2 Schritt 2: Nivellieren und Glätten der Produktion in:

Hitoshi Takeda

Das synchrone Produktionssystem, page 45 - 57

Just-in-time für das ganze Unternehmen

7. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4607-4, ISBN online: 978-3-8006-4608-1, https://doi.org/10.15358/9783800646081_45

Series: Management Competence

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Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 29 Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 2 Die effizienteste Form der Güterproduktion besteht darin, jeden Tag von den gleichen Teilen die gleiche Stückzahl herzustellen. Häufig werden aber die benötigten Stückzahlen in einem Schub z. B. am Monatsende oder in einer einzigen Wochenhälfte gefertigt. Dies hat zur Folge, daß zu bestimmten Zeiten sehr viel Leerlauf entsteht, zu anderen Zeiten eine übermäßige Belastung auftritt, die dann nur durch Überstunden oder zusätzlichen Einsatz der Maschinenanlagen bewältigt werden kann. Diese Verfahrensweise führt zu großen Verschwendungen im Unternehmen. Man muß sich klarmachen, daß es für die Effizienz eines Werks günstiger ist, täglich immer die gleiche Stückzahl zu produzieren. Die anzustrebende Form der Produktion ergibt sich aus dem für jedes Produkt notwendigen Zeitrahmen. Wenn bespielsweise von einem Produkt pro Monat 10.000 Stück verkauft werden und für die Fertigung 20 Arbeitstage zur Verfügung stehen, folgt daraus, daß pro Tag 10.000 Stück 20 Tage = 500 Stück produziert werden müssen. Bei einer täglichen Arbeitszeit von 480  Minuten würde dies bedeuten, daß es hinreichend ist, in 480 Minuten 500 Stück = 0,96 Minuten ein Stück zu produzieren. Dieser für ein Produkt bestehende Zeitrahmen wird Taktzeit genannt. Die Methode, die es ermöglicht, das jeweilige Produkt in der entsprechenden Taktzeit zu fertigen, nennt man geglättete Produktion. Die Vorstufe dazu ist die nivellierte Produktion, die man auch als Tagestakt bezeichnen könnte, bei der die Monatsproduktion in Tagesteilmengen unterteilt wird. Es ist weiterhin wichtig zu wissen, daß die verschiedenen Bearbeitungsstationen miteinander verknüpft werden müssen. Jede Bearbeitungsstation muß in Taktzeit produzieren, ansonsten kommt es zu einem ständigen Wechsel zwischen Unter- und Überlastung. Die geglättete Produktion wird im Rahmen des synchronen Produktionssystems als die effizienteste Art der Produktion betrachtet. Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion30 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 30 Lagerbestände sind schädlich Bei den herkömmlichen Produktionsverfahren wird von den Teilen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt hergestellt werden können, möglichst viel produziert. Dies geschieht ohne Bezug zum konkreten Kunden. Man nennt dies schiebende Produktion. Obwohl sehr viel vorhanden sind, fehlt es häufig an den benötigten Teilen, und es kommt zu Lieferverzögerungen. Viele Unternehmen produzieren offenbar nach dem Motto: »Verschwendung ist unser Kapital«. Überall gibt es Bestände, nicht ausgelastete Anlagen und Mitarbeiter. Jedes Unternehmen will im Prinzip durch 1. Synchronisation 2. Autonomation Produktionsdurchlaufzeiten verkürzen und mit flexiblem Personaleinsatz arbeiten, aber es sind die Lagerbestände, die das Erreichen dieser Ziele verhindern. Deshalb sollte man nicht von angemessenen oder optimierten Lagerbeständen sprechen. Alle Lagerbestände sind schädlich. Jedes Unternehmen will 1. die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt mit möglichst wenig und flexibel einsetzbarem Personal fertigen, 2. in der Lage sein, bei Störungen sofort zu reagieren. Wird der Wasserspiegel (Bestände) abgesenkt, werden die Probleme sichtbar. Das Absenken des Wasserspiegels bringt Stillstände