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6.3 Transaktionsorientiertes Fundraising in:

Silke Boenigk, Bernd Helmig

Nonprofit Management, page 184 - 191

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3707-2, ISBN online: 978-3-8006-4614-2, https://doi.org/10.15358/9783800646142_184

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 178 6 Fundraising Management178 Spendenwirkung erzielt werden kann, dies die Spende positiv beeinflusst. Dies ist insofern ein positiv verstärkender situativer Einflussfaktor. Es kann aber auch negativ wirkende Einflussfaktoren geben, beispielsweise die Tatsache, dass auch Wettbewerber um die Gunst des Spenders werben. Sofern eine Spende getätigt wurde (vgl. Abb. 6-3) treten in der Folge verschiedene psychologische Spendenwirkungen ein. Zum einen identifiziert sich der Spender mit dem Spendenzweck und der jeweiligen Nonprofit-Organisation. Teilweise wird in diesem Zusammenhang auch von „Fan“ gesprochen. Zudem stellt sich eine Spendenzufriedenheit und Spenderbindung ein, dass heißt, die Person ist grundsätzlich bereit, erneut eine Spende zu tätigen, spricht im Freundes- oder Bekanntenkreis positiv über die Organisation oder ist sogar bereit, sich auch als Freiwilliger oder Ehrenamtlicher in der Nonprofit-Organisation zu engagieren. Dies löst dann die Zweitspende bzw. ggf. auch eine Zeitspende aus und eine stabile Spendenbeziehung ist erreicht. 6.3 Transaktionsorientiertes Fundraising 6.3.1 Merkmale des transaktionsorientierten versus Relationship Fundraising Seit der Veröffentlichung von Burnett im Jahr 1992 zum Thema Relationship Fundraising hat sich sowohl in der Fundraisingforschung als auch in der Praxis eine Entwicklung weg von einer stark transaktionsorientierten Sichtweise, bei der die kurzfristige Akquisition von Geld- und Sachmitteln im Vordergrund steht, hin zu einer deutlichen Fokussierung auf die Beziehung zum Spender vollzogen. Die beiden Ansätze lassen sich anhand von sieben Merkmalen unterscheiden (Sargeant 2001a; Scherhag/Boenigk 2010). Nr. Unterscheidungsmerkmal Transaktionsorientiertes Fundraising Relationship Fundraising 1. Fokus Einzelne Spenden Spenderbindung 2. Perspektive Dringlichkeit des Spendenzwecks Aufbau einer Spender beziehung 3. Zeithorizont Kurzfristig Langfristig 4. Kennzahlen ROI, Spendensumme Donor Lifetime Value 5. Spenderorientierung Wenig ausgeprägt Stark ausgeprägt 6. Integration des Spenders Spender als Finanzie rungsquelle Starke Integration in die Leistungserstellung 7. Art der Spende Fokus liegt primär auf der Geldspende Fokus liegt auf Geld , Sach und Zeitspenden Tabelle 6-1: Merkmale des transaktionsorientierten und Relationship Fundraising (Quelle: in Anlehnung an Sargeant 2001a; Scherhag/Boenigk 2010) Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 179 6.3 Transaktionsorientiertes Fundraising 179 Der Ansatz des transaktionsorientierten Fundraising fokussiert die Akquisition einzelner Spenden für einen Spendenzweck, der, wie zuvor dargelegt, eine hohe Dringlichkeit aufweisen kann. Insofern ist der Zeithorizont der Spendensammelaktion im transaktionsorientierten Fundraising eher kurzfristig. Die Beurteilung des Erfolgs des Fundraising richtet sich an der Höhe der Spendensumme pro Spender aus, während die Orientierung an den Interessen des Spenders eher weniger ausgeprägt ist. Das heißt, der Spender wird primär als externe Finanzierungsquelle betrachtet und ein Einbezug oder eine Partizipation des Spenders in die Tätigkeiten und Projekte der Nonprofit-Organisation ist nicht