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Fallstudie 4: Spindel GmbH in:

Ernst Troßmann, Alexander Baumeister, Clemens Werkmeister

Fallstudien im Controlling, page 70 - 84

Lösungsstrategien für die Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4570-1, ISBN online: 978-3-8006-4571-8, https://doi.org/10.15358/9783800645718_70

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63 Fallstudie 4: Spindel GmbH Fallstudie 4: Spindel GmbH Kostenplanung und -kontrolle mit der Grenzplankostenrechnung Problembeschreibung: Die Spindel GmbH ist ein alteingesessener metallverarbeitender Betrieb mit fünf Kostenstellen: Werkstatt, Lager, Dreherei, Fräserei und Vertrieb. Das Produktionsprogramm umfasst verschiedene Arten von Spindeln für Textilmaschinen. Die Spindeln werden teilweise nur in der Dreherei bearbeitet, teilweise nur gefräst. Außerdem werden auch einige Produkte erst in der Dreherei bearbeitet und dann gefräst. Der Geschäftsführer der Firma Spindel ist zwar von der technischen Qualität seiner Produkte überzeugt. Er weiß aber nicht genau, ob die Herstellung wirtschaftlich ist und welchen Preis er für die Produkte verlangen soll. Daher wendet er sich an Sie mit der Bitte um betriebswirtschaftliche Unterstützung. Um seinen guten Willen und seine umfangreichen Vorarbeiten zu belegen, überreicht der Geschäftsführer Ihnen die auf S. 64 als Abb. II-15 wiedergegebene Übersicht zu den im vergangenen Monat bei der Spindel GmbH angefallenen Gemeinkosten: Sie enthält Nummerierung und Bezeichnungen der drei Gemeinkostenarten. Die Kostenbeträge werden nach den Kostenstellen getrennt ausgewiesen, in denen sie entstanden sind. Weiterhin enthält die Übersicht Angaben dazu, ob und inwieweit diese Kosten für innerbetriebliche Leistungen anfielen. Zunächst werden die in der betreffenden Kostenstelle angefallenen Fixkosten aufgeführt. Sie sind unabhängig von der Höhe und dem Empfänger der erstellten Leistung. Die verbleibenden Kosten sind variabel. Ihre Höhe hängt von der Ausprägung der für die jeweilige Kostenstelle relevanten Bezugsgrößen ab. Deswegen enthalten die beiden folgenden Spalten die Bezugsgrößen der jeweiligen Kostenstelle und ihre Maßeinheit. Daran schließen sich die Gesamtmengen der Bezugsgrößeneinheiten an, die sich im letzten Monat ergeben haben. Die letzten drei Spalten führen die Mengen innerbetrieblicher Leistungen (gemessen in Bezugsgrößeneinheiten) an, die an die verschiedenen Kostenstellen abgegeben wurden. Weitere Informationen zu den Kostenstellen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Nach Aussagen des Geschäftsführers können Sie aber auch im anstehenden Monat mit diesen Kosten und Mengendaten rechnen. Aufgabenstellung zu Fallstudie 4 (Spindel GmbH): Aufgabe 1: Kostenstellenplanung (a) Entwerfen Sie für die Spindel GmbH einen Betriebsabrechnungsbogen. Tragen Sie die für den kommenden Monat geplanten primären Kosten der Spindel GmbH in diesen Betriebsabrechnungsbogen ein. 64 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinform ationen Abb. II-15: Angaben zu den Gemeinkosten bei der Spindel GmbH 65 Fallstudie 4: Spindel GmbH (b) Verrechnen Sie die geplanten innerbetrieblichen Leistungen der Firma Spindel nach dem Gleichungsverfahren