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3 Studium und Ausbildung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Fachhochschule und Universität in:

Hanspeter Gondring

Immobilienwirtschaft, page 1083 - 1086

Handbuch für Studium und Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4572-5, ISBN online: 978-3-8006-4573-2, https://doi.org/10.15358/9783800645732_1083

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Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 1039 3 Studium und Ausbildung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg 1039 der Beschäftigten in Fach- und Führungspositionen aus Hochschulabsolventen verschiedenster Studienrichtungen. Diese „Quereinsteiger“ besitzen zunächst in der Regel keinen immobilienspezifischen Studienabschluss, den sie aber im Rahmen von postgraduierten Studiengängen erwerben können. Darüber hinaus bestehen weitere Qualifikationsstufen wie die Mitgliedschaft in der Royal Institution of Chartered Surveyors oder Masterstudiengänge. 3 Studium und Ausbildung an der Dualen Hochschule Baden Württemberg, Fachhochschule und Universität 3.1 Vollzeitstudiengänge mit immobilienwirtschaftlichem Schwerpunkt Seit Ende der 1990er Jahre ist die Zahl der Vollzeitstudiengänge mit immobilienwirtschaftlichem Schwerpunkt in Deutschland stark gestiegen. Sowohl Universitäten, die Duale Hochschule Baden- Württemberg und Fachhochschulen haben heute ein breit gefächertes Studienangebot an immobilienwirtschaftlichen Schwerpunkten. Diese können hier nicht abschließend aufgeführt werden, da sich die Studienangebote laufend ändern. Eine aktuelle Übersicht über die RICS-akkreditierten Studiengänge gibt das Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) in Frankfurt a. M. 3.2 Das duale Studium an der Dualen Hochschule Baden Württemberg Zum 1. März 2009 wurden die Berufsakademien in Baden-Württemberg in die Duale Hochschule Baden Württemberg mit eigener Hochschulverfassung und -organisation umgewandelt. Sie ist nach dem Vorbild der University of North Carolina in zwei Ebenen unterteilt: 1. Ebene ist das Präsidium 3 Studium und Ausbildung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Abb. X 2: Weiterbildungsmarkt und Qualifikationsstufen Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 1040 1040 X. Immobilienmarkt und Ausbildung und der Vorstand als zentrale Einrichtung, die 2. Ebene sind die einzelnen (unselbstständigen) Standorte (Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Mosbach, Heidenheim, Villingen-Schwenningen, Ravensburg und Lörrach), die von einem Rektor geleitet werden. Damit wird das seit über 30 Jahren bewährte Prinzip der Verzahnung von Theorie und Praxis endgültig im tertiären Bildungsbereich verankert und hat in Deutschland Vorbildfunktion für das duale Studium. Mit knapp 30.000 Studierenden gehört die DHBW zu den größten Hochschuleinrichtungen und ist mit 9000 Dualen Partnern aus dem gesamten Bundesgebiet tief in der deutschen Wirtschaft verankert. Die Studiengänge der DHBW sind von der Akkreditierungsagentur ZeVA mit 210 ECTS-Punkten akkreditiert. Seit Dezember 2011 ist die DHBW als dritte Hochschule in Deutschland mit einer Systemakkreditierung ausgestattet und seit 2012 Mitglied der deutschen Rektorenkonferenz. Neben den Bachelorabschlüssen vergibt sie auch Masterabschlüsse als akademische Hochschulgrade. Das Studium zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis im Rahmen eines dualen, praxisintegrierenden Studienkonzepts aus. Die einzelnen Semester finden im ständigen, in der Regel zwölfwöchigen, Wechsel zwischen Theoriephasen an der DHBW und berufspraktischen Phasen im Unternehmen oder der sozialen Einrichtung statt. Die DHBW vermittelt dabei fachwissenschaftliche Grundlagen, anwendungsorientierte Methodenkenntnisse und die Fähigkeit zum theoretisch-systematischen Denken. Während der Praxisphasen wird das Gelernte im beruflichen Alltag umgesetzt. Die Theorie- und Praxisphasen sind durch Rahmenpläne eng aufeinander abgestimmt, so dass neben Fach- und Methodenwissen auch ein hohes Maß an Handlungs- und Sozialkompetenz erworben wird. Die Inhalte werden jedoch nicht nur den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst, sondern auch den sich wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt. Diese enge Verzahnung von Theorie und Praxis erleichtert den DHBW-Absolventen den späteren Eintritt ins Berufsleben. Nach einem dreijährigen Intensivstudium und einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit (Bachelor- Thesis) wird den Absolventen ein Bachelor-Titel (Bachelor of Arts) verliehen. Der Studiengang Immobilienwirtschaft der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart besteht seit 1997 und ist durch die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) akkreditiert, daneben bietet der Standort Mannheim ebenfalls einen Studiengang Immobilienwirtschaft an. 3.3 Berufsakademien nach dem Baden Württemberger Modell Berufsakademie ist nicht gleich Berufsakademie. Die duale Studienform wurde Anfang der 1970er Jahre in Baden-Württemberg eingeführt. Leitmotiv war, die duale Berufsausbildung auf den tertiären Bildungsbereich zu übertragen. Damals kam dieser Schritt einer „Revolution“ gleich. Das Baden-Württemberger Modell war aber damals nicht nur eine „Revolution“, sondern auch eine Vision, die sich heute durch Bologna zum allgemeingültigen Leitmotiv für alle Hochschulen entwickelt hat. Vielfach wurde diese Studienform von ihren Gegnern als „höhere Berufsschule“, als „unwissenschaftlich“ und hinsichtlich der Methodenkompetenz als „unzulänglich“ bezeichnet. Das Bundeshochschulgesetz hat die Berufsakademien nicht aufgenommen, sodass