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A. Grundlegendes in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 378 - 379

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_378

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
V. Sonderprüfungen A. Grundlegendes Im Vergleich mit den oben dargestellten periodischen Vorbehaltsprüfungen des Abschlusses und des Lageberichts privatrechtlicher Unternehmen und Konzerne weisen Sonderprüfungen (SP) fünfwesentliche Unterschiede auf: · SP finden aus zeitlicher Sicht nicht regelmäßig statt, sondern nur zu bestimmten Anlässen; · SP können den Charakter von Ordnungsmäßigkeit-, Satzungsmäßigkeit-, Zweckmäßigkeit- oder Wirtschaftlichkeitsprüfungen tragen und brauchen sich nicht ausschließlich auf den Jahres-(Konzern-)abschluss und den (Konzern-)Lagebericht beziehen; · bestimmte SP können auch von Personen oder Institutionen vorgenommen werden, die keine Wirtschaftsprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind, womit sie nicht im vollen Umfang den Vorbehaltsprüfungen zu subsumieren sind; · nicht sämtliche SP sind gesetzlich vorgeschrieben oder vorgesehen und gesetzlich geregelt; · eine internationale Harmonisierung von SP hat noch nicht umfassend stattgefunden, obwohl die internationalen Prüfungsstandards i. S. d. § 317 Abs. 5 HGB Ausstrahlungswirkungen auf die Planung, Durchführung und Berichterstattung von SP haben. Aus den vorstehenden Abgrenzungen folgt, dass dem Terminus SP nicht nur solche Prüfungen zu subsumieren sind, die der deutsche Gesetzgeber mit diesem Begriff belegt, sondern als SP gelten sämtliche Prüfungen, „. . . die aus besonderemAnlass ohne zwangsläufige Regelmä- ßigkeit zur Beurteilung rechtlich oder ökonomisch relevanter Sachverhalte vorgenommen werden, und zwar von externen, privaten Prüfern“954. Mit dieser Begriffsbestimmung werden solche SP ausgeklammert, die in den Aufgabenbereich von staatlichen Prüfern (z. B. steuerliche Außenprüfungen, Prüfungen der Rechnungshöfe oder der BaFin) oder der Internen Revision fallen.955 Als Revisionssubjekte von SP kommen in Gestalt externer, privater Prüfer Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Wirtschaftsprüfungs- und Buchprüfungsgesellschaften, aber auch andere Sachverständige wie Rechtsanwälte, Steuer- und Unternehmensberater oder Kanzleien und Beratungsunternehmen in Betracht.956 954 Veit (2006b), S. 7. 955 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II.E.4. und im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.C.2, II.D., II.E. sowie II.F.2. 956 Vgl. zu den SP im Einzelnen Förschle (2004), S. 566–621; Friedrich (2007), S. 1367–1369; Haller (2002), Sp. 1662; IDW (2002), S. 151–517; IDW (2007b), S. 197–345 und S. 405–582; Loch (2007a), S. 1264–1266; Schedelbauer (1993), Sp. 3868–3881; Schüppen/Schaub (2010); Veit (2006a). V. Sonderprüfungen ¢ 355 Abbildung 107 zeigt eine mögliche Systematisierung wichtiger SP, der im weiteren Verlauf der Abhandlung gefolgt wird. Im Hinblick auf die aktienrechtlichen SP wird der üblichen Einteilung in vorgeschriebene und vorgesehene Prüfungen gefolgt. Während die erste Gruppe die in jedem Fall zwingend vorzunehmenden SP erfasst, werden der zweiten Gruppe solche SP zugeordnet, die nur auf Antrag von Aktionären zur Durchführung kommen.957 Wie im Einzelnen zu zeigen sein wird, beinhaltet die Gruppe der sonstigen SP sowohl vorgeschriebene, vorgesehene als auch ausgewählte freiwillige Prüfungen, denen neben den aktienrechtlichen SP eine besondere Bedeutung zukommt. Abbildung 107: Systematisierung wichtiger Sonderprüfungen B. Aktienrechtliche Sonderprüfungen 1. Vorgeschriebene Sonderprüfungen 1.1 Gründungs- und Nachgründungsprüfung958 1.1.1 Ziele und gesetzliche Rahmenbedingungen Die externe Gründungsprüfung, welche die älteste Pflichtprüfung im deutschen Gesellschaftsrecht darstellt, zielt auf den Schutz der Kapitalgeber und Gläubiger vor unseriösen Unternehmensgründungen ab. Durch sie soll die ordnungsmäßige Errichtung einer AG sichergestellt werden.959 Zunächst kommt denMitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrates die Aufgabe gem. § 33 Abs. 1 AktG zu, den Hergang der Gründung einer AG zu prüfen (sog. in- 957 Gem. § 278 Abs. 3 AktG gelten die Vorschriften über die aktienrechtlichen Sonderprüfungen auch für die KGaA, sofern diese im Ersten Buch des Aktiengesetzes (§§ 1–277 AktG) geregelt sind. 958 Vgl. hierzu auch Bernais (2007), S. 577–578. 959 Vgl. IDW (2002), C Tz. 1, S. 163.

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.