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Mario Hamm, Mindestanforderungen an die Corporate Governance von englischen und deutschen Fußballunternehmen im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay in:

Albert Galli, Vera-Carina Elter, Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser, Wilfried Straub (Ed.)

Sportmanagement, page 245 - 264

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3678-5, ISBN online: 978-3-8006-4613-5, https://doi.org/10.15358/9783800646135_245

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Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 239 Mindestanforderungen an die Corporate Governance von englischen und deutschen Fußballunternehmen im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay von Mario Hamm Inhaltsverzeichnis 16.1 Mindestanforderungen der UEFA an die Corporate Governance . . . . . . . . . . 240 16.2 Corporate Governance von englischen Fußballunternehmen . . . . . . . . . . . . . 242 16.3 Corporate Governance von deutschen Fußballunternehmen . . . . . . . . . . . . . . 248 16.4 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250 16.5 Maßnahmen zur Verbesserung der Corporate Governance von Fußballunternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 240 16.1 Mindestanforderungen der UEFA an die Corporate Governance Die Fußballunternehmen in Europa unterscheiden sich, unter Berücksichtigung der nationalen Verbandsvorschriften, Gesetze und individuellen Geschäftstätigkeiten des Fußballunternehmens, wesentlich in ihrer Eigentümer-, Rechts- und Organisationsstruktur (vgl. Kupfer, 2006). In einigen Fußballverbänden bzw. -ligen ist es üblich, dass die Fußballunternehmen Multisportvereine sind, die neben dem Fußball auch andere populäre Sportarten wie Basketball, Volleyball oder Eishockey betreiben. Im Gegensatz zu den Eigentumsverhältnissen ist für die UEFA irrelevant, welche Rechtsform bzw. Organisationstruktur das Fußballunternehmen aufweist. Rechtsformen der UEFA (Erstligaklubs) 42% Vereine 3% Gesellschaften mit staatlicher Finanzierung 4% börsenkotierte Gesellschaften 13% Sport-Aktiengesellschaften 38% andere Aktiengesellschaften Eigentümerverhältnis der UEFA (Erstligaklubs) 54% Mehrheitskontrolle davon 24% mit einem Alleineigentümer davon 30% mit mehr als einem Alleineigentümer 45% keine Mehrheitskontrolle davon 31% mit einem oder mehreren bedeutenden Aktionären (5%–50%) davon 15% mit Eigentum im Streubesitz (Anteile < 5%) Abb.1: Rechtsformen und Eigentumsverhältnisse der UEFA (Erstligaklubs) (Quelle: UEFA, 2009, 29) Im Rahmen des UEFA Klublizenzierungsverfahrens sind die Eigentumsverhältnisse  ein  zentrales Element. Das Finanzreporting von Fußballunternehmen basiert auf den konsolidierten vergangenheitsbezogenen, zukunftsbezogenen und ergänzenden Finanzinformationen des Bericht erstattenden Fußballunternehmens und seines Berichtskreises. Nach Artikel  46 i. V.m. Anhang  VII Abschnitt B UEFA Klublizenzierungsreglement2010 hat die Geschäftsführung des Fußballunternehmens die gesamte  Konzernstruktur bis zum Mutterunternehmen im Rahmen der ergänzenden Finanzinformationen grafisch dazustellen. Aus der Darstellung muss klar hervorgehen, welche rechtliche Einheit des Fußballunternehmens das Mitglied bei dem nationalen  Fußballverband bzw. der -liga ist, wer ihr Eigentümer ist und welche weiteren Organe Einfluss auf sie haben. Bei der Analyse der Corporate Governance im Hinblick  auf das Finanzreporting von Fußballunternehmen unterscheidet man zwischen den Organen „Eigentümer/Präsident“, „Mitglieder der Geschäftsführung“ und „Mitglieder des Kontrollorgans“, die einen wesentlichen Einfluss auf das Finanzreporting ausüben können. Die Mindestanforderungen an die jeweiligen Organe resultieren dabei im Wesentlichen aus den „Finanziellen Kriterien“ sowie aus den „Personellen Kriterien“ und den „Rechtlichen Kriterien“ des UEFA Klublizenzierungsreglements2010. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 241 24116 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay Unabhängig davon, ob ein Fußballunternehmen noch Eigentum des ursprünglichen Fußballklubs ist oder nicht, verlangt Artikel  12 Abs. 1 UEFA Klublizenzierungsreglement2010, dass das Fußballunternehmen entweder selbst Mitglied des nationalen Fußballverbandes bzw. der -liga ist oder seit mindestens drei Jahren eine vertragliche Beziehung zu dem ursprünglichen Fußballklub besitzt. Von Bedeutung ist dabei nach Artikel 12 Abs. 2 UEFA Klublizenzierungsreglement2010 insbesondere, dass jede Änderung der Rechtsform oder Unternehmensstruktur des Fußballunternehmens sowie die Beteiligung an mehreren Fußballunternehmen dazu führen kann, dass das Fußballunternehmen die Lizenz zur Teilnahme an den UEFA Klubwettwerben nicht erhält. Damit möchte die UEFA verhindern, dass Einzelpersonen bzw. Investorengruppen die Mehrheitsanteile von mehr als einem Fußballunternehmen in Europa besitzen. Die Integrität der UEFA Klubwettbewerbe wäre massiv gefährdet, wenn zwei Fußballunternehmen des gleichen Eigentümers gegeneinander spielen würden. Der Eigentümer/Präsident des Fußballunternehmens hat nach Artikel 27 UEFA Klublizenzierungsreglement2010 einen Geschäftsführer zu bestimmen, der für den Ablauf der operativen Geschäftsvorfälle verantwortlich ist. Dieser muss im Rahmen seiner Tätigkeit über geeignete Büroräumlichkeiten sowie ein Sekretariat verfügen, das eine reibungslose Kommunikation mit dem nationalen Fußballverband bzw. der -liga und der Öffentlichkeit sicherstellt. Neben dem Geschäftsführer hat der Eigentümer/Präsident des Fußballunternehmens in der Verwaltung einen Medienverantwortlichen, einen Sicherheitsverantwortlichen, eine Fan-Kontaktperson sowie insbesondere einen qualifizierten Verantwortlichen für den Finanzbereich zu bestimmen. Nach Artikel 29 UEFA Klublizenzierungsreglement2010 muss der Finanzverantwortliche zum Nachweis seiner fachlichen Qualifikation mindestens ein Buchhalter- bzw. Wirtschaftsprüfer-Diplom oder einen Befähigungsnachweis vom nationalen Fußballverband, auf der Grundlage einer mindestens dreijährigen praktischen Erfahrung im Finanzbereich, besitzen. Im Gegensatz zum Verantwortlichen für Finanzen resultieren aus dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010 keine Mindestanforderungen an die Mitglieder des Kontrollorgans. Im Rahmen des Finanzreportings von Fußballunternehmen sind demnach die zeichnungsberechtigten Geschäftsführer und nicht die Mitglieder des Kontrollorgans die zentralen Ansprechpersonen für die UEFA. Aus dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010 ergeben sich direkt auch keine Mindestanforderungen an ein internes Kontroll- bzw. Risikomanagementsystem. Es lassen sich lediglich indirekte Hinweise aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers und dessen Aussage über die Funktionsfähigkeit des internen Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems ableiten. Nach Anhang V UEFA Klublizenzierungsreglement2010 hat der Bericht des Wirtschaftsprüfers mindestens den Bestimmungen des International Standard on Review Engagements (ISRE) 2410 zu entsprechen. Demnach hat der Wirtschaftsprüfer in seiner Bestätigung über die prüferische Durchsicht des Finanzreportings darauf einzugehen, ob das Finanzreporting ordnungsgemäß aus der Buchhaltung abgeleitet wurde und ob bei der Analyse des Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems Schwachstellen festgestellt wurden, die wesentlichen Einfluss auf das Finanzreporting haben. Beinhaltet das Finanzreporting des Fußballunternehmens zukunftsbezogene Finanzinformationen, so hat der Bericht des Wirtschaftsprüfers nach den Bestimmungen des International Standard on Related Services (ISRS) 4400 eine Erklärung im Hinblick auf die abgestimmten Prüfungshandlungen zu enthalten. Im Rahmen der Erklärung hat der Wirtschaftsprüfer darauf einzugehen, ob die zukunftsbezogenen Finanzinformationen plausibel sind und darüber hinaus ordnungsgemäß aus dem Controllingsystem des Fußballunternehmens abgeleitet wurden. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 242 Mario Hamm242 Da das UEFA Klublizenzierungsreglement2010 weitreichende Mindestanforderungen an das Finanzreporting und die Performance-Messung stellt, ist es insbesondere nach der Einführung des Financial-Fairplay-Konzepts nicht ersichtlich, warum keine Mindestanforderungen an die Corporate Governance definiert werden. Aus der wirtschaftlichen Schieflage bzw. drohenden Insolvenz einiger Fußballunternehmen resultieren Haftungsrisiken für die Mitglieder der Geschäftsführung und des Kontrollorgans. Somit stellt sich die Frage, welche Maßnahmen dazu geeignet sind, das Kontrollund Risikomanagementsystem sowie die Tätigkeit des Kontrollorgans im Sinne einer verantwortungsvoll kontrollierten Unternehmensführung zu optimieren, die wirtschaftliche Stabilität des Fußballunternehmens zu verbessern, die korrespondierenden Haftungsrisiken für die Mitglieder der Geschäftsführung und des Kontrollorgans zu reduzieren und damit die Integrität des Wettbewerbs zu stärken. 16.2 Corporate Governance von englischen Fußballunternehmen Die englischen Fußballunternehmen unterscheiden sich wesentlich im Rahmen ihrer Eigentümerverhältnisse, Rechtsformen und Organisationsstrukturen (vgl. Farquhar/ Machold/Ahmed, 2005, 329-344). Grundsätzlich erhält nach Richtlinie 2.6 LHFA2010 nur die rechtliche Einheit eines englischen Fußballunternehmens eine Lizenz zur Teilnahme an den UEFA Klubwettbewerben, die seit mehr als drei Jahren berechtigtes Mitglied der Football Association (FA) ist. Die Lizenz zur Teilnahme an den UEFA Klubwettwerben erhält demnach also der ursprüngliche Fußballklub. Dieses Mitglied kann sich wiederum im Eigentum einer Privatperson oder einer Investorengruppe befinden. Aufgrund der Vielzahl von unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen und Rechtsformen hat das Finanzreporting nach Richtlinie C.81.1 HPL2010 i.V. m. Anhang V Nr.27 LHFA2010 auf der Basis von konsolidierten vergangenheitsbezogenen, zukunftsbezogenen und ergänzenden Finanzinformationen zu erfolgen sowie eine Darstellung der Konzernstruktur des Fußballunternehmens zu enthalten. Aus der Darstellung muss klar hervorgehen, welche rechtliche Einheit des Fußballunternehmens nach Richtlinie A.3 ff. HFA2010 Mitglied bei dem nationalen Fußballverband bzw. der -liga ist, wer ihr Eigentümer/Präsident ist und welche Mitglieder der Geschäftsführung bzw. des Kontrollorgans einen wesentlichen Einfluss auf das Finanzreporting ausüben können. Unabhängig davon, ob ein Fußballunternehmen noch im Eigentum des ursprünglichen Fußballklubs ist oder nicht, hat der Eigentümer/Präsident nach Richtlinie B.16.1 HPL2010 i. V.m. Anhang III Nr. 9 LHFA2010 einen Geschäftsführer zu bestimmen, der für den Ablauf der operativen Geschäftsvorfälle verantwortlich ist. Der Geschäftsführer wird im Rahmen seiner Tätigkeit durch einen Verantwortlichen für Medien und Kommunikation sowie einen Verantwortlichen für Finanzen unterstützt. Zum Nachweis seiner fachlichen Qualifikation muss der Verantwortliche für Finanzen nach Richtlinie B.16.2 HPL2010 i.V. m. Anhang III Nr.9 LHFA2010 zertifizierter Bilanzbuchhalter oder Wirtschaftsprüfer sein oder über mindestens zehn Jahre einschlägige Berufserfahrung in diesem Bereich verfügen. Analog zum UEFA Klublizenzierungsreglement2010 werden an die Mitglieder des Kontrollorgans keine Anforderungen gestellt. Zu beachten ist an dieser Stelle, dass bei englischen Fußballunternehmen im Rahmen des „Board of Directors“ nicht zwingend zwischen Unternehmensführung und -kontrolle unterschieden wird und demnach das Finanzreporting nach Richtlinie C.82.6 HPL2010 i.V.m. Anhang V Nr. 28 LHFA2010 von dem Board of Directors zu unterzeichnen ist. Über die Mindest- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 243 24316 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay anforderungen des UEFA Klublizenzierungsreglements2010 hinaus ergeben sich nach Richtlinie D.2 HPL2010 im Rahmen des „Owners’ and Directors’ Test“ weitere Anforderungen an die Eigentümer/Präsidenten sowie an die Mitglieder des Board of Directors. Vorläufer dieses Tests war bis zur Saison 2009/10 der „Fit and Proper Person Test“, der in Anlehnung an Artikel 12 Abs.2 UEFA Klublizenzierungsreglement2010 grundsätzlich sicherstellen sollte, dass weder ein Eigentümer/Präsident noch ein Mitglied des Board of Directors direkt oder indirekt wesentlichen finanziellen oder operativen Einfluss auf mehrere Fußballunternehmen nimmt. Darüber hinaus sollte es nur einem bestimmten Personenkreis ermöglicht werden, einen wesentlichen Einfluss auf Fußballunternehmen der PL einzunehmen. Über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus sollte nach Richtlinie B.16.2.6 HPL2010 i.V.m. Anhang III Nr.9 LHFA2010 den Personen ein wesentlicher finanzieller sowie operativer Einfluss auf ein englisches Fußballunternehmen untersagt werden, die als Mitglied des Board of Directors an zwei Insolvenzen von einem oder mehreren Fußballunternehmen involviert waren. Mit der Umbenennung des „Fit and Proper Person Test“ in „Owners’ and Directors’ Test“ vor der Saison 2010/11 wurden die Mindestanforderungen über die gesetzlichen Bestimmungen des englischen Strafund Insolvenzrechts auf das nationale und internationale Verbandsrecht ausgedehnt. Demnach untersagt die PL allen Personen, die von einem Sportdachverband bzw. einem Berufsverband wegen Verletzung ihrer kaufmännischen Sorgfaltspflicht suspendiert oder ausgeschlossen wurden, wesentlichen finanziellen oder operativen Einfluss auf ein englisches Fußballunternehmen zu nehmen. Ergänzt wird der „Owners’ and Directors’ Test“ durch den „Means and Ability Test“. Den Verantwortlichen der PL wird im Rahmen des „Means and Ability Test“ das Recht eingeräumt, vor der Übernahme eines englischen Fußballunternehmens ein Gespräch mit dem zukünftigen Eigentümer zu führen. Nach Richtlinie C.91.1 HPL2010 hat dieser der PL im Rahmen dieses Gesprächs aktualisierte zukunftsbezogene Finanzinformationen zu unterbreiten, welche die finanziellen Auswirkungen der Übernahme berücksichtigen. Darüber hinaus hat er nachzuweisen, dass genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bis zum Ende der folgenden Saison zu garantieren (PL, 2010). Aus dem Lagebericht (Directors Report) bzw. aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers und dessen Aussage über die Funktionsfähigkeit des internen Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems ergeben sich indirekte Hinweise auf die Mindestanforderungen an ein internes Kontrollsystem bzw. an ein Risikomanagementsystem. Nach Richtlinie D.1.14 i. V.m. Anhang VI HPL2010 hat der Bericht des Board of Directors die Bestätigung zu enthalten, dass durch die individuellen internen Kontrollsysteme bzw. Risikomanagementsysteme gewährleistet ist, dass nach Richtlinie D.34 HPL2010 sämtliche wesentlichen Finanztransaktionen in der Buchhaltung erfasst worden sind, alle Transfers im Rahmen der individuellen Transferpolitik stattgefunden haben, die Vergütungen der Spieler im Einklang mit deren Verträgen stehen sowie alle Zahlungen an Spielervermittler vertraglich begründet sind und jeweils von einem Mitglied des Board of Directors bzw. einer unterschriftsberechtigten Person genehmigt wurden. Darüber hinaus ergeben sich aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers indirekte Hinweise nach Richtlinie D.1.2 i. V. m. Anhang V HPL2010, welche die Bestimmungen des International Standard on Review Engagements (ISRE) 2410 weiter konkretisieren. Demnach wird im Rahmen der Bestätigung über die prüferische Durchsicht des Finanzreportings darauf hingewiesen, dass die Implementierung eines internen Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems in der Verantwortung des Board of Directors liegt und im Rahmen der prüferischen Durchsicht keine Schwachstellen im internen Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 244 Mario Hamm244 Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems festgestellt wurden, die einen wesentlichen Einfluss auf die Aussagekraft des Finanzreportings haben. Im Rahmen der sich aus dem Handbuch der PL ergebenden Mindestanforderungen an das Finanzreporting leitet sich eine Vielzahl von Regelungen und Hinweisen für die Eigentümer/Präsidenten, Mitglieder des Board of Directors sowie die internen Kontrollund Risikomanagementsysteme ab. Neben den zwingenden Mindestanforderungen existiert darüber hinaus der sogenannte „Governance – A Guide for Football Clubs“. Dabei handelt es sich um einen von der FA speziell für englische Fußballunternehmen entwickelten Corporate-Governance-Kodex. Dieser Kodex repräsentiert