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C. Arten von Innovationen in:

Bernhard Swoboda, Rolf Weiber

Grundzüge betrieblicher Leistungsprozesse, page 113 - 115

Marketing, Innovation, Produktion, Logistik und Beschaffung

1. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4631-9, ISBN online: 978-3-8006-4632-6, https://doi.org/10.15358/9783800646326_113

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98 Drittes Kapitel: Marktbearbeitungs-Prozess: Innovation/F&E als Wertschöpfungsaktivität Fehlinvestitionen in unrentable bzw. fehlgeleitete Innovationsvorhaben zu vermeiden, ist ein Optimierungsprozess erforderlich, der auf die Effektivität und die Effizienz der Innovationstätigkeit abzielt, d.h. es gilt solche Produktinnovationen zu finden, die „really produce extraordinary economic results“ (Drucker 1973, S. 45), wobei die „richtigen“ Innovationsfelder nur durch eine wirksame Innovationsbedarfsforschung gefunden werden können. Dabei gilt es, Entwicklungszeiten zu verkürzen, Kosten zu reduzieren und insgesamt beim Einsatz der unternehmerischen Ressourcen ein entsprechend dem Wirtschaftlichkeitsprinzip gestaltetes Kosten/Nutzen-Verhältnis zu erreichen. C. Arten von Innovationen Der Begriff „Innovation“ ist in der Literatur nicht eindeutig bestimmt (vgl. zu einem Überblick unterschiedlicher Innovationsdefinitionen Dietz 1989, S. 40ff.; Hauschildt/Salomo 2007, S. 4ff.). Konzentrieren sich die Betrachtungen auf die Wesensmerkmale von Innovationen, so ist allen Begriffsbestimmungen jedoch gemeinsam, dass sie als konstituierendes Element die „Neuartigkeit“ herausstellen (vgl. Brockhoff 1987, S. 55; Zahn 1991, S. 120), wobei sich hier drei grundsätzliche Dimensionen des Innovationsbegriffs identifizieren lassen (Hauschildt/Salomo 2007, S. 14ff.; Weiber/Kollmann/Pohl 2006, S. 96ff.):1 1. die objektbezogene Innovationsdimension (Was ist neu?), 2. die subjektbezogene Innovationsdimension (Für wen ist etwas neu?) und 3. die prozessbezogene Innovationsdimension (Wie werden Neuerungen generiert?). Weitere Abgrenzungen von Innovationen In der Literatur wurden unterschiedliche Innovationskategorien entwickelt (vgl. Dietz 1989, S. 64ff.; Trommsdorff/Schneider 1990, S. 4ff.; Hauschildt/Salomo 2007, S. 8ff.). Eine verbreitete Differenzierung ist die Unterscheidung nach Produkt-, Prozess- und Sozialinnovationen. Dabei beziehen sich Prozessinnovationen auf Neuerungen im betrieblichen Leistungserstellungsprozess, wobei die Zielsetzungen in Qualitätsverbesserungen, der Sicherheit des Leistungserstellungsprozesses oder der Vermeidung von Umweltschäden liegen können. Demgegenüber betreffen Produktinnovationen Änderungen im Leistungsprogramm eines Unternehmens und zielen auf die Realisierung eines Kundenvorteils ab. Sozialinnovationen stellen „planmäßige Änderungen im Humanbereich von Unternehmungen“ dar (Thom 1992, S. 8). Bedeutung erlangt haben auch sog. Innovationsausprägungen, die den Intensitätsgrad bzw. Neuerungsgrad von Innovationen widerspiegeln (vgl. Dietz 1989, S. 53). Mensch (1975, S. 292ff.) stuft das „Ausmaß der Neuerung“ ordinal ab in Basis-, Verbesserungs- und Scheininnovationen. Die Begriffe Basis- und Verbesserungsinnovationen sind primär in volkswirtschaftlich orientierten Analysen zu finden, während bei einer unternehmensspezifischen Sicht von Neuerungen meist die Begriffe Radikal- und Inkrementalinnovationen verwendet werden. Aus Unternehmenssicht sind Basisinnovationen (Radikalinnovationen) primär dadurch gekennzeichnet, dass