und erläutern Sie Ihre Vorgehensweise. Führen Sie die Sekundärkostenverrechnung in Ihrem Betriebsabrechnungsbogen durch. Aufgabe 2: EDV-Einsatz in der Kostenrechnung Die vom Geschäftsführer zur Verfügung gestellten Daten sollen nach einem relationalen Datenbankmodell redundanzfrei gespeichert werden. Dazu ist eine Normalisierung notwendig. (a) Skizzieren Sie wichtige Controlling-Aufgaben bei der EDV-Unterstützung der Kostenrechnung. (b) Beschreiben Sie allgemein die ersten drei Normalformen. (c) Führen Sie die Normalisierung bis zur dritten Normalform durch. Gehen Sie dabei von der Annahme aus, dass in allen Kostenstellen homogene Kostenverursachung vorliegt. Geben Sie für jede der von Ihnen entwickelten Relationen einen Datensatz als Beispiel an. Machen Sie jeweils die Schlüsselattribute durch Unterstreichen kenntlich. (d) Ihre Analysen ergeben, dass Teile der Vertriebskosten von den Absatzmengen und andere Teile vom Versandgewicht abhängen. Welche Auswirkungen hat dies auf die von Ihnen normalisierten Relationen? (e) Zeichnen Sie für die entwickelte Datenstruktur ein Entity-Relationship- Diagramm. Aufgabe 3: Kalkulation in der Grenzplankostenrechnung Zur Herstellung einer Präzisionsspindel wird ein Metallrohling mit einer Fläche von 0,1 m2 zuerst 10 Minuten in der Drehmaschine bearbeitet und anschließend 12 Minuten gefräst. Der Metallrohling als einziger Rohstoff kostet 62 € / Stück. Sie müssen mit Lohneinzelkosten in Höhe von 18 € für das Drehen und 22 € für das Fräsen einer Spindel rechnen. Das Versandgewicht der Spindel liegt bei 2 Kilogramm. Stellen Sie ein Schema zur Kalkulation der variablen Selbstkosten pro Spindel auf und ermitteln Sie diese. Aufgabe 4: Abweichungsanalyse zur Kostenkontrolle Nach Ablauf der Planperiode wird für die Kostenstelle Fräserei eine Fertigungszeit von 190 Stunden festgestellt. Eine nun durchgeführte detaillierte Aufgliederung der geplanten und tatsächlichen Verbrauchsmengen und Güterpreise ergibt folgendes das in Abb. II-16 zusammengestellte Bild. (a) Skizzieren Sie mögliche Abweichungsarten einer kumulativen Abweichungsanalyse bei einer Bezugsgröße und erläutern Sie diese. (b) Führen Sie eine differenzierte Abweichungsanalyse auf Ebene der einzelnen Kostenarten, der Summe primärer und sekundärer Gemeinkosten und 66 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinformationen Kostenart Planmenge Planpreis Istmenge Istpreis 410 Hilfsstoffe 4.800 ME 5,00 € / ME 4.450 ME 5,20 € / ME 430 Lohnkosten 1.000 Std. 39,00 € / Std. 920 Std. 38,50 € / Std. 450 sonstige Gemeinkosten 8.000 ME 5,25 € / ME 8.040 ME 5,10 € / ME 530 Kostenumlage Werkstatt Plandaten entsprechend Sekundärkostenverrechnung 58 Std. 245,00 € / Std. 531 Kostenumlage Lager 140 m² 124,00 € / m² 532 Kostenumlage Dreherei 1.260 Min. 6,10 € / Min. Abb. II-16: Grunddaten zur Abweichungsanalyse der Kostenstelle Fräserei der gesamten Gemeinkosten durch. Inwieweit eignet sich diese Analyse zur Beurteilung der Effizienz in der Fräserei? Nach der Planperiode stellt man in der Vertriebskostenstelle Gesamtkosten auf Basis mit Planpreisen bewerteter Güterverbräuche von 52.000 € fest. Insgesamt wurden 900 Spindeln mit einem Gesamtgewicht von 4.200 Kilogramm abgefertigt. (c) Berechnen Sie die Höhe der Verbrauchsabweichung in der Vertriebskostenstelle. 