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6 Erwerbsrechte an Grundstücken, Vormerkung in:

Hanspeter Gondring

Immobilienwirtschaft, page 146 - 152

Handbuch für Studium und Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4572-5, ISBN online: 978-3-8006-4573-2, https://doi.org/10.15358/9783800645732_146

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Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 97 6 Erwerbsrechte an Grundstücken, Vormerkung 97 6 Erwerbsrechte an Grundstücken, Vormerkung 6.1 Einordnung Erwerbsrechte an Grundstücken sind dadurch gekennzeichnet, dass sie dem Begünstigten das Recht einräumen, ein Grundstück regelmäßig im Wege des Kaufs zu erwerben. Die in der Praxis gängigsten Fälle eines Erwerbsrechts sind das Vorkaufsrecht, das Ankaufsrecht und das Wiederkaufsrecht. Bei der Vormerkung handelt es sich auch im weitesten Sinne nicht um ein Erwerbsrecht an einem Grundstück. Durch die Vormerkung wird vielmehr ein schuldrechtlicher Anspruch auf den Erwerb eines Grundstücks durch Eintragung im Grundbuch gesichert. 6.2 Vorkaufsrecht Vorkaufsrechte begründen ihren Ursprung in den sog. „Näherrechten“ aus dem spätrömischen Recht der Frühzeit des Mittelalters. Aufgrund der damaligen starken familiären Gemeinschaftsbindung kam den Näheren (Verwandte, Nachbarn) eine höhere Berechtigung zum käuflichen Erwerb einer bestimmten Sache zu, als anderen, fremden Personen. Im heutigen Vorkaufsrecht der Miterben nach §§ 2034 bis 2037 BGB spiegelt sich diese Zweckbestimmung wider. Vorkaufsrechte an einem Grundstück räumen dem Begünstigten das Recht ein, vor anderen Käufern ein Grundstück zu erwerben. Genauer: Der Vorkaufsberechtigte erhält die Befugnis, ein Grundstück zu denselben Bedingungen zu erwerben, die der Verkäufer in einem anderen Kaufvertrag mit einem Dritten bereits rechtswirksam vereinbart hat. Durch einseitige Erklärung des Vorkaufsberechtigten kommt ein zweiter Kaufvertrag mit denselben Bedingungen des ersten zustande. Ein Verkaufsfall, der zur Ausübung eines Vorkaufsrechts berechtigt, setzt daher zwingend den Abschluss eines Kaufvertrages zwischen dem Vorkaufsverpflichteten und dem Drittkäufer voraus. Da ein Kaufvertrag vorliegen muss, gilt das Vorkaufsrecht daher grundsätzlich nicht bei anderen Formen der Grundstücksübertragung, z. B. Schenkung, Tausch oder Einbringung in eine Gesellschaft.86 86 Vgl. Palandt, O. (2012), § 463, Rn. 5 6 Erwerbsrechte an Grundstücken, Vormerkung Abb. II 21: Einordnung der Erwerbsrechte Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 98 98 II. Rechtlicher Teil Vorkaufsrechte werden entweder durch rechtsgeschäftliche Vereinbarung begründet (rechtsgeschäftliche Vorkaufsrechte) oder ergeben sich aus gesetzlichen Bestimmungen (gesetzliche Vorkaufsrechte). 6.2.1 Rechtsgeschäftliche Vorkaufsrechte Bei den rechtsgeschäftlich durch Vertrag begründeten Vorkaufsrechten ist zwischen dem schuldrechtlichen Vorkaufsrecht und dem dinglichen Vorkaufsrecht zu unterscheiden. Schuldrechtliches Vorkaufsrecht nach §§ 463 ff. BGB Das Vorkaufsrecht kann als schuldrechtliches Vorkaufsrecht nach §§ 463 ff. BGB ausgestaltet sein. Dasschuldrechtliche Vorkaufsrecht kann an allen Sachen, somit auch an Grundstücken, eingeräumt werden. Die Einräumung eines schuldrechtlichen Vorkaufsrechts an einem Grundstück bedarf als bedingte