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Felix Holzhäuser, Gregor Lentze, Das Ticketing in der Bundesliga und bei Fußballgroßveranstaltungen in:

Albert Galli, Vera-Carina Elter, Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser, Wilfried Straub (Ed.)

Sportmanagement, page 535 - 552

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3678-5, ISBN online: 978-3-8006-4613-5, https://doi.org/10.15358/9783800646135_535

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Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 537 Das Ticketing in der Bundesliga und bei Fußballgroßveranstaltungen von Felix Holzhäuser und Gregor Lentze Inhaltsverzeichnis 31.1 Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 538 31.2 Das Ticketing in der Bundesliga . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 539 31.2.1 Vereine und Vertrieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 539 31.2.2 Elektronisches Ticketing . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 541 31.2.3 Ticket-AGB und Stadionordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 542 31.3 Das Ticketing bei Fußballgroßveranstaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 545 31.3.1 Verband und Vertrieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 545 31.3.2 Ticketprodukte/Ticketkontingente. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 547 31.3.3 Ticket AGBs. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 549 31.4 Exkurs: Zweitmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 550 31.4.1 Rechtslage zum nicht-autorisierten Zweitmarkt in Deutschland . . . . . . . . 551 31.4.2 Status Quo zum Zweitmarkt in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 553 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 538 31.1 Einleitung Die Bundesliga zieht pro Spiel durchschnittlich 41.802 Zuschauer an. Dies sind fast 6.400 Fans pro Begegnung mehr als in der englischen Premier League und sogar fast doppelt so viele Zuschauer wie in Frankreichs Ligue 1. Die Einnahmen der Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga aus dem Bereich Spielbetrieb (d. h. primär Ticketverkäufe) betrugen in der Saison 2009/2010 rund 380 Millionen Euro. Dies entsprach einem Anteil an den Gesamteinnahmen der Clubs von etwa 21% (DFL, Bundesliga Report 2011 – Die wirtschaftliche Situation im Lizenzfußball). Das Ticketing ist für die Vereine zweifelsohne ein enormer Wirtschaftsfaktor. Von ebenso großer organisatorischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist das Ticketing für die Verbände, die für ihre Veranstaltungen, z. B. Länderspiele, Endspiele ihrer Vereinswettbewerbe oder Fußball-Welt- und Europameisterschaften, ebenfalls in eigener Verantwortung Eintrittskarten verkaufen. In beiden Fällen ist das „Ticketing“ selbstverständlich nicht mehr der reine Kartenverkauf am Kartenhäuschen vor dem Stadion. Vielmehr werden Tickets auf den verschiedensten Wegen gekauft und gehandelt. Die Veranstalter bieten unterschiedlichste Kategorien und Ticketprodukte an, neben Tageskarten in verschiedenen Kategorien gibt es Dauerkarten, Business-Seats, Logen und Pakete mit Vermarktungs- und anderen Zusatzleistungen für Kooperationspartner, die über komplexe Informations- und Reservierungssysteme von IT-Spezialisten vertrieben werden, kurzum: Ticketing ist ein komplexes Geschäft. Der Markt für Fußballtickets ist dabei in einen sog. Erst- und einen sog. Zweitmarkt zu trennen. Als Erstmarkt bezeichnet man den Verkauf der Tickets direkt von den Veranstaltern, d. h. den Vereinen und Verbänden bzw. deren Kooperationspartner, den „offiziellen“ Ticketmarkt. Der Zweitmarkt umfasst den Weiterverkauf von Tickets, die auf dem Erstmarkt erworben und vom Erwerber nach dem Kauf mindestens einmal weiterveräußert wurden. Dieser Zweitmarkt hat sich in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet und sich auch in Bezug auf seine rechtliche Bewertung enorm verändert. Der Zweitmarkt wird daher in einem gesonderten Abschnitt behandelt. Aus rechtlicher Sicht kommt mit dem Verkauf eines Tickets für ein Fußballspiel zwischen dem veräußernden Veranstalter und dem Ticketerwerber ein Werkvertrag im Sinne der §§ 631 ff. BGB zu Stande. Geschuldetes Werk ist der Zutritt zum Stadion, die Sitzplatzzuweisung und die Durchführung des Fußballspiels (AG Frankfurt a. M. v. 20.04.2006 – 31 C 3120/05-17 – SpuRt 2006, 122, 123). Die Ansprüche aus dem mit dem Ticketerwerb zustande gekommenen Werkvertrag gemäß § 631 BGB sind in dem jeweiligen Ticket verbrieft. Verbriefung bedeutet die Verklammerung eines Rechts mit einem Papier mit der Folge, dass das Recht nur noch durch die Vorlage des Wertpapiers geltend gemacht werden kann (Weller, JuS 2006, 497, 500). Fußballtickets stellen somit Wertpapiere dar, d. h. eine Urkunde, in der ein privates Recht in der Weise verbrieft ist, dass zur Geltendmachung des Rechts die Innehabung der Urkunde notwendig ist. Ohne die Urkunde kann das in ihr verbriefte Recht nicht ausgeübt werden (Brox, 2001, Rn.447). Dabei ist zu unterscheiden zwischen „gewöhnlichen“ (nicht personalisierten) und personalisierten Tickets, d.h. Tickets, auf denen der Name des Käufers abgedruckt bzw. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 539 53931 Ticketing in elektronischer Weise gespeichert ist. Gewöhnliche Tickets sind Inhaberpapiere, also im rechtlichen Sinne Wertpapiere, die den jeweiligen Inhaber als berechtigt ausweisen, das in dem Papier verbriefte Recht geltend zu machen. Zur Geltendmachung des verbrieften Rechts ist im Interesse des Schuldners und des Gläubigers lediglich die Vorlage des Papiers erforderlich. Mithin kann derjenige Zutritt zum Stadion verlangen, der das jeweilige Ticket in den Händen hält. Ob er der legitime Besitzer des Tickets ist, spielt für die Geltendmachung des im Ticket verbrieften Rechts keine Rolle. Die Übertragung eines normalen Fußballtickets findet daher auch durch Übertragung des Papiers (d. h. des Tickets) nach sachenrechtlichen Grundsätzen statt, d.h. es erfolgt eine Veräußerung wie bei beweglichen Sachen, also nach §§929ff. BGB (Habersack, 2009, §807 BGB, Rn. 10). Personalisierte Fußballtickets hingegen werden als qualifizierte Legitimationspapiere im Sinne des § 808 BGB (= Namenspapiere oder Rektapapiere) angesehen (vgl. OLG Hamburg v.03.02.2005, 5 U 65/04 – NJW 2005, 3003; OLG Hamburg, Urteil v.29.04.2010, Az. 3 W 23/10), d. h. Tickets, auf denen der Name des Käufers abgedruckt bzw. in elektronischer Weise gespeichert ist, stellen qualifizierte Legitimationspapiere dar. Sie sind somit Wertpapiere, die eine namentlich bezeichnete Person als berechtigt ausweisen. Zwar ist zur Geltendmachung des verbrieften Rechts auch die Vorlage des Papiers erforderlich, doch anders als beim Inhaberpapier besteht für den Inhaber des Namenspapiers kein Rechtsschein sachlicher Berechtigung. Der Inhaber des Wertpapiers kann daher nicht allein wegen der Inhaberschaft der Urkunde vom Schuldner Leistung verlangen, sondern muss sein Recht, seine Legitimation nachweisen (Brox, 2001, Rn. 465). Der Aussteller des Tickets muss nicht allein deshalb leisten, d. h. er muss dem Inhaber nicht allein deshalb Zutritt zum Stadion gewähren, weil dieser das Ticket innehat, sondern er kann auch die materielle Berechtigung des Inhabers prüfen (z. B. durch Vorlage des Personalausweises). Weil es bei personalisierten Tickets mithin auf die verbriefte Forderung selbst ankommt, wird das in dem Ticket verkörperte Recht nicht nach Maßgabe der §§ 929ff. BGB, sondern wie eine Forderung gemäß §§ 398 ff. BGB übertragen. Das Eigentum an dem Ticket geht bei der Abtretung dann nach § 952 Abs. 2 BGB mit über. Die Unterscheidung in Inhaber- oder Namenspapiere spielt insbesondere bei der Frage der Übertragbarkeit der Tickets bzw. bei deren Einschränkung eine Rolle. Wohingegen bei Inhaberpapieren rechtliche Grenzen für die Beschränkung der Übertragbarkeit bestehen, kann ein Veranstalter bei personalisierten Tickets nach §399 Alt. 2 BGB die Abtretbarkeit der im Ticket verbrieften Forderung vertraglich ausschließen oder einschränken (vgl. im Detail Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn. 24 ff.). 31.2 Das Ticketing in der Bundesliga 31.2.1 Vereine und Vertrieb Der offizielle Ticketverkauf, der sog. Erstmarkt, ist in der Bundesliga üblicherweise derart ausgestaltet, dass die Vereine die Tickets für ihre Heimspiele über ein eigenes Vertriebsnetz selbst verkaufen. Sie bedienen sich dabei sämtlicher „klassischer“ Vertriebskanäle, d. h. Ticketschalter, Online-Ticketshops oder telefonische bzw. schriftliche Bestellung. Dabei bedienen sich die Veranstalter in der Zwischenzeit regelmäßig der Hilfe von IT-Systemanbietern, deren Ticketsoftware (i. d. R. Reservierungsportale und CRM-Systeme) gegen Zahlung einer Lizenzgebühr vom Verein genutzt werden kann und das elektronische „Rückrad“ des modernen Ticketings ist. Zusätzlich zur Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 540 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze540 Lizenzgebühr refinanzieren sich die Systemanbieter oftmals durch eine Provisionierung der über das System verkauften Karten. Hinzu kommt bei den meisten Clubs eine Zusammenarbeit mit autorisierten und vertragsgebundenen Vertriebspartnern. Dies können einzelne lokale Ticketvorverkaufsstellen sein, aber auch komplette Netzvertriebsanbieter, die über ein eigenes Vertriebsnetz verfügen (vgl. Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn. 4 ff.). Die Vereine bieten in der Regel verschiedene Ticketprodukte an. Die Bundesligisten vergeben ca. 30 bis 70 Prozent der Plätze im jeweiligen Stadion an Dauer- bzw. Jahreskartenbesitzer. Diese Tickets werden jeweils vor Beginn der aktuellen Saison – teilweise im Rahmen eines Abonnements – an die Käufer ausgegeben und berechtigen grundsätzlich zum Besuch eines jeden Heimspiels im Rahmen der Bundesliga. Hinzu kommen oftmals Vorrechte im Ticketbezug bei Spielen anderer Wettbewerbe (DFB-Pokal, UEFA-Clubwettbewerbe etc.). Dauerkarten werden entweder jährlich neu bestellt und verkauft oder im Abonnement angeboten, so dass die Inhaber das Abonnement nach Ende einer Saison kündigen müssen, wenn sie in der kommenden Saison kein Interesse mehr am Besuch der Spiele haben. Daneben bieten die Vereine auch „normale“ Tagestickets, also Tickets für Einzelspiele an. Die Tickets werden in der Regel zu Festpreisen in 4-7 Preiskategorien angeboten. Die Preise berechnen sich regelmäßig auf Basis der Qualität des Platzes im Stadion und der erwarteten Qualität der besuchten Partie (sog. Topspiele). Durchschnittlich hält die Bundesliga die Ticketpreise dabei auf einem relativ niedrigen Niveau. So kostete die Kaufkarte für ein Bundesligaspiel in der Saison 2008/09 durchschnittlich 20,79 Euro. Wer eine Partie in der 2. Bundesliga im Stadion verfolgte, musste durchschnittlich 13,35 Euro bezahlen. Zum Vergleich liegt der Preis in Italien pro Karte bereits um 25 Prozent höher. Für ein Spiel der spanischen Primera División muss ein Fan fast das Doppelte, für ein Match der Premier League sogar mehr als das Doppelte im Vergleich zur Bundesliga bezahlen (DFL, Bundesliga 2010 – Die wirtschaftliche Situation im Lizenzfußball). Zusätzlich zu den normalen Tagestickets und Dauerkarten, die ausschließlich zum Zutritt zu den Stadien berechtigen und einen Sitz- oder Stehplatz im Stadion beinhalten, bieten die Clubs weiterhin Kartenkontingente gehobener Qualität an, die neben dem Recht auf Zutritt zum Stadion und Sitz- bzw. Stehplatz auch mit diversen Sonderrechten verbunden sind (insbesondere Catering-Dienstleistungen), sog. Hospitality-, VIP-oder Business-Seat- Tickets, die oftmals nicht nur im freien Verkauf, sondern vor allem im Rahmen von Paketen an Sponsoren oder Kooperationspartner vermarktet werden. Besonders bei Clubs mit modernen Stadien spielt auch die Vermarktung der Logen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Hierbei handelt es sich um gesonderte Räume in den Stadien, die für Gruppen komplett inklusive entsprechenden Catering-Dienstleistungen und Betreuung pro Spieltag oder pro Saison gemietet werden können. Bei den meisten Bundesligaclubs ist dabei nur noch ein geringer Teil der Tickets im freien Verkauf verfügbar. Stattdessen findet eine strikte Kontingentierung statt. Neben den Dauerkartenbesitzern sind die Clubs verpflichtet, einen gewissen Anteil der Tickets für Anhänger der jeweiligen Gastmannschaft (i. d.R. zwischen 5-10 Prozent) zur Verfügung zu stellen. Hinzukommen erhebliche Kontingente für eigene Fanclubs und Vereinsmitglieder (i. d.R. zwischen 10 und 15 Prozent). Gerade im Bereich der Business- Seats bzw. VIP-Karten ist der weit überwiegende Teil der Karten im Rahmen von Vermarktungspaketen fest an Vertragspartner vergeben. In Stadien mit hoher Auslastung sind daher oftmals weniger als 20 Prozent der Tickets noch im freien Verkauf erhältlich. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 541 54131 Ticketing 31.2.2 Elektronisches Ticketing Vor allem Vereine mit modernen Stadien sind in den Zwischenzeit dazu übergegangen, das Ticketing, aber auch den Zahlungsverkehr in den Stadien, in das elektronische Zeitalter zu überführen. Generell wird vor allem die elektronische Zugangskontrolle und das Kundenmanagement der Veranstalter auf diese Weise besser mit dem Ticketing verknüpft. Statt klassischen Papiertickets werden an die Kunden immer mehr multifunktionale Chipkarten ausgegeben, in denen dann je nach technischer Leistungsfähigkeit des zugrunde liegenden Systems verschiedene Funktionen zusammenlaufen können. Auf den Chips können die Daten und „gekauften Rechte“ des Kunden gespeichert werden. Als „Vorstufe“ zu einer multifunktionalen Chipkarte ist oftmals auch noch der Aufdruck entsprechender Strichcodes oder RFID-Chips auf bzw. in den Papiertickets anzutreffen, die das elektronische Einlesen eines Tickets in den Stadien ermöglichen. Eine der Hauptfunktionen einer elektronischen Eintrittskarte ist die elektronische Zugangskontrolle in den Stadien. Statt der manuellen Ticketkontrolle sind die modernen Stadien zu diesem Zweck mit Drehkreuzen versehen, an denen die Chipkarten oder mit Strichcode oder RFID-Chips versehenen Tickets elektronisch eingelesen werden. Die Veranstalter erreichen dadurch neben der Beschleunigung der Prozesse u. a. auch eine Erhöhung der Sicherheit durch eine bessere Zutrittskontrolle sowie einen optimierten Zuschauerservice. Beispielsweise kann bei Verlust des Tickets problemlos eine Ersatzkarte ausgestellt werden, da das verlorene Ticket ohne Schwierigkeiten elektronisch gesperrt werden kann. Vor allem hinsichtlich des großen Anteils der Dauerkarteninhaber bietet der Ersatz der Papiertickets durch Chipkarten erhebliche Vorteile. Die Chipkarte kann je nach gebuchter Leistung für jede Saison aufs Neue freigeschaltet werden. Die Zusendung einer neuen Karte vor Beginn der neuen Saison entfällt. Zudem ist es problemlos möglich, eine Chipkarte für Sonderspiele wie z. B. Freundschaftsspiele oder Spiele im Rahmen der europäischen Clubwettbewerbe freizuschalten; auch hier wird die Ausstellung eines neues Tickets überflüssig. Mit einem elektronischen Ticketing via Chipkarte geht oftmals auch das sog. E-Payment einher, d.h. es erfolgt ein bargeldloser Zahlungsverkehr. Derzeit handelt es sich in den meisten Stadien noch um geschlossene E-Payment-Systeme. Die Veranstalter geben an ihre Kunden zu diesem Zweck Karten aus, die online oder an entsprechenden Ladeterminals im Stadion mit einem gewünschten Geldbetrag aufgeladen werden können. Die Bezahlung im Stadion erfolgt dann regelmäßig ausschließlich mit dieser Karte an den entsprechenden Zahltellern im Fanshop, am Kiosk oder an anderen Akzeptanzstellen. Von einem geschlossenes System spricht man i. d. R. dann, wenn die Karten nur im jeweiligen Stadion als Zahlungsmittel eingesetzt werden können. Die Zahlung außerhalb der Arena oder in anderen Stadien ist hingegen nicht möglich. Einige Stadionbetreiber sind jedoch mittlerweile auch zu sog. offenen Systemen übergegangen. In diesen Fällen kann mit der Karte auch außerhalb der Stadien – je nach gewählter Technik – an diversen anderen Akzeptanzstellen (z. B. öffentlicher Nahverkehr, Parkhäuser, Einzelhandel, Internet etc.) bezahlt werden. Für die Vereine wirkt sich die Einführung von E-Payment regelmäßig positiv aus, die Umsatzzahlen des Public Catering in Stadien, in denen ausschließlich die Zahlung mit den entsprechenden Karten möglich ist, steigen in der Regel erheblich. Zudem erleichtert das E-Payment den Clubs und Stadionbetreibern regelmäßig auch die Abrechnung und das Clearing gegenüber den Catering-Partnern und deren Subunternehmer. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 542 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze542 Weiter nutzen einige Clubs die multifunktionalen Chipkarten mittlerweile auch als elektronischen Ausweis für ihre Fans. Ist die Chipkarte mit der entsprechenden Technik ausgestattet, lässt sich im Chip prinzipiell jede Art von Information speichern. Beispielsweise fungieren die Chipkarten bei einigen Clubs auch als Mitgliedsausweis für den Nachweis der Mitgliedschaft des Karteninhabers in Fanclubs, im Stammverein etc. Die Karten können auf diese Weise auch außerhalb des klassischen Spieltags, etwa als Eintrittskarte für Club-Veranstaltungen, genutzt werden oder ein Einsatz der Karte als Prämienkarte (z.B. Rabattgewährung im Fanshop) wird möglich. Moderne Chipkarten erleichtern es den ausgebenden Vereinen somit auch, ihren Fans über die bekannten Stammleistungen hinaus weitere Leistungen anzubieten. Je nach Fortschritt und Leistungsfähigkeit des gewählten Systems verschmelzen im Hintergrund verschiedene IT-Systeme der Clubs (ERP, Ticketsystemsoftware, E- Commerce, Access-Systeme, E-Payment etc.) bzw. die verschiedenen Systeme werden miteinander verknüpft und sind voneinander abhängig. Die elektronische Erfassung verschiedener Information und Verhaltensweisen der Karteninhaber ermöglicht es den Clubs dabei auch, die gewonnenen Informationen zur Verbesserung und Anpassung ihrer Produkte, Dienstleistungen und Services zu nutzen: Beispielsweise kann bei der elektronischen Zugangskontrolle genau festgestellt werden, in welchen Zeiträumen und an welchen Drehkreuzen die größten Fanmassen die Stadien betreten. Die Clubs können so reagieren und an den entsprechenden Stellen zur gegebenen Zeit das erforderliche Personal einsetzen. Durch das E-Payment lässt sich problemlos nachvollziehen, wo und zu welcher Zeit, die größten Umsätze im Public-Catering gemacht werden. Selbstverständlich lassen sich die gewonnen Informationen auch zu Marketingzwecken (z.B. gezielte Vertriebsansprache) nutzen. Bei allen beschriebenen Vorteilen der modernen Ticketing- bzw. Zahlungssysteme ist natürlich zu beachten dass die Sammlung, Speicherung und Nutzung von Daten und Information durch die Vereine innerhalb der datenschutzrechtlichen Grenzen durchgeführt wird. Der „gläserne Fan“ soll und muss verhindert werden. Mit der Einführung moderner Ticketing- und Zahlungssysteme wachsen daher auch die datenschutzrechtlichen Anforderungen an die Veranstalter und Stadionbetreiber (vgl. zum Datenschutz vgl. Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn. 108 ff.). 31.2.3 Ticket-AGB und Stadionordnung Das Rechtsverhältnis zwischen den Vereinen und den Ticketkäufern wird maßgeblich bestimmt durch die Regelungen in den Ticket-AGB und den jeweils geltenden Stadionordnungen. Die Regelungsinhalte beider Dokumente überschneiden sich oftmals. Prinzipiell regelt die Stadionordnung den Aufenthalt im Stadion, regelmäßig stehen hier also sicherheitsrelevante Themen im Vordergrund, wohingegen in den Ticket-AGB das komplette Rechtsverhältnis, beginnend mit der Kartenbestellung bis hin zum Verlassen des Stadions geregelt wird. Rechtlich zentrales Dokument sind daher in der Regel die Ticket-AGB, die von den Vereinen entsprechend der neusten Rechtsprechung gestaltet und vor allem rechtswirksam in das Vertragsverhältnis mit jedem einzelnen Kunden eingebunden werden müssen. Gerade auf Vereinsseite haben sich viele Clubs am „Muster für allgemeine Ticket- Geschäftsbedingungen“ der DFL orientiert, welche die DFL den Clubs als „Orientierungshilfe“ bei der Gestaltung der jeweils eigenen Ticket-AGB zur Verfügung stellt. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 543 54331 Ticketing Inhaltlich sind daher in den Ticket-AGB regelmäßig die folgenden Themenbereiche geregelt (vgl. jeweils im Detail Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn. 46 ff.): Geltungsbereich der Ticket-AGB und weitere maßgebliche Statuten (z. B. Stadionordnung), Bestellung, Vertragsschluss und Zahlung der Tickets, Versand und Hinterlegung der zugteilten Tickets, Reklamation, Rückgabe und Erstattung der Tickets, Besonderheiten bei Dauerkarten, Beschränkungen der Möglichkeiten der Weitergabe bzw. des Weiterverkaufs der Tickets (Handelsbeschränkungen), Vorgaben für das Verhalten im Stadion, Regelungen zum Recht am eigenen Bild, Regelungen zum Datenschutz, Haftungsregelungen, Regelungen zur Änderungen der Ticket-AGB. Maßgeblich sind im Grundsatz jeweils die Ticket-AGB des veranstaltenden Vereins. Problematisch kann dies bei der Veräußerung von Tickets für Auswärtsspiele sein. Denn in der Regel erwerben die Gastvereine bei Auswärtsspielen Ticketkontingente direkt vom jeweiligen Heimverein. Der Verkauf der einzelnen Tickets aus diesem Kontingent erfolgt dann direkt über den jeweiligen Gastverein an dessen eigene Fans. Aus rechtlicher Sicht ist hier daher zwischen Gastverein und Fan im Rahmen des Ticket- Verkaufs ausdrücklich darauf hinzuweisen, welche Ticket-AGB Geltung erlangen sollen – die AGB des Heim- oder des Gastvereins. Für das Vertragsverhältnis zwischen dem Verein auf der einen und Kunde auf der anderen Seite sind zudem jeweils nur die AGB entscheidend, die im Zeitpunkt der Abgabe der bindenden Willenserklärung („bei Vertragsabschluss“, vgl. § 305 Abs. 2 BGB), wirksam in den Vertrag mit einbezogen worden sind. Die gesetzlichen Anforderungen ergeben sich (gegenüber Verbrauchern) vor allem aus § 305 Abs.2 BGB. Danach werden AGB nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender (hier der veräußernde Veranstalter) bei Vertragsschluss (1) die andere Vertragspartei (hier den Ersterwerber) ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Orte des Vertragsschlusses auf sie hinweist und (2) der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise, die auch eine für den Verwender erkennbare körperliche Behinderung der anderen Vertragspartei angemessen berücksichtigt, von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen und (3) wenn die andere Vertragspartei mit ihrer Geltung einverstanden ist. Je nach Vertriebskanal können die Anforderungen durch einen Verein auf unterschiedliche Art und Weise erfüllt werden. Beim Erwerb eines Tickets im jeweiligen Online-Ticketshop muss sich der Käufer regelmäßig registrieren und sich mit den AGB einverstanden erklären. Die Vereine müssen hier darauf achten, dass der Käufer vor einer Ticketbestellung auf die Geltung der Ticket-AGB ausdrücklich hingewiesen wird und explizit sein Einverständnis mit den auf der Website dargestellten bzw. zum Download und zur Einsicht verfügbaren Ticket-AGB im Rahmen einer üblichen sog. Opt-in-Lösung erklärt. Dabei ist es technisch sicherzustellen, dass der Kunde den Ticket-AGB vor Abschluss des Bestellvorgangs durch das Setzen eines entsprechenden Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 544 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze544 Häkchens zugestimmt und die Möglichkeit hat, die AGB durch Herunterladen kostenlos kopieren zu können (z.B. BGH Urt. v.14.06.2006, Az. I ZR 75/03, NJW 2006, 2976 ff.). Bei einem Verkauf am Ticketschalter muss durch den Verein gewährleistet werden, dass gut sichtbar ein Hinweis auf die Geltung der AGB erfolgt und die AGB für jedermann sichtbar, zur Einsichtnahme bereit stehen, z. B. durch einen entsprechenden Aushang. Die ausgehängten AGB müssen mühelos lesbar sein. AGB mit einer Schriftgröße und einem Zeilenabstand von jeweils ca. 1mm werden diesen Anforderungen nicht gerecht (Basedow, 2007, §305 BGB Rn. 67 m.w.N.). Schriftliche Ticketbestellungen sollten entweder nur auf Formularen entgegengenommen werden, bei denen auf der Rückseite die Ticket-AGB abgedruckt sind und auf die der Kunde ausdrücklich hingewiesen wird (z. B. durch Fettdruck vor der Unterschriftenzeile), oder dem Kunden muss vor Vertragsschluss eine Bestellbestätigung mit Hinweis auf die AGB übersandt werden, der die AGB beigelegt sind. Denn maßgeblicher Zeitpunkt für die Möglichkeit der Kenntnisnahme des Kunden ist derjenige, in dem der Kunde eine ihn bindende Vertragserklärung abgibt. Eine Übersendung der AGB erst im Zusammenhang mit der Annahme des Vertragsangebots des Kunden, genügt den Obliegenheiten des §305 Abs.2 BGB im Grundsatz nicht. Nach der Rechtsprechung genügt es auch nicht, wenn allein auf die AGB verwiesen wird, die AGB selbst aber nicht sofort mitgesendet, sondern erst im Rahmen der Rechnungsstellung oder lediglich auf Nachfrage zugesendet werden (BGH Urt. v. 10.06.1999, Az. VII ZR 170–98, NJW-RR 1999, 1246, 1247). Gleiches gilt gegenüber einem Verbraucher wohl auch, wenn die AGB lediglich im Internet einsehbar sind (bei einem Unternehmer genügt hingegen der Verweis auf im Internet abrufbare AGB, vgl. z. B. OLG Bremen Urt. v.11.02.2004, Az. 1 U 68/03, BeckRS 2004 02810). Aktualisiert ein Verein seine Ticket-AGB im Laufe der Saison, erlangen diese grundsätzlich nur für zukünftige Vertragsverhältnisse Geltung. Umso wichtiger ist für die Vereine daher, in ihre Ticket-AGB eine Änderungsklausel aufzunehmen, welche die Anpassung und Aktualisierung der AGB unter bestimmten Umständen erleichtert. Die Anforderungen der deutschen Gerichte an eine zulässige Änderungsklausel sind jedoch recht streng, hier ist daher genau auf die Formulierung zu achten, z. B. sind Anlass und Umfang der Änderungen in den Änderungsklauseln hinreichend zu konkretisieren (z. B. BGH Urt. v.8.10. 1997, Az. IV ZR 220/96 (Celle), BGHZ 136, 394, 401 ff.). Vor allem sollte dem Kunden die Möglichkeit eingeräumt werden, innerhalb einer bestimmten Frist den neuen AGB zu widersprechen. Eine derartige Widerspruchslösung wird von der Rechtsprechung regelmäßig als ausreichender Schutz für den Kunden angesehen (BGH Urt. v.17. 3. 