vorgesehen. Daraus folgt, dass der Fokus der Fundraisingaktionen zumeist auf der Akquisition von Geldspenden liegt. Im Gegensatz dazu steht beim Relationship Fundraising (vgl. Tab. 6-1) die Bindung der Spender an die Organisation im Zentrum des Fundraising Management. Alle Aktivitäten der Organisation orientieren sich an der Beziehung zum Spender und dienen dem Aufbau und dem Erhalt der Beziehung. In der Konsequenz haben zahlreiche Nonprofit-Organisationen die von Burnett (2002) vorgeschlagene Spenderpyramide übernommen, die verschiedene Spendersegmente unterscheidet (vgl. Abb. 6-4). Der Erfolg des Relationship Fundraising wird ebenfalls sehr differenziert anhand des so genannten „Donor Lifetime Value“ evaluiert (Sargeant 2001b). Spender Verbundene Spender Legate Großspender Erstmalige Spender Spenderanfragen (Interessenten) Abbildung 6-4: Spenderpyramide (Quelle: Burnett 2002) Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 180 6 Fundraising Management180 D ef in it io n u n d B er ec h n u n g Was versteht man dem Spenderlebenswert (Donor Lifetime Value)? Der Spenderlebenswert (Donor Lifetime Value) ist ein Erfolgsmaß für das Re lationship Fundraising einer Nonprofit Organisation, mit dem der zukünftige monetäre Wert der Spender für die Nonprofit Organisation ermittelt werden kann. Bei der Berechnung werden die Spendenerlöse über den kompletten Spenderlebenszyklus den Kosten für den Aufbau und den Erhalt der Spender beziehungen gegenübergestellt und anschließend auf den gegenwärtigen Zeitpunkt diskontiert. Die Spendenerlöse werden anhand der Dauer der Spen derbeziehung, der Spendenhäufigkeit und der Spendenhöhe ermittelt. Die Kosten werden oftmals in Rekrutierungskosten (z. B. Kampagnen, Spenden events) und Kommunikationskosten (z. B. Anzeigen, Mailings) unterteilt. Die Formel zur Berechnung des Spenderlebenswertes ergibt sich daraus wie folgt: Spenderlebenswert = n t t 1 E (1 i)− = +∑ E = Nettospendenerlöse (Spendenerlöse minus Spendenkosten) pro Jahr i = Diskontierungsrate n = Erwartete Dauer der Spenderbeziehung in Jahren t = Jahr Quellen: Magson 1998; Miller/Wyk 1999; Aldrich 2000; Sargeant 2001b Im Gegensatz zum transaktionsorientierten Ansatz ist die Orientierung an den Interessen des Spenders somit im Relationship Fundraising stark ausgeprägt. Dies spiegelt sich auch in einer Integration des Spenders in die Leistungserstellung der Organisation wieder. 6.3.2 Planung einer Fundraisingkampagne Die Planung einer Fundraisingkampagne basiert auf den in Kapitel 3 dargestellten Bausteinen zur Erarbeitung eines Managementkonzepts, so dass an dieser Stelle auf die konzeptionellen Basisbausteine nicht mehr im Detail eingegangen wird. Ein Fundraisingkonzept beinhaltet demnach die Analyse der Ausgangssituation zur Motivlage potenzieller Spender bzw. des Spendenmarkts. Einen umfassenden Bericht zu Daten und Fakten zum Spendenverhalten und Spendenmarkt in Deutschland bietet zum Beispiel der Spendenbericht Deutschland 2010 (DZI 2010; vgl. hierzu auch Kapitel 3), in dem auch weiterführende Marktforschungsstudien, wie der GFK CharityScope oder der von TNS Infratest herausgegebene Deutsche Spendenmonitor (TNS Infratest 2009), benannt werden. Gemäß den Erhebungen des CharityScope der GFK stehen ca. 600.000 Organisationen im Wettbewerb um Spenden in Deutschland (GFK CharityScope 2010), jedoch schaffen es nur nahezu 20 Nonprofit-Organisationen einen hohen Bekanntheitsgrad aufzubauen und dementsprechend auch ein Spendenvolumen über 1 Mio. Euro pro Jahr zu sammeln. Zu den großen