Veräußerungsverpflichtung der notariellen Beurkundung gemäß § 311b Absatz  1 BGB. Zur Sicherung des Vorkaufsrechts kann und wird in der Praxis regelmäßig eine Vormerkung für den bedingten Erwerbsanspruch des Vorkaufsberechtigten im Grundbuch eingetragen. Das schuldrechtliche Vorkaufsrecht verpflichtet nur den Besteller des Vorkaufsrechts und seinen Gesamtrechtsnachfolger. Im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen kann in weiten Teilen von den gesetzlichen Vorschriften der §§ 463 ff. BGB abgewichen werden. So ist es beispielsweise möglich, zu vereinbaren, dass bei Ausübung des Vorkaufsrechts der Kaufpreis auf einen Höchstbetrag beschränkt wird. Auch die gesetzlich vorgesehene Ausübungsfrist für das Vorkaufsrecht von zwei Monaten ab Mitteilung des Verkaufsfalls durch den Vorkaufsverpflichteten kann durch vertragliche Vereinbarungen verlängert oder verkürzt werden.87 Dingliches Vorkaufsrecht gemäß §§ 1094 ff. BGB Vom schuldrechtlichen Vorkaufsrecht ist das dingliche Vorkaufsrecht zu unterscheiden. Im Gegensatz zum schuldrechtlichen Vorkaufsrecht kann sich das dingliche Vorkaufsrecht nur auf Grund- 87 Vgl. Limmer, P. (2009), Teil 2, Rn. 118 Abb. II 22: Vorkaufsrechte im Überblick Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 99 6 Erwerbsrechte an Grundstücken, Vormerkung 99 stücke und Zubehör, nicht hingegen auf sonstige Sachen beziehen. Das dingliche Vorkaufsrecht kann zugunsten einer natürlichen oder juristischen Person bestellt werden (subjektiv-persönliches Vorkaufsrecht, § 1094 Absatz 1 BGB). Möglich ist auch die Bestellung zugunsten des jeweiligen Eigentümers eines anderen Grundstücks (subjektiv-dingliches Vorkaufsrecht, § 1094 Absatz  2 BGB). Als abstraktes dingliches Recht entsteht das dingliche Vorkaufsrecht durch rechtsgeschäftliche Einigung und Eintragung im Grundbuch, § 873 BGB. Das der Bestellung zugrunde liegende schuldrechtliche Grundgeschäft (z. B. kaufähnlicher Vertrag, Sicherungsvertrag oder Schenkung) bedarf der notariellen Beurkundung gemäß § 311b Absatz 1 BGB.88 Dritten gegenüber hat das dingliche Vorkaufsrecht die Wirkung einer Vormerkung (§ 1098 Absatz 2 BGB). Anders als das schuldrechtliche Vorkaufsrecht kann das dingliche Vorkaufsrecht auch für mehrere Verkaufsfälle bestellt werden. Andererseits besteht bei dessen vertraglicher Ausgestaltung weniger Spielraum, Ausweitungen von den gesetzlichen Regelungen zu vereinbaren. So ist es beispielsweise nicht möglich, das dingliche Vorkaufsrecht so auszugestalten, dass bei Ausübung nur ein bestimmter Höchstpreis bezahlt wird.89 6.2.2 Gesetzliche Vorkaufsrechte Gesetzliche Vorkaufsrechte sind in aller Regel nicht aus dem Grundbuch ersichtlich. Größte praktische Bedeutung hat das gemeindliche Vorkaufsrecht nach §§ 24 ff. Baugesetzbuch (BauGB). Das gemeindliche Vorkaufsrecht dient als wichtiges Sicherungsinstrument der geordneten städtebaulichen Entwicklung. Nach Abschluss eines Grundstückskaufvertrages wird der Eigentümerwechsel durch das Grundbuchamt erst dann vollzogen, wenn die Gemeinde das Nichtbestehen oder eine Nichtausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts bestätigt hat. Neben dem gemeindlichen Vorkaufsrecht können weitere städtebauliche oder planungsrechtliche Vorkaufsrechte, insbesondere bei der Veräußerung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke nach dem RSiedlG oder landesrechtlichen Bestimmungen, z. B. landesrechtliche Denkmalschutzgesetze oder Forst- und Waldgesetze bestehen. Von den öffentlich-rechtlichen Vorkaufsrechten, die primär ordnungspolitische Zielsetzungen verfolgen, zu unterscheiden sind privatrechtliche gesetzliche Vorkaufsrechte. Ein wichtiges Beispiel in der Praxis ist das Vorkaufsrecht des Mieters nach § 577 BGB im Fall der Umwandlung des Eigentums des Vermieters in Wohnungseigentum. 