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Vera-Carina Elter, Spielervermögen im Kontext von Transferregelungen, Rechnungslegung, Bewertung und Transferfonds in:

Albert Galli, Vera-Carina Elter, Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser, Wilfried Straub (Ed.)

Sportmanagement, page 685 - 710

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3678-5, ISBN online: 978-3-8006-4613-5, https://doi.org/10.15358/9783800646135_685

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Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 691 Spielervermögen im Kontext von Transferregelungen, Rechnungslegung, Bewertung und Transferfonds von Vera-Carina Elter Inhaltsverzeichnis 40.1 Vorbemerkung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 693 40.2 Tranferregelungen als Rahmenbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694 40.2.1 Das Recht auf Transferentschädigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694 40.2.1.1 Das – abtretbare – geldwerte Recht am Spieler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694 40.2.1.2 Das – nicht abtretbare – föderative Recht am Spieler. . . . . . . . . . . . . . . . 694 40.2.2 Das Bosman-Urteil. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694 40.2.3 Das Webster-Urteil. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 695 40.2.4 FIFA-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern . . . . . . . . . . . 696 40.2.5 Nationale Statuten der DFL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 697 40.3 Die Bilanzierung des Spielervermögens. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 697 40.3.1 Die bilanzielle Bedeutung des Spielervermögens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 697 40.3.2 Die Bilanzierung nach HGB. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 698 40.3.3 Die Bilanzierung nach International Financial Reporting Standards . . . . 700 40.3.4 Die ökonomische Interpretation der Transferentschädigung . . . . . . . . . . . 701 40.4 Bewertung von Spielervermögen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702 40.4.1 Unterschiede zwischen Buch- und Marktwerten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702 40.4.2 Unterschiede zwischen Wert und Preis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 703 40.4.3 Bewertungsanlässe beim Spielervermögen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 704 40.4.4 Bewertungsmethoden für Spielervermögen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 705 40.4.5 Der marktpreisorientierte Ansatz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 705 40.5 Bisherige Überlegungen im Zusammenhang mit Transferfonds . . . . . . . . . . . 707 40.5.1 Diverse Hedge Fonds . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 708 40.5.2 Hamburger Sportverein e. V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 708 40.5.3 Fonds der National Bank of Dubai/Emirates . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 709 40.5.4 Traffic Sports Marketing. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 709 40.5.5 Transferfonds FTR 1 Hanseatischer Fußball Kontor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 711 40.5.6 Andere Verpfändungsmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 712 40.5.7 Regelmäßige Vorgehensweise von Transferfonds . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 712 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 692 40.6 Chancen und Risiken von Transferfonds im Allgemeinen . . . . . . . . . . . . . . . . 713 40.6.1 Chancen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 713 40.6.2 Risiken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 714 40.7 Fazit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 715 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 693 40.1 Vorbemerkung Durch die Ausgliederungen von Lizenzmannschaften der Fußballunternehmen in Kapitalgesellschaften wird der Kreis der bisherigen Bilanzadressaten (Verband, Steuerbehörden, Kreditinstitute) um Aktionäre und potenzielle Investoren vergrößert. Die Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital erfordert eine größere Transparenz der Vermögenssituation im externen Rechnungswesen sowie in der allgemeinen Kapitalmarktfähigkeit (insbesondere durch die Implementierung von Planungs- und Controllingsystemen) und eine stärkere Kapitalmarktkommunikation. Dies bedingt für die Fußballunternehmen teilweise eine große Umstellung, da in der Vergangenheit die Offenlegung der Finanzinformationen oftmals nur sehr zurückhaltend betrieben wurde. Jedoch können die mit der Ausgliederung in Kapitalgesellschaften zwangsläufig verbundenen Publizitätspflichten nicht nur als Belastung, sondern auch als Chance verstanden werden, den Zugang zu externem Kapital zu erleichtern und den Marktauftritt zu unterstützen. Da die Fußballunternehmen häufig ein geringes, teilweise sogar ein negatives Eigenkapital aufweisen, erhält das Spielervermögen als potenzieller Träger von stillen Reserven und Lasten bzw. zur Aufstellung eines Überschuldungsstatus eine hohe Bedeutung und demzufolge nehmen auch die damit zusammenhängenden Rechnungslegungsund Bewertungsthemenstellungen eine besondere Stellung ein. Darüber hinaus ist in jüngster Zeit immer mal wieder im Zusammenhang mit Finanzierungsüberlegungen das Thema Beteiligung von Investoren an Transferentschädigungen bzw. an sog. Transferfonds öffentlich diskutiert worden. Derartige Diskussionen sind immer im direkten Zusammenhang mit den nationalen und internationalen Transferreglungen sowie Statuten zu bewerten. Der Wert des Spielervermögens stellt das zentrale Vermögen eines Fußballunternehmens dar. Dieser kann bisweilen 50 % der Bilanzsumme übersteigen. Das Spielervermögen dient folglich häufig als Sicherheit zur Unterlegung von Kreditengagements, da den Fußballunternehmen alternativ nur wenige bilanzielle Sicherheiten mit hoher Bonität (Sach- oder Finanzanlagen) zur Verfügung stehen. Aus Sicht aller Stakeholder besteht daher die Notwendigkeit eines objektivierbaren Bewertungsverfahrens von Spielervermögen, da dieses den entscheidenden Werttreiber darstellt und somit erhebliche bilanzielle und finanzielle Wirkung besitzt. Die Bilanzierung und Bewertung von Spielervermögen wird bei Rechnungslegungssowie Finanzierungsfragen der Fußballunternehmen und Verbände insgesamt eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen, da durch das Spielervermögen ein erheblicher Einfluss auf das Bilanzbild und somit auf die Vermögenssituation der Fußballunternehmen resultiert. Für alle Stakeholder werden Branchenkenntnisse bei der Beurteilung von Sicherheiten immer bedeutender. Die Unsicherheiten auf Seiten der Investoren bzw. Fremdkapitalgeber können von den Fußballunternehmen, z. B. durch die Einführung eines objektivierbaren Bewertungsmodells für Spielervermögen, aktiv gestaltet bzw. reduziert werden. Einheitlich angewendete objektivierbare Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Marktwertes von Spielervermögen existierten in Deutschland bisher nicht. Vor ein paar Jahren wurde jedoch ein objektivierbares Bewertungsverfahren für Spielerver- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 694 Vera-Carina Elter694 mögen entwickelt, welches zwar mehrfach in der Praxis aber noch nicht einheitlich eingesetzt wird. Ein derartiges einheitlich objektivierbares Verfahren zur Ermittlung von Marktwerten für Spielervermögen kann nicht nur für rechnungswesenbasierte Bewertungsanlässe eine wertvolle Unterstützungsfunktion leisten, sondern auch die für die Inanspruchnahme von innovativen Finanzierungsinstrumenten, wie z. B. Transferfonds die notwendige Transparenz wesentlich verbessern sowie als Unterstützung für ein internes Wertmanagement dienen. 40.2 Tranferregelungen als Rahmenbedingungen 40.2.1 Das Recht auf Transferentschädigung 40.2.1.1 Das – abtretbare – geldwerte Recht am Spieler Unter dem Recht auf Transferentschädigung (=Transferrecht) ist das – abtretbare – geldwerte Recht am Spieler zu verstehen, das bei dem Fußballunternehmen liegt, bei dem der Spieler unter Vertrag steht. Es beinhaltet hauptsächlich das Recht, von einem am Spieler interessierten Fußballunternehmen eine Ablösesumme (Vertragsrauskaufsumme) für die vorzeitige Entlassung des Spielers aus dem Arbeits-/ Vertragsverhältnis zu verlangen. Über ein solches Recht auf eine Entschädigung verfügt jeder Arbeitgeber (nicht nur im Bereich des Fußballs), der mit einem Arbeitnehmer ein befristetes Arbeitsverhältnis eingegangen ist, da ein Arbeitgeber bei vorhandenem Interesse an einer Verpflichtung des Arbeitsnehmers durch einen Dritt-Arbeitgeber für das Einverständnis einer vorzeitigen Vertragsaufhebung eine Entschädigung (Ablösesumme) verlangen kann. 40.2.1.2 Das – nicht abtretbare – föderative Recht am Spieler Vom – abtretbaren – geldwerten Recht ist das föderative (verbands- oder fußballspezifische) Recht am Spieler zu unterscheiden, welches gemäß den einschlägigen Verbandsvorschriften immer beim Verein, der den Spieler unter Vertrag hat, liegt und somit als unabtretbar zu bezeichnen ist. Man kann in diesem Zusammenhang auch vom Freigaberecht sprechen. Dieses föderative Recht am Spieler beinhaltet das Recht des Vereins, im Zusammenhang mit dem Wechsel des Spielers die Freigabe zu erteilen, da dieser beim neuen Verein grundsätzlich erst registriert (Ausstellen der Spielberechtigung) werden kann, wenn die Freigabeerklärung erfolgt ist. 40.2.2 Das Bosman-Urteil Das Transfergeschäft wurde durch das sog. Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 15.12.1995 stark beeinflusst. Der EuGH erklärte die damaligen Transferbestimmungen und die Ausländerklauseln in den Regeln der professionellen Fußballverbände für unvereinbar mit dem Freizügigkeitsrecht gemäß Art. 48 EG-Vertrag. Dieses Recht gewährt den EU-Ausländern die Gleichbehandlung mit Inländern als Arbeitnehmer, also in Bezug auf Arbeitsplatzwahl und Beschäftigungsbedingungen. Das Urteil gilt nur für Transfers nach Vertragsende, so dass ein Fußballunternehmen den Spieler nach wie vor herauskaufen muss, wenn zwischen dem Spieler und einem anderen Fußballunternehmen noch ein laufender Vertrag besteht. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 695 69540 Spielervermögen Als Folge setzte sich eine Transferpraxis durch, nach der regelmäßig langfristig befristete Verträge geschlossen wurden, um die Spieler an das Fußballunternehmen zu binden. Eine ordentliche Kündigung war i. d.R. während der Laufzeit des befristeten Vertrags ausgeschlossen. In dieser Transferpraxis sah die EU-Kommission jedoch eine Umgehung des Bosman-Urteils. Im März 2001 haben sich daher die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) und die Union des Associations Européennes de Football (UEFA) mit der EU über die Prinzipien eines internationalen Transfersystems geeinigt. Die FIFA hat daraufhin auf Basis dieser Grundsätze das Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern überarbeitet und die Neufassung mit Wirkung zum 1.9.2001 (ersetzt durch aktuelles Reglement zum 1.7.2005 mit Modifizierungen zum 1.1.2008 und zum 1.10.2010) in Kraft gesetzt. Hiernach dürfen Vertragslaufzeiten von Lizenzspielern 5 Jahre nicht überschreiten. Die Ablösesumme ist zwischen den beiden Fußballunternehmen – unter dem Vorbehalt zu beachtender vertraglicher Abmachungen – frei verhandelbar, wobei ein vorzeitiger Vereinswechsel das Einverständnis des Spielers voraussetzt. Das Bezahlen einer Ablösesumme kommt grundsätzlich unabhängig vom Alter für sämtliche Spieler, die aus dem bestehenden Vertrag herausgelöst werden sollen, zum Tragen. Bei einem Wechsel eines Spielers unter 23 Jahren während der Laufzeit eines Vertrages wird gemäß des FIFA-Reglements – neben der Ablösesumme – zusätzlich auch eine Ausbildungsentschädigung fällig. Diese hat das den Spieler verpflichtende Fußballunternehmen an alle Fußballunternehmen, die zwischen dem 12. und 21. Lebensjahr des Spielers bzw. dem Lebensjahr des Spielers, in dem die Ausbildung abgeschlossen wurde, zu seinem Training und zu seiner Ausbildung beigetragen haben, gemäß bestimmter Parameter zu leisten. 40.2.3 Das Webster-Urteil Im Fall des schottischen Fußballprofis Andy Webster hat der Internationale Sportgerichtshof (CAS) am 30.1.2008 bestätigt, dass Spieler bis zu einem Alter von 28 Jahren nach einer „Schutzzeit“ von drei Jahren und ältere Spieler nach einer „Schutzzeit“ von zwei Jahren gegen eine Ablösesumme in Höhe der dann noch ausstehenden Gehaltszahlungen grundsätzlich ins Ausland wechseln dürfen. Auslöser für das Urteil war der im Jahr 2001 auf Druck der EU vom Weltverband eingeführte Artikel 17 der FIFA-Transferbestimmungen. Dieser besagt, dass ein Fußballprofi bei einem Wechsel ins Ausland seinen Kontrakt nach einer „geschützten“ Laufzeit von drei (bis zum 28. Lebensjahr) bzw. von zwei Jahren (nach dem 28. Lebensjahr) einseitig auflösen kann. Nach dem CAS-Urteil im Fall Webster muss der Spieler selbst oder der aufnehmende Verein allerdings nicht – wie von der FIFA gefordert – eine hohe Konventionalstrafe, sondern lediglich das noch ausstehende Gehalt zahlen. Für eine Analyse der konkreten Auswirkungen dieses Urteils ist es derzeit noch zu früh, es scheint jedoch klar, dass dieses CAS-Urteil ähnlich – wie der Fall Bosman – weit reichende Folgen auf den Profifußball und damit auch auf die Bilanzierung und Bewertung von Humankapital haben kann. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 696 Vera-Carina Elter696 40.2.4 FIFA-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern Das FIFA Reglement enthält die allgemein gültigen und verbindlichen Bestimmungen bezüglich Status von Spielern, deren Spielberechtigung im Rahmen des organisierten Fußballs und deren Transfer zwischen Vereinen unterschiedlicher Verbände. Jeder Verband regelt den Transfer von Spielern zwischen den eigenen Vereinen in einem verbandsinternen Reglement, dass Art. 1 Abs. 3 entspricht und von der FIFA genehmigt werden muss. Gemäß Artikel 1 Nr.3 des FIFA-Reglements sind die Bestimmungen des Art.2 bis 8, 10, 11, 18 und 18bis, 19 und 19bis auf nationaler Ebene verbindlich und ohne jegliche Änderung ins Verbandsreglement zu integrieren. So steht auch in §15 der Lizenzordnung Spieler (LOS), dass sich alle internationalen Transfers auf der Grundlage des FIFA-Reglements bezüglich Status und Transfers von Spielern vollziehen. Laut FIFA-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern vom 1.1.2010 ist vorgeschrieben, dass Transfertransaktionen nur zwischen zwei Vereinen abgewickelt werden dürfen: „Ein Verein darf keine Verträge eingehen, die der anderen Partei oder einer dritten Partei die Möglichkeit einräumen, in Arbeitsverhältnissen oder Transfersachen seine Unabhängigkeit, seine Politik oder die Leistung seiner Teams zu beeinflussen.“ Die FIFA-Disziplinarkommission kann gegen Vereine disziplinarische Sanktionen verhängen, wenn diese die obige Verpflichtung verletzen.“ Dieser Passus wurde zum 1.1.2008 eingeführt, nachdem bis dato einige Drittparteien Einfluss auf Transfers aus- üben konnten, weil sie ganz oder teilweise im Besitz der Rechte an einem Spieler waren. Nach dieser Regelung dürfen keine Drittparteien rechtliche Mitspracherechte bei Transfer- oder Profiverträgen mehr haben, so dass keine Möglichkeit besteht, auf die Autonomie und den internen Betrieb der Vereine sowie auf die Leistung der Vereine Einfluss zu nehmen. Insgesamt muss man bei derartigen Regelungen aber immer die rechtliche Einflussmöglichkeit von der faktischen Einflussmöglichkeit unterscheiden. Derartige Regelungen können nur die rechtliche Einflussnahme verhindern, inwieweit eine faktische Einflussnahme erfolgt, ist schwer zu reglementieren. Hierfür gab es in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Beispielen im Fußball. Der Passus im FIFA-Reglement ist daher insbesondere vor dem Hintergrund der sog. Third-Party Ownership Diskussion sehr wichtig. Rechtlich zu klären sind somit insbesondere die nachfolgenden beiden Sachverhalte: Darf eine Drittpartei keinerlei Mitspracherechte oder nur minderheitliche Mitspracherechte im Zusammenhang mit der Transferentscheidung haben? Wer ist Drittpartei im Sinne der Regelung? Alle Parteien außerhalb des Vereins, demnach auch Gesellschafter, oder nur Minderheitsgesellschafter? Durch unterschiedliche Regelungen zur 50 % + 1 Regelung ist dieser Passus zu konkretisieren, denn ein 100 %iger Gesellschafter kann normalerweise bereits mittels Gesellschaftsvertrag Einfluss auf die Geschäftstätigkeit nehmen. Welche Unterscheidung wird hierbei zwischen dem Eigentümer der Entschädigung oder des Entschädigungsrechtes (z. B. Inhaber des Anspruches auf Transfererlös ist zu x % ein Investor) und dem Eigentümer des Freigaberechts (Verein hat 100 % der Entscheidungskompetenz über eine Freigabe) getroffen? Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 697 69740 Spielervermögen 40.2.5 Nationale Statuten der DFL Nachfolgend sind einige Paragraphen aus den unterschiedlichen nationalen Statuten der DFL/des Ligaverbandes beschrieben, die sich mit dem Thema Transfers beschäftigen. Gemäß Lizenzierungsordnung (LO) müssen alle von der DFL als wichtig eingestuften Verträge im Rahmen des Nachweises der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit offen gelegt werden. Gemäß § 8 Nr. 2 a) der LO hat der Bewerber eine rechtsverbindliche schriftliche Erklärung vorzulegen, in der er sich verpflichtet, auf Verlangen des Ligaverbandes im Lizenzierungsverfahren wesentliche Verträge in den Bereichen der Vermarktung und des Spielbetriebes einzureichen, sowie Dokumente, die für die Beurteilung der wirtschaftlichen Gesamtsituation erforderlich sind. Dazu gehören insbesondere, aber nicht ausschließlich, Werbe- und Sponsorenverträge mit einem Volumen über 500.000 Euro für Bewerber zur Bundesliga, 100.000 Euro für Bewerber zur 2. Bundesliga, wesentliche Verträge, mit denen Werberechte des Bewerbers übertragen werden und Vermarktungs- bzw. Agenturverträge. Welche Verträge unter diesen Passus fallen und vor diesem Hintergrund als „wichtig“ einzustufen sind, wird nicht näher beschrieben und ist daher wahrscheinlich eine Einzelfallentscheidung. Darüber hinaus wird in §2 der LO festgestellt, dass eine schriftliche Erklärung des Bewerbers, in dem er bestätigt, dass er über alle Fußballaktivitäten, die im Zusammenhang mit der Teilnahme an nationalen und internationalen Fußballwettbewerben und den weiter in diesem §2 genannten Kriterien die maßgebliche Kontrolle ausübt, Voraussetzung für die Lizenzerteilung ist. Des Weiteren steht in §5 der Lizenzierungsordnung Spieler (LOS) „dass sämtliche Verträge mit Spielern und Transfervereinbarungen mit anderen Clubs sowie Vereinbarungen mit Spielervermittlern im Zusammenhang mit einem Spielertransfer dem Ligaverband in allen Ausfertigungen mit allen Anlagen und Zusatzvereinbarungen unverzüglich nach Abschluss bzw. nach Aufnahme des Spielers in die Transferliste bei einem Spielertransfer vorzulegen sind“. Gemäß diesem Passus müssen alle Transferverträge nebst allen Anlagen in Gänze dem Ligaverband offen gelegt werden. 