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A. Traditioneller Ansatz in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 77 - 78

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_77

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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II. Internes Kontrollsystem A. Traditioneller Ansatz Unter dem Begriff Internes Kontrollsystem (IKS) ist die Summe aller in einem Unternehmen installierten generellen, strategischen und operativen Kontrollen zu verstehen. Nach h.M. stellt das IKS einen Bestandteil des RMS nach § 91 Abs. 2 AktG dar,125 wobei seine Aufbauund Ablauforganisation sich nach branchen- und unternehmensspezifischen Besonderheiten richten (z. B. IKS bei Kreditinstituten oder Revisions- und Treuhandbetrieben).126 Den gesetzlichen Vertretern des Unternehmens kommt die Aufgabe zu, das IKS einzurichten und fortzuentwickeln. Vor demHintergrund der traditionellen Auffassung, Kontrollen als in die Ablauforganisation integrierte permanente Soll-Ist-Vergleiche zu definieren, besteht ein Unterschied zur angelsächsischen Systematisierung, nach der u. a. auch prozessunabhängige Überwachungsmaßnahmen zum Aufgabenbereich des IKS gehören.127 Diese Funktionen kommen nach der herkömmlichen Abgrenzung zwischen Kontrolle und Prüfung128 in erster Linie der Internen Revision, demAbschlussprüfer und dem Aufsichtsrat zu. Lange wurde im Schrifttum die Meinung vertreten, dass das IKS „. . . sowohl den Organisationsplan als auch sämtliche aufeinander abgestimmteMethoden undMaßnahmen in einemUnternehmen, die dazu dienen, sein Vermögen zu sichern, die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Abrechnungsdaten zu gewährleisten und die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschäftspolitik zu unterstützen“129 umfasst. Aus dieser Begriffsbestimmung können folgende Funktionen des IKS abgeleitet werden:130 · Sicherung und Schutz vor Vermögensverlusten. · Gewinnung exakter, aussagefähiger und aktueller Informationen. · Förderung der Zielerreichung durch Auswertung der gewonnenen Informationen. · Lieferung von Entscheidungshilfen zum Zwecke der Einhaltung der festgelegten Unternehmenspolitik. Obwohl vor allem in der älteren Betriebswirtschaftslehre der Begriff des IKS im Zusammenhangmit den Systemendes Finanz- undRechnungswesensVerwendung gefunden hat (z. B. Cash Flow-, Erlös-, Finanzierungs-, Investitions-, Kosten-, Liquiditätsund Vermögenskontrollen), betrifft der in Rede stehende Terminus im Grundsatz sämtliche Unternehmensbereiche und -prozesse. So schließt das IKS auch etwaAkquisitions-, Fluktuations-, Frühwarn-, Innovations-, Qualitäts-, Schadstoff- und Wachs- 125 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II. E. 2. 126 Vgl. hierzuDörner/Horváth/Kagermann (2000); Gleißner (2008). 127 Vgl. IDW PS261, Rz. 19–25, S. 10–14. Das IDW vertritt an dieser Stelle auch die m. E. nicht zutreffende Auffassung, dass das RMS Teil des IKS ist. 128 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II. C. 129 Neubert (1959), S. 9. 130 Vgl. IDW (1996), S. 1312;Neubert (1959), S. 9. 52 ¢ Zweiter Teil: Betriebswirtschaftliche Kontrolle tumskontrollprozesse mit ein. In seiner Gesamtheit dokumentiert das IKS die Auffassung des Management, mit welchem Ausmaß und mit welcher Intensität Entscheidungsprozesse innerhalb des Unternehmens permanent überwacht werden sollen. Das hieraus resultierende Prüfungsurteil über dieQualität des IKS (Systemprüfung), d. h. über kontrollstarke oder kontrollschwache Unternehmensbereiche, hat dann Einfluss auf sich anschließendeweiterführende prozessunabhängigeÜberwachungsmaßnahmen, die z. B. von der Internen Revision, vom Wirtschaftsprüfer oder vom Aufsichtsrat nach pflichtmäßigemErmessen durchgeführt werdenmüssen oder können. B. Angelsächsischer Control-Ansatz Der in jüngerer Zeit immer mehr in den Mittelpunkt der betriebswirtschaftlichen Überwachungslehre rückende Control-Ansatz geht über die traditionelle Begriffsfassung des IKS hinaus, wobei die angelsächsische Bezeichnung „Control“ dem deutschen Terminus „Controlling“ entspricht.131 Ziel des US-amerikanischen COSO- Reports132 von 1992war es zum einen, den Begriff Internal Control einheitlich zu definieren. Zum anderen beabsichtigte der Report, einen Standard für Überwachungssysteme in der unternehmerischen Praxis zu schaffen undMöglichkeiten aufzeigen, diese zu verbessern.133 Der COSO-Report hat erheblichen Einfluss auf die Konzeptionierung unternehmerischer Überwachungs- und Steuerungssysteme ausgeübt und ist zwischenzeitlich insbesondere auch in die Prüfungstheorie und -praxis134 eingegangen.135 Da er in seiner deutschsprachigen Interpretation die Felder Überwachung und Controlling in ein geschlossenes Konzept aufnehmen kann,136 stellt er ein mögliches Erklärungs- und auchGestaltungsmodell für die Bedeutung des Controlling im Rahmen der Unternehmensüberwachung dar. Der im Vergleich zum traditionellen IKS-Ansatz neuere Internal Control-Ansatz fußt auf dem angelsächsischen Control-Begriff und prägt ein anderes, weiter gefasstes Verständnis der internen Kontrolle und damit der unternehmerischen Überwachung. In Übereinstimmung mit der deutschen Controllinginterpretation, die ebenfalls aus dem angelsächsischen Control-Begriff hergeleitet ist, charakterisieren zahlreiche mögliche Übersetzungen wie Lenken, Steuern, Überwachen, Planen und Kontrollieren dieses Konzept. Damit ist der Inhalt des Control-Terminus umfassender als der Be- 131 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II. E. 2. 132 Die vom Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO) ver- öffentlichte Verlautbarung Internal Control – Integrated Framework (sog. COSO-Report) besteht aus den vier Teilen Executive Summary, Framework, Reporting to External Parties und Evaluating Tools. Vgl. COSO (1994), Executive Summary, S. 1–5; Paetzmann (2008), S. 96–102. 133 Vgl. COSO (1994), Executive Summary, S. 1. 134 Der US-amerikanische Prüfungsstandard AU 319 übernahm 1995 die Internal Control-Definition des COSO-Reports: AU 319 „Consideration of Internal Control in a Financial Statement Audit“, as modified in 1995 by Statement on Auditing Standards No. 78. Vgl. AICPA 1998, SAS 55, AU 319. Vgl. etwa IDW (2000), R Tz. 45–47, S. 1706. 135 Zudem wurde das Internal Control-Konzept durch den COSO-Report II von 2004 um weitere Zielkategorien, die sich vor allem auf Strategie-, Chancen-, Risiko- und Reportingaspekte beziehen, erweitert. Vgl. COSO (2004). 136 Vgl.Horváth (2003), S. 211–218.

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.