spendensammelnden Nonprofit-Organisationen in Deutschland zählen u. a. das Deutsche Rote Kreuz, SOS Kinderdörfer, UNICEF, Plan International, Johanniter-Unfall-Hilfe, Brot für die Welt, World Vision u. a. m. Insgesamt gesehen konnte im Vergleich der Jahre 2007 (2.080 Mio.) und 2008 (2.162 Mio.) ein Zuwachs von 3,9 % der Spendeneinnahmen erreicht werden. Dieser Zuwachs errechnet sich jedoch nicht durch ein Mehr an neuen Spendern, sondern durch eine Steigerung der Spendenakte bei bisherigen Spendern sowie eine Erhöhung der Spendensumme Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 181 6.3 Transaktionsorientiertes Fundraising 181 pro Spende. Die Anzahl der privaten Spender in Deutschland ist eher rückläufig. Waren es in 2007 noch 12,96 Mio. Spender, so sank die Anzahl in 2008 auf 12,92 Mio. Die Ableitung von Fundraisingzielen, die Planung der Fundraisingstrategie sowie letztlich die Umsetzung der innerhalb der Kampagne festgelegten Fundraisinginstrumente sind weitere Bausteine eines Fundraisingkonzepts (Urselmann 1998; Fundraising Akademie 2006; Haibach 2006; Fischer 2008). Der Erfolg der Fundraisingkampagne wird zumeist anhand der definierten Ziele im Nachgang der Umsetzung evaluiert. Im Vorfeld ist zu entscheiden, ob die jeweilige Nonprofit-Organisation die Fundraisingkampagne intern erarbeiten will oder aber eine Fundraisingagentur bzw. -beratung mit dieser Aufgabe beauftragt. Die Darstellung der „Besten Fundraisingkampagne 2011“, verliehen vom Deutschen Fundraising Verband, zeigt, dass Nonprofit-Organisationen in Deutschland die genannten Aspekte zur Erarbeitung eines Fundraisingkonzepts professionell und mit Erfolg umsetzen. Die Werbeagentur Saatchi&Saatchi hat die Kampagne „Help the Oma“ der Diakonie Frankfurt a. M. entwickelt. Ziel war es, Ehrenamtliche zu gewinnen und darüber hinaus die Öffentlichkeit für das Thema „Freiwilliges Engagement“ zu sensiblisieren. Minicase: Beste Fundraisingkampagne 2011 „Help the Oma“ Preisträger 2011 des Deutschen Fundraisingpreis wurde die Aktion „Help the Oma“ der Diakonie Frankfurt am Main, die darauf abzielte neue Ehrenamtli che für die Einrichtung zu begeistern. Die Diakonie Frankfurt führt dazu aus: „Die Kampagne war ein großer Erfolg. Es konnten 50 Ehrenamtliche für die Einrichtun gen der Diakonie Frankfurt begeistert und gewonnen werden. Zudem meldeten sich zahlreiche interessierte Menschen unter der Projekt Hotline, boten projekt bezogen ihre Mitarbeit an oder fragten nach Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement in anderen Städten. Die Website www.help the oma.de verbuchte Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 182 6 Fundraising Management182 hohe Zugriffszahlen, ebenso die Kampagnen Videos auf youtube. Die Kampa gne löste ein breites Medienecho aus: Bundesweit berichteten Tageszeitungen, Magazine, Nachrichtenagenturen, Radio und Fernsehsender. Der zunehmende Bekanntheitsgrad, der auch durch die Aktion ausgelöst wurde, führte zu einem allgemein erhöhten Spendenaufkommen.“ Quelle: Diakonie Frankfurt am Main (Hrsg.) (2011): And the winner is: Help the Oma, Pres semitteilung vom 08.04.2011, online verfügbar unter: www.diakonischeswerkfrankfurt.de sowie weiterführende Informationen zur Kampagne unter www.help the oma.de. Während somit die Schritte zur Erstellung eines Fundraisingkonzepts weite Verbreitung gefunden haben, liegt bislang noch kein einheitliches Schema zur Systematisierung der verschiedenen Fundraisinginstrumente mit dem Ziel der Ableitung eines Fundraisingmix vor. Vielmehr werden die