12 Schritt 12: Kanban in:

Hitoshi Takeda

Das synchrone Produktionssystem, page 188 - 237

Just-in-time für das ganze Unternehmen

7. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4607-4, ISBN online: 978-3-8006-4608-1, https://doi.org/10.15358/9783800646081_188

Series: Management Competence

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Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 177 12Schritt 12: Kanban Kanban ist ein Werkzeug zur Realisierung des synchronen Produktionssystems. Es ist neben der standardisierten Arbeit, die zum Management der menschlichen Arbeit dient, eine wichtige Säule des synchronen Produktionssystems, darüber hinaus ein wichtiges Kaizenwerkzeug. Es ist im Prinzip nur ein kleines viereckiges Stück Papier, auf dem steht, was in welcher Stückzahl herangezogen und wie hergestellt werden soll. Der nachgelagerte Prozeß zieht jeweils nur die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt heran, und der vorgelagerte Prozeß produziert nur das, was der nachgelagerte Prozeß verlangt. Kanban, die diese Informationen für das Heranziehen bzw. für den Transport enthalten, werden Heranziehkanban genannt. Demgegenüber werden solche Kanban, die die Produktion anweisen, Produktionskanban genannt. Diese beiden Funktionskanban sind miteinander verknüpft und kreisen innerhalb und zwischen den Werken. Kanban sind endgültige Informationen und gleichzeitig Willensausdruck. Kanban einzuführen ist sehr leicht. Sie aber im Rahmen des synchronen Produktionssystems mit Leben zu erfüllen, ist außerordentlich schwierig. Erfolg wird sich dann einstellen, wenn man den Sinn der Kanban richtig versteht, die Prozesse mit Hilfe des visuellen Managements transparent macht, alle Probleme an die Oberfläche bringt und entsprechende Kaizenmaßnahmen einleitet. Voraussetzung für den Aufbau starker Linien ist, daß die vereinbarten Regeln eingehalten werden. Kanban können schöpferisch weiterentwickelt werden. Dies trägt zur Stabilisierung und Entwicklung des synchronen Produktionssystems bei. Ich empfehle Ihnen dringend, Kanban einzusetzen. Kanban, ein Werkzeug zum Managen von Dingen Unternehmen müssen Gewinne machen Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Verschwendung von menschlicher und maschineller Arbeit, Verschwendung durch Transport und Lagerhaltung und andere Verschwendungsarten zu eliminieren. Die Kanban sind entwickelt wor- Schritt 12: Kanban178 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 178 Ziel: Die Verschwendung durch Überproduktion eliminieren, die Herstellungskosten senken. Planproduktion (herkömmliches Verfahren auf Erwartungen basierend) ➩ Push-System Die Teile werden vom vorgelagerten Prozeß in den nachgelagerten Prozeß geschoben. – Umstände im vorgelagerten Prozeß führen dazu, daß mehr Teile als benötigt in den nachgelagerten Prozeß geschoben werden. Verschwendung durch Überproduktion Ursache für andere Arten von Verschwendung Stellfläche für Vormaterial vorgelagerter Prozeß nachgelagerter Prozeß Auftragseingang Auslieferung C D A B A D C B A B D B A D B C Stellfläche für Fertigteile vorzeitiger Verbrauch von Material, Energie; Hilfsstoffen, Personalkosten usw. Der nachgelagerte Prozeß holt die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt beim vorgelagerten Prozeß ab. Der vorgelagerte Prozeß versucht, mit minimalen Umlaufbeständen den Anforderungen zu entsprechen.Zinsbelastung für Umlaufbestände und Fertigteile, erhöhter Ordnungsbedarf, Transport, Flächenbelegung, Rost, Qualitätsminderung durch Schlagkerben, erhöhter Verwaltungs- und Steuerungsaufwand usw. Die Kanban werden nur auf der Grundlage des synchronen Produktionssystems wirksam. Vor der Einführung der Kanban ist es unbedingt notwendig, das synchrone Produktionssystem wirklich zu praktizieren. Verwenden als Werkzeug für Kaizenaktivitäten Endziel: Reduzierung der Herstellungskosten Management der Mitarbeiter: standardisierte Arbeit Management von Gegenständen: Kanban Management von Anlagen: Andon-System (akust.opt. Signale) Nachfüllende Produktion (zukünftiges Verfahren) ➩ Pull-System Vormaterialwarenhaus Auftragseingang Auslieferung C D A B D C B A D C B A C B A Fertigteilwarenhaus Zwischenproduktwarenhaus Grundprinzip des Kanbansystems Kanban, ein äußerst nützliches Werkzeug B D A vorgelagerter Prozeß nachgelagerter Prozeß Alle Arten von Verschwendung eliminieren. Alle Schmarotzer vertreiben. Erst dadurch kommt die Wirkung der Kanban zum Tragen. Glätten der Produktion Abb. 12.1 Kanban Schritt 12: Kanban 179 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 179 den, um auf sehr effektive Weise die Verschwendung durch Überproduktion zu verhindern, dadurch auch verschiedenen anderen Verschwendungsarten vorzubeugen und somit die Herstellungskosten zu reduzieren. Bei den herkömmlichen Produktionsverfahren werden die Teile vom vorgelagerten Prozeß in den nachgelagerten Prozeß geschoben. Die Produktion erfolgt aufgrund von Plänen oder Erwartungen. Dabei ist es unvermeidlich, daß mehr Teile als benötigt hergestellt und transportiert werden. Dies führt zur Verschwendung durch Überproduktion. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, das Produktionssystem dahingehend zu verändern, daß nur die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt produziert werden. Dieses System wird mit einer anderen Bezeichnung auch Supermarktsystem genannt, da immer nur das Entnommene nachgeliefert wird und jeweils der nachgelagerte Prozeß heranzieht. Es kommt darauf an, daß die vom Kunden gewünschte Ware zum gewünschten Zeitpunkt in notwendiger Stückzahl vorhanden ist. Der Supermarkt (der vorgelagerte Prozeß) steht also vor der Aufgabe, die vom Kunden gewünschte Ware entsprechend bereitzustellen. Mit Hilfe der Kanban wird dieses Konzept in der Produktion realisiert. Der Supermarkt muß die Anforderungen mit minimalem Puffer und Lagerbestand erfüllen. Denn der Kunde verlangt gute Qualität zu möglichst niedrigen Preisen. Kanban sind ein extrem hilfreiches Werkzeug zur Aufrechterhaltung der Just-in-time-Produktion und zur Behebung solcher Probleme, die durch visuelles Management an die Oberfläche geholt wurden. Sie sind die Hauptakteure beim Management der Dinge mit dem Ziel, Herstellungskosten zu reduzieren und die Gewinne zu maximieren. Anwendung der drei Kanbanfunktionen Kanban können ihre Wirkung nur auf der Basis des synchronen Produktionsprozesses entfalten. Sie dienen hierbei zur Festigung und zur Förderung von Kaizenaktivitäten. Kanban und synchrones Produktionssystem sind aber auf keinen Fall gleichzusetzen. Kanban sollen eine Steuerungsfunktion ausüben, die ähnlich dem autonomen (vegetativen) Nervensystem arbeitet. Wenn dies nicht der Fall ist, dann sind es lediglich Begleitzettel. Funktion 1 Automatische Weitergabe der Informationen zur Arbeitsanweisung Kanban geben automatisch und exakt an, was wann in welcher Stückzahl nach welcher Methode produziert bzw. transportiert werden soll. Wirft man einen Blick auf die Kanban, so kann man die Bezeichnung des Produkts, die Artikelnummer, die Menge, den Zeitraum, die Methode, die Reihenfolge, die Stellfläche, Schritt 12: Kanban180 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 180 Die drei Funktionen 1. Arbeitsanweisung 2. Materialmanagement 3. Werkzeug für Kaizen Die Arbeitsinformationen, was wann in welcher Stückzahl produziert bzw. transportiert werden soll, werden automatisch und exakt angegeben. Alle Teile werden mit Kanban versehen, und die Kanban fließen mit dem Material. Hierdurch wird der Material- und Informationsfluß zusammengefaßt. Dies vereinfacht die Steuerung. Durch das visuelle Management des Genba wird es leichter, die Ansatzpunkte für Kaizen zu erfassen. ➩ Dadurch wird es zu einem Werkzeug für Kaizen. Arbeitsanweisung (Produktionsanweisung, Transportanweisung) 1. Produktionsanweisung: Die Kanban sind ein automatischer Steuerungsmechanismus Die Produktbezeichnung, Sachnummer, Menge, Zeitraum, Methode, Reihenfolge, Stellfläche, Behälter und andere Informationen werden durch einen Blick auf die Kanbankarte sofort erkennbar. Materialmanagement Jedes Teil wird mit Kanban versehen. Dadurch, daß die Kanban mit den Teilen fließen, wird der Material- und der Informationsfluß zusammengefaßt und das Management erleichtert. 2. Transportanweisung: Beim Transport (zwischen den Prozessen, zwischen Unternehmen) werden die Produktbezeichnung, die Sachnummer, die Menge, der Zeitraum, die Stellfläche, das Transportziel, der Behälter und andere Informationen durch einen Blick auf die Kanbankarte sofort erkennbar. Durch Begrenzung der Anzahl der Kanbankarten wird überflüssige Produktion und überflüssiger Transport verhindert. Durch die Reihenfolge des Eintreffens der Kanbankarten werden die Prioritäten für die Produktion und den Transport gesetzt. Sie sind ein Mittel zur Feinsteuerung, zur Reaktion auf Produktionsschwankungen beim Kunden (dem nachgelagerten Prozeß). Durch die Kanbankarten ist gewährleistet, daß nur die benötigten Teile produziert werden. Durch das Abstellen auf definierten Flächen wird der Zugriff erleichtert und das Material in Fluß gebracht. Dadurch, daß die Dringlichkeitsstufe (Priorität) des nachgelagerten Prozesses bekannt wird, wird verhindert, daß es zu einem Mangel an Vormaterial kommt. Es werden vorausschauende Maßnahmen möglich. Ein Kaizenwerkzeug Durch die oben beschriebenen Funktionen und durch das visuelle Management am Genba wird das Erfassen der Ansatzpunkte für Kaizen erleichtert. Die Kanban werden so zu einem Kaizenwerkzeug. Mit Hilfe der Kanban kann man überprüfen, ob die standardisierte Arbeit (Produktion, Transport) eingehalten wird. Dies bietet wiederum Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Arbeitsabläufe. Die Arbeitsbelastung in dem jeweiligen Prozeß wird erfaßt. Dies bietet Anhaltspunkte zur Reduzierung der für einen Prozeß benötigten Zeit bzw. zur Leistungssteigerung. Der Umfang der Umlaufbestände wird deutlich. Dies bietet die Möglichkeit zur Reduzierung d. Umlaufbestände. Es wird möglich, das Personal in den Linien durch flexiblen Einsatz angemessener und effizienter einzusetzen. Der Stand der Produktion im nachgelagerten Prozeß sowie die Dringlichkeit der Anforderungen wird für den vorgelagerten Prozeß erkennbar. Dadurch wird Überproduktion behindert und eine Verkleinerung der Losgrößen gefördert. Aspekte 1 2 3 1 1 2 3 4 5 2 3 Abb. 12.2 Die Kanbanfunktionen Schritt 12: Kanban 181 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 181 den Behälter, das Transportziel usw. erkennen. Kanban ermöglichen ein Nivellieren bzw. Glätten der Produktion und gleichzeitig eine flexible Reaktion auf Produktionsschwankungen (Mittel zur Feinsteuerung). Funktion 2 Integration von Material- und Informationsfluß Kanban sind ein Werkzeug des visuellen Managements. Sie sorgen dafür, daß der Material- und Informationsfluß zusammengefaßt werden. Auf diese Weise kann der tatsächliche Materialfluß (genbutsu) präzise verfolgt werden. Dies sorgt zusammen mit der erstgenannten Funktion dafür, daß man auf die vielen kleinen Schwankungen der Produktionsmenge schnell reagieren kann. Es darf keinen Gegenstand ohne zugehöriges Kanban geben. Funktion 3 Ein wirksames Kaizenwerkzeug Durch den richtigen Einsatz der Kanban und durch visuelles Management erschließen sich die zu verbessernden Inhalte von selbst. Kanban werden auf diese Weise zu einem effizienten Mittel im Kaizenprozeß. Die eigentliche Aufgabe der Kanban liegt in dieser dritten Funktion. Es geht letztendlich um die Negierung des Ist-Zustandes, die konsequente Eliminierung der Verschwendung und damit um die Reduzierung der Herstellungskosten. Wenn es nur darum ginge, Arbeitsanweisungen zu geben oder Material zu verwalten, so gäbe es viele andere Methoden und Hilfsmittel. Diese dritte Funktion kann nur dann erfüllt werden, wenn die Kanban absolut zuverlässig funktionieren. Diesen Zusammenhang muß man sich immer wieder klarmachen. Die sieben Voraussetzungen zur Einführung der Kanban Keine Einführung der Kanban ohne Veränderung der Produktionsweise Zur Einführung der Kanban reicht es nicht aus, lediglich die Grundgedanken und -funktionen verstanden zu haben. Zuerst müssen die Voraussetzungen erkannt und durch entsprechende Kaizenmaßnahmen geschaffen werden. Schritt 12: Kanban182 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 182 Sind die grundlegenden Prinzipien und Funktionen der Kanban bekannt und verstanden worden, müssen die Voraussetzungen für die Einführung geschaffen werden. Die 7 Voraussetzungen Aufbau einer Fließfertigung: Der Fluß der Produktion (Maschinen, Werkstücke, Informationen, Mitarbeiter, Kaizenaktivitäten) darf nirgends ins Stocken geraten. Verkleinerung der Losgrößen: Reduzierung der Umrüstzeiten. Nivellieren, Glätten der Produktion: Die Fertigungssteuerung muß sich intensiv um das Glätten kümmern. Verkürzen und Vereinheitlichen der Transportzyklen: Den Transport in den Fluß integrieren. Kontinuierliche Produktion: Wenn nicht produziert wird, zirkulieren die Kanban nicht. Adressen bestimmen: Allein mit einer Kanbankarte muß jedermann in der Lage sein, die betreffenden Teile abzuholen. Festlegen der Verpackungsform, der Behälter: Behälter sollen möglichst klein, mit möglichst wenig Teilen beladen sein. 1. Fließfertigung Das Vorhandensein großer Umlaufbestände in den Linien würde bedeuten, daß auch sehr viele Kanbankarten dafür vorhanden sein müßten. Dies würde die Funktionsfähigkeit der Kanban beeinträchtigen und das visuelle Management unmöglich machen. Außerdem würde man nicht erkennen, wo überhaupt die Probleme dieser Linie liegen. (Kapitel 4) 2. Verkleinerung der Losgrößen Bei der Produktion in großen Losen läßt man sich von den Produktionsstückzahlen pro Stunde und den Umrüstzeiten gefangennehmen und glaubt durch große Lose die Effizienz steigern zu können. Tatsächlich wird durch die Vergrößerung der Lose die Belastung der vorgelagerten Prozesse erhöht, werden Probleme verdeckt und große Umlaufbestände geschaffen. Dies führt zu einer Vielzahl von Verschwendungen. Es gilt, durch Verkürzung der Umrüstzeiten eine Verkleinerung der Losgrößen zu ermöglichen. (Kapitel 5) 3. Nivellieren, Glätten der Produktion Die Schwankungen der Produktionsstückzahlen müssen eliminiert und eine Verkleinerung der Umlaufbestände erreicht werden. Das Glätten des letztgelagerten Prozesses ist besonders wichtig. Wenn im letztgelagerten Prozeß die Produktionsstückzahlen schwanken, so erhöhen sich die Belastungen der vorgelagerten Prozesse. Je weiter man in der Kette der vorgelagerten Prozesse zurückgeht, desto größer werden die Schwankungen. Die geglättete Produktion ist das billigste Verfahren der Güterherstellung. (Kapitel 2) 4. Verkürzen und Vereinheitlichen der Transportzyklen Das Heranziehen durch den nachgelagerten Prozeß muß effektiv und möglichst zeitgenau erfolgen, wobei die gültigen Informationen und die Teile zusammen transportiert werden. Anzustreben ist, daß jeweils nur die für ein Produkt benötigten Teile herangezogen werden. Der Transport sollte mit hoher Frequenz und gemischter Beladung erfolgen. (Kapitel 5) 5. Kontinuierliche Produktion Die Kanban leben durch ihre Zirkulation. Die Produktion sollte bis zu einem gewissen Grad kontinuierlich erfolgen. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen ein Produkt nur einmal gefertigt wird. 6. Adressen bestimmen So wie jeder Haushalt eine Adresse besitzt, muß auch für jedes Teil unbedingt eine Adresse bestimmt werden. Das System muß durchgängig und für jedermann leicht verständlich sein. Mit wenigen Informationen sollte eine klare Ortsbestimmung möglich sein. (Kapitel 6) 7. Festlegen der Verpackungsform, der Behälter Die Verpackungsart und die Behälter werden durch die Anforderungen des nachgelagerten Prozesses bestimmt. In vielen Fällen entspricht die Größe der Verpackungen, Behälter nicht den Anforderungen des nachgelagerten Prozesses. (Kapitel 6) Aspekte 1 2 3 4 5 6 7 Abb. 12.3 Die Voraussetzungen für die Einführung der Kanban Schritt 12: Kanban 183 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 183 Voraussetzung 1 Aufbau einer Fließfertigung Die Linien müssen in Fluß gebracht werden. Es kommt darauf an, einen gleichmäßigen Fluß mit standardisierter Arbeit in sich wiederholendem Rhythmus (Taktzeit) zu schaffen. Voraussetzung 2 Verkleinerung der Losgrößen bei der Produktion Bei der Produktion in großen Losen wird automatisch zu viel produziert. Deshalb müssen die Vorurteile gegen das Umrüsten zerstört werden. Die wichtigste Maßnahme zur Eliminierung der Verschwendung durch Überproduktion ist also die Reduzierung der Umrüstzeiten. Nur so wird der Einzelstückfluß möglich. Voraussetzung 3 Geglättete Produktion Die geglättete Produktion ist das billigste Verfahren zur Herstellung von Gütern. Eine Produktion ohne Schwankungen in Bezug auf Sorte und Menge mit geringen Umlaufbeständen gewährleistet das Höchstmaß an Effizienz für das Werk insgesamt. Das Glätten ist besonders im letztgelagerten Prozeß sehr wichtig. Die Arbeitsvorbereitung und die Fertigungssteuerung müssen in ständigem Kontakt mit dem Genba an der Glättung der Produktion arbeiten. Voraussetzung 4 Verkürzung und Vereinheitlichung der Transportzyklen Da das Heranziehen des Materials durch den nachgelagerten Prozeß gleichzeitig eine Produktionsanweisung für den vorgelagerten Prozeß bedeutet, ist es für das Glätten der Produktion notwendig, die Transportzyklen zu verkürzen und ihre Frequenz zu erhöhen. Voraussetzung 5 Kontinuierliche Produktion Die Kanban ermöglichen, den Materialfluß innerhalb einer Linie sowie zwischen den vor- und nachgelagerten Prozessen in Form eines Endloszyklus zu gestalten. Dies bedeutet, daß auch die Produktion gewissermaßen endlos durchgeführt werden kann. Schritt 12: Kanban184 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 184 Voraussetzung 6 Bestimmung der Adressen Hierbei handelt es sich um die Adressen der Gegenstände. Überall dort, wo Gegenstände abgestellt werden, muß eine Adresse existieren