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D. Prozess der Konzernabschlussprüfung in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 357 - 370

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_357

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 333 Im Ergebnis sind somit die angesprochenen Inhalte des (Konzern-)Lageberichts in die handelsrechtliche Prüfung nach § 317 Abs. 2 HGB einzubeziehen. D. Prozess der Konzernabschlussprüfung 1. Bestellung des Abschlussprüfers861 Der Konzernabschluss und der Konzernlagebericht sind gem. § 316 Abs. 2 Satz 1 HGB durch einen Abschlussprüfer zu prüfen. Der Kreis der prüfungsberechtigten Personen wird in § 319 Abs. 1 Satz 1 HGB weiter konkretisiert, indem ausschließlich Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften als mögliche Abschlussprüfer genannt werden. Zudem muss der Abschlussprüfer über eine wirksame Bescheinigung über die Teilnahme an der Qualitätskontrolle nach § 57a WPO862 oder aber über eine entsprechende Ausnahmegenehmigung derWirtschaftsprüferkammer verfügen (§ 319 Abs. 1 Satz 3 2.Halbsatz HGB). Die Vorschrift des § 319 Abs. 1 Satz 2 HGB, wonach die Einzelabschlüsse bestimmter Unternehmen auch von vereidigten Buchprüfern oder Buchprüfungsgesellschaften geprüft werden dürfen, gilt für Konzerne nicht. Die übrigen Regelungen der § 319, § 319a und § 319b HGB hinsichtlich des Ausschlusses von Einzelabschlussprüfern aufgrund der Besorgnis der Befangenheit gelten für Konzerne analog (§ 319 Abs. 5, 319a Abs. 2 und § 319b Abs. 2 HGB).863 Grundsätzlich wird der Konzernabschlussprüfer von den Gesellschaftern des Mutterunternehmens gewählt, sofern nicht bei einer GmbH oder einer kapitalistischen Personenhandelsgesellschaft i. S. d. § 264a Abs. 1 HGB der Gesellschaftsvertrag etwas anderes bestimmt (§ 318 Abs. 1 Satz 2 HGB). Nach der Wahl wird der Prüfungsauftrag durch die gesetzlichen Vertreter der Gesellschaft bzw. bei Aktiengesellschaften durch den Aufsichtsrat unverzüglich erteilt (§ 318 Abs. 1 Satz 4 HGB).864 Für den Fall, dass kein anderer Abschlussprüfer bestellt wird, gilt gem. § 318 Abs. 2 Satz 1 HGB der für die Prüfung des Einzelabschlusses des Mutterunternehmens bestellte Abschlussprüfer auch als Konzernabschlussprüfer. Hinsichtlich der gerichtlichen Bestellung und Abberufung von Abschlussprüfern besitzen wiederum dieselben Regelungen wie für den Einzelabschlussprüfer Gültigkeit.865 Sobald ein Wirtschaftsprüfer oder eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Prüfungsauftrag angenommen hat, kann dieser vom Abschlussprüfer ausschließlich aus wichtigem Grund gekündigt werden, wobei Meinungsverschiedenheiten über 861 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.4. 862 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.A.2.1.4. 863 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.3. 864 Vgl. die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.4 und im Detail IDW PS 220, S. 1–10. 865 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.4. 334 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung den Inhalt des Bestätigungsvermerks, seine Einschränkung oder Versagung nicht als wichtige Gründe anzusehen sind (§ 318 Abs. 6 HGB). Für Konzerne, die nach dem Publizitätsgesetz rechnungslegungspflichtig sind, gelten die Vorschriften des Handelsgesetzbuches sowie die Sonderreglungen für Personenhandelsgesellschaften nach § 6 Abs. 2 und Abs. 3 PublG analog (§ 14 Abs. 1 PublG). Zusätzlich bestehen Spezialnormen für Kreditinstitute in der Rechtsformder eingetragenen Genossenschaft oder des rechtsfähigen wirtschaftlichen Vereins, für eingetragene Genossenschaften, die aufgrund des Publizitätsgesetzes Konzernabschlüsse erstellen, sowie für Sparkassen. Diese sind beimVorliegen einer entsprechenden Qualifikation und Unabhängigkeit des Prüfers von ihrem jeweiligen Prüfungsverband bzw. von der Prüfungsstelle des Sparkassen- und Giroverbandes zu prüfen.866 2. Gegenstand und Umfang der Prüfung 2.1 Prüfungsgrundsätze und Prüfungstechnik867 Die Durchführung der Konzernabschlussprüfung ist, unabhängig davon, ob der Konzernabschluss nach deutschen oder internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen erstellt wurde, nach den deutschen Prüfungsgrundsätzen vorzunehmen.868 Die Konkretisierung dieser Prüfungsgrundsätze erfolgt in dem IDW PS200 und PS 201.869 Während der IDW PS 200 allgemeine Grundsätze der Durchführung von Abschlussprüfungen beinhaltet, werden im IDW PS201 konkrete Prüfungsgrundsätze, getrennt nach beruflichen und fachlichen Prinzipien dargestellt. Zusammen mit dem 2.Abschnitt des IDWPS261 stimmen die IDWPS 200 und 201 bis auf wenige Ausnahmen mit den ISAs überein.870 Darüber hinaus wurde vor kurzem der IDW EPS 320 vorgelegt, der besondere Grundsätze für die Durchführung von Konzernabschlussprüfungen enthält871 und die zuvor genannten allgemeinen Prüfungsstandards ergänzen soll. Die Planung und Durchführung der Konzernabschlussprüfung soll mit einer kritischen Grundhaltung erfolgen. So darf der Abschlussprüfer nicht ohne weiteres auf die Glaubwürdigkeit der gesetzlichen Vertreter vertrauen, sondern muss sich die jeweiligen Auskünfte auch belegen lassen. Da die Abschlussprüfung jedoch nicht speziell darauf ausgerichtet ist, Verstoß (Fraud) aufzudecken, ist über die kritische Grundhaltung hinaus i. d. R. kein besonderes Misstrauen erforderlich.872 Zu den beruflichen Grundsätzen zählen vor allem die Verhaltensregeln der § 43, § 44 und § 49 WPO, die Berufssatzung der WPK873 sowie die § 318–§ 319b und § 323 HGB. 866 Vgl. § 340k Abs. 2 und Abs. 3 HGB und § 14 Abs. 2 PublG. Nähere Erläuterungen zu diesen Prüfungsverbänden finden sich auch im Dritten Teil unter Gliederungspunkt II.C. 867 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5. 