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B. Rechtliche Grundlagen zur Konzernrechnungslegung und -prüfung in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 343 - 349

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_343

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 319 tige Prüfungsobjekte. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen externe, periodische (jährliche) handelsrechtliche Pflichtprüfungen der Konzernabschlüsse und Konzernlageberichte von Kapitalgesellschaften und ihnen gesetzlich gleichgestellte Unternehmen. Sodann wird die konkrete Ablauforganisation einer solchen Prüfung verdeutlicht. Aufgrund der zahlreichen Überschneidungen zwischen der handelsrechtlichen Pflichtprüfung privater Unternehmen795 und der Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts liegt der Schwerpunkt der Betrachtung dabei auf konzerntypischen Prüffeldern. Darüber hinaus wird auf die Pflichtprüfung des sog. Abhängigkeitsberichts durch den Abschlussprüfer nach § 313 AktG eingegangen. Dieser Bericht des Vorstandes über Beziehungen zu verbundenen Unternehmen i. S. v. § 312 HGB ist von der Unternehmensleitung einer abhängigen Gesellschaft aufzustellen, wenn kein Beherrschungsvertrag mit einem herrschenden Unternehmen geschlossen wurde. Der Abhängigkeitsbericht muss im Grundsatz alle Rechtsgeschäfte und sonstigen Beziehungen zwischen abhängigen und herrschenden Unternehmen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen (Leistung, Gegenleistung sowie Vor- und Nachteile) enthalten und darlegen, wie der Ausgleich ggf. von Nachteilen für das abhängige Unternehmen erfolgt ist. Da die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses und eines Konzernlageberichts grundsätzlich immer dann besteht, wenn ein Mutterunternehmen auf ein anderes (Tochter-)Unternehmen unmittelbar oder mittelbar einen herrschenden Einfluss ausüben kann,796 besitzt die Prüfung der Konzernrechnungslegung eine Verbindung zur Prüfung des Abhängigkeitsberichts. Zudem stellen beide Revisionsbereiche sog. Vorbehaltsprüfungen dar, da sie gem. § 316 Abs. 2 Satz 1 HGB, § 14 Abs. 1 Satz 1 PublG i.V.m. § 319 Abs. 1 Satz 1 HGB nur von Wirtschaftsprüfern undWirtschaftsprüfungsgesellschaften vorgenommen werden dürfen. Abschließendwerdenweitere Revisionssubjekte bezüglich der Prüfung von Konzernen neben dem Abschlussprüfer dargestellt. B. Rechtliche Grundlagen zur Konzernrechnungslegung und -prüfung 1. Zum Begriff des Konzerns797 Konzerne bestehen aus zwei oder mehr rechtlich selbstständigen Unternehmen, die sich aus wirtschaftlichen oder rechtlichen Gründen zu einem Verbund zusammen geschlossen haben.798 Sämtliche Unternehmen, die von sog. Mutterunternehmen beherrscht werden 795 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C. 796 Vgl. § 290 Abs. 1 Satz 1 HGB. 797 Vgl. hierzu im Einzelnen Sepetauz (2011), S. 1065–1067. 798 Da das Handelsgesetzbuch den Konzernbegriff nicht näher umschreibt, wird i. d. R. auf die Konzerndefinition des § 18 AktG zurückgegriffen. Konzernunternehmen gehören laut § 15 AktG zu den verbundenen Unternehmen. Die rechtliche Selbstständigkeit der Einzelunternehmen bedingt z. B., dass bislang kein eigenes Konzernsteuerrecht existiert und die Besteu- 320 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung oder für die zumindest aufgrund der demMutterunternehmen direkt oder indirekt zustehenden Rechte die Möglichkeit der Beherrschung besteht,799 sind grundsätzlich in den Konzernabschluss einzubeziehen. Sofern ein Unternehmen von mehr als einem anderen Unternehmen beherrscht wird, spricht man von einemGemeinschaftsunternehmen, welches von den herrschenden Gesellschafterunternehmen anteilig im Rahmen derQuotenkonsolidierung