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F. Umweltbetriebsprüfer und Umweltgutachter in:

Carl-Christian Freidank

Unternehmensüberwachung, page 249 - 258

Die Grundlagen betriebswirtschaftlicher Kontrolle, Prüfung und Aufsicht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-3710-2, ISBN online: 978-3-8006-4612-8, https://doi.org/10.15358/9783800646128_249

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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II. Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane ¢ 225 F. Umweltbetriebsprüfer und Umweltgutachter 1. Struktur des Umwelt-Audit Als Folge der Verabschiedung der EMAS-VO601 und deren Umsetzung in deutsches Recht durch die Neufassung des Umweltauditgesetzes (UAG) vom 04. 09. 2002 hat die Bedeutung der freiwilligen ökologischen Berichterstattung und deren Prüfung in Deutschland weiter zugenommen.602 Die Regelungen zum Umwelt-Audit sollen den Unternehmen als Anleitung zur zweckmäßigen Organisation, Kontrolle und Steuerung des unternehmerischen Umweltschutzes dienen.603 Dabei setzen die Europäischen Gemeinschaften auf Eigenverantwortung und Kooperation undmachen sich marktwirtschaftliche Mechanismen zunutze, indem sie durch die Information des Konsumenten über die Umweltverträglichkeit geprüfter Betriebseinheiten (z. B. Standorte) den Unternehmen einen Anreiz zur freiwilligen Teilnahme am Umwelt-Audit bieten.604 Nach § 1 Abs. 1 UAG besteht das Ziel des Gesetzes in der wirksamen Durchführung der EMAS-VO. Dies soll durch die Zulassung unabhängiger, zuverlässiger und fachkundiger Umweltgutachter und Umweltgutachterorganisationen, deren wirksame Beaufsichtigung sowie das Führen von Registern über die geprüften Betriebseinheiten sichergestellt werden. Für die Wirksamkeit und Akzeptanz der Umwelt-Audit- Prüfung ist der Umweltgutachter von zentraler Bedeutung. Von seiner Zuverlässigkeit, Fachkunde und Unabhängigkeit hängt die Anerkennung und damit der Erfolg des Instruments Umwelt-Audit ab.605 Dementsprechend finden sich in § 4–§ 14 UAG Regelungen zur Zulassung von Umweltgutachtern und in § 15–§ 20 UAG Vorschriften über die Beaufsichtigung der Umweltgutachter.606 Das Umwelt-Audit läuft in mehreren Schritten ab, die in Abbildung 65607 skizziert sind. Die Regelungen der EMAS-VO und deren deutsche Umsetzung durch das Umweltauditgesetz haben ein Instrumentarium geschaffen, das unter Anwendung marktwirtschaftlicher Mechanismen einen Anreiz zur freiwilligen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes bietet. Dies geschieht ohne staatlichen Zwang, wohl aber unter staatlicher Aufsicht durch unabhängige, zuverlässige und staatlich kontrollierte Umweltgutachter. Das Umweltauditgesetz erreicht mithin die Einrichtung eines unternehmensinternen Umweltmanagementsystems, wodurch die Fähigkeit zur frühzeitigen Erkennung öko- 601 Vgl. Verordnung (EG) Nr. 761/2001. Zwischenzeitlich wurde diese Verordnung novelliert und durch die Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 ersetzt. Die Änderungen wurden in das Umweltauditgesetz übernommen. 602 Vgl. hierzu im Einzelnen IDW PS 821, S. 1–25; Lange/Daldrup (2000), S. 215–253; Lange/Ahsen/ Daldrup (2001). 603 Vgl. Schottelius (1997), S. 2. 604 Vgl.Mandler (1994), S. 77–78;Wiebke (1994), S. 290. 605 Vgl.Mandler (1994), S. 73–74. 606 Vgl. hierzu Förschle (1994), S. 4–6; Schottelius (1996), S. 1235–1238. 607 Modifiziert entnommen vonDyllick (1995), S. 305. 