der Produktionslinien mit sich. Bemühe dich ständig, die Lagerbestände zu reduzieren. zu produzierende (auszuliefernde) Stückzahl Umwandlung zum synchronen Produktionssystem Mittel zur Reduzierung der Lagerbestände 1. Glätten der Produktion (Voraussetzung) 2. Produktion in Losen stoppen, statt dessen im Fluß produzieren (den Fluß schmal und schnell machen) 3. Linien so gestalten, daß sie bei Störungen sofort anhalten (sofort angehalten werden können) Das Lager ist das Hindernis hierfür Höhe des Wasserspiegels (Steine) Probleme des Genba Kunde intern letztgelagerter Prozeß Fertigteillager Abb. 2.1 Lager Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 31 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 31 Nimm Dir fest vor, die Lagerbestände, die Wurzel allen Übels, ständig zu reduzieren. Durch die Verminderung der Lagerbestände werden die verschiedenen Arten der Verschwendung sichtbar. Oder besser gesagt, ohne Eliminierung der Verschwendungen kann es keine Reduktion der Lagerbestände geben. Das Mittel zur Verminderung der Lagerbestände ist die nivellierte, geglättete Produktion, beginnend mit dem letztgelagerten Prozeß. Der Aufbau des synchronen Produktionssystems, bei dem die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt gefertigt werden, gelingt nur dann, wenn man in dem Bereich ansetzt, der in direktem Kontakt zum externen Kunden steht. Die Umsetzung muß entgegen der Fließrichtung der Teile bzw. Produkte vom Unterlauf zum Oberlauf erfolgen. Dabei erreicht man schrittweise ein immer höheres Niveau. Das Konzept des Glättens Wir leben heute im Zeitalter des Individualismus. Die Unternehmen müssen sich auf die sich vervielfältigenden Wünsche der Kunden einstellen, wenn sie nicht ins Hintertreffen geraten wollen. Die Herstellungskosten werden zu einem großen Teil dadurch bestimmt, inwieweit es gelingt, die Produktionsweise auf Lieferschwankungen und immer größer werdende Produktvielfalt bei kleineren Losgrößen einzustellen. Die Herstellungskosten werden somit durch die Produktionsweise festgelegt. Sie können nur durch synchrone Produktion gesenkt werden. Es ist einfach entscheidend, kostengünstig herstellen und liefern zu können. Bei der praktischen Umsetzung müssen durch eine geglättete Produktion alle Schwankungen gründlich eliminiert werden. Der Schwerpunkt sollte hierbei weniger auf der Effizienz des einzelnen Bereichs als auf der Effizienz des Gesamtsystems liegen. Durch ein Fertigteillager wird zunächst sichergestellt, daß den Kundenwünschen unter allen Umständen entsprochen werden kann. Gleichzeitig wird intern die nivellierte, geglättete Produktion konsequent vorangetrieben, Verschwendungen werden eliminiert (Reduzierung der Verlustkosten) und die Durchlaufzeiten verkürzt. Es werden leistungsfähige Linien aufgebaut. Das Endziel besteht darin, die Produkte genau auf die vielfältigen Kundenwünsche hin herzustellen (minimale Herstellungskosten). Beim Vorantreiben des synchronen Produktionssystems spielt die Ziffer 1 eine große Rolle. Die Bedeutung dieser Ziffer erklärt sich daraus, daß an der Schnittstelle zum Kunden die 1 letztendlich die kleinste Produktionseinheit darstellt. Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion32 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 32 Nivellieren bedeutet, die Gesamtstückzahlen für ein bestimmtes Produkt in Tagesmengen einzuteilen. Glätten bedeutet, diese Tagesmengen in weitere Teilmengen zu zerlegen. Die geglättete Produktion ist die billigste Methode der Güterproduktion. Durch Eliminieren der Schwankungen in Bezug auf Sorte und Menge sowie durch geringe Umlaufbestände wird eine hohe Effizienz des Werks insgesamt erzielt. Das Glätten an der letzten Bearbeitungsstation ist besonders wichtig. Schwankungen