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Fallstudie 16: Ebemann AG in:

Ernst Troßmann, Alexander Baumeister, Clemens Werkmeister

Fallstudien im Controlling, page 277 - 286

Lösungsstrategien für die Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4570-1, ISBN online: 978-3-8006-4571-8, https://doi.org/10.15358/9783800645718_277

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271 Fallstudie 16: Ebemann AG Fallstudie 16: Ebemann AG Beteiligungs- und Projektbeurteilung bei differenzierten Zinskonditionen Problembeschreibung: Die Ebemann AG ist ein alteingesessener Dienstleister für das Hotel- und Gaststättengewerbe, dessen Geschäft seit einer kräftigen Expansion vor einigen Jahren in ziemlich gleichbleibenden Bahnen verläuft. Der Vorstandsvorsitzende, Udo V. Strahler, strahlt allzeit Dynamik und Zuversicht aus. Nach einem ausführlichen Gespräch mit seiner Hausbank grübelt er dennoch über seine Finanzlage. Mit dieser Bank hat er einen Kreditrahmen über 150.000 € vereinbart, von dem die Ebemann AG derzeit 55.000 € in Anspruch genommen hat. Diese Inanspruchnahme könnte die Ebemann AG jederzeit ausbauen oder zurückführen. Als Zinssatz sind 6 % für das Jahr 1 sowie marktbezogene Anpassungen für die Folgejahre vereinbart. Angesichts der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung rechnet Udo V. Strahler mit einem Zinssatz von 8 % für das Jahr 2 sowie 9 % für das Jahr 3 und alle weiteren Jahre. Erfahrungsgemäß liegen diese Zinssätze um zwei Prozentpunkte über den Zinssätzen, zu denen die Ebemann AG jederzeit Geld anlegen könnte. Udo V. Strahler geht zudem von folgenden Zahlungsprognosen aus: Er schätzt, dass er mit den Überschüssen des laufenden Geschäfts alle bisher geplanten Zahlungen leisten kann. Insbesondere sind dies: die Zinsen für diesen Kredit in der derzeit in Anspruch genommenen beziehungsweise geplanten Höhe und die Zinsen aller anderen, für einen längeren Zeitraum abgeschlossenen Kredite der Ebemann AG, außerdem die Vorstandsbezüge und eine jährliche Dividende. Als Dividende sind jährlich 80.000 € ab sofort, also ab Ende des Jahres 0 eingeplant. Die Deckung der geplanten Zahlungen durch die Überschüsse des laufenden Geschäfts gilt trotz der steigenden Zinsen wegen der Ausnutzung verschiedener Kostenoptimierungspotenziale voraussichtlich auch für die Jahre 2 und 3 und alle Folgejahre. Eine Rückführung des Kredits erlauben die bislang geplanten Überschüsse jedoch nicht. Immerhin kann ein Überschreiten des Kreditrahmens vermieden werden. Dieses wäre mit der Hausbank zwar grundsätzlich für bis zu 300.000 € abgesprochen, doch würde dafür ein um drei Prozentpunkte höherer Zinssatz berechnet. Aufgabenstellung zu Fallstudie 16 (Ebemann AG): Aufgabe 1: Darstellung der Finanzsituation Stellen Sie die Finanzsituation der Ebemann AG für die Jahre 1 bis 3 in einer geeigneten Tabelle dar. Tragen Sie darin als Regelfinanzierung ein, zu welchen Zinssätzen und in welchem Umfang die Ebemann AG in den einzelnen Jahren zusätzliche Beträge im Vergleich zur derzeitigen Planung anlegen oder aufnehmen kann (zur Vorgehensweise vgl. Troßmann [Investition] 122-126). Geben Sie auch die Konditionen für darüber hinausgehende Beträge an. 272 VII. Investitionsmanagement Aufgabe 2: Beurteilung