226 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung logischer Risiken verbessert wird.608 Allerdings ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass bereits seit Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts in der unternehmerischen Praxis zunehmend eine Tendenz zu beobachten war, Umweltschutz-Managementsysteme nach DIN EN ISO 14001609 auf freiwilliger Basis zertifizieren zu lassen. 608 Vgl. hierzu Förschle/Mandler (1994), S. 522–532. 609 Vgl. hierzuDeutsches Institut für Normung e.V. (2005). Abbildung 65: Ablaufdiagramm für das Umwelt-Audit II. Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane ¢ 227 2. Ökologieorientiertes Auditing als Aufgabe der Internen Revision Im Rahmen eines Öko-Audits nach der EMAS-VO ist eine Umweltbetriebsprüfung durchzuführen, die sowohl durch interne als auch durch externe Instanzen vorgenommen werden kann [Art. 2 Nr. 17) EMAS-VO]. Für die Übernahme der Umweltbetriebsprüfung bietet sich die IR an, da sie spezifische Unternehmenskenntnisse besitzt und die von ihr angewandten Prüfungstechniken (sowohl direkte und indirekte Einzelfallprüfungen, Plausibilitätsprüfungen, Systemprüfungen), die sich nicht nur auf die Ordnungsmäßigkeit sondern auch auf die Zweckmäßigkeit unternehmerischer Abläufe beziehen, ebenfalls im Rahmen der Umweltbetriebsprüfung zur Anwendung kommen.610 In diesem Zusammenhang ist jedoch auf Unterschiede zwischen der klassischen Tätigkeit der IR und der Durchführung einer Umweltbetriebsprüfung hinzuweisen, die eine Anpassung der Arbeitsweise der IR erforderlich macht:611 · Im Vergleich zum bisherigen Verständnis der IR erfolgt ein stärkerer Außenbezug, da eine Prüfung der Erzeugnisbeschaffenheit notwendig wird. · Die Prüfungsberichte der IR richten sich im Rahmen der Umweltbetriebsprüfung an einen größeren Adressatenkreis. Sie sind nicht nur für die Unternehmensleitung, sondern auch für externe Koalitionsteilnehmer wie Umweltgutachter, Versicherungen, Kunden und Umweltschutzgruppen von Interesse. · Die Prüfungsgegenstände und -abläufe im Umwelt-Audit sind stärker abgegrenzt und unterliegen weniger dem Ermessen der Geschäftsleitung. · Die Bedeutung von (risikoorientierten) Systemprüfungen zur Erfassung von Wirkungszusammenhängen nimmt zu. · Der „Öko-Revisor“ unterliegt erweiterten fachlichen Anforderungen, da zusätzliche naturwissenschaftliche Kenntnisse erforderlich sind. Die IR erscheint für die Durchführung der Umweltbetriebsprüfung grundsätzlich geeignet, allerdings hat sie sich den veränderten Anforderungen anzupassen. Insbesondere werden Weiterbildungsmaßnahmen des Prüferpersonals im technischen Bereich erforderlich. Ferner sind den verstärkten Außenwirkungen bei der Erstellung der Prüfungsberichte Rechnung zu tragen und die Regelungen der EMAS-VO und des Umweltauditgesetzes zu beachten. Die im Rahmen einer Umweltbetriebsprüfung relevanten Kriterien werden in Art. 9 und im Anhang III der EMAS-VO erschöpfend aufgezählt. Zur Erreichung unternehmerischer Umweltschutzziele ist die Prüfungstätigkeit der IR insbesondere in vier Bereichen von herausragender Bedeutung:612 · Prüfung ökologiebewusster Unternehmensführung: Bei der Prüfung ökologiebewusster Unternehmensführung ist die Frage zu stellen, ob der Umweltschutzgedanke auch von der höchsten Managementebene getragen wird. Eine Verankerung des ökologischen Bewusstseins sollte sowohl in der Unternehmensstrategie als auch in den Unternehmenszielen erfolgen. · Prüfung der ökologischen Unternehmenseffizienz: Die Effizienz der Umweltorganisationsstruktur lässt sich allgemein durch den Grad der Erreichung von Umweltzielen beschreiben. Ein Bereich der Prüfung ist in diesem Zusammenhang die 610 Vgl. hierzu im Einzelnen die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.E. 611 Vgl. Jahnke (1995), S. 249–251. 