oder mittels der Equity-Methode berücksichtigt wird. Ebenfalls über die Equity-Methode werden Unternehmen in den Konzernabschluss einbezogen, auf deren Geschäftsund Finanzpolitik einmaßgeblicher Einfluss durch ein Konzernunternehmen ausge- übt wird. Ein solcher wird bei diesen sog. assoziierten Unternehmen nach § 311 Abs. 1 Satz 2 HGB ab einer Beteiligung von mindestens 20 Prozent der Stimmrechte vermutet.800 Die theoretische Fundierung der Konzernrechnungslegung basiert im Wesentlichen auf zwei Ansätzen. Nach der sog. Einheitstheorie wird der Konzern als eine wirtschaftliche Einheit betrachtet, wobei die Anteilseigner aller in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen als Eigenkapitalgeber gelten. Im Gegensatz dazu steht die Interessentheorie, nach der der Konzernabschluss als Erweiterung des Einzelabschlusses des Mutterunternehmens aufgefasst wird. Folglich wird nur der jeweilige Anteil des Mutterunternehmens an den Tochterunternehmen ausgewiesen. Konzernfremde Anteilseigner der im Konzernabschluss berücksichtigten Tochterunternehmen werden nach dieser Theorie quasi wie Fremdkapitalgeber behandelt.801 Die nachfolgenden Ausführungen zu den nationalen und internationalen Rechnungslegungsnormen zeigen, dass der beherrschende Einfluss die zentrale Voraussetzung für die Konzernrechnungslegung darstellt und sich in der Praxis die Einheitstheorie durchgesetzt hat. 2. Handelsgesetzbuch und Publizitätsgesetz Das Handelsgesetzbuch verpflichtet gem. § 290 Abs. 1 HGB die gesetzlichen Vertreter aller Kapitalgesellschaften802 mit Sitz im Inland, die als Muttergesellschaft auf mindestens ein anderes (Tochter-)Unternehmen unmittelbar oder mittelbar einen beherrschenden Einfluss ausüben kann, zur Aufstellung eines Konzernabschlusses und eines Konzernlageberichts. Ein herrschender Einfluss des Mutterunternehmens liegt nach § 290 Abs. 2 HGB dann vor, wenn ihm bei (dem) den anderen Unternehmen · die Mehrheit der Stimmrechte zusteht oder erung nach dem Trennungsprinzip erfolgt. Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt IV.B. 2. 799 Vgl. § 290 Abs. 2 HGB. 800 Vgl. im Einzelnen Baetge/Kirsch/Thiele (2011b), S. 106–108; vgl. zur näheren Unterscheidung der verschiedenen Formen verbundener Unternehmen und der jeweiligen Konsolidierung auch Küting/Weber (2010), S. 19–66. 801 Vgl. zu einer ausführlichen Würdigung dieser Theorien Küting/Weber (2010), S. 88–95. 802 Gem. § 264a Abs. 1 HGB gelten diese Bedingungen auch für die in dieser Norm beschriebenen „kapitalistischen“ Personenhandelsgesellschaften. Ferner sind Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform undGröße zur Konzernrechnungslegung verpflichtet (§ 340i Abs. 1 und 2 HGB bzw. § 341i und § 341j HGB). Vgl. hierzu auch Ebeling (2007), S. 823. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 321 · Organbestimmungsrechte i.V.m. der Gesellschafterstellung zustehen oder · vertragliche oder satzungsmäßige Beherrschungsrechte zusteht oder · es die Mehrheit der Chancen und Risiken (von sog. Zweckgesellschaften) trägt. Ausnahmen von diesen Regelungen finden sich in den § 291–§ 293 HGB, wonach ein Mutterunternehmen keinen Konzernabschluss und Konzernlagebericht aufstellen muss, wenn es selbst die Tochter eines anderen Mutterunternehmens ist oder gewisse Größenkriterien hinsichtlich der Bilanzsumme, der Umsatzerlöse und/oder der Mitarbeiterzahl unterschritten werden.803 Der Konzernabschluss besteht aus der Konzernbilanz, der Konzern-GuV, dem Konzernanhang, derKapitalflussrechnung und dem Eigenkapitalspiegel (§ 297 Abs. 1 Satz 1 HGB). Er kann zudem um eine Segmentberichterstattung erweitert werden (§ 297 Abs. 1 Satz 2 HGB).804 Sofern ein Unternehmen zur Konzernrechnungslegung verpflichtet