6.3 Vormerkung Beispiel: Herr Huber verkauft Herrn Maier sein Grundstück mit Wohngebäude und Garage. Der Kaufvertrag (schuldrechtliches Verpflichtungsgeschäft) wird am 15. März 2003 abgeschlossen. Die Grundbucheintragung erfolgt zwei Wochen nach diesem Termin. Am 20. März 2003 schließt Herr Huber mit Herrn Schmid einen weiteren Kaufvertrag über sein Grundstück ab. Bei der Übertragung von Grundstücksrechten vergeht oftmals längere Zeit zwischen dem Abschluss des schuldrechtlichen Verpflichtungsgeschäfts und der Eintragung im Grundbuch. Während dieser 88 Vgl. Palandt, O. (2012), § 1094, Rn. 5 89 Vgl. BGH NJW 01, 2883 Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 100 100 II. Rechtlicher Teil Zeit kann der bisherige Rechtsinhaber trotz der bereits verbindlich gewordenen Einigung noch wirksam über das Grundstücksrecht zum Nachteil des Erwerbers verfügen. Gemäß § 883 BGB dient eine Vormerkung zur Sicherung des Anspruchs auf Einräumung oder Aufhebung sowie Inhaltsoder Rangänderung eines Rechts an einem Grundstück bzw. an einem das Grundstück belastenden Recht. Auch künftige oder bedingte Ansprüche können dadurch gesichert werden. Beispiel für einen durch Vormerkung sicherbaren bedingten Anspruch ist das schuldrechtliche Vorkaufsrecht. Durch Einigung und Eintragung in Abteilung II des Grundbuchs des belasteten Grundstücks wird die Sicherung eines schuldrechtlichen Anspruchs auf Eigentumsänderung oder Eintragung einer Grunddienstbarkeit erzielt. Dabei ist die Vormerkung kein dingliches Recht, sondern lediglich ein Sicherungsmittel eigener Art mit dinglicher Wirkung gegen Dritte. Es stellt einen schuldrechtlichen Anspruch auf dingliche Rechtsänderung sicher. Der Schuldner kann daraus nur insoweit über sein Grundstück bzw. Grundstücksrecht verfügen, wie die Erfüllbarkeit des abgesicherten Anspruchs nicht beeinträchtigt wird. Zum Kreis der absicherungsfähigen Ansprüche zählen nur solche, die durch Eintragung im Grundbuch erfüllt werden müssen.90 Häufigster Fall stellt die Vormerkung zur Sicherung des Eigentumsübertragungsanspruchs, die sog. Auflassungsvormerkung, dar. Hierbei handelt es sich um eine Vormerkung auf Auflassung eines Grundstücks (Einigung über den Übergang des Eigentums an einem Grundstück). Sie verhindert im Zeitraum zwischen Abschluss des Kaufvertrags und der Eintragung des neuen Eigentümers im Grundbuch weitere Verfügungen sowie nachträgliche Eintragungen des Verkäufers (z. B. Grundschulden für seine Darlehen). Vom Verkäufer im Rang nach der Auflassungsvormerkung veranlasste Eintragungen sind relativ unwirksam, da der Käufer (= neuer Eigentümer) die Löschung dieser Eintragungen verlangen kann. In diesem Zusammenhang muss die den Käufer finanzierende Bank mit Blick auf die Werthaltigkeit der Grundschulden beachten, dass die Grundschulden im Rang vor der Auflassungsvormerkung eingetragen sind. Allgemein ist nach