67 Fallstudie 4: Spindel G m bH Lösungshinw eise zu Fallstudie 4 (Spindel G m bH ): A ufgabe 1: Kostenstellenplanung Abb. II-17: Betriebsabrechnungsbogen der Spindel GmbH (a) 68 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinformationen (b) Der getrennte Ausweis fixer und variabler Kosten verdeutlicht, dass eine Teilkostenrechnung auf Basis variabler Kosten vorliegt. In derartigen Kostenrechnungssystemen bezieht sich die Sekundärkostenverrechnung ausschließlich auf variable Gemeinkosten. Ein Ziel dabei ist die Gewinnung von Deckungsbeiträgen der Kostenträger, die in einer ein- oder mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung den Fixkosten der Betrachtungsperiode gegenübergestellt werden. Aufgrund identischer Bezugsgrößen für die Kostenarten durch die homogene Kostenverursachung in den leistungsabgebenden Kostenstellen der Spindel GmbH können die variablen Gemeinkosten einer Kostenstelle auf einmal verrechnet werden. Da die Kostenstellen wechselseitige Leistungsbeziehungen aufweisen, ist ein Kostenstellenausgleichsverfahren nötig. Ausgangspunkt für den hier anzuwendenden Gleichungsansatz sind die von einer Kostenstelle bezogenen und abgegebenen Leistungen. Ausschließlich leistungsempfangende Kostenstellen brauchen nicht in den Ansatz einbezogen zu werden. Aus der Lösung des entstehenden Gleichungssystems erhält man die Kostenverrechnungssätze der innerbetrieblichen Leistungsflüsse. Verwendet man die Symbole d, l und w für die gesuchten Kostenverrechnungssätze der Leistungen der Dreherei, des Lagers und der Werkstatt, so kommt man zu folgendem Gleichungssystem: entstehende Kosten primäre sekundäre Gemeinkosten gutzuvariable aus innerbetrieblicher schreibende Gemeinkosten Leistungsverflechtung Leistungen Werkstatt: 20.000 + 200 ⋅ l = 200 ⋅ w Lager: 30.000 + 100 ⋅ w = 500 ⋅ l Dreherei: 45.000 + 150 ⋅ l + 40 ⋅ w = 12.000 ⋅ d Eine Umformung führt zu: Werkstatt: 20.000 + 200 ⋅ l – 200 ⋅ w = 0 (1) Lager: 30.000 – 500 ⋅ l + 100 ⋅ w = 0 (2) Dreherei: 45.000 + 150 ⋅ l + 40 ⋅ w – 12.000 ⋅ d = 0 (3) Aus (1) + 2 ⋅ (2) ergibt sich: 80.000 – 800 ⋅ l = 0 ⇔ l = 100,00 € / m2. In (2) eingesetzt ergibt sich: – 13.750 + 100 ⋅ w = 0 ⇔ w = 200,00 € / Std. In (3) eingesetzt ergibt sich: 68.000 – 12.000 ⋅ d = 0 ⇔ d ≈ 5,67 € / Min. Damit können die beiden Vorkostenstellen Werkstatt und Lager vollständig entlastet werden. Die Dreherei stellt eine Endkostenstelle dar, die jedoch auch Leistungen für die Fräserei erbringt. Aufgabe 2: EDV-Unterstützung der Kostenrechnung (a) Zu den Kernaufgaben des Controlling (siehe Kapitel I) gehört die Gestaltung betrieblicher Informationssysteme (systemdefinierende Koordinati- 69 Fallstudie 4: Spindel GmbH on). Insbesondere erfordert eine Führungsunterstützung die Abstimmung von Bedarf und Bereitstellung von Kosten- und Leistungsinformationen. Damit ist die Festlegung der inhaltlichen Bestückung einer EDV-gestützten Kostenrechnung zentraler Gestaltungsgegenstand des Controlling. Ausgewählte Aufgabenbeispiele sind (vgl. z. B. Küpper u. a. [Controlling] 215 ff.): Gestaltung betrieblicher Datenbanken, indem deren konzeptionelles Schema entwickelt wird. Hier geht es