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3 Das Liegenschaftskataster in:

Hanspeter Gondring

Immobilienwirtschaft, page 119 - 120

Handbuch für Studium und Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4572-5, ISBN online: 978-3-8006-4573-2, https://doi.org/10.15358/9783800645732_119

Bibliographic information
Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 70 70 II. Rechtlicher Teil Sowohl beim Wohnungs-/Teileigentumsgrundbuch als auch beim Erbbaugrundbuch muss zur genaueren Bezeichnung der eingetragenen Rechte auf die Urkunden verwiesen werden, die von den Beteiligten bei der Antragstellung dem Grundbuchamt vorgelegt wurden. Bei Einsicht des Grundbuchs empfiehlt sich daher, in den Grundakten auch diese Urkunden (Teilungserklärung oder Erbbaurechtsvertrag) einzusehen, um sich über den Inhalt des Grundbuchs umfänglich Kenntnis verschaffen zu können. 3 Das Liegenschaftskataster Während das Grundbuch dazu dient die Rechtsverhältnisse an einem Grundstück abzubilden, werden im Liegenschaftskataster die tatsächlichen Verhältnisse eines Flurstücks, der sog. Parzelle, erfasst. Dem Liegenschaftskataster lässt sich insbesondere die Lage und Größe eines Flurstücks sowie dessen Bewirtschaftungsart entnehmen. Das Liegenschaftskataster stellt somit für das Grundbuch die Verbindung zwischen dem technisch umschriebenen Flurstück als vermessenen Teil der Erdoberfläche und dem Grundstück als Buchungseinheit des Grundbuchs dar. In Abgrenzung zum Grundbuch, welches ein Rechtsregister ist, stellt das Liegenschaftskataster ein amtliches Verzeichnis für Grundstücke dar. Das Liegenschaftskataster bildet das Katasterkartenwerk (Flurkarten) und die Katasterbücher. Es wird vom zuständigen Katasteramt bzw. dem regelmäßig damit identischen Vermessungsamt geführt. Das Liegenschaftskataster ist landesrechtlich geregelt und dient nicht wie das Grundbuch dem Grundstücksverkehr. Im Liegenschaftskataster werden die einzelnen Flurstücke unter einer bestimmten Flurstücksnummer aufgeführt und verwaltet. Im Grundbuch hingegen können unter einer Grundstücksnummer mehrere Flurstücke aufgeführt werden. Wie viele Flurstücke unter einer Grundstücksnummer aufgeführt sind, kann aus dem Bestandsverzeichnis entnommen werden. In § 4 VermGBW ist für das Land Baden-Württemberg der Zweck des Liegenschaftskataster festgelegt: Das Liegenschaftskataster weist alle Flurstücke des Landes nach deren Entwicklung aus. Es beschreibt die Bodenflächen, dient der Sicherung des Grundstückseigentums, dem Grundstücksverkehr, der Ordnung von Grund und Boden und ist Grundlage für weitere raumbezogene Informationssysteme. In Abb. II 16 ist der Aufbau des Liegenschaftskatasters dargestellt. 3 Das Liegenschaftskataster Abb. II 16: Aufbau des Liegenschaftskatasters Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 71 4 Das Erbbaurecht nach dem Erbbaurechtsgesetz 71 Im Katasterbuch sind Beschreibungen des Grundstücks mit Lagebezeichnung, Nutzungsart und Fläche enthalten. Das parallel geführte Katasterkartenwerk ist eine nach Vermessung erstellte Kartensammlung. Dem Katasterkartenwerk, Katasterbuch und den vermessungstechnischen Unterlagen können folgende Informationen entnommen werden: Flurstücke mit Flurstücksgrenzen, Buchungsmerkmale und Angaben zur Fläche, Lage, Nutzung und sonstigen Eigenschaften, Angaben über aufstehende Gebäude, Landes-, Gemeinde- und Gemarkungsgrenzen, topographische Objekte, Bodenschätzungsergebnisse, Grundstückseigentümer und Erbbauberechtigte, Eigentumsanteilen und der Eigentumsart sowie nachrichtliche Buchungsmerkmale des Grundbuchs. Jedermann, der ein berechtigtes Interesse an einer Auskunft glaubhaft machen kann, hat gegenüber dem Kataster- bzw. Vermessungsamt einen Anspruch auf Erteilung von Auskünften bezüglich des Liegenschaftskatasters. Damit das Grundbuch immer auf dem aktuellen Stand ist, teilt das Kataster- bzw. Vermessungsamt dem entsprechenden Grundbuchamt sämtliche, das Grundbuch betreffende Änderungen mit. Dieses geschieht durch Übersendung der Fortführungsunterlagen und der Veränderungsnachweise. Auch in diesem Bereich wird verstärkt die elektronische Übermittlung von Daten genutzt. 