868 Vgl. IDW PS 201, Tz. 20, S. 6–7. 869 Vgl. IDW PS 200, S. 1–9 und IDW PS201, S. 1–11. 870 Vgl. IDW PS 261, S. 1–32. 871 Vgl. IDW EPS320, S. 1–39. 872 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.2.3.6 und Borcherding/Kleen (2005), S. 163–184. 873 BS WP/vBP (2011). IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 335 Demnach soll der Abschlussprüfer unabhängig, gewissenhaft, verschwiegen, eigenverantwortlich, unparteiisch und unbefangen sein.874 Zu den fachlichen Grundsätzen gehören neben den entsprechenden Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (§ 316, § 317, § 320–§ 322 HGB) und ggf. speziellen Regelungen der jeweiligen Satzung bzw. des Gesellschaftervertrages auch die Prüfungsstandards, welche die vom IDW festgestellten Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung (GoA) enthalten. Die GoA gelten sowohl für die Jahresabschlussprüfung von Einzelunternehmen als auch für die Konzernabschlussprüfung. Bei der Prüfung des Konzernabschlusses hat der Abschlussprüfer zu untersuchen, ob die gesetzlichen Vorschriften sowie ergänzende Bestimmungen des Gesellschaftsvertrages oder der Satzung beachtet wurden (§ 317 Abs. 1 Satz 2 HGB). Neben den expliziten Gesetzesregelungen ist dabei auch die Einhaltung der Grundsätze ordnungsmä- ßiger Buchführung (GoB) zu prüfen.875 Der eigentlichen Prüfung geht zunächst die Prüfungsplanung voraus, die die Entwicklung einer Prüfungsstrategie und die Erstellung eines Prüfungsprogramms auf der Grundlage des (geschäfts-)risikoorientierten Prüfungsansatzes umfasst.876 Aufgrund der Größe und Komplexität von Konzernen ist die Prüfungsplanung für diese Unternehmen von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus führen die Interdependenzen zwischen den Einzel- und Konzernabschlüssen und der enge Zeitrahmen bzgl. der Aufstellung und Prüfung der Abschlüsse zu kritischen Erfolgsfaktoren für das betreffende Prüfungsunternehmen. Bei Konzernen, deren Abschlüsse auf mehreren Stufen zu prüfen sind, ist deshalb eine frühzeitige Abstimmung des Zeitplans mit allen Abschlussprüfern, die im Konsolidierungskreis tätig sind, erforderlich.877 Daneben muss durch die personelle Planung sichergestellt werden, dass für die Prüfung eine ausreichende Anzahl unabhängiger und qualifizierter Mitarbeiter zur Verfügung steht. Die sachliche Planung befasst sich vor allem mit der Vorgabe von Prüfungszielen, der Festlegung von Prüfungshandlungen und der laufenden Überwachung des Prüfungsablaufs.878 Die jeweiligen Prüfungshandlungen werden vom Konzernabschlussprüfer eigenverantwortlich auf Basis von Kenntnissen über die Geschäftstätigkeit, Erwartungen über mögliche Fehler und der Beurteilung des konzernweiten rechnungslegungsbezogenen Kontrollsystems festgelegt. Sie sollen dabei zu hinreichend sicheren Prüfungsaussagen führen, wobei aber eine absolute Sicherheit bei Konzernabschlussprüfungen nicht zu erreichen ist. In der Regel erfolgt zunächst eine Systemprüfung, anhand derer die korrekte Erfassung und Verarbeitung von Geschäftsvorfällen geprüft wird. Daneben wird anhand von Einzelfallprüfungen das Ergebnis des Verarbeitungsprozesses untersucht. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen kommt anstatt einer Vollerhebung in geeigneten Bereichen eine Stichprobenprüfung zur Anwendung. 874 Vgl. IDW PS 201, Tz. 24–26. 875 Die Prüfung der Rechnungslegungsgrundsätze kann sich auch auf die Einhaltung deutscher, anderer nationaler oder international anerkannter Rechnungslegungsgrundsätze beziehen. Für die Prüfung von IFRS-Abschlüssen sind die handelsrechtlichen GoB z. B. nicht prüfungsrelevant. Vgl.Hömberg (2008), S. 177–193. 876 Vgl. hierzu im Einzelnen Freidank/Pasternack (2011), S. 52–59; Ruhnke/Canitz (2007), S. 447–458 und die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.2.2.2. 877 Vgl. Schnicke (2002), Sp. 1360–1370. 878 Vgl. hierzu im Einzelnen IDW EPS320, S. 1–38; IDW PS240, S. 1–10. 