sowie Menge und Ort festgelegt sein. Es kommt darauf an, daß man jeden mit geringem Informationsaufwand in die Lage versetzt, sich zu orientieren. Voraussetzung 7 Konsequentes Management der Behälter und Verpackungsformen Um Gegenstände abzustellen oder zu transportieren, sind Behälter und Verpackungsmittel notwendig. Hierbei kommt es besonders darauf an, daß kleine Behälter verwendet werden, daß in einen Behälter jeweils nur eine Sachnummer kommt, daß die Qualität nicht beeinträchtigt wird, daß sie leicht zu handhaben sind und daß die Zahl der enthaltenen Teile exakt zu erkennen ist. Dies sind die sieben Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Zusätzlich muß man sich besonders vor Augen halten, daß der Transport, der den vorgelagerten mit dem nachgelagerten Prozeß verbindet, auf einem Vertrauensverhältnis beruht. Wenn dieses nicht vorhanden ist, führt dies zu erhöhten Pufferbeständen, und es besteht die Gefahr, daß das System insgesamt zusammenbricht. Die acht Regeln für die Verwendung der Kanban Für den Einsatz eines jeden Werkzeugs gibt es Regeln. Je wirkungsvoller das Werkzeug ist, desto wichtiger ist die richtige Handhabung. Bei richtiger Handhabung kann es ein sehr wirkungsvolles Mittel zum Erreichen der Ziele sein, bei falscher Handhabung umgekehrt sehr große Störungen verursachen. Für den richtigen Einsatz der Kanban müssen die folgenden acht Regeln unbedingt eingehalten werden. Regel 1 Zu jedem Behälter gehört ein Kanban Dies ist eine einfache, allerdings die wichtigste Regel. Trotzdem schafft man es in vielen Fällen nicht, diese einfache Regel einzuhalten. Bei der Einführung von Kanban stellt man dies immer wieder fest. Wird gegen diese Regel verstoßen, müssen alle Mitarbeiter am Genba sofort zusammengerufen und konsequent ermahnt werden. Schritt 12: Kanban 185 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 185 Die Kanban sind ein wichtiges Werkzeug zum effektiven Management des Genba. Bei falscher Anwendung jedoch werden sie zu einem Hindernis. Um sie richtig anzuwenden, ist es von größter Wichtigkeit, daß die festgelegten Regeln unbedingt eingehalten werden. Die 8 Regeln 1. Jeder Behälter muß mit einer Kanbankarte versehen sein. Regel 1 Jeder Behälter muß mit einem Kanban versehen sein. Eine einfache, aber die wichtigste Regel Allen Produkten und Umlaufbeständen muß unbedingt ein Kanban zugeordnet sein. Wenn irgendwo ein Teil ohne Kanban auftauchen sollte, so ist dies der schwerwiegendste Regelverstoß (alle Manager, Meister und Werker müssen dann zusammenkommen und sich gegenseitig auf die Bedeutung dieser Regel aufmerksam machen). Es muß alles getan werden, um einen erneuten Regelverstoß zu verhindern. Regel 4 Es wird in der Reihenfolge produziert, in der der nachgelagerte Prozeß heranzieht. Die Prioritäten des nachgelagerten Prozesses werden durch die Kanban bekannt. Der vorgelagerte Prozeß produziert in der Reihenfolge der Dringlichkeit, d.h. nach den Anforderungen des nachgelagerten Prozesses. Hierdurch wird einem Materialmangel im nachgelagerten Prozeß vorgebeugt. Regel 2 Wenn das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird der Kanban in den dafür bestimmten Briefkasten gelegt. Auf dem Kanban muß die in dem Behälter enthaltene Stückzahl der Teile vermerkt sein. Wenn das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, sinkt die Stückzahl unterhalb der notwendigen Bestandsgröße. Aus diesem Grunde wird das Kanban vom Behälter entfernt und in den Briefkasten gelegt. (In allen Behältern, die mit einem Kanban versehen sind, muß die auf dem Kanban eingetragene Stückzahl unbedingt enthalten sein). Das entfernte Kanban bedeutet eine Anweisung, Teile vom vorgelagerten Prozeß heranzuziehen und für diesen vorgelagerten Prozeß ist es gleichzeitig die Anweisung zur Produktion. Regel 5 Es wird nur die vom nachgelagerten Prozeß herangezogene Menge produziert. Regel 3 2 Prinzipien: Der nachgelagerte Prozeß zieht das Material vom vorgelagerten Prozeß heran. Der nachgelagerte Prozeß zieht die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt heran. Das herkömmliche schiebende System wird umgekehrt in ein ziehendes System. 1. Ohne Kanban darf kein Material herangezogen werden. 2. Es darf nicht mehr Material herangezogen werden, als es der Anzahl derKanbankarten entspricht. Regel 6 Sobald ein Materialmangel auftritt, wird dies dem vorgelagerten Prozeß bekanntgegeben. Man geht mit dem Kanban zum vorgelagerten Prozeß, um sich das Material zu holen. Wenn das Material dort nicht bereitsteht, kommt das Kanban in den roten Briefkasten. Da der Materialmangel im nachgelagerten Prozeß zum Stillstand der Linie führt, müssen diese Teile mit oberster Priorität produziert und unter Verantwortung des vorgelagerten Prozesses an den nachgelagerten Prozeß geliefert werden. Wenn zu viele Kanbankarten in den roten Briefkasten kommen, ist das schlecht, noch schlechter ist es, wenn überhaupt keine Kanban kommen. Regel 7 Die Kanban werden von dem Bereich, in dem sie verwendet werden, hergestellt und verwaltet. Ist die Anzahl der Kanban zu groß, steigen die Umlaufbestände, verlängert sich die Durchlaufzeit und die Produktionslinie wird schwammig. Die wirklichen Probleme werden verdeckt. Hieraus resultieren alle Arten der Verschwendung. Schwerpunkt des Kanbanmanagements ist die Reduzierung der Umlaufbestände. Regel 8 Man muß mit ihnen so sorgfältig umgehen, als ob es sich um bares Geld handelte. Ziel ist, mit wenig Geld (Kanban) Fertigung und Logistik zu steuern. 2. Wird das erste Teil aus dem Behälter entnommen, wird die Kanbankarte in den dafür bestimmten Briefkasten gelegt. 3. Der nachgelagerte Prozeß zieht das Material vom vorgelagerten Prozeß heran. 4. Es wird in der Reihenfolge produziert, in der der nachgelagerte Prozeß heranzieht. 5. Es wird nur die vom nachgelagerten Prozeß herangezogene Menge produziert. 6. Sobald ein Materialmangel auftritt, wird dies dem vorgelagerten Prozeß bekanntgegeben. 7. Die Kanbankarten werden von dem Bereich, in dem sie verwendet werden, hergestellt und verwaltet. 8. Man muß mit ihnen so sorgfältig umgehen, als ob es sich um bares Geld handelte. 1 Prinzip: Nicht mehr produzieren, als die Anzahl der Kanbankarten angibt. Aspekte Abb. 12.4 Grundregeln bei der Anwendung von Kanban Schritt 12: Kanban186 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 186 Regel 2 Bei der Entnahme des ersten Teils aus dem Behälter kommt das Kanban in den Briefkasten Diese Regel gilt für die Handhabung der Kanban bei der Entnahme von Teilen aus dem Behälter. Der Briefkasten muß sich an einer bestimmten Stelle befinden. Regel 3 Der nachgelagerte Prozeß holt sich die Teile beim vorgelagerten Prozeß Dies ist eine wichtige Regel für den Aufbau eines Pull-Systems. Hierdurch wird gewährleistet, daß sich der vorgelagerte Prozeß ohne Störungen durch Fremdeinflüsse ganz auf die Anforderungen des nachgelagerten Prozesses einstellen und produzieren kann. Die Steuerung erfolgt einzig und allein über die Kanban. Regel 4 In der Reihenfolge produzieren, in der der nachgelagerte Prozeß heranzieht Wenn der nachgelagerte Prozeß fein gegliedert heranzieht, so führt das zu einer exakten Informationsweitergabe an den vorgelagerte Prozeß und zur Bildung eines Vertrauensverhältnisses. Dies ist notwendig, um eine positive Wirkung der Kanban zu erzielen. Regel 5 Nur soviel produzieren, wie vom nachgelagerten Prozeß herangezogen wird Der vorgelagerte Prozeß produziert entsprechend der vom nachgelagerten Prozeß abgezogenen Menge. Auf diese Weise werden alle Bearbeitungsstationen durch die Kanban miteinander verknüpft und synchronisiert. Alle Stationen, angefangen beim letztgelagerten Prozeß, sind wie durch eine Endloskette zeitversetzt miteinander verbunden. Regel 6 Sobald Teile fehlen, muß dies dem vorgelagerten Prozeß bekanntgegeben werden Sind am vorgelagerten Prozeß die Teile, die eigentlich bereitgestellt sein sollten, nicht vorhanden, so muß man in Kontakt mit dem Leiter dieser Linie treten und die Kanbankarte in einen roten Briefkasten werfen. Da das Fehlen dieser Teile im Schritt 12: Kanban 187 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 187 nachgelagerten Prozeß zu einem Stillstand der Linie führt, muß die Fertigung dieser Teile mit oberster Priorität aufgenommen und unter der Verantwortung des vorgelagerten Prozesses an den nachgelagerten Prozeß geliefert werden. Das Ausmaß der Verwendung dieses roten Briefkastens ist wichtig. Erfolgt eine inflatorische Verwendung, heißt dies, daß die Probleme nicht an die Oberfläche kommen. Nur bei äußerst knapp gehaltenen Pufferbeständen wird der Bedarf an Kaizen deutlich. Regel 7 Die Kanban müssen von der Abteilung, in der sie verwendet werden, hergestellt und verwaltet werden Regel 8 Die Kanban müssen behandelt werden wie bares Geld Die Kanban werden durch die Höhe ihrer Umlauffrequenz mit Leben erfüllt. Ihre Verwaltung muß konsequent durchgeführt werden, d. h. man muß sich permanent für die Veränderungen der Produktionsmenge interessieren und entsprechend dieser Änderungen die Anzahl und den Inhalt der Kanban überprüfen und anpassen. Dabei kommt es darauf an, mit minimalen Beständen die Anforderungen des nachgelagerten Prozesses zu erfüllen. Hiermit sind die acht Grundregeln erläutert. Es gibt noch eine weitere Regel, die auf keinen Fall vergessen werden darf. Spezialregel Schlechtteile dürfen nicht an den nachgelagerten Prozeß weitergegeben werden. Unter dem Gesichtspunkt der Reduzierung der Herstellungskosten wäre dies der größte Fehler, den man machen könnte. Wenn ein Schlechtteil entdeckt wird, muß mit oberster Priorität alles getan werden, damit es nicht erneut zur Herstellung eines Schlechtteils kommt. Es müssen unbedingt Maßnahmen gegen das wiederholte Auftreten unternommen werden. Das gleiche gilt für mangelhafte Arbeitsabläufe, bei der die Standards nicht eingehalten werden. Dies nämlich führt ebenfalls zu Verschwendungen und der Produktion von Schlechtteilen. Um diese acht Regeln plus der Spezialregel einzuhalten, sind außerordentliche Anstrengungen notwendig. Aber ohne das Einhalten der Regeln bringt die Einführung der Kanban nicht die Wirkung, die man sich von ihr verspricht. Auch die Maßnahmen zur Reduzierung der Herstellungskosten kommen dann nicht Schritt 12: Kanban188 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 188 zum Tragen. Welche Schwierigkeiten auch immer zu überwinden sein mögen, die Regeln müssen unbedingt eingehalten werden. Die Arten der Kanban und ihre Funktion Jedes Unternehmen verwendet Kanban, die auf seine spezifischen Anforderungen zugeschnitten sind. Ausgehend vom letztgelagerten Prozeß werden die vorgelagerten Bearbeitungsstufen durch die entsprechenden Kanban jeweils mit ihren nachgelagerten Schritten synchronisiert und so sämtliche Produktionslinien zu einer Endloskette verknüpft. Spezielle Zukaufteilkanban dürfen erst dann eingeführt werden, wenn eine durch Kanban gesteuerte geglätte Produktion im eigenen Unternehmen vollständig realisiert wurde. Dieser Grundsatz sollte unbedingt beachtet werden. Zum tieferen Verständnis der einzelnen Aspekte der Kanban sollte man sich immer wieder Abbildungen 12.7 und 12.8 ansehen. Auch wenn man sich bei der Einführung der Kanban zunächst sehr stark mit technisch-organisatorischen Problemen beschäftigt, darf man dabei nie das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren, die Reduzierung der Herstellungskosten. Kanban können innnerhalb des synchronen Produktionssystems nur dann sinnvoll eingeführt werden, wenn bereits eine geglättete Produktion realisiert ist. Deshalb sollte man sich immer wieder die Punkte 1 (Kanban), 2 (Funktionen) und 3 (Voraussetzungen bei der Einführung der Kanban) aus Abbildung 12.8 vor Augen halten. An und für sich sollte der konkrete Umgang mit den Kanbankarten keine besonderen Schwierigkeiten bereiten. Leider ist dies nicht der Fall. Kanbankarten findet man nicht selten in Abfallbehältern, auf den Fahrwegen oder sogar in Leerbehältern, die an Fremdfirmen gehen. Der Autor mußte dies selber erleben und kann Ihnen nur wünschen, daß Sie davon nach Möglichkeit verschont bleiben. Kanban – ein Werkzeug zur Reduzierung der Herstellungskosten. Alle Prozesse werden mit dem letztgelagerten Prozeß synchronisiert und wie durch eine Endloskette miteinander verbunden. Die Kanban als ein Werkzeug zum Management von Gegenständen sind ein Hilfsmittel für effizientes visuelles Management, mit dem Verschwendung durch Überproduktion eliminiert werden kann. Dadurch ist es ein wirkungsvolles Werkzeug zur Kostenreduzierung. Nur der letztgelagerte Prozeß erhält einen Produktionsplan. Die vorgelagerten Prozesse müssen sich mit diesem synchronisieren. Dort braucht man nur zu wissen, was im Moment gerade produziert werden soll (dies ist immer nur ein Stück). Und es ist hinreichend, wenn dieses Stück innerhalb der Taktzeit hergestellt wird. Dies erfordert nur wenig In- Schritt 12: Kanban 189 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 189 formationen, im Prinzip reicht jeweils nur eine. Die anzustrebende Form ist die, bei der kontinuierlich in jeder Taktzeit eine Produktionsanweisung erscheint. In der Gesamtdarstellung über die Kanban (Abb. 12.8) werden die verschiedenen Arten der Kanban sowie ihre Funktionen konkret erläutert. Außerdem wird die Rolle des Briefkastens, insbesondere die des roten Briefkastens besonders betont. Signalkanban für Pufferbestände Diese Kanbanart wird an solchen Prozeßstationen eingesetzt, die in Losen produzieren. Sie dienen zur Kontrolle der MIN-, MAX-Grenzen der Umlaufbestände. Sie geben die Anweisung zum Wiederaufnehmen der Fertigung. Normalkanban (alle Prozeßstationen werden mit Hilfe der Kanban mit dem nachgelagerten Prozeß synchronisiert und wie durch eine Endloskette miteinander verbunden) (Logistik) (Kanban) Art ausstellender Bereich FunktionRoute Stammkunde Fertigteilwarenhaus Teile- bzw. Materialbereitstellung an den Linien Montagelinie Warenhaus für fertig bearbeitete Teile Materialbereitstellung an den Linien Vorfertigungslinien Fertigteillager Auslieferungsanweisung; bei der Auslieferung wird dieses Kanban im Fertigteilwarenhaus dem Fertigteil beigegeben. Dieses Kanban wird den Fertigteilen im Fertigteilwarenhaus beigegeben. Wenn die Fertigteile durch die Auslieferungskanban bzw. die Heranziehkanban für Fertigteile abgezogen werden, wird diese Kanbanart entfernt und dient als Bestückungsanweisung. Diese Kanbanart ist den Teilen an der Linie beigegeben. Wenn das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird es entfernt und dient dem Heranziehen neuer Teile vom vorgelagerten Prozeß. Diese Kanbanart wird den fertig bearbeiteten Teilen im Teilewarenhaus beigegeben. Wenn die Teile von der Montagelinie durch das Teileheranziehkanban abgezogen werden, wird dieses Kanban entfernt und dient als Fertigungsanweisung. Diese Kanbanart ist den Teilen im Teilewarenhaus bzw. im Materiallager beigegeben. Wenn Teile durch das Teileheranziehkanban abgezogen werden, wird es entfernt und dient als Anweisung für das Einkaufen von Teilen, Material. Auslieferungskanban Stammkunde Wenn keine Auslieferungskanban verwendet werden, wird diese Kanbanart an deren Stelle eingesetzt. Sie werden den Fertigteilen im Fertigteillager beigegeben. Sie dienen dazu, die Teile aus dem Fertigteilwarenhaus heranzuziehen. Teile-, Materiallager Teilewarenhaus Zulieferer Heranziehkanban für Fertigteile Fertigungssteuerung Bestückungskanban Produktion Teileheranziehkanban Produktion Teilefertigungskanban Produktion Zukaufteilekanban Fertigungssteuerung Abb. 12.5 Die Arten der Kanban und ihre Funktion (Teil 1) Schritt 12: Kanban190 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 190 Sonderkanban 1. Spezialkanban 1. Wagenkanban 2. Behälterkanban Die Wagen als solche werden als Kanban betrachtet. Die Anzahl der Wagen wird mit der Anzahl der Kanbankarten gleichgesetzt. 2. Außerordentliche Kanban Ziel Diese Kanbanart wird verwendet, wenn für einen bestimmten Zeitraum im voraus produziert werden soll. Das Kanban wird für das Managen dieser Zusatzmenge verwendet. Beispiele Anwendung 1. Deutliche Unterscheidbarkeit von normalen Kanban (Grund und Geltungsdauer angeben). 2. Die Anzahl der hiermit herangezogenen Teile darf sich nur um 20 Prozent erhöhen, darüber hinaus ist die Zustimmung des vorgelagerten Prozesses erforderlich. 3. Die außerordentlichen Kanban dürfen nur einmal verwendet werden. Nach dem Entfernen müssen sie sofort zum Aussteller zurückgegeben werden. Die Behälter als solche werden als Kanban betrachtet. Die Anzahl der Behälter wird mit der Anzahl der Kanbankarten gleichgesetzt. 3. Reservierte Plätze Wenn eine große Typenvielfalt mit Hilfe von Hängefördersystemen transportiert wird, wird festgelegt und kenntlichgemacht, welches Teil wann wo in welcher Stückzahl aufgehängt wird. Nur die entsprechend bestimmten Teile werden aufgehängt und die reservierten Plätze erfüllen so eine Kanbanfunktion. 3. Begrenzungskanban Ziel Diese Kanban werden bei der Produktion von Teilen verwendet, bei denen die Entwicklung schwer abzuschätzen ist. Nur bei dieser Kanbanart werden die Teile vom vorgelagerten Prozeß geschoben. Nach dem Entfernen des Kanban wird es sofort vom Aussteller eingezogen. Beispiele 1. Zur Begrenzung der Produktionsstückzahlen bei Probeläufen und Anläufen neuer Produkte. 2. Bei konstruktiven Veränderungen, Modellwechseln usw., zur Produktion der letzten Charge. 3. Bei einmaliger Produktion von Ersatzteilen usw. 4. Zur Fertigung von Teilen, deren Entwicklung nicht abzusehen ist. 5. Bei der Ersatzproduktion für beanstandete Teile. Anwendung 1. Deutliche Unterscheidbarkeit von normalen Kanban (Ausstellungsgrund angeben, Tag der Fertigung, Montage anzeigen). 2. Da es sich um ein schiebendes Verfahren handelt, wird mit einer Kanbankarte (Durchlaufkanban) der Prozeß gesteuert. 3. Die außerordentlichen Kanban dürfen nur einmal verwendet werden. Nach dem Entfernen müssen sie sofort an den Aussteller zurückgegeben werden. 