40.3 Die Bilanzierung des Spielervermögens 40.3.1 Die bilanzielle Bedeutung des Spielervermögens In den Jahren vor 2003 ist ein deutlicher Anstieg der durchschnittlichen Bilanzsumme der Fußballunternehmen der 1. Bundesliga festzustellen, der zum größten Teil auf die Entwicklung des aktivierten Spielervermögens zurückzuführen ist. Gründe für den kontinuierlichen Anstieg des durchschnittlich aktivierten Spielervermögens in dieser Zeit könnten Verschiebungen in der Bilanzierungspraxis der Fußballunternehmen sowie die möglicherweise im Zusammenhang mit einer Ausgliederung vorgenommene Hebung von stillen Reserven im Spielervermögen sein. Der Rückgang des aktivierten Spielervermögens in der Spielzeit 2002/03, 2003/04 und 2004/05 spiegelt die Situation auf dem Transfermarkt nach der „Kirch-Krise“ wider. Die schwierige finanzielle Situation der Vereine und Kapitalgesellschaften nach der Insolvenz der KirchMedia GmbH & Co. KGaA, Ismaning, zwang die Verantwortlichen Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 698 Vera-Carina Elter698 dazu, verstärkt ablösefreie Spieler bzw. verstärkt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs „zu rekrutieren“. Der Anstieg des aktivierten durchschnittlichen Spielervermögens ab dem Spieljahr 2005/06 ist Ausdruck der verbesserten Finanz- und Ertragslage der Bundesligisten. Die verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren insbesondere durch den neuen Medienvertrag im Jahr 2006 und dem WM-Überschuss bedingt. Bemerkenswert ist die Zunahme des durchschnittlichen Spielervermögens von der Spielzeit 2006/07 auf die Spielzeit 2007/08. Das durchschnittliche Spielervermögen ist in diesem Zeitraum, möglicherweise aufgrund eines Anstiegs der Umsatzerlöse im Lizenzfußball um rund 68 % auf durchschnittlich knapp 19 Mio. Euro gestiegen. Während in der Spielzeit 2008/09 das Spielervermögen im Vergleich zum Vorjahr lediglich leicht gestiegen ist, nahm das durchschnittliche Spielervermögen von der Spielzeit 2008/09 auf die Spielzeit 2009/10 um rund 14 % zu. Gegenüber dem Niveau zum 30.6.2007 bedeutet dies nahezu eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren. Der Anstieg ist insbesondere vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise bemerkenswert. Der Transfer von Mario Gomez in der Spielzeit 2009/10 vom VfB Stuttgart zum FC Bayern München für (gemäß öffentlichen Informationen) 30  Mio.  Euro ist sicherlich ebenfalls ein Grund für den Anstieg und kann in dieser Transferperiode als Sondereffekt bezeichnet werden. 40.3.2 Die Bilanzierung nach HGB In der deutschen bilanzrechtlichen Literatur wird seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob das Spielervermögen eines Fußballunternehmens einen aktivierungsfähigen Vermögensgegenstand darstellt oder nicht. Für die Bilanzierungspraktiken im Zusammenhang mit Spielervermögen existiert ein abschließendes Urteil des Bundesfinanzhofes (im Folgenden „BFH“) vom 26.8.1992, I R 24/91), nachdem die Spielerlaubnis – nicht die Transferzahlung als solche – als immaterieller Vermögensgegenstand im Sinne eines konzessionsähnlichen Rechts gemäß § 266 4.708 8.480 10.685 13.255 12.683 9.733 8.912 9.026 11.284 18.921 19.276 21.956 18.850 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 T€TT Abb.1: Durchschnittlich aktiviertes Spielervermögen in der 1. Bundesliga (Quelle: DFL: Bundesliga Report bzw. die wirtschaftliche Situation im Lizenzfußball 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 699 69940 Spielervermögen Abs. 2 A. I. 2. HGB zu aktivieren ist und folglich steuerrechtlich als immaterielles Wirtschaftsgut zu behandeln. Da die Anschaffungskosten für die Spielerlaubnis weitgehend der geleisteten Transferentschädigung entsprechen, sind diese vom aufnehmenden Verein im Jahr des Spielerwechsels zu aktivieren und in den folgenden Geschäftsjahren planmäßig über die Laufzeit des Arbeitsvertrages abzuschreiben. Bei einer dauerhaften Wertminderung des Spielers (z.B. Sportinvalidität) muss darüber hinaus eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden. Bei nur vorübergehender Wertminderung besteht für die Fußballunternehmen ein Abschreibungswahlrecht (gemildertes Niederstwertprinzip). Zu berücksichtigen ist, dass diese Entscheidung zu einer Zeit getroffen wurde, als der DFB die Lizenzierungsbestimmungen noch mit der Zahlung einer Transferentschädigung durch das aufnehmende Fußballunternehmen an das abgebende Fußballunternehmen als notwendige Voraussetzung zur Erteilung der Spielerlaubnis verbunden hat. Mit Urteil vom 14. Dezember 2011, I R 108/10) hat der BFH jedoch seine Rechtsprechung aus dem Jahr 1992 bestätigt, nach der Fußballunternehmen Ablösezahlungen von Spielern nicht sofort steuerwirksam als Betriebsausgaben absetzen können, sondern in ihrer Bilanz als immateriellen Vermögensgegenstand ausweisen und entsprechend der Vertragslaufzeit abschreiben müssen. Nach dem Bosman-Urteil des EuGH wurden auch die Lizenzbestimmungen des DFB geändert. Transferzahlungen fallen seit dem nur noch dann an, wenn ein Spieler vor dem Ende der Vertragslaufzeit zu einem anderen Fußballunternehmen wechselt. Die Erteilung der Spielerlaubnis durch die DFL ist hiernach nur noch an formale Voraussetzungen wie z. B. das Bestehen eines Arbeitsvertrags mit dem neuen Fußballunternehmen gebunden. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer bemisst sich nach der Laufzeit des Arbeitsvertrages, da die Spielerlaubnis mit Ablauf der Vertragsdauer ihre Gültigkeit verliert. Der bilanzierte Wert entspricht somit i.d. R. (Ausnahme: aktueller Zugang) nicht dem Marktwert des Spielervermögens, sondern den fortgeführten Anschaffungskosten (Anschaffungskosten abzüglich planmäßiger und außerplanmäßiger Abschreibungen) der von anderen Vereinen erworbenen Lizenzspieler. Eventuell gezahlte Spielervermittlungskosten werden bei einem Transfer je nach Ausgestaltung mit der gezahlten Transferentschädigung i.d. R. als Anschaffungsnebenkosten ebenfalls aktiviert. In der jüngeren Vergangenheit sind die Spielervermittlungsverträge teilweise derart umgestellt worden, dass die Spielervermittlungskosten an die Berater der Spieler für das jeweilige Spieljahr nur dann anfallen respektive von den Vereinen bezahlt werden müssen, wenn der Spieler am 1. September des laufenden Spieljahres (=also am Ende der vorgelagerten Sommertransferperiode) noch im Kader der Lizenzmannschaft geführt ist. Vor diesem Hintergrund wird eine Aktivierung auf Jahresbasis und nicht über die komplette Vertragslaufzeit vorgenommen, sondern jeweils zum 1.9. für das laufende Spieljahr. Erst zu Beginn der letzten Vertragssaison wären dann die gesamten Spielervermittlungskosten von den Vereinen ausbezahlt worden. Die Abschreibung erfolgt jeweils zum Geschäftsjahresende. Möglicherweise an Spieler geleistete Zahlungen im Rahmen von Vereinswechseln (sog. Signing Fee) werden dagegen nicht als Anschaffungsnebenkosten, sondern müssen als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten und somit pro rata temporis als Aufwand behandelt werden. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 700 Vera-Carina Elter700 Durch Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes besteht unter gewissen Voraussetzungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2009 begonnen haben, gemäß §248 Abs. 2 HGB in Verbindung mit §255 Abs.2a HGB ein Wahlrecht zur Aktivierung bestimmter selbstgeschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens. Dabei dürfen selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in die Bilanz aufgenommen werden, sofern es sich nicht um selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens handelt (§ 248 Abs. 2 HGB). Spieler aus den eigenen Jugend- und Amateurmannschaften dürfen dagegen handels- und steuerrechtlich nicht bilanziert werden, d. h. für diese besteht ein Aktivierungsverbot. Bei „Eigengewächsen“ gibt bzw. gäbe es unabhängig von der Bilanzierung das praktische Problem der unmittelbaren Zurechnung der Kosten auf die einzelnen Spieler (dieses betrifft insbesondere die Gemeinkosten). Als Herstellungskosten des selbst geschaffenen Vermögensgegenstandes des Anlagevermögens dürfen gemäß § 255 Abs. 2a HGB jedoch nur die Entwicklungskosten angesetzt werden. Forschungskosten dürfen nicht angesetzt werden und Entwicklungskosten auch nur dann, wenn sie von den Forschungskosten verlässlich unterschieden werden können. 40.3.3 Die Bilanzierung nach International Financial Reporting Standards Die IFRS erfordern die Bilanzierung von Humankapital unter bestimmten Bedingungen, insbesondere muss die hierfür häufig fehlende Verfügungsmacht im Sinne der Kontrolle über den aus der Verfügbarkeit des Humankapitals erwachsenden Nutzens gegeben sein. Diese ist durch entsprechende Gestaltung von Arbeitsverträgen erreichbar. Erworbenes Spielervermögen stellt auch nach IFRS einen aktivierungsfähigen immateriellen Vermögenswert dar (IAS 38). Zu bilanzieren ist mit Zugang des Spielers der wirtschaftliche Vorteil aus der exklusiven Einsetzbarkeit des Spielers und damit dessen Motivation und Fähigkeiten im Spielbetrieb, ab einem bestimmten Zeitpunkt (der vor Ablauf des bisherigen Arbeitsvertrags liegt) und für einen festgelegten Zeitraum. Darüber hinaus kann aus einem möglichen künftigen Verkauf des Spielers dem Fußballunternehmen ein zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen zufließen. Die Bewertung erfolgt bei Zugang zu Anschaffungskosten, soweit sie dem Zugang des Vermögenswertes direkt zurechenbar sind. Hierzu zählt insbesondere eine Transferzahlung an das abgebende Fußballunternehmen. Provisionszahlungen an Spielervermittler/-berater sowie an den Spieler gezahlte Signing Fees sind hinsichtlich ihrer Zurechenbarkeit zu den Anschaffungskosten im Einzelfall zu beurteilen. Diese Zahlungen können insbesondere Bestandteil der Anschaffungskosten sein, wenn sie nur im Hinblick auf den Vertragsschluss mit dem Spieler erfolgen, d. h. keine weiteren Gegenleistungen oder Rückforderungsmöglichkeiten für das Fußballunternehmen vereinbart werden. Die Folgebewertung erfordert planmäßige lineare