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B. Bedeutung der Principal Agent-Theorie in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 36 - 38

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_36

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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II. Grundlagen der Überwachungslehre ¢ 9 Steuerkreismodelle (Feedforward-Systeme) aber neben der vollständigen Kenntnis und Quantifizierung aller Störgrößen auch eine exakte Prognose ihrer Auswirkungen auf die Steuergröße voraussetzen, wird zur Vermeidung der Nachteile beider Systeme eine Kombination aus Feedback- und Feedforward-Systemen vorgeschlagen. Derartige Gestaltungen sollten in der Lage sein, „. . . Prozesse derart zu steuern und zu regeln, dass die Störungen, soweit sie hinsichtlich ihrer Art und deterministischen Wirkung auf die Regelgröße bekannt sind, ausgesteuert werden, während die übrigen (unbekannten) Störgrößen ausgeregelt werden“12. Ein solches System, für welches das in einem Unternehmen installierte Controlling (Unternehmenssteuerung) als Beispiel dienen mag, lässt sich in Abänderung des Regelkreismodells vom Typ I wie in Abbildung 5 gezeigt darstellen. Abbildung 5: Kombination aus Regel- und Steuerkreissystem B. Bedeutung der Principal Agent-Theorie Während die historischen kybernetischen Erklärungsmodelle darauf ausgerichtet waren, theoretische Strukturen von Überwachungsmodellen herauszuarbeiten, die in der betriebswirtschaftlichen Realität anzutreffen sind, zielt die neuere Principal Agent-Theorie13 unter Berücksichtigung des Spannungsfeldes zwischenEigenkapitalgeber (Principal) undgeschäftsführendemManager (Agent)u. a.daraufab,die InstallationvonÜberwachungssystemenzubegründen.ErkenntnisobjektderPrincipalAgent- Theorie ist eine vertragliche Auftraggeber-/Auftragnehmer-Beziehung, d. h. dem AgentenwirdvomPrincipal dieAusführung einer bestimmtenAufgabeübertragen. Kennzeichnend für das Principal Agent-Verhältnis ist zum einen eine asymmetrische Informationsverteilung zugunsten des Agenten und zum anderen ein Interessen- 12 Baetge (1974), S. 31. 13 Vgl. hierzu Elschen (1991), S. 1002–1012; Ewert (2007a), Sp. 1–10; Paff/Zweifel (1998), S. 184– 190. 10 ¢ Erster Teil: Einführung, Begriffsklärung und Systematisierung konflikt zwischen den Parteien. Da der Agent einen bestimmten Handlungsspielraum hat, besteht die Gefahr, dass dieser seinen Freiraum zu opportunistischem Verhalten (Moral Hazard) missbraucht. Sogenannte „Hidden-Action“-Probleme, die dem Umstand entspringen, dass es dem Principal unmöglich ist, das Anstrengungsniveau des Agenten zu beurteilen, resultieren aus Informationsasymmetrien zwischen den Vertragsparteien. Dies zeigt sich u. a. im Verhältnis von Eigenkapitalgeber und Manager, der sich durch opportunistisches Verhalten für die eigene Vermehrung von „Fringe Benefits“ (z. B. in Gestalt persönlicher Einkommenmaximierung) zu Lasten der Anteilseigner interessieren wird. Informationsasymmetrien können sich aber auch auf andere Parameter, wie z. B. die Berichterstattung des Managers, beziehen. Dieses Phänomen der „Hidden-Informations“ tritt immer dann auf, wenn das Management Informationen lediglich in seinem Sinne selektiert und manipuliert an die Eigenkapitalgeber weiterleitet, um etwa dolose Handlungen oder seinen geringen Arbeitseinsatz zu verschleiern. Der aufgezeigten Problematik kannder Principal inGestalt des Eigenkapitalgebers auf zweierlei Arten begegnen: Zum einen, indem er in die Verträge mit den Agenten Anreizmechanismen wie z. B. erfolgsabhängige Entlohnungssysteme einbaut, wodurch dasManagement angehalten werden soll, der Erwartungshaltung der Eigenkapitalgeber i. S.e. Unternehmenswertsteigerung besser zu entsprechen (Bonding). Zum anderen