u. a. um die Abbildung der betrieblichen Kosten- und Leistungszusammenhänge durch Festlegung der Datenbankinhalte. Bei der Entwicklung des konzeptionellen Schemas können z. B. Entity-Relationship-Modelle eingesetzt werden. Erstellung von Pflichtenheften, die der Auswahl einer Standardsoftware für die Kostenrechnung oder als Vorlage für die Eigenentwicklung einer Individualsoftware dienen. Anpassung von Standardsoftware auf die Belange der betrieblichen Kostenrechnung. Definition geeigneter Schnittstellen für die Ankopplung der EDV-gestützten Kostenrechnung an weitere betriebliche EDV-Systeme. Projektkoordination bei der Implementierung EDV-gestützter Kostenrechnungssysteme. Durchführung von Informationsbedarfsanalysen als Grundlage einer empfängergerechten Versorgung mit entscheidungsrelevanten Kostenund Leistungsinformationen. Festlegung von Berichtsinhalten EDV-gestützter Berichtssysteme. Gestaltung computergestützter Kosten- und Leistungsberichtssysteme, die auf Anfragen des Benutzers oder nach vordefinierten Auslöseereignissen standardmäßig Berichte bereitstellen. Festlegung benutzer- und aufgabengerechter Zugriffsberechtigungen auf Kosten- und Erlösdaten und passender Auswertungsmethoden. (b) Unter Normalisierung versteht man die Beseitigung bestimmter Redundanzen und Mehrdeutigkeiten in relationalen Datenbanken (vgl. Stahlknecht/ Hasenkamp [Wirtschaftsinformatik] 173 ff.). Ergebnis der Normalisierung sind Relationen, die durch eindeutige Primärschlüssel identifizierbar sind und von denen die anderen Attribute ausschließlich direkt abhängen und gegenseitig unabhängig sind. Im einzelnen sind die verschiedenen Normalisierungsformen wie folgt charakterisiert: Die erste Normalform stellt sicher, dass die Attribute der betrachteten Relationen nicht selbst wieder Relationen sind, sondern ausschließlich elementare Attribute. Wiederholungsrelationen in der unnormalisierten Form können durch Aufteilung in mehrere Relationen beseitigt werden. In der zweiten Normalform müssen zusätzlich alle Attribute vom gesamten Primärschlüssel, der die Relation identifiziert, und nicht nur von einem Teil davon abhängig sein. Es wird damit eine volle funktionale Abhängigkeit erzeugt. Eine Relation der ersten Normalform ist automatisch in der zweiten Normalform, wenn sie ohnehin nur ein Primärschlüsselattribut aufweist. 70 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinformationen In der dritten Normalform sind schließlich transitive Abhängigkeiten vom Primärschlüssel beseitigt, so dass alle weiteren Attribute direkt von diesem abhängen und gegenseitig unabhängig sind. (c) Relationen der ersten Normalform: Kostenanfall: Kostenart-Nr. Kostenartbezeichnung Kostenstellen- Nr. Kostenstellenbezeichnung Kosten Fixkosten Bezugsgrößen- Nr. Bezugsgrößenbezeichnung Einheit Gesamtmenge 410 Hilfsstoffe 01 Werkstatt 7.000 2.000 01 Arbeitszeit Std. 100 innerbetriebliche Leistungserfassung: Kostenstellen-Nr. Kostenstellenbezeichnung Kostenstellen-Nr. Kostenstellenbezeichnung Menge 01 Werkstatt 02 Lager 100 Relationen der zweiten Normalform: Kostenerfassung: Kostenart: Kostenart-Nr. Kostenstellen-Nr. Kosten Fixkosten Kostenart- Nr. Kostenartbezeichnung 410 01 7.000 2.000 410 Hilfsstoffe Kostenstelle: Kostenstellen-Nr. Kostenstellenbezeichnung Bezugsgrößen-Nr. Bezugsgrößenbezeichnung Einheit Gesamtmenge 01 Werkstatt 01 Arbeitszeit Std. 200 02 Lager 02 Lagerbedarf m2 500 innerbetriebliche Leistung: Kostenstellen-Nr. Kostenstellen-Nr. Menge 01 02 100 Relationen der dritten Normalform: Kostenerfassung, Kostenart und innerbetriebliche Leistung: unverändert Kostenstelle: Kostenstellen-Nr. Kostenstellenbezeichnung Bezugsgrößen-Nr. Gesamtmenge 01 Werkstatt 01 200 Bezugsgröße: Bezugsgrößen-Nr. Bezugsgrößenbezeichnung Einheit 01 Arbeitszeit Stunden 71 Fallstudie 4: Spindel GmbH (d) In der Vertriebskostenstelle liegt heterogene Kostenverursachung vor, da die Vertriebskosten von mehreren Bezugsgrößen abhängig sind. Daher sind einige der in c ermittelten Relationen nicht eindeutig. So muss beachtet werden, dass die zu erfassenden fixen und gesamten Kosten einer Kostenart auf verschiedene Bezugsgrößen einer Kostenstelle zu beziehen sind; aufgrund mehrerer Bezugsgrößen je Kostenstelle ein Ausweis der Bezugsgrößenmenge nicht mehr nach dem Muster in c möglich ist. Damit ergeben sich die folgenden Änderungen: Kostenstelle: Kostenstellen-Nr. Kostenstellenbezeichnung 05 Vertrieb Bezugsgrößenplanung: Kostenstellen-Nr. Bezugsgrößen-Nr. Gesamtmenge 05 05 1.000 05 06 4.000 Kostenerfassung: Kostenart-Nr. Kostenstellen-Nr. Bezugsgrößen-Nr. Kosten Fixkosten 450 05 05 30.000 20.000 450 05 06 10.000 0 KOSTENART (Kostenart-Nr., Bezeichnung) m KOSTENERFASSUNG (Kostenart-Nr., Kostenstellen- Nr., Bezugsgrößen-Nr., Kosten, Fixkosten) n m k n n n INNERBETRIEBLICHE LEISTUNGSVERRECHNUNG (Kostenstellen-Nr., Kostenstellen-Nr., Menge) BEZUGSGRÖSSE (Bezugsgrößen-Nr., Bezugsgrößenbezeichnung, Einheit) KOSTENSTELLE (Kostenstellen-Nr., Kostenstellenbezeichnung) BEZUGSGRÖSSEN- PLANUNG (Kostenstellen-Nr., Bezugsgrößen-Nr., Gesamtmenge) Abb. II-18: Entity-Relationship-Diagramm für heterogene Kostenverursachung (e) 72 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinformationen Aufgabe 3: Kalkulation in der Grenzplankostenrechnung Für eine differenzierte Zuschlagskalkulation benötigt man im vorliegenden Fall Zuschlagsätze der Endkostenstellen. Dazu gehören die Dreherei, die Fräserei und der Vertrieb, da diese nach der Sekundärkostenverrechnung noch variable Kosten aufweisen. Für die angegebenen Bezugsgrößen der Dreh- und Fräszeit erhält man Gemeinkosten von 5,10 € je Drehminute und 7 € je Fräsminute. Im Vertrieb liegt heterogene Kostenverursachung vor. Hier erhält man variable Vertriebskosten von 10 € je abgesetzter Einheit und 2,50 € je Kilogramm Versandgewicht. In einer Teilkostenrechnung auf Basis variabler Kosten werden keine Fixkosten in der Kalkulation angesetzt. Die variablen Herstellkosten ergeben sich damit zu: Materialeinzelkosten 62,00 € Lohneinzelkosten Dreherei 18,00 € Fräserei 22,00 € variable Gemeinkosten Dreherei 10 Min. ⋅ 5,67 € / Min. = 56,67 € Fräserei 12 Min. ⋅ 7,00 € / Min. = 84,00 € variable Herstellkosten je Spindel 242,67 € Zur Kalkulation der variablen Selbstkosten sind die stück- und gewichtsabhängigen variablen Vertriebskosten zu addieren: variable Herstellkosten je Spindel 242,67 € variable Vertriebskosten stückabhängig 1 Stk. ⋅ 10,00 € / Stk. = 10,00 € gewichtsabhängig 2 kg. ⋅ 