336 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Bedingt durch den größeren Umfang der zu prüfenden Informationen existieren zur Konzernabschlussprüfung im Gegensatz zur Jahresabschlussprüfung weiterreichende Vorlagepflichten und Auskunftsrechte. So haben die gesetzlichen Vertreter einer zur Konzernabschlusserstellung verpflichteten Kapitalgesellschaft demKonzernabschlussprüfer nicht nur den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht vorzulegen, sondern auch die Jahresabschlüsse und Lageberichte der Einzelunternehmen inklusive der jeweiligen Prüfungsberichte, sofern eine Prüfung stattgefunden hat (§ 320 Abs. 3 Satz 1 HGB). Daneben darf der Konzernabschlussprüfer die Bücher und Schriften aller Konzernunternehmen einsehen, Vermögensgegenstände und Schulden prüfen und von den gesetzlichen Vertretern sowie den Abschlussprüfern der Einzelunternehmen Aufklärungen und Nachweise verlangen (§ 320 Abs. 3 Satz 2 HGB). Im Gegensatz zum Mutterunternehmen und den Tochterunternehmen bestehen für die gesetzlichen Vertreter und die Abschlussprüfer vonGemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen keine gesetzlichen Vorlage- und Auskunftspflichten gegenüber dem Konzernabschlussprüfer.879 Die Informationsbeschaffung gestaltet sich für den Konzernabschlussprüfer dadurch ungleich schwieriger und lässt sich ggf. nur durch ein Eingreifen des Mutterunternehmens durchsetzen. Unter Umständen ist es sogar denkbar, dass der Konzernabschlussprüfer wesentliche Informationen nicht erhält und eine Prüfung unmöglich wird. In diesem Fall liegt ein Prüfungshemmnis vor, welches auch zu einer Einschränkung oder Versagung des Bestätigungsvermerkes führen kann.880 2.2 Wichtige Prüffelder 2.2.1 Einbezogene Jahresabschlüsse Da sich der Konzernabschluss aus den modifizierten Einzelabschlüssen des Mutterunternehmens und der Tochterunternehmen nach § 290 Abs. 1 HGB ergibt,881 können Unrichtigkeiten und Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben oder Regelungen aus Satzungen oder Gesellschaftsverträgen, die sich auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns auswirken, vom Konzernabschlussprüfer nur bei einer entsprechenden Kenntnis der konsolidierten Einzelabschlüsse erkannt werden. Dementsprechend ist der Konzernabschlussprüfer gem. § 317 Abs. 3 Satz 1 HGB auch zur Prüfung der einbezogenen Jahresabschlüsse verpflichtet. 879 Abweichend von Tochterunternehmen, die vomMutterunternehmen nach § 290 Abs. 1 Satz 1 HGB unmittelbar oder mittelbar beherrscht werden, werden Gemeinschaftsunternehmen von einem Konzernunternehmen und einem oder mehreren konzernfremden Unternehmen gemeinsam geführt (§ 310 Abs. 1 HGB). Sofern von einem in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen ein maßgebender Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzpolitik eines nicht einbezogenen Unternehmens i. S. d. § 311 Abs. 1 Satz 1 HGB ausgeübt wird, stellt dieses ein assoziiertes (verknüpftes) Unternehmen dar (§ 311 Abs. 1 Satz 1 HGB). 880 Vgl. IDW (2006), M Tz. 853, S. 1340. 881 Im Konzernabschluss werden auch die Jahresabschlüsse quotenkonsolidierter Gemeinschaftsunternehmen berücksichtigt. Zudem erfolgen die Konsolidierungsmaßnahmen teilweise auf der Basis von Zwischenabschlüssen oder Teilkonzernabschlüssen. Die folgenden Ausführungen zur Prüfung der einbezogenen Jahresabschlüsse gelten für diese Abschlussformen analog. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 337 Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den konsolidierungsbedingten Anpassungen, die ebenso wie die im Konzernabschluss zusammengefassten Jahresabschlüsse in entsprechender Anwendung von § 317 Abs. 1 HGB zu prüfen sind. Gerade bei weit verzweigten Konzernen mit einer Vielzahl einzubeziehender Jahresabschlüsse führt die Pflicht, auch die zusammengefassten Einzelabschlüsse zu prüfen, zu einer beträchtlichen Zusatzbelastung für den Konzernabschlussprüfer. Eine Erleichterung ergibt sich aus § 317 Abs. 3 Satz 2 HGB, nach der sich eine (nochmalige) Prüfung der Einzelabschlüsse erübrigt, wenn diese bereits von einem anderen Abschlussprüfer (Teilbereichsprüfer) geprüft wurden.882 Allerdings hat dann der Konzernabschlussprüfer dessen Arbeit zu überprüfen und dies (z. B. in den Arbeitspapieren) zu dokumentieren. Zur Feststellung der formellen Ordnungsmäßigkeit der einbezogenen Einzelabschlüsse muss der Konzernabschlussprüfer beurteilen, ob alle Geschäftsvorfälle ordnungsgemäß erfasst und verarbeitet wurden und dabei die formalen Ordnungsprinzipien des Handelsrechts sowie der GoB oder sonstiger maßgeblicher Rechnungslegungsgrundsätze beachtet wurden.883 Als Prüfungshandlungen kommen neben Abstimmungs- und Übertragungsprüfungen auch rechnerische Prüfungen sowie Belegprüfungen in Betracht. Einen besonderen Schwerpunkt bei der Prüfung der einbezogenen Jahresabschlüsse stellt die Prüfung der Handelsbilanzen II dar. Zunächst ist zu prüfen, ob die jeweiligen Handelsbilanzen II zu einem einheitlichen Stichtag aufgestellt wurden. Bei abweichenden Abschlussstichtagen in den Einzelabschlüssen ist die ordnungsmäßige Anpassung der Einzelabschlussstichtage an den Konzernabschlussstichtag, welche ggf. durch die Erstellung von Zwischenabschlüssen erfolgt, zu untersuchen. Die Prüfung des einheitlichen Ansatzes, der einheitlichen Bewertung und des einheitlichen Ausweises kann vorzugsweise über einen Abgleich mit ggf. vorliegenden Konzernrichtlinien vorgenommen werden. Zudem muss auch hier die ordnungsgemäße Überleitung des Zahlenmaterials aus den Einzelabschlüssen in die Handelsbilanzen II beurteilt werden. In diesem Zusammenhang spielen Funktionsprüfungen des konzernweiten rechnungslegungsbezogenen Kontrollsystems eine zentrale Rolle, mit denen sich der Konzernabschlussprüfer eine Einschätzung über die Ordnungsmäßigkeit der konsolidierungsbedingten Anpassungen verschaffen muss. Hinsichtlich derWährungsumrechnung ist zu prüfen, ob die gewählte Umrechnungsmethode zulässig ist und ob sie korrekt und konzerneinheitlich angewendet wurde. 