von Entnahmeentscheidungen Udo V. Strahler überlegt, dass die Ebemann AG durch Aussetzung der bislang sofort (zum Ende von Jahr 0) eingeplanten Dividende die Inanspruchnahme des Kreditrahmens danach und die entsprechenden Zinsen grundsätzlich verringern könnte. Die daraus resultierenden Vorteile könnten später in Form einer entsprechend höheren Dividendenausschüttung an die Aktionäre weitergegeben werden. Strahler unterbreitet diesen Vorschlag Ludwig Ebemann, dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Hauptaktionär der Ebemann AG. Dieser möchte wissen, welche Zahlungskonsequenzen eine einmalige Dividendenaussetzung für ihn angesichts seiner 50 %igen Beteiligung konkret hätte. Als Nullalternative setzt er die Beibehaltung der bisherigen Dividende und damit auch der bisherigen Finanzplanung an. (a) Bestimmen Sie die Zahlungsänderungen gegenüber der Nullalternative durch die Dividendenaussetzung, wenn statt der ausfallenden Dividende zum Jahr 0 eine entsprechend höhere Dividende in Jahr 3 gezahlt wird. (b) Vergleichen Sie die Vorteilhaftigkeit der Dividendenalternativen aus Sicht der Ebemann AG. (c) Wie soll L. Ebemann die beiden Dividendenalternativen finanziell bewerten, wenn er angesichts seiner angespannten privaten Finanzlage mit einem Zinssatz von 9 % rechnet? Aufgabe 3: Projektbewertung bei differenzierten Zinssätzen Udo V. Strahler will unter dem Projektnamen Well Air ein spezielles Raumbeduftungssystem entwickeln, das in vorhandene Klimaanlagen eingebaut und auf spezielle Gastduftprofile ausgerichtet werden kann. Dies würde sofort 90.000 € kosten. Strahler zufolge haben auch mehrere Hotels ernsthaftes Interesse daran gezeigt. Dennoch wäre damit zu rechnen, dass im Jahr 1 die Ausgaben die Einnahmen um 90.000 € übersteigen. Erst im Jahr 2 könnte mit Einnahmenüberschüssen von 110.000 €, in Jahr 3 mit Überschüssen von 100.000 € gerechnet werden. Spätere Überschüsse wären möglich, wenn sich das Raumbeduftungssystem auf dem Markt durchsetzt. Andererseits sind Reaktionen der Konkurrenz zu befürchten, die weitere Überschüsse verhindern. Führen Sie für das Projekt Well-Air eine Projektbewertung zum Ende des dritten Jahres durch. Gehen Sie dabei von der ursprünglichen Finanzplanung der Ebemann AG aus und nehmen Sie zunächst an, dass nach Jahr 3 keine weiteren Einnahmenüberschüsse mehr anfallen. Aufgabe 4: Einplanung einer Kapitalerhöhung Udo V. Strahler legt das Projekt Well-Air L. Ebemann vor, dem das Projekt gefällt. Allerdings überzeugt es ihn finanziell nicht ganz. Dies führt er auf die Finanzlage der Ebemann AG zurück. Nach Rücksprache mit verschiedenen Mitaktionären glauben L. Ebemann und Udo V. Strahler, der Ebemann AG 273 Fallstudie 16: Ebemann AG über eine einmalige Kapitalerhöhung 200.000 € zum Ende von Jahr 1 zuführen zu können, die dauerhaft in der Ebemann AG verbleiben. (a) Bestimmen Sie die neue Regelfinanzierung nach dieser Kapitalerhöhung (vgl. Troßmann/Werkmeister [Arbeitsbuch] 35 ff.). Aktualisieren Sie dazu die Finanzierungssituation aus Aufgabe 1 um die Kapitalerhöhung und ihre Zinswirkungen. (b) Berechnen Sie den Kapitalwert für das Projekt Well-Air aus Sicht der Ebemann AG nach beschlossener Kapitalerhöhung. Ermitteln Sie dazu den Wert der Projektüberschüsse zum Ende des