1. Einsatzgebiet Ausgleich von Unterschieden der Arbeitstage beim Stammkunden ➩ Vorausproduktion. Bei der regelmäßigen Kontrolle von Anlagen, großen Umbauten, Layoutveränderungen. Bei Sonderschichten aufgrund mangelnder Kapazitäten der Anlage. Abb. 12.6 Die Arten der Kanban und ihre Funktion (Teil 2) Schritt 12: Kanban 191 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 191 Zulieferer Die verschiedenen Werke und Produktionslinien werden durch die Kanban mit dem letztgelagerten Prozeß synchronisiert und wie durch eine Endloskette miteinander verbunden. Die Kanban sind sowohl ein Fertigungssteuerungssystem als auch ein Produktionssystem Hersteller Zulieferfirma Briefkasten roter Briefkasten Sie sind ein Signal dafür, wann etwas produziert bzw. transportiert werden muß. Genau diese Stückzahl müssen wir produzieren, aber darüber hinaus dürfen wir nicht produzieren. Teilefertigungslinie Teilewarenhaus Montagelinie Fertigteilwarenhaus Auslieferungsstelle Vormateriallager Warenhaus Zukaufteilelager Signa lkanb an für Puffe rbes tände Teilefer tigungskanban Bestückungskanban Warenhaus Teileh eranz iehkanb an Auslieferungs- kanban Fer tigte ilheran ziehk anban Produktionsanweisungstafel Hersteller von fertig bearbeitetem Vormaterial, Rohmaterial 1 Auslieferungskanban 2 Fertigteilheranziehkanban 3 Bestückungskanban 4 Teileheranziehkanban 5 Teilefertigungskanban 6 Signalkanban für Pufferbestände 7 Zukaufteilekanban Auslieferungsstelle Hersteller (Kunde) Fertigteilwarenhaus Montagelinie Auslieferungsstelle Teilewarenhaus Teilefertigungslinie heranziehender Prozeß Zuliefererwerk Warenhaus im Betrieb Zukauft eilkanban Abb. 12.7 Kanbansystem Schritt 12: Kanban192 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 192 2. Funktionen Die drei Funktionen 1. Arbeitsanweisung Automatische und exakte Anweisung für Produktion und Transport sowie Mittel zur Feinsteuerung. 2. Materialmanagement Material- und Informationsfluß sind integriert. Dies vereinfacht die Steuerung. 3. Werkzeug für Kaizen Durch das visuelle Management des Genba wird es leichter, die Ansatzpunkte für Kaizen zu erfassen und Verschwendung zu eliminieren. 6. Verwaltung Teiletabelle Produktionsanweisungsschrift Teileentwicklungstabelle Tabellen (Grundeinheitstabelle der Teile) (Kanbangrundbuch) (Tabelle zum Verwalten der umlaufenden Kanban) Bei einer Inflation kommen die Probleme nicht an die Oberfläche. Man sollte sie bewußt verknappen. Die Kanban sind ein Werkzeug zur Umsetzung des synchronen Produktionssystems. Sie zirkulieren in geringer Stückzahl und spielen eine wichtige Rolle bei der Reduzierung der Umlaufbestände. Die Kanbanverwaltung muß konsequent durchgeführt werden. Von den hergestellten Kanban sind die tatsächlich zirkulierenden Kanban der Hauptgegenstand der Kanbanverwaltung. Auslieferungskanban Heranziehkanban für Fertigteile Bestückungskanban Teileheranziehkanban Kanbanhauptplan Kanban Kanbanverwaltungstabelle Schlechtteile werden nicht an den nachgelagerten Prozeß weitergegeben. 4. Grundsätzliche Regeln für die Anwendung der Kanban Diese 8 Regeln müssen unbedingt eingehalten werden (bei falscher Anwendung richten die Kanban Schaden an). 1. Jeder Behälter muß mit einer Kanbankarte versehen sein. 2. Wenn das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird die Kanbankarte in den dafür bestimmten Briefkasten gelegt. 3. Der nachgelagerte Prozeß holt sich das Material vom vorgelagerten Prozeß heran. 4. Es wird in der Reihenfolge produziert, in der der nachgelagerte Prozeß heranzieht. 5. Es wird nur die vom nachgelagerten Prozeß herangezogene Menge produziert. 6. Sobald ein Materialmangel auftritt, wird dies dem vorgelagerten Prozeß bekanntgegeben. 7. Die Kanbankarten werden von dem Bereich, in dem sie verwendet werden, hergestellt und verwaltet. 8. Man muß mit ihnen so sorgfältig umgehen, als ob es sich um bares Geld handelte. 3. Voraussetzungen bei der Einführung der Kanban Die 7 Voraussetzungen erkennen und schaffen. 1. Aufbau einer Fließfertigung: Der Fluß der Produktion (Maschinen, Werkstücke, Informationen, Mitarbeiter) darf nicht ins Stocken geraten. 2. Verkleinerung der Losgrößen: Reduzierung der Umrüstzeiten. 3. Nivellieren, Glätten der Produktion: Schwankungen in Bezug auf Mengen und Produkttypen eliminieren. 4. Verkürzen und Vereinheitlichen der Transportzyklen: Den Transport in den Fluß integrieren. 5. Kontinuierliche Produktion: Die Zirkulation erfüllt die Kanban mit Leben. 6. Adressen bestimmen: Mit wenigen Informationen exakte Ortsbestimmungen ermöglichen. 7. Festlegen der Verpackungsform, der Behälter: Behälter sollen möglichst klein und mit möglichst wenig Teilen beladen sein. Sonderkanban BegrenzungskanbanSpezialkanbanZukaufteilekanbanTeilefertigungskanban Signalkanban für Pufferbestände 7. Roter Briefkasten Sollten Teile, die mit einem Kanban vom vorgelagerten Prozeß herangezogen werden sollen, dort nicht vorhanden sein, kommt das Kanban in den roten Briefkasten. Die Produktion dieser Teile hat vor allen anderen Vorrang. Kanban im roten Briefkasten stellen ein Problem dar, ein noch größeres Problem ist es, wenn keine Kanban im roten Briefkasten sind. 8. Zirkulationsweise 1. Heranziehkanban 1. Sobald das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird die beigelegte Kanbankarte entfernt und in den dafür vorgesehenen Briefkasten gegeben. Die Restzahlanzeige wird am Behälter befestigt. 2. Durchführen der Arbeit. Zunächst werden die Behälter mit Restzahlenkennzeichnung abgearbeitet. 3. Die Leerbehälter werden zurückgeführt. 4. Einsammeln der Kanban im Briefkasten und der Leerbehälter. 5. Mit den Kanban werden die Teile aus dem Teilewarenhaus des vorgelagerten Prozesses abgezogen. Die Leerbehälter kommen auf den dafür vorgesehenen Platz. 6. Die an den Behältern im Teilewarenhaus befindlichen Kanban werden entfernt und in den dafür bestimmten Briefkasten gegeben. 7. Die mitgebrachten Kanban werden an den Behältern befestigt. 8. Die Teile werden mit dem zugehörigen Kanban in den definierten Bereichen des Warenhauses der Linie abgestellt. 2. Fertigungskanban 1. Aus dem Briefkasten des letztgelagerten Prozesses werden die vom nachgelagerten Prozeß entfernten Kanban und die Behälter eingesammelt. 2. Die eingesammelten Kanban in den Briefkasten an der ersten Station der Linie einstecken. 3. Es wird in der Reihenfolge produziert, in der die Kanban eingesteckt wurden. Das Kanban begleitet das erste produzierte Teil. 4. Wenn die auf dem Fertigteilkanban angegebene Stückzahl für den Behälter erreicht ist, wird die Kanbankarte in den Behälter gegeben und auf den definierten Platz im Warenhaus gestellt. 1. Kanban Die Verschwendung durch Überproduktion eliminieren, die Herstellungskosten senken. Die Kanban entfalten ihe Wirkung nur auf der Basis des synchronen Produktionssystems _______ geglättete Produktion. Sie sind ein Werkzeug für Kaizenaktivitäten _______________________________ Reduzierung der Herstellungskosten. Kanban, ein äußerst nützliches Werkzeug Planproduktion (herkömmliches Verfahren auf Erwartuntungen basierend) Í Pushsystem Die Teile werden vom vorgelagerten Prozeß in den nachgelagerten Prozeß geschoben. – Umstände im vorgelagerten Prozeß führen dazu, daß mehr Teile als benötigt in den nachgelagerten Prozeß geschoben werden. Verschwendung durch Überproduktion Ursache für andere Arten von Verschwendung Stellfläche für Vormaterial vorgelagerter Prozeß nachgelagerter Prozeß Auftragseingang Auslieferung C D A B A D C B A B D B A D B C Stellfläche für Fertigteile vorzeitiger Verbrauch von Material, Energie; Hilfsstoffen, Personalkosten usw. Der nachgelagerte Prozeß holt die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt beim vorgelagerten Prozeß ab. Der vorgelagerte Prozeß versucht, mit minimalen Umlaufbeständen den Anforderungen zu entsprechen.Zinsbelastung für Umlaufbestände und Fertigteile, erhöhter Ordnungsbedarf, Transport, Flächenbelegung, Rost, Qualitätsminderung durch Schlagkerben, erhöhter Verwaltungs- und Steuerungsaufwand usw. Nachfüllende Produktion (zukünftiges Verfahren) Í Pull-System Vormaterialwarenhaus Auftragseingang Auslieferung C D A B D C B A D C B A C B A Fertigteilwarenhaus Zwischenproduktwarenhaus Grundprinzip des Kanbansystems B D A vorgelagerter Prozeß nachgelagerter Prozeß 5. Arten der Kanban und ihre Funktionen (siehe Abb. 12.5 und 12.6) Normalkanban Abb. 12.8 Gesamtdarstellung Kanban – ein Werkzeug zur Reduzierung der Herstellungskosten. Schritt 12: Kanban 193 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 193 2. Funktionen Die drei Funktionen 1. Arbeitsanweisung Automatische und exakte Anweisung für Produktion und Transport sowie Mittel zur Feinsteuerung. 2. Materialmanagement Material- und Informationsfluß sind integriert. Dies vereinfacht die Steuerung. 3. Werkzeug für Kaizen Durch das visuelle Management des Genba wird es leichter, die Ansatzpunkte für Kaizen zu erfassen und Verschwendung zu eliminieren. 6. Verwaltung Teiletabelle Produktionsanweisungsschrift Teileentwicklungstabelle Tabellen (Grundeinheitstabelle der Teile) (Kanbangrundbuch) (Tabelle zum Verwalten der umlaufenden Kanban) Bei einer Inflation kommen die Probleme nicht an die Oberfläche. Man sollte sie bewußt verknappen. Die Kanban sind ein Werkzeug zur Umsetzung des synchronen Produktionssystems. Sie zirkulieren in geringer Stückzahl und spielen eine wichtige Rolle bei der Reduzierung der Umlaufbestände. Die Kanbanverwaltung muß konsequent durchgeführt werden. Von den hergestellten Kanban sind die tatsächlich zirkulierenden Kanban der Hauptgegenstand der Kanbanverwaltung. Auslieferungskanban Heranziehkanban für Fertigteile Bestückungskanban Teileheranziehkanban Kanbanhauptplan Kanban Kanbanverwaltungstabelle Schlechtteile werden nicht an den nachgelagerten Prozeß weitergegeben. 4. Grundsätzliche Regeln für die Anwendung der Kanban Diese 8 Regeln müssen unbedingt eingehalten werden (bei falscher Anwendung richten die Kanban Schaden an). 1. Jeder Behälter muß mit einer Kanbankarte versehen sein. 2. Wenn das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird die Kanbankarte in den dafür bestimmten Briefkasten gelegt. 3. Der nachgelagerte Prozeß holt sich das Material vom vorgelagerten Prozeß heran. 4. Es wird in der Reihenfolge produziert, in der der nachgelagerte Prozeß heranzieht. 5. Es wird nur die vom nachgelagerten Prozeß herangezogene Menge produziert. 6. Sobald ein Materialmangel auftritt, wird dies dem vorgelagerten Prozeß bekanntgegeben. 7. Die Kanbankarten werden von dem Bereich, in dem sie verwendet werden, hergestellt und verwaltet. 8. Man muß mit ihnen so sorgfältig umgehen, als ob es sich um bares Geld handelte. 3. Voraussetzungen bei der Einführung der Kanban Die 7 Voraussetzungen erkennen und schaffen. 1. Aufbau einer Fließfertigung: Der Fluß der Produktion (Maschinen, Werkstücke, Informationen, Mitarbeiter) darf nicht ins Stocken geraten. 2. Verkleinerung der Losgrößen: Reduzierung der Umrüstzeiten. 3. Nivellieren, Glätten der Produktion: Schwankungen in Bezug auf Mengen und Produkttypen eliminieren. 4. Verkürzen und Vereinheitlichen der Transportzyklen: Den Transport in den Fluß integrieren. 5. Kontinuierliche Produktion: Die Zirkulation erfüllt die Kanban mit Leben. 6. Adressen bestimmen: Mit wenigen Informationen exakte Ortsbestimmungen ermöglichen. 7. Festlegen der Verpackungsform, der Behälter: Behälter sollen möglichst klein und mit möglichst wenig Teilen beladen sein. Sonderkanban BegrenzungskanbanSpezialkanbanZukaufteilekanbanTeilefertigungskanban Signalkanban für Pufferbestände 7. Roter Briefkasten Sollten Teile, die mit einem Kanban vom vorgelagerten Prozeß herangezogen werden sollen, dort nicht vorhanden sein, kommt das Kanban in den roten Briefkasten. Die Produktion dieser Teile hat vor allen anderen Vorrang. Kanban im roten Briefkasten stellen ein Problem dar, ein noch größeres Problem ist es, wenn keine Kanban im roten Briefkasten sind. 8. Zirkulationsweise 1. Heranziehkanban 1. Sobald das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird die beigelegte Kanbankarte entfernt und in den dafür vorgesehenen Briefkasten gegeben. Die Restzahlanzeige wird am Behälter befestigt. 2. Durchführen der Arbeit. Zunächst werden die Behälter mit Restzahlenkennzeichnung abgearbeitet. 3. Die Leerbehälter werden zurückgeführt. 4. Einsammeln der Kanban im Briefkasten und der Leerbehälter. 5. Mit den Kanban werden die Teile aus dem Teilewarenhaus des vorgelagerten Prozesses abgezogen. Die Leerbehälter kommen auf den dafür vorgesehenen Platz. 6. Die an den Behältern im Teilewarenhaus befindlichen Kanban werden entfernt und in den dafür bestimmten Briefkasten gegeben. 7. Die mitgebrachten Kanban werden an den Behältern befestigt. 8. Die Teile werden mit dem zugehörigen Kanban in den definierten Bereichen des Warenhauses der Linie abgestellt. 2. Fertigungskanban 1. Aus dem Briefkasten des letztgelagerten Prozesses werden die vom nachgelagerten Prozeß entfernten Kanban und die Behälter eingesammelt. 2. Die eingesammelten Kanban in den Briefkasten an der ersten Station der Linie einstecken. 3. Es wird in der Reihenfolge produziert, in der die Kanban eingesteckt wurden. Das Kanban begleitet das erste produzierte Teil. 4. Wenn die auf dem Fertigteilkanban angegebene Stückzahl für den Behälter erreicht ist, wird die Kanbankarte in den Behälter gegeben und auf den definierten Platz im Warenhaus gestellt. 1. Kanban Die Verschwendung durch Überproduktion eliminieren, die Herstellungskosten senken. Die Kanban entfalten ihe Wirkung nur auf der Basis des synchronen Produktionssystems _______ geglättete Produktion. Sie sind ein Werkzeug für Kaizenaktivitäten _______________________________ Reduzierung der Herstellungskosten. Kanban, ein äußerst nützliches Werkzeug Planproduktion (herkömmliches Verfahren auf Erwartuntungen basierend) Í Pushsystem Die Teile werden vom vorgelagerten Prozeß in den nachgelagerten Prozeß geschoben. – Umstände im vorgelagerten Prozeß führen dazu, daß mehr Teile als benötigt in den nachgelagerten Prozeß geschoben werden. Verschwendung durch Überproduktion Ursache für andere Arten von Verschwendung Stellfläche für Vormaterial vorgelagerter Prozeß nachgelagerter Prozeß Auftragseingang Auslieferung C D A B A D C B A B D B A D B C Stellfläche für Fertigteile vorzeitiger Verbrauch von Material, Energie; Hilfsstoffen, Personalkosten usw. Der nachgelagerte Prozeß holt die benötigten Teile in notwendiger Stückzahl zum geforderten Zeitpunkt beim vorgelagerten Prozeß ab. Der vorgelagerte Prozeß versucht, mit minimalen Umlaufbeständen den Anforderungen zu entsprechen.Zinsbelastung für Umlaufbestände und Fertigteile, erhöhter Ordnungsbedarf, Transport, Flächenbelegung, Rost, Qualitätsminderung durch Schlagkerben, erhöhter Verwaltungs- und Steuerungsaufwand usw. Nachfüllende Produktion (zukünftiges Verfahren) Í Pull-System Vormaterialwarenhaus Auftragseingang Auslieferung C D A B D C B A D C B A C B A Fertigteilwarenhaus Zwischenproduktwarenhaus Grundprinzip des Kanbansystems B D A vorgelagerter Prozeß nachgelagerter Prozeß 5. Arten der Kanban und ihre Funktionen (siehe Abb. 12.5 und 12.6) Normalkanban Alles wird durch eine Endloskette mit dem letztgelagerten Prozeß verbunden und synchronisiert. Schritt 12: Kanban194 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 194 Eine mit dem letztgelagerten Prozeß synchronisierte Endloskette Bei der Einführung beginnt man mit den Kanban für den letztgelagerten Prozeß. Im Kanbansystem werden diese Kanban Auslieferungskanban genannt. Der nachgelagerte Prozeß ist dabei eine weiterverarbeitende Firma, ein Einzelhandelsgeschäft, ein Handelshaus o.ä. Die Kanbankarten sind in diesem Falle Anweisungen zum Ausliefern. Diese Kanban werden mit einem anderen Ausdruck auch als Stammkundenkanban bezeichnet. Falls es sich um ein weiterverarbeitendes Unternehmen handelt, ist es wünschenswert, daß dort ebenfalls mit einem Kanbansystem gearbeitet wird, da eine geglättete Produktion die Voraussetzung für das Funktionieren der Kanban ist. Wenn es in einem nachgelagerten Prozeß zu großen Schwankungen kommt, so erhöht sich dadurch die Belastung im vorgelagerten Prozeß. Je weiter man die Kette der vorgelagerten Prozesse hinaufgeht, desto größer werden diese Schwankungen. Dadurch werden die Prozesse gestört, und es kommt zu großen Beständen an nicht benötigten Teilen bzw. zu einem Mangel an gerade benötigten Teilen. Arbeitet der weiterverarbeitende Betrieb also nicht in geglätteter Produktion, so ist der Zulieferer gezwungen, in gewissem Ausmaß ein Fertigteillager vorzuhalten. Schritte zur Einführung der Kanban 1. Erstellung der Teileentwicklungstabelle Hierbei handelt es sich um eine Eltern-Kind-Zuordnungstabelle der Teile des jeweiligen Produkts. Sie stellt die Verbindung zwischen dem Produkt und den enthaltenen Teilen und damit die Grundlage für den Kanbanhauptplan dar. 2. Kanbanschnittstellen in der Prozeßkette Hierbei geht es um die Frage, wo der Materialfluß durchtrennt (und dann wieder verknüpft) werden soll. Zwar gilt einerseits je länger der Fluß, desto besser; andererseits sollten möglichst kurze Durchlaufzeiten angestrebt werden. Es ist in der Regel richtig, den Materialfluß linienweise zu trennen. 3. Bestimmung der Kanbanart Hier geht es um die Frage, welcher Fluß wo getrennt (bzw. wie verknüpft) und mit welchem Kanban gesteuert werden soll. Im dargestellten Kanbansystem Schritt 12: Kanban 195 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 195 (Abb. 12.7) werden sieben Kanbanarten verwendet. Drei Materialströme und vier Schnittstellen werden mit jeweils besonderen Kanban verknüpft. 4. Bestimmung der Produktionszyklen bzw. der Produktionseinheiten des letztgelagerten Prozesses (der Endmontagelinie) Es kommt darauf an, inwieweit die Produktion an der Endmontagelinie bereits geglättet ist. Man sollte mit wenigstens zwei Zyklen beginnen (d. h. zweimalige Produktion pro Tag). Für die Produktionseinheit gilt, je kleiner, desto besser. Man muß hierbei natürlich die Gebindegröße für die Auslieferung berücksichtigen, da sonst Verschwendung durch Umpacken entsteht. 