neuartige Lösungen für bestimmte Probleme angeboten werden, während Verbesserungsinnovationen (Inkrementalinnovationen) hauptsächlich den Charakter von Weiterentwicklungen bestehender Problemlösungsmöglichkeiten aufweisen. Scheininnovationen stellen lediglich unwesentliche Veränderungen dar. (1) Die objektbezogene Dimension stellt auf das Ergebnis des Innovationsprozesses ab, das sich in Produkten, Verfahrensweisen, Ideen oder auch Verhaltensweisen nieder- 1 Zur Abgrenzung von Innovationen nach der Neuartigkeit wird in der Literatur auf unterschiedliche Kriterien zurückgegriffen, z.B. die „Wahrnehmung der Neuartigkeit“, „Tatsache und Ausmaß der Neuartigkeit“, die „Erstmaligkeit der Neuartigkeit“ und „neuartige Zweck-Mittel-Kombinationen“ (vgl. hierzu Hauschildt/Salomo 2007, S. 4ff.). C. Arten von Innovationen 99 schlagen kann. Die objektbezogene Dimension wird in der Literatur häufig zur Typenbildung von Innovationen herangezogen, wobei sich eine Differenzierung zum einen nach dem Ergebnistyp bzw. Zielobjekt und zum anderen nach dem Auswirkungs- bzw. Intensitätsgrad von Innovationen vornehmen lässt: - Herstellung eines für die Nachfrager neuen Produktes (Produktinnovation) - Einführung eines neuen Produktionsverfahrens (Verfahrensinnovation) - Erschließung eines neuen Absatzmarktes (Marktinnovation) - Erschließung neuer Beschaffungsquellen (Beschaffungsinnovation) - Durchführung organisatorischer Neuerungen (Strukturinnovation). (2) Die subjektbezogene Dimension des Innovationsbegriffs konkretisiert sich in der Fragestellung, auf welche Zielgruppe Innovationen gerichtet sind. Eine allgemeine Differenzierung kann dabei nach der Anbieter- und der Nachfragerseite vorgenommen werden: „Für die Unternehmung ist eine Innovation dann zu konstatieren, wenn sie eine technische Neuerung erstmalig nutzt, unabhängig davon, ob andere Unternehmen den Schritt vor ihr getan haben oder nicht“ (Witte 1973, S. 3). Analog zu dieser Überlegung liegen Innovationen dann vor, wenn sie „innerhalb einer Branche oder einer technologisch und absatzwirtschaftlich vergleichbaren Gruppe von Unternehmen erstmalig eingeführt werden“ (Hauschildt/Salomo 2007, S. 24). Abbildung 3.2: Differenzierung internationaler Innovationen Quelle: in Anlehnung an Homburg/Krohmer 2009, S. 544. Die subjektive Dimension führt zu der Frage, wann überhaupt von Neuheiten gesprochen werden darf. Zunächst kann festgestellt werden, dass sich Innovationen grundsätzlich nicht objektiv, sondern allenfalls objektivierend bestimmen lassen, d.h. entscheidend für die Einstufung eines Sachverhaltes als Innovation ist letztendlich immer nur die subjektive Wahrnehmung. Die zentrale Fragestellung konkretisiert sich dann im Hinblick auf die Zielgruppen der Innovationen, so - Innovation für ein Unternehmen (erstmalige Nutzung der Neuerung). - Innovation für Konsumenten (subjektiv wahrgenommener Grad der Neuerung), z.B. 100 Drittes Kapitel: Marktbearbeitungs-Prozess: Innovation/F&E als Wertschöpfungsaktivität - Produktinnovation wird in der subjektiven Wahrnehmung des Nachfragers als neuartig empfunden und weicht in der Wahrnehmung erheblich von den am Markt angebotenen Leistungen ab, oder - Neuprodukt ist eine Leistung, die von den bisherigen Angeboten des Unternehmens abweicht und damit aus Anbietersicht neuartig ist. Dies können sowohl Innovationen als auch Imitationen der am Markt bereits befindlichen Produkte sein. Innovationen können somit kaum objektiv bestimmt werden, wenngleich diese durch entsprechende