Content

A. Einführung in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 342 - 343

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_342

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen A. Einführung Die Konzernabschlussprüfung hat sowohl für die internen Leitungs- und Überwachungsorgane eines Konzerns als auch für externe Konzernabschlussadressaten eine große Bedeutung. Während im Innenverhältnis z. B. durch den Prüfungsbericht des externen Konzernabschlussprüfers wertvolle Informationen über die Ordnungsmäßigkeit des Rechnungswesens und die Funktionsfähigkeit implementierter Kontrollsysteme vermittelt werden, erhalten Außenstehende zumindest über den Bestätigungsvermerk, dessen Einschränkung oder gar durch den Vermerk über seine Versagung wichtige Hinweise auf die Ordnungsmäßigkeit der Konzernrechnungslegung.793 Die Komplexität und Kompliziertheit der Abschlussprüfung im Konzern unterscheidet sich von der der Abschlussprüfung in Einzelunternehmen allein schon deshalb, weil für Konzerne aus Wirtschaftlichkeitsgründen i. d. R. keine eigenständige Buchführung eingerichtet wird, aus welcher der Konzernabschluss direkt ableitbar wäre. Dieser entsteht vielmehr aus einer als Konsolidierung bezeichneten Aufbereitung und Aggregierung der Einzelabschlüsse der in den Konzernkreis einbezogenen Unternehmen. Die Informationsqualität des Konzernabschlusses hängt demnach auch von der Aussagefähigkeit der integrierten Einzelabschlüsse ab. Ein besonderer Bereich der Konzernabschlussprüfung ist deshalb auch die Prüfung der jeweiligen Einzelabschlüsse, da diese vor allem im internationalen Konzernverbund einem hohen Aufstellungsrisiko unterliegen. So kann z. B. durch die geschickte Wahl abweichender Abschlussstichtage oder die Festlegung willkürlicher Verrechnungspreise für konzerninterne Lieferungen und Leistungen ein unzutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage dieser Unternehmungen entstehen. Mithin ist der Konzernabschlussprüfer gefordert, durch die Prüfung des Konzernabschlusses auch zur Stärkung des Vertrauens der Einzelabschlussadressaten beizutragen. Nicht nur für die Aufstellung der Einzelabschlüsse, sondern auch für die konsolidierte Rechnungslegung bestehen umfangreiche, legalisierte Gestaltungsspielräume, deren Einhaltung der Wirtschaftsprüfer sicherstellen muss. Vor allem aufgrund der zahlreichen Bilanzskandale der vergangenen Jahre, bei denen stets eine Verletzung dieser Bandbreiten zu beobachten war, wurden die nationalen und internationalen Rechtsnormen bzgl. der Rechnungslegung und ihrer Prüfung einer umfassenden Novellierung unterzogen.794 Die nachfolgenden Ausführungen geben zunächst einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen zur Konzernrechnungslegung und ihre Prüfung sowie über wich- 793 Vgl. zur Kontroll-, Informations- und Beglaubigungsfunktion der Abschlussprüfung im Einzelnen Adler/Düring/Schmaltz (2000), Rz. 16–23 zu § 316, S. 10–14. 794 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.B. IV. Periodische Vorbehaltsprüfungen von Konzernen ¢ 319 tige Prüfungsobjekte. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen externe, periodische (jährliche) handelsrechtliche Pflichtprüfungen der Konzernabschlüsse und Konzernlageberichte von Kapitalgesellschaften und ihnen gesetzlich gleichgestellte Unternehmen. Sodann wird die konkrete Ablauforganisation einer solchen Prüfung verdeutlicht. Aufgrund der zahlreichen Überschneidungen zwischen der handelsrechtlichen Pflichtprüfung privater Unternehmen795 und der Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts liegt der Schwerpunkt der Betrachtung dabei auf konzerntypischen Prüffeldern. Darüber hinaus wird auf die Pflichtprüfung des sog. Abhängigkeitsberichts durch den Abschlussprüfer nach § 313 AktG eingegangen. Dieser Bericht des Vorstandes über Beziehungen zu verbundenen Unternehmen i. S. v. § 312 HGB ist von der Unternehmensleitung einer abhängigen Gesellschaft aufzustellen, wenn kein Beherrschungsvertrag mit einem herrschenden Unternehmen geschlossen wurde. Der Abhängigkeitsbericht muss im Grundsatz alle Rechtsgeschäfte und sonstigen Beziehungen zwischen abhängigen und herrschenden Unternehmen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen (Leistung, Gegenleistung sowie Vor- und Nachteile) enthalten und darlegen, wie der Ausgleich ggf. von Nachteilen für das abhängige Unternehmen erfolgt ist. Da die Pflicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses und eines Konzernlageberichts grundsätzlich immer dann besteht, wenn ein Mutterunternehmen auf ein anderes (Tochter-)Unternehmen unmittelbar oder mittelbar einen herrschenden Einfluss ausüben kann,796 besitzt die Prüfung der Konzernrechnungslegung eine Verbindung zur Prüfung des Abhängigkeitsberichts. Zudem stellen beide Revisionsbereiche sog. Vorbehaltsprüfungen dar, da sie gem. § 316 Abs. 2 Satz 1 HGB, § 14 Abs. 1 Satz 1 PublG i.V.m. § 319 Abs. 1 Satz 1 HGB nur von Wirtschaftsprüfern undWirtschaftsprüfungsgesellschaften vorgenommen werden dürfen. Abschließendwerdenweitere Revisionssubjekte bezüglich der Prüfung von Konzernen neben dem Abschlussprüfer dargestellt. B. Rechtliche Grundlagen zur Konzernrechnungslegung und -prüfung 1. Zum Begriff des Konzerns797 Konzerne bestehen aus zwei oder mehr rechtlich selbstständigen Unternehmen, die sich aus wirtschaftlichen oder rechtlichen Gründen zu einem Verbund zusammen geschlossen haben.798 Sämtliche Unternehmen, die von sog. Mutterunternehmen beherrscht werden 795 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C. 796 Vgl. § 290 Abs. 1 Satz 1 HGB. 797 Vgl. hierzu im Einzelnen Sepetauz (2011), S. 1065–1067. 798 Da das Handelsgesetzbuch den Konzernbegriff nicht näher umschreibt, wird i. d. R. auf die Konzerndefinition des § 18 AktG zurückgegriffen. Konzernunternehmen gehören laut § 15 AktG zu den verbundenen Unternehmen. Die rechtliche Selbstständigkeit der Einzelunternehmen bedingt z. B., dass bislang kein eigenes Konzernsteuerrecht existiert und die Besteu-

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.