Content

G. Zusammenfassung in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 63 - 66

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_63

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
36 ¢ Erster Teil: Einführung, Begriffsklärung und Systematisierung in das Corporate Governance-Statement relevante Angaben zu Unternehmensführungspraktiken, die über die gesetzlichen Anforderungen (d. h. die Regelungen des DCGK) hinaus angewendetwerden, und eine Beschreibung derArbeitsweise vonVorstand und Aufsichtsrat sowie der Zusammensetzung und Arbeitsweise von deren Ausschüssen aufzunehmen (§ 289a Abs. 2 Nr. 2 undNr. 3 HGB). Zu dem Berichterstattungserfordernis nach § 289a Abs. 2 Nr. 3 HGB gehören zumindest Angaben zur Aufteilung der Organmitglieder auf gebildete Ausschüsse (z. B. Strategie-, Prüfungs- oder Vergütungsausschuss), zur Sicherstellung der neuen fachlichen Qualitätsanforderungen an Aufsichtsrats- bzw. Prüfungsausschussmitglieder nach § 100 Abs. 5 i.V.m. § 107Abs. 4 AktG,81 der Erfüllung der in § 107Abs. 3 Satz 2AktG genanntenAufgaben eines Prüfungsausschusses sowie zu den getroffenen Regelungen zur Realisierung der Informationsversorgung des Aufsichtsrats durch den Vorstand. Allerdings stellt § 317 Abs. 2 Satz 3 HGB klar, dass die Angaben bezüglich der Erklärung zur Unternehmensführung nach § 289a HGB nicht in die Lageberichtsprüfung einzubeziehen sind. Offensichtlich wollte der Gesetzgeber mit dieser Einschränkung eine Erweiterung der Ordnungsmäßigkeitsprüfung des Lageberichts in Richtung auf eineGeschäftsführungsprüfung82 verhindern.83 G. Zusammenfassung Überwachung beinhaltet traditionell den Vorgang des Vergleichens von Ist- und Normzuständen bestimmter Überwachungsobjekte. Zweck der Überwachungsmaßnahmen ist dieGewinnung von Informationen über Abweichungen oderÜbereinstimmungen von Ist- und Normzuständen, um festzustellen, ob betriebliche Handlungen im Sinne der gesetzten Unternehmensziele oder gesetzlicher Vorschriften normadäquat durchgeführt werden. Die betriebswirtschaftliche Überwachungslehre hat auf der Grundlage kybernetischer Beschreibungen von Prüfungen und Kontrollen Ansätze für Erläuterungen sowie zurGestaltung und Prognose von Überwachungssystemen entwickelt. Dieser überwachungstheoretische Ansatz ist insbesondere durch dieWirtschaftsprüfung aufgegriffen undpräzisiertworden, die sich u. a.mit der Beurteilung und Prüfung des IKS imRahmen der Abschlussprüfung auseinandersetzt.84 Der neuere Internal-Control-Ansatz ist hingegen definiert als ein von der Unternehmensleitung und anderen Mitarbeitern bewirkter Prozess, der nicht nur auf die Verlässlichkeit der Rechnungslegung und die Einhaltung von Gesetzen abzielt, sondern u. a. auch auf die effiziente Gestaltung betrieblicher Abläufe und die Profitabilität des Unternehmens ausgerichtet ist.85 In der expliziten Integration dieser Zielkategorie liegt ein wesentlicher Unterschied zur traditionellen, überwachungstheoretisch geprägten Prüfungspraxis, wie frühere Aussagen zur Prüfung des internen Kontrollsystems zeigen: „Ob das Vermögen wirtschaftlich oder den Unternehmenszielen entspre- 81 Vgl. hierzuNowak (2010), S. 2423–2427. 82 Vgl. hierzuHülsberg (2007), S. 541–543; Velte (2010d), S. 132–139. 83 Vgl. zur Forderung einer Pflichtprüfung Velte/Weber (2011b), S. 255–260. 84 Vgl. hierzu die Ausführungen im Zweiten Teil zu Gliederungspunkt II.A. und im Dritten Teil zur Gliederungspunkt III.C.5.2.2.1. 85 Vgl. hierzu die Ausführungen im Zweiten Teil zu Gliederungspunkt II.B. II. Grundlagen der Überwachungslehre ¢ 37 chend eingesetzt wurde, ist für die Abgabe eines uneingeschränkten Bestätigungsvermerks irrelevant.