Eintragung der Vormerkung, als Vorläufer der Rechtsänderung, der Berechtigte gegen den Verpflichteten selbst, gegen dessen Rechtsnachfolger und gegen dessen Gläubiger in mehrfacher Weise geschützt91 • gegen Zwischenverfügungen des Verpflichteten durch Rechtsgeschäfte, • gegen Einzelzwangsvollstreckungen eines Gläubigers, • gegen die Wirkungen der Insolvenz des Verpflichteten, • gegen eine Haftungsbeschränkung seines Erben sowie • gegen Rangänderung der Vormerkung und somit des einzutragenden Rechts. Der Bestand der Vormerkung hängt vom Bestand des gesicherten Anspruchs ab. Sie entsteht nicht ohne ihn und erlischt mit ihm. Besteht der durch die Vormerkung gesicherte Anspruch nicht mehr, wird das Grundbuch unrichtig. Der Verpflichtete kann vom Berechtigten daher die Zustimmung zur Löschung verlangen. Existiert der gesicherte Anspruch nicht mehr bzw. ist seine Entstehung ausgeschlossen, so kann die Vormerkung auch von Amts wegen gelöscht werden. 90 Vgl. Palandt, O. (2012), § 883 Rn. 8 91 Vgl. Gerardy, T. (Hrsg.) et al. (02/2003), S. 5.2.8/5 Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 101 6 Erwerbsrechte an Grundstücken, Vormerkung 101 6.4 Wiederkaufs- und Ankaufsrecht 6.4.1 Wiederkaufsrecht Das Wiederkaufsrecht findet sich in der Praxis hauptsächlich als Instrument der Grundstückspolitik der öffentlichen Hand. Beispielhaft kann der Fall angeführt werden, dass gemeindeeigene Baugrundstücke mit der Auflage vergeben werden, dass innerhalb einer bestimmten Frist bauliche Anlagen zu Wohn- und/oder Gewerbezwecken gebaut werden müssen. Bei Nichteinhaltung der Auflage behält sich die Gemeinde durch die Einräumung eines Wiederkaufsrechts die Möglichkeit vor, die Grundstücke zurück zu erwerben. Soweit nichts anderes vereinbart ist, gilt als Wiederkaufspreis der ursprünglich bezahlte Kaufpreis ohne Berücksichtigung von Zinsen. Des Weiteren ist das Grundstück lastenfrei zurück zu übertragen. Das Wiederkaufsrecht ist in den §§ 456 ff. BGB gesetzlich geregelt. Beim Wiederkaufsrecht handelt es sich um kein dingliches Recht, sondern um eine schuldrechtliche Rechtsposition, die es dem Wiederkaufsberechtigten ermöglicht, ein bereits verkauftes Grundstück durch einseitige Erklärung zurück zu erwerben. Dieser Anspruch auf Rückübertragung wird regelmäßig dinglich durch Eintragung einer Vormerkung zugunsten des Wiederkaufsberechtigten gesichert. 6.4.2 Ankaufsrecht, Optionsrecht Das Ankaufsrecht bzw. Optionsrecht räumt dem Berechtigten das Recht ein, unter gewissen Voraussetzungen durch einseitige Erklärung einen Kaufvertrag mit dem Verpflichteten zu bereits im Voraus festgelegten Bedingungen zur Entstehung zu bringen. Im Unterschied zum Vorkaufsrecht ist bei diesem Erwerbsrecht kein vorheriger Kaufvertrag mit einem Dritten notwendig, sondern der Eintritt von Umständen, die im Voraus zwischen den Beteiligten festgelegt werden. Durch das Ankaufsrecht soll der Verkäufer gebunden werden, während der Käufer frei entscheiden kann. Grundsätzlich ist dieses Recht durch notarielle Beurkundung zu vereinbaren und kann durch eine Vormerkung gemäß § 883 (1) BGB im Grundbuch abgesichert werden. In der Praxis kommt es überwiegend in folgenden Ausgestaltungen vor: • Ein einseitiges Vertragsangebot des Grundstückseigentümers, ein Grundstück zu den im Angebot festgelegten Bedingungen an einen bestimmten