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G. Zusammenfassung und Ausblick in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 376 - 378

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_376

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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352 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung 3. Außenprüfung947 Auch im Rahmen der steuerrechtlichen Außenprüfung oder Betriebsprüfung werden Prüfungshandlungen durchgeführt, die in engem Zusammenhang mit der Konzernrechnungslegung stehen. Das Ziel von Außenprüfungen besteht darin, die tatsächlichen und die rechtlichen Verhältnisse in Bezug auf die Steuern aufzuklären (§ 199 Abs. 1 AO). Grundsätzlich ist jedes Unternehmen einzeln zur Steuerzahlung verpflichtet, sofern es nicht mit anderen Unternehmen eine Organschaft bildet.948 Unter der Voraussetzung der finanziellen Eingliederung aller Organgesellschaften in die Organschaft, welche eine Stimmenmehrheit des Organträgers an den Organgesellschaften und einen langfristigen Ergebnisabführungsvertrag erfordert, wird der Organkreis steuerrechtlich wie eine einzelne Gesellschaft behandelt. Außenprüfungen erfolgen demnach allenfalls bei Mutter- oder Tochterunternehmen sowie bei Organschaften, nicht jedoch beim Gesamtkonzern. Das Hauptaugenmerk bei der Prüfung von Konzernunternehmen im Rahmen einer Außenprüfung gem. § 193 AO liegt auf der Beurteilung, ob die Voraussetzungen für das Vorliegen einesOrganschaftsverhältnisses tatsächlich gegeben sind. Ferner müssen konzerninterne Verrechnungspreise, unabhängig davon, ob eine Organschaft vorliegt oder nicht, einem Drittvergleich standhalten. Die Angemessenheit von Verrechnungspreisen spielt eine zentrale Rolle bei Transaktionen zwischen in- und ausländischen Konzernunternehmen, da hier ein besonders hohes Risiko besteht, dass über Verrechnungspreise Gewinne in Niedrigsteuerländer verlagert werden. Die Mitwirkungspflicht des § 90 Abs. 3 AO verlangt von Steuerpflichtigen bei Vorgängen mit Auslandsbezug die Erstellung von Aufzeichnungen, die die Beachtung des Grundsatzes des Drittvergleichs bei Transaktionen mit Nahestehenden belegen. Die gem. § 147 Abs. 1 AO aufzubewahrenden Unterlagen sind dem Prüfer auf Verlangen der Finanzbehörde auf einem maschinell verwertbaren Datenträger auszuhändigen, sofern die Unterlagen mit Hilfe eines Datenverarbeitungssystems erstellt wurden (§ 147 Abs. 6 AO). Diese Regelung ermöglicht dem Prüfer die Anwendung zahlreicher Prüfungsmethoden und die Durchführung von Vollprüfungen durch den Einsatz von professioneller Prüfsoftware.949 G. Zusammenfassung und Ausblick Die Einführung des BilMoG hat sowohl für Ersteller als auch die Prüfer von Konzernabschlüssen zu zahlreichen Neuerungen geführt, die unmittelbar umzusetzen sind. Auch nach der Umstellung auf die neuen Regelungen ist nicht davon auszugehen, dass sich das Reformtempo verringern wird. 947 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.D.1. 948 Vgl. hierzu im Einzelnen Bareis (2007), S. 1004–1007; Erle/Heurung (2010), S. 1094–1416; Niehus/Wilke (2009), S. 259–297. 949 Vgl. Deggendorfer Forum zur digitalen Datenanalyse (2011); Ernst & Young AG (2005); Scheer/ Hollweck (2007), S. 555–560. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 353 In diesem Zusammenhang besitzt die Frage, in welche Richtung sich die IFRS weiterentwickeln werden, eine zentrale Bedeutung. Das IASB und das FASB arbeiten nachhaltig an einer Konvergenz der IFRS mit den US GAAP. Der ursprüngliche Zeitplan, wonach das Konvergenzprojekt bis Mitte des Jahres 2011 abgeschlossen sein sollte, wurde aufgegeben. Stattdessen wird versucht, zunächst Kernproblemfelder wie den Ansatz und die Bewertung von Finanzinstrumenten, Umsatzrealisation und Fair Value-Bewertungen zu harmonisieren. Andere Themen, wie bspw. die Darstellung der Jahresrechnung oder die Behandlung von Finanzinstrumenten mit Eigenkapitalcharakter, wurden dagegen aufgrund geringerer Priorität bzw. zusätzlichen Beratungsbedarfs verschoben.950 Gravierende Konsequenzen auf die Durchführung von Konzernabschlussprüfungen könnte auch dieUmsetzung des Grünbuchs der EU haben.951 Die Maßnahmenwürden sowohl Jahres- als auch Konzernabschlussprüfungen betreffen. Für Konzerne könnten insbesondere die vorgeschlagene externe Prüferrotation sowie die verpflichtende Durchführung von Joint Audits zusammen mit kleinen und mittleren Prüfungsgesellschaften zu überproportionalen Reibungsverlusten und zusätzlichen Umstellungskosten führen.952 