2,50 € / Min. = 5,00 € variable Selbstkosten je Spindel 257,67 € Der Lagerbedarf ist für die Kalkulation nicht mehr relevant, da er schon in der Kostenstellenrechnung berücksichtigt wurde. Aufgabe 4: Abweichungsanalyse zur Kostenkontrolle (a) Abb. II-19 stellt die Abweichungsarten grafisch dar. Ein Ausweis verrechneter Plankosten und der Beschäftigungs-Kostenabweichung erfolgt nur innerhalb einer Vollkostenrechnung. Bei der kumulativen Abweichungsanalyse ist zu entscheiden, welchen Abweichungsarten die Abweichungen höherer Ordnung zuzurechnen sind (vgl. Friedl [Controlling] 376 ff.). Der Controller hat darauf zu achten, dass eine Leistungskontrolle aus motivatorischen Gesichtspunkten nur an Grö- ßen ansetzen darf, die vom Kostenstellenverantwortlichen tatsächlich beeinflussbar sind (Controllability-Prinzip). Abb. II-20 kennzeichnet die verschiedenen Abweichungsarten allgemein. Im vorliegenden Fall geht es um eine Fertigungsstelle, so dass die Effizienz 73 Fallstudie 4: Spindel GmbH Abb. II-19: Zusammenhang ausgewählter Abweichungen des Güterverbrauchs Mittelpunkt der Kontrolle sein muss, nicht die vom Fertigungsstellenleiter meist nicht beeinflussbare Preisentwicklung der Einsatzgüter. Demnach umfasst die Preisabweichung in diesem Fall auch die Preis-Mengen-Abweichung, die als Mischgröße auf eine gleichzeitige Abweichung der Güterverbrauchsmenge und des Gütereinsatzpreises zurückgeht. (b) Aus dem Betriebsabrechnungsbogen ergeben sich die Plankosten der einzelnen Kostenarten. Die Sollkosten für einen Beschäftigungsgrad von 190 Std. / 200 Std. = 95 % erhält man, indem die variablen Plankosten mit diesem Beschäftigungsgrad multipliziert und zu den Fixkosten addiert werden. Dies ist in Abb. II-21 berechnet. So ergibt sich z. B. für Hilfsstoffe ein Kostenbetrag von 9.000 € + 15.000 € ⋅ 95 % = 23.250 €. Die verrechneten Plankosten ergeben sich aus den mit dem Beschäftigungsgrad multiplizierten Plankosten. Hier erfolgt somit eine Fixkostenschlüsselung. Beispielsweise für Hilfsstoffe ergibt sich 24.000 € ⋅ 95 % = 22.800 €. Die Istkosten ergeben sich aus der Bewertung der Istverbrauchsmengen, einmal zu Istpreisen und einmal zu Planpreisen. Diese Rechnung ist in Abb. II-22 wiedergegeben. Die reine Preisabweichung ergibt sich aus der Abweichung des Einsatzgüterpreises multipliziert mit der Planverbrauchsmenge, z. B. für die Lohnkosten: (38,50 € / Std. – 39,00 € / Std.) ⋅ 1.000 Std. = – 500,-- €. 74 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinformationen Abb. II-20: Inhaltliche Charakterisierung ausgewählter Abweichungen Kostenart Plankosten Sollkosten verrechnete Plankosten 410 Hilfsstoffe 24.000 € 23.250 € 22.800 € 430 Lohnkosten 39.000 € 38.390 € 37.050 € 450 sonstige Gemeinkosten 42.000 € 40.850 € 39.900 € primäre Gemeinkosten 105.000 € 102.490 € 99.750 € 530 Umlage der Werkstatt 12.000 € 11.400 € 11.400 € 531 Umlage des Lagers 15.000 € 14.250 € 14.250 € 532 Umlage der Dreherei 6.800 € 6.460 € 6.460 € sekundäre Gemeinkosten 33.800 € 32.110 € 32.110 € gesamte Gemeinkosten 138.800 € 134.600 € 131.860 € Abb. II-21: Plankosten bei einem Beschäftigungsgrad von 95 % 75 Fallstudie 4: Spindel GmbH Kostenart Istkosten zu Istpreisen Istkosten zu Planpreisen 410 Hilfsstoffe 