dritten Jahres unter Berücksichtigung der Kapitalerhöhung und ihrer Zinswirkung und diskontieren Sie ihn mit den Grenzzinssätzen der einzelnen Jahre. Ist dieser Barwert als Kapitalwert in dem Sinne zu verstehen, dass bei seiner Entnahme zu Beginn der Projektlaufzeit nach dem Projektende kein positiver oder negativer Finanzierungssaldo verbleibt? Weshalb und wie ist er gegebenenfalls zu korrigieren? (c) Wegen seines aufwendigen Lebensstils ist die private Finanzlage von L. Ebemann ständig angespannt. Er rechnet daher mit einem Kalkulationszinssatz von 9 %. Prüfen Sie, ob sich die Teilnahme an der Kapitalerhöhung für L. Ebemann dennoch lohnt. Aufgabe 5: Entscheidungsorientierte Projektbewertung Die übrigen Aktionäre der Ebemann AG wären unter Umständen bereit, die Kapitalerhöhung alleine zu tragen. L. Ebemann würde ihnen dazu seine Bezugsrechte kostenfrei übertragen. Offen ist, wie viele Aktien für die 200.000 € ausgegeben werden sollen, und damit auch, wie groß die künftige Beteiligung von L. Ebemann und den übrigen Aktionären ist. Bisher ist das Eigenkapital der Ebemann AG in 100.000 Stückaktien aufgeteilt, von denen L. Ebemann die Hälfte hält und die übrigen Aktionäre zusammen die andere Hälfte. L. Ebemann geht davon aus, dass die Finanzlage der übrigen Aktionäre weniger angespannt ist als seine eigene. Er schätzt ihren Kalkulationszinssatz daher auf 6 %. (a) Gemäß ihrer ursprünglichen Planung beabsichtigt die Ebemann AG zum Ende des jetzigen Jahres und zum Ende der folgenden Jahre Dividendenzahlungen von jeweils insgesamt 80.000 €. Bestimmen Sie den Wert der künftigen Dividenden für die übrigen Aktionäre, wenn die Kapitalerhöhung und das Projekt Well-Air nicht durchgeführt werden. L. Ebemann und Udo V. Strahler grübeln über den Wert der Beteiligung der übrigen Aktionäre bei Durchführung der Kapitalerhöhung und des Projekts Well-Air. Udo V. Strahler bemerkt, dass die Kapitalerhöhung der Ebemann AG einen Zinsvorteil erbringt, der sich ab dem Ende des Jahres 3 jährlich auf 16.017 € beläuft. Dieser Zinsvorteil könne in Jahr 3 und allen Folgejahren in Form einer höheren Dividende ausgeschüttet werden. Wenn man zusätzlich in Jahr 3 einmalig den geschätzten Endwert des Projekts Well-Air von 6.555 € ausschütten würde, könne man den Kapitalwert aller künftigen Ausschüttungen berechnen. 274 VII. Investitionsmanagement (b) Stellen Sie die Zahlungsreihe der gesamten künftigen Dividenden der Ebemann AG ab Jahr 1 unter den geschilderten Annahmen auf. Bestimmen Sie den Gesamtwert dieser Zahlungen aus Sicht der übrigen Aktionäre. (c) Welchen Anteil an der Ebemann AG muss L. Ebemann den übrigen Aktionären künftig mindestens zugestehen, damit es für sie vorteilhaft ist, die Kapitalerhöhung über 200.000 € zum Ende von Jahr 1 alleine zu finanzieren? Wie viele Aktien sind auszugeben und zu welchem Preis? (d) Welchen Anteil an der Ebemann AG sollte L. Ebemann höchstens vorschlagen, falls sich die Aktionäre mit dem Mindestanteil aus c nicht zufrieden geben? Aufgabe 6: Marktorientierte Projektbewertung Angesichts der Ergebnisse aus Aufgabe 4 sind sich die Beteiligten unschlüssig über die zu wählenden Parameter der Kapitalerhöhung. Sie geben daher bei der renommierten CBMG Capital Beratung Max Gwinner ein Wertgutachten in