Dabei ist es fraglich, ob der intendierte Unabhängigkeitsgewinn tatsächlich eintritt und dieser den Nachteil der zusätzlichen Kosten kompensieren kann. Auch die direkte Anwendung der ISAs gem. § 317 Abs. 5 HGB wird potentiell dazu beitragen, dass sich die Anforderungen hinsichtlich der Prüfungsdurchführung weiter erhöhen. Aus dem Blickwinkel der deutschen Konzernabschlussprüfung ist dieser Harmonisierungsprozess weitgehend abgeschlossen, da das IDW seine Prüfungsstandards in den letzten Jahren kontinuierlich an die ISAs angepasst hat und mit Ausnahme einiger nationaler Besonderheiten inhaltlich keine wesentlichen Abweichungen bestehen. Allerdings legte sich das IAASB nach Abschluss des Clarity-Projekts im Jahr 2009 selbst eine Sperrfrist von zwei Jahren auf, in denen keine neuen ISAs in Kraft treten sollten, um den Anwendern genügend Zeit zur Implementierung der ISAs zu geben.953 Mit dem Auslaufen dieser Sperrfrist ist zu erwarten, dass wieder verstärkt neue oder geänderte Standards veröffentlicht werden, die u.U. auch von den derzeit geltenden IDW PS abweichen. Weitere Diskrepanzen können sich ergeben, wenn im Rahmen des Komitologieverfahrens zur Anerkennung der ISAs auf europäischer Ebene nicht alle Standards vollständig übernommen werden und neben den original ISAs abweichende „europäische ISAs“ entstehen. In Deutschland besteht dieses Problem auch national, da gem. § 317 Abs. 6 HGB die teilweise Nichtanwendung der ISAs sowie die Einführung weiterer Prüfungsanforderungen per Rechtsverordnung beschlossen werden können. 950 Vgl.Hallauer/Sieber (2011), S. 246–250. 951 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.A.2.2.; EU-Kommission (2010), S. 1–21; Velte/Sepetauz (2010), S. 843–849; Velte (2011b), S. 1–7. 952 Vgl.Wollmert/Oser/Orth (2010), S. 850–858. 953 Vgl. Kämpfer/Schmidt (2009), S. 47–53. V. Sonderprüfungen A. Grundlegendes Im Vergleich mit den oben dargestellten periodischen Vorbehaltsprüfungen des Abschlusses und des Lageberichts privatrechtlicher Unternehmen und Konzerne weisen Sonderprüfungen (SP) fünfwesentliche Unterschiede auf: · SP finden aus zeitlicher Sicht nicht regelmäßig statt, sondern nur zu bestimmten Anlässen; · SP können den Charakter von Ordnungsmäßigkeit-, Satzungsmäßigkeit-, Zweckmäßigkeit- oder Wirtschaftlichkeitsprüfungen tragen und brauchen sich nicht ausschließlich auf den Jahres-(Konzern-)abschluss und den (Konzern-)Lagebericht beziehen; · bestimmte SP können auch von Personen oder Institutionen vorgenommen werden, die keine Wirtschaftsprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind, womit sie nicht im vollen Umfang den Vorbehaltsprüfungen zu subsumieren sind; · nicht sämtliche SP sind gesetzlich vorgeschrieben oder vorgesehen und gesetzlich geregelt; · eine internationale Harmonisierung von SP hat noch nicht umfassend stattgefunden, obwohl die internationalen Prüfungsstandards i. S. d. § 317 Abs. 5 HGB Ausstrahlungswirkungen auf die Planung, Durchführung und Berichterstattung von SP haben. Aus den vorstehenden Abgrenzungen folgt, dass dem Terminus SP nicht nur solche Prüfungen zu subsumieren sind, die der deutsche Gesetzgeber mit diesem Begriff belegt, sondern als SP gelten sämtliche Prüfungen, „. . . die aus besonderemAnlass ohne zwangsläufige Regelmä- ßigkeit zur Beurteilung rechtlich oder ökonomisch relevanter Sachverhalte vorgenommen werden, und zwar von externen, privaten Prüfern“954. Mit dieser Begriffsbestimmung werden solche SP ausgeklammert, die in den Aufgabenbereich von staatlichen Prüfern (z. B. steuerliche Außenprüfungen, Prüfungen der Rechnungshöfe oder der BaFin) oder der Internen Revision fallen.955 Als Revisionssubjekte von SP kommen in Gestalt externer, privater Prüfer Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Wirtschaftsprüfungs- und Buchprüfungsgesellschaften, aber auch andere Sachverständige wie Rechtsanwälte, Steuer- und Unternehmensberater oder Kanzleien und Beratungsunternehmen in Betracht.956 954 Veit (2006b), S. 7. 955 Vgl. hierzu die Ausführungen im Ersten Teil zu Gliederungspunkt II.E.4. und im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.C.2, II.D., II.E. sowie II.F.2. 956 Vgl. zu den SP im Einzelnen Förschle (2004), S. 566–621; Friedrich (2007), S. 1367–1369; Haller (2002), Sp. 1662; IDW (2002), S. 151–517; IDW (2007b), S. 197–345 und S. 405–582; Loch (2007a), S. 1264–1266; Schedelbauer (1993), Sp. 3868–3881; Schüppen/Schaub (2010); Veit (2006a).

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Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.