1999, Az. IV ZR 218–97 (Düsseldorf), BGHZ 141, 153, 158 f., NJW 1999, 1865, 1866). Gerade in Bezug auf Dauerkartenbesitzer können diese Anforderungen Vereine vor Probleme stellen (siehe hierzu Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn.35). In der Praxis oftmals anzutreffen sind Kurzfassungen der Ticket-AGB in Form von Auszügen der wichtigsten Regelungen auf der Rückseite der Rechnung oder der Tickets selbst. Die juristische Wirkung solcher AGB-Kurzversionen bzw. Auszügen ist jedoch grundsätzlich eher gering. Wie bereits dargestellt, müssen AGB, um Rechtswirkung zu entfalten, vor bzw. bei Vertragsschluss einbezogen werden. Der Abdruck auf den Karten selbst sowie auf der Rechnung ist für eine konstitutive Wirkung der AGB somit ohnehin grundsätzlich zu spät. Im Wesentlichen haben später abgedruckte Kurzversionen daher rein deklaratorische Wirkung und dienen eher der Kundeninformation. Eine ordnungsgemäße und rechtzeitige Einbeziehung der Ticket-AGB etwa beim Online- oder Schalterkauf wird dadurch keinesfalls ersetzt. Im Gegenteil könnte sich der Abdruck von Kurzversionen nach der ordnungsgemäßen Einbeziehung einer Voll- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 545 54531 Ticketing version sogar schädigend für die Wirksamkeit der Ticket-AGB insgesamt auswirken. Denn es ist stets Voraussetzung der Wirksamkeit von AGB, dass diese für den Kunden transparent gehalten sind. In Bezug auf eine Kurzfassung ist es hier auf der einen Seite für den Kunden zwar positiv, die wichtigsten vertraglichen Regelungen nochmals im Überblick zu haben. Auf der anderen Seite können Kurzfassungen der Ticket-AGB aber auch zur Verwirrung des Kunden führen und damit insgesamt von einem Gericht als intransparent angesehen werden. Aus Sicht des Kunden ist nur schwer nachzuvollziehen, welche Regelungen für ihn maßgeblich sein sollen, wenn er zwei verschiedene Versionen von AGB vorgelegt bekommt. In jedem Fall solle daher jeder Auszug aus den AGB einen Hinweis auf die Geltung der kompletten Ticket-AGB und deren vollständige Abrufmöglichkeit (z. B. Ticketschalter mit Angabe der Adresse oder im Internet unter Angabe der Domainadresse) enthalten. Zudem sollte deutlich gemacht werden, dass es sich bei den abgedruckten Bestimmungen nur um einen knappen Auszug der Ticket-AGB handelt. Bei der auszugsweisen Wiedergabe von Ticket-AGB auf den Tickets selbst sind auch wertpapierrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Denn bei Inhaberpapieren (vgl. § 807 BGB) bzw. qualifizierten Legitimationspapieren können Einwendungen auf den Tickets selbst auch Dritten entgegen gehalten werden. Für den Veranstalter kann ein Abdruck wichtiger Bestimmungen auf den Tickets daher den Vorteil haben, dass er sich auf diese Einwendungen auf wertpapierrechtlicher Basis gegenüber jedem Ticketinhaber berufen kann und nicht auf die vertragsrechtliche Einbeziehung der Ticket-AGB angewiesen ist (vgl. in Bezug auf die Abdrucke der Weiterverkaufsverbote auf den Tickets aber BGH v.11.09.2008, Az. I ZR 74/06, NJW 2009, 1504 ff.). 31.3 Das Ticketing bei Fußballgroßveranstaltungen 31.3.1 Verband und Vertrieb Der Ticketverkauf ist bei Fußballgroßveranstaltungen üblicherweise derart ausgestaltet, dass die veranstaltenden Verbände die Gesamtverantwortung für den Vertrieb der Tickets innehaben und diesen mit Dienstleistern selbst durchführen. Dabei werden die Verbände vor Ort von den jeweiligen lokalen Organisatoren logistisch und operativ unterstützt. Diese Unterstützung beinhaltet vor allem lokalen Verkauf, die Bewerbung des Kartenverkaufs sowie der Verteilung der Tickets kurz vor und während eines Turniers. Dies hat sich in den letzten Jahren vor allem vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung des Ticketings als bevorzugte Lösung durchgesetzt, weil so eine langfristige und nachhaltige Nutzung der speziellen IT-Systeme und ein Verkauf über die offiziellen Websites der Verbände möglich ist. So hat z. B. die FIFA seit der FIFA WM 2010 in Südafrika die alleinige Gesamtverantwortung für den Kartenverkauf der Fußball-Weltmeisterschaft und hat einen Dienstleister mit der Durchführung und Abwicklung des Ticketings beauftragt (MATCH Services AG). Innerhalb der FIFA besteht ein eigenes Gremium (das sog. „FIFA Ticketing Sub-Committee“), das mit internen und externen Ticketingexperten besetzt ist und die Gesamtverantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung des Ticketings hat. Gleiches gilt für die UEFA, die die Gesamtverantwortung für das Ticketing der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen sowie das Finale der UEFA Champions League innehatte sowie den DFB, der den Verkauf der Eintrittskarten für das jährliche DFB-Pokal Endspiel in Berlin eigenverantwortlich und mit der operativen Unterstützung eines Ticket-Dienstleisters durchführt. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 546 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze546 Eine Besonderheit des Kartenverkaufs für Großveranstaltungen ist die Tatsache, dass die Tickets oftmals weltweit und sehr unterschiedlich Nutzergruppen vertrieben werden müssen. Dadurch entstehen verschiedene operative Anforderungen. So muss ein Verband zunächst festlegen, auf welchem Markt die Tickets angeboten werden sollen, d.h. ob es nur einen (weltweiten) Markt oder einen separaten Verkauf im Land der Durchführung, dem Gebiet der Europäischen Union und allen anderen Ländern geben soll. Generell kann man sagen, dass die Verbände hier jeweils einen Kompromiss anstreben, der den Interessen und der enormen Nachfrage des Ausrichterlandes entgegenkommt, aber ebenso geltenden Rechtsgrundsätzen, insbesondere der Waren- und Dienstleistungsfreiheit nach dem EU-Recht entspricht. So wurden z. B. bei der FIFA WM 2006 in Deutschland über besondere Vertriebswege 12 % der Tickets exklusiv an Bewerber mit Wohnsitz im Ausrichterland Deutschland verkauft. Dieses Kontingent wurde rechtlich nicht beanstandet und als konform mit dem EU-Recht eingestuft. Hingegen wurde das Verkaufssystem der FIFA WM 1998 in Frankreich von der EU-Kommission als nicht mit dem EU-Recht vereinbar eingestuft (vgl. Europäische Kommission v.20.07.1999 – COMP IV/36.888 – ABl. EG L 5/55 v. 08.01.2000, (1998 Football World Cup). Man konnte ausschließlich mit einer postalischen Zustelladresse innerhalb Frankreichs am Bestellverfahren für ein Ticket im öffentlichen Verkauf teilnehmen, während Tickets im internationalen, öffentlichen Verkauf lediglich als Reisepakete angeboten wurden. Darin sah die EU-Kommission einen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Eine weitere Besonderheit des weltweiten Verkaufs von Tickets für eine Großveranstaltung liegt in der Festlegung der Währung für den Verkauf der Tickets. Üblicherweise wird dabei eine Trennung zwischen den Verkäufen auf dem Markt des Ausrichterlandes und dem internationalen Markt gemacht. Für den internationalen Markt wird eine international gängige Währung festgelegt. Die UEFA verkaufte die Tickets für die UEFA EURO 2012 auf dem internationalen Markt in EURO, während die FIFA die Tickets auf dem internationalen Markt für die FIFA WM 2014 in US Dollar verkauft. Verkäufe auf dem Markt des Ausrichterlandes werden üblicherweise auch in der entsprechenden Landeswährung ermöglicht. Bei der UEFA EURO 2012 konnten in den beiden Ausrichterländern wohnhafte Personen auch in ihrer Landeswährung bezahlen, ebenso war bei der FIFA WM 2010 in Südafrika für bestimmte Tickets auch eine Zahlung in südafrikanischen Rand möglich. Die Zustellung der Tickets an Empfänger wird von den Verbänden unterschiedlich durchgeführt. Bei der UEFA EURO 2012 wurden dem Käufer alle Tickets 4 bis 6 Wochen vor Turnierbeginn auf dem Postweg von der UEFA zugestellt. Für die Bearbeitung der Anträge und die Zustellung der Tickets wurden für im Ausrichterland Polen oder Ukraine wohnende Personen 10  Euro, für Einwohner anderer europäischer Länder 20 Euro und alle anderen Personen 40 Euro als Gebühr erhoben. Die FIFA wiederum hat bei der FIFA WM 2010 erstmals auf eine Zustellung verzichtet und in jeder Ausrichterstadt und den wichtigsten Flughäfen offizielle Ticketingzentren mit elektronischen Ticketingterminals bereitgestellt, bei denen die Käufer ihre Karten ab ca.8 Wochen vor Turnierbeginn ohne Zahlung einer Gebühr gegen Nachweis der Identität abholen konnten. Der Verkauf der Tickets für eine Großveranstaltung wird von einem Verband üblicherweise nicht im freien Verkauf nach dem Windhundprinzip („first-come, first-served“) durchgeführt, da dieses operativ nicht möglich ist, vor allem aufgrund des weltweiten Verkaufs, den bestehenden Rückgaberechten der Inhaber von Ticketkontingenten, dem Zeitpunkt der Auslosung der Vorrundenspiele sowie der nur sehr kurzfristigen Festlegung der Paarungen der K.O.-Runden. Daher erfolgt der Verkauf für die Fußball- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 547 54731 Ticketing Europameisterschaften und Fußball-Weltmeisterschaften durch UEFA und FIFA in den folgenden Phasen: Vor der Endrundenauslosung wird zunächst eine Ticket-Verlosung aller zu diesem Zeitpunkt für den öffentlichen Verkauf verfügbaren Tickets durchgeführt. Die UEFA hatte für die UEFA EURO  2012 über 12 Millionen Anträge für ca. 600.000 Tickets allein in der ersten Verkaufsphase, die FIFA für die FIFA WM 2006 insgesamt über 15 Millionen Anträge. Nach der Zuteilung der Tickets an die Gewinner der Ticket-Verlosungen werden bis zum Zeitpunkt der Endrundenauslosung die ggf. noch für einzelne Spiele oder in einzelnen Kategorien verfügbaren Tickets im freien Verkauf angeboten. Nach der Endrundenauslosung und dem Feststehen der Paarungen der Vorrunde werden vor allem durch die Ausübung von Rückgaberechten aus Ticketkontingenten und anderen Vorreservierungen wieder Tickets für den öffentlichen Verkauf verfügbar. Diese werden in dieser zweiten Verkaufsphase wiederum in einer Ticket-Verlosung angeboten. Nach Zuteilung der Tickets an die Gewinner der Ticket- Verlosungen werden die ggf. noch verfügbar werdenden Tickets vor und während des Turniers im freien Verkauf (sog. „Last-Minute Verkauf“) angeboten. Bei der Festlegung der Ticketing-Strategie sind von einem Verband nicht zuletzt auch die jeweiligen lokalen, wirtschaftlichen und rechtlichen Besonderheiten zu beachten, insbesondere im Bereich des Verbraucher- und Datenschutz, da diese einen erheblichen Einfluss auf eine Ticketingstrategie haben können. Zum Beispiel bestehen in Brasilien, dem Ausrichterland der FIFA WM 2014, eine Vielzahl von Regelungen, die für das Ticketing von essentieller Bedeutung sind. Die Regelungen des sog. „Pele Law“ und sog. „Fan Protection Statute“ enthalten unterschiedlichste organisatorische und operative Anforderungen, die vor allem dem Schutz der teilnehmenden Sportler und der Besucher dienen. Ebenso bestehen eine Vielzahl von regionalen und lokalen Bestimmungen, die definierten Personengruppen eine gesetzliche Ermäßigung bzw. den Erhalt von Freikarten zusichern, wie z.B. Personen über 60, Schüler, Jugendliche, Studenten, aber auch Lehrer öffentlicher Schulen, ehemalige Fußballspieler oder regelmäßige Blutspender. Diese Regelungen führen dazu, dass im brasilianischen Fußball im Durchschnitt etwa 50% der Tickets als Freikarten oder ermäßigte Karten verteilt werden müssen. Die Anwendbarkeit solcher Regelungen muss ein Verband rechtlich und wirtschaftlich umfassend analysiert haben, um diese bei der Festlegung der Ticketingstrategie entsprechend berücksichtigen zu können. 