2.2.2 Konzernabschluss Dem Grundsatz der Wesentlichkeit folgend, sind „Art und Umfang der vorzunehmenden Prüfungshandlungen so festzulegen, dass falsche Angaben in der Rechnungs- 882 Vgl. hinsichtlich der Anforderungen an die Teilbereichsprüfer, um deren Arbeiten verwenden zu dürfen, IDW EPS 320, S. 1–39. 883 Sofern es sich bei den einbezogenen Einzelabschlüssen um Jahresabschlüsse nach den IFRS handelt, sind allein die Rechnungslegungsgrundsätze der IFRS ausschlaggebend. 338 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung legung, die auf Unrichtigkeiten und Verstöße zurückzuführen sind und die alleine oder zusammen mit anderen falschen Angaben als wesentlich anzusehen sind, nicht unentdeckt bleiben“884. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen sollte der Aufwand zur Erlangung von Prüfungsnachweisen, die dem Grundsatz der Wesentlichkeit genügen, möglichst gering gehalten werden. Analog zur handelsrechtlichen Jahresabschlussprüfung von Einzelunternehmen werden deshalb auch bei der Konzernabschlussprüfung Systemprüfungshandlungen vorgenommen, deren Ergebnisse den Umfang noch vorzunehmender analytischer Prüfungshandlungen und Einzelfallprüfungen determinieren. Der Konzernabschlussprüfung geht deshalb in aller Regel eine Prüfung des konzernweiten (rechnungslegungsbezogenen) IKS, verstanden als Teil des Internal Control System, voraus.885 Die Pflicht, in die Prüfung der einbezogenen Jahresabschlüsse auch jeweils die Buchführung mit einzubeziehen, ergibt sich explizit aus § 317 Abs. 3 Satz 1 HGB i.V.m. § 317 Abs. 1 Satz 1 HGB. Hinsichtlich derKonzernbuchführung existiert im Handelsgesetzbuch keine entsprechende Vorgabe. Aufgrund der Verpflichtung zur konzerneinheitlichenBilanzierungundBewertung (§ 300und § 308HGB)undder entsprechenden Konsolidierungsbuchungen ist jedoch eine Konzernbuchführung notwendig, die auch durch denKonzernabschlussprüfers zuprüfen ist. Einer formellen Ordnungsmäßigkeitsprüfung unterliegen demnach sämtliche Konsolidierungsunterlagen, die zur Entwicklung des Konzernabschlusses erforderlich sind.886 Ein weiteres wichtiges Prüffeld im Rahmen der Konzernabschlussprüfung stellt die Abgrenzung des Konsolidierungskreises dar. Nach § 313 Abs. 2 HGB erfolgen die Angaben zu den einbezogenen Unternehmen im Konzernanhang. Der Konzernabschlussprüfer hat festzustellen, ob der Konsolidierungskreis richtig gezogen worden ist. Er muss also überprüfen, ob alle zu konsolidierenden Unternehmen berücksichtigt wurden und ob alle einbezogenen Unternehmen auch konsolidierungsfähig sind. Der Einzelabschlussprüfer eines potenziellen Mutterunternehmens, welches keinen Konzernabschluss erstellt hat, muss in diesem Zusammenhang prüfen, ob ggf. eine Konzernrechnungslegungspflicht besteht.887 Neben der Einhaltung der Prinzipien der Stetigkeit und Vergleichbarkeit ist insbesondere festzustellen, ob die eventuelle Nichteinbeziehung von Tochterunternehmen nach § 296 HGB in die Vollkonsolidierung, die Quotenkonsolidierung von Gemeinschaftsunternehmen nach § 310 HGB und die Anwendung der Equity-Methode bei assoziierten Unternehmen nach §§ 311 und 312 HGB (bzw. IAS 28888) zu Recht erfolgte.889 Abbildung 105 verdeutlicht die komplexen Regelungen des Handelsgesetzbuches zur Integration von Unternehmen in den Konzernabschluss, an der die Rich- 884 IDW (2006), R Tz. 71, S. 1957. 885 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.3. und zu Gliederungspunkt III.C.5.2.2. Die Ausführungen zur Prüfung des Internen Kontrollsystems auf Einzelabschlussebene gelten für Konzerne analog. 886 Vgl. IDW (2006), Q Tz. 357–360, S. 1727. 887 Vgl. Adler/Düring/Schmaltz (2000), Rz. 29 und Rz. 125–127 zu § 317, S. 56 und S. 86–87. 888 Die Anwendung der Equity-Methode ist nach IFRS auch für Gemeinschaftsunternehmen vorgesehen. Vgl. IAS 28.16. 889 Vgl. IDW (2006), Q Rz. 349–350, S. 1725. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 339 tigkeit des gezogenen Konsolidierungskreises im Hinblick auf die zutreffende Konsolidierungsmethode geprüft werden kann.890 Abbildung 105: Ausprägungen der Integration von Unternehmen in den Konzernabschluss 890 Entnommen von Baetge/Kirsch/Thiele (2011b), S. 120. 