an der letzten Bearbeitungsstation führen dazu, daß die vorgelagerten Prozesse ihre Umlaufbestände, Anlagen, Arbeitskräfte an den Spitzen orientieren müssen. Je weiter man deshalb stromaufwärts geht, desto stärker sind die Auswirkungen. Verschwendung erzeugt Verschwendung. Das Konzept des Glättens 1. Nivellieren (Unterteilen in Tagesmengen) Sachnummer A B C 123456 123457 123458 monatliche benötigte Stückzahl Nivellierungsanweisung (20 Arbeitstage) zur Produktion der gleichen täglichen Stückzahl 2.000 1.600 400 täglich 100 täglich 80 täglich 20 2. Glätten (Tagesmenge wird in weitere Teilmengen unterteilt) Sachnummer A B C 123456 123457 123458 Tagesproduktion 4 Produktionszyklen Tagesproduktion wird in 4 Teile eingeteilt 100 80 20 25 20 5 3. Erhöhung der Zyklenzahl (Häufiges Heranziehen) Sachnummer A B C 123456 123457 123458 Tagesproduktion Produktion mit hoher Zyklenzahl (mit 20 Zyklen) 100 80 20 5 4 1 täglich wird 4mal ein Zyklus mit Stück durchlaufen täglich wird ein Zyklus mit Stück durchlaufen 4. Anzustrebende Form Jedes Produkt wird in dem Zeitrahmen, der durch den Verkauf vorgegeben wird, gefertigt. Die Tagesmenge wird in 4 Teilmengen unterteilt. Dies nennt man 4fach-Zyklen oder 4maliges Heranziehen. Die Teilmenge für das Produkt mit der geringsten Stückzahl wird auf 1 gebracht. Die Teilmengen der anderen Produkte betragen ein Vielfaches. Aspekte Schritte der Umsetzung Das Endziel besteht aus einer weiteren Aufteilung, so daß kein Teil öfter als zweimal hintereinander in rhythmischer Arbeit produziert wird. Abb. 2.2 Nivellieren, Glätten der Produktion Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 33 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 33 Abb. 2.3 Warum glätten? – Ziel Schlüsselbegriffe Das heißt, es wird mit Verkaufsgeschwindigkeit produziert. Das Glätten der Produktion erfolgt deshalb, um die Produktionslinien so zu stärken, daß sie auf die egoistischen Anforderungen des Kunden reagieren können (das Glätten ist bestimmt kein Selbstzweck). In dem durch den Verkauf vorgegebenen Zeitrahmen produzieren. (Bei stückweisem Verkauf muß die Produktion auch stückweise erfolgen.) Das Lager ist die Wurzel allen Übels. (Es nimmt das Moment der Spannung aus dem Management und verhindert das Aktivieren des Kaizenprozesses) Nur die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt produzieren (richtige Reaktion auf die geforderte Produktvielfalt). (Muß mit minimalen Beständen, Maschinen und Arbeitskrafteinsatz (Personal) geschehen) Das Glätten aller Prozesse ermöglicht die niedrigsten Herstellungskosten. Wie können diese Anforderungen erfüllt werden? Sei fest davon überzeugt, daß alle Herstellungskosten durch die Produktionsweise bestimmt werden Die Linie muß sofort reagieren können, auch wenn die Produktionsanweisungen wie ein Kartenspiel gemischt und dann wahllos herausgezogen werden (bei geringen Beständen, Maschinen- und Personaleinsatz). Anzustrebende Form Der Kunde ist egoistisch! (Er verlangt eine große Produktvielfalt.) Beim Glätten der Produktion tritt die Fertigungssteuerungsabteilung an die Stelle des Stammkunden. (Anweisung zum Nivellieren Glätten Erhöhen der Zyklen) Die Verkaufsabteilung versucht, einen möglichst schwankungsfreien Produktionsplan aufzustellen (Plan wird so aufgebaut, daß er eine Stufe oberhalb der Leistungsfähigkeit der Produktionsabteilung liegt). Die Fertigungsabteilung versucht, sich in Richtung der Produktionseinheit 1 zu bewegen. Das Nivellieren • Glätten der Produktion bedeutet, daß alle Verschwendungen sichtbar werden. Im Rahmen des synchronen Produktionssystems spielt die Ziffer 1 eine wichtige Rolle. Gesichtspunkt Visuelles Management Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion34 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 