Auftrag. Max Gwinner will sich am „objektivierten Shareholder Value“ orientieren und dazu die künftigen Cash flows mit einem gewichteten und risikoangepassten Durchschnittszinssatz abzinsen. Zur Cash-flow-Prognose greift er auf Udo V. Strahlers Angaben zurück. Den Durchschnittszinssatz berechnet er aus den Fremdkapitalzinssätzen der Ebemann AG, gewichtet mit der Fremdkapitalquote, sowie den aus allgemeinen Marktkonditionen und Risikokorrelationen geschätzten Verzinsungsanforderungen der Eigenkapitalgeber, gewichtet mit der Eigenkapitalquote (vgl. zu diesem Ansatz, seinen Annahmen und Problemen Kruschwitz/Husmann [Finanzierung] 395 ff.). Nach langem Rechnen mit vielen Korrekturposten, unter anderem zur passenden Zuordnung der Pensionsrückstellungen und Lieferantenkredite der L. Ebemann AG, kommt Max Gwinner auf den Zinssatz 8,5 % für den Fall, dass die Kapitalerhöhung und das Projekt Well-Air durchgeführt werden. Andernfalls wäre er 8,2 %. (a) Berechnen Sie den Wert der künftigen Dividenden, die Beteiligung der übrigen Aktionäre und den Preis der neuen Aktien für diese beiden Zinssätze. (b) Beurteilen Sie die Orientierung an diesem „objektivierten Shareholder Value“ aus Sicht der Beteiligten. 275 Fallstudie 16: Ebemann AG Lösungshinweise zu Fallstudie 16 (Ebemann AG): Aufgabe 1: Darstellung der Finanzsituation Abb. VII-3 enthält die Finanzierungssituation der Ebemann AG bis zum Jahr 3. Der Regelzinssatz gilt für zusätzliche Beträge im Vergleich zur derzeitigen Finanzplanung, wobei Geldanlagen (auch in Form einer Kreditreduzierung) bis zu einer anderen Grenze (Obergrenze) möglich sind als zusätzliche Kredite (Untergrenze der Regelfinanzierung). Die Anlage höherer Beträge wird im Folgenden als Habenfinanzierung bezeichnet. Für sie gelten die angegebenen Habenzinssätze. Für höheren Kreditbedarf (die sogenannte Sollfinanzierung) gelten bis zu einem Gesamtbedarf von 395.000 € die Sollzinssätze aus Abb. VII-3 (vgl. zur Methodik allgemein Troßmann [Investition] 116 – 138). Jahr Untergrenze der Sollfinanzierung Sollzinssatz Untergrenze der Regelfinanzierung Regelzinssatz Obergrenze der Regelfinanzierung Habenzinssatz 0 1 – 395.000 € 9 % – 95.000 € 6 % 55.000 € 4 % 2 – 395.000 € 11 % – 95.000 € 8 % 55.000 € 6 % 3 – 395.000 € 12 % – 95.000 € 9 % 55.000 € 7 % Abb. VII-3: Regelfinanzierung der Ebemann AG mit Anschlusszinssätzen Aufgabe 2: Beurteilung von Entnahmeentscheidungen (a) Zahlungsänderungen durch Aussetzung der Dividende im Jahr 0 im Vergleich zur bisherigen Dividendenzahlung als Nullalternative: Jahr Regelfinanzierung Habenfinanzierung Grenzzinssatz Regelzinsen Habenzinsen Projekt- überschuss kumulierter Überschuss 0 80.000 € 80.000 € 1 55.000 € 25.000 € 4 % 3.300 € 1.000 € 0 € 84.300 € 2 55.000 € 29.300 € 6 % 4.400 € 1.758 € 0 € 90.458 € 3 55.000 € 35.458 € 7 % 4.950 € 2.482 € 0 € 97.890 € Die Sollfinanzierung ist nicht betroffen und nicht abgebildet. (b) Wenn der aus den Zinseffekten stammende Überschuss der Dividendenaussetzung zum Ende von Jahr 3 ausgeschüttet wird, bleibt der Ebemann AG danach kein Vorteil. Zwar beträgt der Überschussbarwert der höheren Dividende 97.890 € / (1,04 · 1,06 · 1,07) = 82.988 €. Doch ist er wegen der Überschreitung der Intervallgrenzen wieder auf 80.000 € zu korrigieren, um