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C. Strukturen betriebswirtschaftlicher Kontrollen in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 73 - 77

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_73

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
I. Unternehmenspolitik und Kontrolle ¢ 47 knüpfung zwischen Planung und Kontrolle wird auch durch das Erfordernis zur Formulierung operationaler Planungsziele deutlich. Kontrollen sollen im Grundsatz die erforderlichen Voraussetzungen schaffen, damit Fehler in der Planung oder Fehler in der Realisation erkannt und entsprechende Korrekturmaßnahmen eingeleitet werden können.115 Wie bereits erwähnt wurde, kommt dem Controlling die Funktion zu, der Unternehmensleitung Führungshilfe bei der Zielbildung, Planung, Kontrolle, Koordination und Information zu leisten. Mithin fällt u. a. der Aufbau und Einsatz betriebswirtschaftlicher Kontrollen aus genereller, strategischer und operativer Sicht in den Funktionsbereich des Controlling (sog. Kontrollfunktion des Controlling). Abbildung 20 verdeutlicht die vernetzte Ablauforganisation des Controlling in einem Industrieunternehmen.116 C. Strukturen betriebswirtschaftlicher Kontrollen Im einschlägigen Schrifttum finden sich vielfältige Systematisierungskriterien, nach denen Einteilungen betriebswirtschaftlicher Kontrollen vorgenommen werden können. Zunächst ist es sinnvoll, auf den Zeitbezug von Kontrollen abzustellen und eine Unterscheidung in Ex-post- und Ex-ante-Kontrollen vorzunehmen. Ex-post-Kontrollen tragen vergangenheitsorientierten Charakter, beziehen ihre Informationen aus in der Realität abgeschlossenen Prozessen und basieren stets auf erreichten Kontrollgrößen (z. B. Kosten, Umsätze, Marktanteile), in die die Wirkung von Störelementen bereits Eingang gefunden haben. Derartige Soll-Ist-Vergleiche werden deshalb auch mit dem Begriff „ergebnisorientierte Kontrollen“ belegt. Ex-ante-Kontrollen verwenden als Kontrollgrößen hingegen zukunftsbezogene Messwerte (z. B. aufgrund von Prognose- oder Simulationsrechnungen ermittelte Cash Flows), so dass im Rahmen einer Soll-Wird-Betrachtung zukünftige Abweichungen erkannt werden, um aus diesen Frühwarninformationen möglichst rechtzeitig (strategische) Gegensteuerungsmaßnahmen einleiten zu können, bevor die Wirkung der Störgrößen eintritt. Allerdings basieren auch bei Ex-ante-Kontrollen die Kontrollgrößen auf (bereinigten) Istwerten, die in der Praxis häufig dem betrieblichen Rechnungswesen entnommen werden. So sind etwa mit Hilfe mathematisch-statistischer Verfahren (z. B. Trendberechnungen, Extrapolationen)117 Prognosen über die zukünftigen Auftragseingänge und damit das Erfolgspotenzial des Unternehmens möglich, wenn die Auftragseingänge der wichtigsten Kunden über mehrere Monate aufgezeichnet werden. Insofern erscheint es gerechtfertigt, auch im Rahmen der Ex-ante-Kontrollen von einem Soll- Ist-Vergleich zu sprechen. 115 Vgl. Pfohl/Stölzle (1997), S. 12. 116 Entnommen von Hahn/Hungenberg (2001), S. 27. Vgl. hierzu auch Abbildung 1 im Ersten Teil zu Gliederungspunkt I. 117 Vgl. hierzu Freidank (2008), S. 251–261. 48¢ Zw eiter Teil: B etrieb sw irtsch aftlich e K o n tro lle A b b ild u n g 20: A b lau fo rg an isatio n d es C o n tro llin g in ein em In d u strieu n tern eh m en I. Unternehmenspolitik und Kontrolle ¢ 49 Betriebswirtschaftliche Kontrollen stellen mithin vergangenheits- oder zukunftsorientierte, permanente Soll-Ist-Vergleiche dar, die fest in innerbetriebliche Arbeitsabläufe integriert sind. Betriebswirtschaftliche Kontrollen geben den Verantwortlichen wichtige Hinweise über den Grad der Zielerreichung, notwendige Beseitigungsmaßnahmen, den Planungsaufbau und die Budgetierung in den Folgeperioden. Mithin repräsentieren Kontrollen laufende Informationsgewinnungsprozesse, die aus für das künftige Unternehmensgeschehen auszuwertenden Vergleichen von Soll- und