Abschreibungen, wobei der Restwert am Ende der Nutzungsdauer zu berücksichtigen ist. Die alternative Neubewertungsmethode ist mangels Erfüllung der Kriterien eines aktiven Marktes nicht zulässig. Im Rahmen der Folgebewertung sind ggf. auch außerplanmäßige Wertminderungen (impairments) zu berücksichtigen, wobei zur Bestimmung des Zeitwerts (Fair Value less Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 701 70140 Spielervermögen costs to sell) das auf einem Marktansatz basierende objektivierte Bewertungsmodell herangezogen werden kann, das auf Basis einer hinreichend großen Grundgesamtheit an Spielern und Spielerkriterien aus vergangenen Transferpreisen durch Clusterung Transaktionspreise für Spieler vergleichbarer Qualität ermöglicht. Ist die Ermittlung des Nutzungswerts (Value in use) erforderlich, muss mangels direkter Zuordnung von Cashflows zu einzelnen Spielern der Impairment Test auf Ebene der Cash Generating Unit, d.h. für das gesamte Fußballunternehmen/die Lizenzspielerabteilung, durchgeführt werden. Die Bilanzierung von selbst ausgebildeten Nachwuchsspielern als selbsterstellte immaterielle Vermögenswerte wird durch das Kriterium der Verfügungsmacht stark eingeschränkt; mangels zuverlässiger Bestimmung der Herstellungskosten ist die Bilanzierung im Regelfall nicht zulässig. Da das Vorliegen eines aktiven Marktes für Humankapital im vorliegenden Fall zu verneinen ist, ist die Inanspruchnahme der Erleichterungsregel des IFRS 1 zur Übernahme der immateriellen Vermögenswerte des Spielervermögens mit Zeitwerten in die IFRS-Eröffnungsbilanz bei erstmaliger Anwendung der IFRS nicht möglich. 40.3.4 Die ökonomische Interpretation der Transferentschädigung Nachfolgende Abbildung zeigt die zeitliche Wertentwicklung der beiden möglichen inhaltlichen Bestandteile der Transferentschädigung aus ökonomischer Sicht. Eine Transferentschädigung besagt somit aus ökonomischer Sicht, dass ein neuer Verein insofern bereit ist, für den wirtschaftlichen Vorteil, der über die Zahlung der Transferentschädigung als notwendige Voraussetzung für die Spielerlaubnis erfolgten Bindung des Spielers an den Verein, eine entsprechende Vergütung zu zahlen. Die Transferentschädigung für die vorzeitige Aufhebung des Arbeitsvertrages stellt demnach keine Ausbildungsentschädigung dar, sondern eine Kompensation für den Abb.2: Bestandteile einer Transferentschädigung aus ökonomischer Sicht am idealtypischen Beispiel eines jungen aufstrebenden Talents (Quelle: Eigene Darstellung) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 702 Vera-Carina Elter702 zukünftigen wirtschaftlichen Vorteil, den der abgebende Verein aufgibt und der aufnehmende Verein bekommt. Vor diesem Hintergrund beinhaltet der aktivierte Wert des immateriellen Vermögensgegenstandes „Ablösesumme“, „Transferentschädigung“ oder auch „Spielervermögen“ genannt, aus Vereinssicht im Wesentlichen die Nutzung bzw. die Möglichkeit des Einsatzes des Spielers und die damit zusammenhängende Generierung von Cashflows und die Möglichkeit einen wirtschaftlichen Vorteil aus einem möglichen Weiterverkauf zu generieren. Die lineare Abschreibung des Spielervermögens über die Vertragslaufzeit des Spielers stellt dagegen ausschließlich auf die Nutzungskomponente ab. 40.4 Bewertung von Spielervermögen 40.4.1 Unterschiede zwischen Buch- und Marktwerten Der bilanzierte Buchwert entspricht i. d. R. (Ausnahme: aktueller Zugang) nicht dem Marktwert des Spielervermögens, sondern den fortgeführten Anschaffungskosten (Anschaffungskosten abzüglich planmäßiger und außerplanmäßiger Abschreibungen) der von anderen Fußballunternehmen erworbenen Lizenzspieler. Der Buchwert ist somit abhängig von den jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften, von der Art des Zugangs sowie von der Restlaufzeit des Arbeitsvertrags. Der Marktwert kann in Anlehnung an die Definition nach IFRS wie folgt beschrieben werden: „Der Marktwert eines Vermögenswertes ist der Betrag, zu dem dieser Vermögenswert zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern („at arm’s length“) getauscht werden könnte.“ (IAS 38, Nr. 8 b) Der Marktwert des Spielervermögens wird daher zum einen von der erbrachten Leistung und den spezifischen Merkmalen eines Spielers („innerer Wert“) und zum an- Aus Sicht des Vereins Buchwerte von Spielervermögen in der Bilanz Marktwerte nicht in der Bilanz Spezifischen Merkmalen und sportlicher Leistung des Spielers (innerer Wert des Spielers) Rechnungslegungsvorschriften und Art des Zugangs (äußere Rahmen- Vertragsrestlaufzeit und Angebots- und Nachfrageverhältnisse bedingungen) von Spielervermögen Abhängig von Abb.3: Buch- und Marktwert (Quelle: Eigene Darstellung) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 703 70340 Spielervermögen deren von dessen Vertragslaufzeit sowie dem Marktumfeld und damit von der wirtschaftlichen Situation der Anbieter bzw. Nachfrager beeinflusst. Der Buchwert ist daher nur in einigen wenigen Fällen (bei relativ aktuellen Spielertransfers mit gezahlter Entschädigung) ein Indikator für den Marktwert. I. d. R. besteht jedoch eine große Diskrepanz zwischen Buch- und Marktwert, insbesondere bei „Eigengewächsen“ bzw. unentgeltlich (ablösefrei) erworbenen Spielern, möglicherweise aber auch bei Spielern, die in einer „Hochphase des Transfermarktes“ zu relativ hohen Preisen und vice versa gekauft worden sind. 40.4.2 Unterschiede zwischen Wert und Preis Ausgangspunkt einer marktorientierten Bewertung von Spielervermögen sind Einzelpreise, die am Markt durch individuelle Ertrags- und Risikoerwartungen von Anbietern und Nachfragern zustande gekommen sind (siehe hierzu auch den Beitrag „Marktgestützte finanzielle Spielerbewertung im Teamsport“) Durch die Bildung eines repräsentativen Branchendurchschnittes kann von spezifischen Bewertungskomponenten für einzelne Spieler und den damit verbundenen individuellen Ertrags- und Risikoaussichten abstrahiert werden. Aus den beobachtbaren Einzelpreisen wird ein Marktkonsens im Hinblick auf das aktuelle Bewertungsniveau von Vergleichsspielern abgeleitet und diese Preisinformation auf ein konkretes Bewertungsobjekt („Spieler“) angewendet. Der somit ermittelte objektivierbare Wert für Spieler spiegelt die aggregierten Wertvorstellungen einer Vielzahl von Marktteilnehmern bei einer Vielzahl von Transaktionen wider. Daneben existieren jedoch auch individuelle subjektive Einschätzungen bezüglich eines Vermögenswertes („Spielers“), die zu einem Marktpreis führen, der sich aus den Angebots- und Nachfrageverhältnissen am Markt einstellt. Der Marktpreis eines Spielers stellt die Grenzeinschätzung der Marktteilnehmer hinsichtlich des Wertes des Spielers dar und kann daher von einem typisierten ermittelten Wert abweichen. Abb.4: Wert und Preis (Quelle: Eigene Darstellung) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 704 Vera-Carina Elter704 Es zeigt sich aber auch, dass für Finanzierungs- oder Rechnungslegungszwecke unabhängig von einzelnen Transaktionspreisen und damit verbundener subjektiver Einflüsse ein objektivierbarer nachprüfbarer Wert ermittelt werden muss. 40.4.3 Bewertungsanlässe beim Spielervermögen Die Bewertungsanlässe für eine monetäre Wertermittlung von Spielervermögen können vielfältigster Natur sein. Durch das Instrument eines objektivierbaren Bewertungsverfahrens erhalten Kreditinstitute und andere Stakeholder (Versicherungen, Steuerbehörden, Verband) mehr Transparenz und die Fußballunternehmen gewinnen an Glaubwürdigkeit. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Baseler Eigenkapital-Vereinbarung (Basel II) wesentlich, nach deren Einführung die Kreditvergabe an die individuelle Risikoeinstufung des Kreditnehmers mittels Rating geknüpft wird. Das Spielervermögen als Sicherheit wird bisher auf Grund der hohen Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg und Gesundheitszustand der Akteure sowie der vorhandenen Intransparenz bei Kreditgebern oftmals nur als „second best“ Lösung angesehen. Darüber hinaus verbinden Kreditinstitute mit dem Spielervermögen i. d. R. einen unter Risikogesichtspunkten intransparenten und eher subjektiv bewertbaren Vermögenswert, dessen Marktwertermittlung sich schwierig gestaltet. „Eine objektivierbare einheitliche Bewertung der Lizenzspieler wäre aus versicherungstechnischer Sicht sehr zu begrüßen. Insbesondere würde dann eine allgemeingültige und von der Versicherungswirtschaft akzeptierte Grundlage für die Ermittlung der Marktwerte der einzelnen Lizenzspieler bestehen. Diese würde bei der Ermittlung der Versicherungssummen, die der Klub bei der Marktwertdeckung aufgeben muss, herbeigezogen und stellt für die Versicherer gleichzeitig die vom Versicherungsnehmer zu erbringende Rechtfertigung der Versicherungssumme dar (justification of Sum Insured).“ (Kai Bockelmann, Mitglied der Geschäftsleitung, HIMMELSEHER GmbH & Co. KG, Köln, Zitat im Rahmen eines Telefonats) Ein objektivierbares Bewertungsverfahren ist nicht nur für Fremdkapitalgeber notwendig, sondern in gleichem Maße auch für die Gewinnung von Eigenkapitalgebern (strategische oder Finanzinvestoren) sowie für alternative Finanzierungsformen wie z.B. Mezzanine Kapital, Anleihen, Transferfonds oder auch Asset Backed Securities. Außerdem haben Methoden zur Bewertung von „Spielervermögen“ durch die Einführung des europäischen Lizenzierungsverfahrens, das ein sog. Impairment of Assets vorschreibt, an Bedeutung gewonnen. Hierbei wird das „Spielervermögen“ jährlich auf eine mögliche Wertbeeinträchtigung überprüft. Liegt der aktuell ermittelte Marktwert eines Spielers unter dem bilanzierten Buchwert, ist eine Abschreibung vorzunehmen. Die Werthaltigkeit des Buchwertes ist jährlich für jeden einzelnen bilanzierten Akteur nachzuweisen und vom Wirtschaftsprüfer zu testieren. Auch im Rahmen einer bilanziellen Überschuldung müssen Marktwerte ermittelt werden, da der Bilanzposten Spielervermögen für die Fußballunternehmen oftmals die einzige Möglichkeit darstellt, stille Reserven zur Vermeidung eines Insolvenztatbestandes aufzudecken. Darüber hinaus müssen europaweit ab dem 1.1.2005 bis auf wenige Ausnahmen alle kapitalmarktorientierten Unternehmen ihre Rechnungslegung für den Konzernabschluss auf IFRS umstellen. Zu beachten ist, dass diese Verpflichtung nicht nur Unternehmen trifft, deren Anteile an einer Börse in einem geregelten Markt gehandelt werden, sondern auch solche, die z. B. eine öffentliche Anleihe am Kapitalmarkt platziert haben. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung internationaler Vergleichbarkeit könnte die Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 705 70540 Spielervermögen Anwendung der IFRS künftig insbesondere beim europäischen Lizenzierungsverfahren zum Tragen kommen, so dass die bilanzielle Behandlung des Spielervermögens nach IFRS an Relevanz gewinnt. Des Weiteren wurde auch im Bilanzrechtsreformgesetz für nicht börsennotierte Unternehmen in Deutschland ab 2005 ein Wahlrecht implementiert. „Ein einheitliches objektivierbares Bewertungsverfahren der Marktwerte von Lizenzspielern schafft Transparenz und sorgt somit für erhöhtes Vertrauen in die Managementfähigkeiten der Clubführung. Das erleichtert die Bereitschaft der Sport-Versicherungsbranche zur Zeichnung von höhersummigen D&O-Policen (directors & officers liability/Organhaftung der Clubs bzw. deren Kapitalgesellschaften), die schließlich für Schadensersatzansprüche Dritter aufgrund von Managementfehlern aufkommen müssen. Auch würde sich die latente Sorge der Branche um den moral hazard bei der Sportinvaliditätsversicherung („Marktwertdeckung“) reduzieren. D. h. die Branche gewinnt mehr Sicherheit, dass die Versicherungssumme dem tatsächlichen Wert entspricht – im Invaliditätsfall also nur der tatsächliche Schaden des Clubs ersetzt wird. Während ohne dieses Verfahren die Gefahr einer „Über“-Versicherung von Spielern besteht, deren Potenzial sich eher dem Ende zuneigt.“ (Jürgen Görling, ehemaliger Geschäftsführer, Hamburg-Mannheimer Sports GmbH, Zitat im Rahmen eines Telefongespräches) Ein objektivierbares Bewertungsverfahren kann für die Fußballunternehmen auch wertvolle Unterstützung bei der internen wertorientierten Unternehmenssteuerung leisten, z. B. in Form von Orientierungshilfen für Kauf- und Verkaufspreise von Spielern, Leihgebühren sowie für eine Gehaltsanalyse der Spielergehälter. 40.4.4 Bewertungsmethoden für Spielervermögen Die Bewertung von Spielervermögen hat generell nach denselben theoretischen Grundsätzen und Methoden wie die Bewertung von Unternehmen und sonstigen Vermögenswerten zu erfolgen. Werte können somit grundsätzlich auf Basis historischer Anschaffungs- und Herstellungskosten bzw. Entwicklungskosten (kostenorientierter Ansatz), mit Hilfe des Discounted Cashflow Verfahrens (kapitalwertorientierter Ansatz) sowie mittels unterschiedlicher Marktpreisverfahren (marktpreisorientierter Ansatz) ermittelt werden. (siehe hierzu auch den Beitrag „Marktgestützte finanzielle Spielerbewertung im Teamsport“) 40.4.5 Der marktpreisorientierte Ansatz In der Praxis ist nur der marktpreisorientierte Ansatz für die Ermittlung eines Marktwertes für Spielervermögen möglich, da bei diesem Ansatz auf Marktpreise, die zwischen fremden Dritten in der Vergangenheit realisiert worden sind, abgestellt wird. Durch die Definition von Kriterien bzw. Ausprägungsmerkmalen (z. B. Alter, Spielposition, Nationalität, Spieleigenschaft, gewichtete Leistungskriterien etc.) können im Rahmen einer Clusteranalyse bzw. eines Scoringsmodells Ähnlichkeiten zwischen den Vergleichsspielern, für die bereits eine Transaktion auf dem Markt zustande gekommen ist, und dem Bewertungsobjekt (“zu bewertender Spieler“) hergestellt werden. Die realisierten Transferpreise der Vergleichsspieler aus der Vergangenheit sind jedoch zwingend auf das heutige Marktniveau hinsichtlich des Preises und der Transferwahrscheinlichkeit anzupassen. Darüber hinaus sind bei den zu bewertenden Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 706 Vera-Carina Elter706 Spielern individuelle Besonderheiten, die sich auf den Wert des Spielers auswirken (z. B. langfristige Verletzung), in Form von Abschlägen bzw. Zuschlägen zu berücksichtigen. Die Ableitung einer Wertvorstellung erfolgt bei dieser Methode durch die Bildung eines repräsentativen Branchendurchschnittes von beobachtbaren Marktpreisen und bildet damit einen Marktkonsens über das Bewertungsniveau von Vergleichsspielern. Somit spiegelt der Marktpreisansatz die Wertvorstellung einer Vielzahl von Marktteilnehmern bei einer Vielzahl von Transaktionen wider und kommt dem Wertgedanken (im Rahmen eines Market Approach) nahe. Der marktpreisorientierte Bewertungsansatz bereitet in der Praxis in solchen Fällen Schwierigkeiten, in denen für einen sehr jungen Spieler der wesentliche Anteil des bezahlten Preises offensichtlich durch sein vermutetes Zukunftspotenzial und nicht durch seine bisher erbrachte Leistung gerechtfertigt wird (siehe Abbildung 5). Es handelt sich um Spieler für die eine sogenannte „Talentprämie“, also ein Vorschuss auf erwartete zukünftige Leistungen und Ergebnisse, bezahlt worden ist. Die Abbildung 5 soll verdeutlichen, dass eine eventuelle Transferentschädigung für einen „sehr jungen“ Spieler im Wesentlichen auf dem ihm zugeschriebenen Zukunftspotenzial basiert, für welches es noch keine beobachtbare Historie gibt, bzw. welche bisher nicht durch beobachtbare und erbrachte Leistung zu rechtfertigen ist. Dieses Zukunftspotenzial wird sich vielmehr erst in zukünftigen Leistungen widerspiegeln. Vor diesem Hintergrund muss bei der Bewertung dieses Spielers eine Klassifizierung zum Bewertungsstichtag auf Basis eines Scoringmodells zu einer sehr niedrigen Anzahl an Scoringpunkten führen, obwohl eine möglicherweise gezahlte Transferentschädigung einen höheren Wert impliziert. Das heißt zwar nicht, dass der in der Regel gezahlte Preis per se zu hoch ist, aber zumindest, dass ein höheres Risiko Alter des Spielers Zu sa m m en se tz un g de r A bl ös es um m e Anteil Zukunftspotenzial Anteil erbrachte Leistung Abb.5: Beispielhafte Zusammensetzung von gezahlten Transferentschädigungen in Abhängigkeit des Alters eines Spielers (Quelle: Eigene Darstellung) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 707 70740 Spielervermögen der Realisierung durch zukünftige Leistungen des Spielers besteht. Daher müssen in einem solchen Fall immer wieder die impliziten Erwartungen über das zukünftige Leistungspotenzial in der ursprünglich getätigten Transferentschädigung mit den erbrachten Leistungen des Spielers in dem Zeitraum nach dem Transfer (der eine „Talentprämie“ beinhaltete) verglichen werden. Eine Transferentschädigung für einen „älteren Spieler“ wird dagegen zwar auch für seine zukünftige Leistung bezahlt, diese ist aber im Wesentlichen Spiegel seiner bereits in der Vergangenheit erbrachten Leistung. Diese Abbildung 5 soll ausschließlich die Anteilsverhältnisse einer eventuellen Transferentschädigung darstellen und enthält keine Aussage zur Höhe einer eventuellen Transferentschädigung. In den Fällen, in denen eine Talentprämie gezahlt wird, werden von den Vereinen tendenziell längere Vertragslaufzeiten festgesetzt, um an der Realisation des erwarteten Leistungspotenzials der jungen Spieler zu partizipieren und somit potenzielle Wertsteigerungen bei einem Weiterverkauf vergütet zu bekommen. 40.5 Bisherige Überlegungen im Zusammenhang mit Transferfonds Investitionsüberlegungen im Zusammenhang mit Humankapital sind bisher vornehmlich aus der Musikindustrie bekannt, neuerdings werden derartige Überlegungen jedoch auch im Zusammenhang mit Bildungsfonds diskutiert. Darüber hinaus gibt es immer wieder Ansätze von ähnlichen Investitionsmodellen im Sport, vornehmlich jedoch in Einzelsportarten (z.B. die Tosa GmbH zur Finanzierung der beiden Tennisspieler Tommy und Sabine Haas). Durch die aktuelle Finanzierungssituation im europäischen Fußball werden neuartige Finanzierungskonzepte auch im Fußball beliebter. Diese beziehen sich nicht nur auf alternative Finanzierungsformen, wie z.B. Mezzanine Kapital, Anleihen oder Sale and Lease Back, sondern zunehmend auch auf Finanzierungsformen im Zusammenhang mit Transferrechten bzw. -fonds. So wurden vor ein paar Jahren in Spanien Ideen diskutiert, dass die Fußballunternehmen jeden ihrer Spieler künftig wie Einzelfirmen an einer eigens zu schaffenden Börse notieren können. Damit hätte jeder potenzielle Investor die Möglichkeit, vom jeweiligen Fußballunternehmen einen variablen Anteil der Eigentumsrechte an einem Spieler zu erwerben. Der Begriff Third-Party-Ownership im Fußball steht für die Eigentumsübertragung der Transferrechte (oder Teilen davon) von einem Spieler an eine dritte Partei (außerhalb des Vereins), z. B. an Spielervermittler oder auch an Sportmanagementagenturen. Eine derartige Vorgehensweise ist aktuell in Südamerika häufig anzutreffen. Dort haben eine Reihe von finanzschwachen Vereinen ihre talentierten Spieler an Finanzgruppen auf der ganzen Welt abgetreten. Die finanzschwachen Vereine werden damit in die Lage versetzt, dass die talentierten Spieler länger bei diesen Vereinen spielen können (da das zukünftige Ertragspotenzial des Spielers durch den Einstieg der Investoren bereits vorfinanziert wird). In der öffentlichen Diskussion wird dieses Thema insbesondere vor dem Hintergrund der Integrität des Wettbewerbs sehr kontrovers und eher ablehnend diskutiert. Vor diesem Hintergrund ist das Thema, inwieweit die (vereinsfremden) Investoren Mitspracherechte bei einem möglichen Transfer des Spielers haben, ein entscheidender Faktor. Insgesamt steht der Profifußballbereich insbesondere in Deutschland vor der Herausforderung auf europäischer Ebene erfolgreich zu sein. Dieser Anspruch steht unmittel- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 708 Vera-Carina Elter708 bar in Zusammenhang mit der „finanziellen Grundausstattung“ in der Bundesliga. Vor dem Hintergrund, dass die Einnahmen aus Sponsoring, Hospitality sowie Ticketing bereits auf einem sehr hohen Niveau liegen, der deutsche Fernsehmarkt besonderen nationalen Rahmenbedingungen unterliegt, die eine signifikante Steigerung der Einnahmen aus medialen Rechten in naher Zukunft erschweren, werden in der jüngsten Vergangenheit immer mal wieder Finanzierungsüberlegungen im Zusammenhang mit Transferfonds und den damit verbundenen möglichen Wertsteigerungen der Spieler diskutiert. Nachfolgend sind daher die bisher bekannt gewordenen Überlegungen im Zusammenhang mit Transferfonds dargestellt. 