31.3.2 Ticketprodukte/Ticketkontingente Soweit es sich bei der Großveranstaltung nicht um ein Spiel (wie z. B. das DFB-Pokalendspiel oder das UEFA Champions League Finale), sondern um ein Turnier mit mehreren Spielen und Runden handelt, werden die Eintrittskarten als unterschiedliche Ticketprodukte angeboten, um somit der unterschiedlichen Turnier- und Kundenstruktur Rechnung tragen zu können. Üblicherweise werden neben Karten für Einzelspiele („Individual Match Tickets“) auch Produkte für die Spiele einer Mannschaft angeboten („Team Tickets“). Für die Fußball WM 2010 hat die FIFA eine sog. „Team Specific Tickets Series“ angeboten, mit der für 3 bzw. 4, 5, 6 oder 7 Spiele einer Mannschaft (also einschließlich des Finales) Tickets erworben werden konnten. Diese wurden angeboten als sog. „Fixed TST Tickets“ (d.h. die Tickets für die K.O.-Runden behielten auch dann ihre Gültigkeit, wenn die eigene Mannschaft ausschied) bzw. sog. „Conditional TST Tickets“ (d. h. die Tickets verloren beim Ausscheiden der eigenen Mannschaft die Gültigkeit). Im letzteren Fall wurde dem Ticketinhaber der entsprechende Betrag abzüglich der erhobenen Bearbeitungsgebühr zurückerstattet. Die UEFA hat für die UEFA EURO 2012 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 548 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze548 sog. „Follow My Team Group Tickets“ bzw. „Follow My Team Tournament Tickets“ (die im Falle des Ausscheidens der eigenen Mannschaft die Gültigkeit verlieren) angeboten. Darüber hinaus werden üblicherweise Tickets für die Spiele in einem bestimmten Stadion angeboten, sog. „Venue Series“, entweder für alle oder nur einen Teil dieser Spiele. Bei der Festlegung der Ticketkontingente einer Großveranstaltung ist vor allem zu beachten, dass die Fans der beiden an dem Spiel teilnehmenden Mannschaften in einem angemessenen Umfang Tickets erwerben können. Daher gibt es üblicherweise ein eigenes Ticketkontingent für diese Fans. Bei der FIFA WM 2010 waren in der Vorrunde jeweils 12 % sowie in den K.O.-Runden jeweils 8% der Tickets für die Fans der beiden spielenden Mannschaften reserviert. Bei der UEFA EURO 2012 sind dies pro spielende Mannschaft 16 % der Tickets bzw. mindestens 6.000 Tickets pro Spiel. Allerdings führen diese Bezugsrechte für die Fans der spielenden Mannschaften in der Praxis zu erheblichen operativen Herausforderungen. Zum einen stellt sich die Frage, über welchen Vertriebsweg diese Karten an die Fans verkauft werden sollen. In der Vergangenheit wurden diese Tickets an die Verbände gegeben, mit der Auflage, diese an die eigenen Fans weiter zu verkaufen. Dies hat jedoch bei einigen Verbänden in der Umsetzung zu erheblichen Problemen geführt, vor allem im Hinblick auf die Verteilung sowie die rechtzeitige Rückgabe und Bezahlung nicht genutzter Tickets. Mit dem Einverständnis der Nationalverbände sind sowohl FIFA als auch UEFA daher übergegangen, den Verkauf in Abstimmung mit dem jeweiligen Nationalverband über die offizielle Turnierseite durchzuführen. Die FIFA hat für die FIFA WM 2010 insgesamt 32 bzw. die UEFA für die UEFA EURO 2012 insgesamt 16 eigenständige, im Design und der Sprache des jeweiligen Nationalverbandes gehaltene Websites eingerichtet, über welche die Fans Tickets für die Spiele der eigenen Mannschaften aus den festgelegten Kontingenten erwerben konnten. Über diese Websites wurden die Karten in einem vom jeweiligen Nationalverband festgelegten Modus an die Fans verkauft. So konnten z.B. für die Spiele der deutschen Mannschaft Mitglieder und Nicht-Mitglieder des Fan-Club Nationalmannschaft Tickets erwerben, während für Spiele der englischen, holländischen und der irischen Nationalmannschaft nur Mitglieder des Fan-Clubs dieser Nationalmannschaften nach einem Ticket-Verlosungsverfahren bzw. für Spiele der portugiesischen und spanischen Mannschaft nur Personen mit Nationalität oder Wohnsitz im Land Tickets erwerben konnten. Zum anderen führen diese Bezugsrechte für die Spiele der K.O.-Runde zu operativen Herausforderungen, da die Teilnehmer dieser Spiele nur sehr kurzfristig feststehen und eine erhebliche Anzahl von reservierten Karten verfügbar werden kann, wenn sich eine Mannschaft mit nur wenigen eigenen Fans durchsetzt. Diese verfügbaren Karten müssen dann in einem sehr kurzen Zeitraum von dem Verband im öffentlichen Verkauf veräußert werden. Um diesem Problem zu entgehen, wurde bei der FIFA WM 2006 ein sog. Optionsticket angeboten. Die Käufer erwarben mit dem Optionsticket ein bedingtes Bezugsrecht, d. h. das Recht, für ein bestimmtes Spiel ein Ticket dann zu erhalten, wenn zwischen dem Tag des Erwerbs des Optionstickets bis 36 Stunden vor Beginn des jeweiligen Spiels ein Ticket verfügbar wurde. Besteller konnten aus allen 64 Spielen auswählen und in einem festgelegten Bestellzeitraum (01.11.2005 bis 30.11.2005) bis zu 4 Tickets für bis zu 7 Spiele bestellen, wobei Ihnen für diese Bestellungen ein vertraglicher Zuteilungsvorrang gegenüber den Bestellern im öffentlichen Verkauf eingeräumt wurde. Die Bezahlung für das Ticket sowie eine besondere Bearbeitungsgebühr in Höhe von 5 Euro pro bestellten Ticket waren vom Erwerber des Optionstickets auf Grundlage des entstanden Vertrages bereits bei Zuteilung des Optionstickets vollständig zu leisten. Diese Vorauszahlung wurde vom Organisations- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 549 54931 Ticketing komitee bis spätestens 4 Wochen nach Ende der FIFA WM 2006 vollständig, jedoch nicht verzinst zurückerstattet, wenn die Zuteilung eines Tickets nicht erfolgen konnte. Dieses Programm wurde von den Käufern in hohem Maße genutzt. Von den insgesamt ca. 116.000 Bestellungen für ca. 335.000 Optionstickets konnten zwischen Februar und Juli 2006 ca. 87.000 Bestellungen (ca. 75% der Bestellungen) erfolgreich bedient werden. Neben dem Ticketkontingent der kommerziellen Partner eines Verbandes (Sponsoren, Medienpartner, Lizenznehmer) haben bei internationalen Großveranstaltungen vor allem die Kooperationen mit Reiseveranstaltern eine wichtige Bedeutung, da so auch internationalen Fans die Reise und der Aufenthalt im jeweiligen Ausrichterland erleichtert wird. Die FIFA hat für die FIFA WM 2010 ein offizielles Reiseveranstalter-Programm durchgeführt, im Rahmen dessen von offizielle Reiseveranstaltern Pakete mit Tickets und Reisedienstleistungen (insb. Transport und Übernachtung) angeboten wurden. Insgesamt ernannte die FIFA gegen Zahlung einer Lizenzgebühr 119 Reiseveranstalter in 46 Ländern zu offiziellen Reiseveranstaltern, denen insgesamt ca. 150.000 Tickets für die FIFA WM 2010 zugeteilt wurden. Die UEFA hat für die UEFA EURO 2012 für die teilnehmenden Länder jeweils einen oder mehrere Reiseunternehmen (für Deutschland waren dies zwei Reiseunternehmen) als sog. „Lizenzierte Reiseveranstalter“ ernannt, die Reisepakete mit Tickets anbieten durften. Aufgrund der hohen Aufmerksamkeitswirkung von Großveranstaltungen führen die Verbände üblicherweise auch ein unabhängiges und eigenständiges Hospitality- Programm durch. Ein vor dem Turnier festgelegtes Kontingent aus Logentickets und qualitativ hochwertigen Tickets wird im Rahmen von Hospitalitypaketen mit anderen Leistungen, wie z. B. Catering, Parkplätze, Reisen oder Unterkünfte angeboten. So wurden bei der FIFA WM 2006 insgesamt 230.000, bei der FIFA WM 2010 insgesamt 175.000 Hospitality-Pakete verkauft. 