23.140 € 22.250 € 430 Lohnkosten 35.420 € 35.880 € 450 sonstige Gemeinkosten 41.004 € 42.210 € primäre Gemeinkosten 99.564 € 100.340 € 530 Umlage der Werkstatt 14.210 € 11.600 € 531 Umlage des Lagers 17.360 € 14.000 € 532 Umlage der Dreherei 7.686 € 7.140 € sekundäre Gemeinkosten 39.256 € 32.740 € gesamte Gemeinkosten 138.820 € 133.080 € Abb. II-22: Berechnung der Istkosten Die Preis-Mengen-Abweichung als Abweichung höherer Ordnung setzt sich aus der mit der Einsatzgüterpreisabweichung multiplizierten Verbrauchsmengenabweichung zusammen, also für die Lohnkosten: (38,50 € / Std. – 39,00 € / Std.) ⋅ (920 Std. – 1.000 Std.) = + 40,-- €. Im Einzelnen ergeben sich die in der folgenden Tabelle ausgewiesenen Abweichungen. Kostenart gesamte Preis-abweichung Preis-Mengen- Abweichung reine Preisabweichung Mengenabweichung 410 Hilfsstoffe 890,-- € - 70,-- € 960,-- € - 550,-- € 430 Lohnkosten - 460,-- € 40,-- € -500,-- € - 1.170,-- € 450 sonstige Gemeinkosten - 1.206,-- € - 6,-- € - 1.200,-- € 2.310,-- € primäre Gemeinkosten - 776,-- € - 36,-- € - 740,-- € 590,-- € 530 Umlage der Werkstatt 2.610,-- € - 90,-- € 2.700,-- € 200,-- € 531 Umlage des Lagers 3.360,-- € - 240,-- € 3.600,-- € - 250,-- € 532 Umlage der Dreherei 546,-- € 26,-- € 520,-- € 680,-- € sekundäre Gemeinkosten 6.516,-- € - 304,-- € 6.820,-- € 630,-- € gesamte Gemeinkosten 5.740,-- € - 340,-- € 6.080,-- € 1.220,-- € Der rein preisbedingte Kostenanstieg beträgt 6.080 €. Auffällig ist eine preisbedingte Verringerung der primären Gemeinkosten, während die Preise der innerbetrieblichen Leistungen so stark angestiegen sind, dass die sekundären Gemeinkosten insgesamt höher ausfallen. 76 II. Entscheidungsorientierte Erfolgsinformationen Kostenart Plan-Ist-Abweichung Budgetabweichung Verbrauchsabweichung Beschäftigungsabweichung 410 Hilfsstoffe - 1.750,-- € 750,-- € - 1.000,-- € 450,-- € 430 Lohnkosten - 3.120,-- € 610,-- € - 2.510,-- € 1.340,-- € 450 sonstige Gemeinkosten 210,-- € 1.150,-- € 1.360,-- € 950,-- € primäre Gemeinkosten - 4.660,-- € 2.510,-- € - 2.150,-- € 2.740,-- € 530 Umlage der Werkstatt - 400,-- € 600,-- € 200,-- € 0,-- € 531 Umlage des Lagers - 1.000,-- € 750,-- € -250,-- € 0,-- € 532 Umlage der Dreherei 340,-- € 340,-- € 680,-- € 0,-- € sekundäre Gemeinkosten - 1.060,-- € 1.690,-- € 630,-- € 0,-- € gesamte Gemeinkosten - 5.720,-- € 4.200,-- € - 1.520,-- € 2.740,-- € Während die Gesamtkosten der Fräserei gestiegen sind, zeigt die negative Verbrauchsabweichung, dass insgesamt effizient gearbeitet wurde. Die Kosten blieben unter den Sollkosten. Eine Detailanalyse zeigt dabei Unterschiede: während auf Primärkostenebene insgesamt Kosten stärker als zu erwarten eingespart werden konnten, stiegen die Kosten der innerbetrieblichen Leistungen. Zu dem ungünstigen Preiseffekt kommt bei diesen also auch ein mengenmäßiger Mehrverbrauch hinzu. Das Bild in den einzelnen Kostenarten fällt dabei wiederum unterschiedlich aus. (c) Im Vertrieb liegt heterogene Kostenverursachung vor. Die Kostenfunktion ist daher mehrvariablig. Sie lautet: Kosten = f (Absatzmenge, Versandgewicht) = = 30.000 € + 10 € / Stk. ⋅ Absatzmenge + 2,50 € / kg ⋅ Versandgewicht. Die Sollkosten ergeben sich demnach zu KSoll = 30.000 € + 10 € / Stk. ⋅ 900 Stk. + 2,50 € / kg ⋅ 4.200 kg = 49.500 €. Die Verbrauchsabweichung liegt bei 52.000 € – 49.500 € = 2.500 €. 