verschiedenen Fundraisinginstrumente in der Fachliteratur entweder aus der Instrumentensicht oder aber aus der Perspektive der anzusprechenden Zielgruppe heraus, und somit eher aus der Sicht des Relationship Fundraising, systematisiert. Abbildung 6-5 zeigt die gängigsten Fundraisinginstrumente im Überblick (vgl. vertiefend auch Bär/Borcherding/Keller 2010). Persönliches Fundraising Es hat sich gezeigt, dass ein positiver Zusammenhang zwischen der persönlichen Ansprache an einen Spender und der Wahrscheinlichkeit des Spendens besteht (Bell et al. 1996; Sargeant/Shang 2010). Insofern ist ein persönliches Gespräch die erste Wahl im Fundraising, um eine Spende erfolgreich zu akquirieren. Die persönliche Ansprache kann jedoch sehr unterschiedliche Formen annehmen; sie kann von einem individuellen Gespräch bis hin zu einer brieflichen Kontaktaufnahme, die zwar eine persönliche Ansprache wählt, jedoch ansonsten eher als Standardbrief aus Spendersicht bewertet wird, reichen. Auch Telefonmarketingaktionen können in diesem Zusammenhang so ausgestaltet werden, dass ein persönlicher Dialog mit den potenziellen Spendern zustande kommt. Einige etablierte Telefon-Fundraisingagenturen in Deutschland haben sich zum Beispiel zu einem Qualitätszirkel Telefon-Fundraising zusammengeschlossen und Qualitätsstandards für die Durchführung von Spendenanrufen definiert; dies nicht zuletzt auch deshalb, um bestehende Vorurteile in der Praxis bzgl. einer telefonischen Kontaktaufnahme abzubauen. Ein weiteres Instrument der persönlichen Spendenansprache sind die Tür-zu-Tür Sammelaktionen, die jedoch nur noch vergleichsweise selten und in Deutschland eher in Form der Altkleider-/Schuhespende stattfinden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den Bundesländern zur Durchführung von Haussammlungen lange Zeit eine Anzeige- und Bewilligungspflicht bestand. Mittlerweile sind jedoch in den meisten Bundesländern die Sammelgesetze unter der Annahme aufgehoben worden, dass der Bürger mündig ist und ggf. stattfindende, unlautere Fundraisingaktionen selber erkennen kann. Fundraising über Massenmedien Das Direct Mailing bzw. der standardisierte Fundraisingbrief bilden in der Kategorie der Spendenansprache über Massenmedien die bekannteste Form des Fundraising (Goering et al. 2011), aber auch Printanzeigen, Plakate, TV Spots oder Fernsehlotterien können diesem Bereich zugeordnet werden. Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 183 6.3 Transaktionsorientiertes Fundraising 183 Die Fundraisingforschung geht davon aus, dass immer dann die Wahrscheinlichkeit zu Spenden erhöht wird, wenn es der Nonprofit-Organisation gelingt, dass der Spendenaufruf möglichst vertrauenerweckend wahrgenommen wird. Drei Elemente eines Fundraising Direct Mails spielen für diesen beabsichtigten Erfolg eine Rolle: Erstens, die visuellen Elemente des Anschreibens. Beispielsweise wurde in einem Feldexperiment in den Niederlanden bei 89.000 Personen getestet, ob das Design des Briefumschlags eines Fundraisinganschreibens mit und ohne Bild einen Einfluss auf das Spendenverhalten ausübt. Bekkers und Crutzen (2007) kommen dabei zu dem Ergebnis, dass der neutrale, weiße Briefumschlag, zu einer signifikant höheren Spendenbereitschaft führt. Zweitens, die linguistischen Elemente des Fundraisinganschreibens, das möglichst eine hohe Lesbarkeit, klare Formulierung sowie persönliche Ansprache enthalten sollte. Drittens, die Argumentation an sich, die rational, emotional oder vertrauenswürdig ausfallen kann (Goering et al. 2011, S. 232). Abbildung 