteuert wird. Weitere Charakteristika sind: die Zahl der bearbeiteten Handling Units steigt, die Kundenaufträge können schneller erfüllt werden und der Durchsatz kann erhöht werden. Das Cross-Docking kann entweder über ein anderes System – z.B. SAP ERP – veranlasst werden oder von SAP EWM. Ein sog. opportunistisches Cross-Docking wird bspw. von der Software selbst angestoßen. Weitere logistische Zusatzleistungen sind das sog. Kommissionieren vom Wareneingang und das Push-Deployment. Das Qualitätsmanagement wird durch die Quality Inspection Engine unterstützt. Sie bildet die Prozesse zur Überprüfung der Qualitätskriterien für gelieferte Produkte ab. Damit lassen sich beim Wareneingang komplette Lieferungen oder einzelne Handling Units überprüfen, Lieferungen zählen oder Kundenretouren kontrollieren. Im Lager kann die Qualitätsprüfung für ein eingelagertes Produkt auch manuell angestoßen werden. Weitere Parameter für die Qualitätsprüfungen können definiert und Prüfergebnisse angefordert werden. Warenausgang Die Warenausgangsprozesse umfassen u.a. das Wellenmanagement, die Nachschubsteuerung und die Produktionsversorgung (siehe Abbildung 6.17). Mithilfe von Wellen werden Lieferpositionen für die Steuerung von Lagerprozessen, z.B. Kommissionierungsaktivitäten – möglichst optimal in Arbeitspaketen gebündelt und in den Folgeabläufen zusammen abgearbeitet. Lageranforderungs- und Splitpositionen können aufgrund von Kriterien wie Aktivitätsbereich, Route oder Produkt in solchen Wellen zusammengefasst werden. Vorlagen, in denen die Attribute der jeweiligen Wellen festgelegt sind, vereinfachen deren Erzeugung. Zudem dienen die Vorlagen als Infrastruktur für die automatische Wellenzuordnung. Die Vorlagen sind für die manuelle wie für die automatische Erstellung von Wellen nutzbar. Der Warenausgangsprozess beginnt mit der Gruppierung von Lieferpositionen in Wellen unter Berücksichtigung von zeitlichen sowie kapaziti- 212 Sechstes Kapitel: Supply Chain-Prozess: Logistik als Wertschöpfungsaktivität ven Restriktionen. So kann durch das Wellenmanagement aus den Lieferpositionsdaten ein angemessener Arbeitsaufwand ermittelt und freigegeben werden. Abbildung 6.17: Warenausgangsprozesse mit SAP EWM Nachschubprozesse stellen eine bedarfsgemäße Steuerung des Bestandes im Kommissionierbereich sicher. Diese Steuerung kann nach diversen Kriterien ausrichtet werden, z.B. Mindest- und Höchstbestand, nachfragebasierter Lagerbedarf und ausnahmenbasierter Nachschub. Wenn in einem nach Mindest- und Höchstbestand gesteuerten Nachschubsystem der definierte Mindestbestand erreicht ist, wird automatisch ein Nachschubauftrag angelegt und der Lagerplatz mit Paletteneinheiten wieder bis zum Höchstbestand gefüllt. Lager: Lagerplatzverwaltung und -optimierung SAP EWM bildet verschiedene Lager ab, z.B. Hochregallager, Blocklager oder Fixplatzlager. Bestände können als eine Kombination von Produkten und Verpackungsmaterialien geführt und als Handling Units definiert werden. Diese ermöglichen flexible Lagerbewegungen sowie Transparenz über den Inhalt einer Palette oder eines Containers. Die Verwaltung der Produktbestände, die sich anhand von Vorlagen definieren lassen, geschieht auf Lagerplatzebene. SAP EWM macht es Mitarbeitern leichter, die Bestände optimal zu lagern und jedem Produkt nach Größe und Zugriffshäufigkeit den jeweils besten Lagerplatz zuzuweisen. Die Funktion für die Lagerungsdisposition hilft dabei. Da die Bestandsverwaltung in SAP ERP und SAP Extended Warehouse Management vollständig integriert sind, ist es einfacher, Inventuren durchzuführen und Bestandsdifferenzen zu erfassen. Insofern sind die hier verfügbaren Tools, u.a. Handling Unit Management, Lagerungsdisposition (i.S. Ein- und Auslagerungsstrategien), Inventur. Lager: Distributionszentrum Die Prozesse für das Distributionszentrum umfassen Planung und Überwachung, Datenfunkanbindung, Unterstützung für Seriennummern, Ressourcenmanagement, Arbeitsmanagement sowie Automatisierung und Unterstützung von Materialflusssystemen. Für die Planung und Überwachung fungiert der Lagerverwaltungsmonitor von SAP EWM als zentrales Steuer- und Kontrollinstrument und verschafft den Mitarbeitern im Lager stets einen kompletten und aktuellen Überblick über die Lageraktivitäten. Er liefert Informationen zur Kommissionierung, Einlagerung und Inventur sowie zum Ressourcenmanagement, zu Lagerbeständen, Aufgaben und Anforderungen. Die Benutzer können den Monitor so einrichten, dass er nur die für sie relevanten Geschäftsprozesse anzeigt. Außerdem ermöglicht das interaktive