340 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Durch die Prüfung der Abgrenzung des Konsolidierungskreises erhält der Konzernabschlussprüfer zahlreiche Informationen, die er für die Prüfung der Kapitalkonsolidierung benötigt. So ist aus dem Konsolidierungskreis ersichtlich, welche Tochter-, Gemeinschafts- und assoziierten Unternehmen hinsichtlich der Kapitalkonsolidierung berücksichtigt werden müssen. Aus den Ergebnissen einer Systemprüfung der Konsolidierungssoftware kann der Konzernabschlussprüfer Rückschlüsse auf den Umfang zusätzlich vorzunehmender analytischer Prüfungshandlungen und Einzelprüfungen ziehen.891 Durch die Prüfungshandlungen ist sicherzustellen, dass bestehende Wahlrechte hinsichtlich des Einbezugs von Unternehmen stetig und einheitlich ausgeübt wurden und die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zutreffend dargestellt wird. Bezüglich der Konsolidierung von Gemeinschaftsunternehmen besteht nach dem Handelsgesetzbuch ein Wahlrecht, entweder die Quotenkonsolidierungsmethode oder die Equity-Methode anzuwenden.892 Während von diesem gem. § 310 Abs. 1 HGB für jedes Gemeinschaftsunternehmen einzeln Gebrauch gemacht werden kann, muss es in IFRS-Konzernabschlüssen gem. IAS 8.13 einheitlich zur Ausübung kommen.893 Ähnlich wie bei der Prüfung derKapitalkonsolidierung sind auch die Schulden-, die Zwischenerfolgs- sowie die Aufwands- und Ertragskonsolidierung darauf hin zu prüfen, ob die jeweiligen Konsolidierungsvorgänge angemessen, vollständig und genau durchgeführt wurden. ImMittelpunkt der Prüfung stehen dabei Vorgänge von besonderer Bedeutung, die einer Einzelprüfung zu unterziehen sind, wie bspw. die Erstkonsolidierung oder die Entkonsolidierung von Tochterunternehmen.894 Erhöhte Anforderungen an die Beurteilung der Konsolidierungsvorgänge bei IFRS- Konzernabschlüssen ergeben sich bspw. auch hinsichtlich der Teilgewinnrealisierung bei langfristigen Fertigungsaufträgen (IAS 11), der Aktivierung von Entwicklungsausgaben (IAS 38) und der Folgebewertung von Sachanlagen durch den Impairment-Test (IAS 36). Im Rahmen der Prüfung latenter Steuern aus der Konsolidierung muss der Konzernabschlussprüfer beurteilen, ob diese korrekt ermittelt und verbucht wurden. Die Behandlung von latenten Steuern in der Konzernrechnungslegung wird von § 306 HGB und § 274 HGB i.V.m. § 298 Abs. 1 HGB geregelt. Die Verdeutlichung der Berechnungsschritte zeigt das grundlegende Ablaufschema von Abbildung 106, das drei Ebenen beinhaltet.895 Die erste Ebene betrifft die latenten Steuern der in den Konzernabschluss einzubeziehenden Unternehmen im Rahmen der Aufstellung der HB I (§ 274 i.V.m. § 298 891 Vgl. Schnicke (2002), Sp. 1360–1370. 892 DasWahlrecht nach IFRS gilt nur noch für Konzernabschlüsse, deren Geschäftsjahre vor dem 1. Januar 2013 beginnen. Anschließend ist gem. IFRS 11 für Gemeinschaftsunternehmen ausschließlich die Equitymethode anwendbar. 893 Vgl. Küting/Weber (2010), S. 519. 894 Vgl. hierzu im EinzelnenHebestreit/Hayn (2009), S. 1–32. 895 Modifiziert entnommen von Kapitza (2010); vgl. hierzu etwa im Einzelnen Küting/Weber (2010), S. 197–216. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 341 Abs. 1 HGB). Im Rahmen der zweiten Ebene entstehen latente Steuern durch Überleitungsmaßnahmen auf konzerneinheitliche Rechnungslegungsgrundsätze (§§ 300 Abs. 2; 308 Abs. 1 HGB) und Währungsumrechnungen (§ 308a HGB). Auf der dritten Ebene werden schließlich Auswirkungen von Konsolidierungsmaßnahmen auf latente Steuern erfasst (§ 306 HGB). Abbildung 106: Konzeptionelle Grundlagen und Entstehungsursachen latenter Steuern im Konzernabschluss NachMaßgabe dieses Ablaufschemas muss auch die Prüfung der latenten Steuern geplant und durchgeführt werden, wobei neben einer Systemprüfung des gesamten konzernweiten rechnungslegungsbezogenen Kontrollsystems im Hinblick auf die latenten Steuern je nach Einschätzung des Prüfers auch auf analytische Prüfungsaktivitäten und Einzelfallprüfungen zurückgegriffen werden muss. In diese Prüfungshandlung sind auch weitere Einzelheiten zur Rechnungslegung latenter Steuern einzubeziehen, die in § 306 Satz 2 bis 6 HGB genannt sind (z. B. Ausschlüsse für die Bildung von Steuerlatenzen, Höhe des anzuwendenden Steuersatzes, Ausweis von latenten Steuern). Da die durch das BilMoG novellierten Regelungen zur Rechnungslegung latenter Steuern weitgehend an IAS 12 angepasst wurden, bestehen grundsätzlich keine Unterschiede zur Prüfung latenter Steuern in internationalen Konzernabschlüssen. Die Angaben bzgl. der latenten Steuern finden sich in aller Regel im Konzernanhang (§ 314 Abs. 1 Nr. 21 HGB). Darüber hinaus sind auch die übrigen Angaben des Konzernanhangs nach §§ 313–314 HGB bzw. den erforderlichen Angaben der IFRS durch den Konzernabschlussprüfer zu prüfen.896 Der Konzernanhang enthält zahlreiche zusätzliche Informationen zu den Posten der Konzernbilanz, der Konzern-GuVund zum Beteiligungsbesitz, zu den angewandten Bilanzierungs-, Bewertungs- und Konsolidierungsmethoden sowie zu genutzten Wahlrechten, zur Entsprechenserklärung nach § 161 AktG und zur Honorierung der Mitglieder des Geschäftsführungs-, Aufsichtsorgans sowie des Konzernabschlussprüfers. 896 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III. C. 5.2.3.3. 