6-5: Fundraisinginstrumente im Überblick Persönlich Massenmedien Online Individuelles Gespräch Tür-zu-Tür-Sammlung Spendenevent Telefonaktionen Incentives/Aufwandsentschädigungen Fundraisingbrief Anzeigen/Plakate TV-Spots Spenden-Lotterien Webseite E-Mail Facebook, Youtube E-Newsletter Blogs, Twitter, Xing Spendenplattformen Spendenforen Spendenauktionen Fundraisinginstrumente aus der Perspektive des Relationship Fundraising Corporate Giving Cause-Related Marketing Corporate Volunteering Legate Marketing Großspender Fundraisinstrumente aus der transaktionsorientierten Perspektive Private/Großspender Unternehmen Staat/NPO Gerichte: Bußgelder Post: Wohlfahrtsbriefmarken Förderstiftungen Spendenparlamente Fundraisingmix Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 184 6 Fundraising Management184 Aber auch alle in der klassischen Nonprofit-Kommunikation (vgl. Kapitel 5) bereits aufgeführten Medien, wie TV, Plakate, Fachzeitschriften usw., sind geeignet, in den Fundraisingmix aufgenommen zu werden. Allerdings nimmt die Bedeutung und Akzeptanz von Massenmedien bei Spendern zunehmend ab bzw. verlagert sich auf eine Interaktion in sozialen Netzwerken (Miller 2009). Die in Abbildung 6-5 genannten Spenden-Lotterien weisen einen etwas anderen Charakter als die bisher diskutierten Fundraisinginstrumente auf, weil durch den Kauf eines Lotterieloses zwar eine Spende getätigt wird, aber gleichzeitig auch ein hoher Nutzen für den Loskäufer möglich sein kann. Die zwei bekanntesten sozialen Lotterien in Deutschland sind „Ein Platz an der Sonne“ (ARD) sowie die „Aktion Mensch“ (ZDF). Die Höhe der Geldgewinne (z. B. bis zu 1. Mio. Euro, Traumhäuser oder Haushaltsgeld) fällt bei Fernsehlotterien zumeist sehr hoch aus und somit rückt der Spendenzweck als Hauptmotiv für den Loskauf ggf. in den Hintergrund bzw. ist nur ein Nebeneffekt. Online-Fundraising Maßnahmen des Online-Fundraising sind ebenfalls Teil des Fundraisingmix (Cheng/Li/MacKie-Mason 2006). Gemäß aktuellen Ergebnissen einer Studie von Seidl und Altruja (2011), einer Beratung für das Online-Fundraising, rangiert dieses Thema bei den 371 befragten Nonprofit-Organisationen jedoch lediglich auf Platz fünf der Fundraisinginstrumente (Seidl/Altruja 2011, S. 9). Neben den traditionellen Maßnahmen, wie beispielsweise eine Spendenaufforderung auf der Webseite der Organisation, gaben 79 % der Befragten an, dass Facebook, gefolgt von elektronischen Newslettern (54 %) und die Bereitstellung von Videos auf Youtube (39 %) diejenigen Portale sind, die die Organisationen im Online- Fundraising umsetzen. Minicase: „Willkommen Wolf“ bei Facebook „Willkommen Wolf“ bei Facebook Täglich Informationen und Neuigkeiten vom Wolf. Der Wolf ist zurück in Deutschland und jetzt endlich auch auf Facebook. 1904 wurde der „letzte Wolf“ Deutschlands erlegt, seit 1998 gibt es wieder wild lebende Wölfe in Deutschland. Wir sagen „Willkom men Wolf!“ und bieten täglich Neuigkeiten und Informationen rund um den Wolf. Werden Sie Fan von Willkommen Wolf und bleiben Sie so immer gut informiert. Warum Fan werden? Als Fan erhalten Sie täglich neue Beiträge direkt auf Ih rer eigenen Facebook Übersichtsseite. Sie erhalten Einladungen zu Vorträgen und Veranstaltungen, Film und Pressetipps, die aktuellsten Entwicklungen der Wolfspopulation in Deutschland. Sie haben außerdem die Möglichkeit, selbst Beiträge verfassen oder andere zu kommentieren und können direkt mit anderen Wolfsfreunden in Kontakt treten. Wie funktioniert Facebook? Facebook ist ein so genanntes