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8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften in:

Silke Boenigk, Bernd Helmig

Nonprofit Management, page 219 - 226

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3707-2, ISBN online: 978-3-8006-4614-2, https://doi.org/10.15358/9783800646142_219

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 213 8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften 213 Nachdem sich die Nonprofit-Organisation für eine Partnerschaft entschlossen und diese implementiert hat, gelangt die Partnerschaft in die Ergebnisstufe, wobei in der einschlägigen Literatur drei verschiedene Ergebniskategorien differenziert werden (Kanter 1999; Seitanidi 2010): • Organisationale Ergebnisse der Partnerschaft: Ergebnisse für die Organisation werden in der US-amerikanischen Forschung als „organizational outcomes“ bezeichnet. Für Nonprofit-Organisationen kann dies die Einflussnahme auf andere Sektoren, für öffentliche Organisationen ein Know-how Zuwachs sein. Für Unternehmen ergeben sich beispielsweise Ergebnisse, wie eine umweltfreundliche Produktion oder Kontakte zu Nonprofit-Experten. • Soziale Ergebnisse der Partnerschaft: Soziale Ergebnisse, im Englischen als „social outcomes“ bezeichnet, sind Ergebnisse einer Partnerschaft, die sich aus dem Tätigkeitsbereich bzw. aus der Mission der Nonprofit-Organisation heraus ergeben. Dabei kann es sich um die Fortsetzung der Tätigkeiten für einen bestimmten Zweck, z. B. Verteilung von Medikamenten in Entwicklungsländern, durch die finanzielle Unterstützung eines Unternehmens oder die Verstärkung des Personals durch Freiwilligenarbeit der Unternehmen handeln. • Gesellschaftliche Ergebnisse der Partnerschaft: Ergebnisse für die Gesellschaft oder „societal outcomes“ umfassen letztlich jene Wirkungen einer Nonprofit-Partnerschaft, die für die Gesellschaft als Ganzes entstehen. Die Zusammenarbeit in einer Partnerschaft kann beispielsweise zur Reduktion von Arbeitslosigkeit in einer bestimmten Region eines Landes führen (Provan/Milward 2001). 8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften 8.3.1 Begriffliche Grundlagen und Forschungsbereiche Corporate-Nonprofit-Partnerschaften stellen eine Form der intersektoralen Partnerschaften dar, die Nonprofit-Organisationen eingehen können. Diese werden in der deutschsprachigen Nonprofit-Forschung auch mit (teilweise englischsprachigen) Begriffen wie, „Kooperationen zwischen Profit- und Nonprofit-Organisationen“ (Meffert/Holzberg 2009), „Civil-Private Partnerships“ (Prinzhorn 2010) oder „soziale Kooperationen“ (Damm/Lang 2001), bezeichnet. In der US-amerikanischen Forschung werden mehrheitlich die Begriffe „crosssector partnerships“ (Bryson/Crosby/Middleton Stone 2006; Seitanidi 2010), „social partnerships“ (Waddock 1988), „cross-sector alliances“ oder „cross-sector relationships“ (Wymer/Samu 2003) verwendet. D ef in it io n Was versteht man unter einer Corporate-Nonprofit-Partnerschaft? Unter einer Corporate-Nonprofit-Partnerschaft versteht man die bewusste Zusammenarbeit einer oder mehrerer gewinnorientierter Unternehmen mit einer oder mehreren Nonprofit-Organisationen. Die Partnerschaft beinhaltet den Einsatz von Ressourcen, wie Zeit und finanzielle Mittel, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, das in Verbindung mit einer Nonprofit-Mission steht und ohne die Partnerschaft nicht oder nur schlechter realisierbar wäre. Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 214 8 Nonprofit-Partnerschaften214 In der Wissenschaft gelten Corporate-Nonprofit-Partnerschaften als ein noch junges Forschungsgebiet. Daher können Erkenntnisse zu diesem Phänomen in verschiedenen Fachdisziplinen gefunden werden. So erstreckt sich die Corporate-Nonprofit-Partnerschaftsliteratur zum einen auf den brachenbezogenen Bereich der Bildungs-, Umwelt- sowie Gesundheitsmanagementforschung, zum anderen werden Corporate-Nonprofit-Partnerschaften auch in der allgemeinen Organisationsforschung thematisiert (Seitanidi 2010). Insgesamt lassen sich in der Corporate-Nonprofit-Partnerschaftsliteratur fünf inhaltliche Forschungsstränge identifizieren. Dies sind Arbeiten zu: • Eigenschaften von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften, • Erfolgsfaktoren zur Entstehung von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften, • Managementaspekten innerhalb von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften, • rechtlichen und ethischen Gesichtspunkten von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften, • Ergebnissen von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften. Diese Stränge zeigen die verschiedenen Forschungsinteressen und -gebiete auf und können auch einer der drei Entwicklungsstufen von Nonprofit-Partnerschaften zugeordnet werden. Die beiden ersten Forschungsstränge behandeln Corporate-Nonprofit-Partnerschaften in der Entstehungsstufe. Innerhalb des ersten Forschungsstranges befassen sich Wissenschaftler mit Eigenschaften und Definitionen des Partnerschaftsphänomens zwischen Unternehmen und Nonprofit-Organisationen auf nationaler oder länderübergreifender Ebene (Austin 2000; Elkington/Fennell 2000; Heap 2000; Schneidewind/Petersen 2000; Wymer/Samu 2003). Im zweiten Forschungsstrang finden sich vor allem Studien, die sich mit Erfolgsfaktoren von Partnerschaften, wie Dialog und Vertrauen, auseinandersetzen. Der Fokus liegt auf der Identifikation von Strategien, die zu einer erfolgreichen, langfristigen Partnerschaft beitragen (Waddock 1988; Bendell/ Murphy 2000; Loza 2004). In der Corporate-Nonprofit-Partnerschaftsliteratur finden sich auch theoretische Ansätze zur Begründung der Entstehung dieser Partnerschaften. So begründen Schneidewind und Petersen (1998) die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Organisationen des Nonprofit-Sektors mit der „Structuration Theory“. Theorieblock: Was versteht man unter der „Structuration Theory“? Die „Structuration Theory“ wurde durch den britischen Soziologen Anthony Giddens in seinem 1984 erschienenen Buch „The Constitution of Society“ formuliert und versucht ein wissenschaftstheoretisches Problem zu lösen, nämlich wie sich das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft gestaltet, oder anders formuliert: Wie ist das Verhältnis zwischen den Teilen und dem Ganzen oder zwischen Handlung und Struktur vorstellbar. Ein Leitbegriff der Theorie ist die „Dualität der Struktur“, womit eine Wechselwirkung zwischen dem Handeln und der Struktur gemeint ist. Formalisierte Regeln in Organisationen sind dementsprechend nur begrenzt verhaltenssteuernd, da sie durch die Individuen in Unternehmen interpretiert werden müssen. Sie sind daher Medium und Ergebnis sozialen Handelns zugleich. Individuen beziehen sich in ihren Handlungen auf diese gegebene Struktur und produzieren bzw. reproduzieren sie dadurch (Giddens 1984). Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 215 8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften 215 Schneidewind/Petersen (1998) betonen, dass Kooperationen zwischen Unternehmen und Nonprofit-Organisationen eine besondere Bedeutung hinsichtlich strukturbildenden Handlungen einnehmen. Dies insbesondere, da in diesen Kooperationen Individuen mit unterschiedlichen Wertesystemen und Zielen aufeinandertreffen, die wiederum erzeugen, dass Routinehandlungen in Frage gestellt und gegebene Strukturen verändert werden können. Studien des dritten und vierten Forschungsstranges beziehen sich vorwiegend auf Corporate-Nonprofit-Partnerschaften in der Implementierungsstufe. Untersucht werden verschiedene Managementaspekte, wie beispielsweise Ziele, Organisationsstrukturen oder Personalvoraussetzungen einer Partnerschaft. In einigen dieser Studien wird auch der Entwicklungsprozess von Corporate- Nonprofit-Kooperationen beschrieben (Crane 1998; Austin 2003; Fowler/Heap 2000; Backer 2007). Studien zu rechtlichen und ethischen Gesichtspunkten bei Partnerschaften thematisieren die Frage der Verantwortlichkeiten sowie Rechtmäßigkeiten innerhalb von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften. Des Weiteren werden auch Befugnisse sowie Kulturaspekte in Partnerschaften diskutiert (Millar/Choi/Chen 2004; Parker/Selsky 2004). Innerhalb des fünften Forschungsstranges wird letztlich der Frage nachgegangen, wie die Ergebnisse von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften gemessen werden können. Die Bandbreite zur Messung des Erfolgs reicht von der Analyse isolierter Kennzahlen (z. B. Kosten der Partnerschaft, Anzahl investierter Stunden in die Partnerschaft) bis hin zu Modellen, die auch soziale und/oder die gesellschaftlichen Auswirkungen der Partnerschaft erfassen und dokumentieren wollen (Millar/Choi/Chen 2004; Seitanidi 2008). 8.3.2 Kooperationsformen von Corporate-Nonprofit- Partnerschaften Im Bereich der Corporate-Nonprofit-Partnerschaften haben sich bereits verschiedene Formen von Kooperationen etabliert (vgl. Abb. 8-3). Diese unterscheiden sich insofern, als in einigen Kooperationsformen das Unternehmen mehr Einflussnahme und in anderen Kontexten die Nonprofit-Organisation mehr Handlungsspielraum und Entscheidungsfreiheit ausüben kann. Ferner variieren Corporate-Nonprofit-Partnerschaften angesichts der grundsätzlichen Orientierung der Partnerschaft. Die Grundorientierung − und somit auch die Ziele der Partnerschaft − können seitens der Partner entweder eher Marktorientierung oder Sozialorientierung sein (Wymer/Samu 2003). Die in Abbildung 8-3 dargestellten Kooperationsformen sind jedoch nicht mit den übergeordneten, strategischen Konzepten sozialer Verantwortung von Unternehmen, wie Corporate Social Responsibility (CSR), Corporate Citizenship, Corporate Philanthropy oder Strategic Philanthropy, zu verwechseln. Die genannten Ansätze stellen eher globale Konzepte einer verantwortlichen Unternehmensführung dar und umfassen die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen in allen Bereichen der Unternehmenstätigkeiten und in den Beziehungen zu Mitarbeitern, Kunden, dem Gemeinwesen und Zulieferern (Bassen/Jastram/Meyer 2005), während die hier näher diskutierten Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 216 8 Nonprofit-Partnerschaften216 Kooperationsformen unter diesen Konzepten angesiedelt sind und einen stärker instrumentellen Charakter aufweisen. Im Marketingbereich hat sich beispielsweise das Cause-Related Marketing als wohl typischste Form einer Corporate-Nonprofit-Partnerschaft fest etabliert (vgl. auch Kapitel 5). Cause-Related Marketing bedeutet „Zweck gebundenes Marketing“ und beschreibt eine Partnerschaft zwischen einem Unternehmen und einer Nonprofit-Organisation, bei der ein gewisser Betrag des Verkaufserlöses eines Produktes oder einer Dienstleistung bei Kauf oder Inanspruchnahme an eine