“86 Internal Control beinhaltet damit nicht nur die reine Vergangenheitsbetrachtung, sondern über die Sicherstellung der Wirksamkeit und der effizienten Gestaltung betrieblicher Abläufe hinaus auch eine zukunftsgerichtete Unternehmenssteuerung. Hierzu gehört ebenfalls die strategische Überwachung, die im Rahmen des Konzepts der strategischen Kontrolle als ergänzendes Kontrollinstrument seit langem gefordert wird.87 Diese zukunftsgerichtete Steuerung entspricht wiederum dem inzwischen etablierten – und auch aus dem angelsächsischen Control abgeleiteten – Controlling-Begriff. Hieraus folgt, dass Controlling im Internal-Control-Ansatz einen Teil der Überwachung darstellt.88 Zudem wurde das Internal-Control-Konzept um weitere Zielkategorien, die sich vor allem auf Strategie-, Chancen-, Risiko- und Reportingaspekte beziehen, erweitert.89 Im Rahmen eines Überwachungsansatzes des Controlling kann das interne Überwachungssystem in die Komponenten Controlle und interne Prüfung (Revision)90 aufgespalten werden. Kontrolle als – in Abgrenzung zur Prüfung und Aufsicht – prozessabhängige Überwachungshandlung integriert neben organisatorischen Sicherungsmaßnahmen auch das Controlling. Wie Abbildung 17 zeigt, beinhaltet das umfassendere unternehmerische Überwachungssystem neben diesen Überwachungsmaßnahmen auch die externe Prüfung sowie die Aufsicht. Die Integration des RMS in das Überwachungssystem ergibt sich imWesentlichen aus der Einordnung des Controllings zu einem oder in einem internen Überwachungssystem. Vorteil dieses Ansatzes ist es, dass er die Felder Überwachung und führungsunterstützendes Controlling in ein geschlossenes Konzept aufnehmen kann. Schließlich vermag ein derartiges Überwachungssystem „. . . die Anforderungen der Unternehmensführung und der externen Prüfung zu integrieren“91. Der Überwachungsansatz des Controlling stellt im Kontext der Unternehmensführung und Überwachung eine Konzeption im Sinne eines Orientierungsrahmens (Denkmodells) dar, den es mit dem (handlungs-)praktischen Ziel der Gestaltung eines spezifischen Einzelfalles zu konkretisieren gilt.92 In Anlehnung an die – gleichwohl überwachungstheoretisch geprägte – deutschspachige Literatur, die Überwachung in die Komponenten Kontrolle, Prüfung und Aufsicht aufspaltet, wird folgende definitorische Festlegung getroffen. Interne Überwachung (Internal Control) bestehe aus Controlle93 und interner Prüfung (Revision). Controlle als – in Abgrenzung zur Prüfung und Aufsicht – prozessabhängige Überwa- 86 Maul (1977), S. 231. 87 Vgl. etwa Steinmann/Schreyögg (1986), S. 749–750. 88 Vgl. Freidank/Paetzmann (2003), S. 319; Pollanz (2001), S. 1322. 89 Vgl. hierzu die Ausführungen im Zweiten Teil zu Gliederungspunkt II.B. 90 Vgl. Freidank/Partzmann (2003), S. 319. 91 Horváth (2003), S. 218. 92 Vgl.Harbert (1982), S. 140; Reichmann (2003), S. 141–144. 93 Der Begriff der Controlle (ursprünglich nach contre-rôle im Französichen = doppelt geführtes Register) – hier nun freilich ein zweckdienendes Kunstwort – ist damit weiter geprägt als der Kontrollbegriff im tradionellen, überwachungstheoretischen Ansatz. 38 ¢ Erster Teil: Einführung, Begriffsklärung und Systematisierung chungshandlung integriert hier neben organisatorischen Sicherungsmaßnahmen auch das Controlling. Alle Überwachungsmaßnahmen der Controlle, Prüfung und Aufsicht, die auf die Zielkategorien der Internen Überwachung abgestimmt sind, formen das Interne Überwachungssystem des Unternehmens. Das umfassendere Unternehmerische Überwachungssystem beinhaltet neben diesen Überwachungsmaßnahmen auch die Externe Revision (Wirtschaftsprüfung) sowie die Aufsicht. Abbildung 17: Konkretisierung eines umfassenden unternehmerischen Überwachungssystems Zweiter Teil: Betriebswirtschaftliche Kontrolle

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.