Soziales Netzwerk, in dem Benutzer persönliche Profile besitzen, sich gegenseitig Nachrichten schreiben und miteinander befreundet sein können. Zusätzlich gibt es Gruppen, denen Sie beitreten können, und die Möglichkeit, von Organisationen wie dem NABU oder Helmig/Boenigk – Nonprofit Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.04.2012 Status: Druckdaten Seite 185 6.4 Relationship Fundraising 185 aber auch von berühmten Personen Fans zu werden. Alle Aktivitäten von Freunden, Gruppen oder Organisationen werden auf Ihrer persönlichen Startseite angezeigt. Copyright: Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) 2010, online unter: www.facebook. com/WillkommenWolf. Neben Facebook kommen zudem Blogs und Twitternachrichten als Instrumente des Online-Fundraising in Frage. Eine weitere Möglichkeit ist die Vernetzung der Nonprofit-Organisation mit sozialen Gruppen wie dem Netzwerk Xing oder die Platzierung von bestimmten Spendenprojekten auf Spendenplattformen wie beispielsweise die Plattform www.betterplace.org. Vermehrt werden auch Spendenauktionen realisiert (Carpenter et al. 2008; Popkowski Leszczyc/Rothkopf 2010), wie das Beispiel der My Charity Stiftung zeigt. Minicase: My Charity Stiftung. Charity in Deiner Hand Mit der My Charity Stiftung und der damit verbundenen Charityauktion verfol gen die Initiatoren das Ziel, die Kinderarmut in Deutschland zu bekämpfen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden über das hauseigene Onlineauktionshaus www. my charity.de exklusive Güter und Dienstleistungen aus den Bereichen Medien, Mode, Sport, Reisen, Politik, Wirtschaft und Lifestyle versteigert. Social Auctio ning bedeutet, dass die Auktionserlöse zu 100 % ohne Abzüge an den jeweiligen Zweck weitergeleitet werden. Die Funktionsweise wird wie folgt beschrieben: „… Und so funktioniert Social Auctioning: Wir versteigern jede Woche exklusive Artikel, Events, Meet & Great oder bringen Dich mit Deinem Star auf den roten Teppich. Wir geben jeder Auktion eine maximale Laufzeit, z. B. 20 Minuten. Nun hast Du die Chance für kleines Geld in 1 Euro Schritten mitzubieten. Die Auktion wird zufällig beendet und der Gewinner entscheidet, an welches Kinderhilfspro jekt der Auktionserlös fällt. Alle abgegebenen Gebote sind Teil dieser Spende, egal ob Du gewinnst oder verlierst. So trägt jeder seinen Teil dazu bei, das Projekt zu unterstützen“ Quelle: My Charity Stiftung (2011), online unter: www.mycharity stiftung.de 6.4 Relationship Fundraising 6.4.1 Merkmale des Relationship Fundraising Wie bereits eingangs erläutert, wurde der Begriff Relationship Fundraising primär durch die Monografie von Burnett (1992) geprägt und liegt nun in zweiter Auflage vor (Burnett 2002). Die zentrale Aussage des Relationship Fundraising ist, dass der Aufbau einer langfristigen Spenderbeziehung eine höhere Priorität im Fundraising haben sollte. In den darauffolgenden Jahren wurde die Forschung zum Relationship Fundraising intensiviert (Luthe 1997; Sargeant 2001b; Bennett 2006, 2009; Knowles/Gomes 2009), sodass in diesem Buch folgende Definition des Begriffs verwendet wird (Scherhag/Boenigk 2010): D ef in it io n Was versteht man unter Relationship Fundraising? Unter Relationship Fundraising versteht man einen strategischen Ansatz, bei dem alle Aktivitäten der Nonprofit Organisation auf den Beziehungsaufbau und die Beziehungspflege zu den Spendern ausgerichtet sind, um das Ziel ei ner langfristigen Bindung der Spender zu erreichen und somit neben höheren Geldspenden auch Zeitspenden zu generieren.