ist, sind gem. § 316 Abs. 2 Satz 1 HGB der Konzernabschluss und der Konzernlagebericht durch einenAbschlussprüfer zu prüfen.805 Die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses für Mutterunternehmen, die keine Kapitalgesellschaften und auch keine Personenhandelsgesellschaften i. S. d. § 264a HGB sind, ist im Gesetz über die Rechnungslegung von bestimmten Unternehmen und Konzernen (Publizitätsgesetz) geregelt.806 So sieht § 11 Abs. 1 PublG vor, dass alle Unternehmen mit Sitz im Inland, die unmittelbar oder mittelbar einen beherrschenden Einfluss auf andere Unternehmen ausüben und dabei gewisse Größenkriterien hinsichtlich der Bilanzsumme, der Umsatzerlöse und/oder der Mitarbeiterzahl überschreiten, einen Konzernabschluss aufzustellen haben. Der Unternehmensbegriff selbst wird nicht näher spezifiziert. Es erfolgt lediglich eine negative Abgrenzung, indem in § 11 Abs. 5 PublG bestimmte Mutterunternehmen ausgeschlossen werden, die i. d. R. bereits durch andere Vorschriften zur Konzernrechnungslegung verpflichtet sind. Abgesehen von einigen, in § 13 Abs. 3 PublG genannten Erleichterungen gelten die Vorschriften zur Konzernrechnungslegung und -prüfung nach dem Handelsgesetzbuch gem. § 13 Abs. 2 PublG bzw. § 14 Abs. 1 Satz 2 PublG sinngemäß. Die zunehmende Internationalisierung der Kapitalmärkte in den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts und die damit einhergehende Verpflichtung deutscher Konzernmütter, bei einer Notierung an einer ausländischen Börse auch einen Konzernabschluss nach international anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen aufzustellen, führte zu einer zusätzlichen Kostenbelastung für diese Unternehmen. Deshalb wurden börsennotierte Mutterunternehmen mit der Verabschiedung des KapAEG im Jahre 1998 von der Pflicht, einen Konzernabschluss und -lagebericht gem. Handelsgesetzbuch aufzustellen, befreit, sofern ein Konzernabschluss und -lagebericht nach international anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen gefertigt wurde (§ 292a HGB a. F.). 803 Vgl. hierzu im Einzelnen Coenenberg/Haller/Schultze (2009), S. 605–609. 804 Vgl. hierzu Abbildung 80 im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.1. 805 Eine Darstellung des Ablaufs einer solchen Prüfung findet sich im Dritten Teil unter Gliederungspunkt IV.D. 806 Vgl. hierzu auch Baetge/Kirsch/Thiele (2011b), S. 95–96. 322 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Diese mit dem KapCoRiLiG im Jahre 2000 nochmals erweiterte Übergangsregelung lief zum 31. 12. 2004 aus. An ihre Stelle trat das BilReG, mit dem die europäische IAS-Verordnung807 im deutschen Recht verankert wurde. Seit dem sind kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen, die einen Konzernabschluss entsprechend den IFRS aufzustellen haben, von der Pflicht zur Konzernabschlusserstellung nach dem Handelsgesetzbuch weitgehend befreit (§ 315a Abs. 1 HGB).808 Ebenfalls von der Rechnungslegung nach handelsrechtlichen Normen entbunden sind Mutterunternehmen, die gem. § 315a Abs. 2 HGB aufgrund eines Antrags zur Zulassung zu einem organisierten Wertpapiermarkt zur Aufstellung eines IFRS-Konzernabschlusses verpflichtet sind und Mutterunternehmen, die freiwillig einen IFRS-Konzernabschluss aufstellen (§ 315a Abs. 3 HGB).809 3. Aktiengesetz Im Jahre 1985 wurde mit der Verabschiedung des BilRiLiG die europäische Richtlinie 83/349/EWG810 zur Konzernrechnungslegung umgesetzt, indem konkrete Vorschriften zur Konzernrechnungslegung in das Handelsgesetzbuch aufgenommen wurden. Vor dieser Harmonisierungsmaßnahme war das Konzernrechnungslegungsrecht im Aktiengesetz von 1965 normiert. Aus diesem Grunde existieren trotz der Übertragung der Konzernrechnungslegungsvorschriften