dabei einen Leitfaden, mit dessen Hilfe die Fußballunternehmen Verbesserungsmaßnahmen für ihre individuelle Corporate Governance ableiten können. Anhand der Prinzipien der Corporate Governance werden in den vier Kategorien „Board of Directors“, „internes Kontroll- und Risikomanagementsystem“, „Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften“ und „Offenlegung und Kommunikation mit Interessengruppen“ die Mindestanforderungen zur Umsetzung aufgezeigt. Im Rahmen der Mindestanforderungen für die Kategorie „Board of Directors“ wird zunächst grundsätzlich darauf hingewiesen, dass, unabhängig von der Gesellschaftsform, ein Board of Directors existieren und dessen gemeinschaftliches Handeln die in der folgenden Abbildung dargestellten Grundprinzipien berücksichtigen sollte. Diese Mindestanforderungen für das Board of Directors unterscheiden zwischen 15 Kriterien, deren Umsetzung durch praxisnahe Beispiele gefördert werden sollte. So sollte bspw. das Board of Directors aus mindestens drei Mitgliedern bestehen, deren Fähigkeiten und Berufserfahrung dazu geeignet sind, die Professionalität des Fußballunternehmens zu verbessern. Die Umsetzung sollte so erfolgen, dass in der Geschäftsordnung des Fußballunternehmens zunächst auf die Anzahl der Mitglieder des Board of Directors eingegangen wird, wobei die einzelnen Mitglieder bzw. weitere externe Berater berufliche Erfahrungen aus der Konsumgüter-, Finanz-, Rechts- und Wirtschaftsprüfer- oder Immobilienbranche besitzen sollten. Grundsätzlich zielen die Mindestanforderungen an das Board of Directors darauf ab, die Ernennung von Positionen, Verantwortlichkeiten sowie Verpflichtungen transparent und für Dritte nachvollziehbar zu machen. Dies ist insbesondere bei wirtschaftlicher Schieflage eines Fußballunternehmens von großer Bedeutung. Das Board of Directors ist gemeinschaftlich für den Erfolg des Fußballunternehmens verantwortlich; trifft nachvollziehbare Entscheidungen im besten Interesse für das Fußballunternehmen;  wird nicht von einer Einzelperson oder einer kleinen Gruppen dominiert; ernennt oder entlässt die Mitglieder des Board of Directors auf einer transparenten und nachvollziehbaren Vorgehensweise; verfügt zur Erfüllung seiner Aufgaben über zeitnahe und qualitative Informationen; bewertet einmal im Jahr sein Handeln im Hinblick auf die gesetzten Ziele. Kriterien Das Board of Directors sollte aus mindestens drei Mitgliedern bestehen, deren Fähigkeiten und Berufserfahrung dazu geeignet sind, die Professionalität des Fußballunternehmens zu verbessern. Das Fußballunternehmen sollte klare Vorgehensweisen bei der Einstellung von Mitgliedern des Board of Directors oder Schlüsselpositionen verwenden. Ernennung eines Vorsitzenden des Board of Directors. Ernennung eines Generalsekretärs/Geschäftsführers. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 245 24516 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay Jedes Mitglied, das seine Tätigkeit im Rahmen des Board of Directors in Vollzeit ausübt, sollte über einen Arbeitsvertrag verfügen, der die wesentlichen Bedingungen seiner Ernennung sowie seiner Verantwortlichkeiten beinhaltet. Dieser Arbeitsvertrag ist vom Board of Directors zu unterzeichnen. Die Geschäftsführung sollte die Trainingseinrichtungen sowie das Jugendleistungszentrum sowohl gemeinsam als auch individuell mindestens einmal jährlich begutachten. Die Geschäftsführung sollte eine Vorgehensweise definieren, in welcher Art und in welchem Umfang es den Mitgliedern des Board of Directors gestattet ist, privatrechtliche Verträge mit dem Fußballunternehmen abzuschließen. Dabei sollten sich die Regelungen nicht nur direkt auf die einzelne Person, sondern darüber hinaus auf sein nahestehendes familiäres Umfeld beziehen. Dies ist insbesondere dann durch einen Experten zu überprüfen, wenn sich der Vertrag auf mögliche Verträge im Hinblick auf das Stadion, Jugendleistungszentrum bzw. weitere Einrichtungen des Fußballunternehmens bezieht. Die Position des Vorsitzenden des Board of Directors sowie die Position des Geschäftsführers sollten nicht von einer einzigen Person ausgeübt werden. Die Verantwortlichkeiten des Geschäftsführers sollten im Rahmen eines Arbeitsvertrages festgehalten und vom Board of Directors genehmigt sein. Die Vergütung der Geschäftsführung sollte nach einer nachvollziehbaren Vorgehensweise erfolgen, welche die individuellen beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen berücksichtigt und gegebenenfalls an die Erfolge des Fußballunternehmens geknüpft ist. Die Leistung der Geschäftsführung sollte jährlich im Hinblick auf die gesetzten Ziele für sich und im Bezug auf den sportlichen und finanziellen Erfolg des Fußballunternehmens beurteilt werden. Regelmäßige Meetings mit Bereichsverantwortlichen sollen dazu beitragen, dass die Geschäftsführung ihre Aufgaben effektiv erledigen kann. Im Rahmen der Meetings soll die sportliche Entwicklung unter Berücksichtigung der finanziellen Lage des Fußballunternehmens beurteilt werden. Es ist darauf zu achten, dass die Bereichsverantwortlichen regelmäßig zu diesen Meetings erscheinen. Der Verantwortliche für den Finanzbereich sollte der Geschäftsführung die wirtschaftliche Lage des Fußballunternehmens ausführlich präsentieren. Die Wahl der Mitglieder des Board of Directors sowie die Ernennung der Geschäftsführung sollte mindestens alle drei Jahre erfolgen. Unter Berücksichtigung der gleichbleibenden fachlichen Qualität des Board of Directors sollte die Zusammensetzung des Gremiums einem personellen Wechsel unterliegen. Die Ernennung bzw. Abberufung einzelner Mitglieder sollte sich dabei nicht überschneiden und darüber hinaus sollte jährlich nur eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern ersetzt werden. Die Geschäftsführung sollte durch eine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern unterstützt werden, die der Größe und der Aktivitäten des Fußballunternehmens angemessen ist. In dem Fall, dass ein Fußballunternehmen lediglich ein Tochterunternehmen eines Konzerns ist und die Mitglieder des Board of Directors des Fußballunternehmens keinen Einfluss auf den Konzern haben, sollten die wesentlichen Entscheidungen der Konzernmutter den Mitgliedern des Board of Directors zeitnah kommuniziert werden. Abb.2: Mindestanforderung und Kriterien an das Board of Directors (in Anlehnung an FA, 2005, 6ff.) Die Mindestanforderungen an die Mitglieder des Board of Directors werden im Rahmen des Corporate-Governance-Kodex durch die Mindestanforderungen an das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem ergänzt. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 246 Mario Hamm246 Das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem soll zur Sicherstellung der Vermögenswerte eines Fußballunternehmens ausreichend betrieben werden; soll Verfahren und Prozesse beinhalten, die dazu geeignet sind, die wesentlichen Risiken des Fußballunternehmens aufzudecken, die Wahrscheinlichkeit der Schadenshöhe abzuschätzen und Maßnahmen gegen den Eintritt von Schäden durch diese Risiken zu ermöglichen. Kriterien Die Geschäftsführung sollte eine jährliche Risikobeurteilung durchführen. Im Mittelpunkt dieser Risikobeurteilung stehen dabei Identifikation, Analyse, Gegenmaßnahmen und Überwachung von wesentlichen Risiken, die einen wesentlichen Einfluss auf die Erreichung der finanziellen, operativen Zielsetzungen des Fußballunternehmens und auf die Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Bestimmungen haben. Die Geschäftsführung sollte eine einjährige bis dreijährige Budget- und Forcastplanung bereitstellen und genehmigen, die detailliert auf einzelne Budgets eingeht. Sämtliche finanziellen Zuwendungen wie beispielsweise Spenden oder Zuwendungen sollten dokumentiert und von der Geschäftsführung genehmigt werden. Die Geschäftsführung sollte Spielertransfers im Rahmen einer schriftlichen Vorgehensweise durchführen, die im Einklang mit den Richtlinien der PL und der FA stehen und darüber hinaus mindestens Angaben zu Transfervereinbarungen, Spielervertragsvereinbarungen, Aufhebungsbedingungen von Spielerverträgen (bei Abstieg), Überwachung der Vertragseinhaltung sowie eine Genehmigung vom Board of Directors für alle wesentlichen Spielertransfers und Spielerverträge erhalten. Die Geschäftsführung sollte dafür sorgen, dass die