612 Vgl. Jahnke (1997), S. 90. 228 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Beurteilung der Maßnahmen zur Ressourcenschonung. Es sind im Rahmen der Organisationsstrukturprüfung z. B. die Abfallbehandlung und -entsorgung sowie die Durchführung von Emissionskontrollen undMaßnahmen des Abwasserschutzes zu untersuchen. · Prüfung des internen ökologischen Kontrollsystems: Zur Durchsetzung unternehmerischer Umweltschutzmaßnahmen sollte in jedem Unternehmen ein ökologisches internes Kontrollsystem (Öko-IKS) eingerichtet werden.613 Der IR kommt bei der Prüfung des Öko-IKS die Aufgabe zu, sich mit den einzelnen Unternehmensbereichen und den für sie geltenden ökologischen Kontrollmechanismen, die aufgrund gesetzlicher oder unternehmensinterner Vorschriften bestehen, auseinanderzusetzen und die Möglichkeiten einer Verbesserung des Umweltschutzes zu untersuchen. Bei seiner Revision bietet sich der Einsatz von Checklisten an, nach deren Vorgabe die wichtigsten Komponenten eines Öko-IKS abgeprüft werden können. · Ökologische Produktlebenszyklusprüfung: Bei dieser Prüfung ist aus ökologischer Sicht der gesamteWeg eines Erzeugnisses von der Entwicklung bis zu seiner Entsorgung unter Umweltgesichtspunkten zu untersuchen. Das Erfordernis einer solchen Prüfung ist nicht nur gesetzlich durch das Produkthaftungsgesetz und andere, dem Verursacherprinzip Rechnung tragende Vorschriften bedingt, sondern es wird auch durch die gestiegenen Ansprüche der Endverbraucher an den unternehmerischen Umweltschutz ausgelöst. Da die Prüfungshandlungen und -gebiete des Umweltbetriebsprüfers weitgehend denen des externen Umweltgutachters entsprechen, kann auf die nachstehenden Ausführungen verwiesen werden. Die Dokumentation der Prüfungsergebnisse erfolgt im Rahmen des Umwelt-Auditing durch die Fertigung eines Prüfungsberichts. Dieser kann als das Produkt der Umweltbetriebsprüfung angesehen werden und repräsentiert dieGrundlage der Umwelterklärung (Anhang IV der EMAS-VO). Die für sie benötigten Daten und anderen Informationen können aus dem Prüfungsbericht entnommen werden.614 Adressaten der Umwelterklärung sind sowohl die Unternehmensleitung als auch die Öffentlichkeit und im Falle der Teilnahme an einer Umwelt-Audit-Prüfung auch der (externe) Umweltgutachter. Bei der Erstellung sollte daher nicht nur auf die Richtigkeit der Angaben sondern auch auf eine klare, die Öffentlichkeit ansprechende Darstellung geachtet werden. 3. Anforderungsprofil des Umweltgutachters Durch die Verabschiedung der EMAS-VO wurde mit dem Umweltgutachter ein neues Berufsbild geschaffen, wobei die Anforderungen an diesen Berufsstand im Umweltauditgesetz konkretisiert werden. 613 Vgl. hierzu Abbildung 66 im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.F.5. 614 Vgl. Förschle/Mandler (1994), S. 522. II. Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane ¢ 229 Die Tätigkeit als Umweltgutachter erfordert nach § 4 Abs. 1 UAG zunächst die Eigenschaften Zuverlässigkeit, Unabhängigkeit und Fachkunde. Die genannten persönlichen und fachlichen Voraussetzungen werden in § 5–§ 7 UAG näher umschrieben. Grundsätzlich liegt die erforderliche Zuverlässigkeit gem. § 5 Abs. 1 UAG dann vor, wenn ein Umweltgutachter aufgrund seiner Fähigkeiten, seines Verhaltens und seiner persönlichen Eigenschaften zur Ausführung der ihm obliegenden Aufgaben befähigt ist. Ein Katalog mit Sachverhalten, die das Vorliegen der Zuverlässigkeit ausschlie- ßen, findet sich in § 5 Abs. 2 UAG. Hierunter fallen z. B. Urkundenfälschung, Konkursdelikte und bestimmte Umweltdelikte. Das Unabhängigkeitsprinzip wird in § 6 UAG definiert. Nach Art. 20 Abs. 5 Satz 