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References

Zusammenfassung

Gewinner des VHB-Lehrbuchpreises 2013!

Die Bedeutung von Nonprofit-Organisationen wird angesichts der immer schwieriger werdenden staatlichen Finanzierung vieler Aktivitäten stetig steigen. Einhergehend mit dieser Entwicklung und den großen Spendenvolumina, die teilweise damit verbunden sind, nimmt auch der Bedarf an der Professionalisierung des Nonprofit-Sektors zu. Dies sollte jedoch nicht durch eine unreflektierte Anwendung von betriebswirtschaftlichen Instrumenten erfolgen. Dementsprechend zeigt dieses Buch die Besonderheiten des Management von Nonprofit-Organisationen systematisch auf. Nur so kann dem Wunsch von Spendern und sonstigen Anspruchsgruppen von Nonprofit-Organisationen nach effizienter und effektiver Mittelverwendung sowie nach Transparenz, Rechenschaftslegung und Verantwortlichkeit Rechnung getragen werden.

Dieses Lehrbuch führt Studierende, Wissenschaftler und Führungskräfte aus der Praxis in die Grundlagen des Nonprofit Management ein. Dabei werden alle zentralen Bereiche des so genannten Dritten Sektors vorgestellt. Zahlreiche Beispiele und Fallstudien aus verschiedenen Nonprofit-Branchen veranschaulichen die Konzepte und ermöglichen ein schnelles Umsetzen in die Praxis.

Ergänzend zum Buch wurde unter www.nonprofit-management.biz eine umfassende Lernplattform mit Videos, Selbsttests, Fallstudien und Beispielen eingerichtet.

Preise:

Am 24. Juni 2013 erhielten die Autoren Bernd Helmig und Silke Boenigk für Ihr Lehrbuch "Nonprofit Management" den Lehrbuchpreis des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. (VHB). In der Laudation von Prof. Dr. Dorothea Greiling heißt es dazu: Das vom VHB in diesem Jahr ausgezeichnete Lehrbuch schließt hier nicht nur eine inhaltliche Lücke, sondern zeichnet sich auch durch die didaktische Aufmachung als hervorragend geeignet für den Einsatz in der akademischen Lehre aus: Umfangreiche E-Learning-Angebote, das Wechselspiel zwischen Theorieblöcken und Minicases und der klare Duktus in der Leserführung sind vorbildhaft nicht nur, was die Ausbildung in Methoden und Konzepten des Nonprofit-Managements angeht, sondern auch betreffend die praktische Umsetzung.

Pressestimmen:

"Das Lehrbuch vermittelt eine zeitgemäße Einführung in den Themenbereich des Nonprofit Management und ist auf dem besten Weg, sich als Standardwerk zu etablieren. Es kann daher als Einführungswerk sowohl für Studierende und Wissenschaftler als auch für Führungskräfte aus der Nonprofit-Praxis mit Interesse an dieser Thematik bestens empfohlen werden."

Manfred Bruhn, in: Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen 04/2012

"Kurzum: Wer einsteigen will, rindet in diesem Buch einen sehr guten Wegweiser, wer weiterarbeiten möchte, profitiert von der Literaturauswertung und der klaren Struktur."

in: Verbändereport 05/2012, zur 1. Auflage 2012

"Alle Themen werden kurz und klar dargestellt. Besonders gefällt die häufige und zu den jeweiligen Themen gut passende Einbeziehung von Beispielen. Damit gewinnt diese Publikation für Praktiker, Studenten und Wissenschaftler als Einstiegs- und Nachschlagewerk in Lehre und Praxis eine besondere Bedeutung."

Swen Neumann, in: Die Stiftung 04/2012

"Wegen der zunehmenden Bedeutung der NPOs war es an der Zeit, die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten von Profit- und Nonprofit-Organisationen systematisch in einem Lehrbuch aufzubereiten. Den beiden Autoren ist dies nicht nur inhaltlich, sondern auch in didaktischer Hinsicht hervorragend gelungen."

in: WISU 07/12

Über die Autoren:

Prof. Dr. Bernd Helmig lehrt Public und Nonprofit Management an der Universität Mannheim. Prof. Dr. Silke Boenigk lehrt Betriebswirtschaft, insbesondere Management von Öffentlichen, Privaten & Nonprofit-Organisationen, an der Universität Hamburg