internen Kontroll- und Risikomanagementsysteme dazu geeignet ind, die Vermögensgegenstände des Fußballunternehmens zu schützen. Die Geschäftsführung sollte Grenzen vereinbaren und dokumentieren, bis zu welcher Höhe unbudgetierte Ausgaben möglich sind bzw. ab welcher Höhe Ausgaben budgetiert werden müssen und darüber hinaus von der Geschäftsführung genehmigungspflichtig sind. Die wesentlichen Prozesse des Finanzbereichs und der Organisation sollten dokumentiert sein. Abb.3: Mindestanforderung und Kriterien an das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem (in Anlehnung an FA, 2005, 6ff.) Im Mittelpunkt der sieben Kriterien für die internen Kontroll- und Risikomanagementsysteme steht die Transparenz der Prozesse im Finanz- und Verwaltungsbereich, damit die Entscheidungsfindung der Geschäftsführung nachvollziehbar ist. Die Geschäftsführung sollte ihre Entscheidungen bspw. auf Basis einer ein- bis dreijährigen Budget- und Forcastplanung treffen. Insbesondere bei Spielertransfers bzw. -verträgen sowie wesentlichen Investitionsentscheidungen sollten aus Risikogesichtspunkten Genehmigungen vom Board of Directors eingeholt werden. Insgesamt soll die Geschäftsführung die internen Kontroll- und Risikomanagementsysteme so umsetzen, dass Risiken aufgedeckt bzw. vermieden und dem Board of Directors entsprechend zeitnah kommuniziert werden können. Im Rahmen der Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften konkretisiert der Corporate-Governance-Kodex lediglich bestimmte Mindestanforderungen, die sich alle grundsätzlich aus den gesetzlichen Bestimmungen ableiten. Ergänzt werden diese Bestimmungen bspw. durch die Kinderschutzbestimmungen „Child Protection Policy“ der FA. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 247 24716 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay Die Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften soll von den Mitgliedern des Board of Directors, den Geschäftsführern sowie den Eigentümern für ihre individuelle Position sowie für das Fußballunternehmen eingehalten werden; soll gegebenenfalls durch die Unterstützung von externen Experten ermöglicht werden. Kriterien Das Finanzreporting von Fußballunternehmen soll den Rechnungslegungsstandards des Companies Act entsprechen. Das Finanzreporting soll von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft werden. Das Finanzreporting soll allen Interessensvertretern des Fußballunternehmens unter Berücksichtigung der jeweiligen gesetzlichen, inhaltlichen und zeitlichen Vorschriften vorgelegt werden. Die Jahreshauptversammlung soll zeitnah unter Berücksichtigung der jeweiligen Verordnung oder Satzung des Fußballunternehmens erfolgen, damit die Mitglieder den Finanzreport des Fußballunternehmens genehmigen. Die Mitglieder des Board of Directors haben die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten und insbesondere dafür zu sorgen, dass sämtliche behördlichen Anträge, Eintragungen in Register usw. vorgenommen werden. Die Eintragungen im Handelsregister sollten dem aktuell gültigen Stand entsprechen. Jederzeit soll demnach eine Überprüfung dieser Eintragungen möglich und auf Anfrage einer Personen vorzeigbar sein. Die Geschäftsführung sollte sicherstellen, dass alle Mitarbeiter gültige Arbeitsverträge besitzen und darüber hinaus regelmäßige Weiterbildungen, zur Erfüllung ihrer beruflichen Verpflichtungen, absolvieren. Die Geschäftsführung sollte sicherstellen, dass das Fußballunternehmen allen gesetzlichen sowie verbandsrechtlichen Anforderungen und Verpflichtungen entspricht. Die Geschäftsführung sollte Richtlinien und Vorgehensweisen im Fußballunternehmen implementieren. Abb.4: Mindestanforderung und Kriterien an die Einhaltung von Richtlinien und Vorschriften (in Anlehnung an FA, 2005, 6ff.). Die Offenlegung und Kommunikation mit Interessensgruppen soll in einer ausgewogenen und verständlichen Form präsentiert werden und zur Beurteilung über die Lage des Fußballunternehmens beitragen; soll einen ausreichenden Dialog sicherstellen. Kriterien Das Finanzreporting sollte Ausführungen der Geschäftsführung beinhalten. Diese Ausführung sollte eine Bestätigung enthalten, dass die Geschäftsführung die Verantwortung für die Finanzinformationen übernimmt, die Unternehmensfortführung nicht gefährdet ist, die Implementierung und Funktionsfähigkeit des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems in ihrer Verantwortung liegt. Darüber hinaus sollten die wesentlichen Kontrollen genannt werden. Die Mitglieder des Board of Directors sollten sich im Rahmen des Finanzreportings in einem eigenen Abschnitt über die Corporate Governance des Fußballunternehmens äußern. Im Rahmen des Finanzreportings sollte die Geschäftsführung auf Basis der vergangenheitsbezogenen Finanzinformationen Aussagen über die zukünftige Zielsetzung machen. Die Generalversammlung sollte zeitnah unter Berücksichtigung der eigenen Satzungen sowie der gesetzlichen Vorschriften erfolgen. Die Geschäftsführung sollte im Rahmen der Kommunikation mit Interessensvertretern bestimmte Vorgehensweisen entwickeln. In Abhängigkeit davon, an wen die Informationen gerichtet sind, sollten so viele Informationen über die wirtschaftliche Lage des Fußballunternehmens kommuniziert werden, wie nötig sind. Abb.5: Mindestanforderung und Kriterien an die Offenlegung und Kommunikation (in Anlehnung an FA, 2005, 6ff.) Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 248 Mario Hamm248 Die wichtigsten Mindestanforderungen im Rahmen des Corporate-Governance-Kodex ergeben sich aus dessen letztem Teil im Hinblick auf weiterführende Finanzinformationen innerhalb des Finanzreportings. So sollten die Mitglieder des Board of Directors im Rahmen eines separaten Abschnitts über die Corporate Governance des jeweiligen Fußballunternehmens berichten und bspw. ausführen, wie sich das Board of Directors zusammensetzt, welche Rolle und Verantwortung seine Mitglieder besitzen, welche wesentlichen Risiken es für das Fußballunternehmen identifiziert hat und welche Maßnahmen dagegen unternommen werden. In Abhängigkeit von der Rechtsform und der Eigentümerstruktur können sich die Aussagen in diesem Abschnitt wesentlich unterscheiden. Jedoch sollte das jeweilige Board of Directors im Rahmen des Finanzreportings darauf eingehen, welche Mindestanforderungen des Corporate-Governance-Kodexes nicht eingehalten wurden. Abschließend lässt sich festhalten, dass sich aus dem Handbuch der PL und der FA sowie aus dem Corporate-Governance-Kodex der FA umfassende Mindestanforderungen an die Corporate Governance im Rahmen des Finanzreportings von englischen Fußballunternehmen ergeben und grundsätzlich positiv auf das Finanzreporting auswirken. Die FA reagierte mit dem speziell für die englischen Fußballunternehmen entwickelten Corporate-Governance-Kodex bereits im Jahr 2005 auf deren Besonderheiten und die praktischen Umsetzungsprobleme bei Anwendung des für klassische Wirtschaftsunternehmen konzipierten allgemeinen Corporate-Governance-Kodexes. Im Gegensatz zu den freiwilligen Mindestanforderungen, die sich aus dem Corporate- Governance-Kodex der FA ergeben, sind die Mindestanforderungen des „Fit and Proper Person Test“ seit dem Jahr 2004 für alle Mitglieder des Board of Directors sowie Eigentümer verpflichtend (www.independent.co.uk, 2010). Berücksichtigt man die Anzahl von Insolvenzfällen und die wirtschaftliche Schieflage einiger englischer Fußballunternehmen, so ist es nicht verwunderlich, dass der kritisch beurteilte „Fit and Proper Person Test“ im Jahr 2010 durch den „Owners and Directors Test“ in Verbindung mit den „Means and Ability Tests“ ersetzt wurde. 16.3 Corporate Governance von deutschen Fußballunternehmen Auch die deutschen Fußballunternehmen unterscheiden sich wesentlich im Rahmen ihrer Eigentumsverhältnisse, Rechtsformen und Organisationsstrukturen. Für die DFL ist es dabei von geringer Bedeutung, welche Rechtsform die Fußballunternehmen haben bzw. in welcher Organisationsstruktur sie ihre Aufgaben und Verpflichtungen erfüllen. Von zentraler Bedeutung sind dagegen im Rahmen der Lizenzerteilung sowohl für die DFL als auch für die Fußballunternehmen die Eigentumsverhältnisse: Nach § 1 Abs. 2 LO2010 erhält der ursprüngliche Fußballklub bzw. nach § 9 LO2010 das in vertraglicher Beziehung mit dem ursprünglichen Fußballklub stehende Fußballunternehmen die Lizenz zur Teilnahme an den nationalen und internationalen Klubwettbewerben. Die Eigentumsverhältnisse von Fußballunternehmen werden in Deutschland durch die sogenannte „50+1“-Regel grundsätzlich eingeschränkt. Nach § 8 Abs. 2 der Statuten des Ligaverbandes ist es potenziellen Investoren demnach lediglich möglich, einen Anteil von 49 % an einem deutschen Fußballunternehmen zu erwerben. Die Mehrheit der Stimmrechte verbleibt beim ursprünglichen Fußballklub (siehe hierzu Weik, 2007, 133–139; DFL, 2008, 46–48; Frank, 2010). Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 249 24916 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay Das Finanzreporting von Fußballunternehmen basiert auf den vergangenheitsbezogenen, zukunftsbezogenen und ergänzenden Finanzinformationen des Bericht erstattenden Fußballunternehmens und seines Berichtskreises, wobei die DFL explizit keine Aufstellung eines Konzernabschlusses verlangt. Dennoch haben die deutschen Fußballunternehmen im Rahmen des Finanzreportings eine eventuelle Konzernstruktur und die wesentlichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Tochter- und dem Fußballunternehmen darzustellen. Aus der Darstellung muss klar hervorgehen, welche rechtliche Einheit des Fußballunternehmens die Lizenz zur Teilnahme an den nationalen und internationalen Klubwettbewerben erhält, wer ihr Eigentümer ist und welche weiteren Organe Einfluss auf sie nehmen. Im Hinblick auf die Mindestanforderungen der Corporate Governance von Fußballunternehmen unterscheidet man bei den Organen, die einen wesentlichen Einfluss auf das Fußballunternehmen und das korrespondierende Finanzreporting ausüben können, zwischen „Eigentümer/Präsident“, „Mitglieder der Geschäftsführung“ und „Kontrollorgan“. Die Mindestanforderungen an die jeweiligen Organe resultieren dabei im Wesentlichen aus den „Finanziellen Kriterien“ und aus den „Personellen Kriterien“ der Lizenzierungsordnung der DFL. Da das oberste Organ des ursprünglichen Fußballklubs der Präsident ist, wird innerhalb der Analyse der Corporate Governance vom Organ „Eigentümer/Präsident“ gesprochen. Grundsätzlich kann unterstellt werden, dass bei deutschen Fußballunternehmen der Eigentümer/Präsident entweder Mitglied der Geschäftsführung oder des Kontrollorgans ist. Nach § 4 Abs. 9 LO2010 i. V.m. § 5 Abs. 10 der Statuten des Ligaverbandes soll der von der Mitgliedsversammlung des ursprünglichen Fußballklubs gewählte Vorstand bzw. das Präsidium die Stimmrechtsmehrheit im Kontrollorgan des Fußballunternehmens einnehmen. Das Kontrollorgan hat nach §5 Abs.1 Bst. D LO2010 die Mitglieder der Geschäftsführung zu bestimmen, die für den Ablauf der operativen Geschäftsvorfälle verantwortlich sind, und nach § 5 Abs. 3 LO2010 geeignete Büroräumlichkeiten sowie ein Sekretariat zur Verfügung zu stellen, damit eine reibungslose Kommunikation mit dem nationalen Fußballverband bzw. der -liga und der Öffentlichkeit sichergestellt ist. Neben der Geschäftsführung sind ein Medienverantwortlicher, ein Sicherheitsbeauftragter, ein Fanbeauftragter sowie insbesondere eine qualifizierte Person für den Finanzbereich zu bestimmen, die alle hauptamtlich tätig sind. Nach § 5 Abs. 1 Bst. E LO2010 muss der Finanzverantwortliche über die fachliche Qualifikation und mehrjährige einschlägige Berufserfahrung in diesem Bereich verfügen. Nach § 4 Abs. 5 LO2010 hat das Fußballunternehmen der DFL eine Liste aller Mitglieder der Geschäftsführung, des Kontrollorgans sowie aller vertretungsberechtigten Personen zu übermitteln. Für die DFL ist hierbei nach § 4 Abs. 8 LO2010 besonders wichtig, welche Personen im Rahmen des Klublizenzierungsverfahrens vertretungsberechtigt für das Fußballunternehmen sind. Sowohl den Mitgliedern der Geschäftsführung als auch denen des Kontrollorgans ist es nach § 4 Abs. 4 LO2010 untersagt, wesentliche geschäftliche Beziehungen zu oder Beteiligungen an anderen Fußballunternehmen zu haben; dies ist nach § 8 Nr. 2 Bst. H LO2010 zu bestätigen. Aus der Lizenzierungsordnung2010 der DFL ergeben sich zwar keine direkten Mindestanforderungen an ein internes Kontroll- und Risikomanagementsystem, aber aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers und dessen Aussage über die Funktionsfähigkeit des internen Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems lassen sich indirekte Hinweise ableiten. Nach §8 Abs. 1.2 Bst. D i. V. m. Anhang VII Teil II LO2010 hat der Bericht des Wirtschaftsprüfers mindestens den Bestimmungen des International Standard on Review Engagements (ISRE) 2410 sowie im Rahmen der prüferischen Durchsicht Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 250 Mario Hamm250 von Abschlüssen den Grundsätzen IDW PS 900 des Instituts der Wirtschaftsprüfer zu entsprechen. Demnach lässt sich aus der prüferischen Durchsicht ableiten, ob die Finanzinformationen – vergangenheitsbezogene aus der Buchhaltung, zukunftsbezogene aus dem Controlling – ordnungsgemäß abgeleitet wurden und ob bei der Analyse des Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems Schwachstellen festgestellt wurden, die wesentlichen Einfluss auf das Finanzreporting haben. Mit Blick auf die weitreichenden Mindestanforderungen der DFL an das Finanzreporting und dessen Performance- Messung ist es bemerkenswert, dass sich im Rahmen der Corporate Governance keine eindeutigen Mindestanforderungen aus der Lizenzierungsordnung2010 und deren Anhang ergeben. Die DFL reagierte im Jahr 2010 auf die schwierige wirtschaftliche Lage einiger deutscher Fußballunternehmen mit einer Verschärfung des nationalen Klublizenzierungsverfahrens vor allem im Rahmen des Nachlizenzierungsverfahrens und hielt die kritisierte „50+1“-Regel aufrecht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass durch die wirtschaftliche Schieflage bzw. die drohende Insolvenz einiger Fußballunternehmen nicht nur die Integrität des Wettbewerbs gefährdet ist, sondern daraus unternehmerische, aber auch persönliche Haftungsrisiken für die Mitglieder der Geschäftsführung und insbesondere des Kontrollorgans resultieren. Eventuelle Rechtsstreitigkeiten betreffen natürlich zunächst die handelnden Personen und Fußballunternehmen. Treten solche Streitigkeiten aber bei mehreren deutschen Fußballunternehmen auf, gefährdet dies wiederum indirekt die Integrität des Wettbewerbs. 16.4 Zwischenfazit Die Mindestanforderungen der UEFA an die Corporate Governance sind selbst in der aktuellen Version des UEFA Klublizenzierungsreglements2010 einschließlich des Financial-Fairplay-Konzepts minimalistisch gehalten. Damit ein Fußballunternehmen eine Lizenz für die UEFA Klubwettbewerbe erhält, müssen neben den finanziellen insbesondere auch rechtliche und personelle Kriterien eingehalten werden. Im Mittelpunkt der Eigentümerverhältnisse steht für die UEFA, dass das Fußballunternehmen mit einem Mitglied des nationalen Fußballverbandes seit mindestens drei Jahren in vertraglicher bzw. rechtlicher Beziehung steht. Nach Artikel 12 Abs. 2 UEFA Klublizenzierungsreglement2010 ist es Einzelpersonen und Unternehmen untersagt, mehrere wesentliche Beteiligungen an mehreren Fußballunternehmen zu haben, da dies die Integrität des Wettbewerbs stören könnte. Die Mindestanforderungen, die sich aus dem Handbuch der PL ergeben, erweitern die Mindestanforderungen des UEFA Klublizenzierungsreglements2010 in diesem Bereich durch den „Owners and Directors Test“ sowie den „Means and Ability Test“. Der „Owners and Directors Test“ soll dabei nicht nur die Beteiligung von Einzelpersonen bzw. Investoren an mehreren Fußballunternehmen unterbinden, sondern auch den Personen einen wesentlichen finanziellen sowie operativen Einfluss auf ein englisches Fußballunternehmen untersagen, die bei zwei Insolvenzen von einem oder mehreren Fußballunternehmen involviert waren bzw. von einem Sportdachverband, einem Berufsverband oder einer nationalen Gesetzgebung wegen Verletzung ihrer kaufmännischen Sorgfaltspflicht suspendiert, ausgeschlossen oder verurteilt wurden. Darüber hinaus fordert der „Means and Ability Test“ von potenziellen zukünftigen Eigentümern englischer Fußballunternehmen, dass sie der PL ihre zukünftige Strategie, die finanziellen Auswirkungen der Übernahmen auf die zukunftsbezogenen Finanz- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 251 25116 