1 EMAS-VO ist die erforderliche Unabhängigkeit gegeben, wenn der Umweltgutachter keinemwirtschaftlichen, finanziellen oder sonstigenDruck unterliegt, der sein objektivesUrteilbeeinträchtigenkann. In§ 6Abs. 2UAGwerdenSachverhaltegenannt,beideren Eintreten die erforderliche Unabhängigkeit nicht gegeben ist. Hierunter fallen z. B. dieBeeinflussbarkeit aufgrundwirtschaftlicher,personelleroderorganisatorischerVerflechtungenunddieTätigkeit alsAngestellter bei einemzuprüfendenUnternehmen. Das Prinzip der Fachkunde wird in § 7 UAG erläutert. Ein Umweltgutachter besitzt die erforderliche Fachkunde, „. . . wenn er auf Grund seiner Ausbildung, beruflichen Bildung und praktischen Erfahrung zur ordnungsgemäßen Erfüllung der ihm obliegenden Aufgaben geeignet ist“615. Das Erfordernis der Fachkunde setzt den Abschluss eines Studiums in einem der in § 7 Abs. 2 Nr. 1 UAG genannten Gebiete voraus. Ausnahmen werden von § 7 Abs. 3 UAG zugelassen. Zudem verlangt § 7 Abs. 2 Nr. 2 UAG ausreichende Fachkenntnisse z. B. auf den Gebieten der Umweltbetriebsprüfung, des Umweltmanagements und des Umweltrechts. Schließlich müssen nach § 7 Abs. 2 Nr. 3 UAG praktische Kenntnisse vorliegen, die durch eine mindestens dreijährige eigenverantwortliche hauptberufliche Tätigkeit erworben werden können. Bestehen die benötigten Fachkenntnisse lediglich in einem von § 7 Abs. 2 Nr. 2 UAG genannten Sektor, so ist nach § 8 UAG die Erteilung einer auf diesen begrenzten Bereich bezugnehmende Fachkenntnisbescheinigung möglich. Eine gutachterliche Tätigkeit kann dann nur in Zusammenarbeit mit einem Umweltgutachter erfolgen, der die Gültigkeit der Umwelterklärungen bestätigt. Sämtliche Vorschriften über das Zulassungsverfahren befinden sich in § 11 UAG. So wird die Fachkunde des Bewerbers im Rahmen einer mündlichen Prüfung festgestellt, die sich nach § 11 Abs. 2 UAG auf die oben genannten Fachgebiete und die praktischen Probleme der Arbeit eines Umweltgutachters bezieht. Die Zulassung von Umweltgutachtern erfolgt durch eine Zulassungsstelle und erstreckt sich gem. § 9 Abs. 1 UAG auch auf Bereiche, für die eine bei dem Umweltgutachter angestellte Person Fachkenntnis besitzt. Bezieht sich die Zulassung eines Umweltgutachters auf Gebiete, in denen er selbst nicht über die erforderliche Fachkenntnis verfügt, so sind nach § 9 Abs. 2 UAG Berichte und die Gültigkeitserklärung von Umwelterklärungen von den angestellten fachkundigen Personen mitzuzeichnen. Neben der Zulassung von Umweltgutachtern und Inhabern von Fachkenntnisbescheinigungen sieht das Umweltauditgesetz die Zulassung von Umweltgutachter- 615 § 7 Abs. 1 UAG. 230 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung organisationen vor. Dieses können „. . . eingetragene Vereine, Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, eingetragene Genossenschaften, offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften und Partnerschaftsgesellschaften ... sowie Personenvereinigungen, die in einem anderenMitgliedstaat der EuropäischenUnion ... alsUmweltgutachterorganisationen zugelassen sind“616, sein. Nach § 10 Abs. 1 UAG muss mindestens ein Drittel der persönlich haftenden Gesellschafter, Partner, Mitglieder des Vorstandes oder der Geschäftsführung zumindest aus Personenmit Fachkenntnisbescheinigungen und einem Umweltgutachter bestehen. Umweltgutachterorganisationen haben nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 UAG geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufzuweisen. Auch darf gem. § 10 Abs. 1Nr. 5 UAGkeinwirtschaftlicher, finanzieller oder sonstiger Druck die Unabhängigkeit beeinträchtigen. Für die Tätigkeit des