Nonprofit-Organisation gespendet wird (Varadarajan/Menon 1988; Grau/ Folse 2007; Helmig/Lauper 2007; Oloko/Balderjahn 2009). Die Verwendung des Begriffs „Spende“ ist in Cause-Related Marketingkampagnen üblich, obwohl es sich streng genommen nicht immer um eine Spende im steuerrechtlichen Sinne handelt, sondern teilweise auch um Sponsoring- oder Lizenzverträge handelt, die die Basis für die Partnerschaft bilden. Richtungsweisend für die Entwicklung des Cause-Related Marketing war Anfang der 1980er Jahre eine Kampagne von American Express, die mit jedem transaktionsbezogenen Einsatz der Kreditkarte einen bestimmten Betrag zur Restaurierung der Freiheitsstatue in New York spendete. Vorreiter in Deutschland war in den 90er-Jahren die Cause-Related Marketingkampagne „Rettet den Regenwald“ der Brauerei Krombacher mit dem World Wildlife Fund (WWF), welche die erfolgreichste Marketingkampagne der Firmengeschichte wurde. In jüngster Zeit finden sich Beispiele zur Umsetzung von Cause-Related Marketingkampagnen nicht mehr nur im Bereich der Fast-Moving Consumer Goods, und somit in tendenziell eher niedrigen Preissegmenten, sondern vermehrt auch im Luxusbereich. Corporate Giving Corporate Foundations Corporate Volunteering Cause-Related Marketing Marktorientierung Soziale Orientierung Einflussnahme der Nonprofit-Organisation Einflussnahme des Unternehmens Lizenzvereinbarungen Sponsoring Übergreifende, strategische Corporate Social Responsibility Konzepte Abbildung 8-3: Kooperationsformen von Corporate-Nonprofit Partnerschaften im Überblick (Quelle: In Anlehnung an Wymer/Samu 2003) Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 217 8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften 217 Minicase: Gucci for UNICEF „Seitdem die Gucci-UNICEF Partnerschaft im Jahr 2005 in das Leben gerufen wurde, hat Gucci mehr als 8 Millionen US$ an UNICEF gespendet. Geld, das den Bildungs-, Gesundheits-, Schutz- und Trinkwasserprogrammen des Kinderhilfswerks zum Schutz von Waisen und von HIV/AIDS betroffenen Kindern in Zentralafrika zugutekommt – einer Region, in der mehr als 14 Millionen Kinder einen oder beide Elternteile an die Krankheit verloren haben. Vom 15. April 2010 bis zum 28. Februar 2011 hat Gucci 25 % des Verkaufserlöses der „Gucci for UNICEF“ Sukey Bag, die in Gucci Stores in mehr als 20 Ländern erhältlich war, gespendet. Die Erlöse unterstützen die UNICEF-Programme „Schulen für Afrika“ in Malawi und Mozambique, wo fast eine Million Kinder aufgrund des HIV/Aids Virus zu Waisen wurden.“ Quelle: www.gucci.de Die Marktorientierung sowie die Einflussnahme des Unternehmens werden in Abbildung  8-3 etwas höher als diejenige der beteiligten Nonprofit-Organisation eingeschätzt. Dies aus folgenden Gründen: Erstens erschließen sich Unternehmen durch die Partnerschaft neue Zielgruppen, wie beispielsweise die sogenannten LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability). Dies führt zu potenziellen Marktanteilssteigerungen durch die Cause-Related Marketingkampagne. Zweitens wird die beworbene Marke und/oder das Unternehmen durch die Partnerschaft „sozial“ aufgewertet und dies führt zu positiven Imageeffekten für das Unternehmen (Samu/Wymer 2001; Meffert/Holzberg 2009). Forschungsarbeiten, die sich mit dem Nutzen von Cause-Related Marketing aus der Perspektive von Nonprofit-Organisationen auseinandersetzen, sind hingegen vergleichsweise rar (Runté/Basil/Deshpande 2009). Primär wird der zusätzliche Spendeneingang als Vorteil einer Beteiligung an einer Cause-Related Marketingkampagne diskutiert und auch kritisch hinterfragt, ob die