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay informationen sowie ihre finanziellen Mittel im Rahmen der Übernahme nachweisen. Die Mindestanforderungen der DFL gehen im Rahmen der „50+1“-Regel z. T. über die Mindestanforderung der PL hinaus. Demnach ist es Einzelpersonen oder Unternehmen gesellschaftsrechtlich nicht möglich, die Stimmrechtsmehrheit eines Fußballunternehmens zu erhalten. Neben den Eigentumsverhältnissen resultieren aus dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010 insbesondere bestimmte Mindestanforderungen an den Verantwortlichen des Finanzbereichs im Rahmen seiner fachlichen Qualifikation und beruflichen Erfahrung. Im Gegensatz dazu stellen UEFA sowie PL und DFL keine direkten Mindestanforderungen an die fachliche Qualifikation und berufliche Erfahrung der Mitglieder der Geschäftsführung und des Kontrollorgans. Erstaunlich, da im Rahmen der personellen Kriterien des UEFA Klublizenzierungsreglement2010 solche bspw. für den Leiter des Juniorenförderprogramms sowie den Sicherheitsbeauftragten existieren. Im Hinblick auf die internen Kontroll- und Risikomanagementsysteme ergeben sich aus dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010 sowie aus der Lizenzierungsordnung der DFL lediglich indirekte Hinweise, die durch den Bericht des Wirtschaftsprüfers und dessen Aussage zur Funktionsfähigkeit der Systeme konkretisiert werden. Nach den Bestimmungen des International Standard on Review Engagements (ISRE) 2410 hat der Wirtschaftsprüfer in seiner Bestätigung über die prüferische Durchsicht des Finanzreportings darauf einzugehen, ob das Finanzreporting ordnungsgemäß aus der Buchhaltung abgeleitet wurde und ob bei der Analyse des Kontroll- bzw. Risikomanagementsystems Schwachstellen festgestellt wurden, die wesentlichen Einfluss auf das Finanzreporting haben. Darüber hinaus verlangen die Mindestanforderungen des Handbuchs der PL neben dem Bericht des Wirtschaftsprüfers auch einen Bericht des Board of Directors. Letzterer hat die Bestätigung zu enthalten, dass durch die individuellen internen Kontroll- bzw. Risikomanagementsysteme gewährleistet ist, dass sämtliche wesentlichen Finanztransaktionen in der Buchhaltung erfasst worden sind, alle Transfers im Rahmen der individuellen Transferpolitik stattgefunden haben, die Vergütungen der Spieler im Einklang mit deren Verträgen stehen und alle Zahlungen an Spielervermittler vertraglich begründet sind und jeweils von einem Mitglied des Board of Directors bzw. einer unterschriftsberichtigten Person genehmigt wurden. Insgesamt kann festgehalten werden, dass mit dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010, dem Handbuch2010 der PL sowie der Lizenzierungsordnung2010 der DFL direkte und indirekte Mindestanforderungen an die Corporate Governance von englischen und deutschen Fußballunternehmen bestehen, die ggf. vom nationalen Lizenzgeber in gewissen Bereichen erweitert wurden. Neben den zwingenden Mindestanforderungen existiert in England für englische Fußballunternehmen ein Corporate-Governance-Kodex der FA. Dieser repräsentiert einen Leitfaden, mit dessen Hilfe die Fußballunternehmen Verbesserungsmaßnahmen für die individuelle Corporate Governance in den Kategorien „Board of Directors“, „internes Kontroll- und Risikomanagementsystem“, „Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften“ und „Offenlegung und Kommunikation mit Interessengruppen“ ableiten können. Anhand der Prinzipien der Corporate Governance ergeben sich für die vier Kategorien unterschiedliche Mindestanforderungen, deren Umsetzung durch praxisnahe Beispiele verdeutlicht wird. Dazu gehört bspw., wie sich das Board of Directors zusammensetzt, welche Rolle und Verantwortung die Mitglieder des Board of Directors besitzen, welche wesentlichen Risiken das Board of Directors für das Fußballunternehmen identifiziert hat und welche Maßnahmen dagegen unternommen werden sowie insbesondere im Rahmen des Finanzreportings, dass die Mitglieder des Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 252 Mario Hamm252 Anforderungen an die Corporate Governance UEFA UEFA Klublizenzierungsreglement2010 Klublizenzierungsreglement2010 ab Saison 2008/09 ab Saison 2010/11 vergangenheitsbezogene Informationen Finanzreporting Performance- Messung Finanzreporting Performance- Messung zukunftsbezogene Informationen ergänzende bzw. nachträgliche Informationen weitere Mindestanforderungen im Sinne der Corporate Governance Mitglied des Fußballverbandes bzw. der -liga Artikel 12 Abs. 1 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 12 Abs. 1 Artikel 10 Anhang II, III Organe des Fußballunternehmens – Eigentümer/Präsidenten Artikel 42 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 44 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III – Mitglieder der Geschäftsführung Artikel 28 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 27 Artikel 10 Anhang II, III – Mitglieder des Kontrollorgans Artikel 42 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 44 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III Tests im Rahmen der Corporate Governance – „50+1“-Regel – – – – – Owners and Directors Test – – – – – Means and Ability Test – – – – Interne Kontroll- und Risikomanagementsysteme Artikel 10 Anhang IX Artikel 10 Anhang II, III Artikel 10 Anhang IX Artikel 10 Anhang II, III Corporate-Governance-Kodex – – – – Workshop für die Mitglieder des Kontrollorgans – – – – Separater Abschnitt im Finanzreporting – – – – Abb.6: Umsetzung der Mindestanforderungen der UEFA im Rahmen der Corporate Governance Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 253 25316 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay Premier League Football Association Deutsche Fußball Liga Deutsche Fußball Liga Handbuch der Premier League (HPL) Lizenzierungshandbuch der Football Association (LHFA) Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (LO) Anhang zur Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (LO) ab Saison 2010/11 ab Saison 2010/11 Finanzreporting Performance- Messung Finanzreporting Performance- Messung Richtlinie B.4 Richtlinie 2.6 Richtlinie 14.3 Anhang VI Paragraph 1 bzw. 9 Anhang VII Nr. 5.4 Anhang IX. X Richtlinie C.82.6 Anhang IV Nr. 26 Richtlinie 14.3 Anhang IV Paragraph 4 Nr. 5 Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X Richtlinie B.16.1 Anhang III Nr. 10 Richtlinie 14.3 Anhang III Paragraph 5 Nr. 1 Bst. D Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X Richtlinie C.82.6 Anhang IV Nr. 26 Richtlinie 14.3 Anhang IV Paragraph 4 Nr. 5 Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X – – – Paragraph 1 bzw. 9 Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X Richtlinie D.2 – – – – – Richtlinie C.91.1 – – – – – Richtlinie D.1.14 Anhang VI – Richtlinie 14.3 Anhang VI Paragraph 8a Nr. 1.2 Anhang VII Teil II Abschnitt B Anhang IX. X X X – – – – – – – – – – – – – – – – Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 254 Mario Hamm254 Board of Directors in einem separaten Abschnitt über die Corporate Governance des jeweiligen Fußballunternehmens berichten und darauf eingehen sollten, ob bestimmte Mindestanforderungen des Corporate-Governance-Kodexes nicht eingehalten wurden. Insbesondere nach der Einführung des Financial-Fairplay-Konzepts ist es erstaunlich, warum die UEFA keine weiterführenden direkten Mindestanforderungen an die Corporate Governance von Fußballunternehmen stellt. Die wirtschaftliche Schieflage bzw. die drohenden Insolvenzen von einigen englischen und deutschen Fußballunternehmen ist nicht nur eine Gefahr für die Integrität des Wettbewerbs, sondern insbesondere eine Gefahr für die Mitglieder der Geschäftsführung und des Kontrollorgans. 