34 Nivellierte Produktion (Unterteilen in Tagesmengen) Schritt 1 der Umsetzung Beim ersten Schritt der Umsetzung werden, angefangen beim letztgelagerten Prozeß, jeweils nur die Tagesmengen eines bestimmten Produktes gefertigt. Die Fertigungssteuerungsabteilung, die die Produktionspläne erstellt, tritt für den letztgelagerten Prozeß an die Stelle des Stammkunden. Dabei ist es wichtig, daß diese präzise die jeweiligen Stückzahlen heranzieht. Das ist die alles entscheidende Grundlage. Bei der praktischen Umsetzung stellt man oft fest, daß es nicht möglich ist, die Fertigung aller Produkte (Sachnummern) zu nivellieren. Dies kann daran liegen, daß die Anzahl der zu fertigenden Produkte geringer ist als die Anzahl der Arbeitstage, so daß die Fertigung bereits in der ersten Monatshälfte beendet ist. Solche Produkte werden im Unterschied zu den regulären als irregulär bezeichnet. Für diese Produkte werden im Tagesablauf freie Zeiten für die Produktion eingerichtet. Bezogen auf die Anzahl der Sachnummern wird der Anteil dieser irregulären Produkte relativ hoch sein, bezogen auf die Gesamtstückzahlen werden sie aber allenfalls 20 – 30 Prozent ausmachen. Ein anderes Problem, auf welches man bei der Umsetzung sofort stößt, stellen die Umrüstzeiten dar. Man erlebt schmerzhaft, zu welch langen Stillständen der Linie das Umrüsten führt (detaillierte Erläuterungen hierzu in Kapitel 5). Diese Probleme dürfen nicht dazu führen, daß man aufgibt. Es muß alles getan werden, die Umrüstzeiten zu verkürzen, auch wenn dies höheren Personaleinsatz erfordert. Hier hilft nur Kaizen und nochmals Kaizen! Solange die Kaizenmaßnahmen noch nicht greifen, müssen Überstunden gefahren werden. Die Kaizenmaßnahmen führen jedoch schließlich zu einem Abbau der durch die Überstunden verursachten Kosten. Dieser Zusammenhang macht die Notwendigkeit für die Verbesserung des Umrüstens deutlich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, daß die Auslieferungsstelle für die Fertigteile von der Linie aus nicht zu sehen sein darf. Auch der Produktionsplan darf nur am letztgelagerten Prozeß ausgehängt werden, nicht am vorgelagerten (Produktionsanweisungen ergehen nur an eine Stelle). Der jeweils nachgelagerte Prozeß zieht exakt die festgelegten Stückzahlen vom vorgelagerten Prozeß heran. Nur auf diese Weise erfährt der vorgelagerte Prozeß den Umfang der Monatsproduktion. Teile, von denen nur ein Stück pro Monat gefertigt werden, werden als Fertigteile vorrätig gehalten, Teile, die nur einmal in zwei Monaten produziert werden müßten, sollten erst gar nicht hergestellt werden. Produkte, die nur auf einen einmaligen Auftrag hin hergestellt werden, werden in Tagesmengen produziert. Auf keinen Fall darf lediglich auf der Grundlage von Erwartungen hin produziert werden. Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 35 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 35 Beim Nivellieren wird die Gesamtstückzahl für jedes einzelne Produkt (Produkt A, B, C) in gleiche Tagesmengen (A täglich 100, B täglich 80, C täglich 20) eingeteilt. In der Realität gibt es wenige Linien, über die lediglich 2 – 3 Sachnummern fließen, in vielen Fällen sind es 10 – 20 Sachnummern. Aber diese Linien sind wegen langer Umrüstzeiten wenig leistungsfähig. 