kannderPrincipal einSystemzurÜberwachungdesAgenten installieren, umManager dadurch anzuhalten, im Interesse der Eigentümer zu handeln (Monitoring).14 Neben Hidden Actions und Hidden Informations kann sich der Informationsvorteil des Agenten gegenüber dem Principal auch auf Hidden Characteristics beziehen. Hierunter wird eine vorvertragliche Unsicherheit der Eigenkapitalgeber über die Qualität der Ausbildung und der Erfahrung des zu bestellenden Managers verstanden. Diesem Risiko können die Eigenkapitalgeber etwa durch genaue Analysen der persönlichen Eignung und der Fähigkeiten des potenziellen Managements begegnen (Screening). Allerdings sollten Manager mit einem vergleichsweise hohen Qualitätsniveau daran interessiert sein, ihre Vorzüge gegenüber den Eigenkapitalgebern glaubhaft offenzulegen (Signalling). Die einfache (positive) Principal Agent-Theorie15 ist sodann um die Perspektive des Supervisors, der etwa in Gestalt des Aufsichtsrats oder des Wirtschaftsprüfers auftritt, erweitert worden16. Da in diesen Fällen ebenfalls vertragliche Auftraggeber-/ Auftragnehmer-Beziehungen zwischen Principal und Agent vorliegen, tritt grundsätzlich die gleiche Problematik auf, die aus dem Spannungsverhältnis zwischen Eigenkapitalgeber und Management resultiert. Abbildung 6 verdeutlicht die Agency-Beziehungen zwischen Aktionären, Vorstand, Aufsichtsrat und (Konzern-) Abschlussprüfer.17 Die Integration etwa des (Konzern-) Abschlussprüfers in dieses doppelstufige Principal Agent-Modell erfolgt dergestalt, dass seine Prüfungsleistung als eine von den Aktionären deligierte Monitoringmaß- 14 Vgl. Elschen (1991), S. 1004. 15 Vgl. etwa Arrow (1985), S. 37–51; Jensen/Meckling (1976), S. 305–360. 16 Vgl.Antle (1984), S. 1–20; Lentfer (2005), S. 149–162; Portisch (1997), S. 100–118; Freidank/Pasternack (2011), S. 33–68;Tirole (1986), S. 181–214. 17 Entnommen vonWeber (2011), S. 260. II. Grundlagen der Überwachungslehre ¢ 11 nahme aufgefasst wird. In diesem Ansatz spielen neben Hidden Characteristics, Information, Action auch Hidden Transfers eine bedeutende Rolle, die auf vom Principal nicht beobachtbare Koalitionen und Transfers zwischen den Agenten beruhen und von diesen zu opportunistischem Verhalten genutzt werden können. Abbildung 6: Doppelstöckiges Principal Agent-Modell im dualistischen System der Unternehmensverfassung Lösungsansätze sind auch hier Bonding und (Self-)Monitoring. Als Beispiel kann z. B. eine Koalitionsbildung von Abschlussprüfer und Vorstand genannt werden, um Bilanzfälschungen des Vorstands nicht aufzudecken, die auf einer Erhöhung der Bemessungsgrundlagen für seine Tantiemen (z. B. Jahresüberschuss) ausgerichtet sind. Als Monitoringmaßnahme kommt hier z. B. das Enforcement in Gestalt der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. in Betracht. C. Analyse des Überwachungsbegriffs18 Wie bereits erwähnt, stellt der Terminus Überwachung denOberbegriff für sämtliche unternehmensbezogenen Überwachungsaktivitäten dar. Die im Folgenden vorzunehmenden Betrachtungen machen es unerlässlich, zunächst eine präzise Fassung des Überwachungsbegriffs mit einer Abgrenzung zu den konkurrierenden Termini Prüfung, Revision, Kontrolle und Aufsicht vorzunehmen, da mit einer derartigen Analyse zugleich die Frage beantwortet wird, welche empirischen Phänomene in die folgenden theoretischen Analysen einzubeziehen sind und welche nicht. Mit dem Terminus Prüfung und Revision wird ein Informationsbeschaffungs- und Informationsverarbeitungsprozess bezeichnet, dem die Funktion zukommt, durch einen Soll-Ist- Vergleich die Normkonformität eines Prüfungs-(Revisions-)objektes festzustellen und ein Urteil darüber abzugeben. 18 Vgl. hierzu auch Küting/Busch (2009), S. 1361–1367.

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.