16.5 Maßnahmen zur Verbesserung der Corporate Governance von Fußballunternehmen Die Mindestanforderungen im Rahmen der Corporate Governance resultieren im Wesentlichen aus den „rechtlichen Kriterien“ und „personellen Kriterien“ des UEFA Klublizenzierungsreglements2010. Die rechtlichen Kriterien beziehen sich u. a. auf die Beschränkung der Eigentümerverhältnisse. So ist es nach Artikel  12 Abs. 2 UEFA Klublizenzierungsreglement2010 Einzelpersonen und Unternehmen untersagt, mehrere wesentliche Beteiligungen bei mehreren Fußballunternehmen zu haben. Aus den  Mindestanforderungen der personellen Kriterien ergeben sich für bestimmte Personen des Fußballunternehmens bestimmte fachliche Mindestanforderungen. Im Gegensatz zu Geschäftsführer und Finanzverantwortlichem des Fußballunternehmens ergeben sich aus dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010 keine fachlichen Mindestanforderungen an den Eigentümer/Präsidenten und an die Mitglieder des Kontrollorgans. Im Hinblick auf das Kontroll- und Risikomanagementsystem ergeben sich aus dem UEFA Klublizenzierungsreglement2010 keine direkten Mindestanforderungen. Es lassen sich lediglich indirekte Hinweise aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers nach den Bestimmungen des International Standard on Review Engagements (ISRE) 2410 ableiten, ob bei der Analyse des Kontroll- bzw. Risikomanagementsystem Schwachstellen festgestellt wurden, die wesentlichen Einfluss auf das Finanzreporting haben. Beinhaltet das Finanzreporting des Fußballunternehmens zukunftsbezogene Finanzinformationen, so ergeben sich nach den Bestimmungen der International Standard on Related Services (ISRS) 4400 weitere indirekte Hinweise aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfers, so bspw. ob die zukunftsbezogenen Finanzinformationen plausibel sind und darüber hinaus ordnungsgemäß aus dem Controllingsystem des Fußballunternehmens abgeleitet wurden. Ein direkter Hinweis auf einzelne Aufgaben der Mitglieder des Kontrollorgans ergibt sich lediglich für englische Fußballunternehmen nach Richtlinie D.1.14 i. V.m. Anhang VI HPL2010. Danach hat der Bericht des Board of Directors innerhalb der Finanzinformationen eine Bestätigung zu enthalten, dass durch die individuellen internen Kontroll- bzw. Risikomanagementsysteme nach Richtlinie D.34 HPL2010 bspw. sämtliche wesentlichen Finanztransaktionen in der Buchhaltung erfasst worden sind, alle Transfers im Rahmen der individuellen Transferpolitik stattgefunden haben und die Vergütungen der Spieler im Einklang mit deren Verträgen stehen. Mit dem Corporate-Governance-Kodex der FA existiert darüber hinaus seit 2005 ein Leitfaden, mit dessen Hilfe die englischen Fußballunternehmen Verbesserungsmaßnah- Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 255 25516 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay men für die individuelle Corporate Governance des jeweiligen Fußballunternehmens ableiten können. Anhand der Prinzipien der Corporate Governance unterscheidet der Corporate-Governance-Kodex der FA dabei zwischen den vier Kategorien „Board of Directors“, „internes Kontroll- und Risikomanagementsystem“, „Einhaltung von Richtlinien und gesetzlichen Vorschriften“ und „Offenlegung und Kommunikation mit Interessengruppen“. Als Ergebnis der Pilotstudie zeigt sich, dass die wesentlichen Problemfelder im Rahmen der Corporate Governance die unterschiedlichen Erwartungshaltungen an die einzelnen Organe, die zeitlich unterschiedliche Informationsbasis sowie die z.T. eher geringe Transparenz zwischen Entscheidungsfindung und -kommunikation sind. Ein Corporate-Governance-Kodex nach dem Vorbild der FA mit den genannten vier Kategorien könnte dazu beitragen, die festgestellten Problemfelder zu beseitigen. Bezieht man darüber hinaus ein, dass die Mehrheit der im Rahmen einer Pilotstudie Befragten einen unverbindlichen Corporate-Governance-Kodex für Fußballunternehmen begrüßen würde, ist es nicht ersichtlich, warum die UEFA bei der Einführung des Financial-Fairplay-Konzepts auf einen solchen verzichtet hat. Die weitreichenden Mindestanforderungen, die das UEFA Klublizenzierungsreglement2010 an das Finanzreporting von Fußballunternehmen und an dessen Performance-Messung stellt, zielen grundsätzlich darauf ab, die Integrität des Wettbewerbs zu schützen. Ein Corporate- Governance-Kodex für Fußballunternehmen könnte Maßnahmen aufzeigen, die dazu geeignet sind, das Kontroll- und Risikomanagementsystem sowie die Tätigkeit des Kontrollorgans im Sinne einer verantwortungsvoll kontrollierten Unternehmensführung zu optimieren und dadurch die wirtschaftliche Stabilität des Fußballunternehmens zu verbessern. Die unverbindliche Anwendung dieses Corporate-Governance-Kodexes sollte dazu beitragen, das Finanzreporting und die Performance-Messung von Fußballunternehmen aufzuwerten. Neben einem Corporate-Governance-Kodex sollte die UEFA in Kooperation mit den nationalen Fußballverbänden bzw. -ligen spezielle Workshops im Hinblick auf die Corporate Governance und Haftungsfragen für die Mitglieder des Kontrollorgans anbieten. Die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen eindeutig, dass insbesondere die Mitglieder des Kontrollorgans kaum Kontakt zum Wirtschaftsprüfer und zum Verantwortlichen für das nationale Lizenzierungsverfahren haben. Ein reger Austausch zwischen den Interessensgruppen von Fußballunternehmen und dem Fußballverband bzw. der -liga, insbesondere im Rahmen der Corporate Governance, kann für die Integrität des Wettbewerbs nur positiv gewertet werden. Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 256 Mario Hamm256 Abb.7: Geforderte und fehlende Mindestanforderungen der UEFA im Rahmen der Corporate Governance Anforderungen an die Corporate Governance UEFA UEFA Klublizenzierungsreglement2008 Klublizenzierungsreglement2010 ab Saison 2010/11 ab Saison 2011/12 vergangenheitsbezogene Informationen Finanzreporting Performance- Messung Finanzreporting Performance- Messung zukunftsbezogene Informationen ergänzende bzw. nachträgliche Informationen weitere Mindestanforderungen im Sinne der Corporate Governance Mitglied des Fußballverbandes bzw. der -liga Artikel 12 Abs. 1 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 12 Abs. 1 Artikel 10 Anhang II, III Organe des Fußballunternehmens – Eigentümer/Präsidenten Artikel 42 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 44 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III – Mitglieder der Geschäftsführung Artikel 28 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 27 Artikel 10 Anhang II, III – Mitglieder des Kontrollorgans Artikel 42 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III Artikel 44 Abs. 2 Artikel 10 Anhang II, III Tests im Rahmen der Corporate Governance – „50+1“-Regel – – – – – Owners and Directors Test – – – – – Means and Ability Test – – – – Interne Kontroll- und Risikomanagementsysteme Artikel 10 Anhang IX Artikel 10 Anhang II, III Artikel 10 Anhang IX Artikel 10 Anhang II, III Corporate-Governance-Kodex – – – – Workshop für die Mitglieder des Kontrollorgans – – – – Separater Abschnitt im Finanzreporting – – – – Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 257 25716 Corporate Governance im Zeitalter des UEFA Financial Fairplay Premier League Football Association Deutsche Fußball Liga Deutsche Fußball Liga Handbuch der Premier League (HPL) Lizenzierungshandbuch der Football Association (LHFA) Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (LO) Anhang zur Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (LO) ab Saison 2010/11 ab Saison 2010/11 Finanzreporting Performance- Messung Finanzreporting Performance- Messung Richtlinie B.4 Richtlinie 2.6 Richtlinie 14.3 Anhang VI Paragraph 1 bzw. 9 Anhang VII Nr. 5.4 Anhang IX. X Richtlinie C.82.6 Anhang IV Nr. 26 Richtlinie 14.3 Anhang IV Paragraph 4 Nr. 5 Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X Richtlinie B.16.1 Anhang III Nr. 10 Richtlinie 14.3 Anhang III Paragraph 5 Nr. 1 Bst. D Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X Richtlinie C.82.6 Anhang IV Nr. 26 Richtlinie 14.3 Anhang IV Paragraph 4 Nr. 5 Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X – – – Paragraph 1 bzw. 9 Anhang VII Nr. 5.3.1 Anhang IX. X Richtlinie D.2 – – – – – Richtlinie C.91.1 – – – – – Richtlinie D.1.14 Anhang VI - Richtlinie 14.3 Anhang VI Paragraph 8a Nr. 1.2 Anhang VII Teil II Abschnitt B Anhang IX. X X X – – – – – – – – – – – – – – – – Vahlen Allgemeine Reihe – Galli u.a. – Sportmanagement (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 26.07.2012 Status: Imprimatur Seite 258 Mario Hamm258 Literaturverzeichnis DFL: Fluch oder Segen?, in: Bundesliga Magazin 4/2008, 46–48. Frank, E.: Working Paper No. 124 – „Zombierennen“ und „Patenonkel“ – Warum deutsche Fussballklubs in der Champions League den Kürzeren ziehen, Zürich, 2010; http://www.isu.uzh.ch/static/ISU_WPS/124_ISU_full.pdf (13.12.2010). 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References