70 – 80% der Tagesproduktion entfallen auf die Hauptprodukte. Beginne beim Nivellieren mit den Hauptprodukten! Langes Umrüsten Die Produkte A, B und C werden täglich in jeweils gleicher Stückzahl produziert – es werden reservierte Zeiten bestimmt (reguläre Produkte). Für die Produkte D – K wird der Tag des Heranziehens festgelegt – es werden freie Zeiten bestimmt und in geplanter Produktion produziert (irreguläre Produkte). Die Auslieferungsstelle muß sich an einem Ort befinden, der von der Linie aus nicht zu sehen ist! Wenn das Fertigteillager von der Linie aus eingesehen werden kann, führt das dazu, daß sich die Mitarbeiter in einem falschen Sicherheitsgefühl wiegen. Die Fertigungssteuerungsabteilung zieht zu festgelegten Zeiten (stündlich) festgelegte Mengen vom Linienende (Fertigteilwarenhaus) ab. Wenn die festgelegte Stückzahl (A 25 Stück) zur festgelegten Zeit (10.00 Uhr) nicht fertiggestellt ist, ist die Produktionslinie verpflichtet, diese Teile sofort nach ihrer Fertigstellung an die Fertigungssteuerungsabteilung (Lager) zu liefern. 1. Zunächst erfolgt das Glätten des letzten Bearbeitungsprozesses (Hauptprodukte kommen auf reservierte Zeitplätze, die Exoten auf die freien Zeitplätze) 2. Den vorgelagerten Prozessen wird die Anzahl der täglich benötigten Teile bekanntgegeben (sie bekommen grundsätzlich keinen Produktionsplan, außer für die Exoten D – K) Stückzahl Produkt 2.000 1.000 2.000 1.600 400 110 90 85 52 30 10 5 A DCB E HGF I KJ 200 8.00 10.00 12.00 15.00 16.00 17.00 CB irr eg ul är e P ro du kt e D K Bis 16.00 Uhr werden die regulären Produkte gefertigt. Produkt A Damit keine Lieferprobleme entstehen, werden diese Produkte im voraus in geplanter Produktion gefertigt. Aspekte Schritte Gesichtspunkte – Täglich 100 Stück vom Produkt A und 80 Stück vom Produkt B heranziehen Visuelles Management 3. Das Abziehen der Fertigprodukte erfolgt exakt zur festgelegten Zeit in festgelegter Menge. So wird eine Situation geschaffen, die auf einen Blick erkennen läßt, ob die Produktion zu schnell oder zu langsam ist. Abb. 2.4 Nivellieren der Produktion – Schritt 1 der Umsetzung (Fortsetzung auf der nächsten Seite) Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion36 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 36 Das Glätten der Produktion führt zu einer Erhöhung der  Zyklen Schritte 2 und 3 der Umsetzung Repräsentativ für die geglättete Produktion ist die Produktion in vier bzw. acht Zyklen (vier- bzw. achtmaliges Heranziehen). Die gleiche Sachnummer wird alle zwei Stunden bzw. jede Stunde vom Fertigteillager herangezogen. Wenn dies gelingt, bedeutet dies, daß die Warenhäuser in den vorgelagerten Prozessen im Vergleich zur nivellierten Produktion mit einem Viertel bzw. einem Achtel der Bestände auskommen. Die große Hürde hierbei ist wieder das Umrüsten. Wenn man dies nur halbherzig angeht, werden die Lagerbestände nie kleiner! Es ist anzustreben, die Zyklen immer weiter zu erhöhen, bis die Produktionseinheit 1 erreicht ist. Alle Prozeßstationen sollen gleichsam wie durch eine Endloskette miteinander verknüpft werden. Es muß eine Kette sein, die durch ein zuverlässiges Logistiksystem zwischen den Prozeßstationen und minimierte Umrüstzeiten getragen wird. Eine Kette deshalb, weil man nicht schieben, wohl aber ziehen kann (der nachgelagerte Prozeß zieht heran). Beispiel für das Nivellieren einer Sachnummer, die an einen Kunden geliefert wird Zeitplan Punkte B. benötigte tägliche Stückzahl berechnet aus A C. Maximum der berechneten B E. Summe der produzierten Teile Tag 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 100 100 150 150 150 150 160 160 160 160 160 143 143 143 143 143 143 143 123 123 123 123 123 123 123 123 123 1.000 Stück/ 7 Tage 160 Bedingungen Fertigstellung am Tag vor der Auslieferung A. Summe der benötigten Stückzahl 3. Lagerbestand nach Auslieferung 4. Maxima der Lagerbestände 2. D. Anweisung für das Nivellieren 1. Auslieferungsanweisung 0 0 200 0 400 200 0 200 0 100 160 320 280 440 200 160 320 280 440 440 440 160 160 160 160 160 143 143 123 123 160 320 480 640 800 960 1.120 1.280 1.440 200 600 800 1.000 1.100 Es muß das Maximum produziert werden, da man sonst am 6. Tag Lieferschwierigkeiten bekommt Abb. 2.4 Nivellieren der Produktion – Schritt 1 der Umsetzung (Fortsetzung) Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 37 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 37 Wenn sich die nivellierte Produktion stabilisiert hat, wird als nächstes die Tagesmenge in Teilmengen unterteilt. 