5. Bestimmung der Behälter und der enthaltenen Stückzahl Hierbei wird entschieden, in welchen Behälter wieviel Teile kommen. 6. Adressenbestimmung Für jedes Produkt bzw. Teil wird eine ihm eigene Adresse festgelegt. Es wird bestimmt, wo das fertige Teil abgestellt wird und wo die benötigten Teile abgeholt werden können. 7. Bestimmung der Anzahl der Kanban Es wird die notwendige Mindestmenge der umlaufenden Kanban festgelegt. Es werden allerdings einige Kanban mehr als Reserve erstellt. 8. Erstellung der Kanban Alle die Produkte bzw. Teile betreffenden notwendigen Aspekte werden aufgeführt. Handschriftliche Eintragungen sind auf jeden Fall zu vermeiden. 9. Herstellen und Aufstellen des Zubehörs Die Regale, Briefkästen und Kennzeichnungen werden an den dafür vorgesehenen Stellen aufgestellt bzw. angebracht. Schritt 12: Kanban196 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 196 10. Schulung und Einführung Die Einführung des Kanbansystems kann zunächst anhand dieser Leitlinien erfolgen. Am Anfang erscheint der Transport der Kanban verhältnismäßig aufwendig. Die Bestände werden erst nach einer Eingewöhnungsphase zurückgehen. Aber die Probleme der vorgelagerten Prozesse werden sofort sichtbar. Sobald man mit konkreten Kaizenmaßnahmen (flexibler Mitarbeitereinsatz, Reduzierung der Bestände) beginnt, kommt die Wirkung der Kanban zum Tragen. Die Einführung von Zukaufteilekanban zwischen dem eigenen Werk und dem Zulieferer darf erst dann erfolgen, wenn das Kanbansystem im eigenen Werk sicher funktioniert. Fertigteilheranziehkanban Dort, wo Auslieferungskanban verwendet werden, ist die Notwendigkeit für den Einsatz dieser Kanbanart gering. Da aber Pläne häufig verändert werden, finden die Fertigteilheranziehkanban in der Regel doch Verwendung. Die Präzision der Fertigungsplanung ist für eine geglättete Produktion, das ist eine Produktion mit hoher Zykluszahl, ausschlaggebend. Das Glätten gilt sowohl für die Produktart als auch für die Stückzahlen. Wenn notwendig, wird der Heranziehtermin nach vorne verlegt. Vom Kanban müssen starke Impulse (Initiativen) ausgehen. Gültige Anweisungen erfolgen ausschließlich durch Kanban, und zwar immer erst im allerletzten Moment. Die Anzahl der umlaufenden Kanban wird durch die Leistungsfähigkeit der Produktionslinien bestimmt. Solange zwischen der Leistungsfähigkeit der geglätteten Produktion und den Anforderungen des Kunden eine Differenz besteht, wird diese durch einen entsprechenden Puffer an der Auslieferungsstelle ausgeglichen. Ab einer gewissen Leistungsfähigkeit sollten jedoch Mengenschwankungen von ± 10 – 20 Prozent ausgeglichen werden können. Prinzipiell muß man in der Lage sein, jederzeit das geforderte Produkt produzieren zu können. Daher kann man von einer angemessenen Anzahl eines bestimmten Kanban nicht reden, das Ziel besteht darin, mit einem einzigen Kanban für jedes Produkt bzw. Teil auszukommen. Bestückungskanban Sobald durch das Fertigteilheranziehkanban Fertigteile aus dem Fertigteilwarenhaus abgezogen werden, wird das Bestückungskanban entfernt und am Eingang der Montagelinie zu einer Bestückungsanweisung. Die Bestückungs- Schritt 12: Kanban 197 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 197 Diese Kanbanart wird dort verwendet, wo keine Auslieferungskanban eingesetzt werden bzw. wo diese starken Schwankungen unterliegen. Die Abteilung für Fertigungsplanung tritt an die Stelle des Stammkunden und zieht die Teile heran. Entscheidend ist, daß dadurch die Produktion nivelliert bzw. geglättet wird. (Mit dieser Kanbanart soll daneben gewährleistet werden, daß die Produkte bis zum Tag der Auslieferung gefertigt werden.) Verwendung Farbe (himmelblau) Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Sie sind den Fertigteilen an der Auslieferungsstelle beigegeben. 2. Diese Kanban werden bei der Auslieferung an den Stammkunden entfernt. 3. Die entfernten Kanban werden von der Fertigungsplanung eingezogen. 4. Die eingezogenen Kanban werden beim nächsten Heranziehen von Teilen aus dem Montagewarenhaus eingesetzt, welches auf der Grundlage einer geglätteten Fertigteilheranziehanweisung erfolgt. 5. Wenn die Fertigteile aus dem Fertigteilwarenhaus der Montage herangezogen werden, werden die Bestückungskanban, die dort beigegeben sind, entfernt und in den dafür bestimmten Briefkasten gegeben. Das mitgebrachte Fertigteilheranziehkanban wird dem Fertigteil beigegeben und beides zur Auslieferungsstelle gebracht. 6. Das Fertigteil wird zu der auf der Kanbankarte angegebenen Adresse gebracht. Die Differenz der Produktion wird durch den vorweggenommenen Teil der geglätteten Produktion bestimmt. vorgelagerter Prozeß Ka-001 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Fertigteilheranziehkanban Nr. des Stammkunden maximaler Lagerbestand (bestimmt durch die Differenz von Produktion und Lieferung) Anzahl der enthaltenen Teile pro Kanbankarte Produktbezeichnung interne Produktnummer Fertigteilwarenhaus Auslieferungsstelle Behälter Anzahl derenthaltenen Teile Registriernummer Typ Stammkunde Auslieferungsstelle Funktion α Lieferverzögerungen sind unter allen Umständen zu vermeiden. Der Wert hängt vom Niveau der Montagelinie ab (α = 0 ist anzustreben). α Abb. 12.9 Fertigteilheranziehkanban Schritt 12: Kanban198 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 198 Diese Kanbanart ist den Fertigteilen im Fertigteilwarenhaus beigelegt. Beim Heranziehen der Fertigteile werden sie entfernt und dadurch zur Montageanweisung. Verwendung Farbe (weiß) 5 8 14 Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Entsprechend der Reihenfolge des Heranziehens läßt man diese Kanban vom Kopf der Montagelinie einzeln durchlaufen (Produktionsanweisungstafel). 2. Die Vorschriften für das Heranziehen der Fertigteile spielen eine wichtigte Rolle. Auch solche Teile, die nur einmal am Tag ausgeliefert werden, werden in mehrere Teilmengen zerlegt und produziert (Glätten der Produktion). 2 Zyklen ➩ 4 Zyklen ➩ 8 Zyklen ➩ 16 Zyklen (Erhöhen der Zyklen anstreben). 3. Da es an Montagelinien viele zu bestückende Teile gibt, sollte jedes auf der Kanbankarte mit einer Nummer und einer entsprechenden Farbe gekennzeichnet sein, um dadurch die Montage zu erleichtern. 4. Es kommt vor, daß die Produktionseinheit von der Anzahl der im Behälter enthaltenen Teile abweicht. In solchen Fällen wird im unteren freien Feld die Produktionseinheit eingetragen. Stückzahl für einen Produktionszyklus zum Beispiel 1 Tagesmenge wird in 4 Teilmengen produziert (4 Zyklen) Stückzahl, die nicht durch Nivellieren/Glätten erfaßt werden (Tagesmanagement) Ka-002 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Bestückungskanban Nr. des Stammkunden Numerierung Welle Kabel Produktionsstückzahl eines Tages Anzahl der Teile pro Kanbankarte 5 5 1 4 Produktbezeichnung interne Produktnummer Fertigteilwarenhaus BehälterStammkunde Anzahl derenthaltenen Teile Registriernummer Produktionseinheit Typ Montagelinie Montageteilebezeichnung beginnend mit der niedrigsten Bearbeitungsstufe Produktionseinheit eintragen farbliche Absetzung Funktion = + x Abb. 12.10 Bestückungskanban Schritt 12: Kanban 199 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 199 kanban werden an der Produktionsanweisungstafel am Eingang der Linie in der zeitlichen Reihenfolge des Heranziehens angebracht. Diese Tafel ist ein Mittel des visuellen Managements. Hier kann man mit einem Blick erkennen, ob die Produktion zu schnell oder zu langsam erfolgt. Für bis zu zwölf der wichtigsten Bestückungsteile werden auf dem Kanban Teilebezeichnungen und entsprechende Angaben sowie farbliche Kennzeichnungen eingetragen. Dies erleichtert Arbeiten, die hohe Konzentration erfordern. Durch Abbildungen und Kontrolldaten auf der Rückseite können mit einem Bestückungskanban weitere wichtige Informationen bzw. Anweisungsinhalte transportiert werden. Ein nichtnivellierter bzw. geglätteter Produktionsanteil muß u. U. mit einer veränderlichen Anzahl der umlaufenden Kanban gesteuert werden. Teileheranziehkanban Hierbei handelt es sich um eine Anweisung für den Teiletransport. Die Behälter mit Restzahlanzeige, die später behandelt werden, und die Behälter mit Teileheranziehkanban werden an den dafür vorgesehenen Plätzen an der Linie bereitgestellt. Zunächst werden die Behälter mit der Restzahlanzeige leergearbeitet. Anschließend werden die Teile aus dem Behälter mit dem Kanban entnommen. In diesem Moment wird der Teileheranziehkanban entfernt und damit zu einer Transportanweisung. Bei der Festsetzung der Anzahl der umlaufenden Kanban geht man normalerweise von einem Richtwert von zwei Stunden aus (man verwendet Behälter, in die nichts mehr hineinpaßt). Besser ist ein kürzerer Richtwert von einer Stunde oder 30 Minuten. Im Prinzip sollte nur eine umlaufende Kanbankarte verwendet werden. Bei häufig verwendeten Teilen können es zwei bis drei Karten sein. Diese Kanbanart wird in der einfachen Form für Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben und andere Kleinteile eingesetzt. Mittelgroße oder große Teile sollten möglichst satzweise herangezogen werden, wobei spezielle Formate verwendet werden. Grundsätzlich sollten Kanban gelb oder andere auffallende Farben besitzen. Teilefertigungskanban Hierbei handelt es sich um Fertigungsanweisungen. Sie gleichen im Prinzip den Bestückungskanban und den Signalkanban für Pufferbestände. Teilefertigungskanban werden entfernt, sobald die Teile aus dem Teilewarenhaus abgezogen werden. Sie werden in der Reihenfolge, in der abgezogen wurden, an der Produktionsanweisungstafel angebracht. Bis zu einem gewissen Grade können hier Arbeitsabläufe gebündelt werden. Schritt 12: Kanban200 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 200 Die Anzahl der umlaufenden Kanbankarten steht in der Tabelle, aber auch hier handelt es sich nur um einen Richtwert. Diese Anzahl wird in Abhängigkeit von der Umrüstfähigkeit und den Durchlaufzeiten bestimmt. Kaizenmaßnahmen Immer dann, wenn ein vorgelagerter Prozeß nicht in der Lage ist, die von der Montagelinie benötigten Teile exakt in der richtigen Reihenfolge zuzuführen, muß im nachgelagerten Prozeß ein kleines Warenhaus eingerichtet werden. Nur die jeweils entnommenen Teile werden nachgefüllt. Die für dieses Nachfüllen verwendete Kanbanart nennt man Teileheranziehkanban. Verwendung Farbe (gelb) Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Wenn der Werker an der Linie das erste Teil aus dem Behälter nimmt, wird das Kanban entfernt und in den Briefkasten gegeben. 2. Anschließend werden mit Hilfe dieser entfernten Kanbankarte im angegebenen Warenhaus des vorgelagerten Prozesses die nachzufüllenden Teile abgeholt. Das Kanban wird den abgeholten Teilen beigegeben und beides am heranziehenden Prozeß bereitgestellt. 3. Der Logistiker sammelt mehrmals täglich zu festgelegten Zeiten aus den jeweiligen Briefkästen die darin enthaltenen Kanban ein, um dann die Teile aus den entsprechenden Warenhäusern heranzuholen. Dies alles erfolgt auf der Grundlage der angegebenen Adressen. Prinzip: Der Abstand zwischen dem Heranziehen darf bei einer umlaufenden Kanbankarte maximal 2 Stunden betragen. vorgelagerter Prozeß Ka-003 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Teile-Heranziehkanban Produktnummer tägliche Produktionszahl (Stück) Anzahl der Teile pro Kanbankarte (Stück) Zeitabstand beim Heranziehen (Stunden) Arbeitszeit (Stunden) Produktbezeichnung Teilewarenhaus heranziehender Prozeß Behälter Anzahl derenthaltenen Teile Registriernummer Auswahlnummer heranziehender Prozeß x Funktion Abb. 12.11 Teileheranziehkanban Schritt 12: Kanban 201 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 201 müssen zu einer Reduzierung der Anzahl der umlaufenden Kanbankarten führen. Mit Hilfe dieser Kanbanart werden Produktionsanweisungen an die mechanische Vorfertigung, an Pressen, an die Oberflächenbehandlung usw. gegeben (es ist empfehlenswert, die Bezeichnung der Prozeßstationen, die Arbeitsbedingungen, die Werkzeugnummer, die Bedingungen bei der Wärmebehandlung auf der Rückseite einzutragen). Wenn die Prozeßstationen nebeneinanderstehen´, soll die Zahl der Kanbanarten möglichst klein gehalten werden. Man sollte anstreben, mit einer Kanbankarte den gesamten Materialfluß vom Rohmaterial bis zum fertig bearbeiteten Teil zu steuern (Reduzierung der Durchlaufzeit). Verwendung Farbe (rosa) Feststellung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Diese Kanban sind den fertig bearbeiteten Teilen im Teilewarenhaus beigelegt. 2. Bei dem Heranziehen durch den nachgelagerten Prozeß werden diese Kanban von den fertig bearbeiteten Teilen entfernt und in den Briefkasten gegeben. 3. Die Briefkästen werden in regelmäßigen Abständen geleert und die Kanban in der Reihenfolge, in der sie herangezogen wurden, an den Kopf der Linie gegeben (Produktionsanweisungstafel). 4. Durch die auf der Produktionsanweisungstafel enthaltenen Kanban werden mit Hilfe weiterer Teileheranziehkanban die Teile (Vormaterial etc.) vor den heranziehenden Prozeßstationen bereitgestellt und in der entsprechenden Reihenfolge bearbeitet. 5. Die Kanban werden dem ersten bearbeiteten Teil beigegeben. Wenn die Bearbeitung beendet ist, werden sie zusammen mit den fertig bearbeiteten Teilen zu dem auf der Kanbankarte angegebenen Teilewarenhaus gebracht. vorgelagerter Prozeß Ka-004 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Teilefertigungskanban Im Prinzip 1 Karte tägliche Produktionszahl (in Stück) Anzahl der Teile pro Kanbankarte (Stück) / Zeitabstand beim Heranziehen + Durchlauf an der Prozeßstation (Stunden) Arbeitszeit (Stunden) Teilewarenhaus Behälter Anzahl der enthaltenen Teile Registriernummer Auswahlnummer Bezeichnung der Prozeßstation nachgelagerter ProzeßProduktnummer Produktbezeichnung Funktion αx Abb. 12.12 Teilefertigungskanban Schritt 12: Kanban202 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 202 Restzahlanzeige Wenn die auf der Kanbankarte angezeigte Stückzahl im Behälter nicht erreicht wird, wird eine Restzahlanzeige angebracht. Dies ist etwas grundsätzlich anderes als ein Kanban. Behälter mit einer Restzahlanzeige müssen mit erster Priorität abgearbeitet werden. Wird dies nicht konsequent durchgehalten, wird die Linie bzw. das Warenhaus binnen kurzer Zeit mit Restzahlbehältern überflutet. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Bei der Verwendung der Kanban ist die Anzahl der in einem Behälter enthaltenen Teile genau festgelegt. Wird diese Zahl nicht erreicht, wird eine Restzahlanzeige angebracht. Der Behälter kommt nicht ins Warenhaus. Dies ist der Fall, wenn 1. bereits ein Teil aus dem Behälter entnommen wurde. 2. bei Beendigung der Arbeit die durch das Kanban festgelegte Stückzahl für den Behälter nicht erreicht wurde (Schlechtteile, Materialmangel). Sobald das erste Teil aus einem Behälter entnommen wurde, wird das Kanban entfernt und in den Briefkasten gegeben. Danach wird der Behälter mit einer Restzahlanzeige versehen. OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Teilebezeichnung Teilenummer Auswahlnummer Restzahl Es handelt sich hierbei lediglich um eine Materialkennzeichnung. Wenn möglich, den Behälter schnell bis zur festgelegten Anzahl auffüllen und ins Warenhaus stellen. Da es sich nicht um ein Kanban handelt, zirkuliert es auch nicht. Briefkasten Kanban Re st za hl 1 Abb. 12.13 Restzahlanzeige Schritt 12: Kanban 203 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 203 1. Verwendung von Teilen, die durch Kanban herangezogen wurden Es wurde gerade erwähnt, daß zunächst die Behälter mit einer Restzahlanzeige leergearbeitet werden sollen. Sobald ein Teil aus einem Behälter mit einem Kanban entnommen wird, wird eine Restzahlanzeige am Behälter angebracht. Sind keine Teile mehr vorhanden, wird die Restzahlanzeige dort abgelegt, wo die Teile normalerweise bereitgestellt werden. 2. Fertigung und Bestückung Wenn überhaupt sollten Schlechtteile am Ort ihrer Entstehung repariert werden. Sind allerdings keine Nacharbeiten mehr möglich und müssen viele Bearbeitungsstationen durchlaufen werden oder müssen beim nochmaligen Durchlaufen neue Teile eingesetzt werden, so muß das so hergestellte Produkt auf einer gesonderten Fläche für Restzahlen abgestellt werden (es darf auf keinen Fall ins Warenhaus). Diese Produkte können aus Restzahlbehältern zu regulären Behältern ergänzt werden. Briefkästen und rote Briefkästen Die Briefkästen haben eine große Bedeutung für das visuelle Management und die Synchronisierung der Produktion. Eigentlich hätte dieses Thema erst im Abschnitt »Begrenzungskanban« erläutert werden sollen, aber ich nehme mir die Freiheit, es hier vorwegzunehmen. Denn ohne Briefkästen ist ein Kanbansystem nicht denkbar. Das Bewältigen von Ausnahmesituationen und Störungen ist die Hauptaufgabe für das Management am Genba. Die roten Briefkästen dienen im Kanbansystem der Bewältigung von Abweichungen. Kommt ein Kanban in den roten Briefkasten, ist das ein Problem, kommt kein Kanban, so ist dies allerdings ein noch größeres Problem. Es gibt kein Kanbansystem ohne rote Briefkästen. Mit seiner Hilfe wird der gesamte Kaizenbedarf erschlossen. Auf die Einführung eines Kanbansystems ohne rote Briefkästen sollte man besser gleich verzichten. Schritt 12: Kanban204 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 204 Notwendigkeit der Briefkästen Ein wichtiges Werkzeug zur Arbeitsanweisung und zum visuellen Management. Arbeitsanweisung = Transportanweisung oder Fertigungs-/Montageanweisung He ra nz ieh ka nb an Fertigungskanban Der Briefkasten ermöglicht die Zirkulation der Kanban. Ohne Briefkasten gibt es keine Zirkulation. Wenn der Werker das erste Teil aus dem Behälter entnimmt, entfernt er die Kanbankarte (wichtige Regel). Hierzu ist es notwendig, daß jeder Werker in Griffweite einen entsprechenden Briefkasten hat. Der Logistiker kommt in bestimmten Zeitabständen bzw. dann, wenn festgelegte Mengen erreicht sind, vorbei, um alle Kanbankarten und Behälter einzusammeln und holt aus dem Warenhaus des vorgelagerten Prozesses neue Teile. Da die beiliegenden Kanban wieder entfernt werden, braucht man auch dort einen Briefkasten für die entfernten Kanban. 