4 Das Erbbaurecht nach dem Erbbaurechtsgesetz Die wirtschaftliche Bedeutung des Erbbaurechts liegt im Wesentlichen darin, dass unterschiedliche Personenkreise ein Gebäude als Eigentümer errichten bzw. nutzen wollen, ohne Eigentümer eines Grundstücks zu werden. Entweder können diese Personen das benötigte Investitionskapital nicht aufbringen oder das für das Gebäude benötigte Grundstück steht bereits im Eigentum einer anderen Person, die nicht veräußern will. In Deutschland sind die beiden großen Kirchen, die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche, die größten Erbbaurechtsgeber. In England hingegen ist das Königshaus Ausgeber aller Eigentums-/Nutzungsrechte. Dies kann aus der Historie her erklärt werden. Das englische Land Law kennt kein absolutes Eigentum, sondern ist auf dem seit 1066 bestehenden Lehnswesen aufgebaut, welches ein Recht an einem Grundstück nur als Lehen der Krone (tenure) darstellt.36 Mit dem Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages spart der Erbbauberechtigte den Kaufpreis für das Baugrundstück und kann das Grundstück trotzdem als Bauplatz für das von ihm zu errichtende Gebäude nutzen. Der Eigentümer des Grund und Bodens erhält für die Einräumung des Erbbaurechts in der Regel einen so genannten Erbbauzins vom Erbbauberechtigten. Im Regelfall wird weiter vereinbart, dass das Erbbaurecht nach einer gewissen Zeit erlischt und das Bauwerk dem Grundstückseigentümer in der Regel gegen eine Entschädigung zufällt.37 Grund und Boden sowie das errichtete Gebäude stellen für die Dauer des Erbbaurechtsvertrages zwar eine physikalische Einheit dar: Rechtlich gesehen stellt das auf dem Erbbaurecht errichtete Gebäude aber einen wesentlichen Bestandteil des Erbbaurechts dar. Das Eigentum am Gebäude steht daher dem Erbbauberechtigten zu. 36 Vgl. Wagemann, S. K. (2001), S. 33 37 Vgl. Murfeld, E. (2002), S. 98 f. 4 Das Erbbaurecht nach dem Erbbaurechtsgesetz

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References

Zusammenfassung

Alles zur Immobilienwirtschaft.

Immobilienwirtschaft komplett

Gondrings Lehr- und Nachschlagewerk umfasst alle wesentlichen Bereiche der Immobilienwirtschaft und eignet sich als allgemeine Einführung in einen bislang von der Betriebswirtschaftslehre vernachlässigten Wissenschaftszweig. Es berücksichtigt sowohl traditionelle als auch für die Zukunft richtungsweisende Themengebiete.

Der „Gondring“

orientiert sich am Lebenszyklus einer Immobilie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das ganzheitliche Management von Immobilien in allen Bereichen gelegt wird. Die Schwerpunkte:

– Allgemeiner Teil

– Rechtlicher Teil

– Planen, Bauen, Betreiben

– Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung

– Die Immobilie als Asset im Portfolio

– Klassische Finanzierung

– Strukturierte Instrumente und Real Estate Investment Banking

– Bilanzierung und Basel II/Basel III

– Bewertung

– Immobilienmarkt und Ausbildung

Der Autor

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft an der DHBW Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennaher Studienfächer sowie Praktiker.