Spendenhöhe nicht auch durch eigene Spendensammelaktionen eingeworben werden könnte. Ob darüber hinaus noch weitere Wirkungen, wie Bekanntheitsgradsteigerungen oder eine Mitgliedergewinnung, seitens der Nonprofit-Organisation erzielt werden können, ist bislang nicht belegt. Cause-Related Marketing weist insofern einen engen Bezug zu klassischen Lizenzvereinbarungen oder auch zum Sponsoring auf (vgl. Abb. 8-3), die zwar beide auch als eine Kooperationsform zwischen einem Unternehmen und einer Nonprofit-Organisation bezeichnet werden können (z. B. im Sport- oder Kultursponsoring), in diesem Lehrbuch aber nicht weiter vertieft werden, weil es sich bei diesen Kooperationsformen um klare vertragliche Absprachen zu Leistung und Gegenleistungen handelt, bei denen die Erreichung marktorientierter Ziele (z. B. Finanzierung, Einschaltquoten, Abverkauf) im Vordergrund stehen. Corporate Giving ist eine weitere, in Abbildung 8-3 dargestellte Kooperationsform, die durch einseitige und meist vorübergehende Geld- und Sachspenden von Unternehmen an Nonprofit-Organisationen gekennzeichnet ist (Adams/ Hardwick 1998; Amato/Amato 2007; Zhang et al. 2010). In einer Befragung von PricewaterhouseCoopers (2007) unter den 500 größten Aktiengesellschaften in Deutschland setzten die befragten Unternehmen bei ihrer Spendenvergabe Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 218 8 Nonprofit-Partnerschaften218 einen deutlichen Schwerpunkt auf Projekte mit lokalem oder sozialem Bezug aus dem direkten Umfeld. Im Rahmen von Corporate-Nonprofit-Partnerschaften wird nicht nur Geld, sondern häufig auch Zeit gespendet. Dieses Engagement von Mitarbeitenden eines Unternehmens wird als Corporate Volunteering oder „gemeinnütziges Arbeitgeberengagement“ bezeichnet (Metz/Theis 2009). Corporate Volunteering impliziert eine größere unternehmerische Einflussnahme für die beteiligten Nonprofit-Organisationen als bei Cause-Related Marketing Partnerschaften, da die sozialen Projekte bzw. Kooperationspartner nicht zentral von der Unternehmensführung festgelegt werden, sondern die Mitarbeitenden selbst, zumeist aus dem eigenen sozialen Umfeld, Projektvorschläge für eine Zeitspende machen (Basil et al. 2009; Muthuri/Matten/Moon 2009). In Anbetracht der Tatsache, dass Corporate Volunteering zu einem erhöhten Anteil an langfristiger Freiwilligenarbeit führt und Unternehmen generell stärker involviert sind, wird die in Abbildung  8-3 angesprochene Einflussnahme der Nonprofit-Organisation innerhalb dieser Kooperation, im Vergleich zum Cause-Related Marketing, tendenziell höher eingeschätzt. Der Nutzen des Corporate Volunteering für die Unternehmen liegt vornehmlich in der Steigerung der Mitarbeitermotivation und -bindung (Schubert/ Littmann-Wernli/Tingler 2002; Wehner/ Lorenz/Gentille 2008). Minicase: Corporate Volunteering Programm „G+J Commitment“ Im Juni 2008 startete Gruner + Jahr das Corporate Volunteering Programm „G+J Commitment“. Das Unternehmen unterstreicht damit die Bereitschaft, seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. „G+J Commitment“ soll Führungskräfte und Mitarbeiter von G+J ein Ansporn sein, sich für eine gute Sache einzusetzen. Das persönliche Engagement hilft dabei nicht nur den Betroffenen, sondern erweitert auch den eigenen Horizont. Es schärft den Blick für die Bedürfnisse des Gemeinwohls und damit das Verständnis für soziale Notlagen. Auf diese Weise wird ein Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Gesellschaft erreicht. Die Initiative besteht aus mehreren Bausteinen. (1) Alle Mitarbeiter können für jeden Tag Urlaub, den