342 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Dementsprechend ist die Prüfung des Konzernanhangs von elementarer Bedeutung für die Beurteilung der Frage, ob die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt. Um die komplexen Einzelangaben im Rahmen der Prüfung des Konzernanhangs zu erfassen, empfiehlt sich der Einsatz entsprechender Checklisten897, die nach den Besonderheiten der entsprechenden Branche aufzubauen sind. 2.2.3 Konzernlagebericht Der Konzernlagebericht ist zunächst darauf zu prüfen, ob er mit dem Konzernabschluss in Einklang steht. Ferner muss er auch mit den Erkenntnissen des Konzernabschlussprüfers korrespondieren, die dieser im Rahmen der Prüfung gewinnt. Weiterhin soll der Konzernlagebericht eine zutreffende Vorstellung von der Lage des Konzerns vermitteln (§ 317 Abs. 2 Satz 1 HGB). Die zutreffende Darstellung derChancen und Risiken der künftigen Entwicklung bildet dabei einen Schwerpunkt der Konzernlageberichtsprüfung (§ 317 Abs. 2 Satz 2 HGB). Somit hat die Prüfung des Konzernlageberichts nicht nur eine vergangenheitsorientierte Perspektive, sondern umfasst auch eine Einschätzung der Angemessenheit zukunftsgerichteter Aussagen (sog. Prognoseprüfung). Der Wortlaut der Vorgaben zur Konzernlageberichtsprüfung entspricht den Anforderungen hinsichtlich der Lageberichtsprüfung bei Einzelunternehmen, die ebenfalls in § 317 Abs. 2 HGB geregelt sind. Die Prüfungshandlungen des Konzernabschlussprüfers gleichen somit denen des Einzelabschlussprüfers,898 obwohl die Komplexität der Konzernlageberichtsprüfung ungleich höher ist. Im Gegensatz zu den Einzelabschlüssen der Konzernunternehmen sind die einzelnen Lageberichte der Konzernunternehmen nicht durch den Konzernabschlussprüfer zu prüfen, da der Konzernlagebericht die Lage der wirtschaftlichen Einheit „Konzern“ darstellt und nicht als Zusammenfassung der jeweiligen Lageberichte der Einzelunternehmen verstanden wird.899 Mit der Einführung des sog. Bilanzeides durch das TUG900 vom 05. 01. 2007 haben die gesetzlichen Vertreter einer Kapitalgesellschaft bzw. eines Mutterunternehmens, die (das) „. . . Inlandsemittent im Sinne des § 2 Abs. 7 des Wertpapierhandelsgesetzes und kleine Kapitalgesellschaften im Sinne des § 327a ist . . .“901 zu versichern, dass nach bestem Wissen im (Konzern-)Lagebericht der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage der Kapitalgesellschaft (des Konzerns) so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird und das die wesentlichen Chancen und Risiken im Sinne von § 289 Abs. 1 Satz 4 bzw. § 315 Abs. 1 Satz 5 HGB beschrieben sind.902 Eine ähnliche (schriftliche) Verpflichtungserklärung, die sich auf den (Konzern-)Jahresabschluss bezieht, enthalten § 264 Abs. 2 Satz 3 und § 297 Abs. 2 Satz 4 HGB. 897 Vgl. Farr (2010) und die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.2.3.3. 898 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.2.3.5. 899 Vgl. Adler/Düring/Schmaltz (2000), Rz. 188 zu § 317. 900 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.B. 901 § 264 Abs. 2 Satz 3, § 297 Abs. 2 Satz 4 HGB. 902 Vgl. § 289 Abs. 1 Satz 5 und § 315 Abs. 1 Satz 6 HGB. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 343 Nach h.M. ist der Bilanzeid sowohl kein Bestandteil des (Konzern-)Jahresabschlusses als auch des (Konzern-)Lageberichts und damit nicht vom (Konzern-)Abschlussprüfer zu prüfen.903 Abschließend bleibt zur Prüfung des Konzernlageberichts der Hinweis, dass dieser mit dem Lagebericht des Mutterunternehmens zusammengefasst werden kann (§ 315 Abs. 3 HGB).904 Um eine Vermengung von Informationen aus Konzern- und Einzellagebericht zu verhindern, dürfen nur gemeinsame Sachverhalte aggregiert werden (wenn z. B. die wesentlichen Merkmale des internen Kontroll- und Risikomanagementprozess im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess gem. § 289 Abs. 5 HGB im Mutterunternehmen und im Konzernverbund identisch sind, braucht hierüber nur einmal berichtet zu werden). Allerdings ist über abweichende Sachverhalte zwischen Konzernlagebericht und Lagebericht des Mutterunternehmens nach wie vor getrennt zu berichten.905 Diesem Erfordernis ist im Falle der Aggregation von Lageberichtsinformation durch eine spezifische Planung, Durchführung und Berichterstattung bei der Prüfung des Konzernlageberichts Rechnung zu tragen. 3. Konzernprüfungsbericht In einem Konzernprüfungsbericht muss der Konzernabschlussprüfer gem. § 321 HGB die gesetzlichen Vertreter bzw. den Aufsichtsrat906 des Mutterunternehmens schriftlich über die Art und den Umfang der Prüfung sowie das Prüfungsergebnis informieren. Der Aufbau und die Gliederung des Konzernprüfungsberichts sollten sich an den GoA orientieren, die in den IDW PS niedergelegt sind.907 So enthält der IDW PS 450 „Grundsätze ordnungsmäßiger Berichterstattung über die Abschlussprüfung“ einen eigenen Abschnitt über den Prüfungsbericht zur Konzernabschlussprüfung.908 Dieser ergänzt die allgemeinen Berichtsgrundsätze bzgl. der Jahresabschlussprüfung um konzernspezifische Ausführungen.909 Vor der Darstellung der Prüfung und des Prüfungsergebnisses enthält der Konzernprüfungsbericht zunächst eine Stellungnahme des Konzernabschlussprüfers zu der von den gesetzlichen Vertretern abgegebenen Beurteilung der Lage des Konzerns. Darüber hinaus werden im Rahmen der Prüfung festgestellteUnrichtigkeiten, Gesetzesverstöße und bestandsgefährdende Maßnahmen sowie Hinweise auf schwerwiegende Gesetzes-, Gesellschaftsvertrags- oder Satzungsverstöße der gesetzlichen Vertreter oder von Arbeitnehmern niedergelegt (§ 321 Abs. 1 HGB). 