vom Aktiengesetz in das Handelsgesetzbuch noch zahlreiche konzernspezifische Normen im Aktiengesetz. Die Legaldefinitionen der Begriffe Konzern und Konzernunternehmen finden sich z. B. nicht im Handelsgesetzbuch, sondern in § 18 AktG. Auch die Spezialfälle der einheitlichen Leitung aufgrund von Beherrschungsverträgen (§ 291 AktG) und von Eingliederungen (§ 319 AktG) sind im Aktiengesetz geregelt. Sofern Unternehmensverträge wie Beherrschungs- oder Gewinnabführungsverträge bestehen, beinhaltet das Aktiengesetz spezielle Vorschriften zum Minderheitenschutz. So sind diese Unternehmensverträge vor der Zustimmung der Hauptversammlung durch einen sog. Vertragsprüfer zu prüfen, der in einem Prüfungsbericht u. a. darlegen muss, ob das herrschende Unternehmen einen angemessenen Ausgleich bzw. eine angemessene Abfindung vorgeschlagen hat.811 Besteht kein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag, ist das herrschende Unternehmen gem. § 311 AktG zum Nachteilsausgleich verpflichtet. In einem jährlich zu erstellenden Abhängigkeitsbericht muss der Vorstand schriftlich bestätigen, dass sämtliche Rechtsgeschäfte und Maßnahmen, die für die abhängige Gesellschaft mit Nachteilen verbunden waren, ausgeglichen wurden (§ 312 AktG).812 807 Vgl. Verordnung (EG) Nr. 1606/2002, S. 1–4. 808 Die Übergangsregelungen für reine Schuldscheinemittenten und Rechnungsleger nach US GAAP gem. Art. 57 EHGB sind mit dem nach dem 01. 01. 2007 beginnenden Geschäftsjahr ausgelaufen. 809 Vgl. zur Entwicklung der Rechnungslegung in der EU auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.B. 810 Vgl. Richtlinie 83/349/EWG, S. 1–17. 811 Vgl. § 293e AktG und die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt V.B.1.5. 812 Vgl. hierzu Scheffler (2005c), S. 9–10. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 323 Entsprechend den § 313 und § 314 AktG ist der Abhängigkeitsbericht sowohl durch den Abschlussprüfer als auch durch denAufsichtsrat zu prüfen.813 Für den Konzernabschluss sind gem. § 298 Abs. 1 HGB neben zahlreichen handelsrechtlichen Vorschriften zum Jahresabschluss ebenfalls rechtsform- und geschäftsbereichsspezifische Gesetze relevant, sofern sie mit den Zielen des Konzernabschlusses korrespondieren. Deshalb sind auch die aktienrechtlichen Vorschriften zum Jahresabschluss und Lagebericht der § 150–§ 161 AktG zu beachten, falls Aktiengesellschaften in den Konzernabschluss einbezogen werden. 4. International Financial Reporting Standards (IFRS)814 Die Regelungen hinsichtlich der Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach den IFRS finden sich in IFRS 10.4.815 Für deutsche Mutterunternehmen sind diese Regelungen allerdings gegenstandslos, da sich die Konzernrechnungslegungspflicht nach wie vor aus den nationalen Umsetzungen der 7. EG-Richtlinie ergibt.816 Deshalb ist auch für IFRS-Konzernabschlüsse zunächst anhand von § 290 HGB zu prüfen, ob eine Konzernrechnungslegungspflicht besteht. SoferndieWertpapierekonzernrechnungslegungspflichtigerKonzernmütter an einem geregelten Markt innerhalb der EU zugelassen sind oder die Zulassung eines Wertpapiers zu einem organisierten Markt im Inland beantragt wurde, muss der Konzernabschluss entsprechend den von der EU anerkannten IFRS aufgestellt werden (Art. 4 IAS-Verordnungbzw. § 315aAbs. 2HGB).817 Die SEC erkennt die Full-IFRS mit Wirkung vom 15. 11. 