sie für ihr Engagement bei einer sozialen oder karitativen Institution einsetzen, zusätzlich einen Tag bezahlten Urlaub beantragen (maximal drei Tage pro Jahr). (2) Zweitens besteht für die Mitarbeiter die Möglichkeit, einen finanziellen Zuschuss für Sachkosten (bis zur Höhe von 1.111 Euro) zu beantragen. Wer über das persönliche Engagement hinaus mit einer Geldspende helfen will, kann eine zusätzliche Spende von Gruner + Jahr bis zur dreifachen Höhe des eigenen Betrags erhalten (maximal 3.333 Euro). Wie viel Geld ein Mitarbeitender bekommt, entscheidet der „G+J Commitment“-Ausschuss. Die Mitglieder dieses Ausschusses bestehen aus Vertretern der Personalabteilung, des Betriebsrats, der Unternehmenskommunikation sowie leitenden Angestellten. Copyright: Gruner + Jahr 2010 Im Vergleich zu Corporate Giving und Corporate Volunteering sind die in Abbildung 8-3 dargestellten Corporate Foundations, das heißt unternehmensnahe Stiftungen, zumeist von den strategischen Geschäftsfeldern des Unternehmens Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 219 8.3 Corporate-Nonprofit-Partnerschaften 219 entkoppelt und fördern eigene soziale Projekte. Zu den bekannten unternehmensnahen Stiftungen zählen zum Beispiel die Bertelsmann Stiftung, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, die Körber-Stiftung, die Deutsche Telekom Stiftung oder auch die Vodafone Stiftung. Insofern handelt es sich streng genommen nicht um eine Kooperations-, sondern um eine eigenständige Rechtsform, finanziert durch Kapital des entsprechenden Unternehmens oder eines Unternehmensgründers. Derzeit wird von ca. 1.500 Corporate Foundations in Deutschland ausgegangen; mit steigender Tendenz (Junck 2007, S. 37). Teilweise wird in der Literatur auch das Social Entrepreneurship zum Bereich der Corporate-Nonprofit-Partnerschaften gezählt. In diesem Lehrbuch wird dieser Ansicht jedoch nur bedingt gefolgt, weil es sich dabei im engeren Sinne um ein eigenständiges Geschäftsmodell zur Realisierung von sozialen Zielen handelt (Austin/Stevenson/Wei-Skillern 2006). Oder anders formuliert: Ein gewinn orientiertes Unternehmen wird nicht per se durch das Eingehen einer Partnerschaft mit einer Nonprofit-Organisation zum Social Entrepreneur, sondern erst dann, wenn das gesamte Kerngeschäft (z. B. die Vergabe von Mikrokrediten) auf ein soziales Anliegen ausgerichtet wird (Swanson/Di Zhang 2010). Das Gewinnziel ist bei einem Social Entrepreneur dem sozialen Ziel somit untergeordnet bzw. wird in das Unternehmen oder die sozialen Projekte reinvestiert (Achleitner/Pöllath/Stahl 2007; Yunus/Moingeon/Lehmann-Ortega 2010). Minicase: Grameen Danone Foods – Ausgezeichnet mit dem Vision Award 2009 Seit dem Jahr 2006 kooperiert Danone mit der nicht profitorientierten Grameen Bank in Bangladesh. Gemeinsam haben sie das Sozialunternehmen „Grameen Danone Foods“ gegründet, bei dem nicht der Gewinn, sondern das soziale Engagement für die Armutsbekämpfung in der Dritten Welt im Vordergrund steht. Erwirtschaftete Renditen werden in das Unternehmen reinvestiert. „Erlaubt“ ist eine Dividende von maximal 1 Prozent. Danone produziert in lokalen Fabriken den Joghurt „Schokti Doi“. Die Milch wird zu einem festen Preis abgenommen und ein kostenloser Veterinärservice sichert die Gesundheit der Tiere und damit die Milchqualität. Der Joghurt wird von den „Grameen-Ladies“ verkauft. Sie gehen mit einer Kühltasche von Haustür zu Haustür und verkaufen das Produkt für 6 Cent pro Becher. Das entspricht dem lokalen Konsumniveau. Pro verkauften Becher verdienen die Grameen-Ladies einen kleinen Betrag und