903 Vgl. Müller (2010), Rz. 75 zu § 264 HGB, S. 839. 904 Ein ähnliches Wahlrecht existiert gem. § 298 Abs. 3 HGB für den Konzernanhang. 905 Vgl. Krimpmann/Müller (2010), Rz. 60 zu § 315 HGB, S. 1998. 906 Sofern der Aufsichtsrat der Muttergesellschaft den Prüfungsauftrag erteilt hat (§ 321 Abs. 1 Satz 2 1. HS i.V.m. § 318 Abs 1 Satz 4 HGB), ist diesem der Prüfungsbericht vorzulegen, wobei dem Vorstand die Möglichkeit gegeben werden muss, vor der Zuleitung eine Stellungnahme abzugeben (§ 321 Abs. 4 Satz 2 2. HS HGB). 907 Ein konkreter Gliederungsvorschlag findet sich in IDW (2006), Q Tz. 322, S. 1719–1720. 908 Vgl. IDW PS 450, Tz. 118–155, S. 30–40. 909 Die allgemeinen Grundsätze gelten für Konzerne analog, sofern ihnen keine konzernspezifischen Regelungen des IDW PS450 entgegenstehen. Vgl. zu den allgemeinen Grundsätzen die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.8. 344 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Im Hauptteil des Konzernprüfungsberichts erfolgt ein Hinweis auf die Rechnungslegungsgrundsätze, nach denen der Konzernabschluss und der Konzernlagebericht aufgestellt wurden. Zudem ist explizit anzugeben, dass die Konzernabschlussprüfung auch die Prüfung des Konsolidierungskreises, der Ordnungsmäßigkeit der einbezogenen Jahresabschlüsse und der durchgeführten Konsolidierungsmaßnahmen beinhaltet.910 Die daran anschließenden Erläuterungen und Feststellungen zur Konzernrechnungslegung gehen näher darauf ein, ob die Konzernbuchführung, der Konzernabschluss und der Konzernlagebericht den gesetzlichen Vorschriften sowie ergänzenden Bestimmungen des Gesellschaftsvertrags oder der Satzung des Mutterunternehmens entsprechen. Der Konzernabschlussprüfer hat darüber hinaus die Gesamtaussage des Konzernabschlusses zu würdigen und festzustellen, ob der Konzernabschluss unter Beachtung der GoB oder sonstiger maßgeblicher Rechnungslegungsgrundsätze ein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage des Konzerns vermittelt. Gem. § 321 Abs. 2 HGB ist dabei insbesondere auf die Ausübung von Wahlrechten, die Ausnutzung von Ermessensspielräumen und auf die Anwendung sachverhaltsgestaltender Maßnahmen einzugehen. Der Konzernprüfungsbericht ist ein vertrauliches Dokument, welches nicht offen gelegt wird. Lediglich im Rahmen von Insolvenzverfahren können Gläubigern oder Gesellschaftern Rechte zur eigenen Einsichtnahme oder durch einen von ihnen bestimmtenWirtschaftsprüfer zustehen (§ 321a Abs. 1 Satz 1 HGB). Wenn der Konzernabschluss oder der Konzernlagebericht nach der Vorlage des Prüfungsberichtes geändert wird, sind diese Unterlagen gem. § 316 Abs. 3 HGB vomKonzernabschlussprüfer erneut zu prüfen, sofern die Korrektur dieses erfordert. Über das Ergebnis dieser Prüfung ist dann wiederum zu berichten und der Bestätigungsvermerk muss entsprechend angepasst werden.911 4. Bestätigungsvermerk912 Im Bestätigungsvermerk bzw. im Vermerk über dessen Versagung muss der Konzernabschlussprüfer gem. § 322 Abs. 1 Satz 1 HGB das Ergebnis der Prüfung zusammenzufassen. Im Gegensatz zum ausführlichen, vertraulichen Prüfungsbericht wird der Bestätigungsvermerk bzw. der Versagungsvermerk von den gesetzlichen Vertretern des Mutterunternehmens gem. § 325 Abs. 1 Satz 1 HGB gemeinsam mit dem Konzernabschluss und dem Konzernlagebericht bei dem Betreiber des elektronischen Bundesanzeigers eingereicht und nach § 325 Abs. 2 HGB unverzüglich nach der Einreichung im elektronischen Bundesanzeiger bekannt gemacht (§ 325 Abs. 3 HGB). Sofern die Prüfung zu keinerlei Einwendungen geführt hat und der Konzernabschluss der Beurteilung des Konzernabschlussprüfers folgend den gesetzlichen Vorschriften und den GoB oder sonstigen maßgeblichen Rechnungslegungsgrundsätzen entspricht und ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermö- 910 Vgl. IDW PS 450, Tz. 122–123, S. 31. 911 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III. C. 1.7. 912 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.8. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 345 gens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt, ist ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk zu erteilen (§ 322 Abs. 3 Satz 1 HGB). In die Beurteilung durch den Konzernabschlussprüfer muss auch eingehen, ob der Konzernlagebericht mit dem Konzernabschluss in Einklang steht und insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns vermittelt (§ 322 Abs. 6 Satz 1 HGB). In diesem Zusammenhang ist auch darauf einzugehen, „. . . ob die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind“ (§ 322 Abs. 6 Satz 2 HGB). Einwendungen des Konzernabschlussprüfers führen dazu, dass die Erklärung einzuschränken oder zu versagen ist. Die Einschränkung oder Versagung ist zu begründen. Aus dem Vermerk über die Versagung muss zudem