2007 für ausländische Konzerne, die an der New York Stock Exchange (NYSE) gelistet sind, an.818 Für Geschäftsjahre, die nach diesem Zeitpunkt enden, kann auf eine Überleitungsrechnung auf die United States Generally Accepted Accounting Principles (US GAAP) verzichtet werden. Ein Konzernabschluss nach IFRS besteht aus einerKonzernbilanz, einerKonzern-Gesamtergebnisrechnung, einer Eigenkapitalveränderungsrechnung, einer Kapitalflussrechnung und einemKonzernanhang (IAS 1.10). Unternehmen, deren Schuld- oder Eigenkapitalinstrumente an einem öffentlichen Markt gehandelt werden oder die den Konzernabschluss einer Wertpapierbörse zum Zwecke der Ausgabe solcher Instrumente vorlegen, müssen im Konzernabschluss zusätzlich einen Segmentbericht darlegen (IFRS 8). Von dieser Regelung sind alle Konzerne betroffen, die nach § 315a HGB zur Konzernrechnungslegung verpflichtet sind.819 813 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt IV.E. 814 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.B. 815 Vgl. zu einer Übersicht der wichtigsten Konzernrechnungslegungsvorschriften nach IFRS Baetge/Kirsch/Thiele (2011b), S. 33–37. Im Mai 2011 wurde vom IASB IFRS 10 „Consolidated Financial Statement“ veröffentlicht, der IAS 27 und SIC 12 mit Inkrafttreten zum 01. 01. 2013 ersetzt. Vgl. IASB (2011b) und Erchinger/Melcher (2011), S. 1229–1238. 816 Vgl. Theile/Pawelzik (2009), S. 575. 817 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt IV.B.2. 818 Vgl. SEC (2007). 819 Vgl. hierzu Abbildung 80 im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.1. 324 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Die IFRS sehen keinen Konzernlagebericht als Informationsinstrument neben dem Konzernabschluss vor. Deshalb ist nach § 315a Abs. 1 HGB von Konzernen, die nach IFRS Rechnung legen, zusätzlich ein Konzernlagebericht gem. § 315 HGB zu erstellen. Mitunter kommt es zwischen den spezifischen Anhangberichtspflichten nach IFRS und den Soll- und Pflichtbestandteilen des Konzernlageberichts nach dem Handelsgesetzbuch zuÜberschneidungen. Umdieses Problem zu lösen, wurde vom International Accounting Standards Board (IASB) der Entwurf eines sog. Management Commentary vorgelegt, der in Zukunft als separates Berichtselement neben dem IFRS-Konzernabschluss etabliert werden könnte.820 Hinsichtlich der Prüfung von Konzernabschlüssen enthalten die IFRS keine expliziten Vorschriften. Für deutsche Konzerne ergibt sich die Prüfungspflicht aus § 315a Abs. 1 HGB i.V.m. § 316 Abs. 2 HGB, wonach die handelsrechtlichen Regelungen zur Abschlussprüfung auch Konzerne betreffen, die nach den IFRS bilanzieren.821 Diese Lücke soll durch die IDWPrüfungsstandards und die International Standards on Auditing geschlossen werden. 5. IDW Prüfungsstandards und International Standards on Auditing (ISAs)822 Nicht nur die Regelungen zur Rechnungslegung unterliegen einem ständigen Wandel, welcher hauptsächlich durch die Globalisierung der Kapitalmärkte ausgelöst wurde. Auch die entsprechenden Prüfungsstandards bzgl. der Berufsgrundsätze von Wirtschaftsprüfern zur Planung und Durchführung von Abschlussprüfungen wurden in den letzten Jahren harmonisiert. Treibende Kraft ist die International Federation of Accountants (IFAC), die auf internationaler Ebene als Standardsetter fungiert. Für die Entwicklung international anerkannter Prüfungsstandards, der sog. International Standards on Auditing (ISAs), ist das vom IFAC eingesetzte unabhängige International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) zuständig. Deutschland wird in der IFAC durch das IDW und die WPK vertreten. Durch ihre Mitgliedschaft in der IFAC sind diese beiden Organisationen dazu verpflichtet, auf die Umsetzung der ISA in deutsche Prüfungsstandards hinzuwirken. Die Neuregelung der Abschlussprüfung im Jahre 1998 durch die Verabschiedung des KonTraG veranlasste das IDW zur Novellierung des bisherigen Systems von Verlautbarungen, Fachgutachten und Stellungnahmen sowie zu weiteren Anpassungen an die ISAs. Seit dem werden die Verlautbarungen des IDW zur Prüfung als „IDW Prüfungsstandards“ (IDW PS) bezeichnet. Bereits im Dezember 2003 waren sämtliche seinerzeit geltenden ISAs, die die Abschlussprüfung betrafen, in entsprechende IDW PS umgesetzt.823 Mit der Verabschiedung der EU-Abschlussprüferrichtlinie im Mai 2006 wurden die Mitgliedstaaten der EU ferner verpflichtet, bis zum 29. Juni 2008 Rechtsvorschriften 820 Vgl. IASB (2005), S. 1–95; Krawitz/Hartmann (2006), S. 1262–1270. 