2 Zyklen (2mal heranziehen) 4 Zyklen (4mal heranziehen) 8 Zyklen (8mal heranziehen) 16 Zyklen (16mal heranziehen) Aspekt 1 Schlüsselbegriffe Aspekt 2 Durch diesen Zyklus werden die verschiedenen Prozeßstationen wie durch eine Kette miteinander verknüpft, und die Fertigung wird synchronisiert (die vorgelagerten Prozesse produzieren nichts Überflüssiges, die Umlaufbestände sind auf ein Minimum reduziert). Zu den irregulären Produkten zählen solche, die nicht täglich fließen: Produkte, bei denen im 4-Zyklen-Modus weniger als 4 Stück produziert werden – Teile, die auf Grund der Verpackung in festgelegter Stückzahl produziert werden müssen usw. Die freien Zeiten liegen grundsätzlich so, wie in der Skizze angegeben. In einer Übergangszeit ist es aber auch denkbar, alle irregulären Teile nach Beendigung der Zyklen hintereinander zu produzieren. Die Anzahl der Zyklen drückt aus, wie oft das gleiche Produkt (Sachnummer) im Laufe eines Tages von der Auslieferungsstelle herangezogen wird. Häufig wird mit 4 Zyklen (alle 2 Stunden), 8 Zyklen (jede Stunde), 16 Zyklen (alle 30 Minuten) gearbeitet. Bestände am vorgelagerten Prozeß auf 1/4 reduziert Bestände am vorgelagerten Prozeß auf 1/16 reduziert Anmerkung: FZ bedeutet freie Zeiten für die Produktion von D – K (irreguläre Produkte). Es kann beliebig jedes dieser Teile gefertigt werden (Anweisung durch Fertigungssteuerungsabteilung) Zeit Zyklus 2 Zyklen 4 Zyklen 8 Zyklen 16 Zyklen 32 Zyklen 4 Stunden 2 Stunden 1 Stunde 30 Minuten 8.00 9.00 10.00 11.00 12.00 13.00 14.00 15.00 16.00 17.00 Intervall Produkt FZA B C Produkt FZA B C FZA B CFZA B C FZA B CFZA B C A A B B C Abb. 2.5 Glätten der Produktion – Schritt 2 der Umsetzung Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion38 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 38 Abb. 2.6 Erhöhen der Zyklenzahl – Schritt 3 der Umsetzung An jedem Tag zu jeder Stunde werden jeweils die gleichen Produkte hergestellt. Die Zyklen werden verkürzt und die Anzahl erhöht. Unter den Produkten, die mit hoher Zyklenzahl gefertigt werden, wird dasjenige mit der geringsten Stückzahl auf eine Produktionseinheit von 1 gebracht. Während eines Zyklus wird dreimal umgerüstet. Produktionsmodus Durch die Verkürzung der Zyklen und die Erhöhung der Zyklenzahl können die Bestände in den vorgelagerten Prozessen (Warenhäusern) auf der Basis eines Vertrauensverhältnisses jeweils auf 1/2, 1/4, 1/8, 1/16 verringert werden. Die vorgelagerten Prozesse fertigen mit Blick auf das Warenhaus in der Reihenfolge, in der vom nachgelagerten Prozeß abgezogen wird. Sie produzieren nur die abgezogene Menge (die vorgelagerten Prozesse erhalten zwar keinen Produktionsplan, aber Richtwerte für die Stückzahl jeder Sachnummer). Zur Erhöhung der Zyklenzahl ist es unumgänglich, 1.die Umrüstzeiten zu verkürzen – Ein-Griff-Umrüsten (das Niveau des Umrüstens bestimmt das Ausmaß der Glättung und die Zyklenzahl) 2.Schlechtteile/Maschinendefekte auszumerzen (Rationalisierung, Stabilisierung der Linien) 3.die Einheit des Heranziehens vom vorgelagerten Prozeß auf 1 zu bringen (Zuverlässigkeit des vorgelagerten Prozesses und des Transports) Es ist umgekehrt auch möglich, die Zyklenzahl zu erhöhen, um dadurch die Notwendigkeit für die Verkürzung der Umrüstzeiten dringender zu machen. Sachnummer A B C 123456 123457 123458 Tagesproduktion 100 80 20 Produktion mit hoher Zyklenzahl (mit 20 Zyklen) täglich wird ein Zyklus mit 5 4 1 Stück durchlaufen Das Endziel