Zusammenfassung

"Das vorliegende Handbuch [...] gibt eine exzellente Orientierung für modernes und professionelles Sportmanagement [...]"

Wolfgang Niersbach

Präsident des Deutschen Fußball-Bundes

Immer weiter reichende ökonomische Aktivitäten und damit verbundene Risiken - Entscheidungsträger im professionellen Sport müssen nicht nur ihren Partnern aus der Wirtschaft auf gleicher Augenhöhe begegnen, sie müssen vielmehr die Klubs und deren Tochtergesellschaften bzw. die Organisationseinheiten um Einzelsportler in entsprechender Weise ausrichten und leiten, um den sportlichen vor allem aber den ökonomischen Wettbewerb erfolgreich bestreiten zu können.

Dieses umfassende Handbuch liefert Ihnen Lösungen zu den zentralen Fragen im professionellen Sportmanagement - es stellt die wesentlichen Ansatzpunkte für die unternehmerische Führung und die dafür notwendigen Grundlagen aus Betriebswirtschaftslehre, Steuern und Recht vor.

Vor allem am Beispiel des aus der ökonomischen Perspektive am weitesten entwickelten professionellen Fußballsports richtet sich dieses praxisorientierte Nachschlagewerk insbesondere an Verantwortliche in Klubs - Vereinsvorstände, Organe der Kapitalgesellschaften, Leiter der betriebswirtschaftlichen Bereiche und deren Mitarbeiter -, natürlich aber auch an Einzelsportler und ihre Berater sowie an Kapitalgeber, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Studierende.

Über die Autoren und Herausgeber

Das Handbuch "Sportmanagement" ist ein Gemeinschaftswerk von ausgewiesenen Praktikern, die über langjährige Erfahrungen im professionellen Sport verfügen. Es wird herausgeben von Prof. Dr. Albert Galli, Prof. Dr. Vera-Carina Elter, Prof. Dr. Dr. h.c. Rainer Gömmel, Wolfgang Holzhäuser und Wilfried Straub.

"(...) Wenn das Buch auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, es befasse sich nur mit dem Profisport, so ist das ein falscher Eindruck. Da es sich in allen Teilbereichen um einen professionellen Umgang mit dem Sport bemüht, ist es bestimmt auch für den "normalen" Vereinsführer ein hilfreiches Werk. Hilfreich ist auch die klare Gliederung in kurze Artikel zu Teilbereichen."

In: Der Budoka 12/2002, zur 1. Auflage