Systematiken, wie in Abbildung 3.2 dargestellt, abgegrenzt werden. Entscheidend für die Einstufung eines Sachverhaltes als Innovation ist letztendlich die subjektive Wahrnehmung. Entscheidend für die „Neuartigkeit“ ist somit nicht die Veränderung z.B. gegenüber einem existierenden Status quo, sondern die Veränderung im Bewusstsein des Individuums, auf die die Innovation gerichtet ist. (3) Die prozessbezogene Innovationsdimension stellt auf die spezifischen Charakteristika im Verlauf der Innovationsgenerierung ab und wird im Detail im nächsten Abschnitt behandelt. D. Phasen eines systematischen Innovationsprozesses I. Überblick In der Literatur wird der Innovationsprozess in unterschiedicher Anzahl an Phasen betrachtet (vgl. zu einem Überblick Hauschildt/Salomo 2007, S. 26ff.). Gemein ist diesen Phasen, dass sie i.d.R. mit der Ideengenerierung beginnen und mit der Markteinführung bzw. der Verwendung einer Innovation enden. Der Innovationsprozess bezeichnet die Gesamtheit der Aktivitäten, die in Zusammenhang mit der Generierung, Entwicklung und Einführung einer Innovation stehen und lässt sich durch verschiedene Phasen charakterisieren, die jeweils bestimmte Aktivitäten repräsentieren. In der Unternehmenspraxis bilden Innovationen oft das Ergebnis eines emergenten, nicht geplanten Prozesses. Aus einer Planungsperspektive heraus wird oftmals gefordert, entsprechende Prozesse beherrschbar zu machen oder allgemeiner die Entwicklung und Kontrolle standardisierter Entwicklungsprozesse (Routinen) voranzutreiben, wie auch eine dauerhafte Innovationskultur im Unternehmen zu implementieren. I.S. der „Planning School“ (vgl. hierzu Zentes/Swoboda/Foscht 2012, S. 99) der strategischen Managementforschung wird gefordert, dass Innovationen (Planung, Organisation und Kontrolle) das Ergebnis eines geplanten Prozesses sein sollen. Die gemeinsame Zielsetzung der vielfältigen Phasenkonzepte zum Innovationsprozess liegt in dem Bemühen, jeweils solche Aktivitäten im Innovationsprozess zu identifizieren, die erforderlich sind, um eine möglichst hohe Erfolgswahrscheinlichkeit des Innovationsergebnisses – i.S. einer am Markt eingeführten Neuerung – zu erzielen. Die sorgfältige und möglichst gewissenhafte Durchführung des Innovationsprozesses ist damit als eine zentrale Determinante des Innovationserfolges anzusehen. Fehler, die im Innovationsprozess gemacht werden (z.B. ungenügende Berücksichtigung der Kundenanforderungen) lassen sich im Nachhinein, d.h. nach erfolgter Markteinführung, nur noch unter größten Anstrengungen, wenn überhaupt, ausgleichen. Die Kosten eines Fehlerausgleichs sind umso geringer, je früher Fehlerquellen im Innovationsprozess erkannt und behoben werden können.

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Zusammenfassung

Leistungsprozesse erfolgreich gestalten

Dieses Werk ist nach dem Muster kunden- und marktorientierter Unternehmen aufgebaut und geht von der Absatzmarktbetrachtung aus. Es führt in die grundlegenden Ansätze und Methoden des modernen Managements der Leistungsprozesse ein, erklärt Zusammenhänge in der Praxis und vermittelt zugleich das grundlegende betriebswirtschaftliche Wissen. Das Buch richtet sich an Studierende und Entscheidungsträger.

Schwerpunkte

- Markt- und prozessorientierte Wertschöpfungserstellung und Leistungsprozesse

- Gestaltung der Marktbearbeitungs-Prozesse: Marketing, Innovation und deren Interdependenzen

- Gestaltung der Supply Chain-Prozesse: Produktion, Logistik, Beschaffung und deren Interdependenzen