Istgrößen bestehen. Die Stufen eines Kontrollablaufes lassen sich wie folgt systematisieren:118 · Konstatierung der Abweichung durch Gegenüberstellung von Sollgröße (Vergleichsgröße) und Istgröße (Kontrollgröße) des betreffenden Kontrollobjektes (Soll-Ist-Vergleich). · Auswahl kontrollbedürftiger Abweichungen. · Analyse der ausgewählten Abweichungen. · Veranlassung von Beseitigungsmaßnahmen zum Zwecke der Erreichung der Sollausprägung der Kontrollobjekte. · Veranlassung von Planungs- bzw. Zieländerungen. Unter Kostenaspekten stellt sich für die Unternehmensleitung die Frage, ob sämtliche Kontrollobjekte in die Abweichungsanalyse einzubeziehen sind (geschlossener Soll-Ist-Vergleich) oder aber lediglich die durch die Verantwortlichen beeinflussbaren Objekte im Sinne des Responsibility Accounting119 Gegenstand der Betrachtung sein sollen. Während für die geschlossene Form spricht, dass den Kontrollinstanzen und/oder den Verantwortlichen jederzeit ein Überblick über die gesamte Abweichungsstruktur der entsprechenden Kontrollobjekte gegeben werden kann, besteht der Vorteil des partiellen Soll-Ist-Vergleichs in der schnelleren und kostengünstigeren Durchführung. Allerdings dürfte dieses Argument im Verhältnis zum geschlossenen Vergleich vor dem Hintergrund der Möglichkeit IT-gestützter Abweichungsermittlungen zwischenzeitlich an Gewicht verloren haben. Entscheidungshilfen bieten in diesem Zusammenhang entwickelte stochastische Modelle, die darauf abzielen, Verhaltensempfehlungen für die Abweichungsauswertung zu geben, wobei in kontrollierbare (zufallsbedingte) und unkontrollierbare (systematische) Abweichungsursachen unterschieden wird. Die Entscheidung für eine Abweichungsauswertung erfolgt bei den in Rede stehenden Modellen unter Berücksichtigung der Auswertungskosten und desAuswertungsnutzens. Auf diese Modelle wird imweiteren Verlauf der Abhandlung noch eingegangen.120 Von entscheidender Bedeutung ist im Rahmen der Abweichungsanalyse, dass eine eindeutige Rückführung der Differenzen zwischen Vergleichs- und Kontrollgröße auf bestimmte Einflussgrößen (z. B. Planung, Mangel, Schwäche, Unwirtschaftlichkeit, Fälschung, Manipulation) gelingt, so dass für künftige Perioden die Einhaltung der Sollwerte und damit ein optimaler Vollzug der unternehmerischen Abläufe sichergestellt werden kann.121 118 Vgl. hierzu Lenz (2002a), Sp. 981–984. 119 Vgl. hierzu Reichelstein (2002), Sp. 1703–1713. 120 Vgl. hierzu die Ausführungen im Zweiten Teil zu Gliederungspunkt IV. A. 121 Vgl. hierzu Lengsfeld/Schiller (2007), Sp. 1–7. 50 ¢ Zweiter Teil: Betriebswirtschaftliche Kontrolle Betriebswirtschaftliche Kontrollen sind folglich dadurch gekennzeichnet, dass sie neben der Ermittlung und Analyse auch auf eine Beseitigung der Abweichungen abzielen. Folglich umfasst der gesamte Kontrollablauf neben dem eigentlichen Soll-Ist-Vergleich auch sämtliche prozessintegrierte Regelungen zur Erreichung der Unternehmensziele. Ein besonderer Stellenwert kommt im System der Unternehmensüberwachung schließlich Kontrollrechnungen zu, die eine Verarbeitung quantitativer Daten unter Berücksichtigung operational formulierter Ziele vornehmen und somit im Rahmen des Soll-Ist-Vergleichs in der Lage sind, Abweichungen von den Zielerreichungsgraden der einzelnen Kontrollobjekte einflussgrößenbezogen exakt zu messen. Hierdurch werden für die Kontrollträger die notwendigen Voraussetzungen für eine aussagefähige Abweichungsanalyse und ggf. für die Einleitung von Beseitigungsmaßnahmen der ermittelten Soll-Ist-Differenzen geschaffen. Eine lange Tradition in der Betriebswirtschaftslehre hat etwa der Einsatz von operativen Erlös- und/oder Kostenkontrollrechnungen.122 In jüngerer Zeit sind Kontrollrechnungen hingegen darauf ausgerichtet worden, für qualitative (Ober-)Ziele, wie etwa Zunahme des Marktwertes des Eigenkapitals, Qualitätssteigerung, Kundenzufriedenheit, Senkung des