des synchronen Produktionssystems ist die Produktionseinheit 1. Bei C ist keine weitere Verringerung möglich. A A A A B B B B C C Umrüsten Umrüsten 1 Zyklus Aspekt 1 Gesichtspunkte Kaizenmaßnahmen Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 39 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 39 Anzustrebende Form Schritt 4 der Umsetzung Die Herstellungskosten für ein Produkt werden durch Qualität, Menge und Zeit bestimmt (Zeit ist Geld). Der Zeitrahmen wird ermittelt, indem die Arbeitszeit durch die benötigte Stückzahl dividiert wird. Dieser Zeitrahmen wird Taktzeit genannt (detaillierte Erläuterungen hierzu in Kapitel 7). Wenn man alle Produkte, Teile und Zukaufteile in Taktzeit herstellt bzw. heranzieht, führt dies zur Reduktion der Herstellungskosten. Wenn es zudem gelingt, alle Produkte und Teile in Taktzeit und darüber hinaus nie mehr als zwei hintereinander in rhythmischer Arbeit zu produzieren, ist es mit geringstem Einsatz an Beständen, Anlagen und Personal möglich, kurze Durchlaufzeiten zu erzielen und die vom Kunden geforderte Produktvielfalt zu realisieren. Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion40 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 40 A A AB A B C B 2,4 min 2,4 min A 2,4 min A B Für jedes Produkt gibt es einen notwendigen Zeitrahmen (jedes Produkt sollte in dem durch den Verkauf vorgegebenen Zeitrahmen produziert werden). Bei stückweisem Verkauf wird auch stückweise produziert. Es wird jedesmal mit einem Griff umgerüstet Das Umrüsten wird in die rhythmisch sich wiederholende Arbeit integriert (Arbeitselement) A B C 123456 123457 123458 100 80 20 480 min (60 min x 8) 4,8 min/Stück (480/100) 6,0 min/Stück (480/80) 24 min/Stück (480/20) Sachnummer Tagesproduktion Arbeitszeit Zeitrahmen Zeitrahmen Dieser Zeitrahmen wird Taktzeit genannt (detaillierte Erläuterung in Kapitel 7). Die Taktzeit der Linie beträgt 480 min/200 Stück = 2,4 min/Stück Von dem gleichen Produkt werden nie mehr als 2 hintereinander in rhythmischer Arbeit gefertigt. Wenn es gelingt, auf diese Weise zu produzieren, ist man in der Lage, unmittelbar auf jeden Kundenwunsch zu reagieren. Als nächstes werden Kaizenmaßnahmen, Reformen und Veränderungen mit dem Ziel eingeleitet, daß auch der vorgelagerte Prozeß wie oben dargestellt in rhythmischer Wiederholung produzieren kann (Reduzierung der Bestände). Produktion ist ein genaues Abbild des Verkaufs (Produktionsprojektion 1:1) Im Falle von Produkt A ist es ausreichend, wenn alle 4,8 min ein Teil produziert wird. Der Zeitrahmen (Taktzeit) für A, B und C wird in der nachfolgenden Skizze dargestellt. Aspekt 1 A B C A B C A B C BBB A A A A 4,8 min 6,0 min 24,0 min Schritt 2: Nivellieren und Glätten der  Produktion 41 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 41 Abb. 2.7 Anzustrebende Form für die geglättete Produktion – Schritt 4 der Umsetzung Glätten der Produktionsmenge und des Arbeitsvolumens Es geht darum, wie man die geglättete Produktion mit möglichst wenig Mitarbeitern bewerkstelligen kann. Reduzierung der Herstellungskosten Reduzierung der Mitarbeiter Produktionsreihenfolge benötigte Stationen Stationen Station 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 1 Z yk lu s A B A B A C A B A B 5 7 5 7 5 10 5 7 4 7 Anordnung der Mitarbeiter Station 3 und 6 Es wird mit 6 Personen gearbeitet.Bei der Produktion von Produkt C übernimmt der Mitarbeiter die Stationen 3 und 4 Bei der Produktion des Teils C werden die Stationen 6, 7 und 8 vom Logistiker oder vom Meister bedient. Es gibt noch Kaizenbedarf. Angenommen, man hat folgende Arbeitsvolumina: Produkt A Produkt B Produkt C 5 Bearbeitungsstationen 7 Bearbeitungsstationen 10 Bearbeitungsstationen 5 Personen 7 Personen 10 Personen und einen Zyklus