sie formal keine Hochschulen waren und nur aufgrund eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz die Abschlüsse denen einer FH gleichgestellt waren. Die Absolventen der Berufsakademien hatten damit über Jahrzehnte Nachteile, wie z. B. kein Zugang zum höheren Dienst, keine Promotionsfähigkeit, keine Anerkennung außerhalb von Baden-Württemberg und bei einem Wechsel an eine Universität wurden i. d. R. die erbrachten Leistungen an der Berufsakademie nicht anerkannt. Insbesondere Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 1041 3 Studium und Ausbildung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg 1041 die Universitäten saßen jahrzehntelang auf einem „sehr hohen Ross“ und bekanntlich ist der Fall umso tiefer. Der Markt dagegen hat die „Befindlichkeiten“ völlig ignoriert und die Berufsakademien haben sich in ihrem „Nischendasein“ zu elitären und extrem leistungsstarken staatlichen Bildungseinrichtungen im tertiären Bildungssektor entwickelt. An einer Berufsakademie kann sich nur derjenige immatrikulieren, der a) die allgemeine Hochschulreife hat oder einen Eignungstest besteht und b) einen Ausbildungsvertrag vorlegen kann. Die Selektion der Studierenden erfolgt über die Dualen Partner, die von den Abiturienten nur die besten aufnehmen; den verbleibenden Abiturienten bleibt dann nur noch ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule. Die Vertreter der Berufsakademien haben es den Universitäten jedoch nicht gleich getan, indem sie diese lakonisch als „Resteverwerter“ hätten bezeichnen können. Nach dem Mauerfall haben die Länder Berlin und Sachsen und später das Land Thüringen das Modell übernommen, sodass nur diese Berufsakademien nach dem Baden-Württemberger Modell konzipiert sind. Heute sind die Ressentiments beseitigt und die Abschlüsse aller Hochschularten sind gleichwertig. So bieten die Studienakademie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, die Berufsakademie Leipzig und die Berufsakademien in Eisenach und Gera Studiengänge in Immobilienwirtschaft an. Diese schließen ebenfalls mit dem Bachelor of Arts ab und befähigen zu einem weiterführenden Masterstudium. 3.4 Fachhochschulstudium Das Fachhochschulstudium hat als Zugangsvoraussetzungen die Fachhochschulreife und hochschulabhängig zusätzlich ein Vorpraktikum oder sogar eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Studiendauer beträgt mindestens 6 Semester (je noch Fachhochschule addieren sich noch 1–2 Praxissemester) und integriert ein berufsorientiertes Praktikum in das Studium. So bieten manche Fachhochschulen ein Studium mit Praxisphasen und/oder Studium im Praxisverbund an. Die Studierenden können in der vorlesungsfreien Zeit mit den hochschulverbundenen Unternehmen Praktika absolvieren(Praxisphasen) oder aber sogar in einem festen Ausbildungs- oder Praktikantenverhältnis für die Studiendauer (Praxisverbund) stehen. Die FH-Abschlüsse sind i. d. R. mit 180 bis 240 ECTS-Punkten akkreditiert. Fachhochschulen mit immobilienwirtschaftlichen und immobilientechnischen Studienfächer sind u. a. die Fachhochschule Holzminden (HAWK), die Hochschule Mittweida, die Hochschule Biberach, die Hochschule Zittau/Görlitz, sowie die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Die Fachhochschulen bieten in der Regel auch im Fortgang zum Bachelorabschluss weiterführende Masterstudiengänge an. 3.5 Universitätsstudium Die Universitäten bieten ebenfalls immobilienwirtschaftliche und immobilientechnische Schwerpunktfächer an. Viele Universitäten gehen inzwischen dazu über, ähnlich wie die Fachhochschulen, Berufspraktika in die Studiengänge zu integrieren bzw. anzubieten. Die Bachelorstudiengänge dauern ebenfalls 6 Semester und sind i. d. R. mit 180 ECTS-Punkten akkreditiert. Masterstudiengänge runden das Studienangebot ab. Folgende Universitäten bieten entsprechende Studiengänge Vahlen Handbücher – Gondring, Immobilienwirtschaft, 3. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 11.02.13 Status: Druckdaten Seite 1042 1042 X. Immobilienmarkt und Ausbildung an: Universität Stuttgart, Universität Regensburg, Bauhaus-Universität Weimar, Universität Leipzig, Universität Darmstadt, Bergische Universität Wuppertal, TU Berlin. 4 Weiterbildungen in der Immobilienwirtschaft Seit Mitte der 1990er Jahre haben sich verschiedene (nicht akademische) Weiterbildungsinstitutionen (an Hochschulen angeschlossen) gebildet, die ein berufsbegleitendes Kontaktstudium mit einer Dauer von i. d. R. 12–15 Monaten in Teilzeit mit starker Ausrichtung auf die Immobilienwirtschaft anbieten. Diese Studiengänge haben inzwischen eine sehr hohe Reputation am Arbeitsmarkt und werden in vielen Unternehmungen einem akademischen Abschluss gleichgesetzt. Studierende an diesen Immobilienakademien sind überwiegend Hochschulabsolventen wie Juristen, Ingenieure, Architekten und Volkswirte, die in ihrem regulären Studium keine immobilienspezifische Ausbildung erfahren haben und sich als „Quereinsteiger“ das Fachwissen auf diese Weise aneignen. Inzwischen gibt es drei führende Immobilienakademien mit hoher Reputation und mit einer RICS-Akkreditierung. 1. Die Akademie der Immobilienwirtschaft (ADI) bietet ein 15 monatiges Kontaktstudium an, das mit der staatlichen Abschlussbezeichnung „Diplom-Immobilienökonom/in (ADI)“ abschließt, 2. Die International Real Estate Business School (IREBS) mit einem 15monatigen Kontaktstudium, das mit der Bezeichnung „Immobilienökonom/in (IREBS)“ abschließt und 3. Das Real Estate Management Institut (REMI) mit einem dreisemestrigen Kontaktstudium, das mit der Bezeichnung „Immobilienökonom/in (EBS)“ abschließt. 4 Weiterbildungen in der Immobilienwirtschaft