Produktionsrisikos oder Steigerung der Mitarbeiterfähigkeiten, Maßgrößen (Kennzahlen) zu finden, mit deren Hilfe ein aussagefähiger, ggf. interdependenter Soll-Ist-Vergleich möglich wird. Das einschlägige anglo-amerikanische Schrifttum spricht in diesem Zusammenhang vom Value Based Performance Measurement.123 Ausfluss dieser gegenwärtig im Zentrum der betriebswirtschaftlichen Diskussion stehende Wertorientierung, ist das Shareholder Value-Konzept, nach dem die zur Verfügung stehenden Mitteleinsätze dergestalt zu planen, zu steuern und zu kontrollieren sind, dass eine Steigerung des Unternehmenswertes, verstanden als Zukunftserfolgswert, erreicht wird.124 122 Vgl. etwa Ewert/Wagenhofer (2008), S. 307–390; Freidank (2008), S. 204–242; Glaser (2007), Sp. 1079–1089; Ossadnik (2009), S. 133–171 und die Ausführungen im Zweiten Teil zu Gliederungspunkt IV. C. 123 Vgl. Dinter/Swoboda (2001), S. 247–285; Gleich (2001); Günter (2002), Sp. 2658–2675; Müller (2007), S. 1513–1518. 124 Vgl. hierzu die Ausführungen im Zweiten Teil zu Gliederungspunkt I. A. II. Internes Kontrollsystem A. Traditioneller Ansatz Unter dem Begriff Internes Kontrollsystem (IKS) ist die Summe aller in einem Unternehmen installierten generellen, strategischen und operativen Kontrollen zu verstehen. Nach h.M. stellt das IKS einen Bestandteil des RMS nach § 91 Abs. 2 AktG dar,125 wobei seine Aufbauund Ablauforganisation sich nach branchen- und unternehmensspezifischen Besonderheiten richten (z. B. IKS bei Kreditinstituten oder Revisions- und Treuhandbetrieben).126 Den gesetzlichen Vertretern des Unternehmens kommt die Aufgabe zu, das IKS einzurichten und fortzuentwickeln. Vor demHintergrund der traditionellen Auffassung, Kontrollen als in die Ablauforganisation integrierte permanente Soll-Ist-Vergleiche zu definieren, besteht ein Unterschied zur angelsächsischen Systematisierung, nach der u. a. auch prozessunabhängige Überwachungsmaßnahmen zum Aufgabenbereich des IKS gehören.127 Diese Funktionen kommen nach der herkömmlichen Abgrenzung zwischen Kontrolle und Prüfung128 in erster Linie der Internen Revision, demAbschlussprüfer und dem Aufsichtsrat zu. Lange wurde im Schrifttum die Meinung vertreten, dass das IKS „. . . sowohl den Organisationsplan als auch sämtliche aufeinander abgestimmteMethoden undMaßnahmen in einemUnternehmen, die dazu dienen, sein Vermögen zu sichern, die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Abrechnungsdaten zu gewährleisten und die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschäftspolitik zu unterstützen“129 umfasst. Aus dieser Begriffsbestimmung können folgende Funktionen des IKS abgeleitet werden:130 · Sicherung und Schutz vor Vermögensverlusten. · Gewinnung exakter, aussagefähiger und aktueller Informationen. · Förderung der Zielerreichung durch Auswertung der gewonnenen Informationen. · Lieferung von Entscheidungshilfen zum Zwecke der Einhaltung der festgelegten Unternehmenspolitik. Obwohl vor allem in der älteren Betriebswirtschaftslehre der Begriff des IKS im Zusammenhangmit den Systemendes Finanz- undRechnungswesensVerwendung gefunden hat (z. B. Cash Flow-, Erlös-, Finanzierungs-, Investitions-, Kosten-, Liquiditätsund Vermögenskontrollen), betrifft der in Rede stehende Terminus im Grundsatz sämtliche Unternehmensbereiche und -prozesse. So schließt das IKS auch etwaAkquisitions-, Fluktuations-, Frühwarn-, Innovations-, Qualitäts-, Schadstoff- und Wachs- 125 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II. E. 2. 126 Vgl. hierzuDörner/Horváth/Kagermann (2000); Gleißner (2008). 127 Vgl. IDW PS261, Rz. 19–25, S. 10–14. Das IDW vertritt an dieser Stelle auch die m. E. nicht zutreffende Auffassung, dass das RMS Teil des IKS ist. 128 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II. C. 129 Neubert (1959), S. 9. 130 Vgl. IDW (1996), S. 1312;Neubert (1959), S. 9.

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.