erwirtschaften so ihren Lebensunterhalt. Um den Menschen vor Ort zu ermöglichen, Milch für die Fabrik zu produzieren oder als „Grameen-Lady“ tätig zu sein, vergibt die Grameen Bank Mikrokredite von durchschnittlich 30 bis 40 Euro. Die Bauern können damit eine Milchkuh oder Futter kaufen und Kühlschränke für die Lagerung der Milch bis zur Abholung in die Fabrik finanzieren. Die Grameen-Ladies haben mit dem Kredit eine Anschubfinanzierung und können damit zum Beispiel die ersten Kühltaschen füllen. Die Kooperation schafft damit Arbeitsplätze, unterstützt den Agrarsektor und tut gleichzeitig etwas für die Nährstoffversorgung der Menschen vor Ort. Copyright: Danone 2010 Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 220 8 Nonprofit-Partnerschaften220 8.4 Public-Nonprofit-Partnerschaften 8.4.1 Begriffliche Grundlagen und Forschungsbereiche In den letzten Jahrzehnten wurden Public-Nonprofit-Partnerschaften gebildet, um einer Vielzahl von gesellschaftlichen Anliegen, wie z. B. Umweltschutz, Bildungsreformen oder regionaler Entwicklung, zu begegnen (Kapucu 2006). In der zumeist englischsprachigen Forschung wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Government-Nonprofit Partnership“ verwendet (Brinkerhoff 2002a; Gazley/Brudney 2007). D ef in it io n Was versteht man unter einer Public-Nonprofit-Partnerschaft? Unter einer Public-Nonprofit-Partnerschaft versteht man die bewusste Zusammenarbeit einer oder mehrerer staatlicher Organisationen mit einer oder mehreren Nonprofit-Organisationen. Die Partnerschaft wird von dem Streben nach knappen Ressourcen des jeweiligen Sektors getrieben. Zumeist sind dies die Erfahrung und personelle Kapazitäten für die öffentliche Hand und die finanziellen Mittel für den Nonprofit-Sektor. Salamon (1995) begründet die Zusammenarbeit von öffentlichen und Nonprofit- Organisationen insbesondere mit dem Ansatz des „Voluntary Failure“. Theorieblock: Was versteht man unter Voluntary Failure und Third-Party Government? Unter Voluntary Failure, also dem Versagen des Nonprofit-Sektors, werden vier grundlegende Probleme zusammengefasst, die durch eine Partnerschaft mit dem Staat kompensiert werden können bzw. sollen: (1) Die Schwierigkeit von Nonprofit-Organisationen, verlässliche Ströme von Ressourcen, z. B. finanzielle Mittel oder Personal, sicherzustellen, um die Mission zu erfüllen. (2) Die Schwierigkeit, dass viele Nonprofit-Organisationen primär auf eine Zielgruppe fokussiert sind, z. B. eine bestimmte religiöse, ethnische, oder andere Interessensgruppe. (3) Die Schwierigkeit, dass die Orientierung der Nonprofit-Organisationen oftmals von den Geldgebern mit den größten finanziellen Ressourcen gesteuert wird. (4) Der Vorwurf der geringen Professionalisierung bei der Aufgabenerfüllung, u. a. aufgrund des Einsatzes von Freiwilligen. Durch eine Kooperation der Nonprofit-Organisationen mit dem Staat soll so die Bereitstellung von öffentlichen Dienstleistungen gewährleistet werden. Mittlerweile haben sich in Bezug auf Public-Nonprofit-Partnerschaften einige spezifische Forschungsbereiche herausgebildet, die teilweise mit denjenigen aus der Corporate-Nonprofit-Partnerschaftsforschung übereinstimmen (Nolte/ Boenigk 2011). Insbesondere finden sich Forschungsarbeiten zu den: • Erfolgsfaktoren von Public-Nonprofit-Partnerschaften, • Ergebnissen von Public-Nonprofit-Partnerschaften. Ein zentrales Ergebnis der Forschungsarbeiten zu Erfolgsfaktoren ist, dass fünf Einflussfaktoren – Kommunikation, Koordination, Gegenseitigkeit, Vertrauen und Erfahrung – wesentlich dafür sind, dass eine Public-Nonprofit-Partner-