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References

Zusammenfassung

* Effizient, qualitätssicher und gewinnbringend produzieren

* Das Standardwerk vom Lean-Guru Hitoshi Takeda ab jetzt bei Vahlen

Der internationale Wettbewerb wird immer härter, Grenzen verlieren an Bedeutung und die Vielfalt von Produkten steigt immer weiter. Diese Marktbedingungen erfordern ein passendes Produktionssystem, das die wirtschaftliche Fertigung von kleinsten Losen und eine hohe Variantenvielfalt ermöglicht.

Lernen Sie vom Begründer des "Synchronen Produktionssystems"

* Wie Sie Durchlaufzeiten drastisch verkürzen

* Wie Sie Lagerbestände erfolgreich senken

* Wie Sie Umrüstzeiten erheblich beschleuni-gen

* Wie Sie die Qualität signifikant erhöhen

* Wie Sie kontinuierlich die Produktivität stei-gern

* Wie Sie auch bei schlechter Auftragslage Gewinne erwirtschaften

Die konsequente und nachhaltige Umsetzung des synchronen Produktionssystems hat uns an die Leistungsspitze geführt. Wir produzieren seitdem ein komplexeres Produktportfolio mit deutlich reduzierter Lieferzeit. Das Buch veranschaulicht sehr gut die schrittweise Einführung der Lean Bausteine und zeigt klar auf, dass deren Zusammenspiel ein Garant für Erfolg ist.

Hannes Katzschner, Geschäftsführer Roto Frank Bauelemente GmbH

Zum Autor

Hitoshi Takeda absolvierte ein ingenieurwis-senschaftliches Studium in Tokyo und arbeitete fast zwanzig Jahre in der Automobilindustrie. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit Fertigungssteuerungssystemen und Prozessrationalisierung. Sein Schwerpunkt ist die Entwicklung intelligenter Automatisierungssysteme.

Bis zur 6. Auflage erschien dieses Buch im Verlag mi-Wirtschaftsbuch.