31.3.3 Ticket AGBs Grundsätzlich untersagen die Ticket AGBs aus den im nachfolgenden Abschnitt genannten Gründen (vor allem Sicherheit und Preiskontrolle) den nicht vom Verband autorisierten Weiterverkauf. Die Abgrenzung zwischen dem rechtmäßigen und rechtswidrigen Weiterverkauf ist also allein die Autorisierung durch den Verband. Um diese Autorisierung erteilen zu können und einen geregelten Weiterverkauf von – aus gerechtfertigten Gründen (z. B. Krankheit) nicht von Kunden nutzbaren – Tickets durchführen zu können, sind die Veranstalter dazu übergangen, eigene Weiterverkaufsportale anzubieten. Auf diesen Portalen können Kunden ihre Tickets zum Erwerbspreis entweder selbst oder über den Verband zum Weiterverkauf anbieten. Damit wird den Bedürfnissen der Karteninhaber Rechnung getragen, ohne dass damit zu Lasten der Neuerwerber ein „Schwarzmarktpreis“ erzielt wird. Bei der UEFA EURO 2012 in Polen und der Ukraine hatten Ticketinhaber die Möglichkeit, über die offizielle Plattform der UEFA zum Nennwert und nach Eingang der Bestellungen weiterzuverkaufen. Eine solche Wiederverkaufsplattform hatte die FIFA für die FIFA WM 2010 in Südafrika über die offizielle Website FIFA.com ebenfalls angeboten. Die Erfahrungen zeigen, dass diese Plattformen von den Kunden angenommen werden. Bei der FIFA WM 2010 wurden insg. ca. 100.000 Tickets über die Plattform FIFA.com zum Nennwert weiterverkauft. In diesem Zusammenhang stellt sich immer die Frage, ob und in welchem Umfang für diesen Weiterverkauf Gebühren anfallen sollten. Für eine Gebühr spricht, dass der Betrieb dieser Plattform Kosten verursacht und Ticketinhaber durch die Gebührenpflicht von einem Weiterverkauf abgehalten werden. Dagegen spricht allerdings, dass Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 550 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze550 dadurch der Anreiz für die Nutzung einer „offiziellen“ Plattform abnehmen kann und Ticketinhaber alternativ über nicht autorisierte Kanäle des Zweitmarktes verkaufen. Daher haben die Verbände hier unterschiedliche Lösungen entwickelt. Bei der UEFA EURO 2012 fiel für einen Verkauf eine Gebühr von 10 % des Ticketpreises sowohl für den Käufer als auch den Verkäufer an. Bei der WM 2006 in Deutschland erhob die FIFA mit dem OK 2006 eine Gebühr von 10 % vom Käufer, bei der FIFA WM 2010 in Südafrika erhob die FIFA eine Gebühr von 10% vom Verkäufer. Üblicherweise wird von den Verbänden in den Verkaufsrichtlinien eine Maximalanzahl für den Erwerb von Tickets festgelegt. So haben die FIFA und die UEFA für die Fußball-Weltmeisterschaften bzw. Europameisterschaften jeweils eine Höchstgrenze von nicht mehr als 4 Tickets pro Spiel eingeführt, wodurch sichergestellt wird, dass eine möglichst hohe Anzahl von verschiedenen Personen Zugang zu Tickets erhalten können. 31.4 Exkurs: Zweitmarkt Vom Ticketing-Boom profitieren nicht nur die Veranstalter selbst, sondern auch die Zweithändler. Je höher die Nachfrage nach Tickets ist, desto höher sind die mit einem Weiterverkauf zu erzielenden Gewinnspannen – gerade weil die offiziellen Verkaufspreise der Veranstalter auf dem Erstmarkt oftmals unter dem Marktpreis liegen. Gerade der nicht von den Vereinen oder Verbänden autorisierte Zweitmarkt mit Fußballtickets boomt daher seit einigen Jahren. Der freie Handel mit Fußballtickets soll nach dem Willen der Vereine und Verbände jedoch weitgehend unterbunden werden, so dass diese den Käufern von Tickets daher regelmäßig in den Ticket-AGB bzw. den Verträgen mit ihren Vertriebspartnern den nicht autorisierten Weiterverkauf der Tickets untersagen. Diese Untersagung des nicht von einem Verein oder Verband autorisierten Weiterverkaufs von Tickets ist vor allem aus den beiden folgenden Gründen gerechtfertigt und für die ordnungsgemäße Durchführung der Spiele von essentieller Bedeutung. Erstens geht es den Vereinen und Verbänden dabei um die Erhaltung der eigenen Preisstruktur. Denn beim Verkauf der Tickets wird die mögliche Preisspanne bewusst nicht ausgereizt, stattdessen werden die Tickets oftmals unter Marktpreis verkauft. Die Vereine und Verbände werden hier auch der sozialen und gesellschaftspolitischen Funktion des Sports gerecht. Der Besuch sportlicher Großveranstaltungen soll gerade nicht wenigen Privilegierten vorbehalten sein, sondern einer möglichst breiten Masse ermöglicht werden (Gutzeit, 2007, 113, 116; vgl. auch Gerlinger, 2011, Rn. 348). Das BVerfG hat in seiner Entscheidung zur Kurzberichterstattung ausgeführt: „Die Bedeutung solcher Sportereignisse erschöpft sich nicht in ihrem Unterhaltungswert. Sie erfüllen darüber hinaus eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Der Sport bietet Identifikationsmöglichkeiten im lokalen und nationalen Rahmen und ist Anknüpfungspunkt für eine breite Kommunikation in der Bevölkerung“ (BVerfG v. 17.02.1998, Az. 1 BvF 1/91, MMR 1998, 202, 207 f.). Auch der BGH hat in seiner Entscheidung vom 11.09.2008 die bezweckte Einhaltung eines sozial verträglichen Preisgefüges als legitimes Ziel der AGB anerkannt (BGH v. 11.09.2008, Az. I ZR 74/06, NJW 2009, 1504 ff.). Die Beschränkung des kommerziellen Weiterverkaufs der Fußballtickets soll daher auch der Preistreiberei auf den Schwarzmärkten entgegenwirken, da diese eben nicht der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Sports Rechnung trägt. Es soll verhindert werden, dass rein kommerziell orientierte Händler mit den Tickets „spekulieren“, mithin die Situation ausnutzen, dass Tickets auf dem offiziellen Erstmarkt unter Marktpreis verkauft werden, Tickets somit frühzeitig günstig aufkaufen, um sie anschließend mit horrenden Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 551 55131 Ticketing Aufschlägen an diejenigen weiterverkaufen, die tatsächlich Interesse daran haben, die Tickets für den eigentlichen Zweck – nämlich den Stadionbesuch – zu nutzen – die Fans. Zweitens spielt die von den Vereinen und Verbänden zu gewährende Sicherheit in den Stadien eine große Rolle. Zum einen müssen verhängte Stadionverbote, etwa gegenüber bekannten Hooligans, durchgesetzt werden. Bei einer weitestgehenden Kontrolle des Ticketverkaufs ist es ohne Zweifel durch einen Namensabgleich möglich, Ticketverkäufe an sicherheitsrelevante Personen zu verhindern. Diese ist bei den Verkäufen auf dem Zweitmarkt, also einem lediglich durch den Markt kontrollierten Verkaufssystem nicht der Fall (Gutzeit, 2007, 113, 116). Zum anderen sind die Vereine und Verbände auch verpflichtet, die Fangruppen verschiedener Teams zu trennen. Diese Pflicht ergibt sich nicht nur aus den maßgeblichen Verbandsstatuten (z. B. §21 Ziffer 6. der DFB-Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen), zivilrechtlichen Verkehrssicherungspflichten (Adolphsen, 2011, Rn. 898), sondern auch aus öffentlichrechtlichen Obliegenheiten der Vereine und Verbände. Denn üblicherweise erhalten diese von Seiten der Kommunen auf dem Polizei-, Ordnungs- und Versammlungsrecht basierende Auflagen. Teil dieser Auflagen ist es in der Regel, die Fangruppen in getrennten Bereichen unterzubringen. Auf dem eigens gesteuerten und weitgehend kontrollierten Erstmarkt für Fußballtickets lässt sich für die Vereine und Verbände recht einfach kontrollieren, an wen Tickets abgegeben werden. Beispielsweise lässt sich für Spiele der Bundesliga einfach sicherstellen, dass Ticketkontingente für Gästefans nur am anderen Ende des Stadions vergeben werden, um Spannungen mit den Heimfans bestmöglich zu unterbinden. Landen aber große Ticketkontingente im nicht kontrollierten freien Handel, haben Fans, denen es darum geht, in den Stadien für Unruhe zu sorgen, leichtes Spiel. Zwar sichert eine Unterbindung des freien Handels dieses Ziel auch nicht hundertprozentig ab – dies kann letztlich nur eine lückenlose Personenkontrolle an den Stadionzugängen gewährleisten – doch ist die weitgehende Kontrolle bereits bei Abgabe der Tickets eines der effizientesten Mittel, um Sicherheitslücken in den Stadien möglichst frühzeitig und präventiv zu bekämpfen (vgl. zu weiteren Zielen der Handelsbeschränkungen Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn. 7 ff.). 31.4.1 Rechtslage zum nicht-autorisierten Zweitmarkt in Deutschland Aus Sicht der Vereine und Verbände nicht erfreulich ist die derzeitige Rechtslage in Deutschland in Bezug auf den nicht autorisierten Zweitmarkt, dem sog. Ticketschwarzmarkt. Im Unterschied zu anderen Ländern hat der Gesetzgeber die besondere (oben dargestellte) Lage zum Ticketzweitmarkt noch nicht erkannt und keine besondere gesetzliche Grundlage geschaffen, die den Veranstaltern ein effizientes rechtliches Vorgehen gegen den Weiterverkauf von Tickets auf dem nicht autorisierten Ticketzweitmarkt ermöglicht. Zwar wird auch in Deutschland seit geraumer Zeit zum Schutz der Veranstalter von gesellschaftlich wertvollen Sport- und Kulturveranstaltungen die Einführung eines besonderen Leistungsschutzrechts diskutiert (Hilty/Henning-Bodewig, Leistungsschutzrechte zugunsten von Sportveranstaltern?, 2007; außerdem das gleichnamige Rechtsgutachten, das u. a. abrufbar ist auf der Website der DFL unter www. bundesliga.de), doch wurde bisher weder diesbezüglich eine Regelung geschaffen noch gibt es besondere Normen bezüglich des Ticketzweitmarkts. Ein Beispiel für einen solchen regulatorischen Ansatz im Bereich des Ticketzweitmarkts stellt die FIFA WM 2010 in Südafrika dar. Im Rahmen der FIFA WM 2010 wurden auf Bestreben der FIFA Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 552 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze552 von staatlicher Seite entsprechende Gesetze erlassen, durch die der nicht autorisierten Weiterverkauf von Tickets sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich verfolgt werden konnte. Zum einen wurde Section 12 Abs. 6 des Consumer Affairs (Unfair Business Pratices) Act insofern verändert, als der Verkauf von Tickets für die FIFA WM 2010 oder Rechte in Bezug auf diese Tickets zu kommerziellen Zwecken ohne schriftliche Erlaubnis der FIFA als unlauter eingestuft wurde. Gleiches galt für die Nutzung von Tickets für Werbezwecke oder im Rahmen einer sonstigen geschäftlichen Handlung. Zudem wurden in sämtlichen WM-Austragungsorten By-laws erlassen, nach denen die Bestimmungen