tatsächlich als ausschüttbarer Kapitalwert interpretierbar zu sein. Ein Verzicht auf die Dividende von 80.000 € in Jahr 0 senkt lediglich die Finanzierungskosten für weitere Projekte bis Jahr 3, da die Grenzzinssätze niedriger sind als die Regelzinssätze. Die Finanzierungsgrenzen sind ent- 276 VII. Investitionsmanagement sprechend anzupassen. Für die neue Regelfinanzierung sind keine Obergrenzen bekannt. Die Untergrenzen der Finanzierungsintervalle lauten: Jahr Untergrenze der zweiten Sollfinanzierung Sollzinssatz Untergrenze der ersten Sollfinanzierung Regelzinssatz Untergrenze der Regelfinanzierung Habenzinssatz 1 – 475.000 € 9 % – 175.000 € 6 % – 25.000 € 4 % 2 – 479.300 € 11 % – 179.300 € 8 % – 29.300 € 6 % 3 – 485.458 € 12 % – 185.458 € 9 % – 35.458 € 7 % (c) Für L. Ebemann ergibt sich bei einem Zinssatz von 9 % folgender Kapitalwert der Dividendenaussetzung: C = – 40.000 € + 2 1 · 97.890 € · 1,09 -3 = – 2.205 €. Die Dividendenaussetzung ist für L. Ebemann daher nicht vorteilhaft. Aufgabe 3: Projektbewertung bei differenzierten Zinssätzen Das Projekt Well-Air nimmt die Finanzierungskonditionen aus Abb. VII-3 wie unten angegeben in Anspruch. Die zugehörigen Zinsen sind ebenfalls aufgeführt. Zusammen mit den Projektüberschüssen führt dies zu den unten angegebenen kumulierten Überschüssen. Jahr Sollfinanzierung Regelfinanzierung Grenzzinssatz Sollzinsen Regelzinsen Projektüberschuss kumulierter Überschuss 0 – 90.000 € – 90.000 € 1 0 € – 90.000 € 6 % 0 € – 5.400 € – 90.000 € – 185.400 € 2 – 90.400 € – 95.000 € 11 % – 9.944 € – 7.600 € 110.000 € – 92.944 € 3 0 € – 92.944 € 9 % 0 € – 8.365 € 100.000 € – 1.309 € Zinsfaktor: 1,2825 Projektbarwert: – 1.021 € Die Habenfinanzierung ist nicht betroffen und nicht abgebildet. Abzinsen des Endwertes mit dem Zinsfaktor 1,2825 ergibt den negativen Überschussbarwert von – 1.021 €. Das Projekt lohnt sich in dieser Finanzierungssituation nicht. Aufgabe 4: Einplanung einer Kapitalerhöhung (a) Die Zinskonditionen und Grenzen der neuen Regelfinanzierung ergeben sich aus der Kapitalerhöhung um 200.000 € zum Ende von Jahr 1 und den nachfolgenden Zinswirkungen. Diese bestehen zum Ende von Jahr 2 aus einer Zinsersparnis in Höhe von 55.000 € · 8 % = 4.400 € sowie zusätzlichen Zinseinnahmen über 145.000 € · 6 % = 8.700 €, zusammen also 13.100 €. Insgesamt hat die Ebemann AG am Ende von Jahr 2 daher 213.100 € mehr als ohne Kapitalerhöhung. Diese Rechnung ist in der nachfolgenden Tabelle durchgeführt. 277 Fallstudie 16: Ebemann AG Jahr Regelfinanzierung Habenfinanzierung Grenzzinssatz Regelzinsen Habenzinsen Projekt- überschuss kumulierter Überschuss 0 0 € 0 € 1 0 € 0 € 6 % 0 € 0 € 200.000 € 200.000 € 2 55.000 € 145.000 € 6 % 4.400 € 8.700 € 0 € 213.100 € 3 55.000 € 158.100 € 7 % 4.950 € 11.067 € 0 € 229.117 € Wegen der geänderten Beanspruchung der bisherigen Finanzierungen ist eine neue Regelfinanzierung als Grundlage der Beurteilung weiterer Projekte zu bestimmen (vgl. Troßmann/Werkmeister [Arbeitsbuch] 141 – 147). Folgende Tabelle zeigt ihre Zinssätze und Finanzierungsgrenzen. Jahr Untergrenze neue Sollfinanzierung neuer Sollzinssatz Untergrenze neue Regelfinanzierung neuer Regelzinssatz Obergrenze neue Regelfinanzierung neuer Habenzinssatz 0 1 – 395.000 € 9 % – 95.000 € 6 % 55.000 € 4 % 2 – 295.000 € 8 % – 145.000 € 6 % keine Angabe 3 – 308.100 € 9 % – 158.100 € 7 % keine Angabe Hinzu kommen in Jahr 1 zusätzliche Untergrenzen für eine weitere Sollfinanzierung. Diese betragen – 595.000 € beim Zinssatz von 11 % in Jahr 2 sowie 608.100 € beim Zinssatz von 12 % in Jahr 3. (b) Der Endwert für Well-Air nach der Kapitalerhöhung berechnet sich wie folgt: Jahr Sollfinanzierung Regelfinanzierung Grenzzinssatz Sollzinsen Regelzinsen Projekt- überschuss kumulierter Überschuss 0 – 90.000 € – 90.000 € 1 0 € – 90.000 € 6 % 0 € – 5.400 € – 90.000 € – 185.400 € 2 – 40.400 € – 145.000 € 8 % – 3.232 € – 8.700 € 110.000 € – 87.332 € 3 0 € – 87.332 € 7 % 0 € – 6.113 € 100.000 € 6.555 € Zinsfaktor: 1,2249 Projektbarwert: 5.351 € Diskontiert man den Endwert von 6.555 € mit dem angegebenen Zinsfaktor, erhält man als Barwert der Projektüberschüsse 5.351 €. Entnimmt man diesen Barwert zum Projektbeginn in Jahr 0, ergibt sich gemäß Abb. VII-4 nach dem Ende der betrachteten Projektzahlungen ein Saldo von – 12 €. Die anfängliche Entnahme ist daher um den zugehörigen Barwert von – 10 € auf 5.341 € zu korrigieren. Bei Entnahme dieses Betrags ergibt sich schließlich zum Projektende ein Saldo von null. Er ist daher der Kapitalwert des Projekts (vgl. Troßmann [Investition] 127). (c) Da die Grenzzinssätze der AG weiterhin geringer sind als L. Ebemanns Kalkulationszinssatz von 9 %, ist für ihn die Projektbeteiligung nach wie vor 278 VII. Investitionsmanagement Jahr Sollfinan-zierung Regelfinanzierung Grenzzinssatz Sollzinsen Regelzinsen Projekt- überschuss kumulierter Überschuss 0 Entnahme des Projektbarwertes: – 5.351 € – 90.000 € – 95.351 € 1 – 351 € – 95.000 € 9 % – 32 € – 5.700 € – 90.000 € – 191.083 € 2 – 46.083 € – 145.000 € 8 % – 3.687 € – 8.700 € 110.000 € – 93.469 € 3 0 € – 93.469 € 7 % 0 € – 6.543 € 100.000 € – 12 € Zinsfaktor: 1,2596 neuer Projektbarwert: – 0 € Abb. VII-4: Der Überschuss-Barwert als Kapitalwert des Projekts unvorteilhaft. Für seinen Anteil am Gesamtwert C(1) als Summe der Kapitalerhöhung zum Ende von Jahr 1 und des Projekts Well-Air gilt: €.67,330.1000.100 09,1 €341.5€117.229 2 1C 2 )1( −=−+⋅= Aufgabe 5: Entscheidungsorientierte Projektbewertung (a) Ohne Dividendenaussetzung, Kapitalerhöhung oder das Projekt Well-Air erhalten die übrigen Aktionäre eine unendliche Reihe von 40.000 €. Bei ihrem Zinssatz von 6 % beträgt deren Wert 666.667 €. (b) Die Zahlungsreihe und der Wert der gesamten künftigen Dividenden der Ebemann AG für die beiden relevanten Zinssätze: Jahr Zeitwert der Dividenden Zeitwert der Dividenden mit abgezinster unendlicher Rente Barwert bei p = 6 % (für die übrigen Aktionäre) Barwert bei p = 9 % (für Ludwig Ebemann) 1 80.000 € 80.000 € 75.472 € 73.394 € 2 80.000 € 80.000 € 71.200 € 67.334 € 3 96.017 € + 6.555 € 102.572 € + 96.017 €/ p 1.429.750 € 903.013 € 4 96.017 € 0 € 0 € 0 € 5 ff. 96.017 € 0 € 0 € 0 € Kapitalwert: 1.576.421 € 1.043.741 € (c) Der Anteil x der übrigen Aktionäre am Kapitalwert der künftigen Dividenden muss abzüglich der Kapitalerhöhung zum Ende von Jahr 1 mindestens soviel wert sein wie der Wert der bisherigen Dividenden als Nullalternative. Es gilt für diese Mindestbeteiligung der übrigen Aktionäre an der Ebemann AG: 1.576.421 € · x – 06,1 000.200 € ≥ 666.667 € bzw. x ≥ .