821 Vgl.Hömberg (2008), S. 177–193. 822 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.A.2.2 und zu Gliederungspunkt III.B. 823 Vgl. IDW (2006), Anhang 3, S. 2471–2473. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 325 zu erlassen, die für die Abschlussprüfer eine Anwendung der ISAs vorsehen.824 Zwischenzeitlich hat der deutsche Gesetzgeber mit dem BilMoG diese Transformation vorgenommen, indem er § 317Abs. 5 undAbs. 6HGB eingefügt hat. Allerdingswurde die amtliche Anerkennung der ISAs über einKomitologieverfahren der EU-Kommission durch das sog. Clarity Projekt des IAASB verzögert, welches sich mit der grundlegenden Überarbeitung zahlreicher ISAs befasste.825 Vor diesemHintergrund hat der Hauptfachausschuss des IDWim Jahre 2010 beschlossen, die Transformation der ISAs in IDW PS kurzfristig fortzusetzen.826 Ausfluss der Bestrebungen ist etwa der IDW EPS 320: Besondere Grundsätze für die Durchführung von Konzernabschlussprüfungen (einschließlich der Tätigkeit von Teilbereichsprüfungen).827 C. Objekte der Konzernabschlussprüfung 1. Einzelabschlüsse als Grundlagen des Konzernabschlusses Für die Prüfung von Konzernabschlüssen deutscher Mutterunternehmen sind die entsprechenden Regelungen des Handelsgesetzbuches ausschlaggebend. Die Prüfungsobjekte lassen sich dabei aus § 317 Abs. 1–Abs. 5 HGB ableiten. Die Besonderheit eines Konzernabschlusses liegt in der Tatsache begründet, dass sich der Konzernabschluss aus den Einzelabschlüssen aller Konzernunternehmen ergibt. Umdie Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage im Konzernabschluss angemessen beurteilen zu können, muss der Abschlussprüfer auch die jeweiligen Einzelabschlüsse der Konzernunternehmen prüfen (§ 317 Abs. 3 Satz 1 HGB). Sofern diese von einem anderen Abschlussprüfer geprüft wurden, „. . . hat der Konzernabschlussprüfer dessen Arbeit zu überprüfen und dies zu dokumentieren“ (§ 317 Abs. 3 Satz 2 HGB). Der Prozess der Konzernabschlusserstellung wird in Abbildung 103828 dargestellt. Die ursprünglichen Einzelabschlüsse, die auch alsHandelsbilanzen I (HB I) bezeichnet werden, genügen in der Regel nicht dem Einheitlichkeitsprinzip. Der Konzernabschluss kann seine Informationsfunktion nur erfüllen, wenn das darin abgebildete Zahlenmaterial ein Mindestmaß an formeller und materieller Einheitlichkeit bietet.829 Deshalb sind im Rahmen der Konzernabschlusserstellung in aller Regel Adaptionsmaßnahmen erforderlich, welche zu neuen Einzelabschlüssen führen, die den konzerneinheitlichen Rechnungslegungsgrundsätzen entsprechen. Diese angepassten Abschlüsse werden alsHandelsbilanzen II (HB II) bezeichnet.830 824 Vgl. Richtlinie 2006/43/EG, S. 87–107. 825 Vgl. hierzu Kämpfer/Schmidt (2009), S. 47–53; Melcher (2009), S. 359–376; Pingel (2007), S. 957–974. 826 Vgl. IDW (2011c), S. 1–24;Noodt/Kunellis (2011), S. 557–571. 827 Vgl. IDW EPS320, S. 1–39. 828 Modifiziert entnommen von Baetge/Kirsch/Thiele (2011b), S. 131. 829 Vgl. hierzu und in der Folge Baetge/Kirsch/Thiele (2011b), S. 129–172. 830 Vgl. zur Veranschaulichung der Maßnahmen zur Aufstellung der Handelsbilanzen II auch Abbildung 103. Da die Kapitalkonsolidierung nach der Neubewertungsmethode durchgeführt werden muss (z. B. nach § 301 Abs. 1 Satz 2 HGB), sind die Vermögenswerte und Schul-

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.