40.5.1 Diverse Hedge Fonds Der erste Fußballfonds, der auf Transferrechte spezialisiert war, kam 1997 in Verbindung mit dem argentinischen Verein Club Atlético Boca Juniors auf den Markt. Der Boca-Fonds wurde 2001 nach Ende der Laufzeit von vier Jahren aufgelöst und kam laut öffentlicher Informationen auf eine Rendite von 32 %. Insbesondere in den Jahren 2004 bis 2006 gab es eine Reihe von Presseberichten, die auf Transferrechte von Fußballern spezialisierte Hedge Fonds berichteten. So existierte bspw. in Portugal in den Jahren um 2004 ein Fußballfonds, der von der First Portuguese Group und der Banco Espirito Santo vertrieben wurde, bei dem die Anleger an den Transfers von Spielern des FC Porto verdienten (FP Football Players Fund). Der Fonds war zwischenzeitlich an den zukünftigen Transfererlösen von 10 Spielern beteiligt. Ein ähnlicher Fonds war auf Transferrechte der Spieler von Sporting Lissabon spezialisiert. Presseberichten zur Folge soll der Fonds damals beispielsweise an dem Transfer von Cristiano Ronaldo von Sporting Lissabon zu Manchester United, sowie an dem Transfer von Hugo Viana von Sporting Lissabon zu Newcastle United und von Ricardo Quaresma von Sporting Lissabon zum FC Barcelona beteiligt gewesen sein. Weitere Presseartikel berichten ebenfalls in dieser Zeit von einem britischen Hedge Fonds, der von Hero Investment und Sports Asset Capital aufgelegt wurde. Aktuellere Informationen zu all diesen Hedge Fonds bzw. Informationen, ob diese Hedge Fonds noch existieren oder bereits geschlossen wurden, konnten nicht in Erfahrung gebracht werden. 40.5.2 Hamburger Sportverein e. V. Gemäß öffentlichen Informationen wollte der Hamburger Sportverein e. V., Hamburg (im Folgenden „HSV“) im Sommer 2008 gemeinsam mit regionalen Investoren einen sog. Transferfonds gründen, um Investitionen in Spieler zu finanzieren. Es wurde öffentlich, dass das Projekt intern den Namen Anstoß hoch drei trug, und demnach angeblich 3 Investoren bereits für diese Idee gewonnen wurden. Die Investitionen dieses Transferfonds sollten immer zweckgebunden getätigt werden, d. h. immer für einen bestimmten Transfer eines Spielers. Entsprechend seiner Einlage sollte der Investor zukünftig an einem möglichen Transfergewinn beteiligt werden. Bei ablösefreiem Wechsel oder Invalidität der entsprechenden Spieler hätte den Investor ein Totalverlust getroffen. Die Investoren sollten (gemäß den DFL Statuten) keine Mitspracherechte erhalten, sondern ausschließlich Informationsrechte inne haben. D. h. die Investoren sollten keinerlei rechtliche Einflussnahme auf einen möglichen Transferzeitpunkt und auf die Transferhöhe haben, diese Entscheidungen sollten ausschließlich dem HSV zustehen. Da in diesem Fall allein der Verein demnach über das Transferrecht bestim- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 709 70940 Spielervermögen men sollte, ist ausgeschlossen, dass ein Spieler allein aus wirtschaftlichen Gründen auf Druck der Investoren verkauft wird. Das Projekt wurde gemäß öffentlichen Informationen verschoben, stellt aber weiterhin eine Option für die Zukunft dar. Inwieweit für diesen Transferfonds eine neue Gesellschaft gegründet werden sollte und wer die Personalkosten für die Spieler tragen sollte, ist öffentlich nicht bekannt. 40.5.3 Fonds der National Bank of Dubai/Emirates Die National Bank of Dubai (NBD), mit Sitz in Dubai/United Arab Emirates, gab im November 2008 laut öffentlicher Informationen die Auflage des „Hero Global Football Fund“ bekannt. Ein aktueller Stand zu diesem Fonds ist öffentlich nicht verfügbar. Ein Fonds, dessen Geschäftsmodell darauf abzielen sollte, junge Nachwuchstalente vornehmlich in Afrika, Südamerika und Ostasien zu entdecken, deren Talente weiterzuentwickeln und bei einem späteren Transfer dieser Spieler eine entsprechende Rendite zu erwirtschaften. Der Fonds wollte dabei insbesondere mit der Glenn-Hoddle- Fußball-Akademie, an der die NBD Bank mit 30 % beteiligt sein sollte, in Südspanien zusammenarbeiten. Bei der Vorstellung des Fonds wurde darauf verwiesen, dass insbesondere Anleger aus dem Mittleren Osten den Wert dieser Sport-Industrie, insbesondere des Fußball- Sektors, schätzen. Bei derartigen Fondsprojekten wird häufig auf den Pferdesport verwiesen, bei dem es häufig vorkommt, dass Konsortien von Investoren gemeinsam ein Pferd oder einen ganzen Pferdestall erwerben. Der Hero Global Football Fund, der auf der Kanalinsel und Steueroase Jersey registriert sein soll, sollte von einer Tochter der NBD verwaltet werden. Er sollte mit einem Startkapital von knapp 20 Mio. Euro. ausgestattet werden und sollte ein Gesamtvolumen von ca. 160 Mio. Euro anstreben. Einzelne Investoren und / oder Fußballvereine konnten ab 100.000 US-Dollar Anteile erwerben. Der Fonds sollte von einem bestimmten Verein gegen ein Entgelt die zukünftigen Transferrechte (oder nur Anteile davon) von ausgewählten Fußballspielern erhalten; im Gegenzug sollte der Fonds bei einem späteren Transfer des Spielers einen bestimmten Anteil am Transfererlös erhalten. Laut öffentlichen Quellen sollte der Fonds eine jährliche Ausschüttung von 10% garantieren. Weitere detaillierte Informationen zu diesem Fonds sind nicht bekannt. 40.5.4 Traffic Sports Marketing Die Traffic Gruppe ist eine Sportsmanagementagentur, die vor über 30 Jahren in Brasilien gegründet wurde und auch eine Repräsentanz in den USA hat. Seit einigen Jahren hat sich die Traffic Sports Marketing auf die Entwicklung von brasilianischen Fußballtalenten, insbesondere von Vereinen wie u.a. Coritiba Foot Ball Club, Esporte Clube Vitória und Atlético Paranaense (alle genannten Vereine spielen in der ersten brasilianischen Liga) spezialisiert. Ziel von Traffic Sports ist es an der Wertsteigerung dieser jungen brasilianischen Fußballtalente bei zukünftigen Transfers vornehmlich nach Europa zu partizipieren. Nach dem Scouting und der Sichtung werden die Talente von dem 2005 von der Traffic Gruppe gegründeten brasilianischen Verein Desportivo Brasil Participacoes Ltda., Avecuia – Porto Feliz (im Folgenden „Desportivo Brasil“), unter Vertrag genommen. Dieser Verein Desportivo Brasil trainiert und betreut über 100 Spieler in drei Altersstufen (U-15, U-17 und U-20). Alle drei Junioren-Teams nehmen an der jährlichen Staats- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 710 Vera-Carina Elter710 meisterschaft ihrer Altersstufen teil. Das Turnier wird auch als Campeonato Estadual do São Paulo, oder auch Campeonato Paulista bezeichnet und vom Verband des Staates, der Federação Paulista de Futebol veranstaltet. Es ist die älteste Staatsmeisterschaft für Junioren von Brasilien. In den meisten Fällen werden die talentiertesten Jugendspieler an einen brasilianischen Spitzenverein ausgeliehen. Dazu hat die Traffic Gruppe Kooperationsvereine, wie zum Beispiel Sociedade Esportiva Palmeiras, Flamengo Rio de Janeiro, Fluminense Rio de Janeiro, Cruzeiro Esporte Clube, Sport Club Internacional, Avaí Futebol Clube (alle 1. Liga/Brasilien) oder Ituano Futebol Clube (3. Liga/Brasilien). Ziel der Ausleihe ist es, dass diese jungen Spieler bei den ausleihenden Vereinen weiter ausgebildet werden, an Ligaspielen teilzunehmen und dass die Spieler in diesen Vereinen von den europäischen Scoutvertretern der Spitzenvereine beobachtet werden. Die Spieler werden in der Regel solange an diese Vereine ausgeliehen, bis ein finanziell interessantes Angebot aus Europa eintrifft, um dann mit dem Verkauf (oder in einem ersten Schritt auch Ausleihe) der gesamten oder einem Teil der Transferrechte des Spielers eine Rendite zu erwirtschaften und bei einem weiteren Verkauf des Spielers innerhalb von Europa zusätzlich an einem Transfererlös beteiligt zu werden. Nachfolgende Abbildung zeigt das theoretische Geschäftsmodell von Traffic. Erläuterungen zur Abbildung: 1. Traffic sichert sich die zukünftigen Transferrechte an einem Spieler 2. Dieser Spieler wird an einen oberklassigen brasilianischen Verein ausgeliehen, um die europäische Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Abb.6: Geschäftsmodell Traffic Gruppe (Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von http://www.trafficfootball.com) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 711 71140 Spielervermögen 3. um Spielpraxis zu erlangen 4a. Spieler wird an einen europäischen Topverein verkauft (Traffic erzielt einen Transfererlös und behält die Teileigentumsrechte an dem Spieler) 4b. Spieler wird an einen europäischen Topverein ausgeliehen (Traffic erhält Ausleihgebühren und behält die Teileigentumsrechte an dem Spieler) 5. Bei einem weiteren Transfer (innerhalb Europas) erzielt Traffic weitere Transfererlöse Im November 