der FIFA zum Schutz des Ticketerstmarkts für die Zeit der FIFA WM 2010 in öffentlich-rechtlichen Status erhoben wurde. Auch in England ist der Gesetzgeber bereits an verschiedener Stelle tätig geworden und hat gesetzliche Grundlagen geschaffen, die es den Sportveranstaltern erlauben, effizient gegen den nicht autorisierten Zweitmarkt vorzugehen. So stellt es der Criminal Justice & Public Order Act 1994 in Section 166 unter Strafe, wenn eine nicht autorisierte Person, Fußballtickets öffentlich zum Verkauf anbietet. Diese Vorschriften wurden vor allem vor dem Hintergrund der Sicherheitsprobleme im englischen Fußball erlassen. Durch die vor allem strafrechtlichen Sanktionierungsmöglichkeiten ist der nicht autorisierte Wiederverkauf von Tickets in England in den letzten Jahren erheblich eingedämmt worden. Auf Grundlage dieser Normen konnte die FIFA im Rahmen der FIFA WM 2010 gemeinsam mit Scotland Yard erfolgreich gegen illegale Tickethändler aus England vorgehen, deren Webseiten geschlossen wurden. In Anlehnung an diese Normen wurden auch für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London von der britischen Regierung entsprechende Ausführungsgesetze gegen den illegalen Tickethandel erlassen. Ticketverkäufe ohne die Zustimmung des Olympischen Organisationskomitees London wurden beispielsweise durch den London Olympic Games & Paralympic Games Act 2006 unter Strafe gestellt. In Deutschland ist man hier noch nicht so weit. Die Vereine und Verbände haben daher bisher versucht, auf Basis der allgemein geltenden gesetzlichen Grundlagen gegen den nicht autorisierten Zweitmarkt rechtlich vorzugehen. Ein „Meilenstein“ in der deutschen Rechtsprechung war dabei das sog. bundesligakarten.de-Urteil des BGH (BGH v.11.09.2008 – Az I ZR 74/06 – NJW 2009, 1504 ff.), in dem erstmals vom höchsten deutschen Gericht über den Zweitmarkt mit Fußballtickets entschieden wurde (vgl. zu weiteren Entscheidungen vor und nach dieser BGH-Entscheidung Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn.76 ff.). Streitgegenständlich in dieser Revisionsentscheidung des BGH war ein Internetportal, auf dem zu deutlich höheren Preisen als bei den Vereinen und Verbänden Eintrittskarten für nahezu jedes Fußballspiel der ersten und zweiten Bundesliga erworben werden konnte – wohlgemerkt auch, wenn auf dem Ticketerstmarkt keine Eintrittskarten mehr verfügbar waren. Der Hamburger Sport Verein (HSV) wollte den Verkauf seiner Tickets auf dem streitgegenständlichen Portal generell unterbinden. In den seiner Zeit geltenden AGB des HSV war die Möglichkeit des Weiterverkaufs der auf dem Erstmarkt erworbenen Tickets wie üblich weitgehend beschränkt. Der HSV begehrte daher Unterlassung und begründete dies sowohl vertragsrechtlich mit den eigenen Ticket-AGB als auch wettbewerbsrechtlich auf Basis des Lauterkeitsrechts. In seiner rein wettbewerbsrechtlich begründeten und streng an der neueren Rechtsprechung zu selektiven Vertriebssystemen orientierten Entscheidung hat der BGH dem OLG Hamburg (Urteil vom 03.02.2005, Az. 5 U 65/04, Verfügungsverfahren; Urteil vom 05.04.2006, Az. 5 U 89/05, Hauptsacheverfahren), das zuvor dem HSV sowohl vertragsrechtlich als auch wettbewerbsrechtlich begründete Ansprüche gegen die Betreiber Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 553 55331 Ticketing der Plattform zugesprochen hatte, lediglich teilweise Recht gegeben. Ein Verein oder Verband kann nach diesem Urteil des BGH vom Tickethändler gemäß §§3, 4 Nr.10, 8 Abs. 1 UWG dann Unterlassung des gewerblichen Weiterverkaufs verlangen, wenn der Händler die Eintrittskarten direkt vom Verein unter Täuschung über seine Wiederverkaufsabsicht erworben hat (Ersterwerb) – hier handelt es sich um einen Fall des sog. Schleichbezugs. Sofern er die Tickets hingegen von Dritten, d. h. außerhalb des Direktvertriebssystems des Vereins, erworben hat, besteht nach dem BGH vertragsrechtlich bzw. nach dem Lauterkeitsrecht grundsätzlich kein Unterlassungsanspruch seitens des Vereins (Zweiterwerb). 31.4.2 Status Quo zum Zweitmarkt in Deutschland Ungeachtet einiger erstinstanzlicher (auch in Bezug auf den BGH kritischer) Folgeentscheidungen deutscher Gerichte hat diese Entscheidung des BGH im Ergebnis dazu geführt, dass der nicht autorisierte Zweitmarkt für Fußballtickets in den letzten Jahren nochmals deutlich zugenommen hat. Die Anzahl der zu erträglichen Preisen auf dem Erstmarkt erhältlichen Tickets hat weiter abgenommen. Zugenommen haben hingegen die Internet-Angebote von oftmals „etwas undurchsichtigen“ Anbietern, bei denen man Tickets für fast alle Spiele erwerben kann – jedoch zu deutlich höheren Preisen als auf dem Erstmarkt. Oftmals handelt es sich hierbei auch um sog. Ticketbörsen, Ticketplattformen oder Ticketmarktplätze, auf denen (zumindest offiziell) nur Handelsplattform mit entsprechender Infrastruktur bereitgestellt werden, auf denen Kunden des Erstmarkts ihre Tickets selbst zum Weiterverkauf anbieten können. Um gegen diese Angebote bei derzeitiger Rechtslage in Deutschland als Verein oder Verband erfolgreich vorgehen zu können, müssen rechtliche Schritte gegen Schwarzmarkthändler gut vorbereitet und durchdacht sein, angefangen bei der Gestaltung der Ticket-AGB, deren ordnungsgemäßer Einbeziehung bis hin zur Kontrolle der Tickets in den Stadien. Wichtig ist es vor allem, die Bezugskette der auf dem Zweitmarkt angebotenen Tickets möglichst gut nachvollziehen zu können. Ergänzend zu den rechtlichen Durchsetzungsmaßnahmen ist zudem dringend zu empfehlen, flankierende Maßnahmen zur Eindämmung des Ticket-Schwarzmarkts zu ergreifen, beispielsweise entsprechende PR durchzuführen, d.h. vor allem bei den Kunden des Erstmarkt entsprechende Aufklärungsarbeit zu betreiben (z. B. durch Informationsschreiben an die Fans) und so die Bezugsquellen der Zweitmarkthändler zu bekämpfen. Ohne Frage ist auch die Schaffung eines eigenen „autorisierten“ Zweitmarkts, auf dem Ersterwerber, die ausnahmsweise das eigene Ticket nicht nutzen können, kontrolliert dieses Ticket an andere Fans weitergeben können, im Sinne der Verbände und Vereine zielführend. Denn neben dem Service für eigene Fans hat ein derart kontrollierter Zweitmarkt den Vorteil, dass Ersterwerber nicht gezwungen werden, auf nicht autorisierte und unkontrollierte Zweitmarktkanäle auszuweichen. Zumindest die Fans, deren Ziel es nicht allein ist, aus dem Tickethandel einen möglichst großen finanziellen Gewinn zu schlagen, dürfte die Motivation, auf nicht autorisierte Ticketplattformen auszuweichen, bei der Existenz einer „offiziellen“ Möglichkeit des Weiterverkaufs beim Veranstalter selbst fehlen. Es ist daher auch nicht verwunderlich dass sowohl Vereine als auch Verbände zahlreich dazu übergegangen sind, für ihre Veranstaltungen Portale zu schaffen, auf denen eine kontrollierte Weitergabe der Tickets möglich ist. Selbstverständlich ist die Weitergabe der Tickets auf diesen Portalen streng kontrolliert, um die eigenen Ziele, die mit der Beschränkung des Ticketweiterverkaufs verfolgt werden, nicht zu konterkarieren. Wichtige Elemente einer solchen Kontrolle sind hinsichtlich Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 554 Felix Holzhäuser und Gregor Lentze554 des Sicherheitsinteresses zum einen der Abgleich der Käuferdaten mit denen eigenen Datenbanken im Rahmen der datenschutzrechtlichen Möglichkeiten, um die Abgabe an sicherheitsrelevante Personen zu vermeiden. Zum anderen sollte mit Blick auf den weitgehenden Erhalt der Originalpreise der Weiterverkauf nur zum Originalpreis bzw. im Rahmen einer bestimmten Preisspanne (z. B. zuzüglich einer Service-Pauschale) erlaubt werden (vgl. zu weiteren möglichen Maßnahmen zur Eindämmung des Ticket- Schwarzmarkts Holzhäuser, 2012, Kapitel 18, Rn. 99 ff.). Literaturverzeichnis Adolphsen, J.: Sporthaftungsrecht, in: Adolphsen, J./Nolte, M./Lehner, M./Gerlinger M.: Sportrecht in der Praxis, Stuttgart, 2011. AG Frankfurt a. M. v.20.04.2006, SpuRt 2006, 122. Basedow, in MüKo, 5. Auflage, München, 2007, § 305 BGB. BGH v.08.10. 1997, BGHZ 136, 394. BGH v.10.06.1999, NJW-RR 1999, 1246. BGH v.17. 3. 1999, BGHZ 141, 153. BGH v.14.06.2006, NJW 2006, 2976. BGH v.11.09.2008, NJW 2009, 1504. Brox, H.: Handels und Wertpapierrecht, München, 2001. BVerfG v. 17.02.1998, MMR 1998, 202. Habersack, M. in: MüKo, 5.Auflage 2009, §807 BGB. Holzhäuser, F.: Ticketing, in: Stopper, M. / Lentze, G. (Hrsg.): Handbuch Fußball- Recht, Berlin, 2012, S. 833–899. Gerlinger, M.: Vereinsmanagement, in: Adolphsen, J./Nolte, M./Lehner, M./Gerlinger M.: Sportrecht in der Praxis, Stuttgart, 2011. Gutzeit, M.: Handelsbeschränkungen für Eintrittskarten – dargestellt am Beispiel der Ticketbedingungen für die Fußball-WM wie auch der aktuellen Muster-AGB für die Fußball-Bundesliga, in: BB 2007, S. 113–119. OLG Bremen v.11.02.2004, BeckRS 2004 02810. OLG Hamburg v.03.02.2005, NJW 2005, 3003. OLG Hamburg v.29.04.2010, Az. 3 W 23/10. Säcker, F./Rixecker, R: (Hrsg.): Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Band 2, §§ 241-432, München, 2007. Säcker, F./Rixecker, R: (Hrsg.): Münchener Kommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch, Band 2, §§ 705-853, München, 2009. Weller, M.: Die FIFA-Fußball-WM 2006 im Lichte des Privatrechts, in: JuS 2006, 497–501.