Erwerber zu verkaufen. Der Erwerber ist berechtigt, das Angebot zu den festgelegten Bedingungen durch einseitige notariell zu beurkundende Annahmeerklärung anzunehmen. Zur Sicherung des Erwerbers kann eine Vormerkung im Grundbuch eingetragen werden. • Es wird ein aufschiebend bedingter Kaufvertrag geschlossen, dessen Wirksamkeit durch die spätere Ausübung des Erwerbsrechts durch den Käufer herbeigeführt wird. Im Rahmen des bedingten Kaufvertrages werden bereits sämtliche Regelungen fest vereinbart. Die Ausübungserklärung des Erwerbers kann dann – soweit nichts anderes vereinbart ist – formfrei erfolgen. Der Anspruch des Erwerbsberechtigten kann wiederum durch eine Vormerkung im Grundbuch gesichert werden. Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 102 102 II. Rechtlicher Teil 6.5 Zusammenfassung Erwerbsrecht Vorkaufsrecht Vormerkung § 883 BGB Wiederverkaufsrecht §§ 456 ff. BGB Ankaufsrecht nicht gesetzlich geregeltdinglich schuldrechtlich gesetzlich Rechtsnatur Dingliches Recht, § 1094 ff. BGB Schuldrechtlicher Anspruch, §§ 463 ff. BGB Kein dingliches Recht, lediglich Inhaltsbestimmung des Eigentums, z.B. §§ 24 f. BauGB Kein dingliches Recht, lediglich Sicherungsmittel eigener Art mit dinglicher Wirkung gegen Dritte kein dingliches Recht, durch Vormerkung dinglich, abzusichernde Ausübungsmöglichkeit Kein dingliches Recht, sondern durch Vormerkung dinglich abgesichertes Recht, ein Grundstück zu im Vorfeld vereinbarten Bedingungen zu erwerben. Inhalt Befugnis, eine bestimmte Sache zu denselben Bedingungen zu erwerben, die der Verkäufer in einem Kaufvertrag mit einem Dritten rechtswirksam vereinbart hat Sicherung eines schuldrechtlichen Anspruchs auf Eigentumsänderung oder Eintragung einer Grunddienstbarkeit Ausübungsmöglichkeiten für bedingte Kaufverträge Annahme eines notariellen Verkaufsangebots oder Ausübungsmöglichkeit für einen aufschiebend bedingt geschlossenen Kaufvertrag Begründung Einigung und Grundbucheintrag Vertrag und notarielle Beurkundung Kraft Gesetz mit Eintritt des Verkaufsfalls Einigung und Grundbucheintrag Vertrag und notarielle Beurkundung Bindendes notarielles Verkaufsangebot an einen bestimmten Erwerber, dass dieser annehmen kann oder Aufschiebend bedingt abgeschlossener Kaufvertrag. Der Kaufvertrag wird durch einseitige Erklärung des Begünstigten wirksam. Löschung, Beendigung Nach fristgemäßer Ausübung oder Eintritt vertraglich vereinbarter Tatbestände (z. B. Zeitablauf) bzw. bei dinglichem Verkaufsrecht: je nach Vereinbarung Bei tatsächlichem Nichtbestehen der Vormerkung oder des Anspruchs Nach Fristab lauf, spätestens nach 30 Jahren, § 503 BGB Bei Wegfall des Rechts des Erwerbsberechtigten entsprechend der Ausgestaltung des Erwerbsrechts Anwendungsgegenstand/ -bereich Grundstück Grundstücke und bewegliche Sachen Grundstücke, Sicherung der geordneten städtebaulichen Entwicklung Häufig: Auflassungsvormerkung Grundstücks-/ Siedlungspolitik der öffentlichen Hand Grundstücke, bewegliche Sachen, Rechte, Gesellschaftsanteile Abb. II 23: Zusammenfassung der Erwerbsrechte Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 103 7 Sicherungs- und Verwertungsrechte 103 7 Sicherungs- und Verwertungsrechte 7.1 Einordnung Die Kreditsicherung mit Grundstücken wird meist durch die Eintragung von Sicherungs- und Verwertungsrechten im Grundbuch vollzogen. Zu