77 Fallstudie 5: HiTecSe AG Fallstudie 5: HiTecSe AG Variantenmanagement mit der Prozesskostenrechnung Problembeschreibung: Seit vielen Jahren besitzt die High Tech Sensoren AG (HiTecSe) einen herausragenden Ruf auf dem Gebiet der optischen Sensorik. Nach starkem Wachstum ist HiTecSe mit einem Marktanteil von 45 % Marktführer in Deutschland, auf dem Weltmarkt ist das Unternehmen zweitgrößter Anbieter von optischen Sensoren. Zum Kundenkreis von HiTecSe zählen die Hersteller großer Industrieanlagen ebenso wie Automobilfabriken und Werkzeugmaschinenhersteller. Derzeit bietet die HiTecSe drei Produktreihen an. Dies sind die Sensoren OS- 200, OS-300 und OS-500. Jede Produktreihe umfasst verschiedene Varianten, die auch nach speziellen Kundenvorgaben hergestellt werden. Kontakte zu Kunden und Aufträge ergeben sich sowohl auf Initiative der HiTecSe selbst als auch auf Anfragen der Kunden hin. Vielfach werden neue Varianten in enger Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt. Trotz ihrer guten Marktpositionierung, ihrer Kundenfreundlichkeit und des hohen technischen Standards ihrer Sensoren liegt das Ergebnis der HiTecSe unter den branchenüblichen Werten. HiTecSe kalkuliert knapp und kann gerade ihre Kosten decken. Da die von HiTecSe für die starke Expansion in Anspruch genommenen Kredite derzeit mit bis zu 12 % zu verzinsen sind, wirkt sich der hohe Fremdkapitalanteil zusätzlich belastend aus. Helga Heitek kommt als neue Controllerin zur HiTecSe und soll dem Problem der schwachen Ertragslage nachgehen. Schon ein erster Blick in die Kostenrechnung zeigt ihr, dass die HiTecSe in kaufmännischer Hinsicht viel stärker traditionell geführt wird als in technischer. So verwendet die HiTecSe zur Produktkalkulation bis heute eine wenig differenzierte Zuschlagskalkulation, bei der die Gemeinkosten über prozentuale Zuschläge auf die jeweiligen Einzelkosten oder andere indirekte Bezugsgrößen kalkuliert werden. Das Kalkulationsschema sowie die Planwerte für die kommende Periode zeigt die folgende Tabelle: Kalkulationsschema Plankosten Materialeinzelkosten 2.000.000 € + Materialgemeinkostenzuschlag 2.000.000 € Fertigungslöhne Anlage 1 1.700.000 € Fertigungslöhne Anlage 2 1.300.000 € + Fertigungsgemeinkostenzuschlag 1.800.000 € + Sondereinzelkosten der Fertigung Herstellkosten 8.800.000 € + Zuschlag für sonstige Gemeinkosten 4.400.000 € Plan-Selbstkosten 13.200.000 €

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Zusammenfassung

Controlling-Methoden gekonnt umsetzen

Für ein erfolgreiches Controlling genügt es nicht, die Methoden zu beherrschen – man muss sie vor allem auch praktisch umsetzen können. Die richtige Methode wählen, sie geschickt auf das aktuelle Problem anwenden und Widrigkeiten bei ihrem Einsatz überwinden: das kennzeichnet gutes Controlling.

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Aus dem Inhalt:

- Controlling-Organisation

- Planungs- und Kontrollkonzepte

- Erfolgssteuerung mit Budgets und Lenkpreisen

- Risikocontrolling

- Preiscontrolling

- Gemeinkostenmanagement

- Investitionsmanagement

- Wertorientierte Führung mit Kennzahlen