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References

Zusammenfassung

"Das vorliegende Handbuch [...] gibt eine exzellente Orientierung für modernes und professionelles Sportmanagement [...]"

Wolfgang Niersbach

Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Immer weiter reichende ökonomische Aktivitäten und damit verbundene Risiken - Entscheidungsträger im professionellen Sport müssen nicht nur ihren Partnern aus der Wirtschaft auf gleicher Augenhöhe begegnen, sie müssen vielmehr die Klubs und deren Tochtergesellschaften bzw. die Organisationseinheiten um Einzelsportler in entsprechender Weise ausrichten und leiten, um den sportlichen vor allem aber den ökonomischen Wettbewerb erfolgreich bestreiten zu können.

Dieses umfassende Handbuch liefert Ihnen Lösungen zu den zentralen Fragen im professionellen Sportmanagement - es stellt die wesentlichen Ansatzpunkte für die unternehmerische Führung und die dafür notwendigen Grundlagen aus Betriebswirtschaftslehre, Steuern und Recht vor.

Vor allem am Beispiel des aus der ökonomischen Perspektive am weitesten entwickelten professionellen Fußballsports richtet sich dieses praxisorientierte Nachschlagewerk insbesondere an Verantwortliche in Klubs - Vereinsvorstände, Organe der Kapitalgesellschaften, Leiter der betriebswirtschaftlichen Bereiche und deren Mitarbeiter -, natürlich aber auch an Einzelsportler und ihre Berater sowie an Kapitalgeber, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Studierende.

Über die Autoren und Herausgeber

Das Handbuch "Sportmanagement" ist ein Gemeinschaftswerk von ausgewiesenen Praktikern, die über langjährige Erfahrungen im professionellen Sport verfügen. Es wird herausgeben von Prof. Dr. Albert Galli, Prof. Dr. Vera-Carina Elter, Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser und Wilfried Straub.

"(...) Wenn das Buch auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es befasse sich nur mit dem Profisport, so ist das ein falscher Eindruck. Da es sich in allen Teilbereichen um einen professionellen Umgang mit dem Sport bemüht, ist es bestimmt auch für den "normalen" Vereinsführer ein hilfreiches Werk. Hilfreich ist auch die klare Gliederung in kurze Artikel zu Teilbereichen."

In: Der Budoka 12/2002, zur 1. Auflage