1 Funktion 1. Heranziehkanban (Auslieferung, Fertigteile heranziehen, Teile heranziehen, Teile zukaufen) Wenn das erste Teil aus dem Behälter verwendet wird, wird das beiliegende Kanban entnommen und in den Briefkasten gelegt (Werker). 2. Fertigungskanban (Bestücken, Teilefertigung, Signal für Pufferbestände) 1 Aus dem Briefkasten am Ausgang der Linie werden die vom nachgelagerten Prozeß entfernten Kanban und die Behälter eingesammelt (Meister). 4 Die in dem Briefkasten enthaltenen Kanban und die Leerbehälter werden eingesammelt (Logistiker). 2 Die eingesammelten Kanban werden an der Produktionsanweisungstafel der ersten Bearbeitungsstation der Linie eingesteckt (Meister). 6 Die in den Behältern im Teilewarenhaus des vorgelagerten Prozesses befindlichen Kanban werden entfernt und in den dafür vorgesehenen Briefkasten gelegt (Logistiker). 3 Es wird in der Reihenfolge, in der die Kanbankarten eingesteckt wurden, produziert. Dem jeweils ersten Teil wird ein Kanban beigegeben (Werker). Briefkasten Briefkasten Briefkasten Briefkasten Kan ban Wer? Brief-kasten Abb. 12.14 Briefkästen Schritt 12: Kanban 205 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 205 Kanban und Fertigungsplanung Der Fertigungsplan wird auf der Grundlage der erwarteten Produktionsentwicklung aufgestellt. Es werden Taktzeiten festgelegt und entsprechende Vorbereitungen getroffen. Bei der Arbeit am Genba erfolgen dann jedoch alle Anweisungen über Kanban. Für den Genba existiert kein Produktionsplan. Für ihn gibt es nur die Bedürfnisse des nachgelagerten Prozesses. Dieser gibt für den vorgelagerten Prozeß sämtliche Anweisungen für Fertigung und Transport. Informationen über Störungen, Veränderungen am nachgelagerten Prozeß werden dadurch einfach und unmißverständlich, darüber hinaus exakt und zeitgenau an den vorgelagerten Prozeß übermittelt. Zudem erfolgen die Anweisungen durch die Kanban automatisch. Außerdem ist der vorgelagerte Prozeß verpflichtet, die Teile zum nachgelagerten Prozeß zu bringen. Werden Teile im Warenhaus des vorgelagerten Prozesses nicht vorgefunden, wird das Kanban in den roten Briefkasten gelegt. Man kann ihn auch als Notfall- oder Dringlichkeitsbriefkasten bezeichnen. Im Rahmen des visuellen Managements der Kanban ist er ein wichtiges Werkzeug zur Bewältigung bei Abweichungen vom Standard. Wenn Kanbankarten in den roten Briefkasten kommen, ist dies zwar ein Problem, es ist allerdings ein noch größeres Problem, wenn überhaupt keine hineinkommen. Wenn es zu viele Kanbankarten gibt (die Bestände in den Warenhäusern also zu hoch sind), so wird der rote Briefkasten, obwohl vorhanden, nicht verwendet. Kommt ein Kanban in den roten Briefkasten, zeigt dies die Notwendigkeit für Kaizen. Wenn die Umlaufbestände nicht reduziert werden, hat das Einführen und die Verwendung von Kanban keinen Sinn (Werkzeug für Kaizen). Die Ziele des synchronen Produktionssystems bestehen in der Reduzierung der Durchlaufzeiten, der Reduzierung der Umrüstzeiten und der Eliminierung von Schlechtteilen sowie Maschinenstörungen usw. Nachgelagerter Prozeß Die Produktion der Teile, die durch die Kanban in dem roten Briefkasten gefordert wird, hat Priorität vor allem anderen. Die Fertigungs-/Montagelinie rüstet sofort um, um die vom nachgelagerten Prozeß gewünschten Teile herzustellen. Das Warenhaus für fertig bearbeitete Teile/Vormaterial trifft alle erforderlichen Maßnahmen, um das Material bereitzustellen und nimmt Kontakt mit dem nachgelagerten Prozeß auf. Vorgelagerter Prozeß 1 2 Abb. 12.15 Roter Briefkasten Schritt 12: Kanban206 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 206 Das Ziel der Kanban besteht darin, Überproduktion zu verhindern Der schlimmste Fehler bei der Produktion von Waren ist die Überproduktion. Dazu zählt auch das Herstellen nichtbenötigter Teile und zu frühes Produzieren. Um ein Produktionssystem aufzubauen, welches zu jeder Zeit in der Lage sein soll, das gerade Geforderte zu produzieren, ist es unerläßlich, Überproduktion zu verhindern. Das Heranziehen des nachgelagerten Prozesses bedeutet für den vorgelagerten Prozeß eine Produktionsanweisung. Besteht hierbei kein Vertrauensverhältnis, entwickelt sich eine starke Tendenz zur Überproduktion und damit zu überflüssigen Beständen. Dies führt zu Verschwendung und wird zu einer Ursache für den Zerfall des Systems insgesamt. Dies unterstreicht die große Bedeutung des gegenseitigen Vertrauens. Beim Kanbansystem kommt es entscheidend darauf an, inwieweit es gelingt, auf der Basis eines wechselseitigen Vertrauensverhältnisses Überproduktion zu verhindern. Signalkanban für Pufferbestände Solange das Umrüsten an Pressen, mechanischen Bearbeitungsstationen, Spritzgußanlagen für Kunststoffteile, an Schmiede- und Gießstraßen zeitaufwendig ist, muß in Losen produziert werden. Hierbei muß der Zeitpunkt für die Produktion angewiesen werden. Dazu dient das Signalkanban für Pufferbestände (eine andere Bezeichnung hierfür lautet Dreieckskanban, was von der dreieckigen Form dieser Art von Kanban herrührt). Wichtig ist, •• daß für die fertig bearbeiteten Teile, die in das Teilewarenhaus gelangen, das »first in, first out«-Prinzip eingehalten wird, und •• daß der Pufferbestand, der zur Überbrückung der Umrüstzeit notwendig ist, langsam aufgebaut wird. Das zu seiner Produktion notwendige Material darf auf keinen Fall mit einem Mal vom vorgelagerten Prozeß abgezogen werden. In Kapitel 5 ist dieses Thema bereits behandelt worden. Man lese den entsprechenden Abschnitt. Zukaufteilekanban Diese Kanbanart wird auf der Grundlage einer Abmachung zwischen zwei Firmen bzw. zwei Werken verwendet. Der Transport wird dadurch gesteuert. Ein entscheidender Punkt ist der Anlieferungszyklus. Die Sicherheitsmarge wird durch die Verfügbarkeit der Bearbeitungsstationen und die Schwankungen der Schritt 12: Kanban 207 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 207 Verwendung Bezeichnung der Prozeßstation Behälter Anzahl der enthaltenen Teile 1. Diese Kanbanart wird an einer bestimmten Position im Teilewarenhaus angebracht (die der definierten Mindestmenge entspricht). 2. Wird beim Heranziehen durch den nachgelagerten Prozeß der Behälter erreicht, an dem das Signalkanban für die Umlaufbestände befestigt ist, wird es entfernt und an einer bestimmten Stelle abgelegt (gleiche Behandlung wie ein Briefkasten). 3. Die Reihenfolge der abgelegten Kanban gibt die Reihenfolge der Lose vor. 4. Die hergestellten Teile werden im Teilewarenhaus abgestellt. Das Signalkanban für die Pufferbestände wird wieder an der Stelle angebracht, die den Mindestbestand kennzeichnet. 5. Bei der Produktion in Losen führt es zu Überlastungen, wenn auf einmal zu große Stückzahlen von einem Teil herangezogen werden. Deshalb setzt man hier auch Sekundärkanban ein. 6. Als Sekundärkanban können normale Teileheranziehkanbans verwendet werden. Mit ihrer Hilfe werden die benötigten Teile in kleinen Chargen herangezogen, und nach und nach die benötigten größeren Stückzahlen aufgebaut. Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban tägliche Produktionsmenge Arbeitszeit Losgröße Die Losgröße hängt davon ab, wieviel Umrüstvorgänge pro Tag möglich sind. Man sollte sich um eine möglichst kleine Losgröße bemühen. Gelingt es an Pressen, mechanischen Bearbeitungsstationen, Gießerei und Schmiedeanlagen auf Grund der langen Umrüstzeiten nicht, in der Reihenfolge zu produzieren, in der der nachgelagerte Prozeß heranzieht, wird in Losen produziert. Das Kanban, welches anzeigt, wann etwas produziert werden muß, nennt man Signalkanban für die Umlaufbestände (Dreieckskanban). Losgröße Teilewarenhaus Mindestmenge Sachnummer Produktbezeichnung Mindestmenge Mindestmenge = (Umrüstzeit + Bearbeitungszeit) x (normalerweise die Hälfte einer Losgröße) + α Behälter Das »first in, first out«- Prinzip muß eingehalten werden. Dreieckskanban Funktion Abb. 12.16 Signalkanban für Pufferbestände Schritt 12: Kanban208 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 208 Diese Kanbanart dient dazu, das Heranziehen von Teilen von außerhalb des Werkes anzuweisen. Es kann sich um einen Zulieferbetrieb, ein Schwesterwerk o.ä. handeln. Das Zukaufteilekanban hat dort Vorrang vor dem Produktionsplan. Es ist eine Anweisung! Verwendung Farbe (orange) Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Diese Kanban ist den entsprechenden Werkstücken im Fertigteilwarenhaus des Zulieferbetriebes bzw. im Materiallager des eigenen Werkes beigegeben. 2. Wenn die Teile durch ein Teileheranziehkanban abgezogen werden, werden diese Kanban entfernt und zu einer Anweisung für das Heranziehen von Teilen bzw. Vormaterial von außen. 3. Bei der Anlieferung durch die Zulieferfirma etc. (der Anliefertermin wird vorher festgelegt) kehren die Kanban, die in dem Briefkasten für die Lieferungsanweisung waren, wieder zurück. Die Anlieferung erfolgt in den auf den Kanban angegebenen Intervallen. 4. Ein vorher angegebener Anlieferungsplan dient lediglich der Information. Die gültige Anweisung erfolgt erst durch die Kanban. +1) +Sicherheitsmarge x Stückzahl der Tagesproduktion Anlieferintervall Tagesabstand der Lieferintervalle Lieferintervalle während eines Tages Anzahl der Fahrten bis zum Rücklauf eines bestimmten Kanban Sicherheitsmarge = 0,1–0,3 Tage (eventuelle zeitliche Unregelmäßigkeiten beim Einsammeln der Kanban, Schwankungen der Anlieferungstermine, Zeiten für Eingangskontrolle etc.) / • • Anlieferzeit Intervall 9:30 15:30 : 1 · 2 · 3 Ka-005 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Zukaufteilekanban Sachnummer Anzahl der Teile pro Kanban Bezeichnung Zulieferfirma Anlieferstelle Behälter Anzahl derenthaltenen Teile Registriernummer nächster Bearbeitungsschritt Lieferungsannahme A B x ( C A B C Funktion Abb. 12.17 Zukaufteilekanban Schritt 12: Kanban 209 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 209 Kanban bestimmt. Als einen sehr allgemeinen Richtwert kann man 0,2 bis 0,5 annehmen. Wichtige Punkte hierbei sind: •• Ist die Anzahl an Kanban, die dabei jedesmal übergeben wird, gering, hat dies große Schwankungen zur Folge. Besonders dann, wenn nur einmal pro Tag eine Übergabe stattfindet, sollte man die Stückzahl eines Behälters so festsetzen, daß pro Tag etwa 10 Kanbankarten verwendet werden. •• Die Kanban müssen in möglichst kurzen Intervallen zur Anlieferungsstelle gelangen und wieder zurückkehren. •• Der Transport sollte turnusmäßig mit gemischter Beladung erfolgen. Außerordentliche Kanban Die außerordentlichen Kanban werden außerhalb des normalen Arbeitsvolumens zur Regulierung der außerordentlicher Bestände (Vorausproduktion) verwendet, um einen Linienstillstand der vor- bzw. nachgelagerten Prozesse auf Grund von Materialmangel zu verhindern. Mögliche Ursachen sind unterschiedliche Arbeitstage beim Stammkunden und im eigenen Werk (Vorrat anlegen), Maschinenumbauten usw. Es muß eine Begrenzung auf 20 Prozent der normal umlaufenden Kanban erfolgen. Um eine deutliche Unterscheidung von den Normalkanban zu gewährleisten, wird eine rote diagonal verlaufende Linie aufgebracht. Selbstverständlich müssen der Grund der Ausstellung und die Geltungsdauer deutlich vermerkt werden. Wenn der Grund der Ausstellung entfällt, muß das Kanban sofort zum Aussteller zurück. Diese Kanban werden immer nur einmal verwendet. Begrenzungskanban Bei den Kanban gilt das Prinzip, daß der nachgelagerte Prozeß das Material heranzieht. Die Begrenzungskanban sind die einzige Ausnahme, bei der das Material geschoben wird. Wie bereits erwähnt, lebt das Kanbansystem von der Umlauffrequenz der Kanban. Wenn nicht bis zu einem gewissen Grad kontinuierlich produziert wird, ist ein Heranziehen durch den nachgelagerten Prozeß jedoch nicht möglich. Deshalb müssen Teile, die nur einmal produziert werden, oder Produkte, deren mengenmäßige Entwicklung nicht abschätzbar ist, mit Hilfe des schiebenden Produktionsverfahrens hergestellt werden. Da die Teile mit einer durchlaufenden Kanbankarte, die jeweils nur einmal verwendet wird, die Bearbeitungsstationen durchlaufen, erfolgt keine Bestimmung der Adressen für jede Sachnummer. Schritt 12: Kanban210 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 210 Da in diesem Falle das Bestückungskanban auch die Aufgabe des Fertigteilheranziehkanbans erfüllt, gelangt es nach Beendigung der Bestückung in das Fertigteillager. Es darf auf keinen Fall zirkulieren. Wenn man für einen bestimmten Zeitraum im voraus produzieren will, wird diese Kanbanart für die Zusatzmenge verwendet. zum Ausgleichen unterschiedlicher Arbeitstage im eigenen Werk und beim Stammkunden Í Produktion im voraus; bei regelmäßigen Kontrollen der Anlage, großen Umbauten, Layoutveränderungen; bei Produktion außerhalb der regulären Arbeitszeit auf Grund mangelnder Anlagenkapazitäten. Sie wird eingesetzt Verwendung Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Diese Kanbanart wird von der Abteilung hergestellt und gemanagt, die diese auch einsetzt. 2. Sie muß sich äußerlich deutlich von normalen Kanban unterscheiden (Begründung der Ausgabe und Gültigkeitsdauer unbedingt angeben). 3. Die Zirkulation erfolgt in gleicher Weise wie bei normalen Kanban, aber sie wird streng auf einen Zyklus begrenzt. Nach ihrem Entfernen dürfen sie nicht ein zweites Mal an den vorgelagerten Prozeß gelangen. Sie müssen sofort an die ausstellende Stelle zurückgegeben werden. 4. Teile, die durch außerordentliche Kanban herangezogen werden, dürfen nur für die geplanten Zwecke verwendet werden. 5. Die durch außerordentliche Kanban herangezogenen Teile müssen von den normal herangezogenen Teilen getrennt werden. 6. Wenn der Grund für die Ausstellung dieser Kanban entfällt, aber noch vorausproduzierte Bestände vorhanden sind, müssen diese vordringlich abgebaut werden. Grundsätzlich dürfen nicht mehr als 20 Prozent bezogen auf die normal umlaufenden Kanban ausgestellt werden. Bei Überschreiten dieser Grenze muß das Einverständnis des vorgelagerten Prozesses eingeholt werden. Außerordentliche Kanban (Geltungsdauer) Auf der Rückseite wird der Ausstellungsgrund und die Geltungsdauer angegeben. rot eintragen Um dieses Kanban von normalen Kanban zu unterscheiden, wird es mit einer roten diagonalen Linie gekennzeichnet (Breite 10 mm) 1 2 3 Funktion Abb. 12.18 Außerordentliche Kanban Schritt 12: Kanban 211 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 211 Bei einmaligen Aufträgen oder bei solchen Produkten, bei denen die Entwicklung schwer abzuschätzen ist, wird diese Kanbanart verwendet. Nur bei den Begrenzungskanban erfolgt ein Schieben durch den vorgelagerten Prozeß. Nach dem Entfernen des Kanban wird es sofort von der ausstellenden Abteilung (Fertigungssteuerung) eingezogen. Zur Begrenzung der Stückzahlen bei Probeläufen, Anläufen neuer Produkte. Beim Auslaufen bestehender Modelle auf Grund konstruktiver Veränderungen usw. zur Herstellung der letzten Chargen. Bei einmaliger Produktion von Ersatzteilen, Einzelteilen usw. Bei Produkten, deren Entwicklung nicht abschätzbar ist. Bei der Ersatzproduktion im Falle von Reklamationen usw. Anwendungsbereiche Verwendung Festlegung der Anzahl der umlaufenden Kanban 1. Die ausstellende Abteilung der Begrenzungskanban ist die Fertigungssteuerung. 2. Da es sich um ein schiebendes Verfahren handelt, werden mit einem Kanban alle Prozeßstationen durchlaufen (Vormaterial, Teilewarenhaus). 3. Es existieren freie Plätze im Warenhaus für die Teile, die mit einem Begrenzungskanban vom vorgelagerten Prozeß geschickt werden. 4. Es wird nur die vom vorgelagerten Prozeß geschickte Stückzahl verarbeitet. Beim Auftreten von Schlechtteilen sofort Kontakt aufnehmen. 5. Der Tag der Fertigstellung an jeder Prozeßstation ist anzugeben (an der Managementtafel für Begrenzungskanban). 6. Auch beim Einsatz von Begrenzungskanban nivellieren. 7. Diese Kanban erfüllen die Funktionen sowohl von Bestückungskanban als auch von Teileheranziehkanban. Im Prinzip ein Kanban. Übersteigt die Zahl dieser Kanban die Anzahl der Normalkanban, muß unbedingt nivelliert werden. Auf der Rückseite bzw. auf einem Sonderblatt wird der Zeitplan eingetragen. Auf der Rückseite wird der Grund der Ausgabe eingetragen. Zur Unterscheidung von normalen Kanbans mit einem roten Stempelaufdruck versehen. Begrenzungskanban Funktion 1 2 3 4 5 Abb. 12.19 Begrenzungskanban Schritt 12: Kanban212 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 212 Adressenvergabeanleitung Bei der Festlegung der Adressen soll nach folgenden Regeln vorgegangen werden. Sie werden der Verwaltung zur Registrierung weitergeleitet. Land Stadt Straße Hausnummer Werk, Halle Pfeilerbereich Quadrant Bodenstellflächennummer oder Regalnummer 1. Hauptwerk 2. Werke Yokohama 3. Werke Osaka 0. Zentrale 1. Werk I 2. Werk II 1. Werk I 2. Wärmebehandlung 3. Anlagenbau 1. Motorenwerk 2. IC-Werk Pfeilercode: alphanumerisch Pfeilerbereich = kleinster Pfeilercode Quadrantencode: kleine Buchstaben a b c d e f g h Ebene 1 Ebene 2 Ziffern (Bodenstellflächen nummer) Bodenstellflächen Regale Ziffern (Regalnr.) Ziffern (Regalnr.) D5 D6 C6 C5 C5 Beispiele Bodenstellfläche Í Osaka IC-Werk Ebene 1 (Quadrant a) Regal Í Ebene 7, Platz 3Regal 12 Pfeilerbereich G7 3 2 G 7 a 5 (Land) (Stadt) (Straße) (Hausnummer) 1 2 H 4 h 1 2 7 3 (Land) (Stadt) (Straße) (Hausnummer) Hauptwerk Werk II Ebene 2 (Quadrant h) Pfeilerbereich H4 Regal 5 Alle die Werkstücke betreffenden notwendigen Aspekte müssen vorhanden sein. ➩ Eintragungen von Hand sind streng verboten. (Auf der Rückseite ist die Verwendung schematischer Darstellungen möglich.) Für das visuelle Management ist die effiziente Nutzung von Farben und Numerierungen zu empfehlen. Das Herstellen der Kanban beansprucht Zeit, aber dieser Zeitaufwand ist unumgänglich. Stempel des zuständigen Abteilungsleiters Anzahl der in dem Behälter enthaltenen Stückzahl laufende Nummer Anzahl der ausgegebenen Kanban (nicht der umlaufenden) –7761 XY-Werk SS-1 9 4 / 9 1 –7273 –1190 –2870 –4061 Ea-002 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Bestückungskanban Nr. des Stammkunden 144130 3751 Steering Shaft ASSY 5. Gruppe (Stempel) 18456-0101 21 J5 b–25 B A S Numerierung Case Column Meek tubeST-ShaftBlanket Produktbezeichnung interne Produktnummer Fertigteilwarenhaus BehälterStammkunde Anzahl der enthaltenen Teile Registriernummer Produktionseinheit Typ Montagelinie Die Verwendung unterschiedlicher Schriftformen erleichtert die Lesbarkeit Qualitätswesen Abt. 1 Kontrollskizze Steering-Type Handle STRG-SHAFT L1 YOKE TUBE L2 BREASE Nr. 23 Tilt-Typ RHD 353,5 M/M 1,168 M/M 45K on tr ol lin fo rm at io ne n Es ist praktisch, auf der Rückseite Kontrollinformationen, Bestückungsinformationen, schematische Darstellungen, Qualitätsinformationen usw. einzutragen. Vormaterial Vormontage 2 18455-3052 Yoke 32 30 4 / 25N3·4·1 G7 a–5 vorgelagerter Prozeß Na-004 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Teilefertigungskanban Teilewarenhaus Behälter Anzahl der enthaltenen Teile Registriernummer Auswahlnummer Bezeichnung der Prozeßstation nachgelagerter ProzeßProduktnummer Produktbezeichnung Anleitung zur Bestimmung der Behälterart Zur Verkleinerung der Losgrößen, zur Festlegung von Standort und Menge sowie zur Standardisierung des Transports wird anhand der nachfolgenden Anleitung die Art der Behälter festgelegt. 