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1 Grundlagen in:

Stefan Müller, Katja Gelbrich

Interkulturelle Kommunikation, page 88 - 90

1. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4600-5, ISBN online: 978-3-8006-4601-2, https://doi.org/10.15358/9783800646012_88

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Te il BTeil B: Interpersonale Kommunikation Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 81 1 Grundlagen Aus sozialwissenschaftlicher Sicht ist eine Kommunikation ein komplexes, zu großen Teilen soziales Geschehen, das neben … • verbalen Anteile (z.B. Small Talk; vgl. Kap. B-2) auch • paraverbale Anteile (z.B. Lachen; vgl. Kap. B-3), • nonverbale Anteile (z.B. Blickkontakt; vgl. Kap. B-4) sowie • extraverbale Anteile (z.B. Körperkontakt; vgl. Kap. B-5) besitzt. Häufig kommt es weniger darauf an, was je mand sagt, sondern wie: in welcher Tonhöhe etwa oder mit welcher Laut stärke (= paraverbale Kommunikation). Weiterhin können kulturspezifische Eigenheiten von Gestik und Mimik für Missverständnisse sorgen (= nonverbale Kommunikation). Europäer bspw. sind es gewohnt, andere durch eine wedelnde Handbewegung, die zum eigenen Körper hinführt, heran zuwinken, Japaner hingegen „wedeln“ in die entgegengesetzte Richtung (d.h. vom eigenen Körper weg). Entsprechend ihrem kulturspezifischen Code (⇒ Kultur) begreifen Europäer dieses Zeichen zwangs läufig – aber fälschlicherweise – als Aufforde rung, sich zu entfernen. Wieder anders gestikulieren Koreaner: Sie strecken ihren Arm mit nach unten gedrehter Handfläche aus und „wedeln“ mit der Hand, begleitet von dem Ausruf … • ,illowa‘ (falls es sich um einen engen Freund oder eine niederrangige Person handelt) bzw. • ,osipsio‘ (wenn eine höher gestellte Person gemeint ist). Im Verlauf ihrer Sozialisation erlernen Menschen es, sich auf diesen vier Ebenen der Kommunikation kulturadäquat mündlich wie auch schriftlich auszudrücken (vgl. Tab. 23). Tab. 23: Kommunikationsformen schriftliche Kommunikation mündliche Kommunikation verbal u.a. lexikalische, syntaktische, rhetorisch-stilistische Vertextungsmittel nonverbal u.a. Bilder, Zeichnungen, Diagramme, Form(at), Farbe, Layout u.a. Mimik, Gestik, Körperhaltung, Blickkontakt paraverbal u.a. Typographie, Interpunktion, Schreibweise, Zwischenräume, Satzspiegel (Block-, Flattersatz) u.a. Lautstärke, Stimmlage, Sprechrhythmus, Lachen, Hüsteln, Pausen, Akzent extraverbal u.a. ⇒ Zeit (Zeitpunkt bzw. Zeitraum der Textübermittlung, Erscheinungsjahr), Raum (Ort der Textübermittlung), ⇒ Zielgruppenorientierung, Papierqualität, Faltweise u.a. ⇒ Zeit, Ort, Kleidung, Kontext, taktile (fühlbare) Reize, olfaktorische (riechbare) Reize Quelle: Bolten (2007, S. 23), leicht verändert. 1 Grundlagen Teil B: Interpersonale Kommunikation Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 82 Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 83 2 Verbale Kommunikation Verbale Kommunikation basiert auf der Sprache und dem gesprochenen Wort. Aus der Vielzahl prinzipiell interessanter Sachverhalte (vgl. Abb. 28) haben wir zwei Themen ausgewählt: • verbale Begrüßungsrituale (vgl. Kap. B-2.1) sowie • Lob & Kritik (vgl. Kap. B-2.2). Abb. 28: Formen verbaler & nonverbaler Kommunikation ArgumentationsstilSprachstil Vokale Kommunikation Nonvokale Kommunikation Verbale Kommunikation Kommunikation Nonverbale Kommunikation • Sprachvarietät - Hochsprache - Dialekt - schichtspezifische Sprache • Formalisierungsgrad - abstrakt - bildhaft • Wortreichtum vs. Wortkargheit • Höflichkeitsformen • faktenorientiert • theorieorientiert • beispielhaftillustrierend • plausibel • dialektisch • faktisch vs. strategisch • moralischnormativ • Intonation • Lautstärke • Sprechgeschwindigkeit • Stimmfrequenz etc. • Körperbau, Gesichtsform, Hautfarbe etc. • Mimik, Gestik, Blickverhalten etc. • Kleidung, Schmuck etc. • Umweltvariablen Quelle: auf Basis von Kroeber-Riel et al. (2009, S. 559). Die verschiedenen Argumentationsstile werden in Kap. F-2.3 eingehender erörtert. Inhaltsverzeichnis 2.1 Verbale Begrüßungsrituale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 2.1.1 Grußformeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 2.1.2 Small Talk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 2.2 Lob & Kritik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 2.2.1 Lob . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 2.2.2 Kritik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 84 Vahlens Handbuch – Müller/Gelbrich – Interkulturelle Kommunikation Herstellung: Frau Deuringer Stand: 18.11.2013 Status: Druckdaten Seite: 85

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Zusammenfassung

Prof. em. Dr. Stefan Müller lehrte Marketing an der Technischen Universität Dresden.

Prof. Dr. Katja Gelbrich ist Inhaberin des Lehrstuhls für Internationales Management an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Menschen kommunizieren auf vielfältige Weise. Nur wenige der dabei zu beobachtenden Kommunikationsformen und -inhalte sind weltweit gleichermaßen verständlich. Verständi­gung setzt deshalb u.a. voraus, dass die Beteiligten in der Lage sind, kulturspezifische Signale zu decodieren, z.B.:

• Grußformeln und Regeln des Small Talk (= verbale Kommunikation),

• Stimmlage, Tonhöhe und Lachen (= paraverbale Kommunikation),

• Mimik, Gestik sowie Art und Dauer des Blickkontakts (= nonverbale Kommunikation),

• Distanz und Nähe, körperliche Begrüßungsrituale und Gastgeschenke (= extraverbale Kommunikation).

Ausgehend von E. T. Halls berühmter These, dass „Kommunikation Kultur ist und Kultur Kommunikation“, erörtern die Autoren den Einfluss der Landeskultur auf die Kommuni­kation. Vor dem Hintergrund kulturabhängiger Weltbilder, Mythen, Helden, Rituale, Symbole, Tabus, Normen und Werte diskutieren sie die Möglichkeiten des Verstehens

und des Missverstehens.

Neben den Besonderheiten und Gesetzmäßigkeiten der interpersonellen Kommunikation in kulturübergreifenden Interaktionen behandelt das Buch die Grundlagen der interkulturellen kommerziellen Kommunikation. Sie umfasst Print-, TV- und elektronische Werbung, Public Relations, Verkaufsförderung, Sponsoring, vergleichende Werbung, Direkt­marketing und Empfehlungsmanagement bei Zielgruppen mit unterschiedlicher kultureller Orientierung. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit den verschiedenen kommu­nikativen Stilen. Hierzu zählen Denk-, Argumentations- und Verhandlungsstile sowie Führungsstile und Konfliktstile.