Umweltgutachters sind sowohl technische als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse erforderlich. In diesem Zusammenhang bemühen sich Umweltschutzorganisationen, Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften um die Übernahme von Revisionsaufgaben, die aus dem Umwelt-Auditing resultieren. Aufgrund ihrer Erfahrung im Prüfungsbereich und in der Unternehmensberatung bietet sich die Tätigkeit als Umweltgutachter/Umweltgutachterorganisation für Wirtschaftsprüfer undWirtschaftsprüfungsgesellschaften an. 4. Aufsichtssystem Zur Sicherstellung der Qualität des Instruments Umwelt-Audit erfolgt eine Überwachung der Umweltgutachter und -organisationen sowie der Inhaber von Fachkenntnisbescheinigungen durch die Zulassungsstelle. Diese unterliegt nach § 29 UAG der Aufsicht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Sie prüft gem. § 15 Abs. 1 UAG mindestens alle 24 Monate das Vorhandensein der Zulassungsvoraussetzungen und die Qualität der vorgenommenen Begutachtungen und kann nach § 16 Abs. 2 UAG die Fortführung der gutachterlichen Tätigkeit bis zur Behebung der festgestellten Mängel untersagen. Zudem wurde beim BMU ein Umweltgutachterausschuss eingerichtet, der laut § 21 Abs. 1 UAG die Aufgaben hat, Richtlinien zur Auslegung der Vorschriften und Verordnungen über die Zulassung und Beaufsichtigung von Umweltgutachtern, -organisationen und Inhabern von Fachkenntnisbescheinigungen zu erlassen, die Prüferliste zu führen, Empfehlungen für die Besetzung des Widerspruchsausschusses abzugeben, das BMU in Zulassungs- und Aufsichtsfragen zu beraten und die Verbreitung der EMAS zu fördern. Die Zusammensetzung des Umweltgutachterausschusses wird in § 22 UAG detailliert geregelt. Ihm gehören Vertreter der Unternehmen, der Verwaltungen von Bund und Ländern, des Berufsstandes der Umweltgutachter, der Gewerkschaften sowie der Umweltverbände an. Der Umweltgutachterausschuss steht unter der Rechtsaufsicht des BMU (§ 27 Abs. 1 UAG). Schließlich wird nach § 24 Abs. 1 UAG ein Wider- 616 § 2 Abs. 3 UAG. II. Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane ¢ 231 spruchsausschuss beim BMU eingerichtet, der über Widersprüche gegen Verwaltungsakte der Zulassungsstelle entscheidet. 5. Elementare Prüfungsaufgaben des Umweltgutachters Gem. Art. 18 Abs. 2a) der EMAS-VO beziehen sich die Prüfungsaufgaben des externen Umweltgutachters auf folgendeObjekte:617 · das Umweltmanagementsystem, · das Verfahren für die Umweltbetriebsprüfung und · die Umwelterklärung. Die konkrete Beschreibung der Prüfungsaufgaben dieser Bereiche findet sich in Art. 18 und im Anhang I der EMAS-VO. Der Bericht des Umweltgutachters an die Unternehmensleitung „. . . umfasst a) alle für die Arbeit des Umweltgutachters relevanten Sacherverhalte; b) eine Beschreibung der Einhaltung sämtlicher Vorschriften dieser Verordnung, einschließlich Nachweise, Feststellungen und Schlussfolgerungen; c) einen Vergleich der Umweltleistungen und Einzelziele mit den früheren Umwelterklärungen und die Bewertung der Umweltleistung und der ständigen Umweltleistungsverbesserung der Organisation; d) die bei der Umweltprüfung oder der Umweltbetriebsprüfung oder dem Umweltmanagementsystem oder anderen Prozessen aufgetretenen technischen Mängel“618. Im Gegensatz zur handelsrechtlichen Pflichtprüfung von Jahresabschluss und Lagebericht handelt es sich bei Umwelt-Audits um betriebswirtschaftliche Revisionen unternehmerischer Umweltmanagementsysteme619, die eine deutliche Nähe zu denGeschäftsführungsprüfungen, z. B. gem. § 53 HGrG, aufweisen. Die eigentliche Prüfungstätigkeit des Umweltgutachters beginnt mit Abschluss der