1. Kennzeichnung von Art und Größe 2. Die herkömmlichen Bezeichnungen werden weiterverwendet. 3. Bei der Einführung von Spezialbehältern wird die Bezeichnung bei der Registrierung festgelegt. 4. Die Verpackungs- und Behälterart wird von der Abteilung vorgeschlagen, die damit umgeht, und von der Verwaltung lediglich registriert. I Eisen N Gitterpalette P Mehrwegbehälter D Wellpappe W Holz (papierhaltig) B Plastiktüte Behältermaterial Größe Länge HöheBreite 5 43P Angabe in cm (cm werden auf 10er gerundet)Mehrwegbox 520 380260 Schritt 12: Kanban 213 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 213 Adressenvergabeanleitung Bei der Festlegung der Adressen soll nach folgenden Regeln vorgegangen werden. Sie werden der Verwaltung zur Registrierung weitergeleitet. Land Stadt Straße Hausnummer Werk, Halle Pfeilerbereich Quadrant Bodenstellflächennummer oder Regalnummer 1. Hauptwerk 2. Werke Yokohama 3. Werke Osaka 0. Zentrale 1. Werk I 2. Werk II 1. Werk I 2. Wärmebehandlung 3. Anlagenbau 1. Motorenwerk 2. IC-Werk Pfeilercode: alphanumerisch Pfeilerbereich = kleinster Pfeilercode Quadrantencode: kleine Buchstaben a b c d e f g h Ebene 1 Ebene 2 Ziffern (Bodenstellflächen nummer) Bodenstellflächen Regale Ziffern (Regalnr.) Ziffern (Regalnr.) D5 D6 C6 C5 C5 Beispiele Bodenstellfläche Í Osaka IC-Werk Ebene 1 (Quadrant a) Regal Í Ebene 7, Platz 3Regal 12 Pfeilerbereich G7 3 2 G 7 a 5 (Land) (Stadt) (Straße) (Hausnummer) 1 2 H 4 h 1 2 7 3 (Land) (Stadt) (Straße) (Hausnummer) Hauptwerk Werk II Ebene 2 (Quadrant h) Pfeilerbereich H4 Regal 5 Alle die Werkstücke betreffenden notwendigen Aspekte müssen vorhanden sein. ➩ Eintragungen von Hand sind streng verboten. (Auf der Rückseite ist die Verwendung schematischer Darstellungen möglich.) Für das visuelle Management ist die effiziente Nutzung von Farben und Numerierungen zu empfehlen. Das Herstellen der Kanban beansprucht Zeit, aber dieser Zeitaufwand ist unumgänglich. Stempel des zuständigen Abteilungsleiters Anzahl der in dem Behälter enthaltenen Stückzahl laufende Nummer Anzahl der ausgegebenen Kanban (nicht der umlaufenden) –7761 XY-Werk SS-1 9 4 / 9 1 –7273 –1190 –2870 –4061 Ea-002 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Bestückungskanban Nr. des Stammkunden 144130 3751 Steering Shaft ASSY 5. Gruppe (Stempel) 18456-0101 21 J5 b–25 B A S Numerierung Case Column Meek tubeST-ShaftBlanket Produktbezeichnung interne Produktnummer Fertigteilwarenhaus BehälterStammkunde Anzahl der enthaltenen Teile Registriernummer Produktionseinheit Typ Montagelinie Die Verwendung unterschiedlicher Schriftformen erleichtert die Lesbarkeit Qualitätswesen Abt. 1 Kontrollskizze Steering-Type Handle STRG-SHAFT L1 YOKE TUBE L2 BREASE Nr. 23 Tilt-Typ RHD 353,5 M/M 1,168 M/M 45K on tr ol lin fo rm at io ne n Es ist praktisch, auf der Rückseite Kontrollinformationen, Bestückungsinformationen, schematische Darstellungen, Qualitätsinformationen usw. einzutragen. Vormaterial Vormontage 2 18455-3052 Yoke 32 30 4 / 25N3·4·1 G7 a–5 vorgelagerter Prozeß Na-004 OOOOOOO XYZ Aktiengesellschaft Teilefertigungskanban Teilewarenhaus Behälter Anzahl der enthaltenen Teile Registriernummer Auswahlnummer Bezeichnung der Prozeßstation nachgelagerter ProzeßProduktnummer Produktbezeichnung Anleitung zur Bestimmung der Behälterart Zur Verkleinerung der Losgrößen, zur Festlegung von Standort und Menge sowie zur Standardisierung des Transports wird anhand der nachfolgenden Anleitung die Art der Behälter festgelegt. 1. Kennzeichnung von Art und Größe 2. Die herkömmlichen Bezeichnungen werden weiterverwendet. 3. Bei der Einführung von Spezialbehältern wird die Bezeichnung bei der Registrierung festgelegt. 4. Die Verpackungs- und Behälterart wird von der Abteilung vorgeschlagen, die damit umgeht, und von der Verwaltung lediglich registriert. I Eisen N Gitterpalette P Mehrwegbehälter D Wellpappe W Holz (papierhaltig) B Plastiktüte Behältermaterial Größe Länge HöheBreite 5 43P Angabe in cm (cm werden auf 10er gerundet)Mehrwegbox 520 380260 Abb. 12.20 Kanbanformate Schritt 12: Kanban214 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 214 Kanbanformate Die Kanbanformate können je nach Unternehmen in Form, Farbe und Größe variieren. Der einzutragende Mindestinhalt ist aber in jedem Falle gleich. Hierzu zählen Sachnummern für Fertigteile bzw. Teile, Teilebezeichnungen, Adressen, Behälter, enthaltene Stückzahl und Registriernummern. Diese Angaben sind unumgänglich für das Funktionieren der Kanban. Handschriftliche Eintragungen sind strengstens verboten! Kanban sind wie bares Geld und repräsentieren die Bestände. Es darf nicht der Eindruck entstehen, daß sie einfach hergestellt und ebenso einfach wieder weggeworfen werden können. Es lohnt sich daher durchaus, sich bei der Herstellung der Kanban Mühe zu geben. Man muß sich ganz klarmachen, daß die dafür benötigte Zeit sinnvoll eingesetzt und daher unvermeidlich ist. Um die Eintragungen auf den Kanban noch übersichtlicher zu machen, sollte man je nach Inhalt die Schriftart, Schriftgröße, Linienstärke der Buchstaben und Zahlen variieren. Auf der Rückseite können von den jeweiligen Abteilungen und Produktionslinien Informationen eingetragen werden. So wird ein Informationsfluß erzeugt, wobei immer nur die zu einem gegebenen Zeitpunkt erforderlichen Informationen weitergegeben werden. Kanbanzirkulation Durch Kanban werden jeweils zwei getrennte Linien miteinander verknüpft und synchronisiert. Kanban können nach ihrer Funktion in Heranziehkanban und Fertigungskanban eingeteilt werden. 1. Zirkulation der Heranziehkanban Hierzu zählen die Fertigteilheranziehkanban, die Teileheranziehkanban und die Zukaufteilekanban. Das Auslieferungskanban wird als Heranziehkanban des Kunden behandelt. Die konkrete Zirkulation wird in den Beschreibungen und Skizzen von Abbildung 12.21 veranschaulicht. Die Grundregel, daß alle Teile einem Kanban zugeordnet sind, ist von entscheidender Bedeutung. Das konsequente Einhalten dieser einfachen und klaren Regel ist jedoch wider Erwarten schwierig. Wird jedoch das Prinzip des Heranziehens durch den nachgelagerten Prozeß und die Regel für das Entfernen des Kanbans, sobald das erste Teil aus einem Behälter genommen wird, eingehalten, dürften keine Schwierigkeiten auftauchen. Mit dieser Kanbanart haben sowohl Werker als auch die Logistiker zu tun. Schritt 12: Kanban 215 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 215 1. Heranziehkanban (Auslieferung, Fertigteile heranziehen, Teile heranziehen, Teile zukaufen) 1 Nr. Arbeitsinhalte Sobald das erste Teil aus dem Behälter entnommen wird, wird die beigelegte Kanbankarte entfernt und in den dafür vorgesehenen Briefkasten gegeben. Aufgabe des Werkers Aufgabe des Werkers Aufgabe des Werkers Aufgabe des Logistikers Aufgabe des Logistikers Aufgabe des Logistikers Illustration 2. Fertigungskanban (Bestücken, Teilefertigung, Signal für Pufferbestände) Handarbeitsprozeß (H) Handarbeitsprozeß (H) Handarbeitsprozeß (H) Transport (T) Transport (T) Transport (T) 2 Durchführen der Arbeit Zunächst werden die Behälter mit Restzahlenkennzeichnung abgearbeitet. 3 Die Leerbehälter werden an einer definierten Stelle abgestellt, um Abhandenkommen zu verhindern. 4 Einsammeln der Kanban im Briefkasten und der Leerbehälter (zu festgelegten Zeiten). 5 Man geht mit den Kanban zum Teilewarenhaus des vorgelagerten Prozesses, um die Teile zu holen. (Die Leerbehälter kommen auf den dafür vorgesehenen Platz.) 6 Die an den Behältern im Teilewarenhaus befindlichen Kanban werden entfernt und in den dafür bestimmten Briefkasten gegeben. 1 Nr. Arbeitsinhalte Aus dem Briefkasten der letztgelagerten Bearbeitungsstation werden die vom Logistiker entfernten Kanban und die Leerbehälter eingesammelt (zu festgelegten Zeiten). Aufgabe des Meisters Aufgabe des Meisters Aufgabe des Werkers Aufgabe des Werkers Aufgabe des Logistikers Aufgabe des Logistikers Illustration Transport (T) Transport (T) Handarbeitsprozeß (H) Handarbeitsprozeß (H) Transport (T) Transport (T) 2 Die eingesammelten Kanban an der Produktionsanweisungstafel an der ersten Station der Linie einstecken (in der Reihenfolge, in der abgezogen wurde). 3 Es wird in der Reihenfolge produziert, in der die Karten eingesteckt wurden. Dem jeweils ersten produzierten Teil wird das Kanban zugeordnet. 4 Wenn die auf dem Fertigteilkanban angegebene Stückzahl für den Behälter erreicht ist, wird die Kanbankarte in den Behälter gegeben und auf den definierten Platz im Warenhaus gestellt. 7 Die mitgebrachten Kanban werden an den Behältern befestigt. (Das gesamte Material muß unbedingt mit Kanban versehen sein.) 8 Die mit Kanban versehenen Teile werden in die dafür bestimmten Bereiche des Warenhauses des nachgelagerten Prozesses gestellt. Abb. 12.21 Zirkulationsweise der Kanban Schritt 12: Kanban216 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 216 2. Zirkulation der Fertigungskanban Hierunter fallen die Bestückungskanban, Teilefertigungskanban und die Signalkanban für Pufferbestände. Der Meister darf sich grundsätzlich an Transporttätigkeiten nicht beteiligen, sondern muß sich einen Überblick verschaffen, ob die Linie zu schnell oder zu langsam produziert, die Arbeitsqualität fortentwickeln und Kaizenmaßnahmen umsetzen. Die Informationen dazu findet er im Warenhaus. Kanbanpflege Da die Kanban als Werkzeug der Fertigungssteuerung verwendet werden, werden alle Produktionsaktivitäten durch sie angewiesen. Man kann Produktionsmanagement und Kanbanmanagement gleichsetzen. 1. Teileentwicklungstabelle Diese Tabelle ist die Grundlage, die bei der Einführung der Kanban als erstes geschaffen wird. Sie stellt die Verbindung zwischen dem Produkt und den enthaltenen Einzelteilen dar, gibt die Eltern-Kind-Enkel-Verhältnisse wieder. Es ist wichtig, diese Tabelle so zu pflegen, daß konstruktive Änderungen sofort erfaßt werden. Wird dies vernachlässigt, so wird das System schnell untauglich. Da diese Tabelle die Grundlage des Systems bildet, müssen die Informationen ständig auf dem neuesten Stand sein. Ist dies nicht der Fall, so wird das Vertrauen auch in andere Tabellen, Hilfsmittel und letztlich in die Kanban erschüttert, und die gesamte Produktion gerät in Verwirrung. 2. Kanbanhauptplan Dies ist das Kanbangrundbuch. Alle Eintragungen auf dem Kanban werden hier erfaßt. Die beteiligten Abteilungen diskutieren und entscheiden die Verpakkungsart bzw. Behälterform, die Anlieferungszeiten, die Stellflächen, die Transportmethoden usw. Die Entscheidungen über Veränderungen sowie das Datum der Umsetzung muß den beteiligten Abteilungen genau bekannt gegeben werden. Erst ein zuverlässiger Kanbanhauptplan ermöglicht ein funktionierendes Kanbansystem. Schritt 12: Kanban 217 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 217 Kanban ist ein Werkzeug zur reibungslosen Umsetzung des synchronen Produktionssystems. Sie zirkulieren in geringer Stückzahl und spielen eine wichtige Rolle bei der Reduzierung der Umlaufbestände. Die Kanban müssen sorgfältig gepflegt werden. Tabellen für die Kanbanpflege Teiletabelle (Kanbangrundbuch) Anleitung für die Eintragungen auf dem Kanban Teiletabelle für die Linie, an der Kanban eingeführt werden. Verknüpfung zwischen dem Produkt und den enthaltenen Teilen. Tabelle der Grundeinheiten für den Kanbanhauptplan. Dies ist das Kanbangrundbuch. Alle relevanten Aspekte der Kanban werden hierin eingetragen. Er dient zur Erfassung der Gesamtsituation und zum Managen von Veränderungen. In dieser Tabelle wird die Anzahl der tatsächlich an der Linie verwendeten Kanban sowie die Produktionsbedingungen eingetragen. Sie dient als Grundlage für die Erfassung des Ist- Zustandes, zur Reduzierung der Anzahl der umlaufenden Kanban und anderer Kaizenmaßnahmen. 1. Basistabelle für die Einführung der Kanban 2. Für jede Linie gesondert erstellen. 3. Wird von der Fertigungssteuerungsabteilung aus der Teiletabelle entwickelt. Sie wird in gleicher Weise wie die Teiletabelle behandelt. 4. Veränderungen müssen genau erfaßt werden. Auf diese Weise wird kontinuierlich ein exakter und aktueller Informationsstand gewährleistet. 5. Verwendung zur Entwicklung eines Kanbanhauptplanes. 1. Der Kanbanhauptplan wird auf der Grundlage der Teileentwicklungstabelle für jede Linie gesondert erstellt. 2. Die in die Kanban einzutragenden Teilenummern, Teilebezeichnungen, Adressen, Behälter, enthaltene Stückzahl pro Behälter und andere notwendige Punkte werden so alle in einer Übersicht zusammengefaßt dargestellt. 3. Die Kanbanhauptpläne werden von der Abteilung erstellt, in der sie verwendet werden. 4. Die erstellten Kanbanhauptpläne werden an die vor- und nachgelagerten Abteilungen gegeben. 5. Beim Auftreten wichtiger Veränderungen muß die Geschichte dieser Veränderung deutlich gemacht werden. Sie werden von der jeweiligen Abteilung eingetragen. 1. Diese Tabelle wird vor Einführung der Kanban an der Linie erstellt. 2. Die Steuerungsfunktionen der Kanban werden eingetragen. 3. Die Kanbanmanagementtabelle wird für jede einzelne Kanbansorte an jeder Linie erstellt. 4. Diese Tabelle wird auf der Grundlage des Kanbanhauptplanes unter der Verantwortung des Abteilungsleiters der Abteilung, in der die betreffenden Kanban verwendet werden, erstellt. 5. Sie wird in einem Bereich an der Linie angebracht, der gut einsehbar ist. 6. Sie muß wenigstens einmal pro Monat überprüft und angepaßt werden. Teileentwicklungstabelle Kanbanhauptplan Kanbanmanagementtabelle Produktionsanweisung Kanban 1. Teileentwicklungstabelle 3. Kanbanmanagementtabelle2. Kanbanhauptplan Richtigkeit der Eintragungen Anzahl der zirkulierenden Kanban Kanbanmanagementtabelle Teileheranzieh-, Bestückungs- Teilefertigungskanban Kanbanmanagementtabelle Teilenr. 543125-058 enthaltene Stückzahl: 5 Bezeichnung: Welle Produktionseinheit Sektionsleiter: Wada Gruppenleiter: Nishiumi Jahr 89 produz. Stückzahl pro Tag Zahl der umlaufenden Kanban Anmerkungen Stempel des Abteilungsleiters 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Aspekt 1 1 2 Abb. 12.22 Kanbanpflege Schritt 12: Kanban218 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 218 3. Kanbanmanagementtabelle Durch diese Tabelle wird die Anzahl der umlaufenden Kanban reguliert. Unter Berücksichtigung des monatlichen Produktionsplanes werden zwei bis vier Tage vor dem Beginn des nächsten Monatsplans die entsprechenden Anpassungen, die durch Produktionsschwankungen bedingt sind, vorgenommen. Da die Kanban ein Mittel der Feinsteuerung sind, muß ihre Anzahl bei großen Produktionsschwankungen auch während eines laufenden Monats angepaßt werden. Über die Anzahl der umlaufenden Kanban sollten die Praktiker vor Ort entscheiden und auch für die Kanbanpflege zuständig sein. Die Verantwortung liegt allerdings beim Abteilungsleiter. Schutz vor Verlust Bei der praktischen Umsetzung wird man feststellen, daß Kanban verlorengehen können. Solange es große Umlaufbestände gibt, wird ein solcher Verlust wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Wird die Arbeit im Werk jedoch von dem Geist getragen, auf keinen Fall überflüssige Dinge zu produzieren und von dem Willen geprägt, die Anzahl der umlaufenden Kanban immer weiter zu reduzieren, wird mit Sicherheit kein Kanban mehr verlorengehen. Die Kanban spiegeln den Willen, die Denkweise und die Philosophie derjenigen wider, die damit umgehen. Kaizen ist unendlich Die Einführung des Kanbansystems muß flächendeckend unter Einbeziehung aller Abteilungen erfolgen. Kanban stellt die Essenz des synchronen Produktionssystems dar. Dies hat selbstverständlich den kaufmännischen Bereich, aber auch die Buchführung und das Rechenzentrum vor große Reformaufgaben gestellt. Konsequente Reduzierung der Herstellungskosten, präzises Erfassen der tatsächlichen Fertigungsdauer sowie die Reduzierung sämtlicher Durchlaufzeiten machen ein Unternehmen stark. Zur Zeit führen viele Unternehmen CIM-Systeme (computer integrated manufacturing) ein. Es geht dabei darum, von Product-out-Systemen (produzentenorientierten Systemen) hin zu Market-in-Systemen (kundenorientierten Systemen) zu kommen. Für die Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie diesen Umstrukturierungsprozeß bewältigen können, welche Rolle CIM dabei spielen kann und wie Kanban integriert werden können. Solange Kanban als Werkzeug des visuellen Managements und als wichtiges Kaizenwerkzeug angesehen und genutzt werden, werden sie Bestand haben. Schritt 12: Kanban 219 