2008 kündigte der hinter Traffic stehende (öffentlich nicht recherchierbare) Investmentfonds eine Eigenkapitalerhöhung um 100% an, mit der im Jahr 2009 weitere Investitionen in junge Spieler erfolgen sollten. In der Presse wurde ein Betrag von 80 Mio. R$ genannt. Laut öffentlichen Informationen soll Traffic bisher 40 Mio. R$ in Transferrechte von talentierten jungen Fußballspielern investiert haben. Im Dezember 2008 gab Traffic den Abschluss eines Kooperationsvertrages mit Manchester United bekannt. Angestrebt wurde u. a. ein Austausch von Juniorenspielern der Vereine. Es ist häufig zu beobachten, dass durch den Verkauf von Teileigentumsrechten die Preise für Talente weiter steigen, da sich die abgebenden Vereine im Falle des Transfers die bereits im Vorfeld an Dritte verkauften Transferanteile im Preis wieder zurückholen möchten. Möglich ist dies nur, weil der abgebende Verein noch die Freigabeerklärung erteilen muss. Zu unterbinden ist diese „nachträgliche Preiserhöhung“ nur, wenn sich der abgebende Verein bereits bei Verkauf der Teileigentumsrechte verpflichtet (mit entsprechender rechtlicher Wirkung) den Spieler definitiv freizustellen. Ein weiterer Aspekt der Preissteigerung ist, dass durch die Ausweitung des Geschäftsmodells Talentsuche in Südamerika von den dortigen Investoren bereits viel Wertschöpfung sehr frühzeitig abgeschöpft wird. 40.5.5 Transferfonds FTR 1 Hanseatischer Fußball Kontor Im Oktober 2010 wurde in Deutschland von einem weiteren geschlossenen Transferfonds, dem FTR 1 der Fußball GmbH & Co. KG. berichtet. Die Hanseatische Fußball Kontor GmbH, Schwerin bietet als Initiatorin Kommanditbeteiligungen an der FTR 1 Fußball GmbH & Co. KG an. Diese investiert bei den Vereinen in finanzielle Spielertransferrechte wodurch sie an den Transfergeschäften beteiligt wird. Ziel der Fondgesellschaft ist es ebenfalls, in junge, talentierte Spieler mit großem Entwicklungspotenzial und einer entsprechend möglichen Wertsteigerung zu investieren. Im Idealfall sollen durch eine rasche Steigerung der Marktwerte hohe Renditen generiert werden. Da dies auf Spieler zwischen 18 und 23 Jahren am wahrscheinlichsten zutrifft, stellt diese Altersgruppe den Anlageschwerpunkt des Fonds dar. Im Fokus stehen vor allem die 2ten und 3ten europäischen Ligen. Gemäß dem sog. Blind-Pool-Fonds ist dem Investor nach öffentlichen Informationen zum Zeitpunkt der Anlageentscheidung in der Regel nicht bekannt in welche Investitionsobjekte (Spieler-Transferrechte) er investiert. Das Platzierungsrisiko des Fonds soll jedoch durch den Einbezug externer Experten gemindert werden. Des Weiteren besteht ein transparenter Datenbestand von möglichen Zielspielern. Das Portfolio soll aus 20 bis 30 Transferrechten zusammengestellt sein sowie einen Durchschnittswert von maximal 500.000 Euro betragen. Dabei sollte ein Einzeltransferrecht die Schwelle von 1 Mio. Euro nicht überschreiten. Die erworbenen Transferrechte sollen durchschnittlich zwei Jahre gehalten werden. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 712 Vera-Carina Elter712 Es soll bis zum 31.12.2011 Eigenkapital in Höhe von maximal 10 Mio. Euro bei privaten Investoren eingeworben werden. Mit dem eingeworbenen Kommanditkapital soll im Anschluss in finanzielle Spieler-Transferrechte im Profifußball investiert werden (alle Infos www.fussballkontor.de). 40.5.6 Andere Verpfändungsmodelle In der Bundesliga gab es bereits ebenfalls einige Fälle, in denen sich Fremdkapitaloder auch Eigenkapitalgeber Transferrechte zur Sicherheit haben übertragen lassen. Bekanntes Beispiel hierfür ist das Transferrecht von Miroslav Klose im Jahr 2002, als dieser noch für den 1. FC Kaiserslautern gespielt hat. Da der Verein zum damaligen Zeitpunkt finanziell angeschlagen war, wurde das Transferrecht gemäß öffentlichen Informationen an die Lottogesellschaft Rhein-Pfalz verkauft oder verpfändet. 40.5.7 Regelmäßige Vorgehensweise von Transferfonds Transferfonds können für Investoren interessant sein, wenn Fondsbetreiber mit Fußballunternehmen, die junge Fußballtalente fördern und anschließend an ein sportlich sehr erfolgreiches (und damit in der Regel auch finanzstarkes) Fußballunternehmen verkaufen, kooperieren. In Deutschland gab es in der Vergangenheit immer wieder Versuche diverser Fondskonzepte (u. a. „Ommer-Modell“, 1. Fußball-Fonds von Sportconcept gegründet im Herbst 2001 {Der Fondsvertrieb wurde nach 2 Monaten bereits wieder eingestellt. Bis dahin hatten 67 Anleger diesen Fonds gezeichnet und der Fonds hatte ca. 400.000 Euro eingesammelt. Vgl. Fondszeitung, 22.6.2006.}, die jedoch alle keinen durchschlagenden Erfolg hatten. Investiert wird immer in zumeist junge talentierte Fußballspieler, die dann auch noch relativ jung zu Vereinen der Bundesliga oder zu anderen Vereinen der europäischen Spitzenliga wechseln. Transferfonds unterscheiden sich darin, dass die Investoren in einem solchen Fall keine Verträge mit dem Fußballunternehmen direkt abschließen, sondern sich an einem zwischen Investor und Fußballunternehmen vorgeschalteten Fonds beteiligen. Bei einer direkten Beteiligung der Investoren an einem Spielerfinanzierungsfonds schlägt das Risiko einer Humankapitalinvestition voll auf den Investor durch, während das Risiko bei einer Finanzierung des Fußballunternehmens durch die Diversifikation in weitere Geschäftsfelder abgefedert werden kann. Nach erfolgreichem Selektionsprozess erwirbt der Fonds das Recht oder Teilrechte an zukünftigen Transferentschädigungen an Spieler X vom Verein 1. Vertragspartner des Transferfonds ist der Verein 1, der dem Fußballfonds gegen Bezahlung einer bestimmten Geldsumme sein Recht oder sein Teilrecht auf Transferentschädigung für seinen Spieler X abgetreten hat. Verein 1 bekommt gegen Abtretung der Rechte auf Transferentschädigung Liquidität und muss deshalb Spieler eventuell nicht verkaufen. Im Falle eines späteren Vereinswechsels des Spielers greift der Fußballfonds nicht in die eigentliche Abwicklung des Transfers ein. Inwieweit die beschriebenen Fonds bestimmte Mindestdividenden an die Investoren ausschütten oder nur im Falle eines Transfergewinns an die Investoren ausschütten, ist öffentlich nicht bekannt. Die Fonds betreiben in der Regel weder Spielervermittlung noch Management oder Beratung von Spielern. Das Recht oder das Teilrecht an einer Ablöseentschädigung ist somit für einen Dritten (nicht Verein), der den Spieler nicht unmittelbar zur Cashflow-Generierung nutzen kann, nur werthaltig, wenn der Spieler während der Vertragslaufzeit zu einem anderen Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 713 71340 Spielervermögen Verein transferiert werden kann. Nach Ablauf des Vertragsverhältnisses zwischen Spieler und Verein verliert das erworbene Recht seinen Wert. Deshalb werden Investitionen von Dritten in der Regel nur in Spieler getätigt, die noch einen langfristigen gültigen Vertrag bei einem Fußballverein besitzen. Da die Transferrechte auch häufig als Sicherheit oder als Pfändungsgegenstand für Darlehensaufnahmen dienen, gilt dasselbe auch für Kreditsicherheiten. Die Transferrechte werden in diesen Fällen i. d.R. nur solange von den Kreditgebern als Sicherheit akzeptiert, sofern die vollständige Tilgung des Darlehens deutlich vor Vertragsende des Spielers (häufig 1 Jahr) erfolgt. Derartige Modelle existieren derzeit in unterschiedlichen Ländern, bei denen Fonds, Investorengruppen oder auch Kapitalgesellschaften Rechte an Transferentschädigungen an Fußballspielern erwerben oder auch für diese Transferentschädigungen Partnerschaften mit Fußballvereinen und -kapitalgesellschaften eingehen. Beispiele hierfür werden in der Presse immer wieder bekannt. 40.6 Chancen und Risiken von Transferfonds im Allgemeinen 40.6.1 Chancen Durch Bündelung der Transferrechte von solchen Spielern, die am Anfang der „Verwertungskette“ stehen, an denen die Rechte also relativ günstig zu erwerben sind, wird eine Risikostreuung des investierten Kapitals erreicht. Ein derartiger Portfolioansatz Abb.7: Geschäftsmodell von Transferfonds (Quelle: Prospekt Sportconcept Fonds) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 714 Vera-Carina Elter714 kann dazu führen, dass durch die Bündelung der Synergien und durch die breite Streuung bereits der Transfer von einigen wenigen Talenten zu einem wirtschaftlichen Erfolg des Transferfonds führt. Je breiter der Fonds seine Investitionen tätigt, umso größer ist der Portfoliogedanke und umso größer die Chance ein sehr erfolgreiches Talent zu finden, welches im Anschluss für einen deutlich höheren Preis den Verein wechselt. Die Wertentwicklung derartiger Fußballfonds ist abhängig von der Wertentwicklung der einzelnen Spieler bzw. einzelner Talente. Die Streuung in verschiedene Spieler bzw. Spielertypen oder auch Spielerpositionen hat zur Folge, dass negative Entwicklungen einzelner Spieler oder Spielertypen durch Erfolge anderer ausgeglichen werden. Andererseits können die Ergebnisse erfolgreicher Spieler durch negative Entwicklungen anderer reduziert werden. Der Transfermarkt ist geprägt vom Bedarf der Topvereine an neuen Spielern. Durch die Schnelllebigkeit des sportlichen Erfolgs besteht Unsicherheit, den tatsächlichen Bedarf eines Vereins (zeit-)punktgenau zu treffen. Darüber hinaus können durch die systematische Bündelung des Scoutings (wie von der Traffic Gruppe augenscheinlich sehr professionell gehandhabt) Synergieeffekte erreicht werden, da bisher jede Scoutingabteilung der Vereine allein für ihre eigene Spielernachfrage tätig ist. Die Erschwernis des Scoutings nur für einen Verein liegt auch in der zeitlichen Komponente des Scoutings. Während ein Scout, der nur für einen Verein tätig ist, nicht nur gute Spieler entdecken muss, sondern er muss