%26,54 421.576.1 06,1/000.200667.666 =+ 279 Fallstudie 16: Ebemann AG Die 50.000 Aktien von L. Ebemann entsprechen dann 45,74 %. Die neue Gesamtaktienzahl beträgt 50.000/0,4574 = 109.314 Aktien. Die übrigen Aktionäre erhalten gemeinsam alle 9.313 jungen Aktien zum Preis von 200.000 € : 9.313 Aktien = 21,48 € / Aktie. (d) Der Kapitalwert der Nullalternative beträgt für L. Ebemann 40.000 € / 0,09 = 444.444 €, der Kapitalwert der Dividenden nach Kapitalerhöhung und Projekt Well-Air 1.043.741 €. Behält er an der Ebemann AG einen Anteil über 444.444 / 1.043.741 = 42,58 %, ist es für L. Ebemann vorteilhaft, der Kapitalerhöhung zuzustimmen und zugleich sämtliche Bezugsrechte an die übrigen Aktionäre abzutreten. Er sollte den übrigen Aktionären also höchstens 57,42 % zugestehen. Im Grenzfall wären dies 17.426 junge Aktien zum Preis von dann 200.000 € : 17.426 Aktien = 11,48 € / Aktie; die Obergrenzenbedingung lässt sich jedoch auch bei kleinerer Aktienzahl zu entsprechend höherem Preis erfüllen. In Verbindung mit den Ergebnissen aus Aufgabe 4 ist also eine für beide Seiten annehmbare Lösung möglich. Aufgabe 6: Marktorientierte Projektbewertung (a) Der objektivierte Marktwert als Wert der Dividenden beim jeweiligen Durchschnittszinssatz beträgt im Fall ohne Kapitalerhöhung und Projekt Well-Air: C(8,2 %) = 082,0 000.80 = 975.610 €. mit Kapitalerhöhung und Projekt Well-Air: C(8,5 %) = 3321 085,1085,0 017.96 085,1 572.102 085,1 000.80 085,1 000.80 ⋅ +++ = 1.106.376 €. Entsprechend gilt für den Anteil x der übrigen Aktionäre: 1.106.375 € · x – 085,1 €000.200 ≥ 2 1 · 975.610 € somit: x ≥ 60,75 %. Die 50.000 Aktien von L. Ebemann entsprechen 39,25 % der neuen Gesamtzahl von 50.000/0,3925 = 127.389 Aktien. Die übrigen Aktionäre erhielten nach dem Shareholder-Value-Ansatz von Max Gwinner 27.389 junge Aktien zum Preis von 7,30 € je Aktie. (b) Ein Vergleich mit den Einzelperspektiven aus Aufgabe 4 zeigt, dass die übrigen Aktionäre sehr wohl mit dem Vorschlag von Gwinner leben können, L. Ebemann jedoch nicht. Generell sind derartige objektivierte Bewertungsansätze für Projekte oder Beteiligungen lediglich dann aussagekräftig, wenn beiden interessierten Parteien die unterstellten objektivierten Zinskonditionen tatsächlich zur Verfügung stehen (vgl. auch die Prämissen entsprechender Kapitalmarktmodelle bei Kruschwitz/Husmann [Finanzierung]). Dies dürfte in der vorliegenden Beispielsituation nicht der Fall sein, da sonst L. Ebemann die günstigeren Finanzierungs- und die übrigen Aktionäre die günstigeren Anlagemöglichkeiten ausnutzen würden, über die sie unabhängig von der Kapitalerhöhung und dem Projekt Well-Air verfügen. 280 VII. Investitionsmanagement Fallstudie 17: Edelfunken GmbH Optimierung der Projektfinanzierung durch Umschuldungsmaßnahmen Problembeschreibung: Die Edelfunken GmbH ist ein alteingesessener Hersteller von Satellitenempfängern, dessen Produkte für ihre hohe Qualität bekannt sind. Der gute Ruf hat stets für gute Verkaufszahlen gesorgt. In den vergangenen beiden Geschäftsjahren ist der Absatz allerdings drastisch eingebrochen. Grund für den deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen ist das derzeitige Sortiment von Edelfunken. Es enthält ausschließlich