hervorgehen, ob die Versagung aufgrund von Einwendungen erfolgt oder weil der Konzernabschlussprüfer nicht in der Lage ist, ein Prüfungsurteil (z. B. aufgrund eines Prüfungshemmnisses) abzugeben (§ 322 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 322 Abs. 5 Satz 1 HGB). Die Regelungen zum Bestätigungsvermerk gelten für Konzerne und Einzelunternehmen gleichermaßen und dementsprechend ist auch der IDW PS 400 „Grundsätze für die ordnungsmäßige Erteilung von Bestätigungsvermerken bei Abschlussprüfungen“ für beide Organisationsformen anzuwenden.913 Jedoch finden sich auch im IDW PS400 einige Vorgaben, die speziell auf Bestätigungsvermerke bei Konzernabschlussprüfungen zugeschnitten sind. So wird etwa empfohlen, dass die Angaben zum Prüfungsumfang i. S. d. § 322 Abs. 3 Satz 2 HGB dahingehend ergänzt werden sollen, dass auch auf die Prüfung der Abgrenzung des Konsolidierungskreises, der Konsolidierungsgrundsätze und der einbezogenen Jahresabschlüsse hingewiesen wird.914 Ferner sind ebenfalls Unsicherheiten aufgrund konzernweit uneinheitlicher Abschlussstichtage vom Konzernabschlussprüfer zu erläutern.915 Daneben gibt es konzernspezifische Einwendungsgründe916 und die Vorgabe, dass ggf. auf die Prüfung einer gleichzeitigen Entsprechung des Konzernabschlusses mit verschiedenen Normensystemen in einem einleitenden Abschnitt des Bestätigungsvermerks eingegangen werden soll.917 Schließlich kann der Bestätigungsvermerk zum Konzernabschluss eingeschränkt oder versagt werden, wenn das Testat für ein in den Konzernabschluss einbezogenes Unternehmen eingeschränkt oder versagt wurde, der Grund hierfür weiter besteht und sich wesentlich auf den Konzernabschluss auswirkt.918 Sofern der Konzernabschluss mit dem Jahresabschluss des Mutterunternehmens zusammengefasst wird, dürfen nach § 325 Abs. 3a 1. HS HGB der Konzern-Bestätigungsvermerk und der Bestätigungsvermerk für den Abschluss des Mutterunternehmens aggregiert werden. In diesem Fall ist auch eine Zusammenfassung der jeweiligen Prüfungsberichte zulässig (§ 325 Abs. 3a 2. HS HGB). 913 Vgl. IDW PS 400, S. 1–51. 914 Vgl. IDW PS 400, Tz. 91, S. 26. 915 Vgl. IDW PS 400, Tz. 92, S. 26. 916 Vgl. IDW PS 400, Tz. 94, S. 27. 917 Vgl. IDW PS 400, Tz. 97, S. 28. 918 Vgl. IDW EPS320, Tz. 49, S. 18. 346 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung 5. Haftung des Konzernabschlussprüfers919 Der Konzernabschlussprüfer, seine Gehilfen und die bei der Prüfung mitwirkenden gesetzlichen Vertreter einer Prüfungsgesellschaft sind zum Schadensersatz verpflichtet, sofern sie ihre Pflicht zur gewissenhaften und unparteiischen Prüfung, ihre Verschwiegenheitspflicht sowie das Verbot der Verwertung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen fahrlässig oder vorsätzlich verletzen (§ 323 Abs. 1 HGB). Ein Anspruch auf Schadensersatz steht dabei sowohl demMutter- als auch verbundenen Unternehmen zu. Gem. § 271 Abs. 2 HGB zählen alle in den Konzernabschluss einbezogenen Tochterunternehmen zu den verbundenen Unternehmen. Gemeinschafts- und assoziierte Unternehmen sind demnach bzgl. des Schadensersatzes hingegen wie Dritte zu behandeln. Ihnen stehen allenfalls Ansprüche aufgrund vertragsähnlicher Dritthaftung oder unerlaubter Handlung des Konzernabschlussprüfers zu. Der Schadensersatz bei fahrlässiger Handlung ist auch bei Konzernabschlussprüfungen auf eine Million Euro bzw. bei Aktiengesellschaften, deren Aktien zum Handel im regulierten Markt zugelassen sind, auf vier Millionen Euro beschränkt (§ 323 Abs. 2 HGB). Diese Beschränkung gilt pro Prüfungsauftrag und nicht etwa für jedes in den Konzernabschluss einbezogene Unternehmen.920 Die Haftungsgrenzen werden durch die nach § 54 Abs. 1 WPO obligatorisch abzuschließende Berufshaftpflichtversicherung für Wirtschaftsprüfer gedeckt. Neben der Schadensersatzpflicht kommen für den Konzernabschlussprüfer auch Freiheits- und Geldstrafen aufgrund der Verletzung von Berichts- oder Geheimhaltungspflichten (§ 332 HGB bzw. § 333 HGB) sowie Bußgelder aufgrund einer ordnungswidrigen Betätigung als Konzernabschlussprüfer (§ 334 Abs. 2 HGB) in Betracht. Die Regelungen entsprechen dabei den Vorgaben auf Einzelabschlussebene. E. Prüfung des Abhängigkeitsberichts 1. Funktionen des Abhängigkeitsberichts Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Mutter- und Tochterunternehmen innerhalb eines Konzerns kann dazu führen, dass Rechtsgeschäfte und Maßnahmen im Interesse des herrschenden Unternehmens durchgeführt oder unterlassen werden, die mit Nachteilen für das abhängige Unternehmen verbunden sind. Zum Schutz der Stakeholder des abhängen Unternehmens sind Regelungen erlassen worden, die eine Benachteiligung von Minderheiten untersagen. EinAbhängigkeitsbericht bietet in diesem Fall dieMöglichkeit, zu dokumentieren, dass dem abhängigen Unternehmen keine Nachteile entstanden sind oder diese durch andere Vorteile kompensiert wurden. 919 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.1.9. 920 Vgl. Adler/Düring/Schmaltz (2000), Rz. 156 zu § 323 HGB.

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.