vorausgegangenen Abschnitte des Audit-Prozesses [Umwelt (betriebs)prüfung z. B. durch die IR und Umwelterklärung durch den Vorstand]. Das Kernstück der Revisionstätigkeit stellt die Prüfung und Beurteilung der für die Öffentlichkeit bestimmtenUmwelterklärung dar, in der die Ergebnisse aller Umwelt-Audit-Prozesse zusammengefasst werden. Nur sie erhält die Gültigkeitserklärung (Testat) des externen Umweltgutachters. Die erforderlichen Komponenten der Umwelterklärung werden im Anhang IV B. der EMAS-VO genannt. Auch imRahmenderRevisiondesUmweltgutachters kommtesnicht auf einevollständige Prüfung aller Sachverhalte an, sondern hier steht ebenfalls die Wahl der jeweils richtigen Prüfungsmethode für das entsprechende Prüffeld unterWirtschaftlichkeitsaspekten imZentrumdes Interesses.VordiesemHintergrundbietet es sichan, für jedes Unternehmen eine individuelle Prüfungsstrategie zu entwickeln, „. . . die auf spezifischeDefizite undRisiken desUnternehmens abstellt, Prüfungsschwerpunkte definiert und sach- undkostengerechte Prüfungsverfahren vorschlägt“620. 617 Vgl. hierzu auch Abbildung 66. 618 Art. 25 Abs. 6 der EMAS-VO. 619 Vgl. Abbildung 65 im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.F.1. 620 Förschle/Mandler (1994), S. 533. 232 ¢ Dritter Teil: Betriebswirtschaftliche Prüfung Abbildung 66: Struktur des Umweltmanagementsystems621 Korrespondierend zur Prüfungsplanung bei der handelsrechtlichen Jahresabschlussprüfung können dann auf der Basis des risikoorientierten Prüfungsansatzes unter Berücksichtigung spezifischer Risikoeinschätzungen für einzelne Prüffelder Methode und Ausmaß der Revisionshandlungen bestimmt werden.622 Die Prüfung des Umweltmanagementsystems623 stellt eine Systemprüfung dar, die nicht die Revision von Einzelfällen zum Gegenstand hat, sondern auf die Untersuchung der Wirksamkeit bzw. der Zweckmäßigkeit sämtlicher Prozesse und Aspekte (Anhang III der EMAS-VO) des Umweltmanagementsystems ausgerichtet ist. Hierbei fließen sowohl 621 Modifiziert entnommen von Förschle/Mandler (1994), S. 1096. 622 Vgl. hierzu im Einzelnen die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III. C.5.2.2.2. 623 Vgl. hierzu Abbildung 66. II. Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane ¢ 233 Einschätzungen über das (ökologische) Kontrollumfeld des Unternehmens als auch über die Qualität des internen (ökologischen) Kontrollmechanismus in die Beurteilung des Prüfers ein. Sofern der Umweltgutachterwesentliche Verarbeitungsmängel im Rahmen der Prüfung des Umweltmanagementsystems feststellt, hat er nach pflichtmäßigem Ermessen die Einzelfallprüfung ökologischer Sachverhalte (z. B. konkrete Überprüfung der Zahlenangaben über Schadstoffemissionen, Abfallaufkommen, Lärm etc. in der Umwelterklärung) vorzunehmen. Vor dem aufgezeigten Hintergrund der zu erfüllenden Revisionsaufgaben lassen sich zusammenfassend drei Prüfungsgebiete im Kontext des Umwelt-Audit herausstellen:624 · Management Audit, · Compliance Audit, · Performance Audit. Die Revision des Umweltmanagementsystems (Management Audit), die mit Hilfe einer Systemprüfung vorgenommen wird, stellt primär eine Zweckmäßigkeitsprüfung des ökologischen Organisationssystems eines Standortes dar. Demgegenüber wird von Compliance Audit gesprochen, wenn die konkrete Einhaltung aller relevanten Umweltnormen geprüft wird.625 Diese Prüfung trägt den Charakter einer Ordnungsmäßigkeitsprüfung, da sie in erster Linie feststellen will, ob die Umweltpolitik im Einklang mit den einschlägigen Vorschriften dieser Verordnung festgelegt [Art. 18 Abs. 2b) der EMAS-VO] wurde. Performance Audits beziehen sich schließlich auf die