Tool die Zuordnung, Initiierung und Steuerung von Arbeitsabläufen. Zu höherer Mitarbeiterproduktivität trägt das Lagercockpit bei. Ferner können Daten über Wellenplanung - Optimierung der Arbeitsplanung - Kommissionierweg - Bestimmung der Kommisionierbehälter Materialflusssystem BeladungVerpackung & Versandvorbereitung - Materialbezug - Monitoring of MFS via Central warehouse monitor - Einhaltung von Exportvorgaben - Transportation unit handling - Yard management - Verpackung Kommissionierung - Optimierung der Arbeitsplanung - Kommisionierstrategien - Papier-, Funk-. Sprachbasierte Kommisionierung Warenausgang E. Literatur und Übungsfragen 213 Barcodes oder Tags erfasst werden (z.B. mittels Softwareunabhängiger Radio-Frequency- Geräten, RFID), was den Qualitätsstandard im Lager sichergestellt. Explizit anzusprechen ist das Ressourcenmanagement (welches die Effizienz der Lagerprozesse, z.B. Leerfahrten im Lager, über intelligente Bündelung von Lageraufträgen steigert) sowie die Automatisierung und Unterstützung von Materialflusssystemen (durch offene Schnittstellen zu Fremdsystemen). III. Fazit und Ausblick Mit den umfassenden Lagerverwaltungsfunktionen von SAP können Logistikprozesse deutlich verbessert werden, wie die folgenden Verbesserungspotentiale im Branchendurchschnitt verdeutlichen: - Verbesserung der Lieferzeitgenauigkeit um 37 Prozentpunkte, auf ein Niveau, das über dem Branchenbenchmark von gegenwärtig ca. 93,1% liegt. - Senkung der Transportausgaben um 40 Prozentpunkte, auf ein Niveau, das unter dem Branchenbenchmark von gegenwärtig 3,6% des Umsatzanteils liegt. - Erhöhung des Lagerumschlags um 30 Prozentpunkte, auf ein Niveau, das über dem Branchenbenchmark von gegenwärtig 5,9% liegt. Im ersten Werk von Humana Milchunion zeigte sich eine genauere Bestandsführung und eine minimale Reklamationsquote nach der Einführung von SAP EWM. Humana profitiert von weiteren Vorteilen. „Die Qualität unserer Arbeit hat sich in allen Belangen weiter verbessert“, bestätigt Projektleiter Stefan Heitsiek. „So konnten wir die ohnehin niedrige Zahl an Reklamationen wegen Fehlkommissionierungen oder Fehlmengen weiter reduzieren. Unsere Reklamationsquote ist seit der Einführung auf nahezu null gesunken.“ Damit einher geht eine noch genauere Bestandsführung, da sowohl die Bestände als auch die Prozesse in Werk, Lager und Logistik heute wesentlich transparenter sind. Und auch in Sachen Inventurdifferenzen hat Humana einen weiteren Schritt nach vorne gemacht, wie Heitsiek betont: „Die Differenzen bewegen sich seit Einführung von SAP EWM im Promillebereich und sind somit vernachlässigbar.“ Aufgrund der hohen Bestandsgenauigkeit gehen die Humana-Verantwortlichen inzwischen davon aus, dass sie die Stichtagsinventur mittelfristig abschaffen und die Abläufe weiter entlastet werden können. Die höhere Transparenz der Bestände und Prozesse bietet auch erhebliche Vorteile in Sachen Rückverfolgbarkeit. „Wir können schneller und einfacher einzelne Chargen verfolgen“, bestätigt Heitsiek. „Auch bei einer Betriebsprüfung erhalten wir dadurch zusätzliche Sicherheit.“ Insgesamt profitiert Humana durch die Einführung von SAP EWM von einer lückenlos integrierten Warenwirtschaftskette ohne Medienbrüche – vom Lieferanten über Werke (vernetzt über die zwölf Standorte) und Lager bis hin zum Kunden. „Wir sprechen konzernweit eine Sprache in Sachen Lieferkette“, sagt Heitsiek. E. Literatur und Übungsfragen Basisliteratur Kummer, S.; Grün, O.; Jammernegg, W. (2009): Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, 2. Aufl., Wiesbaden. Pfohl, H.C. (2010): Logistiksysteme – Betriebswirtschaftliche Grundlagen, 8. Aufl., Berlin. Zentes, J.; Swoboda, B.; Foscht, T. (2012): Handelsmanagement, 3. Aufl., München.

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References

Zusammenfassung

Leistungsprozesse erfolgreich gestalten

Dieses Werk ist nach dem Muster kunden- und marktorientierter Unternehmen aufgebaut und geht von der Absatzmarktbetrachtung aus. Es führt in die grundlegenden Ansätze und Methoden des modernen Managements der Leistungsprozesse ein, erklärt Zusammenhänge in der Praxis und vermittelt zugleich das grundlegende betriebswirtschaftliche Wissen. Das Buch richtet sich an Studierende und Entscheidungsträger.

Schwerpunkte

- Markt- und prozessorientierte Wertschöpfungserstellung und Leistungsprozesse

- Gestaltung der Marktbearbeitungs-Prozesse: Marketing, Innovation und deren Interdependenzen

- Gestaltung der Supply Chain-Prozesse: Produktion, Logistik, Beschaffung und deren Interdependenzen