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 219 Denkbar ist allerdings, daß die Kanban mit Barcodes versehen werden, so daß sie zukünftig in FMS integriert werden können. Es ist gut vorstellbar, daß die Arten und Formen der Kanban immer vielfältiger werden. Allerdings wird sich die ursprüngliche Funktion der Kanban nicht ändern. Man darf nie vergessen, daß Kanban kein Selbstzweck sind. Durch schrittweise, kontinuierliche Verbesserungen müssen die Voraussetzungen für das Einführen der Kanban geschaffen werden. Kanban müssen als ein Werkzeug zur Reduzierung der Herstellungskosten begriffen werden. Wenn man sie lediglich einführt, weil sie angeblich zu einem modernen Unternehmen dazugehören, hat man das Wesentliche nicht verstanden. Die neuen Informationsübertragungstechniken erlauben die Entwicklung immer neuer Kanbanversionen. Ich halte es für notwendig, solche neuen Techniken immer stärker einzusetzen und sie zu einer Waffe des Unternehmens im Wettbewerb zu machen. Da der Begriff Kanban weit verbreitet und mit relativ begrenzten Vorstellungen verbunden ist, besteht die Gefahr, daß man sich von dieser starren Begrifflichkeit gefangennehmen läßt. Dies darf auf keinen Fall geschehen. Wenn notwendig, können die Kanban, wenn deren Ziel und Funktion richtig verstanden werden, den jeweiligen Bedürfnissen angepaßt und verändert werden. Dieses Verändern ist Ausdruck des Reformprozesses. Nur ständiges Weiterentwickeln des Kaizenprozesses verhindert, daß das Unternehmen in Rückstand gerät. Eine Quelle für die erfolgreiche Entwicklung eines Unternehmens ist die Veränderung der Einstellung aller Beteiligten durch das Kanbansystem. Kanban als Werkzeug für das visuelle Management und für Kaizen. Es wurde dargelegt, daß Kanban drei Funktionen besitzen. Zwei dieser Funktionen sind Arbeitsanweisungen und Materialmanagement. Beides kann man zusammengefaßt als visuelles Management bezeichnen. Eine weitere wichtige Funktion ist, jedwede Verschwendung konsequent zu eliminieren. Es erfüllt damit die Rolle eines Werkzeugs zur Reduzierung der Herstellungskosten und zur Initiierung von Kaizenaktivitäten. Der durch diese drei Funktionen abgedeckte Bereich beginnt mit der Verbesserung der Qualität der einzelnen Bewegungsabläufe (Arbeitselemente), geht über die Verbesserung der Arbeit an den einzelnen Bearbeitungsstationen, an den Linien, zwischen den Linien, zwischen den Abteilungen usw. Auf diese Weise wird der Prozeß auf das gesamte Unternehmen ausgeweitet. Hierdurch werden allerdings auch alle gegenwärtigen existierenden großen und kleinen Systeme in Frage gestellt. Schritt 12: Kanban220 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 220 Produktionsanweisungstafel Briefkasten roter Briefkasten Signalkanban für Pufferbestände Gebrauch der Kanban Zeit 8.00 Kanban 9.00 10.00 11.00 1 Kanban Produktionsanweisungstafel A B C D 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 (8.00–10.00) Linie Bestandssteuerungstafel 1. Zyklus (13.00–15.00) 3. 4. (10.00–12.00) 2. Kanban 1 2 3 4 5 Briefkasten Wenn eine Kanbankarte in den roten Briefkasten gesteckt wird, wird dadurch ein Schalter betätigt, der die rote Warnlampe zum Blinken bringt. Auf der Rückseite können die Reihenfolge der Arbeitsschritte beim Umrüsten und andere Bedingungen der Anlage vermerkt werden. Bei der Verwendung von Gitterboxen werden die Kanban auf der Innenseite der Box mit einem Metallring befestigt. Einschübe für die Kanbankarten an der Außenseite der Mehrwegbehälter sind werkerfreundlich lassen den Inhalt leicht erkennen und verhindern den Verlust. Ist kein solcher Einschub vorhanden, werden die Kanban in die Kiste auf die Teile gelegt. Dies ist nicht werkerfreundlich. Um den Verlust der Kanban zu verhindern, müssen diese zwischen die Teile geschoben werden. Rückennummer Wäscheklammerkanban Losgröße Der Briefkasten kann mit einem Berührungsschalter versehen sein. Kanban 123456 Welle21A6b-5 200 100 P1·2·3·10 »Golfball«-Kanban Es können auch Tischtennisbälle verwendet werden. Mit Hilfe der Golfbälle in den Plastikrohren wird der Arbeitsbeginn gesteuert. Durch unterschiedliche Farben (Buchstaben, Zahlen) werden die Sachnummern voneinander getrennt. 5 5 20 rot Abb. 12.23 Verschiedenes zu Kanban (Teil 1) Schritt 12: Kanban 221 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 221 Hierfür wird die Bezeichnung der wichtigsten zu bestückenden Teile und eine entsprechende Rückennummer sowie die entsprechende Farbe verwendet. Die Teilebezeichnung erfolgt in der Schriftart Katakana. Bei der Rückennummer können einmal die letzten 3 Stellen der Sachnummer verwendet werden oder aber eine ganz freie Ziffernkombination. Man muß bei der Verwendung der letzten 3 Ziffern darauf achten, daß sich keine Überschneidungen mit anderen Teilen ergeben (in der Anfangsphase eventuell zu merken, kann aber zu Verwechslungen führen). Die Nummer soll maximal 3 Stellen haben. Bei 3 Stellen kann man die Zahl beim ersten Mal behalten. Bei 4 Stellen braucht man 2 Anläufe. Numerierung und farbliche Absetzung Durch einen Blick auf das Kanban sollte man erkennen können, was wie zu tun ist. Durch farbliche Absetzung und vereinfachte Darstellung der Teilebezeichnung und Sachnummer wird die Werkerfreundlichkeit erhöht. Schutz der Kanbankarten Bei der Zirkulation können die Kanban leicht verschmutzen oder zerreißen. Deshalb sollten sie durch Schutzbehälter oder Schutzfolien geschützt werden. Man kann Kanban mit einer Schutzfolie zusätzlich mit einem Kunststoffbehälter versehen. Dieses Verfahren ist allerdings teuer. Schutzart Kunststoffbehälter Vorteil 1. Leichte Handhabung beim Auswechseln und Korrigieren. 2. Im Falle von außerordentlichen Kanban oder Begrenzungskanban kann Rückseite auch nachträglich verwendet werden. Vor- und Nachteile Besonderheiten 1. Numerierung Bestückungskanban: 2. Farbliche Absetzung Häufig nebeneinanderliegende Farben sollten sich möglichst stark voneinander unterscheiden. 5 Farben rot – blau – gelb – weiß – schwarz 10 Farben rot – grün – blau – braun – gelb – violett – weiß – pfirsich – schwarz – orange Für die anderen Kanban gilt das gleiche. 1 2 3 1 2 Nachteil 3. Durch den geöffneten Einschubspalt für die Kanban kann Schmutz oder Öl eindringen. 4. Schneller Verschleiß der Behälter. Schutzfolie Vorteil 1. Die Kanbankarte ist gegen das Eindringen von Schmutz, Staub und Öl gut geschützt. 2. Die Folie hat eine lange Lebensdauer. Nachteil 3. Ein Austauschen oder Korrigieren ist nicht möglich. 4. Nach dem Erstellen ist ein Beschriften der Rückseite nicht mehr möglich. 3 4 1 2 3 Abb. 12.24 Verschiedenes zu Kanban (Teil 2) Schritt 12: Kanban222 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 222 Kanbanhilfsmittel Beim Arbeiten mit Kanban sollte man sich folgenden Satz des öfteren vergegenwärtigen: Kanban ist eine Informations- und Anweisungskarte, die den menschlichen Willen ausdrückt. Ob diese Karte mit Leben erfüllt wird oder nicht, hängt von dem ab, der damit umgeht. Die Hilfsmittel sollen dazu dienen, die Handhabung der Kanban zu erleichtern und sie lebendig werden zu lassen. Durch geschickte Gestaltung der Stellflächen und Variation der Kanban kann das visuelle Management ständig verbessert werden. In der Einführungsphase stoßen die Kanban bei den Werkern häufig auf Ablehnung, weil ihre Handhabung zu der bisherigen Arbeit hinzukommt. Die anfängliche Reaktion wird sein: »Das ist ja nur überflüssige Zusatzarbeit.« Deshalb ist es nötig, genaue Anleitungen für den Umgang mit den Kanban zu geben, sowie ausreichend Möglichkeiten zur Information und Diskussion anzubieten. Die hieraus gewonnenen Anregungen und Informationen müssen vom Meister aufgegriffen und sofort umgesetzt werden. Dabei ist es wichtig, daß sein Wille und Engagement, das Kanbansystem mit Leben zu erfüllen, deutlich wird. Die Kanban sind das wichtigste Instrument für den Aufbau und die Durchführung der JIT-Produktion, d. h. des synchronen Produktionssystems. Ein Rückschritt darf auf keinen Fall hingenommen werden. Bei der Entwicklung der Hilfsmittel muß man deshalb alles tun, um das Kanbansystem, wenn auch in kleinen Schritten, immer praktikabler zu machen, und es so transparent zu gestalten, daß es für jeden verständlich wird. Alle Probleme im Umgang mit den Kanban müssen am Genba diskutiert und gelöst werden. Die Anleitung zur Handhabung der Kanban muß detailliert und engagiert erfolgen bis hin z. B. zur konkreten Anweisung, wie und wo das Kanban abzulegen ist. Man kann beispielsweise die Briefkästen an den verschiedenen Plätzen mit durchlaufenden Nummern versehen und das Einsammeln der Kanban in der dadurch vorgesehenen Reihenfolge vornehmen. Soll das Bestückungskanban zusammen mit dem ersten zu produzierenden Teil durch die Linie laufen, um so Informationen und Anweisungen deutlich sichtbar und störungsfrei weiterzugeben, könnte man beispielsweise das Kanban mit einer Wäscheklammer an dem betreffenden Werkstück befestigen. Solche Kaizenvorschläge müssen gemeinsam mit den Werkern umgesetzt werden. Ein wirklich guter Zustand ist erst dann erreicht, wenn sich Qualitätszirkel bilden, die sich kontinuierlich mit einer Verbesserung der Kanbanpraxis beschäftigen. Schritt 12: Kanban 223 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 223 Kanban einzuführen ist einfach. Es aber zu einem wirkungsvollen Instrument (für flexiblen Mitarbeitereinsatz, zur Reduzierung der Bestände, zur Reduzierung von Steuerungsaufwand) zu machen, ist ausgesprochen schwierig. Auf jeden Fall muß man bei der Schaffung der Hilfmittel ideenreich und pfiffig vorgehen. Es gilt die Maxime: simple is best. Das eigentliche Ziel darf dabei nie aus den Augen verloren werden. Kanban sind in den verschiedensten Bereichen anwendbar: für das Nachfüllen von Hilfsstoffen, Öl, Fett, Farbe, für Bearbeitungswerkzeuge, ja sogar für Büromaterial. Mit Sicherheit kann durch die Kanban der schriftliche Verwaltungsaufwand flächendeckend drastisch reduziert werden. Kaizen durch Kanban Wenn es gelingt, die Situation am Genba und in den Büros durch Kanban zu visualisieren, so wird die Verschwendung von selbst sichtbar und der konkrete Kaizenbedarf deutlich. Die Inhalte, die bisher schrittweise für die Einführung des synchronen Produktionssystems dargestellt wurden, treten einem durch die Einführung der Kanban wie ein Forderungskatalog deutlich vor Augen: •• exaktes Durchführen der standardisierten Arbeit, Vorantreiben der Verschwendungseliminierung •• Erhöhen der Leistungsfähigkeit der Linien, Reduzierung der Durchlaufzeiten •• durch Verkürzung der Umrüstzeiten Reduzierung der Bestände in den Warenhäusern •• Notwendigkeit flexiblen Personaleinsatzes aufgrund von Wartezeiten Bisher wurde häufig geklagt, daß zuwenig Personal vorhanden sei, Material fehle, Kapazitäten nicht ausreichen würden usw. Durch die Verknüpfung der Produktion mit dem nachgelagerten Prozeß und die Anweisung zum verlangsamten Produzieren (Produktion nur im Takt der Anforderungen) ergeben sich völlig neue Perspektiven. So etwas muß bewußt geschaffen werden. Durch die Kanban wird das erreichte Niveau gefestigt. Bei der Erläuterung des Kanbansystems wird der menschliche Körper häufig zum Vergleich herangezogen. Die Kanban sollen wie autonome Nerven funktionieren. Es geht darum, Bestände zu reduzieren und auf die kleinsten Änderungen des nachgelagerten Prozesses zu reagieren. Der Mensch ist durch seine fünf Sinne befähigt, bei Gefahren unbewußt angemessen zu handeln. Diese Aufgabe wird in Produktionssystemen den Kanban übertragen. Wenn der nachgelagerte Prozeß anhält, muß der vorgelagerte Prozeß ohne irgendwelche besonderen Anweisungen auch anhalten. Um solch ein System aufzubauen, ist es auf jeden Fall notwendig, die Anzahl der Kanban immer weiter zu reduzieren. Schritt 12: Kanban224 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 224 Kanban als wichtiges Werkzeug für Kaizenaktivitäten Das Ziel besteht in der Reduzierung der Herstellungskosten. Dazu müssen alle Verschwendungen eliminiert werden. Kanban ermöglichen erst das visuelle Management des Genba. Die Kanban dienen ebenfalls zur Festigung von erreichten Verbesserungen. Die Anzahl der Kanbankarten gering halten und weiter reduzieren ➩ Probleme an die Oberfläche holen ➩ Der Kaizenbedarf wird deutlich und die Ziele konkretisiert. 1. Die Anzahl von Kanbankarten reduzieren Höhe der Umlaufbestände in Frage stellen, Umlaufbestände halbieren – Anzahl der umlaufenden Kanban halbieren. Solange weitermachen bis Probleme auftreten, auf jeden Fall unbeirrt weitermachen. In der entstehenden Bedrängnis erschließt sich der Kaizenbedarf. Dieser wird mit eigenen Augen überprüft und die wahre Ursache der Probleme ermittelt. ➩ Lange Umrüstzeiten, lange Durchlaufzeiten, Maschinendefekte etc. Sei kein Schmetterling, werde zur Vogelscheuche (hinter den oberflächlichen Erscheinungen verbirgt sich das Problem bzw. der Störenfried). Wirf alle Erfahrungen und Vorurteile über Bord, betrachte die Probleme unvoreingenommen (ergreife keine Maßnahmen auf der Grundlage von Annahmen). Wenn Du angebissen hast, nicht locker lassen. Fange bei Kaizen mit dem an, was sofort erledigt werden kann (Ist-Zustand zerstören und verändern). Denke nicht, daß Du an Deiner Leistungsgrenze bist. Wenn Du darauf vertraust, daß es irgendwie klappt, dann schaffst Du Dir neues Know-how. Beschäftige die Werker nur mit notwendigen Tätigkeiten (wertschöpfende Arbeit). Festigung des Erreichten (Anzahl der Kanbankarten reduzieren, Losgrößen reduzieren, Bezugsgrößen reduzieren) 2. Kaizenarbeitsweise: Versuch und Irrtum 3. Das Ziel besteht nicht in der Erhöhung der Stückzahlen. Das Ziel besteht in der Reduzierung der Herstellungskosten. 4. Einem hervorragenden Meister gelingt es immer, die Anzahl der Kanban zu reduzieren. 5. Aus der dauernden Verknappung der Kanban entsteht Kaizen. 1. Der Umsetzungsgrad der standardisierten Arbeit (Produktion, Transport, Informationen) kann überprüft werden ➩ Kaizen der Arbeitsabläufe. 2. Das Arbeitsvolumen (die Belastung) des eigenen Produktionsbereiches kann erfaßt werden ➩ Reduzierung der benötigten Zeit im eigenen Produktionsbereich (Grundlage für Leistungsprämie). 3. Die Bestandssituation im eigenen Produktionsbereich kann erfaßt werden ➩ Reduzierung der Bestände im Warenhaus. 4. Verteilung der Mitarbeiter im eigenen Produktionsbereich ➩ Reduzierung des Personals ➩ flexibler Personaleinsatz. 5. Der Produktionsstand im nachgelagerten Prozeß sowie die Priorität der Arbeit für den nachgelagerten Prozeß werden erkennbar ➩ Verhinderung von Überproduktion, Verkleinerung der Losgrößen. Der Kaizenbedarf wird konkretisiert. Je weniger Kanbankarten, desto höher die Reaktionsfähigkeit und Sensibilität. Aspekte 1 2 3 4 5 Abb. 12.25 Kaizen durch Kanban Schritt 12: Kanban 225 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 225 Nur wer versucht, das Kanbansystem praktisch umzusetzen, kann das Wesen des synchronen Produktionssystems wirklich verstehen. Selbst dann ist es nichts, was man an einem Tag begreifen kann. Beschränkt man sich nach Einführung der Kanban nur auf die Erhaltung des Ist-Zustandes, ist dies gleichbedeutend mit Rückschritt. Durch unablässige Anstrengungen und das Entwickeln neuer Ideen muß versucht werden, die Anzahl der Kanbankarten stetig zu reduzieren. Deshalb sagt man auch, Kaizen ist unendlich. Produktionssysteme, die auf Veränderungen unverzüglich reagieren können Bei der Herstellung eines Produktes sind viele Hunderte bzw. Tausende von Arbeitsabläufen, die in der Montagelinie zusammenfließen, komplex miteinander verknüpft. Die Kanban sind die Nerven, die diese Arbeitsabläufe miteinander verbinden. Die anzustrebende Form der Kanban ist, daß sie augenblicklich reagieren können, wie die autonomen Nerven im menschlichen Körper. Wenn ein Mensch etwas Heißes anfaßt, so zieht er die Hand, ohne nachzudenken, augenblicklich zurück (autonome Nerven). Auch die Kanban müssen wie ein autonomes Nervensystem reagieren. Dies bedeutet, wenn der nachgelagerte Prozeß anhält, stoppt auch der vorgelagerte Prozeß sofort. Autonomes Nervensystem des Menschen Kanban als autonomes Nervensystem Sehen Fühlen Hören Fünf Sinne Hand wird augenblicklich zurückgezogen Veränderung des wirtschaftlichen Umfeldes (starker Yen, Dollarschock usw.) Veränderung der Stückzahlen (Produktionsstillstand) Veränderung der Spezifikationen (plötzliche konstruktive Veränderung) Wenn der nachgelagerte Prozeß anhält, muß der vorgelagerte Prozeß auch sofort anhalten. Taktzeiten der Linien Heranziehen durch die nachgelagerten Prozesse Nachfüllende Produktion Fließfertigung Geglättete Produktion Änderung der Nervenimpulse im Großhirn Veränderung der Impulse Abb. 12.26 Kanban als autonomes Nervensystem (Fortsetzung auf der nächsten Seite) Zusammenhang und Systematik der  einzelnen Schritte226 Vahlen Competence Takeda – Das synchrone Produktionssystem (7. Auflage) Herstellung: Frau Deuringer Stand: 02.11.2012 Status: Imprimatur Seite 226 Grund und wirkliche Ursache Hinter dem Grund ist die wirkliche Ursache verborgen. Durch eine gründliche Analyse (fünfmal »Warum?«) muß der Grund ermittelt, dann die wirkliche Ursache erfaßt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Ansonsten ist keine Vorbeugung gegen das Wiederauftreten des Problems möglich. Somit kann die Anzahl der Kanban nicht reduziert werden. Mit 5 W 1 H Know-how aufbauen. Sei kein Schmetterling, werde zur Vogelscheuche und finde die wirkliche Ursache. (1) Wenn Du den Genba beobachtest, nimm Dir vor: »Heute will ich XY beobachten.« Hierauf muß man sich dann voll konzentrieren. (2) Einmal sehen ist besser als hundertmal hören. Sehen muß zum Handeln führen. (3) Geh davon aus, daß sowohl im Personal als auch in den Kanban die doppelte Kapazität steckt. Versuche, Kanban in Geld umzurechnen. (4) Laß die Kanban ständig zirkulieren. (5) Reformiere mit den Kanban das Produktionssystem. (6) Wenn es in der Produktion an Qualität, Quantität oder am Timing mangelt, entsteht Verschwendung. Abb. 12.26 Kanban als autonomes Nervensystem (Fortsetzung)