Revision der Leistungswerte des betrieblichen Umweltschutzes. Mit Hilfe von Plausibilitätsbeurteilungen und sich ggf. anschließenden Einzelfallprüfungen hat der Umweltgutachter in diesem Zusammenhang zu untersuchen, ob sämtliche Angaben in der Umwelterklärung richtig sind (z. B. Messwerte über Schadstoffemissionen) und ob alle elementaren ökologischen Fragestellungen umfassend beantwortet wurden. Sofern aber ein funktionierendes Umweltmanagementsystem existiert und keine wesentlichen Risiken festgestellt wurden, die Anlass zu einer Intensivierung der Prüfungshandlung geben, wird sich der Umweltgutachter weitgehend auf die ihm vorgelegten Messprotokolle und sonstigen umweltbezogenen Auswertungen verlassen können. Zu den Ergebnissen seiner Begutachtungs- und Validierungstätigkeiten hat der Umweltgutachter eine Erklärung zu verfassen (Art. 24 Abs. 9 und Anhang VII der EMAS-VO), mit der er u. a. bestätigt, dass die Begutachtungen und Validierungen mit den Anforderungen der EMAS-VO übereinstimmen sowie keine Belege für die Nichteinhaltung der geltenden Umweltvorschriften vorliegen. 624 Vgl. Förschle/Mandler (1994), S. 534–537. 625 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt III.C.5.2. III. Periodische Vorbehaltsprüfungen privatrechtlicher Unternehmen A. Abgrenzung von anderen Prüfungen Die folgenden Ausführungen befassen sich mit externen, periodischen (jährlichen) Unternehmensprüfungen der Rechnungslegung (z. B. Einzel-Jahresabschluss und Einzel-Lagebericht) privatrechtlicher Unternehmen. Es stehen vor allem privat organisierte Prüfungen, insbesondere solche mit gesetzlicher Grundlage, im Zentrum des Interesses, deren Träger nur Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer sowie Wirtschaftsprüfungs- bzw. Buchprüfungsgesellschaften sein können. Hierbei handelt es sich um sog. Vorbehaltsprüfungen, die wegen ihrer Komplexität und Kompliziertheit nur von Personen durchgeführt werden dürfen, die eine bestimmte Qualifikation (Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer) aufweisen.626 Weiterhin beschränken sich die Darlegungen in diesem Kapitel auf handelsrechtliche Pflichtprüfungen von Kapitalgesellschaften und ihnen gesetzlich gleichgestellte Unternehmen. Im Einzelnen werden die Grundlagen der jährlichen Rechnungslegungsprüfung bei den bedeutendsten Formen der Personenhandels- (OHG, KG) und der Kapitalgesellschaften (AG, KGaA, GmbH) sowie Konzernen vermittelt. B. Wichtige Reformen von Rechnungslegung und Prüfungswesen627 Prinzipiell zielen die Reformbestrebungen in den Bereichen Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung vor demHintergrund einer zunehmendenGlobalisierung der unternehmerischen Tätigkeiten darauf ab, zum Zwecke der Vergleichbarkeit und der Sicherheit der mit den Instrumenten der Rechnungslegung übermittelten Informationen international einheitliche und anerkannte Rechnungs- und Prüfungsgrundsätze zu schaffen. Dieser Harmonisierungsprozess wurde durch die zahlreichen Wirtschafts- und Bilanzskandale in jüngerer Zeit noch beschleunigt und soll im Kern zur Stärkung des Anlegervertrauens in die Richtigkeit von Unternehmensinformationen sowie zur Stabilität der Kapitalmärkte beitragen. Vor dem Hintergrund der mit diesen Umbruchprozessen verbundenen Transformationsdynamik internationaler Standardsetter, des Gesetzgebers, der Berufsverbände und/oder der Aufsichtsbehörden in verbindliche Rechnungslegungs- und Überwachungsvorschriften fällt es allen Betrof- 626 Vgl. hierzu die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.A.2. 627 Vgl. hierzu auch die Ausführungen im Dritten Teil zu Gliederungspunkt II.A.2.2.