analoge Satellitenempfänger. Durch die Einstellung des analogen Satellitensignals für europäische Sender ist dieser ehemals absatzstärkste Markt komplett weggebrochen. Die wenigen derzeit noch produzierten Einheiten sind allesamt für den außereuropäischen Markt bestimmt. Stefan Funk, der Geschäftsführer der Edelfunken GmbH, hat den stetigen Übergang der Nachfrage von analogen zu digitalen Satellitenempfängern bisher ignoriert. Bis zuletzt hat er sich gegen die Entwicklung und Produktion digitaler Satellitenempfänger gewehrt. Die jetzige Unternehmenssituation zwingt ihn allerdings dazu, nun auch digitale Satellitenempfänger in das Sortiment aufzunehmen. S. Funk beauftragt daher den Produktionsleiter Martin Macher und die Leiterin der Marketingabteilung Wilma Werber, ein Konzept für die Produktion und Vermarktung von digitalen Satellitenempfängern zu entwerfen. Nach zwei Wochen präsentieren M. Macher und W. Werber ihre Ergebnisse. Um möglichst bald digitale Satellitenempfänger auf den Markt bringen zu können, schlägt M. Macher vor, eine Produktionsanlage aus der Insolvenzmasse eines ehemaligen Wettbewerbers zu kaufen. Dies wäre mit Ausgaben von 6 Mio. € verbunden, zu denen noch 200.000 € für Transport und Neuaufbau kommen. Die Maschine könnte sofort in Betrieb genommen werden, um Satellitenempfänger vom Typ DigiSat herzustellen. Auch die Produktionskosten für Empfänger dieses Typs konnte M. Macher in Erfahrung bringen. W. Werber hat eine Marktanalyse für DigiSat-Empfänger durchgeführt und zusammen mit M. Macher die günstigste Preis-Mengen-Kombination für dieses Produkt herausgefunden. Unter Berücksichtigung regelmäßig anfallender Ausgaben für Betrieb und Wartung der Maschine sowie begleitende Werbemaßnahmen ergeben sich daraus folgende Periodenüberschüsse: Jahr 1 2 3 4 Projekt- überschuss 1.420.000 € 2.300.000 € 1.650.000 € 2.000.000 € S. Funk zeigt sich begeistert von dem Vorschlag seiner Mitarbeiter. Er beauftragt daher umgehend den Leiter der Finanzabteilung, Robert Blanc, das Projekt zu bewerten. R. Blanc analysiert zunächst die Finanzierungssituation der Edelfunken GmbH: Bei der Edelfunken GmbH bestehen derzeit vier Kreditvereinbarun-

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Zusammenfassung

Controlling-Methoden gekonnt umsetzen

Für ein erfolgreiches Controlling genügt es nicht, die Methoden zu beherrschen – man muss sie vor allem auch praktisch umsetzen können. Die richtige Methode wählen, sie geschickt auf das aktuelle Problem anwenden und Widrigkeiten bei ihrem Einsatz überwinden: das kennzeichnet gutes Controlling.

Dieses Buch gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihre praktische Umsetzungskompetenz im Controlling zu testen und weiterzuentwickeln. 19 Fallstudien bieten Ihnen dazu typische Problemstellungen; die ausführlichen Lösungen erlauben eine schrittweise Eigenkontrolle. Zudem erhalten Sie zu jedem Themenbereich eine kompakte Einführung mit den zentralen Controlling-Prinzipien und Argumentationslinien.

Aus dem Inhalt:

- Controlling-Organisation

- Planungs- und Kontrollkonzepte

- Erfolgssteuerung mit Budgets und Lenkpreisen

- Risikocontrolling

- Preiscontrolling

- Gemeinkostenmanagement

- Investitionsmanagement

- Wertorientierte Führung mit Kennzahlen