den Pfandrechten an Grundstücken (Grundpfandrechte) zählen die Hypothek, die Grundschuld und die Rentenschuld. In besonderen Fällen kommt auch die Eintragung einer Reallast in Frage, insbesondere zur Absicherung von Zahlungen auf ein Altenteil oder einen Erbbauzins. Die Reallast, die zur Sicherung laufend wiederkehrender Leistungen dient, kann dabei als eine Mischform von Nutzungsrecht sowie Sicherungs- und Verwertungsrecht angesehen werden. Eine gemeinsame Eigenschaft der Sicherungs- und Verwertungsrechte besteht in dem Anspruch auf Verwertung des belasteten Grundstücks. Dieser Anspruch ist auf die mit dem jeweiligen Recht begründete dingliche Schuld zurückzuführen. Das Gesetz beschreibt diese dingliche Schuld in den Definitionen der verschiedenen Sicherungsrechte jeweils mit dem Ausdruck, dass eine bestimmte Geldsumme „aus dem Grundstück“ zu erbringen ist. Aus dieser Formulierung ergibt sich, dass der Eigentümer des belasteten Grundstücks aufgrund der Belastung nicht zur Zahlung verpflichtet ist, sondern dass die Substanz und die Nutzungen des Grundstücks selbst zugunsten des Berechtigten verwertet werden können. Die Verwertung der Substanz wird in der Zwangsversteigerung, die Verwertung der Nutzungen in der Zwangsverwaltung erreicht. Zwar bleibt der Schuldner der gesicherten Forderung daneben auch zur Zahlung verpflichtet. Diese Verpflichtung beruht aber nicht auf dem Grundpfandrecht bzw. der Reallast, sondern allein auf einer daneben bestehenden schuldrechtlichen Vereinbarung (z. B. einem Darlehensvertrag), die durch die Sicherungs- und Verwertungsrechte gesichert ist. Aus dem Sicherungs- und Verwertungsrecht folgt allein die Verpflichtung des Eigentümers, das belastete Grundstück zur Verwertung zur Verfügung zu stellen und diese Verwertung zu dulden. Der Eigentümer kann die Vollstreckung in sein Grundstück aber durch eine freiwillige Zahlung abwenden. Gesicherte Forderung und Sicherungsrecht stehen somit in einem engen Zusammenhang, sind aber grundsätzlich voneinander zu unterscheiden, insbesondere 7 Sicherungs- und Verwertungsrechte Abb. II 24: Einordnung der Sicherungs- und Verwertungsrechte

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References

Zusammenfassung

Alles zur Immobilienwirtschaft.

Immobilienwirtschaft komplett

Gondrings Lehr- und Nachschlagewerk umfasst alle wesentlichen Bereiche der Immobilienwirtschaft und eignet sich als allgemeine Einführung in einen bislang von der Betriebswirtschaftslehre vernachlässigten Wissenschaftszweig. Es berücksichtigt sowohl traditionelle als auch für die Zukunft richtungsweisende Themengebiete.

Der „Gondring“

orientiert sich am Lebenszyklus einer Immobilie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das ganzheitliche Management von Immobilien in allen Bereichen gelegt wird. Die Schwerpunkte:

– Allgemeiner Teil

– Rechtlicher Teil

– Planen, Bauen, Betreiben

– Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung

– Die Immobilie als Asset im Portfolio

– Klassische Finanzierung

– Strukturierte Instrumente und Real Estate Investment Banking

– Bilanzierung und Basel II/Basel III

– Bewertung

– Immobilienmarkt und Ausbildung

Der Autor

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft an der DHBW Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennaher Studienfächer sowie Praktiker.