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References

Zusammenfassung

"eine hervorragende Grundlage sowohl für die Lehre als auch ein außergewöhnlich nützliches Nachschlagewerk für die Praxis." Die Wirtschaftsprüfung 24/2012

Alle Überwachungsaktivitäten eines Unternehmens.

Dieses Handbuch führt Sie in die theoretischen, rechtlichen sowie system- und prozessorientierten Grundlagen der betriebswirtschaftlichen Kontrolle, Prüfung und Aufsicht ein. Alle Bereiche der Wirtschaftsprüfung, Internen Revision, des Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, des Vorstands und Aufsichtsrats sowie des Controllings werden eingehend behandelt.

Aus dem Inhalt:

Grundlagen der Überwachungslehre

- Corporate Governance

- Überwachungssysteme

- Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensüberwachung

Betriebswirtschaftliche Kontrolle

- Unternehmenspolitik und Kontrolle

- Internes Kontrollsystem

- Risikomanagement und -controlling

- Aufbau und Einsatz von Kontrollrechnungen

Betriebswirtschaftliche Prüfung

- Grundlagen der Prüfungslehre

- Ausgewählte Prüfer und Prüfungsorgane

- Vorbehaltsprüfungen von Einzelunternehmen und Konzernen

- Sonderprüfungen

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Darüber hinaus werden Praktiker, hier vor allem Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Interne Revisoren, Controller, Verantwortliche für Risikomanagement- und Compliancesysteme sowie Aufsichts-, Verwaltungs- und Beiräte angesprochen.

Der Experte

Prof. Dr. habil. Carl-Christian Freidank, Institut für Wirtschaftsprüfung und Steuerwesen der Univ. Hamburg.