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References

Zusammenfassung

* Effizient, qualitätssicher und gewinnbringend produzieren

* Das Standardwerk vom Lean-Guru Hitoshi Takeda ab jetzt bei Vahlen

Der internationale Wettbewerb wird immer härter, Grenzen verlieren an Bedeutung und die Vielfalt von Produkten steigt immer weiter. Diese Marktbedingungen erfordern ein passendes Produktionssystem, das die wirtschaftliche Fertigung von kleinsten Losen und eine hohe Variantenvielfalt ermöglicht.

Lernen Sie vom Begründer des "Synchronen Produktionssystems"

* Wie Sie Durchlaufzeiten drastisch verkürzen

* Wie Sie Lagerbestände erfolgreich senken

* Wie Sie Umrüstzeiten erheblich beschleuni-gen

* Wie Sie die Qualität signifikant erhöhen

* Wie Sie kontinuierlich die Produktivität stei-gern

* Wie Sie auch bei schlechter Auftragslage Gewinne erwirtschaften

Die konsequente und nachhaltige Umsetzung des synchronen Produktionssystems hat uns an die Leistungsspitze geführt. Wir produzieren seitdem ein komplexeres Produktportfolio mit deutlich reduzierter Lieferzeit. Das Buch veranschaulicht sehr gut die schrittweise Einführung der Lean Bausteine und zeigt klar auf, dass deren Zusammenspiel ein Garant für Erfolg ist.

Hannes Katzschner, Geschäftsführer Roto Frank Bauelemente GmbH

Zum Autor

Hitoshi Takeda absolvierte ein ingenieurwis-senschaftliches Studium in Tokyo und arbeitete fast zwanzig Jahre in der Automobilindustrie. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit Fertigungssteuerungssystemen und Prozessrationalisierung. Sein Schwerpunkt ist die Entwicklung intelligenter Automatisierungssysteme.

Bis zur 6. Auflage erschien dieses Buch im Verlag mi-Wirtschaftsbuch.