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References

Zusammenfassung

Gewinner des VHB-Lehrbuchpreises 2013!

Die Bedeutung von Nonprofit-Organisationen wird angesichts der immer schwieriger werdenden staatlichen Finanzierung vieler Aktivitäten stetig steigen. Einhergehend mit dieser Entwicklung und den großen Spendenvolumina, die teilweise damit verbunden sind, nimmt auch der Bedarf an der Professionalisierung des Nonprofit-Sektors zu. Dies sollte jedoch nicht durch eine unreflektierte Anwendung von betriebswirtschaftlichen Instrumenten erfolgen. Dementsprechend zeigt dieses Buch die Besonderheiten des Management von Nonprofit-Organisationen systematisch auf. Nur so kann dem Wunsch von Spendern und sonstigen Anspruchsgruppen von Nonprofit-Organisationen nach effizienter und effektiver Mittelverwendung sowie nach Transparenz, Rechenschaftslegung und Verantwortlichkeit Rechnung getragen werden.

Dieses Lehrbuch führt Studierende, Wissenschaftler und Führungskräfte aus der Praxis in die Grundlagen des Nonprofit Management ein. Dabei werden alle zentralen Bereiche des so genannten Dritten Sektors vorgestellt. Zahlreiche Beispiele und Fallstudien aus verschiedenen Nonprofit-Branchen veranschaulichen die Konzepte und ermöglichen ein schnelles Umsetzen in die Praxis.

Ergänzend zum Buch wurde unter www.nonprofit-management.biz eine umfassende Lernplattform mit Videos, Selbsttests, Fallstudien und Beispielen eingerichtet.

Preise:

Am 24. Juni 2013 erhielten die Autoren Bernd Helmig und Silke Boenigk für Ihr Lehrbuch "Nonprofit Management" den Lehrbuchpreis des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). In der Laudation von Prof. Dr. Dorothea Greiling heißt es dazu: Das vom VHB in diesem Jahr ausgezeichnete Lehrbuch schließt hier nicht nur eine inhaltliche Lücke, sondern zeichnet sich auch durch die didaktische Aufmachung als hervorragend geeignet für den Einsatz in der akademischen Lehre aus: Umfangreiche E-Learning-Angebote, das Wechselspiel zwischen Theorieblöcken und Minicases und der klare Duktus in der Leserführung sind vorbildhaft nicht nur, was die Ausbildung in Methoden und Konzepten des Nonprofit-Managements angeht, sondern auch betreffend die praktische Umsetzung.

Pressestimmen:

"Das Lehrbuch vermittelt eine zeitgemäße Einführung in den Themenbereich des Nonprofit Management und ist auf dem besten Weg, sich als Standardwerk zu etablieren. Es kann daher als Einführungswerk sowohl für Studierende und Wissenschaftler als auch für Führungskräfte aus der Nonprofit-Praxis mit Interesse an dieser Thematik bestens empfohlen werden."

Manfred Bruhn, in: Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen 04/2012

"Kurzum: Wer einsteigen will, rindet in diesem Buch einen sehr guten Wegweiser, wer weiterarbeiten möchte, profitiert von der Literaturauswertung und der klaren Struktur."

in: Verbändereport 05/2012, zur 1. Auflage 2012

"Alle Themen werden kurz und klar dargestellt. Besonders gefällt die häufige und zu den jeweiligen Themen gut passende Einbeziehung von Beispielen. Damit gewinnt diese Publikation für Praktiker, Studenten und Wissenschaftler als Einstiegs- und Nachschlagewerk in Lehre und Praxis eine besondere Bedeutung."

Swen Neumann, in: Die Stiftung 04/2012

"Wegen der zunehmenden Bedeutung der NPOs war es an der Zeit, die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten von Profit- und Nonprofit-Organisationen systematisch in einem Lehrbuch aufzubereiten. Den beiden Autoren ist dies nicht nur inhaltlich, sondern auch in didaktischer Hinsicht hervorragend gelungen."

in: WISU 07/12

Über die Autoren:

Prof. Dr. Bernd Helmig lehrt Public und Nonprofit Management an der Universität Mannheim. Prof. Dr. Silke Boenigk lehrt Betriebswirtschaft, insbesondere Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen, an der Universität Hamburg