sie auch zur richtigen Zeit entdecken. Dies bedeutet, dass „Ineffizienzen“ auch dadurch entstehen, dass der Scout sehr gute Spieler entdeckt, aber für diese Position möglicherweise kein Bedarf bei der eigenen Mannschaft zu diesem Zeitpunkt besteht, somit kann die Suche zu einem späteren Zeitpunkt wieder völlig neu beginnen, da dieser Spieler dann bereits bei einem anderen Verein unter Vertrag steht. Durch die Ausweitung bzw. Bündelung der Scoutingtätigkeiten für mehrere Vereine sind wirtschaftliche Erfolge denkbar, da der zeitgleiche Bedarf für sehr gute talentierte Spieler deutlich größer ist und somit die Spieler voraussichtlich sofort vermittelt werden können. Des Weiteren ist die Investitionssumme bei einem Erwerb oder Teilerwerb von Transferrechten „junger Talente“ überschaubar, während die Investitionssumme bei dem Erwerb oder Teilerwerb von „reiferen Spielern“ deutlich höher ist. Somit ist das Verlustrisiko auf einzelne Spieler bezogen deutlich niedriger als bei reiferen Spielern. Bei einer Anbindung eines Transferfonds an einen Verein kann dem Verein eine Art First Option Right zustehen, welches den Verein in die Situation versetzt, stets aus einem Pool von jungen Fußballtalenten diejenigen für sich auszusuchen, die die höchste sportliche Qualität hat. Ein weiterer Vorteil bei einer Anbindung eines Transferfonds an einen Verein, ist die Tatsache, dass dadurch Notkäufe (z. B. auf Grund von größeren Verletzungen in der Winterpause) fast ausgeschlossen werden kann, da der Transferfonds eine größere Anzahl von jungen Talenten quasi vorhält. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Talentwettbewerbs könnten die Preise für junge talentierte Spieler weiter steigen. Auch bei Einführung einer möglichen 6 + 5 Regelung könnten die Preise auf Grund der Verknappung für einheimische und für ausländische Spieler weiter steigen. 40.6.2 Risiken Eine negative Entwicklung einer größeren Anzahl von Spielern, ohne ausreichende Kompensation durch positive Entwicklung anderer Spieler, könnte in der Folge zu einem Wertverlust im Fondsportfolio führen. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 715 71540 Spielervermögen Bei einem Transferfonds handelt es sich um keine Beteiligung, aus der die Investoren regelmäßig wiederkehrende gesicherte Erträge erwarten können. Eine Beteiligung an einem derartigen Transferfonds ist eher spekulativ und somit eher auf einmalige erfolgreiche Weiterverkäufe der Spieler ausgerichtet. Die Risiken derartiger Transferfonds können wie folgt aussehen: Spieler wird nicht (regelmäßig) eingesetzt und verliert an Wert Spieler erleidet eine schwerwiegende Verletzung oder wird invalide und verliert an Wert Spieler ist mit einem Transfer zu einem anderen Verein nicht einverstanden und stimmt demnach dem Transfer nicht zu Verein will den Spieler trotz interessanter finanzieller Angebote aus sportlichen Gründen nicht vor Ende der Vertragslaufzeit abgeben Abhängig vom Geldfluss; der abgebende Verein erhält die Transferentschädigung bezahlt aber nicht den Transferfonds FIFA, DFB/DFL oder andere Verbände erlassen weitere Regelungen zum Thema Third-Party-Ownership und zum Thema Integrität des Wettbewerbs Wirtschaftskrisen und/oder Rezessionen wirken sich auf die Transferaktivitäten der Vereine aus und reduzieren die Transfernachfrage Mäzenatentum (vornehmlich in England) verringert sich und hat mögliche Auswirkungen auf den Transfermarkt Ausweitung des Webster-Urteils Reduzierung der Anzahl der Mannschaften in den europäischen Top-Ligen (England etc.) Einführung der 6 + 5 Regelung und damit sinkende Transfernachfrage nach ausländischen Spielern Die meisten Spieler sind für den Investor mit einem Verlustgeschäft verbunden, aber einige wenige außergewöhnliche Spieler können diese Verluste überkompensieren. Ein breit aufgestelltes Portfolio ist deswegen von entscheidender Bedeutung. 40.7 Fazit Das Spielervermögen ist nicht nur auf Grund seines Anteils an der Bilanzsumme der zentrale Vermögenswert von Fußballunternehmen. Denn das Spielervermögen hat einen erheblichen Einfluss auf das Bilanzbild und somit auf die Vermögenssituation der Fußballunternehmen. Damit zusammenhängende Bilanzierungs- und Bewertungsfragen sind im Kontext von diversen Transferreglungen und nationalen sowie internationalen Statuten zu sehen. Während für die Bilanzierung im Wesentlichen einheitliche Standards in der Praxis bestehen und auch angewendet werden, wird die Bewertung des Spielervermögens nicht einheitlich umgesetzt. Die Bilanzierung und Bewertung von Spielervermögen wird bei Rechnungslegungs- sowie Finanzierungsfragen der Fußballunternehmen und Verbände jedoch eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen. Für alle Stakeholder werden Branchenkenntnisse bei der Beurteilung von Sicherheiten immer bedeutender. Die Unsicherheiten auf Seiten der Investoren bzw. Fremdkapitalgeber können von den Fußballunternehmen z. B. durch die Einführung Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 716 Vera-Carina Elter716 eines objektivierbaren Bewertungsmodells für Spielervermögen aktiv gestaltet bzw. reduziert werden. Einheitlich angewendete objektivierbare Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Marktwertes von Spielervermögen existierten in Deutschland bisher nicht. Der auf Bewertungen aller Art spezialisierte Bereich Corporate Finance der KPMG hat sich sehr intensiv mit dem Thema Bewertung von Spielervermögen beschäftigt. Dabei wurde 2003 ein objektivierbares Bewertungsverfahren für Spielervermögen entwickelt, welches bereits mehrfach in der Praxis eingesetzt wurde. Ein derartiges einheitlich objektivierbares Verfahren zur Ermittlung von Marktwerten für Spielervermögen kann nicht nur für rechnungswesenbasierte Bewertungsanlässe eine wertvolle Unterstützungsfunktion leisten, sondern auch die für die Inanspruchnahme von innovativen Finanzierungsinstrumenten notwendige Transparenz wesentlich verbessern sowie als Unterstützung für ein internes Wertmanagement dienen. Auch bei Transferfonds ist eine objektivierte Bewertung von Spielervermögen sehr wichtig. Die Geschäftsmodelle der Transferfonds sind international fast identisch, werden jedoch sehr kontrovers und in Deutschland eher ablehnend diskutiert. Informationen über neu entstehende Transferfonds gibt es zahlreich, Informationen über nachhaltige und mehrjährige wirtschaftliche Erfolge von Transferfonds existieren dagegen nicht. Literaturverzeichnis DFL: Bundesliga Report bzw. die wirtschaftliche Situation im Lizenzfußball, Frankfurt am Main 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011. Elter, V.: Bewertung von Fußballunternehmen, in: Drukarczyk, J.; Ernst, D.: Branchenorientierte Unternehmensbewertung, 3. Auflage 2010. Elter, V.: Bewertung von Fußballunternehmen, in: ZfCM/Controlling & Management, Sonderheft 1/2012. Hanseatisches Fußball Kontor: FTR 1 Fußball GmbH & Co. KG. http://www.fussballkontor.de/hfk_ftr-1-fonds.html. Homberg A./Elter V.-C./Rothenburger M.: Bilanzierung von Humankapital nach IFRS am Beispiel des Spielervermögens im Profisport, in: KoR 6/2004, S. 249–263. IDW: IDW Standard: Grundsätze zur Bewertung immaterieller Vermögenswerte (IDW S 5), Stand 25. Mai 2010. KPMG, Corporate Finance: Der Fußballtransfermarkt – Objektivierbare Ermittlung von Marktwerten des Spielervermögens, 2006. KPMG, Corporate Finance/WGZ-Bank: FC €uro AG – Fußball und Finanzen, September 2004. Sport Concept GmbH & Co. 1. Fußballfonds KG, Der 1. Fußballfonds, Prospekt.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

"Das vorliegende Handbuch [...] gibt eine exzellente Orientierung für modernes und professionelles Sportmanagement [...]"

Wolfgang Niersbach

Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Immer weiter reichende ökonomische Aktivitäten und damit verbundene Risiken - Entscheidungsträger im professionellen Sport müssen nicht nur ihren Partnern aus der Wirtschaft auf gleicher Augenhöhe begegnen, sie müssen vielmehr die Klubs und deren Tochtergesellschaften bzw. die Organisationseinheiten um Einzelsportler in entsprechender Weise ausrichten und leiten, um den sportlichen vor allem aber den ökonomischen Wettbewerb erfolgreich bestreiten zu können.

Dieses umfassende Handbuch liefert Ihnen Lösungen zu den zentralen Fragen im professionellen Sportmanagement - es stellt die wesentlichen Ansatzpunkte für die unternehmerische Führung und die dafür notwendigen Grundlagen aus Betriebswirtschaftslehre, Steuern und Recht vor.

Vor allem am Beispiel des aus der ökonomischen Perspektive am weitesten entwickelten professionellen Fußballsports richtet sich dieses praxisorientierte Nachschlagewerk insbesondere an Verantwortliche in Klubs - Vereinsvorstände, Organe der Kapitalgesellschaften, Leiter der betriebswirtschaftlichen Bereiche und deren Mitarbeiter -, natürlich aber auch an Einzelsportler und ihre Berater sowie an Kapitalgeber, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Studierende.

Über die Autoren und Herausgeber

Das Handbuch "Sportmanagement" ist ein Gemeinschaftswerk von ausgewiesenen Praktikern, die über langjährige Erfahrungen im professionellen Sport verfügen. Es wird herausgeben von Prof. Dr. Albert Galli, Prof. Dr. Vera-Carina Elter, Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser und Wilfried Straub.

"(...) Wenn das Buch auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es befasse sich nur mit dem Profisport, so ist das ein falscher Eindruck. Da es sich in allen Teilbereichen um einen professionellen Umgang mit dem Sport bemüht, ist es bestimmt auch für den "normalen" Vereinsführer ein hilfreiches Werk. Hilfreich ist auch die klare Gliederung in kurze Artikel zu Teilbereichen."

In: Der Budoka 12/2002, zur 1. Auflage