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References

Zusammenfassung

Alles zur Immobilienwirtschaft.

Immobilienwirtschaft komplett

Gondrings Lehr- und Nachschlagewerk umfasst alle wesentlichen Bereiche der Immobilienwirtschaft und eignet sich als allgemeine Einführung in einen bislang von der Betriebswirtschaftslehre vernachlässigten Wissenschaftszweig. Es berücksichtigt sowohl traditionelle als auch für die Zukunft richtungsweisende Themengebiete.

Der „Gondring“

orientiert sich am Lebenszyklus einer Immobilie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf das ganzheitliche Management von Immobilien in allen Bereichen gelegt wird. Die Schwerpunkte:

– Allgemeiner Teil

– Rechtlicher Teil

– Planen, Bauen, Betreiben

– Vermarktung, Verwaltung und Bewirtschaftung

– Die Immobilie als Asset im Portfolio

– Klassische Finanzierung

– Strukturierte Instrumente und Real Estate Investment Banking

– Bilanzierung und Basel II/Basel III

– Bewertung

– Immobilienmarkt und Ausbildung

Der Autor

Prof. Dr. Hanspeter Gondring, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft an der DHBW Stuttgart.

Zielgruppe

Studierende der Immobilienwirtschaft und immobiliennaher Studienfächer sowie Praktiker.